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Tonweiser. Die Erfindung bezieht sich auf einen Tonweiser, d. h. eine
dem L ehrbetriel> und der musikalischen Praxis dienende Vorrichtung, (lie zur Auffindung,
Festlegung und Nachprüfung der harmonischen Beziehungen von Tönen in der 1-Itisik
auf rein mechanischem Wege dienen soll. Derartige Tonweiser sind gewöhnlich in der
Art eines Rechenschiebers aus zwei relativ zueinander gleitenden Teilen hergestellt,
mittels deren Marken auf Teilungen eingestellt werden können. Nach der Erfindung
soll das Fenster eines Rahmens irait tonordnenden Linienzügen versehen sein, durch
die auf dem Schieier verzeichnete, durch die Schieberstellung in ein bestimmtes
Verhältnis gebrachte Töne zii musikalischen Gruppen zusammengefaßt werden können.
Vorzugsweise sind auf der Rückseite des Schiebers die Schwingungswerte der auf der
'Vorderseite verzeichneten Töne aufgereiht, und die Rückseite des Rahmens hat ein
ähnliches T# erster, dessen tonordnende Linienzüge diese Schwiiagungswerte zu Gruppen
zusammenfassen und in (las richtige Verhältnis zueinander setzen. Beide Rahmenfenster
können außer den Linienzügen noch besondere Marken tragen, durch die bestimmte Töne
entsprechend ihrer Bedeutung für die zu untersuchende Tonart hervorgehoben werden.
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Zusätzlich kann der Tonweiser einen unabhängigen Hilfsschieber haben,
dessen tonordnende Linienzüge die Töne oder Tonwerte zu Untergruppen zusammenfassen.
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Durch eine derartige Vorrichtung wird z. B. der 1-Zusikschüler instand
gesetzt, die einfachsten und schwierigsten harmonischen Verhältnisse der Musik jeder
Gattung mechanisch festzustellen und sofort geordnet zii überblicken. Auch ist es
damit möglich, innerhalb irgendeines gegebenen Musikstückes jeden einzelnen Ton
in seinem richtigen harmonischen Verhältnis unmittelbar abzulesen und dadurch harmonisch
verwickelte Fälle neuzeitlicher Musik schnell und fehlerfrei zu analysieren. Ferner
ermöglicht die Vorrichtung das unmittelbare Ablesen des Schwingungswertes eines
jeden musikalischen Tones reiner Stimmung und damit ein schnelles Feststellen des
genauen Intervallverhältnisses zweier oder mehrerer Töne. Endlich ist es möglich,
ohne Kenntnis der Harmoniegesetze auf rein mechanischem Weg jedes Tonstück beliebig
in eine andere Tonart zu übertragen (transponieren).
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Ein Ausführungsbeispiel des Erfindungsgegenstandes ist in der Zeichnung
dargestellt; es zeigen Abb. i die Vorderseite, Abb. 2 die Rückseite des Rahmens,
Alyb.3 den Hilfsschieber.
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Die Vorderseite der Vorrichtung (Abb. i-) zeigt folgende Anordnung.
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Auf (]ein in einer Gleitbahn des Rahmens a hinter dem Fenster b verschiebbaren
Schieber d sind die Töne in bestimmten senkrechten und wagerechten Reihen in bestimmter
Weise aufgezeichnet. In dem Fenster b sind Linienzüge e, cl, e2 angebracht, welche
bestimmte Töne der auf Schieber d verzeichneten Tonreihen zu Hauptgruppen zusammenfassen.
In einem Seitenfenster b1 erscheint die auf dein Schieber verzeichnete Vorzeichnung
der zu untersuchenden Tonart. Beim gezeigten Ausführungsbeispiel umfaßt der Linienzug
e den Bereich der Diatonik der Tonika, e1 den Bereich der Chromatil. der Tonikasphäre
und c° den Bereich der Chr;,)matik der Tonikasphäre und der diatonischen Doininantsphäre.
Zusätzlich können in dem Bildfenster Marken angebracht sein, die bestimmteTöne hervorheben,
so die Marke Ir die Tonika der Durtonart, die Marke k die der 3-Ialltonart.
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Auf der Rückseite cl des Schielfers (Ahb. 2)
sind
die logarithmischen Schwingungswerte der auf der Vorderseite verzeichneten Töne
an den den Tonnamen entsprechenden Stellen aufgetragen. Die Rahmenrückseite a1 weist
ein entsprechendes Fenster f auf, in dem diese Werte für die in dem Seitenfenster
f 1 eingestellte Vorzeichnung erscheinen. Auch das Fenster f hat Linienzüge g, die
die Tonwerte zu Gruppen zusammenfassen. Der Schieber kann nach Bedarf so umgesteckt
werden, daß seine Vorseite mit dem hinteren Fenster zusammenwirkt und umgekehrt.
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Die Vorrichtung weist einen zusätzlichen Hilfsschieber in auf. der
unabhängig vom Hauptschieber beweglich ist. Auf ihm sind Linienzüge angeordnet,
die auf der Grundlage cler Stellung des Hauptschiebers musikalische Untergruppen
festlegen, z. B. :den Dreiklang und die diatonische Leiter der Oberdominante der
Durtonika usw. bis zu den schwierigsten Dominantverhältnissen der Chromatik.
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Der Hilfsschieber ist sowohl senkrecht wie wagerecht verschiebbar.
Er ist durchsichtig und wird zwischen dem Hauptschieber und dem rückwärtigen Fenster
f eingestellt. Zu seiner Benutzung ist das hintere Fenster mit Marken o. dgl. versehen,
die, mit seinen Linienzügen zusammenwirkend, die musikalischen IJi!tergruppen der
betreffenden Tonart sämtlich festlegen.
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Die Spieler aller Streichinstrumente können am Tonweiser für alle
Tonarten ohne weiteres ablesen, ob und welche Töne, ,deren Noten als Töne :der leeren
Saiten erscheinen, nicht auf diesen, sondern als gegriffene Töne auf einer anderen
Saite zu spielen sind, da sie in reiner Stimmung nach Angabe des Tonweisers in der
betreffenden Tonart Kommadifferenzen zu der in Frage kommenden, zum Kammerton a
quintenrein gestimmten leeren Saite besitzen. Beispiel: In B-Dur darf der Geiger
ein e (- es) nicht auf der leeren e-Saite spielen, da die reine Quinte e^ zum. Kammerton
a^ für das in B-Dur lediglich vorkommende e um ein syntonisches Komma zu hoch ist
und daher in B-Dur unrein klingt.
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Der Sänger übersieht für jede Tonart die Differenz der reinen Stimmung
zwischen den Tonhöhen der Leiterstufen in Dur und Moll derselben Tonika (z. B. C-Dur
und C-Moll), z. B. erkennt er, daß er nicht, wie bisher geglaubt, die zweite Stufe
in Dur und Moll gleich zu singen hat, sondern daß sich die zweite Stufe in Moll
zur zweiten Stufe in Dur derselben Tonika um ein ganzes syntonisches Komma, d. h.
für den Gesang, sehr deutlich unterscheidet. Der Tonweiser wird ferner erheblich
dazu beitragen, das richtige Singen chromatischer Töne zu fördern, da der Sänger
im Tonweiser zum ersten Male alle harmonisch richtigen und möglichen Töne der reinen
Stimmung für jede Tonart gesondert und in sich geordnet übersehen kann.
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Dem Komponisten ermöglicht der Tonweiser, in chromatisch verwickelter
neuzeitlicher Musik für Orchester oder für Kammermusik mit Klavier festzustellen,
welche chromatischen Töne er möglichst für die temperierten Instrumente (Klavier,
Orgel, Holzbläser) zu meiden und dafür der Stimmführung der frei intonierenden Instrumente
(Streicher) zuzuweisen hat. Er vermeidet in der modernen Musik dadurch den bisher
dauernd sich wiederholenden Fehler, daß an sich richtige, nur komplizierte harmonische
Verhältnisse durch sehr fehlerbehafteteWiedergabe entweder gar nicht verstanden
oder als falsch oder häßlich klingend gewertet werden.
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Die freien Flächen des Rahmens können zur An'bringung von Gebrauchsanweisungen,
Tabellen o. dgl. verwendet werden.