DE62265C - Verfahren zur Darstellung von Alkalialuminat - Google Patents
Verfahren zur Darstellung von AlkalialuminatInfo
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Description
he*
KAISERLICHES
PATENTAMT.
Der Alkalialuminatprocefs bezweckt die Darstellung von Alkalialuminat, Thonerde, ätzenden
und kohlensauren Alkalien (Soda, Potasche) mit Hülfe eines eigenartigen Verfahrens zur
Gewinnung von Alkalialuminat (Kali- oder Natron-Thonerde) aus thonerdehaltigem Material mittelst schwefelsaurer Alkalien.
Der Alkalialuminatprocefs berührt daher sowohl die Fabrikation der Thonerde und ihrer
Verbindungen, als auch die Industrie ätzender und kohlensaurer Alkalien (Soda, Potasche),
sofern dazu diese neue Darstellungsmethode von Alkalialuminat (Kali- oder Natron-Thonerde)
als Ausgangspunkt gewählt wird.
Es ist wiederholt versucht worden, Natron-Thonerde durch Zusammenschmelzen von
Bauxit und schwefelsaurem Natron (an Stelle der dafür gebräuchlichen Soda) unter Zusatz
von Kohle zu gewinnen.
Der stets vorhandene, meist sogar beträchtliche Eisengehalt. des Bauxits bot jedoch —
durch Entstehung stark schwefelhaltiger und von aufgelöstem Schwefeleisen tief schwarz gefärbter
Laugen ■—■ so unüberwindliche Schwierigkeiten, dafs die Aufschliefsung des Bauxits mit
schwefelsauren Alkalien (an Stelle von kohlensauren) allgemein für technisch unbrauchbar
gilt und daher auch nirgends angewendet wird. Zum Belege dieser Behauptung sei mir gestattet
, aus der mafsgebenden technischen Literatur der neuesten Zeit zwei Stellen zu citiren.
In Lunge's Handbuch der Sodafabrikation (Braunschweig 1879), 2. Bd., S. 295 heifst es:
Zwar läfst sich das Natron des Glaubersalzes sehr leicht in Aluminat überführen, ■ wenn man
der Mischung mit Thonerde noch Kohle zusetzt und dann glüht, aber der stets eisenoxydhaltige
Bauxit ist hier nicht verwendbar, weil sich dabei die bekannte störende Schwefeleisennatriumverbindung
stets bildet.
In Muspratt's (Stohmann - Kerl) Encyklopädischem Handbuch der technischen Chemie,
neueste Auflage (Braunschweig 1888), 1. Bd.,
S. 820 steht:
Beim Glühen von schwefelsaurem Natron für sich mit Bauxit findet keine Reaction statt,
wohl aber bildet sich bei Zuleitung von Wasserdampf oder mit gröfster Leichtigkeit bei Zusatz
von Kohle Natriumaluminat, welches aber bei dem nie ganz fehlenden Eisengehalt des
Minerals die von der Sodafabrikation her bekannte, störende Verbindung von Schwefelnatrium
mit Schwefeleisen enthält.
Es · müfste deshalb der Bauxit zuvor von seinem Eisengehalt befreit werden, was ökonomisch
nur dann möglich ist, wenn die Thonerde .als Neben- oder Zwischenproduct
erfolgt.
Aehhliche Urtheile finden sich auch wiederholt in den Wagner- Fischer'schen Jahresberichten,
und die Thatsache, dafs fabriklich das schwefelsaure Natron zur Aufschliefsung von Bauxit bisher nirgends angewendet wurde,
sondern durchweg Soda für diesen Zweck be-
nutzt wird, beweist wohl genügend das Zutreffende der angeführten Aussprüche.
In der That erhält man beim Aufschliefsen von Bauxit mit schwefelsauren Alkalien und
Kohle nicht allein tintenschwarze Laugen, welche neben Schwefeleisen auch viel Schwefelalkali
enthalten, sondern es beträgt auch (wie Muspratt ebenfalls angiebt) die Ausbeute an
Aluminat kaum halb so viel als bei der Aufschliefsung mit Soda. Endlich greift der
eisenhaltige Schmelzflufs die Ofensohle oder Schmelzgefäfse beträchtlich an, was nicht allein
häufige Reparaturen, sondern auch noch erhebliche Verunreinigungen des Schmelzgutes
veranlafst.
Wenn nun allgemein der Eisengehalt der Bauxite für das gröfste Hindernifs gilt, welches
erst beseitigt werden müfste, um überhaupt schwefelsaure statt kohlensaure Alkalien zur
Aluminatgewinnung benutzen zu können, ich hingegen in dem zu beschreibenden Alkalialuminatprocefs
absichtlich Eisen den schwefelsauren Alkalien zusetze und damit ganz farblose, eisenfreie und auch nur wenig Schwefel
enthaltende Laugen mit fast totaler Aluminatausbeute gewinne, ohne dafs auch die (nur
gefrittete) Glühmasse die Glühgefä'fse im geringsten
angreift, so wird man wohl zugeben, dafs ich, um solche Resultate zu erzielen, einen
ganz besonderen chemischen Procefs erfinden mufste, welcher lehrt, von welcher Art und
von welcher Mischung die Zusätze sein müssen, um schwefelsaure Alkalien an Stelle von
kohlensauren zur Darstellung vom Aluminat aus Bauxit oder anderem thonerdehaltigen Rohmaterial
überhaupt und mit günstigem Erfolge anwenden zu können.
Darauf will ich nun näher eingehen:
Wenn man Thonerde mit Alkalisulfat und Eisenoxyd unter Zusatz von Kohle glüht, so
bildet sich zwar Schwefeleisen und Alkalialuminat; allein dieser Procefs verläuft nicht
so glatt, als es seine technische Brauchbarkeit erfordert. Eine erhebliche Menge des sich
bildenden Schwefelalkalis verbindet sich nämlich mit dem Schwefeleisen so hartnäckig, dafs
diese Verbindung auch bei Anwendung eines grofsen Eisenüberschusses nicht zersetzt wird.
Laugt man dann eine solche Glühmasse aus, so entsteht eine sehr schlecht filtrirbare, tintenschwarze
Lösung einer Doppelverbindung von Schwefeleisen und Schwefelalkali. Scheidet man aber auch aus einer derartigen unbequemen
Lauge das Eisen ab, was nicht so einfach ist, so behält man noch immer sehr
beträchtliche Mengen (oft über 30 pCt.) von Schwefelalkalien (dagegen nur wenig Alkalialuminat)
in Lösung.
Man sieht also, dafs es technisch Unvortheilhaft ist, die Aufschliefsung von thonerdehaltigen
Materialien durch Alkalisulfat und Kohle lediglich unter Zusatz von Eisen oder dessen
Oxyden zu bewirken bezw. eisenhaltige Bauxite nur mit Alkalisulfat und Kohle aufzuschliefsen.
In beiden Fällen erhält man tintenschwarze Laugen, die nicht nur Schwefeleisen, sondern
auch grofse Mengen von Schwefelalkali gelöst enthalten, wogegen die Ausbeute an Alkalialuminat
sehr gering ist.
Die Neigung der (beim Glühen entstehenden) Schwefelalkalien, sich mit Schwefeleisen zu verbinden,
ist in der That so grofs, dafs auch ein Ueberschufs von Thonerde, welcher die
Aluminatbildung befördern könnte, diese Uebelstände nicht beseitigt. ' Ebensowenig ist ein
Magnesiazusatz im Stande, jene störende Doppelverbindung bei ihrer Bildung zu verhindern.
Da nun aber nicht nur bei besonderem Eisenzusatz, sondern auch schon
durch den in den Bauxiten stets vorhandenen Eisengehalt beim Aufschliefsen mit Alalisulfaten
jene äufserst störende Doppelverbindung von geschwefeltem Alkali und Eisen aufrtritt,
so wäre — wie ja auch die oben citirten Aussprüche bezeugen — es ganz unmöglich,
die Alkalisulfate zu dieser Aufschliefsung überhaupt technisch benutzen zu können, wenn
ich nicht ein Mittel gefunden hätte, welches bei richtiger Anwendung die Entstehung dieser
störenden Doppelverbindung vollständighinderte.
Dieses Mittel ist der Kalk, welcher, in Form von Aetzkalk oder kohlensaurem Kalk der
Glühmasse zugesetzt, bewirkt, dafs ein Theil des Schwefelalkalis seinen Schwefel gegen den
Sauerstoff des Kalkes eintauscht.
Während sich nun das entstehende Schwefelcalcium mit Schwefeleisen zu einer im Wasser
ganz unlöslichen Substanz verbindet, wird das freiwerdende Alkali für die Aluminatbildung
nutzbar. Löst man daher eine solche mit Kalk versetzte Glühmasse in Wasser auf, so
bleibt alles Schwefeleisen — zum Theil mit Schwefelcalcium verbunden — völlig ungelöst.
Man erhält eine völlig farblose, leicht filtrirbare Lauge von hohem Gehalt an Alkalialuminat
und nur von sehr geringen Mengen von Schwefelalkali.
Man könnte nun glauben, dafs es bei Anwendung von genügend viel Kalk gar nicht
nöthig sei, auch noch Eisen zuzusetzen, da ja auch der Kalk als Entschwefeler —■ wie beim
Leblanc-Procefs — wirken könnte; allein die Gegenwart der Thonerde setzt einem
stärkeren Kalkzusatz (wie ihn doch die totale Entschwefelung unbedingt erfordert) eine unübersteigliche
Schranke entgegen.
Die Thonerde verbindet sich nämlich beim Glühen mit dem Kalk zu unlöslichem KaIkaluminat,
so dafs schon dadurch ein grofser
Theil Kalk der AlkalientschwefelungN entzogen
wird und folglich ein sehr grofser Kalküberschufs nöthig wird, um überhaupt eine erträgliche
Entschwefelung zu erzielen. Ich habe gefunden, dafs allerdings i2/3 Molecule Kalk
im Stande sind, eine Mischung von ι Molecül reiner Thonerde und ebenso viel Alkalisulfat
(bei Zusatz von Kohle) zu entschwefeln, allein es bildete sich zugleich so viel Kalkaluminat,
dafs kaum die Hälfte der Thonerde in der Alkalialuminatlauge enthalten war.
Diese Neigung des Kalkes, sich mit Thonerde zu verbinden, wird allerdings bei Gegenwart
von Kieselsäure sehr eingeschränkt; aber damit ist für die Entschwefelung durch Kalk
nichts gewonnen, weil eben letztere für sich schon viel Kalk beansprucht und dieser ihr
zum Theil von der Thonerde streitig gemacht wird.
Ueberläfst man dagegen dem Kalk nicht die Hauptrolle für die Entschwefelung, sondern
theilt sie dem Eisen zu, so wird ein Kalkzusatz, der so gewählt ist, dafs ein Theil davon
die störende Schwefeleisenschwefelalkaliverbindung verhindert, während der Rest des
Kalkes die Kieselsäure des Bauxits bindet, sich in doppelter Weise nützlich zeigen, ohne die
Ausbeute an Alkalialuminat bemerkenswerth zu schädigen.
Das Wesen meiner Erfindung besieht eben darin, dafs ich fand, in welcher Weise die
Zusätze von Kalk und Eisen regulirt werden müssen, damit bei der Aufschliefsung thonerdehaltiger
Substanzen mit schwefelsauren oder Schwefelalkalien (und Kohle) Laugen gewonnen
werden, in denen das gebildete Schwefeleisen unlöslich ist, und welche eine hohe Ausbeute
an Alkalialuminat ergeben.
Um die Frage zu beantworten:
Wie viel Kalk ist mindestens erforderlich, um die störende Doppelverbindung von geschwefeltem
Eisen und Alkali zu verhindern? habe ich verschiedene Versuche mit einer
Mischung von gleichen Molecülen reiner Thonerde, Alkalisulfat und Eisen (nebst Kohle) unter
verändertem Kalkzusatz ausgeführt. Diese Versuche ergaben nun, dafs man pro Molecül
Alkalisulfat (also auch Thonerde) mindestens Y4 Molecül Kalk oder Kreide zusetzen mufs,
damit die schädliche Eisenverbindung nicht entstehe und somit farblose Laugen erhalten
werden. Vermehrt man in diesem Falle den Kalkzusatz — ohne dafs der Kalküberschufs
durch Kieselsäure gebunden wird —, so erhält man zwar ebenfalls reine Laugen, aber unter
mehr oder weniger beträchtlicher Verminderung der Aluminatausbeute.
Da man bei diesem Procefs fast allen Schwefel des Alkalis dem Eisen zutheilt, so
ist wohl selbstverständlich, dafs man pro
Molecül Alkalisulfat auch nur . ι Molecül metallisches Eisen oder die ihm entsprechende
Oxydmenge (einschliefslich des bereits im Rohmaterial enthaltenen Eisens) anzuwenden hat.
Ein erheblicher Eisenüberschufs wirkt schädlich, indem freies Eisenoxyd ebenfalls Alkali
bindet und so die Aluminatbildung vermindert.
Zur Bindung der Kieselsäure durch Kalk bedarf man nach meinen Versuchen 2 Molecule
Kalk für 3 Molecule Kieselsäure oder gerade so viel Kreide, als die Kieselsäure der Glühmischung
wiegt.
Da endlich das Alkalialuminat, welches sich in der Hitze bildet und in Wasser unzersetzt
löslich ist, nach der allgemeinen Formel
R2 O, AL2, O3
zusammengesetzt ist, so bedarf man für jedes Molecül Thonerde auch nicht mehr als 1 Mol.
Alkalisulfat oder Schwefelalkali.
Daraus ergiebt sich nun folgende allgemeine Regel:
Man setze dem thonerdehaltigen Material (Thon oder Bauxit) auf jedes Molecül Thon^
erde 1 Molecül Alkalisulfat zu und sorge durch Zusatz von Eisen oder seinen Oxyden
dafür, dafs einschliefslich des im Thon vorhandenen
Eisens reichlich 1 Molecül Eisen zur Bildung von Fe S auf jedes Molecül Alkalisulfat
bezw. Thonerde komme. Die Kalkoder Kreidemenge ist so zu berechnen, dafs
auf je 3 Molecule Kieselsäure 2 Molecule Kalk oder Kreide entfallen, aufserdem aber noch
Y4 Molecül Kalk oder Kreide für jedes Molecül
Thonerde zugesetzt werde. ' Annähernd dasselbe ist.es, wenn man bei Kreidezusatz darauf
achtet, dafs man so viel Kreide zugiebt, als die Kieselsäure der Masse wiegt, nebst Y4 Mol.·
Kreide pro Molecül Thonerde.
Diese Mischungsverhältnisse liefern (bei Zusatz der erforderlichen Reductionskohle) die
besten Resultate, können jedoch, wie schon bezüglich des Kalkes bemerkt wurde, etwas
abgeändert werden, ohne das Resultat zu sehr zu verschlechtern.
Ich beschreibe nun die Darstellung von Alkalialuminat (Kali- oder Natron-Thonerde)
aus thonerdehaltigen Materialien (Thon, Bauxit u. s. w.) mittelst schwefelsaurer Alkalien, Eisen,
Kalk und Reductionskohle.
Darstellung von Alkalialuminat
aus thonerdehaltigen Materialien mittelst Alkalisulfat, Eisen (bezw. seiner Sauerstoffverbindungen), Kalk (Kreide oder Kalkstein) und Reductionskohle.
aus thonerdehaltigen Materialien mittelst Alkalisulfat, Eisen (bezw. seiner Sauerstoffverbindungen), Kalk (Kreide oder Kalkstein) und Reductionskohle.
Es ist zweckmäfsig, wenn auch nicht durchaus erforderlich, diejenige Menge Kieselsäure
(Sand), welche sich durch Abschlämmen be-
seitigen läfst, durch dieses'Mittel von der fbonerdehaltigen
Substanz zu trennen.
Das in Arbeit zu nehmende Material (Thon, Bauxit etc.) ist alsdann auch auf seinen Gehalt
an Thonerde (Al2 O3), Eisen, Kieselsäure und
bei beträchtlichem Kalkgehalt auch auf diesen zu untersuchen. Die Gegenwart von nicht
allzugrofsen Mengen Magnesia im Thon ist für den Aluminatprocefs ebenso unschädlich, als
die von Alkalien, Phosphorsäure oder Schwermetallen und deren Verbindungen.
. Nach dieser Untersuchung werden die einzelnen Bestandtheile für die Glühmischung zunächst abgewogen und dann zur innigen Mischung gemeinsam fein zermahlen. Entsprechend der vorher erwähnten Regel ist das beste Mischungsverhältnifs, bezogen auf ioo Gewichtstheile Thonerde (Al2 Os), welche in dem für den Aluminatprocefs bestimmten Thon oder Bauxit enthalten sind, im Folgenden zahlenmäfsig angegeben.
. Nach dieser Untersuchung werden die einzelnen Bestandtheile für die Glühmischung zunächst abgewogen und dann zur innigen Mischung gemeinsam fein zermahlen. Entsprechend der vorher erwähnten Regel ist das beste Mischungsverhältnifs, bezogen auf ioo Gewichtstheile Thonerde (Al2 Os), welche in dem für den Aluminatprocefs bestimmten Thon oder Bauxit enthalten sind, im Folgenden zahlenmäfsig angegeben.
Bezüglich der Angaben für Kali und Natronsulfat braucht wohl kaum bemerkt zu werden,
dafs sich dieselben auf die analogen Aluminate beziehen, welche man mit Hülfe des einen
oder des anderen Sulfates gewinnen will.
Pro ioo Theile Thonerde (Al2 Os) sind zuzusetzen:
Gewichtstheile
Kalisulfat (oder) 175
Natronsulfat (wasserfreies gerechnet) . 140
Eisenoxyd (oder andere Sauerstoffverbindungen (bezw. metall. Eisen)
von äquivalentem Eisengehalt einschliefslich des im Thon etc. enthaltenen .· 80
Eisenoxyd (oder andere Sauerstoffverbindungen (bezw. metall. Eisen)
von äquivalentem Eisengehalt einschliefslich des im Thon etc. enthaltenen .· 80
Kohle (zur . Reduction) mindestens
3 Aequivalente pro Aequivalent
3 Aequivalente pro Aequivalent
(Al2OJ _ . . . 40
Kohlensaurer Kalk (excl. einer der
Kieselsäure gleichen Gewichtsmenge)
Y4 Aequivalent pro Aequivalent
(Al, O3) . 25
Kieselsäure gleichen Gewichtsmenge)
Y4 Aequivalent pro Aequivalent
(Al, O3) . 25
Bezüglich der Kohle ist zu bemerken, dafs sie auch in Form verkohlender Substanzen
(Sägespäne etc.) angewendet werden kann. Ebenso ist statt kohlensauren auch die äquivalente
Menge ätzenden Kalkes anwendbar, nur vergesse man nicht, pro Gewichtstheil Kieselsäure
entweder noch das gleiche Gewicht von kohlensaurem oder 56 pGt. des Kieselsäuregewichtes
an ätzendem Kalk zuzusetzen.
Enthält also ein Bauxit z. B. auf 100 Gewichtstheile
Thonerde 20 Gewichtstheile Kieselsäure, so hätte man aufser den 25 Gewichtstheilen
Kreide (oder 14 Gewichtstheilen Aetzkalk) noch 20 Gewichtstheile Kreide (entspr.
11,2 Gewichtstheilen CaO) zuzufügen. Bei
unreinen Substanzen, wie Kalkstein etc., wird man natürlich noch mehr nehmen. Ueberhaupt
würde ja (wie erwähnt) auch eine' gröfsere Kalkmenge keinen erheblichen technischen
Nachtheil bringen, wohl aber würde bei dem angegebenen Eisengehalt zu wenig Kreide,
schwarze Laugen .— die man durchaus vermeiden mufs .— zur Folge haben.
Es ist wohl einleuchtend, dafs ein Thon, welcher bereits die angegebene Eisenmenge
(gleiches Molecül mit Thonerde) pro 100 Gewichtstheile AI2 O3 enthält, keines besonderen
Eisenzusatzes bedarf. Will man dagegen Thone mit beträchtlich ' weniger Eisengehalt nur mit
Kalk oder Kreide (selbstredend unter Zusatz schwefelsaurer Alkalien) aufschliefsen, so wird
man auch bei 15 pCt. Kieselsäuregehalt noch mit so viel Kalk auskommen, dafs die Summe
der Molecule von diesem und des metallischen Eisens etwa ΐ2/β ma^ s0 viel beträgt, als Thonerdemolecüle
vorhanden sind.
Eigentümlicherweise bedarf aber auch reine eisenfreie Thonerde mindestens i2/3 Molecule
Kalk, um keine zu schwefelreichen Aluminatlaugen zu geben, so dafs gewissermafsen —
bei Eisenmangel — dies Molecülverhältnifs das Minimum für die Schwefelbindung durch
Kalk bezeichnet. Kieselsäurereiche Thone werden aber natürlich noch mehr Kalk erfordern.
Man sieht aus diesen —r- durch meine Versuche gewonnenen ■—· Thatsachen, dafs es
immer wieder am besten ist, nach dem vorhin angegebenen Schema Kalk und Eisen gleichzeitig
als Zuschläge anzuwenden, wenn nicht eben der Eisengehalt des Thons an sich schon
ausreicht, um der allgemeinen Regel: »Gleiche Molecule von Thonerde und Eisen« zu ent-^
sprechen, weil ja viel Kalk die Aluminatausbeute sehr vermindert.
Ehe ich nach dieser für die Sache nothwendigen Abschweifung zur Beschreibung der
weiteren Bearbeitung obiger Normalmischung übergehe, bemerke ich noch hinsichtlich der
Zusatzmenge von schwefelsaurem Alkali Folgendes:
Da bei dem Glühprocefs die Thonerde mit dem Alkali stets nur eine einbasische, in Wasser
unzersetzt lösliche Verbindung giebt, z. B. K2 O- Al2 O8, so ist an sich schon die Anwendung
von mehr Alkalisulfat, als der Thonerde äquivalent ist, ganz unnöthig, ja sogar (weil dadurch leicht schwefelreiche Laugen entstehen) schädlich.
Will man die Thonerde in der Glühmasse möglichst vollständig auslaugen, so setze man
allenfalls dem Auslaugewasser etwas kohlensaures Kali oder Natron zu, welches durch den
entstandenen Aetzkalk kaustisch wird und dadurch die Thonerde, welche etwa noch löslich
werden könnte, auflöst. Allein man wird auch
diese Vorsichtsmafsregel sehr bald als überflüssig erkennen.
Dafs man statt schwefelsaurer auch thionsaure oder auch Schwefelalkalien verwenden
kann, ist selbstverständlich.
Die wohl zerriebenen und gemischten Substanzen können nun entweder als Pulver (mit
etwas Kohle bedeckt) im Flammofen oder auch in geschlossenen Gefäfsen (Tiegeln, Retorten,
Muffeln etc.) geglüht werden. Die Hitze braucht eine mäfsige Rothglut nicht zu übersteigen,
zu grofse Hitze (Weifsglut) hat den Nachtheil, dafs die Masse, anstatt leicht zu
fritten, theilweise schmilzt, wodurch dann ihre Auslaugung erschwert wird.
Während des Glühens und Abkühlens — am besten in geschlossenen Gefäfsen — vermeide
man die Oxydation des sich bildenden Schwefeleisens. Arbeitet man mit Flammöfen,
so unterlasse man alles ganz unnöthige Umkrälen der Masse, mache hingegen deren Schicht
nicht zu hoch, um ein gleichmäfsiges Durchglühen zu befördern. Als Reductionszeit genügt
eine halbe Stunde vom Beginn des Glühens der ganzen Masse an gerechnet. Die fertige Glühmasse bringt man in geschlossenen
eisernen Gefäfsen zur Abkühlung.
Die Auslaugung der Glühmasse kann in der in Sodafabriken üblichen Weise mit kaltem
oder heifsem Wasser geschehen. Die abgeklärte oder filtrirte Lauge von Alkalialuminat
enthält bei richtiger Arbeit nur sehr wenig Schwefelalkali und Spuren von Kalk. Letzteren
kann man durch Zusatz von ein wenig kohlensaurem Kali oder Natron ausfällen, ohne Thonerde
— welche aus Aluminatlösung durch neutrale kohlensaure Alkalien nicht gefällt
wird — mit abzuscheiden.
Will man die Aluminatlauge als solche verwerthen und darum aus ihr die kleine Menge
Schwefel ohne Einleiten von Kohlensäure entfernen , so kann dies durch Zusatz von frisch
gefälltem Eisenoxydul- bezw. Oxydhydrat geschehen, falls man nicht (durch Chlor etc.)
den Schwefel höher oxydirt. Uebrigens dürfte wohl für die meisten Anwendungen der Aluminatlauge
ihr sehr geringer Schwefelgehalt unschädlich sein.
Zur Gewinnung von Thonerde und kohlensauren Alkalien (Soda, Potasche) saturirt man
die farblose Aluminatlösung fast siedend heifs mit Kohlensäure, wodurch auch aller Schwefel
so vollständig als Schwefelwasserstoff ausgetrieben wird, dafs in der resultirenden Sodaoder
Potaschelösung nur noch ganz geringe Spuren davon enthalten sind. Es ist bemerkenswerth,
dafs bei diesem Aluminatprocefs keine thionsauren Salze entstehen. Die Kohlensäure
zur Saturation wird man zweckmäfsig durch Glühen von kohlensaurem Kalk (Kalkstein) erzeugen, da der gebrannte Kalk nicht
nur als Zuschlag für die Aufschliefsung, sondern auch für die Verarbeitung der Auslaugerückstände
sowie event, für die Gewinnung von Chlorkalk mannigfache Verwendung bei
diesem Verfahren findet.
Durch die heifse Saturation körnig gefällte Thonerde kann auf Saugfiltern filtrirt und ausgewaschen
werden und ist dann völlig frei von Eisen und Kieselsäure, ja überhaupt so rein, dafs sie sogar zur Aluminiumfabrikation
verwendet werden kann. Auch die resultirende Soda- oder Potaschelösung zeichnet sich durch
grofse Reinheit aus, sofern das für die Glühmischung angewendete Alkalisulfat keine erhebliche
Verunreinigung von Chloralkalien — die übrigens theilweise im Glühen sich verflüchtigen
— enthielt.
Man erhält bei dem Aluminatprocefs weit über go pCt. reiner Soda oder Potasche von
der dem angewendeten Sulfat äquivalenten Menge.
Ein kleiner Theil Alkali verbleibt aber als
Silicat mit Thonerde und Kalk im unlöslichen Rückstände.
Will man aus der Aluminatlösung direct Aetzalkalilauge gewinnen, so kann man —
nach Löwig's Verfahren — die Thonerde daraus mittelst Kalk abscheiden.
Der gefällte Thonerdekalk eignet sich, nachdem er in Salzsäure gelöst und mit Aluminatlauge
daraus alle Thonerde gefällt worden ist, zur Gewinnung leicht löslicher (gelatinöser)
Thonerde. Ich fand, dafs statt Kalk ebenso auch Strontianhydrat angewendet werden kann,
welches im Gegensatz zu Baryt ein unlösliches Aluminat bildet. Handelt es sich aber lediglich
um Gewinnung von Aetzalkali und nicht um die Darstellung gelatinöser Thonerde, so
ist es einfacher, die Alkalialuminatlösung zu saturiren und die entstehende Lösung von
Soda und Potasche dann mittelst Kalk in bekannter Weise zu kausticiren.
Man braucht dann (weil Thonerdekalk dreibasisch ist) nur den dritten Theil so viel Kalk
als für die Bildung von Kalkaluminat.
Da die Alkalialuminatlauge Thonerde und Alkali zu gleichen Aequivalenten enthält, so
liefert sie, mit Schwefelsäure gesättigt, direct Alaun ohne Ueberschufs von Alkalisulfat.
Es ist wohl selbstverständlich, dafs die Thonerdesalze (namentlich schwefelsaure Thonerde)
direct durch Auflösen der gefällten Thonerde in der betreffenden Säure gewonnen werden
können.
Will man die kleine Menge Alkali, welche etwa noch in der Thonerde enthalten ist, vorher
ausziehen, so digerirt man sie mit etwas verdünnter Salzsäure.
Claims (1)
- : Patent-Ansprüche: : ' :r. Verfahren zur Darstellung von Alkalialuminaten aus thonerdehaltigen Stoffen und 7 schwefelsauren, thionsauren oder Schwefelalkalien unter gleichzeitigem Zusatz von Eisen und Kalk (Eisenoxyde, Kreide, Kalkstein) in Gegenwart von Reductionsmitteln, wobei die Regelung des Eisen- und Kalkgehaltes der Masse derart geschieht, dafs der vorhandene Schwefel hauptsächlich an Eisen gebunden wird, von Kalk aber aufser der für die Bindung der Kieselsäure nöthigen Menge noch ein Ueberschufs besteht, welcher dazu bestimmt ist, die Bildung löslicher Verbindungen von Schwefeleisen mit den Alkalien zu verhindern.
Das unter i. geschützte Verfahren dahin abgeändert, .dafs ein weiterer Zusatz von ,Kalk angewendet wird, welcher als Ersatz eines Theiles des Eisens mit einem Theil des Schwefels eine unlösliche Verbindung eingeht, während der übrige vorhandene Schwefel nach wie vor in unlöslicher Weise an das verbleibende Eisen gebunden wird.
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE62265C true DE62265C (de) |
Family
ID=336268
Family Applications (1)
| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
|---|---|---|---|
| DENDAT62265D Expired - Lifetime DE62265C (de) | Verfahren zur Darstellung von Alkalialuminat |
Country Status (1)
| Country | Link |
|---|---|
| DE (1) | DE62265C (de) |
-
0
- DE DENDAT62265D patent/DE62265C/de not_active Expired - Lifetime
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