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Verfahren zum Vermehren von Rosen durch Anschäften von Stecklingen einer Unterlage
Bekanntlich ist es aus zahlreichen landwirtschaftlichen Gründen von Bedeutung, die verschiedenen
Rosenvarietäten nicht auf ihren eigenen Wurzeln zu entwickeln, sondern ein Veredelungsstück als
Verbindung zwischen dem Boden und der Knospe, oder dem Auge, der genannten Varietäten zu verwenden, wobei jede danach in den Handel gebrachte Rose genau die ursprüngliche Varietät hervorbringt, aber auf einem andern Wurzelsystem (geschlechtslose Fortpflanzung).
Zu diesem Zweck werden sehr verschiedenartige Veredelungsstücke, d. h. Unterlagen verwendet, u. zw. wird hinsichtlich der für die Schnittblumengewinnung bestimmten Varietäten insbesondere auf die aus Stecklingen hervorgegangenen Unterlagen von z. B."Indica Major" (oder Rosa Chinensis oder auch Rosa Odorata je nach den Schöpfern genannt) zurückgegriffen, weil diese sehr kräftig ist, zu jeder Jahreszeit wachsen kann, Böden mit sehr verschiedenem pH-Wert verträgt und zur Winterzeit im Gewächshaus gezogen werden kann. Jedoch ist die Vermehrung im freien Feld der auf Indica Major gepfropften Varietäten in bestimmten Breitengraden (Nordeuropa) sehr schwierig.
Gegenstand der Erfindung ist die Vermehrung der Rosenvarietäten durch Aufpfropfen auf eine Unterlage wie Indica Major gemäss einem Verfahren, das sich von den bisher bekannten Verfahren unterscheidet und das den eigentlichen Pfopfvorgang vereinfacht und die Bedingungen für das Ziehen der auf diese Weise veredelten Pflanzen verbessert.
Das erfindungsgemässe Verfahren ähnelt den bekannten Verfahren des Pfropfens auf Stecklinge von Indica Major und kann gleichermassen auf Stecklinge anderer Unterlagen angewandt werden.
Das erfindungsgemässe Verfahren beruht auf der beim ersten Blick überraschenden Feststellung, dass die Entwicklung des Pfropfreises nicht von der Beibehaltung der "Augen" oder Knospen abhängig ist, die an dem nicht verwurzelten, als Unterlage verwendeten Steckling vorhanden sind. Von dieser Feststellung ausgehend, weist das erfindungsgemässe Verfahren in bezug auf die bekannten Verfahren folgende wesentliche Vorteile auf, die im folgenden näher beschrieben werden : Verringerung der Länge der aus dem Mutterstock einer Unterlage wie Indica Major entnommenen Stecklinge ; Verkürzung der Zeit, die notwendig ist, um den aus der gepfropften Varietät entwickelten Rosenstock zu erhalten ; Vereinfachung der Pfropfvorgänge und Möglichkeit der Mechanisierung derselben.
Die Erfindung wird nun unter Bezugnahme auf die Zeichnungen näher erläutert :
1. Die Entnahme der Stecklinge vom Mutterstock erfolgt vorzugsweise während der Vegetationspause.
2. Da bei diesem Verfahren kein einziges Auge auf der ganzen Länge des Stecklings beibehalten werden muss, können an den Trieben (Fig. l) des Mutterstockes die Augen vollständig ausgeschnitten werden, bevor die die Stecklinge darstellenden Triebabschnitte --1'--, auf die ein Auge der zu reproduzierenden Varietät gepfropft wird, geschnitten werden.
Die Länge dieser Abschnitte, die bei den bekannten Verfahren mindestens 30 cm betragen muss (Fig. 2), weil oberhalb der Pfropfstelle-2-- Platz für mindestens ein, wenn nicht zwei zur Unterlage gehörende Augen--3, 3'-- verbleiben muss, kann um 10 cm reduziert werden, wodurch die Entnahme einer grösseren Anzahl von Stecklingen aus
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Wurzeln austreiben und entwickeln sollen, vom Treibhausgärtner im Gewächshaus oder vom Freilandgärtner im Garten versorgt werden können, u. zw. zu einem billigeren Preis, als wenn es sich um verwurzelte Pflanzen (entwickelter Wurzelstock) handelt. e) Etwa 6 Monate nach dem Pfropfen (Okulieren) werden die im Wachstum befindlichen Pflanzen von dem Stecklingsstumpf (schraffierter Teil in Fig. 3e der Zeichnungen) befreit.
Mit dieser Massnahme,
Entfernen des Stumpfes und Überziehen der auf diese Weise gebildeten Schnittfläche mit einem isolierenden wachsartigen Produkt, wird eine Infektion verhindert und die vorteilhafte Bildung eines
Narbenwulstes angeregt, durch den die erfindungsgemäss gepfropfte Pflanze von einer auf übliche Weise einfach okulierten Pflanze unterschieden werden kann.
Das erfindungsgemässe Verfahren, wie es oben beschrieben wurde, bietet also folgende Vorteile :
1. Bei allen bekannten Verfahren zum Ziehen von Rosenstöcken in der Rosenschule treiben die
Unterlagen, die als ganze Setzlinge (plants constitués) gepfropft werden, häufig übermässig stark aus und die zahlreichen Triebe müssen dann beim Ausputzen ausgeschnitten und vernichtet werden ; auf diese
Weise geht verhältnismässig viel Wachstumsenergie unnütz verloren.
Bei dem erfindungsgemässen Verfahren, bei welchem mit vegetativ inerten Stecklingen gearbeitet wird, trägt die ganze später von den Wurzeln und dem Blattwerk geleistete Arbeit ausschliesslich zur
Entwicklung der aufgepfropften Varietät und infolgedessen zu dem als "Endprodukt" gewünschten
Rosenstock bei. Dieses führt zu einer Verringerung der für die Entwicklung eines voll entwickelten
Rosenstocks erforderlichen Zeit und ermöglicht damit eine Erweiterung der Kulturzone im Pflanzgarten (Rosenschule).
2. Bei den bekannten Verfahren des Pfropfens im freien Feld ist die Zeitspanne der
Durchführung sehr streng begrenzt, während bei dem erfindungsgemässen Verfahren, da das Pfropfen und der Beginn der Kultur in gesteuerter Atmosphäre erfolgt, diese Massnahmen zu jeder Jahreszeit vorgenommen werden können.
3. Wie bereits oben ausgeführt, ist für jeden erfindungsgemäss gezogenen Rosenstock ein kürzerer
Steckling erforderlich als bisher ; hieraus ergibt sich eine Kosteneinsparung von etwa 30% bei den
Stecklingen.
4. Im Gegensatz zu den bekannten Verfahren des Aufpfropfens im freien Feld, das von einer fachlich geschulten Kraft vorgenommen werden muss, d. h. von einer Kraft, die in der Lage ist, gleichzeitig eine hohe Ausbeute und einen guten Erfolgsprozentsatz sicher zu stellen, erfordert das erfindungsgemässe Verfahren keinerlei Spezialausbildung.
5. Das Entfernen des Stecklingstumpfes oberhalb der Pfropfstelle und Aufbringen eines isolierenden wachsartigen Materials auf der so erhaltenen Schnittfläche bewirkt die Bildung eines Narbenwulstes, durch den eine erfindungsgemäss "gepfropfte" Pflanze von einer auf übliche Weise "okulierten" Pflanze unterschieden werden kann.
6. Einer der wichtigsten Vorteile des Verfahrens liegt darin, dass die einzelnen Verfahrensstufen beim Pfropfen mechanisiert werden können, weil diese Massnahme an inerten Stecklingen und vor ihrem Einpflanzen in den Boden durchgeführt werden können.
Die hiefür vorgesehene maschinelle Vorrichtung kann auf verschiedene Art und Weise ausgeführt sein, wenn folgende Grundvoraussetzungen beachtet werden :
Das Abschneiden des Stecklings und die Vorbereitung des Pfropfreises (Auges) erfolgen von Hand aus durch einen Spezialisten ; die Maschine umfasst einen Drehtisch, der an seinem Aussenrand mit einer Reihe von Backen oder Auflagetischen versehen ist, die mit Hilfe eines entsprechenden Pedals mit der Bewegung der Maschine in Einklang gebracht oder in bezug auf diese angehalten werden können ; die Backen oder Auflagetische selber können nach Belieben durch nicht geschultes Bedienungspersonal geschlossen oder geöffnet werden.
Die Arbeit des Bedienungspersonals besteht darin, die vorbereiteten Stecklinge in jeden der nacheinander an ihm vorbeilaufenden Auflagetisch einzulegen und, wenn dieser zum Stillstand gebracht wird, das Pfropfreis (Okulierschild) in den entsprechenden Steckling einzulegen und dann die Pfropfstelle zu umwickeln. Hierauf werden die verschiedenen gepfropften Stecklinge automatisch in einen Vorratsbehälter transportiert, wobei sie zuvor ein Zählwerk durchlaufen.
Der eigentliche Pfropfvorgang selbst und das Umwickeln der Pfropfstelle wird auf diese Weise sehr vereinfacht und beschleunigt, weil die Massnahmen von einer sitzenden Kraft an fest und horizontal gehaltenen Stecklingen vorgenommen werden können.
7. Schliesslich sei auch darauf hingewiesen, dass das erfindungsgemässe Verfahren in Ländern zur Anwendung gelangen kann, deren Klima bisher die Verwendung von Indica Major-Stecklingen als Unterlage nicht ermöglichte.