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Verfahren zur Herstellung von Früchte enthaltenden Spirituosen,
Likör u. dgl.
Fruchtlikör od. dgl. wird in der Regel in der Weise hergestellt, dass die Früchte nach erfolgter Reife vom Obstbaum abgenommen, zerkleinert und in Gefässe gefüllt werden, in die die erforderliche Menge
Spirituosen und allfälliger Ingredienzien eingefüllt worden ist. Diese Mischung wird dann in der für Li- köre u. dgl. üblichen Weise weiterverarbeitet und schliesslich in enghalsige Flaschen abgefüllt, bevor sie der möglichst langfristigen Lagerung und endlich dem Verbrauch zugeführt werden kann. Dieses Verfahren hat eine Reihe erheblicher Nachteile. Zunächst muss das Reifen der Früchte am Baum ohne Schutz gegen schädliche Witterungseinflüsse, wie Sturm, Hagel, und Schädlinge, wie Vögel, Insekten, abgewartet wer- den.
Es ist zwar bekannt, die reifenden Früchte während des Wachsen dadurch zu schützen, dass man birnenförmige Schutzhüllen aus lichtdurchlässigem Stoff od. dgl. darüberbindet, die dann vor dem Pflük- ken der Früchte abgerissen werden, doch beeinträchtigen diese das Licht nur in beschränktem Masse durch- lassenden Hüllen das wirkliche Ausreifen der Früchte, ermöglichen aber vor allem in keiner Weise die Beseitigung aller jener Nachteile des bekannten Verarbeitungsverfahrens, die sich zur Gewinnung von Fruchtlikör u. dgl. an das Pflücken der Früchte erst anschliessen. Das eingangs erwähnte bekannte Herstellungsverfahren ist umständlich, teuer und überdies riskant, denn es gewährleistet auch bei genauer Einhaltung aller erforderlichen Massnahmen keineswegs die Qualität des Endproduktes.
Die Nachteile des bekannten Verfahrens, die insbesondere bei Ausführung im grösseren Umfang in Erscheinung treten, sind mannigfach und sehr erheblich. Nach erfolgter Reife müssen die Früchte von Hand oder mittels Pflückgeräts vom Baum genommen werden, wobei die Gefahr der Infektion, z. B. Pilzinfektion, und der Beschädigung der Früchte gegeben ist. Da die Verarbeitung zu Likör u. dgl. meist nicht unverzüglich erfolgen kann, müssen die Früchte vor dem Verderb durch entsprechende Lagerung und Behandlung geschützt werden. Hiezu ist die Bereitstellung von Sammel- und Transportgefässen sowie die keimfreie Instandhaltung derselben erforderlich. Massnahmen sind vorzusorgen, die den Kontakt der Früchte bzw. den unzulässigen Druck der Früchte untereinander verhindern.
Vor der Verarbeitung müssen die Früchte sodann gereinigt werden, wofür gesonderte Einrichtungen und Behälter erforderlich sind. Beim nachfolgenden Zerkleinern oder Pressen und Filtern ist es unvermeidlich, dass grosse Mengen des Fruchtsaftes und aromatischer Stoffe, die für das Endprodukt wichtig sind, verlorengehen bzw. verflüchtigen, wodurch die Qualität des Endproduktes nachteilig beeinflusst wird. Für das Zerkleinern oder Pressen und Filtern sind besondere Massnahmen und umfangreiche Einrichtungen erforderlich, um das Verderben der Früchte und des Zwischenproduktes, z. B. durch geringfügige Rückstände in den Gefässen und Geräten, zu verhindern.
Das gesonderte Reinigen der Flaschen, das Mischen der Früchte mit den Spirituosen oder dem Likör sowie das Abfüllen in lager-und verkaufsfertige, enghalsige Flaschen schliesst sich an, alles in allem ein zeitraubendes Verfahren, bei dem grösste Sauberkeit beobachtet werden muss, um die Zusammensetzung und die Qualität des Endproduktes nicht zu gefährden. Die verhältnismässig lange Dauer des bekannten Verfahrens hat zur Folge, dass die Zwischenprodukte, die Früchte im zerkleinerten Zustand usw., längere Zeit schädlichen Einflüssen ausgesetzt sind als dies zulässig ist.
Werden beim bekannten Verfahren die Fruchtstücke in der Trinkflüssigkeit belassen, so ist das Abfüllen in enghalsige Flaschen überhaupt nicht möglich, was aber gerade bei Spirituosen von Wichtigkeit ist, da solche nur in enghalsigen Flaschen gut verschlossen und lange gelagert werden können. Alle diese Umstände und Erfordernisse fallen gerade bei der Herstellung von Fruchtlikör und ähnlichen, mit Fruchtsäften versetzten Spirituosen u. dgl. besonders ins Gewicht, weil diese Endprodukte hochempfindlich sind. Werden nicht einwandfrei gewachsene Früchte in einwandfreier Weise gesammelt, gelagert, transportiert, verarbeitet und abgefüllt, so treten Mängel des Endproduktes in Erscheinung.
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Alle diese Nachteile werden durch das erfindungsgemässe Verfahren vermieden. Die Erfindung besteht darin, dass man die lebenden jungen Früchte bzw. die befruchteten Blüten in für den Letztverbrauch geeignete, enghalsige Gefässe hineinwachsen lässt, die gereifte Frucht damit pflückt, transportiert, lagert, das Gefäss sodann samt der eingeschlossenen Frucht mittels eines Spülmittels, vorzugsweise alkoholischer
Natur, reinigt, worauf die Spirituosen bzw. der Likör eingefüllt und das Gefäss unter gleichzeitiger Fest- legung der Frucht verschlossen wird.
Ausführungsbeispiel : Über die an den Zweigen des Obstbaumes befindlichen befruchteten
Blüten bzw. jungen Früchte werden enghalsige Flaschen gestülpt, indem die junge Frucht, allenfalls samt einigen Blättern, in die Flasche eingeführt und letztere am Zweig bzw. am Spaliergerüst oder in anderer geeigneter Weise festgelegt wird, so dass eine Beschädigung der Frucht und der Flasche ausgeschlossen ist.
Auch der Zweig mit der jungen Frucht kann in geeigneter Weise gegenüber der Flasche festgelegt werden.
Nach erfolgter Reife der Frucht wird der Zweig nächst dem Halsende der Flasche vom Baum getrennt, im Wege der Durchspülung mit einer Spüleinrichtung werden Flasche und Frucht gründlich gereinigt, um Insektenreste, Spinnweben u. dgl. zu entfernen. Es kann reines Wasser ohne oder mit Zusätzen, wie
Spiritus, Verwendung finden. Hierauf wird die gewünschte Trinkflüssigkeit, Spirituosen, Likör od. dgl., in die Flasche gefüllt, und der Verschluss unter gleichzeitiger Festlegung des Zweiges mit der Frucht an der Flasche angebracht. Die Trinkflüssigkeit kann beliebiger Beschaffenheit sein, insbesondere auch Likör, dem eine oder mehrere weitere Komponenten von Fruchtaroma beigefügt werden soll. Der Likör od. dgl. durchtränkt nun die Frucht, die ihrerseits ihren Saft und ihr Aroma verlustlos der Flüssigkeit mitteilt.
Die Einwanderung der Spirituosen in die Frucht durch die Fruchtschale hindurch, die wie eine Membran wirkt, und die Einwanderung des Fruchtsaftes in die Spirituosen, die die Frucht allseits umspülen, erfolgt wegen der stark unterschiedlichen Eigenschaften der beiden Flüssigkeiten sehr energisch.
Auf diese Weise ist es möglich, grosse Früchte, wie Äpfel, Birnen, Ananas usf., in enghalsigen Flaschen zu ziehen und zudem damit überraschende optische Wirkungen zu erzielen, die die Kauflust steigern. Das genannte Obst musste bei der Verarbeitung zu Likör usf. bisher stets, zerkleinert werden, damit es in enghalsige Flaschen abgefüllt werden konnte. In unzerteiltem. Zustand konnte bisher nur Kleinobst, wie Beeren, verarbeitet werden. Das erfindungsgemässe Verfahren vereinfacht und verbilligt das Herstellungsverfahren und gewährleistet die Vermeidung jeden Risikos bei der Herstellung.
Es werden demnach grosse, einwandfrei gewachsene Früchte in die für die langfristige Lagerung und den Verkauf von Spirituosen allein geeigneten enghalsigen Flaschen, u. zw. durch Einwachsen in die sie gleichzeitig schützende Hülle, eingelagert, in einwandfreier Weise ohne Berühren mit der Hand. oder Pflückgeräten gepflückt, vollkommen isoliert und druckfrei gelagert bzw.
aufbewahrt und transportiert, so dass die gesunden Früchte gegenüber schädlichen Einflüssen und kranken oder beschädigten Früchten geschützt sind, sodann fertig verarbeitet im Wege der vereinfachenden Durchspülung der Flaschengefässe, Füllung mit der oder den Trinkflüssigkeiten ohne jeden Verlust an flüchtigen, flüssigen oder-festen Stoffen und unter Ausschluss aller, das Endprodukt gefährdenden Einflüsse und Einrichtungen, worauf schliesslich auch noch das Verschliessen der verkaufsfertigen Flaschengefässe wegen ihrer Enghalsigkeit in einfacher Weise sicher und dauerhaft möglich ist. Während des ganzen Herstellungsverfahrens bildet das Flaschengefäss sozusagen die isolierende Behandlungsretorte für die eingeschlossene Frucht.
Die ungeschälten und unzerteilten, grossen Früchte werden somit schon in den Flaschengefässen, in denen sie gewachsen sind und verkauft werden, mit den Spirituosen behandelt, wodurch alle Nachteile der bekannten Verfahren ausgeschaltet werden. Es können Früchte in ganzen Serien zu gleichartigem Likör od. dgl. verarbeitetwerden, es kann aber auch jede Frucht in ihrer Flaschenretorte individuell zu Likör unterschiedlicher Art verarbeitet werden. Serienerzeugung und Spezialerzeugung können somit in gewünschter Weise gewechselt werden. Die Durchspülung der Flasche und Frucht erfolgt zweckmässig mit einer Spüleinrichtung, die auf die Flasche aufgesetzt wird und aus einem kürzeren und einem längeren Spülrohr mit Frischwasseranschluss od. dgl. besteht.
Nach dem Entleeren der Flasche kann auch noch die Frucht, in Stücke zerteilt und in die Gläser abgefüllt, genossen werden. Es können beliebige Flaschengefässe verwendet werden, insbesondere auch die üblichen Likörflaschen mit ganz engem Flaschenhals.