DE2944341C2 - - Google Patents
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- A61K—PREPARATIONS FOR MEDICAL, DENTAL OR TOILETRY PURPOSES
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Description
Die Erfindung betrifft ein ausschließlich verzweigtkettige
Aminosäuren enthaltendes pharmazeutisches Präparat zur
parenteralen Verabreichung durch Injektion oder Infusion,
zur Behandlung hepatischer Encephalopathien.
Bei schweren Leberinsuffizienzen, bei denen die Gefahr
einer hepatischen Encephalopathie mit Schädigung
lebenswichtiger Funktionen des Zentralnervensystems
besteht, ist es üblich, den Gehalt der Nahrung an Proteinen
stark zu vermindern oder Proteine ganz aus der Nahrung zu
entfernen und den Energiebedarf allein durch Kohlenhydrate
zu decken. Durch diese unausgewogene Ernährung ist es zwar
möglich, die Symptome einer hepatischen Encephalopathie
bis zu einem gewissen Grade zu vermindern, doch hat diese
Behandlung den Nachteil, daß dadurch der Proteinbestand
des Organismus zunehmend abgebaut wird.
Andererseits wurde kürzlich festgestellt, daß bei
bestimmten Lebererkrankungen, insbesondere bei der
Leberzirrhose, beim Menschen und bei Tieren Veränderungen
der im Blut befindlichen Aminosäuren auftreten, die in
einer Zunahme aromatischer Aminosäuren, wie Tryptophan,
Phenylalanin, Tyrosin und Methionin, und einer Abnahme
verzweigtkettiger Aminosäuren, wie Leucin, Isoleucin und
Valin (α-Aminoisovaleriansäure) bestehen.
Solche Veränderungen wurden auch in der Cerebrospinalflüssigkeit
beobachtet und waren von dem Auftreten oder
der Konzentrationszunahme von Substanzen begleitet, die,
wie das Octopamin und Phenyläthanolamin, als "falsche
Neurotransmitter" bezeichnet werden.
Diese Veränderungen erreichen beim Auftreten neurologischer
Symptome, wie sie unter dem Begriff "hepatische
Encephalopathie" bekannt sind, rasch bedeutende Werte.
Ähnliche hämatologische, humorale und klinische Bilder
findet man auch bei Tieren, insbesondere Hunden, die
portocavalen Shunt-Operationen unterzogen worden sind.
Wenn unter den beschriebenen Bedingungen, also beim
Auftreten einer hepatischen Encephalopathie, Standard-Nährstofflösungen
verabreicht werden, die im Hinblick auf die
Proteinbilanz einen ausgeglichenen Gehalt an Aminosäuren
aufweisen, verschlechtern sich beim Menschen und auch bei
Tieren die neurologischen und biochemischen Befunde des
Syndroms.
Auf Grund der erwähnten Beobachtungen über die
Veränderungen des Gehaltes der verschiedenen Aminosäuren
im Blut von Erkrankten wurde die Verwendung von Aminosäure-
Lösungen in Betracht gezogen, deren Gehalt an verzweigtkettigen
Aminosäuren (Leucin, Isoleucin, Valin) höher als
der Gehalt an anderen Aminosäuren war. Die Verabreichung
solcher Lösungen, wie sie beispielsweise in der US-PS
39 50 529 beschrieben worden sind und die sich
durch einen verringerten Gehalt an Methionin und anderen
aromatischen Aminosäuren sowie durch einen höheren Gehalt
an verzweigtkettigen Aminosäuren auszeichnen, führte zu
einer bemerkenswerten klinischen und biohumoralen Besserung
sowie einer günstigen Veränderung des
Elektroencephalogramms.
Ein anderer Vorschlag ist aus Reiter und Bode, Zeitschrift
für Gastroenterologie, Bd. 16 (1978), 462 und Fische et
al., Surgery, Vol. 80 (1976), 76, zu entnehmen. Die auf
S. 462 der Veröffentlichung von Reiter und Bode erwähnte
Aminosäurelösung ist äquivalent der ursprünglich von
Fischer et al. vorgeschlagenen Aminosäurelösung. Reiters
Aminosäurelösung ist konzentrierter und enthält relativ
mehr verzweigtkettige Aminosäuren als das von Fischer
vorgeschlagene Aminosäureprodukt. Beide Lösungen enthalten
alle wesentlichen Aminosäuren, sowie eine beträchtliche
Menge nichtwesentlicher Aminosäuren (= non-essential amino
acids). Ein solches komplettes Aminosäuregemisch ist
hauptsächlich beabsichtigt zur ernährungsmäßigen
Unterstützung von Patienten mit chronischem Ausfall der
Leber. Bei Einsatz dieser Lösungen können beträchtliche
Mengen von Aminosäuren (bis zu 120 g/Tag) zirrhotischen
Patienten verabreicht werden, die bekannterweise gegenüber
Proteinen intolerant sind.
Es stellte sich nun die Aufgabe, ein pharmazeutisches
Präparat zur Verfügung zu stellen, das einen noch besseren
Behandlungserfolg bei hepatischer Encephalopathie bietet.
Unter Berücksichtigung der vorstehend beschriebenen
Erkenntnisse und im Hinblick auf Beobachtungen, die dafür
sprachen, daß eine Durchbrechung der Blut-Liquor-Schranke
von dem Verhältnis zwischen verzweigtkettigen und aromatischen
Aminosäuren abhängt, wurden pharmakologische und
klinische Untersuchungen mit Lösungen ausgeführt, in denen
dieses Verhältnis ganz zugunsten der verzweigtkettigen
Aminosäuren verschoben war.
Erfindungsgemäß wurde die genannte Aufgabe bei einem
pharmazeutischen Präparat der eingangs genannten Art
dadurch gelöst, daß es ausschließlich aus einer sterilen
wäßrigen Lösung essentieller verzweigtkettiger Aminosäuren
als einzigen Aminosäuren bestimmter Konzentration und einer
Glucose-Lösung besteht.
Vorteilhafte Weiterbildung der Erfindung ist in dem
Unteranspruch angegeben.
Das pharmazeutische Präparat besteht also aus einer
sterilen wäßrigen Lösung, die als einzige Aminosäure
Leucin, Isoleucin und Valin in bestimmten Konzentrationen
sowie einer bestimmten Menge einer sterilen wäßrigen
Glucose-Lösung, um dem Patienten zugleich mit den
Aminosäuren ein Kohlehydrat als Energieträger zuzuführen.
Die Aminosäuren-Lösung und die Glucose-Lösung müssen bis
zum Gebrauch in getrennten Gefäßen aufbewahrt werden, um
eine Maillard-Reaktion bei der Dampfsterilisation und
Lagerung zu vermeiden, die zu braunen Reaktionsprodukten
führt, die die Haltbarkeit einer kombinierten Lösung
erheblich beeinträchtigen würden.
Durch Herstellen der Lösungen und Abfüllen der Gefäße unter
Stickstoff sowie durch geeignetes Einstellen des pH-Wertes
mindestens einer Lösung werden Lösungen erhalten, die bei
der Dampfsterilisation und Lagerung praktisch farblos
bleiben, eine serhr gute und langdauernde Haltbarkeit haben
und sich sowohl für Injektionen als auch Infusionen eignen.
Das erfindungsgemäße pharmazeutische Präparat besteht aus
700 ml einer wäßrigen Lösung (A), die als einzige
Aminosäuren 1,30 bis 1,80 Gew./Vol.-% Leucin, 1,00 bis 1,50
Gew./Vol.-% Isoleucin und 0,90 bis 1,30 Gew./Vol.-% Valin
enthält, einer Lösung, die in dieser Konzentration völlig
klar ist und stabil, auch bei einer Abkühlung bis 0°C,
und 300 ml einer wäßrigen Glucose-Lösung (B).
An Hand nachstehender Beispiele wird die Erfindung veranschaulicht.
In 100 ml Wasser für Injektionszwecke, das mit Stickstoff
gesättigt und auf 80°C erwärmt worden war, wurden unter
Rühren 11 g Leucin, 9 g Isoleucin und 8 g Valin gelöst.
Der pH-Wert der Lösung wurde durch Zusatz von Natronlauge
auf 7,5 eingestellt, und dann wurde das Volumen der Lösung
durch weiteren Zusatz von sterilem Wasser auf 700 ml
vergrößert. Die so erhaltene Lösung wurde zuerst durch
Asbestplatten, danach durch eine Cellulosemembran mit
0,45 µm großen Poren filtriert, und das Filtrat wurde
in einer 1-l-Flasche aufgefangen.
Die in der Flasche enthaltene Lösung wurde erneut mit filtriertem
Stickstoff gesättigt und dann verschlossen. Danach
wurde die Lösung 40 Minuten bei 121°C sterilisiert.
In 100 ml Wasser für Injektionszwecke, das mit Stickstoff
gesättigt und auf 80°C erwärmt worden war, wurden unter
Rühren 200 g Glucose-Monohydrat gelöst. Danach wurde das
Volumen der Lösung durch Zusatz von weiterem Wasser für
Injektionszwecke auf 300 ml vergrößert. Die so erhaltene
Lösung wurde nach dem Verfahren des Beispiels 1 in eine
500-ml-Flasche filtriert, mit Stickstoff gesättigt und
nach dem Verschließen der Flasche sterilisiert.
Unmittelbar vor dem Gebrauch wird die Glucose-Lösung in
die die Aminosäuren-Lösung enthaltende 1-l-Flasche gegossen.
Vor der klinischen Prüfung der so hergestellten Amino
säuren-Lösung wurde die Toxizität der Lösung untersucht.
Eine einzige intravenöse Verabreichung massiver Dosen
rief bei Ratten und Mäusen keinerlei toxische Symptome
hervor und führte weder zu einer sofortigen noch späteren
Erhöhung der Mortalitätsrate.
Die die drei verzweigtkettigen Aminosäuren enthaltende
Lösung wurde sodann über vier Wochen intravenös an Hunde
in einer Dosis von 20 ml/kg · Tag an fünf Tagen in der Woche
verabreicht. Im Laufe der Prüfung wurde weder ein Todesfall
noch das Auftreten von Symptomen beobachtet, die der
Behandlung zuzuschreiben gewesen wären.
Auch die verschiedenen durch hämatochemishe und hämatologische
Analysen bestimmten biochemischen Werte hielten
sich innerhalb normaler Grenzen mit Ausnahme eines leichten
Anstiegs des Blutzuckerspiegels und einer ebenso leichten
Abnahme des Cholesterinspiegels. Ähnliche Veränderungen
wurden aber in gleichem Ausmaß auch bei einer Vergleichsgruppe
beobachtet.
Bei Hunden beiderlei Geschlechts mit einem durchschnittlichen
Körpergewicht von 15 kg wurden termino-laterale
Shunts angelegt, um hepatische Encephalopathien hervorzurufen.
Nach etwa drei Wochen traten die für die hepatische
Encephalopathie eigentümlichen neurologischen Symptome und
biochemischen Veränderungen auf, insbesondere eine Zunahme
der aromatischen Aminosäuren Tryptophan, Tyrosin und Phenylalanin
sowie Octopamin und Phenyläthanolamin im Plasma und
eine Ammoniakämie.
Die Tiere wurden in zwei Gruppen eingeteilt. Die Tiere
der einen Gruppe wurden mit der Aminosäuren-Lösung gemäß
der Erfindung, die Tiere der anderen Gruppe mit einer
handelsüblichen Aminosäuren-Lösung behandelt. Eine Lösung
dieser Art hat beispielsweise folgende Zusammensetzung:
| Synthetische L-Aminosäuren | |
| Essentielle Aminosäuren | |
| L-Isoleucin|3,80 g/l | |
| L-Leucin | 5,80 g/l |
| L-Lysin (Base) | 5,44 g/l |
| L-Methionin | 4,80 g/l |
| L-Phenylalanin | 6,88 g/l |
| L-Threonin | 3,20 g/l |
| L-Tryptophan | 1,40 g/l |
| L-Valin | 4,48 g/l |
| Halbessentielle Aminosäuren | |
| L-Arginin|9,20 g/l | |
| L-Histidin | 2,20 g/l |
| Nichtessentielle Aminosäuren | |
| L-Alanin|10,00 g/l | |
| L-Glutaminsäure | 2,00 g/l |
| Glykokoll (Glycin) | 4,40 g/l |
| L-Prolin | 12,00 g/l |
| L-Ornithin-L-aspartat | 2,00 g/l |
| L-Serin | 2,40 g/l |
| Gesamtstickstoff | 12,40 g/l |
| L-Maleinsäure | 4,6 g/l |
| Elektrolyte | |
| Na⁺ | |
| 35 mval/l | |
| K⁺ | 30 mval/l |
| Mg++ | 5 mval/l |
| Cl- | 65 mval/l |
| CH₃ · COO- | 5 mval/l |
Mit der therapeutischen Behandlung wurde drei Wochen nach
der Shunt-Operation begonnen. Die Aminosäuren-Lösung wurde
intravenös in einer Menge von 1 l/Tag an fünf Tagen in der
Woche verabreicht.
Die biochemische Untersuchung des Plasmas wurde vor der
portocavalen Shunt-Operation, drei Wochen danach sowie am
3., 6. und 21. Tag der Behandlung mit Aminosäuren vorgenommen.
Parallel zu den biochemischen Untersuchungen wurden
Blutgasanalysen sowie Bestimmungen des Hämoglobins und des
Hämatokrit vorgenommen. Ferner wurden die Tiere zweimal
wöchentlich gewogen.
Die mit der Standard-Aminosäuren-Lösung behandelten Tiere
zeigten eine zunehmende Verschlechterung der Encephalopathie
und eine hohe Todesrate im Laufe der dreiwöchigen
Behandlung. Mit den klinischen Symptomen ging eine zunehmende
Verschlechterung der biochemischen Werte einher.
Bei den mit den Lösungen gemäß der Erfindung behandelten
Tieren wurde kein Todesfall beobachtet; vielmehr wurde in
sehr kurzer Zeit das Eintreten des biochemischen Gleichgewichts
und das Verschwinden der neurologischen Symptome
erreicht.
Zu Vergleichszwecken wurden auch Versuche mit anderen
Aminosäuren-Lösungen ausgeführt, die ebenfalls drei Aminosäuren
enthielten, die jedoch von den erfindungsgemäß vorgeschlagenen
Aminosäuren ganz oder teilweise verschieden
waren (z. B. 6 g Leucin, 10 g Alanin, 9 g Arginin in
1000 ml). Diese Lösungen waren nicht oder nur wenig wirksam,
und bei ihrer Verabreichung wurde eine Verschlechterung
des Syndroms festgestellt.
Aminosäuren-Lösung gemäß der Erfindung wurden anschließend
zur symtomatischen Behandlung schwerer Fälle von
hepatischer Encephalopathie bei Personen angewendet, die
an fortgeschrittener Leberzirrhose litten. Es wurden sechs
Patienten behandelt, bei denen auf Grund klinischer Befunde
sowie biochemischer und elektroencephalographischer Untersuchungen
hepatische Encephalopathien 3. und 4. Grades vorlagen.
Diesen sechs Patienten wurden die Lösungen intravenös in
einer Menge von einer Infusion pro Tag über 14 bis 16 Stunden
verabreicht, und die Infusionen wurden drei bis vier
Tage wiederholt. In allen Fällen trat eine erhebliche klinische
Besserung ein, die durch Erwachen aus dem Koma und
wesentliche Änderungen der biochemischen Werte sowie der
elektroencephalographischer Befunde gekennzeichnet war.
Die günstigen Änderungen traten in einigen Fällen schon
in außergewöhnlich kurzer Zeit etwa fünf bis sechs Stunden
nach dem Beginn der Infusion ein. Die Verträglichkeit
war in allen Fällen gut.
Claims (2)
1. Parenteral applizierbares, pharmazeutisches Präparat,
enthaltend u. a. verzweigtkettige Aminosäuren und
Kohlenhydrate zur Behandlung von hepatischer
Encephalopathie,
dadurch gekennzeichnet, daß es
besteht aus 700 ml einer wäßrigen Lösung (A), enthaltend
als einzige Aminosäuren Leucin, Isoleucin und Valin und
diese in einer Menge von 1,3 bis 1,8% (G/V) Leucin, 1,0
bis 1,5% (G/V) Isoleucin sowie 0,9 bis 1,3% (G/V) Valin
und 300 ml einer wäßrigen Glucose-Lösung (B).
2. Präparat nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, daß es
11 g Leucin, 9 g Isoleucin, 8 g Valin und 200 g
Glucosemonohydrat auf 1 l Gesamtlösung enthält.
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