Die Erfindung betrifft einen kollektorlosen Gleichstrommo
tor aus einem Stator mit zwei ausgeprägten Polen und einem
permanentmagnetischen Innen- oder Außenrotor, wobei die
Rotormagnetpole eine Induktionsverteilung mit Pollücken
zwischen den Polen aufweisen und im Bereich der Nutöffnun
gen eine Unsymmetrie des magnetischen Feldes zur Erzielung
einer Reluktanzänderung durch einen Luftspalt vorgesehen
ist, der sich, in Drehrichtung gesehen, in einem Bereich
zwischen den beiden Nutöffnungen - mit seiner größten
Breite bei der ersten Nutöffnung beginnend - zunächst
verengt, insbesondere über einen Winkelbereich von 30° bis
70° el, und dann in konstanter Breite insbesondere über
einen Winkelbereich von 150° bis 110° el bis zu der zweiten
Nutöffnung verläuft und nachfolgend an dieser Nutöffnung
wieder mit seiner größten Breite beginnt, und wobei eine
von einem Drehstellungsdetektor gesteuerte, im Betrieb ein
Wechselfeld erzeugende Statorwicklung vorhanden ist.
Ein derartiger Gleichstrommotor ist aus der DE-OS 30 26 797
bekannt, dessen Rotor im Bereich der Pole eine praktisch
konstante Induktion sowie schmale Pollücken besitzt, so daß
sich insgesamt eine trapezförmige Induktionsverteilung er
gibt. Durch die spezielle Luftspalt-Ausgestaltung werden
unterschiedliche magnetische Widerstände (Reluktanzen),
d. h. eine Unsymmetrie des magnetischen Feldes, erzeugt.
Nachteilig bei diesem bekannten Motor ist seine verhältnis
mäßig starke Polfühligkeit, was bedeutet, daß der Rotor
magnetfeldbedingt die Neigung hat, in bestimmten Stellungen
stehen zu bleiben, was einen "unrunden" Motorlauf zur Folge
hat. Insbesondere für den Motoranlauf ist daher ein zu
sätzliches Drehmoment (Reluktanzmoment) erforderlich.
Ein aus der DE-PS 23 46 380 bekannter, kollektorloser
Gleichstrommotor weist ebenfalls eine etwa trapezförmige
Magnetisierung bzw. Induktionsverteilung auf. Der Dreh
winkelbereich, in dem der Rotor im Betrieb ein elektromag
netisches Antriebsmoment erhält, fällt etwa mit dem Winkel
bereich zusammen, in dem die Pollücken ein Gebiet in Dreh
richtung abnehmenden magnetisch wirksamen Luftspaltes
durchlaufen; der Drehwinkelbereich, in dem der Rotor im
Betrieb kein elektromagnetisches Antriebsmoment erhält,
fällt etwa mit einem bestimmten Winkelbereich zusammen, in
dem die Pollücken ein Gebiet in Drehrichtung zunehmenden
magnetisch wirksamen Luftspaltes durchlaufen. Hier soll
erreicht werden, daß auch in denjenigen Winkelbereichen, in
denen die Pollücken über die Nutöffnungen hinweglaufen, das
Reluktanzmoment diese Momentlücke überwindet.
Der vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde,
einen kollektorlosen Gleichstrommotor zu schaffen, der eine
geringe Polfühligkeit besitzt, so daß nur ein relativ
geringes Reluktanzmoment zum Zeitpunkt des Anlaufens erfor
derlich ist.
Erfindungsgemäß wird dies dadurch erreicht, daß die Pole
des Rotors eine Induktionsverteilung mit einer Kurvenform
aufweisen, die beschreibbar ist als Überlagerung zweier
sinusförmiger Kurven unterschiedlicher Frequenz und Ampli
tude, wobei die eine Kurve eine Grundwelle und die andere
Kurve deren dritte Überwelle ist. Hierdurch verringert
sich die Polfühligkeit des erfindungsgemäßen Motors be
trächtlich, wobei durch eine diametrale Magnetisierung die
Nachteile einer radialen Magnetisierung vermieden werden
und trotz relativ breiter Pollücken in Verbindung mit der
an sich bekannten Ausgestaltung des Luftspaltes ein relativ
kleines Reluktanzmoment beim Anlauf erforderlich ist. Das
Amplitudenverhältnis zwischen Grund- und Oberwelle liegt
vorzugsweise im Bereich zwischen 1 : 2 und 1 : 10.
Weiterhin ist es erfindungsgemäß von Vorteil, wenn als
Drehstellungsdetektor ein digital schaltender Hall-IC
Verwendung findet. Derartige Hall-IC's bieten den Vorteil,
daß eine Analog-Digital-Umwandlung mittels separater Schal
tungselemente nicht erforderlich ist und somit unmittelbar
ein logisches Ausgangssignal erzeugt wird. In Verbindung
mit der Verwendung derartiger Hall-IC's als Drehstellungs
detektoren ist es weiterhin erfindungsgemäß von Vorteil,
wenn die Kurve der magnetischen Induktion sowohl im nega
tiven als auch im positiven Bereich vor bzw. hinter ihren
Nulldurchgängen einen etwa linearen Verlauf mit einem Stei
gungswinkel α von ca. 80° bis 88° aufweist. Durch diese
steile Flanke der magnetischen Induktion wird der zur Ein-
bzw. Ausschaltung der Hall-IC's erforderliche Wert so früh
erreicht, daß die zeitlichen Abstände zwischen den idealen
Umschaltzeitpunkten und den tatsächlichen Umschaltzeitpunk
ten der Hall-IC's erheblich verringert werden, so daß prak
tisch keine Bremsmomente auftreten können, die aus der Ab
weichung der idealen Umschaltzeitpunkte von den tatsächli
chen Umschaltzeitpunkten hervorgerufen werden. Dabei geht
die Erfindung von der Erkenntnis aus, daß diese linearen
Steigungsbereiche der Induktionsverteilungskurve relativ
kurz sein können, da die Hall-IC's bereits bei relativ
geringen magnetischen Induktionswerten ansprechen. Somit
ist es gemäß der Erfindung keinesfalls erforderlich, daß
der gesamte Anstiegsbereich der magnetischen Induktion eine
derartige Steilheit besitzen muß, so daß die Erzeugung der
erfindungsgemäßen Magnetisierung bzw. Induktionsverteilung
mit relativ einfachen Mitteln erfolgen kann.
Weitere vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung sind in
den Ansprüchen 4 und 5 enthalten.
Die Erfindung erstreckt sich weiterhin auf ein diametrales
Magnetisierungsverfahren, wobei die erfindungsgemäße Magne
tisierung dadurch erreicht wird, daß im Bereich der Pollüc
ken des Rotormagnets während der Magnetisierung in einer
Luftspule die magnetischen Feldlinien konzentriert werden.
Eine Vorrichtung zur Durchführung dieses Verfahrens ist
Gegenstand der Ansprüche 8 bis 10.
In der DE-OS 28 40 057 ist zwar ein bürstenloser Gleich
strommotor mit einer Induktionsverteilung beschrieben, die
im weitesten Sinne ebenfalls als Überlagerung zweier sinus
förmiger Kurven unterschiedlicher Frequenz und Amplitude
beschreibbar sein könnte. Allerdings wird hier die Kurve
der Induktionsverteilung als trapezförmig bezeichnet, wobei
jede Halbwelle aus zwei Maxima mit einem dazwischenliegen
den Einbruch bzw. Minimum besteht. Zudem besitzt hier der
Rotor eine polygonale Ausgestaltung, so daß sich zwar die
Reluktanz über den Umfang ändert, jedoch keine eigentliche
Unsymmetrie des magnetischen Feldes im Bereich der Nutöff
nungen gegeben ist.
In der älteren, nicht vorveröffentlichten DE-OS 31 25 694
ist ein kollektorloser Gleichstrommotor beschrieben, dessen
Rotormagnet zwar ebenfalls eine Induktionsverteilung mit
einem etwa linearen, steilen Verlauf im Bereich der Null
durchgänge aufweist, jedoch ist diese Kurvenform nicht
durch eine Überlagerung zweier sinusförmiger Kurven unter
schiedlicher Frequenz und Amplitude darstellbar, da die
hierin dargestellte Kurve jeweils zwischen zwei Maxima,
d. h. im Mittelbereich zwischen zwei Nulldurchgängen, ein
geradlinig verlaufendes Minimum aufweist. Hierdurch soll
insbesondere die auf den Rotor wirkende Axialkraft redu
ziert werden, um die Rotorlagerung zu entlasten bzw. auch
einfache Gleitlager verwenden zu können.
Anhand der in den beiliegenden Zeichnungen dargestellten
Ausführungsbeispiele wird die Erfindung nun näher erläu
tert. Es zeigt
Fig. 1 schematisch einen erfindungsgemäßen zweipoligen
Außenläufermotor,
Fig. 2 die zugeordnete Abwicklung des vorgenannten
Außenläufermotors, und zwar den Luftspalt
verlauf über dem oberen Polbogen, und
Fig. 3 bis 7 Darstellungen zur Erläuterung der Wirkungs
weise,
Fig. 8 die Darstellung einer vorteilhaften erfin
dungsgemäßen Magnetisierungskurve,
Fig. 9 und 10 eine Anordnung gemäß der Erfindung zur Ma
gnetisierung des Rotormagneten entsprechend
der Magnetisierungskurve gemäß Fig. 8,
Fig. 11 und 12 zwei unterschiedliche Ausführungsformen von
bei der Vorrichtung gemäß Fig. 9 und 10 verwen
deten Flußleitstücken.
In Fig. 1 ist ein Außenläufermotor 1 dargestellt, der
einen zweipoligen Rotor 2 aufweist, der als durchgehen
der Magnetring ausgebildet ist. Die beiden Pollücken
3, 4 sind angedeutet.
Ein Stator 5, ein Doppel-T-Anker, weist einen oberen
Pol 6 a und einen unteren Pol 7 a auf. Erkennbar sind
weiter zwei Nuten 8 a, 9 a. Schematisch dargestellt sind
weiter zwei Wicklungen 10, 11, die an einem Pluspol 12
beginnen und mit ihren Enden bis zu Transistoren 16 und
17 verlaufen sowie der Widerstand 21, der als Kollektor
widerstand den Ausgangstransistors des Hall-IC dient.
Angedeutet ist noch eine Minusleitung 20 einer Gleich
spannungsquelle (beispielsweise 24 V od. dgl.).
Alternativ bei PNP-Transistoren wird die
Potentialzuordnung gewechselt.
Als Drehstellungsdetektor wird ein digitalschaltender
Hall-IC 13 verwendet, der vom Pluspol 12 über einen
Vorwiderstand 18 gespeist wird. Der Ausgang dieses
Hall-IC's 13 steuert den Transistor 16 direkt, den
Transistor 17 über eine Invertierstufe an.
Gemäß Fig. 2 ist die Erfindung darin zu sehen, daß im
Prinzip der Luftspalt gleichbleibt (in Umfangsrichtung
gesehen also zylindrisch), bis auf einen Teilbereich
z. B. 30° bis 70° el. Hier fällt die Breite des Luft
spaltes von einem Höchstwert ab bis zu der Breite des
zylindrischen Teils 14. Die Kante 26 der Öffnung der
Nut 9 und 8 hat den Abstand der zylindrischen gleich
bleibenden Luftspaltbreite. Die andere Kante 2 der
Öffnung der Nut 9 bzw. 8 hat den größten Abstand vom
Magnetmaterial, d. h. hier ist der Luftspalt am größten;
im gezeigten Beispiel verringert er sich im Luftspalt
bereich 15 kontinuierlich, bis er den konstanten Luft
spaltbereich 14 erreicht. In Drehrichtung gesehen
(s. den Pfeil in Fig. 2) liegt dieser Luftspaltsprung
wieder bei der Nut 8.
In Fig. 3 ist die Magnetisierung des Rotors 2 darge
stellt. Die Induktion B läßt sich als Überlagerung
zweier sinusförmiger Magnetisierungskurven unterschied
licher Frequenz und Amplitude beschreiben. Die bei der
Magnetisierung entstehenden Pollücken 3, 4
sind erkennbar. Durch die größte Steilheit der Kenn
linie wird in Verbindung mit einem digitalschaltenden
Hall-IC 13 und dem Verlauf des Luftspaltes eine derartige Moment
lücke möglich, daß für den Anlauf des Motors nur ein kleines
Reluktanzmoment M H erforderlich wird.
Der Stromverlauf ist in Fig. 4 erkennbar, wobei die Stromkenn
linie praktisch nur punktförmige Nullwerte zeigt, woraus auch
ein entsprechender Momentverlauf resultiert, wie er in Fig. 5
dargestellt ist.
In Fig. 6 ist das Reluktanzmoment M H zur Erreichung einer
pseudostabilen Lage im unerregten Zustand gezeigt,
wie diese beispielsweise durch die Anordnung nach der
Erfindung erreicht wird. Dieses Reluktanzmoment M H
verhindert, daß sich der Rotor 2 in eine stabile Lage
einstellen kann, in der beim Einschalten keine Tangen
tialkraftkomponente entsteht. Der Winkelbereich dieser
kritischen Stellung, in der der Rotor 2 beim Anlauf
nicht stehen bleiben darf, beträgt ca. 5° el ab Mitte
Nutöffnung.
In Verbindung mit digitalschaltenden Hall-IC's 13 ist der
Stromverlauf praktisch konstant. Damit ist das Reluk
tanzmoment M H (bei gleichgeformtem Luftspaltverlauf) so
wohl bei annähernd rechteckförmiger bis zu sinusförmiger
Rotormagnetisierung ausreichend.
In Fig. 7 ist das an der Welle abgegebene Drehmoment
gezeigt. Es setzt sich aus M el und M H zusammen.
In Fig. 8 ist eine weitere erfindungsgemäße Magnetisie
rungskurve für die magnetische Induktion B = r (ζ)
dargestellt. Diese Magnetisierungskurve stellt wiederum
die Überlagerung einer sinusförmigen Grundwelle mit ihrer
dritten Oberwelle dar. Sie unterscheidet sich jedoch von
der Magnetisierungskurve gemäß Fig. 3 dadurch, daß so
wohl im negativen als auch positiven Bereich vor bzw.
hinter ihren Nulldurchgängen ein etwas linearer Verlauf
mit einem Steigungswinkel α von ca. 80° bis 88° vorhan
den ist. Dabei ist der lineare Verlauf zweckmäßigerweise
im Bereich von ca. 12° el beidseitig der Nulldurchgänge aus
gebildet und sich bis in einen Bereich B₁ erstreckt, der
sowohl bei negativer als auch positiver Amplitude etwa
40% bis 60% des Maximalwertes der magnetischen Induktion
beträgt. Damit werden Pollücken erzeugt, die maßgeblich für die zeit
lichen Abstände der Umschaltzeitpunkte der Hall-IC's 13 sind. Dabei kann durch
diese erfindungsgemäße Magnetisierung erreicht werden,
daß praktisch keine Bremsmomente mehr auftreten. Dabei
werden im übrigen aber nicht die Vorteile der Ausbildung
der Magnetisierungskurve als Überlagerung der Grundwelle
einer Sinusfunktion mit ihrer dritten Oberwelle redu
ziert.
In Fig. 9 und 10 ist eine Vorrichtung zur Erzeugung der Mag
netisierung gemäß Fig. 8 in einem Rotormagneten darge
stellt. Hierzu wird der Rotor 2 mit dem Magnetring auf eine Vor
richtung aufgeschoben und in eine Luftspule 30 eingelegt, wobei der
zu magnetisierende Rotor 2 so in die Magnetisierungsspule 30 einge
legt wird, daß die Rotorachse 33 des Rotors 2 senkrecht
auf der Spulenachse 34 der Magnetisierungsspule 30 steht.
Hierbei kann die Spulenachse 34, wie dargestellt, oberhalb
des Rotors 2 verlaufen oder aber der Rotor 2 ist derart angeordnet,
daß die Spulenachse 34 durch den Rotor 2 verläuft.
Nun ist erfindungsgemäß vorgesehen, daß durch die quer zur Feldrich
tung 35 der Luftspule 30 angeordnete Vorrichtung im Bereich der Pol
lücken 34 des Rotormagneten eine Konzentration bzw. Bündelung der
magnetischen Feldlinien erfolgt. Diese Vorrichtung be
steht aus zwei Flußleitstücken 31 aus Eisen, s. auch
Fig. 11 und 12, die jeweils am Ende eines Isolierstückes
32 angeordnet sind. Diese Flußleitstücke 31 können in
Draufsicht insbesondere die Form eines Trapezes oder
die eines gleichschenkligen Dreiecks haben und reichen
in radialer Richtung bis dicht an die Innenseite des
Rotormagneten heran. In axialer Richtung erstrecken
sie sich über die gesamte Breite des Magnetringes.
Die in den Fig. 11 und 12 dargestellten Ausführungsbei
spiele der Flußleitstücke 31 unterscheiden sich da
durch, daß die Flußleitstücke 31 gemäß Fig. 11 eine abgeflachte
Spitze aufweisen, so daß eine Deckfläche von
bestimmter Breite a entsteht, während die Flußleitstücke
31 gemäß Fig. 12 im Querschnitt dreiecksförmig sind und
somit eine obere spitze Kante besitzen. Die Erfindung
beruht nun auf der Erkenntnis, daß durch eine unter
schiedliche Ausgestaltung der Breite der Deckfläche
die Steilheit der Magnetisierungskurve im Bereich des
Nulldurchgangs, wie in Fig. 8 gezeigt, variiert werden
kann. Dabei erhöht sich die Steilheit, wenn die Breite
der Deckfläche vergrößert wird, und sie verringert sich
bei schmaler werdender Deckfläche. Demnach kann die
Steilheit der Kurve verändert werden, und zwar von einer
relativ breiten Deckfläche bis hin zum Übergang des in
Fig. 11 dargestellten trapezförmigen Querschnitts bis
zur Ausführungsform gemäß Fig. 12 mit einem Querschnitt
der Flußleitstücke in Dreiecksform.
Mit der Ausgestaltung der Magnetisierungskurve gemäß
Fig. 8 wird insgesamt der Vorteil erreicht, daß sich
aufgrund der Schalthysterese der Hall-IC's 13 praktisch
keine Unsymmetrien beim Umschalten von Wicklung zu
Wicklung mehr ergeben können.