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Verfahren zur Herstellung mehrerer Gußformen für nahtlos gegossene
Stäbe Es ist_ bekannt, beim Formen und Gießen nahtloser runder Schweißstäbe von
.der gewöhnlichen Kastenformerei abzugehen und die Schweißstäbe im gegen die Waagerechte
geneigten Winkel in einem Sandblock unter Zuhilfenatme eines Aufstampfrahmens und
unter Verwendung je eines Modelles für jeden einzelnen .herzustellenden Stab zu
forinen, wobei beliebig viele Lagen über- und nebeneinander eingeformt werden. Dieses
Verfahren ist in der Zeitschrift »Gießereipraxis«, Berlin, und zwar im Heft 1/a
vom C. 1. 1935 auf den S. 7 bis 9 beschrieben.
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Es wurde auch schon vorgeschlagen, Forinen für zu gießende Stäbe durch
in senkrechter Richturig erfolgendes Einstechen von Modellstäben in den Formsand
herzustellen. Dieses Verfahren ist aber zumindest bei geringem Durchmesser der herzustellenden
Stäbe aus verschiedenen Gründen unzweckmäßig bzw. praktisch unbrauchbar. Vor allem
hindert das in die senkrechte Form hineinfallende Eisen die in der Form befindliche
Luft daran, nach oben zu entweichen, so daß die Erzielung eines einwandfreien Auslaufens
der Form sehr erschwert oder ganz unmöglich ist.
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Nach der Erfindung werden die Gußformen für nahtlos gegossene Stäbe,
insbesondere gußeiserne Schweißstäbe, in der Weise hergestellt, daß in die waagerecht,gelagerte
Sandform ein Modellstab (Stichspieß) in schrägem Winkel gegen die Horizontale geneigt
eingestochen wird. Die Schräglage der gestochenen Formen bewirkt, daß die Luft beim
Gießen nach oben entweichen kann und die
Formen leicht und sicher
auslaufen. Gegenüber dein erstgenannten bekannten Verfahren besteht der Fortschritt
in folgendem: es ist für beliebig viele Formen nur ein einziges Modell, nämlich
der Stichspieß, erforderlich tin-l nicht für jeden einzelnen Stab ein eigeiies Modell.
Die Herstellung der Formen ist außerordentlich vereinfacht. Das Einlegen einer großen
Zahl von Modellen und Glas Umstampfen der Modelle mit Sand entfällt. Dadurch wird
auch der, besonders bei dünnen Stäben leicht auftretende Nachteil vermieden, daß
sich die Modelle durch den Stampfdruck verbiegen und daher ungeradlinige Abgüsse
ergeben. Auch ist die Gefahr beseitigt, daß die Abgüsse infolge flüchtigen Unterstampfens
unrund werden bzw. an einzelnen Stellen von dein gewünschten Querschnitt abweichen.
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Das Stechen der Form erfolgt mittels eines Stichspießes, der zweckmäßig
mit einem aufgeschraubten, z. B. Bußeisernen Handgriff versehen ist und selbst z.
B. aus gezogenem, gehärtetem Stahl besteht. Der Querschnitt des Stichspießes entspricht
bei Vernachlässigung cles Schwindmaßes dem der herzustellenden Stäbe. Bei Bußeisernen
Schweißstäben handelt es sich meist um kreisförmige Querschnitte von .i bis 1o inm
Durchmesser. Es können aber mit dem erfindungsgemäßen Verfahren auch Stäbe mit anderen
O_uersc.hnittsabmessungen sowie auch mit nicht kreisförmigem Querschnitt hergestellt
werden. Da sich erfahrungsgemäß zugespitzte Spieße im Sand leicht verlaufen, ist
es vorteilhaft, abgestumpfte Spieße zu verwenden.
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Die Abb. I zeigt einen mit einem Handgriff versehenen Stichspieß z.
Die Abb. 2
und 3 sowie d. und 5 stellen Hilfsmittel zur erfindungsgemäßen
Herstellung der Forinen und zum Gießen derselben dar. Die Abb. 6 zeigt' ein Stichbett
während des Stechens der Formen, die Abb. ; dasselbe Stichbett vor dem Gießen. Die
Abb. 8 veranschaulicht, in welcher Weise zwecks Arbeits- und Raumersparnis mehrere
Lagen von Stäben übereinander nach dem erfindungsgemäßen !, Verfahren gleichzeitig
hergestellt werden können.
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Das Stechen der Formen erfolgt zweckmäßig nicht frei von Hand aus,
sondern mittels einer Stichlehre, die z. B. die aus Abb. a und 3 hervorgehende Gestalt
haben kann und etwa aus Gußeisen besteht. Abb. 3 -neigt die stets mit a bezeichnete
Stichlehre im Querschnitt. Die Stichlehre wird vorzugsweise an der Begrenzung des
Stichbettes mittels schwalbenschwanzförmigen Führungen an den in den Abbildungen
mit 3 bezeichneten Stellen gehalten und der angrenzende Formsand festgestampft.
Die Stichlehre weist eineReihe , schwach geneigter Stichlöcher 4 auf, welche eine
zur sicheren Führung der Stichspieße 1 ausreichende Länge besitzen. Die Stichlöcher
erhalten im Falle der Herstellung von kreisrunden Schweißstäben von etwa -. bis
ro inin Durchmesser vorteilhaft einen tun etwa 0,5 Inm größeren Durchmesser als
die dem jeweils gewünschten Durchmesser entsprechenden Stichspieße. Im Falle nicht
kreisfö riniger Stabquerschnitte erhalten die Stichlöcher einen entsprechend abgeänderten,
zur Führung der Stichspieße geeigneten Querschnitt. Die Stichlöcher können vorteilhaft
mit wechselnder Schräge nach unten leergestellt «-erden (Abb. 3). Diese Maßnahme
erleichtert das Auslaufen der Schweißstäbe. Dabei kann etwa abwechselnd stets auf
eine Bohrung kleinerer Neigung eine solche größerer Neigung folgen (Abb. 3), wodurch
u. a. eine gleichmäßigere Verdrängung Ales Sanden sowie ein Ausgleichen verschiedenen
Drucke: erreicht werden kann.
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Zweckmäßig werden beim Stechen der Forinen stets zwei untereinander
gleiche Spieße verwendet, von denen immer der eine an benachbarter Stelle eingestochen
wird, ehe man den anderen aus dem Stichbett herauszieht. Mit diesem letzteren wird
hierauf unter 1'13eispringung des einstweilen eingestochen bleibenden zweiten Stichspießes
.die nächste Form gestochen usw. Dieser Vorgang kann aus Abb.6 entnommen werden,
in welcher der eine der beiden Stichspieße in den Formsand 5 eingestochen ist, der
andere dagegen gerade zum Stechen der nächsten Form verwendet wird. Dieses Verfahren
hat den Vorteil, daß eine Beschädigung der bereits gestochenen Form während des
in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft erfolgenden Stechens i der nächsten Form durch
den eingestochen bleibenden Stichspieß mit Sicherheit verhindert wird. Ein weiterer
Vorteil liegt darin, daß der eingestochen bleibende -Stichspieß dem Arbeiter stets
eindeutig angibt, wie weit ei bei dem sehr rasch vor sich gehenden Stechen der Formen
längs der Stichlehre fortgeschritten ist, so daß ein irrtümliches Cberspringen von
Bohrungen bzw. ein mehrmaliges Einstechen vermieden wird.
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Sobald die Formen entsprechend den L ;3-chern der Stichlehre gestochen
sind, wird diese z. B. mittels schmiedeeiserner Handgriffe 6 abgehoben und etwa
durch ein genau an ihre Stelle passendes, in Abb. d. von vorne und in Abb.5 von
rückwärts dargestelltes Formstück 7 ersetzt (Abb. 7). Dieses weist
eine Eingußöffnung 8 sowie einen Verteilkanal 9 für alle den Löchern der Stichlehre
entsprechenden Formen auf. Die Befestigung erfolgt in gleicher Weise wie bei der
Stichlehre an den Stellen 3. Das vorzugsweise ebenfalls
aus Gußeisen
bestehende Foriustück 7 muß vor Gebrauch erwärmt werden, damit die zu gießenden
Stäbe auslaufen.
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Die Abb. 8 zeigt, wie nach dem erfindungsgemäßen Verfahren in mehreren
(z. B. zehn) Lagen übereinander- Formen -gleichen oder auch verschiedenen Ouerschnittes
gestochen werden können, wobei sich in jeder Stufe der vorhin beschriebene Arbeitsvorgang
wiederholt. Wie aus der Abbildung ersichtlich, sind die einzelnen Eingußöffnungen
- stufenartig übereinander angeordnet, so daß in einem einzigen Arbeitsgang hintereinander
alle Lagen gegossen werden können, -wobei zweckmäßig bei der Eingußöffnung der untersten
Lage begonnen -wird. Das Stichbett wird bei dieser Anordnung beispielsweise durch
zwei treppenförmige Gußplatten io gebildet, die etwa durch je zwei angeschraubte,
in die Gießereisohle hineinragende U-Eisen ii in senkrechter Stellung gehälten -werden
und die zur Führung der Stichlehre und der E,ingußformstücke dienenden schwalbenschwanzförmigen
Vorsprünge an den mit 3 bezeichneten Stellen aufweisen. Der rückwärtige Abschluß
des Stichbettes kann etwa durch die Gießereiwand oder durch Platten gebildet werden.
Das Gießen der - Stäbe erfolgt sogleich nach Beendigung der Fon uarbeit, da sonst
die vorgewärmten Ein.gußformstücke 7 erkalten und die Schweißstäbe nicht mehr ,auslaufen
würden.
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Als Formmaterial wird beim erfindungsgemäßen Verfahren vorteilhaft
der in der Formmaschinenabteilung beim Gußabklopfenent'fallen.de verbrannte Sand
benutzt, dem etwa wöchentlich einmal drei Schaufeln mageren Neusandes und eine Schaufel
eines Kernbinders beigemengt werden. Der Sand soll nur eine geringe Feuchtigkeit
haben. Er wird zweckmäßig mit einem 3-mm-Maschensieb in das Formbett stufenweise
eingesiebt, ausgeglichen und niedergetreten. Die obere Begrenzung des Formbettes
wird zweckmäßig abgestrichen und mit einer Abdeckplatte belegt, die ein Heben dieses
Teiles der Form beim Gießen verhindert.
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Es können nach dem erfindungsgemäßen Verfahren nicht nur zylindrische
bzw. prismatische, sondern gegebenenfalls auch sich schwach verjüngende Stäbe hergestellt
werden. Es ist ferner möglich, an Stelle einzelner Stichspieße eine Vorrichtung
zu verwenden, -welche das gleichzeitge Stechen einer Mehrzahl von Formen gestattet.