AT394809B - Verfahren zur desinfektion von kontaktlinsen - Google Patents

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Description

AT 394 809 B
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Desinfektion. Insbesondere können mit dem erfindungsgemäßen Verfahren Kontaktlinsen und Hygieneartikel, Kontaktlinsenlösungen, Pharmazeutika, Lebensmittel, Kosmetika und dergleichen in wässeriger Lösung, Emulsionen oder Suspensionen desinfiziert werden. Feste Körper wie Kontaktlinsen können gleichzeitig gereinigt werden.
Dem Verfahren liegt die Kenntnis zugrunde, daß Wasserstoffperoxid in 1 bis 30 prozentiger Lösung eine oxidierende, keimtötende, reinigende und geruchsbeseitigende Wirkung hat.
Beim Gebrauch von Kontaklinsen, Babyflaschen, Schnullern und dergleichen entsteht eine Ansammlung von Mikroorganismen, die auch pathogene Wirkung haben können. Um Infektionen zu verhindern, kommt entweder Hitzesterilisation, Pasteurisation oder chemische Desinfektion zur Anwendung. Das heutzutage sicherste Sterilisationsverfahren ist die Verwendung eines Autoklaven, dessen Verwendung in der Praxis nur dem Arzt oder dem Krankenhaus bzw. Ambulatoriumsbetrieb zuzumuten ist Die Nachteile des Autoklavierens sind: Hohe Anschaffungskosten, hoher Energiebedarf. Der Nachteil der klassischen chemischen Desinfektion liegt in der geringen oder überhaupt der Unwirksamkeit gegen Viren. Kurzzeitiges Erhitzen, ein Verfahren, welches Pasteurisieren genannt wird, ist für den täglichen Gebrauch ebenfalls nicht sicher genug und darüber hinaus zu teuer.
In der EP-A-0 082 798 und der DE-OS 24 25 714 werden Verfahren genannt, bei welchen die katalytische Zersetzung von Wasserstoffperoxid dazu dient, Kontaktlinsen bzw. andere Hygieneartikel zu desinfizieren.
Die EP-A-0 082 798 gibt an, daß die Verwendung von Katalase Wasserstoffiperoxid in kurzer Zeit, also in etwa 5 Minuten zersetzt
Diesem Verfahren haftet der Nachteil an, daß der verwendeten Lösung ein Enzym, das aus Rinderleber gewonnen wird, zugesetzt werden muß. Für Produkte, die frei von unerwünschten Fremdstoffen sein müssen, ist die Zugabe dieses Enzyms wegen unbekannter Nebenwirkungen von Nachteil.
In der DE-OS 2 425 714 wird vorgeschlagen, einen Katalysator in einem wässerigen System mit Wasserstoffperoxid in Berührung zu bringen, wobei der katalytische Vorgang stattfinden soll
Als Katalysatoren werden in der DE-OS 2 425 714 Lanthanide (seltene Erden), sowie Metalle der ersten, sechsten, siebten und achten Nebengruppe des Periodensystems als mögliche Katalysatoren für die Desinfektion von Kontaktlinsen mit Wasserstoffperoxid, insbesondere die Metalle Pt, Pd, Ir, Rh, Re, Au, Cu, Cr, Os, Co, Fe, Mo, W, Mn oder Ce genannt
Beiden bekannten Vorschlägen haftet unter anderem der wesentliche Nachteil an, daß das Wasserstoffperoxid derart zersetzt wird, daß Reststoffe des Katalysators in Lösung gelangen können. Selbst die Verwendung von Platin als Katalysator schließt die Zersetzung desselben nicht aus. Dies wird unter anderem auch dadurch bewiesen, daß der Platinkatalysator, der zur Ausführung des Verfahrens nach der DE-OS 2 425 714 im Handel erhältlich ist, nach einiger Zeit des Gebrauchs Abnützungsspuren zeigt (er wird zersetzt) und nach Vorschrift des Herstellers periodisch zu ersetzen ist. Darüber hinaus wird in der DE-OS 2 425 714 dargelegt, daß selbst nach einer Einwirkungszeit von sechs Stunden, bei geeigneter Darreichungsform noch 20 ppm H2O2 nachweisbar sind.
Die Erfindung hat den Vorteil, chemisch inaktive Substanzen mit großer Oberfläche zur Zersetzung von Wasserstoffperoxid anzuwenden, ohne daß, wie im Stand der Technik beschrieben, eine Trägersubstanz nötig ist.
Die Aufspaltung von Wasserstoffperoxid erfolgt nach der Gleichung: 2 H2O2---------2 H2O + O2·
Geeignet zur Aufspaltung von Wasserstoffperoxid beim erfindungsgemäßen Verfahren sind Molekularsiebe, Aktivkohle, Metalloxide z. B. Manganoxid, die in der Oberflächenbearbeitung als Poliermittel Anwendung finden, Kohlenstoff (z. B. Diamantpulver, Graphit, Ruß), Kieselgur, verschiedene Silikate wie Aluminiumsilikat, Kieselgel.
Am vorteilhaftesten hat sich die Verwendung von Aktivkohle erwiesen, da sie bei kleiner Größe durch ihre poröse Beschaffenheit eine große spezifische Oberfläche aufweist.
Bei Verwendung von Aktivkohle zersetzt sich Wasserstoffperoxid in nützlicher Zeit, abhängig von der Konzentration des H2O2 und der Menge an Aktivkohle.
An Hand der folgenden Beispiele wird die Wirksamkeit und die Steuerbarkeit der Zerfallszeit beim erfindungsgemäßen Verfahren gezeigt:
In jeweils 10 ml physiologischer, gepufferter Kochsalzlösung, welcher 3 % H2O2 zugesetzt wurde, konnten bei einer Zugabe von verschiedenen Mengen Aktivkohle folgende Zerfallszeiten gemessen werden: -2-
AT 394 809 B
Zeit/Min mg Aktivkohle ppm ^2^2 5 50 100 > 500 15 > 1500 20 < 10 50 15 > 500 15 < 1500 30 < 20 50 10 > 500 10 < 1500 20 0 40 50 20 > 500 10 < 1500 30 50 50 25 > 500 30 < 1500 30 100 50 30 > 500 30 < 1500 00 160 50 30 > 500 10 0 1500 00 180 50 10 > 500 50 210 50 10 > 500 50 240 50 10 > 500 30 270 50 10 > 500 30 300 50 10 > 500 10 330 50 3 > 500 10 360 50 3 > 500 00
Lesende: > bedeutet sichtbare Aktivität < bedeutet gering sichtbare Aktivität 0 bedeutet keine sichtbare Aktivität -3-

Claims (2)

  1. AT 394 809 B Die Gehalte an H2O2 werden mit "Merckoquant" Peroxidteststreifen bestimmt, so daß sich am Beginn der Reaktion Unregelmäßigkeiten der Ablesegenauigkeit ergeben, da diese Teststreifen nur bis 100 ppm H2O2 genaue Ergebnisse liefern. Die Beispiele zeigen deutlich, daß ein geeigneter Anteil an Aktivkohle zu einer vollständigen Zersetzung von Wasserstoffperoxid bis unter die Nachweisgrenze führt In weiteren Versuchen konnte darüber hinaus der Nachweis erbracht werden, daß keine nachweisbare Menge an Aktivkohle verloren oder in Lösung ging und die Zerfallszeiten gleich blieben. Im Gegensatz zu den beiden bekannten Verfahren (EP-A 82798 und DE-OS 2 425 714) kann daher die katalytisch zersetzte und zu Wasser und Sauerstoff zerfallene Peroxidlösung ohne Öffnung des Behälters in der Aufbewahrungslösung, in welcher das zu desinfizierende Gut lagert, verbleiben, ohne Schaden zu nehmen. Darüber hinaus ist bei der Anwendung des erfmdungsgemäßen Verfahrens zur Desinfektion und/oder Reinigung von Kontaktlinsen die Sicherheit gegeben, daß keine Restpartikel von H2O2 auf den empfindlichen äußeren Augenabschnitt des Kontaktlinsenträgers gelangen, ohne daß die Kontaktlinse wie in der DE-OS 2 425 714 beschrieben abgespült werden muß. Ein weiterer Nachteil der Kontaktlinsenpflege speziell beim Abspülen hydrophiler Kontaktlinsen ist es, daß entweder unkonservierte Kochsalzlösung in Einmalportionen verpackt zur Anwendung gelangt, oder große Flaschen, welche Luft und Mikroorganismen von außen eindringen lassen, Anwendung finden. Diese mehrfach verwendbaren Dosierungen müssen Konservierungsmittel enthalten, die zwar die gelagerte Substanz keimfrei halten, aber in vielen Fällen am Auge toxische Reaktionen hervorrufen. Unter Druck stehende Sprühflaschen enthalten neben der erwähnten Kochsalzlösung Treibgas, z. B. Stickstoff oder Preßluft Der Herstellungsaufwand ist daher sehr groß. Mit dem Verfahren nach der Erfindung kann auch ein dicht angeschlossener Behält»1, welcher ein geeignetes Auslaßventil besitzt, als Sprühflasche Anwendung finden. Wasserstoffiperoxid wird in geeigneter Konzentration in wässeriger Lösung beigegeben. Der fieiwerdende Sauerstoff sorgt für den notwendigen Druck, um das zu versprühende Gut aus dem Behält» zu drücken. Bei Anwendung eines Einkammersystems wird darüber hinaus noch eine völlige Desinfektion erzielt Es ist also möglich, unter nicht sterilen Bedingungen abzufüllen, worauf das Füllgut durch Wasserstoffperoxid desinfiziert wird. Für Substanzen, für die wässerige Lösungen oder die zersetzende Wirkung von H2O2 nachteilig ist, ist auch die Anwendung eines Zweikammersystems möglich. Während in dem einen Teil des Behälters Wasserstoffperoxid mit dem Katalysator für den Aufbau des Druckes sorgt befinden sich in einem zweiten, beispielsweise durch einen dichten Sack, Balg oder Kolben getrennten Teil, Substanzen, welche durch das mit der anderen Kamm» wrbundene Ventil nach außen gedrückt werden. Nach dem beschriebenen Verfahren können auch Substanzen desinfiziert werden, ohne daß sie unter Druck stehen müssen. Es ist beispielsweise möglich, Abspüllösungen für Kontaktlinsen, die mittels einer Portionierflasche und einer geeigneten Menge Kochsalz (meist in Form von Tabletten) hergestellt werden, in Anwesenheit der beschriebenen Katalysatoren zu desinfizieren, so daß sie nach vorgegebenem Zeitablauf gebrauchsfähig sind. Andere Hygieneartikel, wie beispielsweise Ohrpaßstücke von Hörgeräten, Babyflaschen und Saug» lassen sich in der beschriebenen Form desinfizieren, ohne unerwünschte Substanzen zu hinterlassen. In Flüssigkeit gelöste, emulgi»te und/oder suspendierte Stoffe können nach diesem Verfahren ebenso sterilisiert werden. Geeignete Katalysatoren für das erfindungsgemäße Verfahren sind sämtliche Substanzen mit großer spezifisch» Oberfläche, insbesondere Aktivkohle, Kohle, Schlacke, Agarose, Metalloxide, Adsorbens, Molekularsiebe, Al-Silikate, Silicagel, Kohlenstoff in Form von Graphit und Ruß. PATENTANSPRÜCHE 1. Verfahren zur Desinfektion von Feststoffen, Flüssigkeiten oder in Flüssigkeiten gelösten, emulgierten, suspendierten Substanzen in einem wässerigen System mit Wasserstoffperoxid in einer Konzentration von 0,01 bis 96 %, wobei das Wasserstoffperoxid in Anwesenheit eines Katalysators nach dem Desinfektionsvorgang zersetzt wird, dadurch gekennzeichnet, daß als Katalysator ein Stoff oder eine Kombination von Stoffen, mit großer spezifischer Oberfläche, ausgewählt aus der Gruppe, bestehend aus Aktivkohle, Agarose, Molekularsiebe, Aluminium-Silikate, Silicagel, Kohlenstoff in Form von Graphit und Ruß verwendet wird.
  2. 2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß es in einem geschlossenem Behälter ausgeführt wird, wobei d» durch die Zersetzung des Wasserstoffperoxid gebildete Sauerstoff als Treibmittel für die aus dem Behälter zu drückende Flüssigkeit bzw. für Flüssigkeit, in der Substanzen gelöst, emulgiert oder suspendiert sind, dient -4-
AT209088A 1988-08-24 1988-08-24 Verfahren zur desinfektion von kontaktlinsen AT394809B (de)

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* Cited by examiner, † Cited by third party
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AT344921B (de) * 1974-03-26 1978-08-25 Warner Lambert Co Verfahren zur konditionierung von weichen kontaktlinsen

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* Cited by examiner, † Cited by third party
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AT344921B (de) * 1974-03-26 1978-08-25 Warner Lambert Co Verfahren zur konditionierung von weichen kontaktlinsen

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