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Österreichische PATENTSCHRIFT Nr. 18781. EUGENE VILLETTE IN LILLE (FRANKREICH).
Vorrichtung zum Anhalten von Schiffen und Booten.
Den Gegenstand vorliegender Erfindung bildet eine Vorrichtung, angeordnet an dem Rumpf von Schiffen oder Booten, zum Zwecke des raschen Anhaltens derselben.
Auf jeder Seite des Schiffes sind, der Höhe entsprechend, Ausnehmungen angebracht, zur Aufnahme von der Schuppenform ähnlichen Eisenplatten, wobei aber diese Form nicht ausschliesslich anwendbar ist, da die Platten nach Bedarf auch rund, viereckig, oval oder vieleckig gestaltet sein können.
Diese Platten sind an de. l Seitenwänden dos Schiffes in Scharnieren drehbar angeordnet. Sie sind ausserdem mit Kolbenstangen verbunden, welche entweder in der Mitte oder an anderer Stelle derselben befestigt sind und von der im Innern des Schiffes vorgesehenen Antriebsvorrichtung betätigt werden.
In der Zeichnung ist eine beispielsweise Ausführungsform der Vorrichtung dargestellt, und zwar zeigt : Fig. 1 die Seitenansicht eines Schiffes, versehen mit den in entsprechenden Ausnehmungen des Schiffes eingelegten Platten : Fig. 2 den Grundriss des Schiffes mit der Anordnung der geöffneten Platten ; Fig. 3 im vergrösserten Massstab den Grundriss einer in Ursprungsstellung befindlichen, d. i. in der Seitenwand des Schiffes eingelegten Platte.
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Schiffsachse veranschaulicht ist.
Die Platten sind in Ursprnngsstellung in den entsprechenden Ausnehmungen an den Seiten den des Schiffes eingelegt und bilden mit diesem einen Körper, so zwar, dass weder Erhabungen noch Vertiefungen an dem Schiffskörper wahrnehmbar sind.
Wie aus den Fig. 1 und 2 ersichtlich, bildet eine gewisse Anzahl von Platten a eine Gruppe und sind mehrere Gruppen 1, 3,5, 2. 4, 6 auf jeder der beiden Seitenwände angeordnet. Sämtliche Gruppen können gemeinsam betätigt werden, jedoch ist es vorteilhaft. die Betätigung jeder einzelnen Gruppe unabhängig von der andern zu ermöglichen. Die
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geordnet (Fig. 1), wodurch das Anhalten des Schiffes viel rascher bewirkt wird.
Die Platten a sind an der Seitenwand c in dem Scharniere b derart drehbar angeordnet (Fig. 2 und 4), dass das Herausstossen dieser Platten a in der Richtung von rückwärts nach vorne erfolgt. An der Innenseite der Platte a, vorteilhaft in der Mitte, ist ein Gleitschlitz d vorgesehen, in welchem ein an der Kolbenstange f angeordneter Bolzen e geführt ist. Diese Kolbenstange f wird unter Vermittlung eines im Zylinder y bewegbaren Kolbens beispielsweise durch komprimierte Luft betätigt, welche in den Zylinder ei gepresst, den Kolben mit der Kolbenstange f nach vorne treibt, wobei die komprimierte Luft aus einem Sammelrohr 9 in die Zylinder einer Gruppe gelangt. Das Einpressen der komprimierten Luft kann unter Umständen auch durch bereits auf dem Schiffe befindliche Maschinen erfolgen.
Im Falle man eine rasche'Wendung des Schiffes beabsichtigt, kann dies nebst der Betätigung des Steuers auch durch das Aufstellen der entsprechenden Plattengruppen unterstützt und beschleunigt werden.
Von der Stelle h aus erfolgtnach Öffnen der daselbst angeordneten Hähne i das Einpressen der Druckluft in die when Zylinder f', wobei jeder einzelnen Gruppe
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entsprechenden Gruppe führende Rohrleitung k das Einströmen der Druckluft in die Zylinder/'der bezüglichen Gruppe vermitteln, und zwar in der Weise, dass die komprimierte Luft den Kolben mit der Kolbenstange nach vorne drückt, wodurch ein möglichst rasches Aufstellen der Platten a bewirkt wird.
Die Wirkungsweise ist folgende :
Der Vorderteil des in voller Fahrt befindlichen Schiffes durchschneidet rasch das Wasser und wirft es gegen die Seitenwände zurück ; das Wasser prallt erst gegen die vordersten Platten der ersten zwei Gruppen an und schwächt schon bedeutend die Geschwindigkeit des Schiffes, aber das Wasser drängt sich zwischen diesen Platten durch und gelangt gegen die nächsten Platten dieser Gruppen, vermindert noch mehr die Be- wegungsgeschwindigkeit, stösst weiters gegen die in dritter und vierter Linie stehenden Eisenplatten und so weiter.
Der Widerstand dieser Eiscnplatten hemmt unverzüglich die Geschwindigkeit des Schiffes, so dass dasselbe, wenn auch nicht augenblicklich, so doch fast unmittelbar nach dem Ausstossen der Platten zum Stillstand kommt.
Ein wesentliches Moment der Wirksamkeit vorliegender Erfindung ist die abwechselnde Stellung der Platten (Fig. 1) derart, dass das Wasser gegen die vorderen Platten stösst, hierauf unverzüglich an die folgenden gelangt, wodurch die Bewegungsgeschwindigkeit des Schiffes gänzlich aufgehoben wird.
Die vorliegende Einrichtung gestattet ein Aufstellen sämtlicher Platten, gibt aber auch die Möglichkeit, dem Wasser nur die erste, zweite, dritte oder vierte Gruppe der Platten entgegenzusetzen, denn die Antriebsstangen sind voneinander geschieden und können nach Öffnen eines oder des anderen Hahnes i oder nach gleichzeitigem Offnen sämtlicher Hähne i gesondert bezw. gemeinschaftlich zur Wirkung gebracht werden, was verschiedene Vorteile in sich schliesst.
Handelt es sich darum, das Schiff plötzlich rasch zu stoppen, so werden sämtliche Antriebsstangon und damit alle Platten gleichzeitig in Tätigkeit versetzt ; falls jedoch nur eine Verminderung der Fahrgeschwindigkeit, beispielsweise um einem Hindernis auszu- weichen, oder um Evolutionen zu machen, notwendig ist, so kann der Kommandant nach
Belieben die ihm passend scheinenden Plattengruppen funktionieren lassen.