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Anbauverfahren für Zuckerrüben.
Bisher wurde der Zuckerrübenbau in der Weise betrieben, dass der Zuckerrübensamen im Frühjahr gesät wurde. Dies hat den Nachteil, dass ein nicht unerheblicher Teil der Vegetations- periode durch das Entwickeln der Zuckerrübenpflanzen aus dem Samen in Anspruch genommen wird und deshalb für die Entwicklung und Ausreifung der Rübe selbst verlorengeht. Aus diesem Grunde waren die im Herbst erntereifen, für die industrielle Verwertung bestimmten Rüben grösstenteils verhältnismässig geringen Gewichts und deshalb weder in bezug auf die
Gewinnung des Zuckers selbst noch in bezug auf die Gewinnung der verbleibenden, meist zu Futterzwecken dienenden Rückstände (Trockensubstanz) voll befriedigend.
Der Ernteertrag wurde auch dadurch beeinträchtigt, dass die jungen, empfindlichen Zuckerrübenpflanzen unter Schädlingen, Frösten usw. litten, so dass schon aus diesem Grunde mit Emteausfällen gerechnet werden musste.
Das Anbauverfahren gemäss vorliegender Erfindung ist das Ergebnis langwieriger Versuche zur Klärung aller einschlägigen Verhältnisse. Dieses Verfahren ist in seiner Anwendung auf den Zuckerrübenbau vollkommen neu. Dasselbe besteht im wesentlichen darin, dass das Säen des Samens bereits im Herbst erfolgt, so dass die beginnende Frühjahrsvegetation schon voll entwickelte Pflanzen vorfindet.
Das neue Verfahren setzt die Verwendung eines besonderen, auf Winterhärte gezüchteten Samens voraus und ist ohne einen solchen überhaupt nicht denkbar.
Dieser Samen wurde in einem mehr als 25 Jahre dauernden Verfahren in der Weise gewonnen, dass zunächst verschiedene Sorten Frühlingsrüben auf etwa einem halben Hektar bestellt und vor Eintritt des Frostes durch eine Decke aus strohigem Stallmist u. dgl. geschützt wurden.
Der aus den wenigen, sich entwickelnden Pflanzen gewonnene Samen wurde wiederum im Herbst ausgelegt, u. zw. zusammen mit einer weiteren Menge von gewöhnlichem Frühlingsrübensamen. Unter Anwendung der obenerwähnten Schutzdecke wurden aus dem aus der Vorjahrsernte erzielten Schossersamen mehr Pflanzen gewonnen als aus dem gewöhnlichen Frühlingsrübensamen. Es seigte sich also bei Wiederholung der Herbstaussaat schon einmalig überwinterter Herbstaussaat eine Zunahme der Frosthärte, jedoch schossten auch dieses Mal alle überwinterten Rüben schon im ersten Jahr. Die weitere Benutzung des Samens überwinterter Rüben ergab eine fortschreitende Steigerung der Frosthärte.
Vom sechsten Jahre ab kam keine Schutzdecke mehr zur Anwendung ; zwei Jahre darauf wurde auch noch die Schneedecke entfernt und die Weiterzüchtung nur mit Samen betrieben, der aus den schutzlos am Leben gebliebenen 234 Pflanzen gewonnen wurde. Aus diesem Stamm wurde in den folgenden Jahren eine verschärfte Auswahl der frosthärtesten Pflanzenfamilien getroffen und dadurch die Winterfestigkeit des Zuchtmaterials dauernd erhöht. Nunmeir begann erst die Züchtung solcher Familien, die keine Neigung zeigten, im ersten Vegetationsjahr Schosser zu bilden mit dem Ergebnis, dass erst im zehnten Jahr derartige Erstlingspflanzen erhalten wurden. Erst im sechzehnten Jahr hatten diese eine zur Weiterzucht geeignete Form.
Von diesem Zeitpunkt an wurde durch systematische Zuchtarbeit dahin gestrebt. die in den einzelnen Familien in ganz verschiedenem Masse in Erscheinung tretenden Eigenschaften der Frosthärte, des Niehtschossens im ersten Vegetationsja]re, der guten Wurzelausbifdung sowie eines hohen Zuckerreichtums und hoher Saftreinheit in grösstmöglicher Vervolkommnung
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miteinander zu vereinigen. Dieses Ziel wurde erreicht durch weitgehendste Anwendung der Kreuzung einzelner, in den verschiedenen Eigenschaften besonders hervorragender Rüben sowie durch starke Ausnutzung der Inzucht nach erfolgter gegenseitiger Befruchtung. Die zur Kreuzung ausgewählten Rüben wurden dabei, zu zwei oder drei räumlich von andern Samenträgern getrennt, zusammengepflanzt.
Während der Blütezeit wurden sie ausserdem noch durch Einschluss unter Isolatoren (aus Seide, Mull oder Gazestoffen) vor ungewollter Fremdbefruchtung geschützt. In gleicher Weise erfolgte zur Erzwingung der Selbstbefruchtung auch der Einschluss einzelner ganzer Pflanzen oder von Zweigen derselben.
Der Zweck des neuen Verfahrens besteht
1. darin, im Frühjahr bereits voll entwickelte, gegen Schädlinge und Froste widerstandsfähige Pflanzen zu haben und
2. darin, aus diesen Pflanzen durchwegs schwere Rüben zu ernten, da deren Entwicklung sofort nach dem Einsetzen der Frühjahrsvegetation beginnt, die Entwicklungsperiode der Rüben also wesentlich länger dauert als bei bisherigen Anbauverfahren.
Der Vorteil des neuen Verfahrens liegt also sowohl in der Vermeidung von Ernteausfällen durch Verlust von Pflanzen als auch in der Gewinnung einer wesentlich höheren Ausbeute an Zucker und Trockensubstanz durch die Erzielung durchwegs schwerer Rüben. Die letzteren
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