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Zweizylinderdampfmaschine mit versetztem Kolbenspiel Die vorliegende
Erfindung betrifft eine Steuerung für Zweizylinderdampfmaschinen mit gestängelosen
Schiebern, wie sie insbesondere für den Antrieb von Kesselspeisepumpen benötigt
werden. Für diese hat man die einzelnen Steuerorgane bereits durch Dampf, durch
Schleppschieber, dir= von der Kolbenstange oder den Kolben bewegt wurden, oder durch
die Arbeitskolben selbst bewegen lassen. Alle diese Antriebsarten ergaben aber kein
genügend sicheres Arbeiten. Denn insbesondere bei den Lokomotivkesselspeisepumpen
bringen die Hubwechsel ohne versetztes Kolbenspiel in der Speiseleitung Stöße hervor,
die die Rohrleitungen und Speiseventile zerstören und die Vorwärmerrohrwände undicht
schlagen. Es inuß daher für unbedingte Aufrechterhaltung des Kolbenspiels gesorgt
werden, um die Betriebssicherheit der Pumpen zu erhöhen.
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Zu diesem Zweck wird nach der Erfindung durch den ersten Arbeitskolben
mechanisch sowohl der Steuerschieber des zweiten Arbeitskolbens als auch der als
Schleppschieber ausgebildete Vorsteuerschieber seines eigenen dampfbewegten Hauptsteuerschiebers
bewegt. Es wird also die Hauptsteuerung des einen Arbeitskolbens mit der Vorsteuerung
des anderen rein mechanisch durch den ersten Arbeitskolben allein bewirkt.
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Der Antrieb kann hierbei in an sich bekannter Art von der Kolbenstange
aus erfolgen, z. B. durch einen außenliegenden einarmigen Hebel, i durch den gleichzeitig
der Schieberhub gegen über dem Kolbenhub verkleinert wird, oder durch einen starren
Arm, er kann aber auch innerhalb der Dampfräume der Arbeitszylinder liegen und vom
Kolben selbst ausgehen.
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Diese Steuerung eignet sich sowohl für Zwillings- wie auch für Verbundanordnung
der Dampfzylinder.
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In den Zeichnungen sind drei verschiedene Ausführungsformen für Verbundmaschinen
mit Aufnehmer dargestellt.
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In Abb. z nimmt der Hochdruckspulenkolben G mit seinen inneren Kolbenrändern
den Verteilungsschieber 7 des --\'iederdruckzylinders in der zweiten Hubhälfte unmittelbar
durch Anstoßen mit. Als' Hochdruckzylindersteuerung ist die an sich bekannte Steuerung
mit dampfgetriebenem Hauptschieber 14 und Vorsteuerschleppschieber g verwandt, bei
welcher der Vorsteuerschieber von der Hochdruckkolbenstange mittels eines einarmigen
Hebels angetrieben wird.
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In Abb. : und 3 ist eine liegende Verbund-; maschine dargestellt,
bei welcher der Niederdruckzylinder über dem vom Aufnehmer umgebenen Hochdruckzylinder
zwecks leichteren Ablaufs des Niederschlagswassers aus dem J Niederdruckzylinder
und zwecks Heizung des Aufnehmers durch den Hochdruckzylinder angeordnet ist. Der
Verteilungsschieber g des N iederdruckzvlinders und der Vorsteuerschieber 7 des
Hochdilickzylinders sind senkrecht zur
Zylinderachse angeordnet
und werden von einer gemeinsamen Schieberstange 8 bewegt, die in gleicher Weise
wie bei der vorigen Ausführungsform von der Arbeitskolbenstange des Hochdruckzvlinders
mittels Hebels bedient wird.
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In den Abb.4, 5 und 6 liegen die Arbeitszvlinder nebeneinander, und
der Steuerschieber des \iederdruckzylinders und der Vorsteuerschieber des Hochdruckzylinders
sind wieder senkrecht zur Zylinderachse angeordnet und werden von einer gemeinsamen
Schieberstange bewegt, die aber abweichend von den ersten beiden Beispielen durch
einen Schubklotz 30 mit schräger Nut gesteuert wird, der von der Kolbenstange des
Hochdruckzylinders mittels starren Armes angetrieben wird.
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In Abb. 7 und 8 erfolgt der Steuerungsantrieb innen vom Hochdruckkolben
aus, indem die gemeinsame Schieberstange 8 für den Vorsteuerschieber 9 des Hochdruckzylinders
und den Steuerschieber 7 des Niederdruckzylinders mittels eines Gleitklotzes 6 angetrieben
wird, der durch eine schräge Nut 3 in dem Mittelstück des als Langkolben ausgebildeten
Hochdruckkolbens bewegt wird.
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Abb. 9 zeigt einen Schnitt durch den Schieberkasten.
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Diese Ausführungsform dient im besonderen für direkt wirkende, stehende
Kesselspeisepumpen im Lokomotivbetrieb. Der Spulenraum des Hochdruckkolbens liegt
im Aufnehmerdampf und ist gegen die Arbeitsräume des Hochdruckzylinders durch Kolbenringe
abgedichtet. Eine zweite, parallel zur Kolbenbewegung in dem Spulenraum angeordnete
Nut 4 verhindert durch das in sie eingreifende, im Arbeitszylinder befestigte Gleitstück
5 die Verdrehung des Langkolbens.
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Der Antriebsarm 6 der Schieberstange 8 greift durch das Fenster 2
in die schräge Nut 3 ein. Die beiden Schieber können als Flachschieber und auch
als Kolbenschieber ausgebildet sein. Anstatt des Antriebsarmes 6 kann in die Nut
3 auch ein Gleitstein eingreifen, der mittels eines innenliegenden Lbertragungshebels
die Schieberstange 8 bedient.
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In'f der dargestellten Anordnung treibt der Antriebsarm 6 nach der
Niederdruckseite hin den als Flachschieber ausgebildeten Verteilungsschieber 7 des
Niederdruckzylinders an und nach der anderen Seite hin den Vorsteuerkolbenschieber
9 für den Verteilungskolbenschieber des Hochdruckzylinders.
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Das beschriebene Bewegungsgetriebe liegt in einem Schieberkasten ii,
der mit dem Aufnehmer i ständig verbunden ist.
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Der Verteilungsschieber 7 des Niederdruckzvlinders befindet sich etwa
in seiner Mittelstellung, wenn der ihn antreibende Hochdruckkolben durch seine Hubmitte
geht. Da die Deckungen des Flachschiebers nur sehr gering sind, muß die mit dem
Hochdruckkolben vordringende schräge Nut 3 den Antriebsarm und mit ihm die Schieberstange
8 und den Verteilungsschieber 7 in seiner rechtwinklig zur Arbeitskolbenbewegung
liegenden Bahn weiter verschieben, bis er kurz nach Überschreiten der Hochdruckkolbenhubmitte
den entsprechenden Dampfeintrittskanal des Niederdruckzylinders im Schieberkasten
ii eröffnet, d. h. mit dem Aufnehmer verbindet.
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Der Niederdruckkolben 14' wechselt daher seinen Hub, kurz nachdem
der Hochdruckkolben H seine Hubmitte überschritten hat.
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Der Vorsteuerschieber 9 ist ein Schleppschieber, der von der Schubstange
8 erst mitgenommen wird, wenn sie sich ihren Hubenden nähert. Die hierfür bestimmten
Anschläge an der Schubstange werden durch einstellbare Doppelmuttern gebildet.
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Der Vorsteuerschieber ist ein aus zwei Kolbenansätzen gebildeter Kolbenschieber,
der entlastet im Aufnehmerdampf arbeitet. In dem durch seine beiden Kolbenansätze
gebildeten Eintrittsraum 12 ruht ständig Eintrittsdampf, der von dem Vorsteuerschieber
nach Bedarf dem Steuerzylinder der Hochdruckzylinderhauptsteuerung zu ihrer Verstellung
zugeführt oder wieder entzogen und nach dem Aufnehmer abgeführt wird. Die Hauptsteuerung
bildet ein in einem Steuerzylinder io arbeitender Differentialkolben mit dem Steuerkolben
14 und den drei kleineren Verteilungskolben 15, 16 und 17.
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Der Steuerkolben 14 wird in an sich bekannter Weise` dadurch gesteuert,
daß die Vorsteuerung wechselweise die'obere volle Steuerkolbenfläche mit Eintrittsdampf
beaufschlagt oder davon entlastet, so daß der auf der kleineren, unteren ringförmigen
Steuerkolbenfläche ständig ruhende Eintrittsdampf entweder überwunden wird oder
die Oberhand gewinnt.
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Die beiden Eindrehungen 13 und 18 bilden die Eintrittskammern, die
mittlere Eindrehung ig die Austrittskammer.
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Die Abdämpfung der Differentialkolbenbewegung erfolgt abwärts durch
den unteren Kolbenansatz 17 und aufwärts durch den Steuerkolben 14 dadurch, daß
der betreffende Kolben die Austrittsöffnung überfährt und in dem abgesperrten Endraum
Kompression erzeugt.
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Der Steuerzylinder io hat zu diesem Zweck für die Steuerdampfzuführung
und -abführung getrennte Wege. Durch den Kanal 25 wird der Steuerdampf zugeführt,
durch Kanal 24 abgeführt. Der Austrittskanal 24 mündet an tiefer gelegener Stelle
in den Steuerzylinder io ein und wird vom Steuerkolben 14 vor seinem oberen Hubende
überfahren. Der Eintrittskanal 25 bleibt im Steuerzylinder offen, wird aber in dessen
Austrittsperiode durch die Vorsteuerung verschlossen.
Die Endräume
20 und 21 puffen nicht in die freie Luft, sondern in den Aufnehmer aus, und es wird
in diesen Räumen nach Absperrung des Auspuffs Aufnehmerdampf verdichtet.
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Zu diesem Zweck ist der untere Dämpfungsraum 21 durch den Kanal 22
mit dein Aufnehmer verbunden, ebenso wie im Vorsteuerzylinder der Vorsteuerschieber
9 den Austrittskanal 2.1 des oberen Steuerzylinderraumes 2o nach dem Aufnehmer hin
eröffnet.
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Dadurch tritt eine wirkungsvollere Abdämpfung der Schleuderwirkung
des dampfgesteuerten Differentialkolbens ein als bei Auspuff in die freie Luft.
In seiner äußersten Rechtsstellung verbindet der Vorsteuerschieber 9 mit seiner
Eindrehung 12 den unter Eintrittsdampf liegenden Kanal 26 des Vorsteuerzvlinders
mit dem Kanal 25, der den Steuerungsdampf nach dem Steuerzylinderraum 2o führt.
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In der äußersten Linksstellung des Vorsteuerschiebers 9 wird der Steuerdampf
unter der Eindrehung 12 abgeschnitten und die Steuerzylinderfüllung durch den Kanal
24 nach dem Äufnehmer entlassen.
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Die Steuerungsvorgänge laufen nun bei Ingangsetzung der mit dieser
Dampfzylindergruppe arbeitenden Maschine von der in Abb. 7 und S ersichtlichen Stellung
ausgehend wie folgt ab.
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Der Dampf tritt bei E in den Raum 27 ein, von dort gelangt er in die
Eintrittskammern 13
und iS sowie durch den Kanal 26 in die Eindrehung 12 des
Vorsteuerschiebers 9 und durch den Kanal 25 nach dem oberen Steuerzylinderrauin
20. Eine Verschiebung des Differentialkolbens kann nicht eintreten, weil der Druck
auf die obere volle Steuerkolbenfläche größer ist als auf die ringförmige untere.
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Aus der Eintrittskammer 13 ist der Eintrittsdampf durch den
oberen Dampfkessel in den oberen Arbeitsraum des Hochzylinders gelangt, während
sich andererseits der untere Arbeitsraum durch den unteren Dampfkanal und die Austrittskanalmündung
23 in den Aufnehiner entleert.
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Der Hochdruckkolben H läuft abwärts. Indem er seine Hubmitte überschreitet,
verschiebt seine schräge Nut 3 den Antriebsarm 6 mit dem Verteilungsschieber ii
weiter nach links und eröffnet den oberen Dampfkanal 28 zum Niederdruckzylinder
für den Eintritt des Aufnehmerdampfes in seinen oberen Arbeitsraum.
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Zugleich wird auch der Austritt des unteren Niederdruckzvlinderarbeitsraumes
durch den unteren Dampfkanal 29 nach dem Austrittsraum .-i eingeleitet. Der Niederdruckkolben
N beginnt gleichfalls abwärts zu laufen.
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Der voreilende Hochdruckkolben nimmt nun in der Nähe seines Hubendes
mit dem Antriebsarm 6 und der Schubstange 8 den Vorsteuerkolben 9 mit und wechselt
dabei in seinem Vorsteuerzvlinder die Steuerkanäle für den Steuerkolben y14 des
Differentialkolbens.
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In der Eindrehung 12 des Vorsteuerschiebers wird der Eintrittsdampf
beim Kanal 25 abgesperrt. Die rechte Außenkante des Vorsteuerschiebers eröffnet
den Kanal 24 und entleert damit den Steuerzylinderraum 2o nach dem Aufnehmer. Dadurch
gewinnt der auf der inneren Ringfläche des Steuerkolbens 14 lastende Eintrittsdampf
an Übergewicht und verschiebt den Differentialkolben nach oben.
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Infolgedessen sind am Hochdruckzylinder Eintritt und Austritt gewechselt
worden, und der Hochdruckkolben beginnt aufwärts zu laufen.
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Der Vorsteuerschieber 9 wird von der zugleich auch einsetzenden gegenläufigen
Bewegung der Schubstange 8 nicht beeinflußt, er bleibt zunächst stehen, da er als
Schleppschieber ausgebildet ist, und er wird erst wieder mitgenommen, d. h. verstellt,
wenn der Hochdruckkolben sich seinem oberen Hubende nähert.
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Der Hubwechsel des Niederdruckkolbens wird am -unteren Hubende eingeleitet,
wenn der aufwärts gehende Hochdruckkolben durch seine Hubmitte gegangen ist.
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Da der Hochdruckkolben den Verteilungsschieber des Niederdruckzylinders
zwangsläufig unmittelbar steuert, so erfolgen die Hubwechsel beider Arbeitskolben
zu verschiedenen Zeiten, ihr Zwischentaktspiel ist daher unbedingt gesichert.
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Die Wirkungsweise der in den Abb. i bis 6 dargestellten Ausführungsformen
entspricht genau der oben beschriebenen, die dort eingesetzten Bezugszeichen entsprechen
ebenfalls den in Abb. 7 bis 9 benutzten gleichen Bezugszeichen.