DE322239C - Verfahren und Vorrichtung zur Veredlung und schnellen Alterung von Spirituosen und anderen alkoholischen Fluessigkeiten - Google Patents

Verfahren und Vorrichtung zur Veredlung und schnellen Alterung von Spirituosen und anderen alkoholischen Fluessigkeiten

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DE322239C
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    • C12BIOCHEMISTRY; BEER; SPIRITS; WINE; VINEGAR; MICROBIOLOGY; ENZYMOLOGY; MUTATION OR GENETIC ENGINEERING
    • C12HPASTEURISATION, STERILISATION, PRESERVATION, PURIFICATION, CLARIFICATION OR AGEING OF ALCOHOLIC BEVERAGES; METHODS FOR ALTERING THE ALCOHOL CONTENT OF FERMENTED SOLUTIONS OR ALCOHOLIC BEVERAGES
    • C12H1/00Pasteurisation, sterilisation, preservation, purification, clarification, or ageing of alcoholic beverages

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Description

  • Verfahren und Vorrichtung zur Veredlung und schnellen Alterung von Spirituosen und anderen alkoholischen Flüssigkeiten. Es ist bekannt, daß Spirituosen nur durch Altern die Eigenschaften erlangen; die sie für den Verbraucher wertvoll machen. Es ist auch bekannt, daß ein Branntwein besten Gewächses sich niemals, selbst nach noch so langer Zeit verbessert, wenn er in einem Glasbehälter aufbewahrt wird, und daß es, um die größte Feinheit und den vollen Wert hervorzubringen, erforderlich ist, die Lagerung in einem eichenen Faß vorzunehmen.
  • Abgesehen von der Rolle, die im allgemeinen bei dem Altern der alkoholischen Flüssigkeiten die gemeinsame Wirkung des Sauerstoffs der Luft und der Extraktivstoffe des Holzes der Fässer spielt, kann man sagen, daß die in solchen Flüssigkeiten sich abspielenden Reaktionen verwickelt sind und ein gutes Ergebnis nicht nur von der Einwirkung des Sauerstoffes der Luft auf die Alkoholmoleküle, sondern auch besonders von der Auflösung der im Holz enthaltenen Harze, Gummistoffe und des Tannins in der Flüssigkeit abhängt.
  • Diese selbst stark oxydierenden Grundstoffe durchlaufen eine Reihe von Reaktionen, die zu den aromatischen Verbindungen führen, welche für den Geschmack und den Geruch besonders angenehm sind, und ohne die die Spirituosen und Weine niemals ihre wertvollen Eigenschaften erlangen können. Die löslichen'Grundstoffe des Eichenholzes erfordern Zeit, um sich in genügender Menge in den Branntweinen usw. aufzulösen, und gewisse Grundstoffe, und zwar gerade die, die vielleicht die wichtigste Rolle spielen, brauchen noch mehr Zeit, um sich in bemerkenswertem Maße geltend zu machen.
  • Das Verfahren, das den Gegenstand der Erfindung bildet, besteht darin, ein zweckentsprechendes und schnelles Altern der Spirituosen usw. dadurch zu erreichen, daß man sie mit zweckmäßig in die Flüssigkeit eingeleiteter und verteilter Elektrizität behandelt.
  • Es ist bekannt, daß mittels des elektrischen Stromes in nur wenigen Tagen die löslichen Grundstoffe des Holzes extrahiert werden können, und zwar durch Kataphoresis, d. h. durch Überführung der Stoffe von einem Pol zum anderen durch die lösende Flüssigkeit hindurch.
  • Wegen ihrer- leichten Lösbarkeit werden diese Grundstoffe schon aufgelöst, bevor sie zum Gegenpol gelangen; es findet also eine schnelle Extraktion der Harze und Tannine mit unmittelbar folgender Auflösung statt.
  • Bringt man eine beliebige Holzmasse an der Anode in Richtung auf die Kathode hin an, so tritt der Strom, da die genannten Stoffe elektropositiv sind, durch die Masse hindurch, und die Erscheinungen der Kataphoresis treten in einem sehr kurzen Zeitraum ein. Es ist der Sauerstoff der Luft in Gegenwart von Holz und seinen Extraktivstoffen, der das natürliche Altern und die Veredlung der Spirituosen und aller anderen alkoholischen Getränke bewirkt. Mittels des elektrischen Stromes kann man den Sauerstoff erzeugen, der für diese Zwecke nützlich ist und deswegen besonders wirksam ist, weil er im Entstehungszustande benutzt wird.
  • Der elektrische Strom bewirkt also die Extraktion und die Auflösung der in den Spirituosen löslichen Grundstoffe und oxydiert diese Stoffe ebenso wie einen Teil des Alkohols der Flüssigkeit, ruft somit Reaktionen hervor, welche übereinstimmen mit denen, die im Laufe des natürlichen.Alterns der Flüssigkeiten festgestellt worden sind.
  • Die Elektrolyse stellt also ein praktisches und zweckmäßiges Verfahren dar für die Herbeiführung des Alterns und die allgemeine Veredlung von Spirituosen und allen alkoholischen Flüssigkeiten.
  • Die bisherigen Anwendungen dieses Verfahrens haben aber keine befriedigenden Ergebnisse gebracht, weil man nicht daran gedacht hat, den Wasserstoff zu beseitigen, der sich an der Kathode in Gasform abscheidet und sie polarisiert. Dabei bilden sich nämlich durch Berührung mit diesem Wasserstoff die als erste Oxydationsstufe beim Stromdurchgang entstandenen Aldehyde wieder zurück zu Äthylalkohol, aus dem sie entstanden sind. Infolgedessen wird die Wirkung der Elektrolyse auf ein ungenügendes Maß beschränkt; in manchen Fällen wurde sogar das Gegenteil des erstrebten Zieles hervorgerufen.
  • Auch die. Dichtigkeit des bisher angewendeten elektrischen Stromes wurde zu groß gewählt, sie verursachte zu starke elektrolytische Wirkungen und somit die Bildung von Stoffen, die dem Athylallcohol fremd sind, wie Ameisensäure usw.
  • Um das Maximum an Leistung zu ergeben, muß die Elektrolyse einerseits mit aller möglichen Sorgfalt praktisch ausgeführt werden, andererseits derart, daß der an der Kathode erzeugte Wasserstoff beseitigt wird.
  • Benutzt man bei der Elektrolyse eine depolarisierende Kathode, so erreicht man eine vollständige Beseitigung des sich bildenden Wasserstoffes.
  • Der die erste Oxydationsstufe bildende Aldehyd verbindet sich mit dem freien Sauerstoff, zu welchem er eine große Verwandtschaft besitzt, und geht in Essigsäure (zweite Oxydationsstufe) über. Es ergibt also die erste Oxydationsstufe: C' H" O -E- O =. C= H4 O -f - H20, die zweite Oxydationsstufe: C2 H40 + O = C2H4 O". Außerdem führen Nebenwirkungen zur Bildung von Essigäther: C' H'; O + C2 H4 OZ = C4 H$ OZ + HZ O. jeder Wasserstoffelimination würde die Bildung eines Moleküls Essigsäure C2 H4 OZ entsprechen. Auf Grund der Berechnung kann man diese Umsetzung in .praktisch beliebigen Grenzen mit Hilfe von geeigneten Stromdichten hervorrufen. Das Altern steht in direktem Verhältnis zu der Menge von Essigsäure, die durch Oxydation des Alkohols in der Flüssigkeit gebildet wird.
  • Die Erfahrung hat gezeigt, daß eine Stromdichte von '-/z bis z Milliampere auf den Quadratzentimeter der Anode die günstigsten Wirkungen hervorruft.
  • Die Stromstärke steht in direktem Verhältnis zu den zu behandelnden Flüssigkeitsmengen und zu dem Oxydationsgrad, der angewendet werden muß, um eine Wasserstoffmenge freizumachen, die der für den gewünschten Grad des Alterns erforderlichen Menge von Essigsäure entspricht.
  • Man muß für jede Anwendung einen ununterbrochenen Stromdurchgang für 8 bis zo Tage sicherstellen.
  • Die Anode muß aus nicht oxydierbarem Metall bestehen, so daß keine Metallsalze in die Flüssigkeit übergehen können und der ganze durch. den Strom entstehende Sauerstoff für die gewünschten Reaktionen nutzbar gemacht werden kann.
  • Ein Ausführungsbeispiel für eine derartige Anode ist in Fig. z dargestellt. Diese Anode besteht aus einem Goldblatt a, das an den Seiten durch Gradeinteilung die Größe der Oberfläche in Quadratzentimeter anzeigt. Dieses Blatt ist an einem Rahmen b angebracht, der oben eine beliebige Aufhängevorrichtung besitzt-und mit einem die Drahtklemmend tragenden Körper c verbunden ist.
  • Die Kathode muß depolarisierend sein; d. h. sie muß den entstehenden Wasserstoff aus der Flüssigkeit beseitigen.
  • Fig. 2 und 3 zeigen beispielsweise eine Ausführungsform der Kathode. Sie besteht aus einem porösen Gefäß e, in dessen Mittelachse ein Kohlezylinder f sitzt; der oben die Klemme g trägt und auf einer im unteren Teil des Gefäßes e enthaltenen Masse h aufruht, die aus Mangansuperoxyd und Kohlepulver besteht.
  • Der Kohlezylinder f ist von Mangansuperoxyd i umgeben, mit dem das Gefäß e ausgefüllt ist und in das ein Entlüftungsröhrchen j eingesetzt wird, während das Gefäß im übrigen oben geschlossen ist. Die so zusammengesetzte Kathode -wird von einem geeigneten Gesta k gehalten. bandelt es sich darum, Flüssigkeit in einem Fasse zu behandeln, so erhält das poröse .Gefäß, wie Fig. 4 zeigt, die Gestalt einer Röhre e1, die am oberen Ende offen ist und durch das .Spundloch des Fasses hindurchgesteckt wird, um in die zu behandelnde Flüssigkeit einzutauchen.
  • Diese Anordnung hat insbesondere den Zweck, aus. der Flüssigkeit den durch die Elektrolyse frei werdenden Wasserstoff zu beseitigen, der :ohne die depolarisierende Kathode sich ganz oder wenigstens zum großen Teil mit den Aldehyden wieder verbinden und so das ganze Verfahren wertlos machen würde.
  • Die Kathodenoberfläche rnuß kleiner sein als die Anodenoberfläche.
  • Das eben beschriebene Verfahren zur Veredlung und zum Altern soll einerseits auf junge alkoholische Flüssigkeiten oder auf Spirituosen frischer Destillation, die aber schon Zeit gehabt haben, während ihrer Lagerung in neuen Fässern die löslichen @auptextraktivstoffe des- Eichenholzes in genügender Menge aufzunehmen, angewandt werden, andererseits aber auch auf solche Spirituosen, die ebenfalls frisch destilliert sind, aber die löslichen Grundstoffe, die für ihre Veredlung unentbehrlich sind, aus ihren ;Fässern noch nicht haben aufnehmen können.
  • Im ersteren Falle wird die Flüssigkeit in einem Bottich l (Fig. 5) behandelt, welcher mit der Anode a und der Kathode e versehen ist, die beide in die Flüssigkeit eintauchen. Der Bottich l ist in geeigneter Weise durch Klötze m isoliert, die unter den den Bottich tragenden Traversen angeordnet sind.
  • Dieses Verfahren der elektrolytischen Oxydation des Alkohols und der Extraktivstoffe des Holzes gestattet, in wenigen Tagen die gleichen Resultate zu erreichen, die man durch die natürliche Alterung erst in mehreren Jahren erreichen kann.
  • Der Strom wird so geregelt, daß er ein halbes oder ein ganzes Milliampere auf den Quadratzentimeter der Anode in der Dichte nicht überschreiten kann. Dies wird. dadurch erreicht, daß man die in die Flüssigkeit eingehängten Elektroden einander mehr oder weniger nähert. Die Stromstärke richtet sich nach dem gewünschten Oxydationsgrade, der Dauer des Verfahrens und in Verbindung damit nach der Menge der zu behandelnden Flüssigkeit.
  • Im zweiten Falle ordnet man an der Oberfläche der in dem Bottich l (Fig. 6) enthaltenen Flüssigkeit eine Masse, n von sehr trockenen aus dem Kernholz der Eichen hergestellten Spänen an.
  • Man führt in die Masse ?z die Anode a derart ein, daß die ganze Nutzoberfläche in die Flüssigkeit eintaucht. Man regelt den Widerstand durch die Entfernung zwischen den Elektroden und läßt den passend geregelten Strom während des notwendigen Zeitraumes hindurchtreten.
  • Der Strom ruft die Extraktion der löslichen Stoffe des Holzes durch Kataphorese hervor, während er gleichzeitig diese Stoffe und Alkohol oxydiert; die Oxydation findet im Verlaufe der Extraktion wie bei der natürlichen Alterung statt. Wenn die Menge des erzeugten Sauerstoffes größer wird, so steht sie jedenfalls im Verhältnis zur Geschwindigkeit der Extraktion. Ist man der Meinung, daß die löslichen Stoffe in genügendem Maße aufgelöst sind, so entfernt man die Holzspäne und man setzt die Elektrolyse wie im vorhergehenden Falle fort, bis die für notwendig erachtete Elektrizitätsmenge die Flüssigkeit durchsetzt hat.
  • Um den Alkohol, mit dem das Holz imprägniert wird, wiederzugewinnen, wäscht man dieses zweianal hintereinander mit destilliertem Wasser aus, das dann wegen seines geringen Alkoholgehaltes zu Reduktionen verwendet werden kann.
  • Um die Extraktion und Auflösung der wertvollen Stoffe zu fördern und die Alterung zu beschleunigen, kann man die Elektrolyse der Spirituosen usw. während ihrer Lagerung in neuen Fässern ausführen.
  • In diesem in Fig. 7 dargestellten Falle führt man durch das Spundloch des Fasses die depolarisierende Kathode e, wie sie in Fig. 4 (e1) dargestellt ist, ein; ihre Länge wird so gewählt, daß sie genügend tief in die Flüssigkeit eintaucht.
  • Man verteilt auf einen Teil der Außenwand des Fasses breite Anoden a1 aus Metallgewebe, die durch Krampen o befestigt werden. Um den Widerstand des in dem Stromkreis gelegenen Holzes zu vermindern, fügt man zwischen Holz und Metallgewebe Wolle oder Baumvolle ein, die man feucht hält.
  • Um jeden Stromverlust durch Erdschluß zu vermeiden, werden die Träger p des Fasses auf Isolatoren aufgelegt, die in bekannter Art Näpfe mit isolierenden Flüssigkeiten, wie Vaselinöl o. dgl., enthalten. Der Gang des Verfahrens ist der gleiche, wie oben bei den anderen Ausführungsarten beschrieben wurde.
  • Durch das neue Verfahren wird unabhängig von der jeweils verwendeten Vorrichtung eine beträchtliche Veredlung der alkoholischen Flüssigkeiten in einem sehr kurzen Zeitraum erreicht; insbesondere bei Spirituosen erreicht man in etwa ro Tagen eine Veredlung, die einer bei natürlicher Alterung erst nach mehreren Jahren erreichten Verbesserung gleich ist.
  • Die Flüssigkeiten, die dem beschriebenen verfahren unterzogen sind, fahren fort, sich mit der Zeit beträchtlich zu veredeln. Die Kosten der Anwendung der Elektrolyse sind sehr gering.
  • Die Veredlung durch Oxydation ist ein Verfahren, das sich der natürlichen Alterung am meisten nähert. Es kommen keine anderen Elemente zur Einwirkung auf die Flüssigkeit, und die auftretenden Reaktionen sind völlig gleichartig.

Claims (5)

  1. PATENT-ANsPRÜCHE: i. Verfahren zur Veredlung und schnellen Alterung von Spirituosen und anderen alkoholischen Flüssigkeiten durch Elektrolyse, gekennzeichnet durch die Anwendung einer depolarisierenden Kathode, welche die Entfernung des ganzen freiwerdenden Wasserstoffs sichert,' dessen Wiederverbindung mit den Aldehyden hindert und die Ausnutzung des ganzen freiwerdenden Sauerstoffs gestattet.
  2. 2. Verfahren nach Anspruch i, dadurch gekennzeichnet, daß der elektrische Strom gleichzeitig dazu verwendet wird, um die für die Veredlung der alkoholischen Flüssigkeiten erforderlichen löslichen Stoffe des Eichenholzes durch Kataphoresis zü extrahieren.
  3. 3. Einrichtung zur Ausübung des Verfahrens nach Anspruch i, bestehend aus einer nicht oxydierenden Anöde und einer depolarisierenden. Kathode. q..
  4. Einrichtung zur Ausübung des Verfahrens nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß eineMasse vonEichenspänen an der Anode angebracht ist derart, daß der Strom gezwungen wird, diese Holzmasse zu durchdringen, bevor er sich in der Flüssigkeit ausbreitet.
  5. 5. Einrichtung zur Ausübung des Verfahrens nach' Anspruch 2, gekennzeichnet durch eine depolarisierende Kathode in Form einer durch das Spundloch des Fasses eingeführten und in die Flüssigkeit eintauchenden Röhre und durch eine Anode aus Metallgewebe, die an den Außenwänden des Fasses durch in die Dauben eindringende Krampen- befestigt ist; wobei durch zwischen Metallgewebe und Dauben eingebrachte und feuchtgehaltene Wolle oder Baumwolle der Holzwiderstand vermindert, und das Faß gegen den Boden durch Napfisolatoren isoliert wird.
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