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Verfahren zum Kaltstrecken rohrförmiger Werkstücke Die Erfindung betrifft
ein neues Verfahren zum Ziehen von Rohren, insbesondere aus Messing, Kupfer, Aluminium
und ähnlichen Metallen, sowie eine zur Durchführung des neuen Ziehverfahrens geeignete
Vorrichtung.
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Beispielsweise als Portierenstangen werden große Mengen nahtlos gezogener
Messingrohre von etwa 3o mm o und 0,3 mm Wandstärke gebraucht, für deren
Herstellung als Ausgangsmaterial ein Halbfabrikat in Betracht kommt, welches aus
warm gepreßten Rohren von etwa 36 mm 2r und r,5 bis 2 mm Wandstärke besteht.
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Bisher wird beim Ziehen derartiger Rohre in der Praxis allgemein so
verfahren, daß das Halbfabrikat auf Rohrziehbänken bei stillstehendem oder mitwanderndem
Dorn in etwa q. oder 5 Zügen auf die im einzelnen Falle erwünschte Wandstärke gebracht
wird. Zwischen je zwei Zügen mußte das Rohr fast jedesmal geglüht und gebeizt werden,
da beim Passieren des Ziehringes eine starke Materialbeanspruchung eintritt und
das Rohr sogar häufig abreißt. Außerdem ist das bisher übliche Rohrziehverfahren
wegen der Anzahl der in Betrieb zu nehmenden Ziehbänke und des großen Lagers von
Dornen verschiedener Durchmesser umständlich und kostspielig. Insbesondere fällt
als Nachteil noch ins Gewicht, daß beim Ziehen mit wanderndem Dorn das Rohr nach
jedem Zuge auf einer besonderen Domziehbank vom Dorn abgestreift werden muß. Eine
Verminderung der Anlage- und Betriebskosten durch Einschränkung der Anzahl der Züge
ist nicht möglich, da der durch Reißen der Rohre beim Ziehen entstehende Ausschuß
in unzulässigem Maße ansteigen würde.
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Auch bei einer bekannten Einrichtung, bei der das Rohr auf einer glatten
Dornstange durch Walzen und durch ein umlaufendes Zieheisen gezogen wird, läßt sich
eine stärkere Verminderung des Rohrdurchmessers in einem Zuge nicht erreichen, da
nur ein Walzenpaar vorgesehen ist, das auch durch ein Zieheisen ersetzt werden kann,
und da das umlaufende Zieheisen das Rohr nur glätten soll.
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Es ist nun schon vorgeschlagen worden, eine Vereinfachung und Beschleunigung
beim Kaltstrecken rohrförmiger Werkstücke dadurch zu erreichen, daß mehrere kreuzweise
angeordnete Paare von Kaliberwalzen und ein Ziehring nacheinander zur Einwirkung
auf das über eine glatte Dornstange gestreifte Werkstück gebracht werden. Hierbei
wurden bisher die kreuzweise angeordneten Kaliberwalzenpaare in Abständen nacheinander
über das auf einer stillstehenden Dornstange sitzende Werkstück geführt, und schließlich
zog man noch einen Ziehring über das durch die Kaliberwalzenpaare bereits gestreckte
Rohr hinweg. Diese Arbeitsweise bedingt jedoch umständliche Vorrichtungen für die
Vor- und Rückbewegung der Walzenpaare und des Ziehringes, welche einzeln auf Wagen
angeordnet und in Zugvorrichtungen einkuppelbar sein müssen. Außerdem ist die Einwirkung
auf das zu streckende Material wenig günstig, wenn die Streckung in mehreren
Arbeitsgängen
ohne Zwischenglühen durch in Abständen nacheinander zur Einwirkung gelangende Walzenpaare
und einen Ziehring bewirkt wird.
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Diese Nachteile werden gemäß der Erfindung dadurch vermieden, daß
das auf eine glatte Dornstange aufgestreifte Werkstück durch Ziehen seines Dornes
in einem Arbeitsgang durch mehrere feststehend gelagerte Paare von Kaliberwalzen
und den Ziehring auf die gewünschte Stärke herabgemindert wird. Diese Arbeitsweise
gestattet nicht nur eine erhebliche Abkürzung und Vereinfachung des Ziehverfahrens
sowie eine wesentliche Schonung des Materials infolge der in ganz kurzen Abständen
im gleichen Arbeitsgang stattfindenden Einwirkung der Streckwerkzeuge, sondern -gestattet
auch die Anwendung einer sehr einfachcn Vorrichtung bei der Durchführung des neuen
Ziehverfahrens, welche gemäß der Erfindung dadurch gekennzeichnet ist, daß zum Ziehen
des mit dem Rohr bekleideten glatten Dornes eine übliche Ziehbank mit in bekannter
Weise an der Stirnseite angeordnetem Ziehring dient, vor deren Stirnseite mehrere
kreuzweise angeordnete Kaliberwalzenpaare in einem feststehenden Ständer gelagert
sind. Die Walzen laufen im allgemeinen mit dem gezogenen Rohr, ohne selbst angetrieben
zu sein. Es kann jedoch auch zur Erleichterung des Ziehvorganges ein Antrieb einzelner
oder sämtlicher Walzenpaare vorgesehen sein, wobei die Umfangsgeschwindigkeit der
Walzen zweckmäßig geringer oder höchstens gleich der Wandergeschwindigkeit des durch
die Kaliberwalzen gezogenen Rohres ist. Das Strecken des auf dem Dorn befindlichen
Rohres erfolgt demnach auch bei dem neuen Verfahren in den Walzen durch einen Ziehvorgang,
wobei jedoch dafür Sorge getragen ist, daß die beim Ziehen des Rohres auf dessen
Wandung wirkenden formgebenden Flächenteile des Werkzeuges nicht stillstehen wie
der Innenrand eines Ziehringes, sondern in der Zugrichtung des Rohres mitwandern,
wodurch eine bedeutend geringere Beanspruchung des Materials beim Ziehvorgang gewährleistet
ist.
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Daher kann schon bei Anwendung von beispielsweise nurdrei kreuzweisegestellten
Walzenpaaren vor der Ziehbank das auf den Dorn gestreifte Rohr in einem einzigen
Zuge auf die gewünschte Wandstärke, beispielsweise von 2,omm auf o,3 mm, gebracht
werden, ohne daß überhaupt ein Zwischenglühen erforderlich wäre.
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Die neue Vorrichtung gestattet im übrigen nicht nur, die Wandstärke
der Rohre beim Ziehen zu verringern, sondern kann bei entsprechender Bemessung des
Kalibers der Walzen auch dazu angewendet werden, um den lichten Durchmesser des
Rohres beim Streckvorgang gleichzeitig erheblich zu verringern. Hierfür kommt insbesondere
das erste Walzenpaar in Betracht. Schließlich kann die neue Vorrichtung auch zum
Ziehen von Stangen benutzt werden. Die Anwendung eines Dornes fällt dann natürlich
fort.
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Der Ziehring, durch welchen das Rohr oder die Stange noch nach dem
Durchgang durch die Walzenpaare läuft, kann so bemessen sein, daß er noch eine weitere
Verminderung der Wandstärke des Rohres herbeiführt. Im übrigen besteht seine Aufgabe
darin, das Rohr nach dem Passieren des letzten Walzenpaares zu glätten.
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Das in der Zeichnung dargestellte Ausführungsbeispiel der Erfindung
zeigt eine zur Durchführung des neuen Verfahrens eingerichtete Ziehvorrichtung.
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Abb. i ist ein Aufriß. Abb. 2 ist ein Grundriß.
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Abb.3 ist ein Seitenriß einer zur Durchführung des neuen Verfahrens
eingerichteten Ziehbank.
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Die aus den beiden Laufschienen i für den Greifer bestehende Bank
ist abgebrochen dargestellt. Vor der Bank sind auf einem Gestell 5 drei Walzenpaare
kreuzweise gelagert. Die Walzen 2 und q. liegen waagerecht, während das dazwischen
angeordnete Walzenpaar 3 senkrecht steht. Am Anfang der Ziehbank i ist an üblicher
Stelle noch der das Rohr im gleichen Arbeitsgang fertigende und glättende Ziehring
6 angeordnet.
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Abb. q. und 5 dienen zur schematischen Veranschaulichung des neuen
Ziehverfahrens.
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Auf den Dorn 7, welcher am Kopfende io vom Greifer der Ziehbank i
erfaßt und gezogen wird, ist das Rohr 8 aufgestreift, welches-bei diesem Ausführungsbeispiel
mit einem Zuge die Kaliberwalzenpaare 2, 3 und q. und den Ziehring 6 passiert. Die
Kaliberquerschnitte der Walzen nehmen von Paar zu Paar um ein geringes Maß ab. Die
kreuzweise Anordnung der Walzenpaare bezweckt eine gleichmäßige Verringerung der
Wandstärke auf dem ganzen Rohrumfang.
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Nach Beendigung des Zuges wird das Rohr 8 1 in bekannter Weise auf
einer Dornziehbank vom Dorn 7 abgestreift. In besonderen Fällen können ein oder
mehrere Walzenpaare, wie in Abb. 6 veranschaulicht, mit angetrieben werden, wobei
jedoch dafür zu sorgen ist; daß die Kaliberwalzen i höchstens mit einer der Wandergeschwindigkeit
des Rohres entsprechenden Umfangsgeschwindigkeit laufen. _ Das neue Verfahren und3'di6
entsprechende Einrichtung sind für das Ziehen von Rohren für die verschiedensten
Verwendungszwecke geeignet, da in jedem Falle eine erhebliche Ersparnis an Anlage-
und Betriebskosten gegenüber dem üblichen stufenweisen Ziehverfahren durch mehrere
Ziehringe gewährleistet ist. Das Verfahren kann bei Metallrohren aus verschiedenem
Metall angewendet werden.