DE19630453A1 - Blondiermittel für menschliche Haare - Google Patents

Blondiermittel für menschliche Haare

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Description

Die vorliegende Erfindung betrifft ein Blondiermittel für menschliche Haare, vorzugsweise in Pulverform, das insbe­ sondere wesentlich verbesserte physiologische Eigenschaften aufweist.
Blondierpulver sind seit langem bekannt und im Einsatz. Sie enthalten in aller Regel eine pulverförmige Grundlage mit verschiedenen Zusätzen, insbesondere Alkalisierungsmitteln, um den pH-Wert bei der Anwendung bei etwa 9,5 bis 10,5 ein­ zustellen.
Als Aktivsubstanz ist ein Peroxid, üblicherweise ein Per­ sulfat, insbesondere Ammonium-, Natrium- oder Kaliumpersul­ fat, in Mengen von etwa 30 bis 60 Gew.-% der Gesamtzusammen­ setzung enthalten. Diese Pulver werden bei der Anwendung mit wäßriger, vorzugsweise 6%iger Wasserstoffperoxid-Lösung ver­ mischt.
Es hat sich jedoch gezeigt, daß die Verwendung von Peroxi­ den, insbesondere Persulfaten, bei bestimmten Personen zu Allergien führen kann. Es wurde deshalb bereits versucht, persulfatfreie Blondiermittel oder solche mit niedrigem Per­ sulfat-Anteil zu verwenden und durch Erhöhung der Wasser­ stoffperoxidmenge die gleiche Konzentration an reagiblem Sauerstoff zur Verfügung zu stellen. Dabei wurde jedoch überraschenderweise festgestellt, daß durch diese Maßnahme eine qualitativ gleichwertige Aufhellung des Haares, wie sie mit persulfathaltigen Produkten in Kombination mit Wasser­ stoffperoxid erhalten wird, mit persulfatfreien Produkten nicht erzielt werden kann.
Es bestand daher die Aufgabe, ein Blondierpulver zu schaf­ fen, das in Kombination mit Wasserstoffperoxid voll wirksam ist, jedoch die mit konventionellen, peroxid-, insbesondere persulfathaltigen Produkten beobachteten physiologischen Probleme nicht aufweist.
Aus der EP-A 609 796 sind bereits entsprechende Blondiermit­ tel bekannt, die einen niedrigen Anteil an Persulfaten ent­ halten, wobei die Blondierwirkung durch den Einsatz von 10 bis 60 Gew.-% eines Ammoniumsalzes anstelle der Persulfate erzielt wird.
Als besonders geeignete Ammoniumsalze haben sich dabei Ammo­ niumcarbonat, Ammoniumhydrogencarbonat und Ammoniumcarbamat erwiesen.
Es hat sich jedoch gezeigt, daß gerade bei Anwendung dieser blondiertechnisch befriedigenden Substanzen ein störender Ammoniakgeruch auftritt.
Andererseits ergibt sich bei Anwendung anderer Ammonium­ salze, die grundsätzlich möglich ist und die keinen stören­ den Geruch entwickeln, eine gegenüber den obengenannten, be­ vorzugten Ammoniumsalzen verringerte Blondierwirkung.
Die vorliegende Erfindung geht daher von der Aufgabe aus, dieses Problem zu lösen und Blondiermittel mit einem gerin­ gen Peroxidgehalt zur Verfügung zu stellen, die einen den peroxidhaltigen Produkten zumindest äquivalenten Blondier­ effekt ergeben, jedoch die geschilderten Nachteile nicht aufweisen.
Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch ein Blondiermittel gelöst, das eine Kombination aus mindestens einem Ammonium­ salz und mindestens einem Alkalicarbonat und/oder Alkali­ hydrogencarbonat enthält.
Durch die Anwendung dieses Mittels mit einer wäßrigen Was­ serstoffperoxidzubereitung wird eine ausgezeichnete Blondie­ rung des Haares ohne hautreizende oder allergisierende Ne­ benwirkungen erhalten, ohne daß ein unangenehmer Ammoniakge­ ruch während des Gebrauchs auftritt.
Der Anteil an Ammoniumsalzen in den erfindungsgemäßen Blon­ diermitteln liegt bei vorzugsweise etwa 10 bis etwa 50, ins­ besondere etwa 20 bis etwa 40 Gew.-%, der Gesamtzusammenset­ zung.
Das molare Verhältnis von Ammoniumsalz zu Alkali(hydrogen)­ carbonat liegt insbesondere bei etwa 1 : 2 bis 3 : 1; beson­ ders bevorzugt ist ein annähernd äquimolares Verhältnis.
Die erfindungsgemäßen Blondiermittel sind vorzugsweise so eingestellt, daß sie beim Vermischen mit einer wäßrigen H₂O₂-Zusammensetzung unmittelbar vor dem Aufbringen auf das Haar einen pH-Wert im Bereich von etwa 7,5 bis etwa 11,0, insbesondere zwischen etwa 8 und 9,5 ergeben.
Es hat sich nämlich gezeigt, daß bei der Einstellung eines solchen pH-Wertes eine optimale Blondierwirkung erzielt werden kann.
Als Ammoniumsalze können beispielsweise Ammoniumchlorid, Am­ moniumsulfat, Ammoniumphosphate, Ammoniumnitrat, Ammonium­ bromid, Ammoniumjodid, Ammoniumthiosulfat, Ammoniummolybdat, Ammoniumvanadat, Ammoniumsulfamat, Ammoniumcitrat, Ammo­ niumsalicylat, Ammoniumvalerat, Ammoniumtartrat, Ammonium­ benzoat, Ammoniumacetat, Ammoniumformiat und Ammoniumlactat verwendet werden.
Bevorzugt sind hierbei Ammoniumchlorid, Ammoniumsulfat sowie Ammoniumphosphate wie NH₄H₂PO₄, (NH₄)₂HPO₄, (NH₄)₂NaPO₄, NaNH₄HPO₄ oder NH₄Na₂PO₄ und Diammoniumhydrogencitrat.
Ammonium(hydrogen)carbonat und Ammoniumcarbamat sind, wenn überhaupt, in den erfindungsgemäßen Mitteln nur in unterge­ ordneten Mengen, d. h. < 10 Gew.-%, enthalten.
Die erfindungsgemäßen Blondiermittel sind entweder völlig peroxidfrei oder enthalten Peroxide wie Persulfate nur in untergeordneten Mengen; vorzugsweise weniger als 20 Gew.-%, insbesondere weniger als 15, besonders bevorzugt weniger als 10 Gew.-%, berechnet auf die Gesamtzusammensetzung des Mit­ tels.
Neben den Ammoniumsalzen enthalten die erfindungsgemäßen Blondiermittel mit verringertem allergenen Potential die in solchen Mitteln üblichen Bestandteile, insbesondere, wenn es sich um ein Pulver handelt, inerte pulverförmige Träger­ stoffe, beispielsweise pyrogenes Siliciumdioxid, Stärkepul­ ver, etc., Alkalisierungsmittel wie Natriummetasilikat, oberflächenaktive Substanzen, Bindemittel, etc.; zur Vermei­ dung von Wiederholungen wird auf die einschlägigen Standard­ werke, beispielsweise K.Schrader, "Grundlagen und Rezepturen der Kosmetika", 2. Aufl. (1989, Hüthig Buchverlag), S. 815 bis 823, verwiesen.
Diese Pulver können auch, wie aus der DE-A 42 07 475 be­ kannt, mit Öl bzw. mit einem flüssigen Wachs beschichtet sein oder, wie es in der DE-A 42 17 120 beschrieben ist, als mit Binde- und Verdickungsmitteln verfestigtes Agglomerat vorliegen.
Obwohl die bevorzugte Ausführungsform des erfindungsgemäßen Mittels ein wasserfreies Blondierpulver darstellt, ist es auch möglich, andere Trägermaterialien zu verwenden, bei­ spielsweise wasserfreie Suspensionen oder Pasten, wie sie z. B. in der DE-A 38 14 356 beschrieben sind.
Auch der Einsatz wasserhaltiger Emulsionen, Gele etc. ist prinzipiell möglich, obwohl aus Stabilitätsgründen wasser­ freie Produkte bevorzugt werden.
Die folgenden Beispiele illustrieren die Erfindung.
Es wird eine Grundrezeptur A für ein Blondierpulver herge­ stellt, die in den Beispielen A-1 und A-2 sowie B-1 bis B-4 als Grundlage verwendet wird:
Zusammensetzung A
(Gew.-%)
Kieselgur
3,0
Pyrogenes Silica 8,5
Natriummetasilikat 35,0
Stärkepulver 50,0
Eiweißhydrolysat 0,5
Natriumstearat 1,5
Natriumcocoyltaurat 1,0
Natriumcarboxymethylcellulose 0,5
Auf Basis der Grundrezeptur A wurden die folgenden Beispiele hergestellt.
Beispiel A-1
Grundrezeptur|11,6 g
Amoniumhydrogencarbonat 8,0 g
Citronensäure 0,4 g
Beispiel A-2
Grundrezeptur|8,6 g
Ammoniumpersulfat 5,0 g
Kaliumpersulfat 4,8 g
Citronensäure 1,6 g
Beispiel B-1
Grundrezeptur|6,2 g
Ammoniumchlorid 5,4 g
Natriumhydrogencarbonat 8,4 g
(pH-Wert nach der Vermischung mit H₂O₂: 8,8)
Beispiel B-2
Grundrezeptur|4,9 g
Natriumhydrogencarbonat 8,4 g
Ammoniumsulfat 6,7 g
Beispiel B-3
Grundrezeptur|4,5 g
Kaliumhydrogencarbonat 10,1 g
Ammoniumchlorid 5,4 g
Beispiel B-4
Grundrezeptur|4,8 g
Diammoniumhydrogenphosphat 6,7 g
Natriumcarbonat 8,5 g
(pH-Wert nach der Vermischung mit H₂O₂: 8,8)
Jeweils 20 g der Grundrezeptur A und der Zusammensetzungen nach den Beispielen A-1, A-2 und B-1 wurden mit jeweils 40 ml 6prozentiger Wasserstoffperoxid-Lösung vermischt und mit der erhaltenen Mischung (pH 8,5-8,7) Haarsträhnen bei 40°C 30 Minuten blondiert.
Anschließend wurden die Strähnen gewaschen, getrocknet und der Grad der erzielten Aufhellung verglichen. Die Ergebnisse sind in der folgenden Tabelle wiedergegeben:
Die Resultate dieser Versuche zeigen die aufhellende Wirk­ samkeit der erfindungsgemäßen Zusammensetzungen auch in Ab­ wesenheit von Persulfat und deren zusätzliche Geruchsfrei­ heit.

Claims (7)

1. Mittel zum Blondieren von menschlichen Haaren, vorzugs­ weise in Pulverform, das unmittelbar vor der Anwendung mit wäßriger Wasserstoffperoxidlösung zu einem ge­ brauchsfertigen Produkt angerührt wird, dadurch gekenn­ zeichnet, daß es eine Kombination aus
  • a) mindestens einem Ammoniumsalz und
  • b) mindestens einem Alkalicarbonat und/oder Alkali­ hydrogencarbonat enthält.
2. Blondiermittel nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß es etwa 10 bis etwa 50 Gew.-% mindestens eines Am­ moniumsalzes und eine äquimolare Menge mindestens eines Alkalicarbonats und/oder -hydrogencarbonats enthält.
3. Blondiermittel nach Anspruch 1 und/oder 2, dadurch ge­ kennzeichnet, daß es mindestens eine Ammoniumverbindung, ausgewählt aus der Gruppe Ammoniumchlorid, Ammoniumsul­ fat, Ammoniumdihydrogenphosphat, Diammoniummonohydrogen­ phosphat, Ammoniumnatriumphosphat und Ammoniumcitrat, enthält.
4. Blondiermittel nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß es die Kombination aus mindestens einem Ammoniumsalz und mindestens einem Alkalicarbonat und/oder Alkalihydrogencarbonat im Mol­ verhältnis von etwa 1 : 2 bis 3 : 1 enthält.
5. Blondiermittel nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß es weniger als 20 Gew.-%, berechnet auf die Gesamtzusammensetzung, an Per­ oxid(en) enthält.
6. Blondiermittel nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß es weniger als 10 Gew.-%, berechnet auf die Gesamt­ zusammensetzung, an Peroxid(en) enthält.
7. Blondiermittel nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß beim Mischen des Mit­ tels mit einer wäßrigen Wasserstoffperoxid-Zusammenset­ zung ein pH-Wert der gebrauchsfertigen Zusammensetzung von etwa 7,5 bis etwa 11,0 erhalten wird.
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