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Verfahren zum Kitten, Kleben und Dichten.
Es ist bekannt, dass die Polymerisations. bzw. Kondensationsprodukte des Vinylacetats als Zelluloidersatz geeignet sind und gleich wie Zelluloid durch Zusatz geeigneter Stoffe weich und geschmeidig gemacht werden können. (Vergleiche österreichisches Patent Nr. 70348.) In dem Patent ist auch erwähnt, dass Stücke aus Polyvinylacetat ebenso wie Stücke aus Zelluloid durch Bestreichen mit einem Lösungsmittel miteinander verkittet werden können. Doch haben die dort beschriebenen Modifikationen des Polyvinylacetats, die durch ihre Unlöslichkeit in Benzol und Spiritus charakterisiert sind, so wenig wie Zelluloid den Charakter eigentlicher Klebstoffe.
Es wurde nun gefunden, dass gerade die in Spiritus und Benzol löslichen Modifikationen des polymerisierten Vinylacetats ein besonders hohes Klebvermögen besitzen, welches das der früher bekannten Modifikationen bedeutend übertrifft, und dass sie sich deshalb in hervorragender Weise zum Verkleben, Verkitten, Imprägnieren, Dichten u. dgl. eignen.
Man kann diese in Spiritus und Benzol löslichen, zähflüssigen bis harten Polymerisationsbzw. Kondensationsprodukte, im Nachstehenden der Einfachheit wegen als polymerisiertes Vinylacetat bezeichnet, im erweichten bzw. geschmolzenen Zustande mit oder ohne Zusatz fester oder halbfester Stoffe verwenden. Soweit sich diese Stoffe zerkleinern bzw. pulvern lassen, ist es auch möglich, sie in dieser Form zur Anwendung zu bringen. Sie lassen sich auch in gelöster Form verwenden. Da die Auswahl der geeigneten organischen Lösungsmittel sehr gross ist und ferner sich auch Lösungsmittelkombinationen eignen (z.
B. kommen in Betracht Alkohole, Ketone, Ester, hierunter ist Vinylacetat als solches besonders hervorzuheben, Acetale, Kohlenwasserstoffe, Halogenderivate von Kohlenwasserstoffen, NItrokohlenwasserstone usw. ), so ist der Anwendungsform und dem Anwendungszweck ein ausserordentlich weiter Spielraum gelassen.
Hiezu kommt die weiterhin festgestellte Tatsache, dass die mit den verschiedenen
Lösungsmitteln hergestellten Lösungen verschiedene Viskositätsgrade aufweisen. Es lassen sich so beispielsweise durch Auswahl des Lösungsmittels bei gleicher Konzentration weniger oder stärker viskose Leime, Klebmittel u. dgl. herstellen.
Es wurde ferner gefunden, dass es vorteilhaft ist, polymerisiertes Vinylacetat zur Anwendung zu bringen, dessen Herstellung in Gegenwart eines Lösungsmittels vorgenommen worden ist, zumal da solche Lösungen mitunter besser kleben als Auflösungen von z. B. als Schmelzfluss gewonnenem Polymerisationsprodukt in demselben Lösungsmittel. Da für die Polymerisation des Vinylacetats im Schosse eines Lösungsmittels oder von Lösungsmittelgemischen eine grosse Auswahl von Lösungsmitteln zur Verfügung steht und sich auch diese Polymerisation in Gegenwart von andern für den Verwendungszweck geeigneten Zusätzen, wie z. B. Weich- maehungsmitteln, ausführen lässt, so kann man die Herstellung der gewünschten Lösung direkt mit dem Gewinnungsverfahren des polymerisierten Vinylacetats kombinieren.
Eine weitere Steigerung des Klebvermögens kann man dadurch erreichen, dass man während der Herstellung des polymerisierten Vinylacetats Weichmachungsmittel zusetzt. Manche Herstellungskatalysatoren, wie z. B. Benzoylsuperoxyd, sind gleichzeitig geeignete Weichmachungsmittel. Als Beispiel für die starke Beeinflussbarkeit des Klebvermögens seien Trichloräthylen und Formaldehyd bzw.
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P. l1raformaldehyd. genannt, von denen das erstere das Klebvermögen stark vermindert, das letztere dagegen ausserordentlich erhöht.
Die Verwendung des polymerisierten Vinylacetats, seiner Lösungen oder Suspensionen lässt sich durch Zusatz von andern klebenden oder nichtklebenden Stoffen weitgehend modifizieren, was z. B. für die Herstellung von festen oder flüssigen Siegellacken oder andern Kleb-, Kitt-oder Füllmitteln von Wichtigkeit ist.
Bei dem Vereinigen, Verkleben, Verkitten, Dichten, Ausfüllen u. dgl. mit Hilfe vom polymerisierten Vinylacetat lassen sich auch rein physikalische Hilfsmittel, wie Druck und Temperatur oder die vereinte Wirkung beider, zur Anwendung bringen. Es mag dahingestellt sein, ob durch die Anwendung von Druck und Temperatur oder von beiden und eventuell unter dem Einfluss des zu behandelnden Materials eine chemische Veränderung des polymerisierten Vinylacetats vor sich geht, z. B.-in dem Sinne einer Veränderung der Poly- merisationsstufe.
Da sich die Polymerisationsprodukte von Vinylacetat in völlig wasserheller Form darstellen lassen, sind sie besonders für Verklebungen, Verleimungen, Imprägnierungen usw. von durchsichtigen bzw. farblosen Stoffen, von Glas u. dgl. geeignet.
Die günstigen elektrischen Eigenschaften machen diese Polymerisationsprodukte besonders geeignet für die Verwendungsgebiete der Elektrotechnik zur Herstellung von Isolationsmaterialien jeglicher Art, von Pressartikeln, zum Imprägnieren u. dgl.
Unter den Anwendungsgebieten für polymerisiertes Vinylacetat seien als Beispiele folgende hervorgehoben, ohne aber das oben bereits angedeutete weite Verwendungsgebiet damit begrenzen zu wollen :
Beispiel 1. Der Lösung eines auf photochemischem Wege hergestellten geschmolzenen polymerisierten VinylacetÅats in Alkohol wird durch Zusatz von 100/0 Amylcinnamat ein wesentlich stärkeres Klebvermögen verliehen.
Beispiel 2. Vinylacetat wird mit 5% Isobutylphtalat versetzt und durch Bestrahlung mit ultraviolettem Licht polymerisiert. Statt des'bekannten schwerschmelzenden, ohne Lösungsmittel nicht als Klebmittel verwendbaren Polymerisationsproduktes entsteht eine erheblich weichere Masse, die bei 130-1500 schmilzt und in weichem bzw. geschmolzenem Zustande zum Kleben, Kitten, Dichten usw. verwendet werden kann.
Beispiel 3. Vinylacetat wird mit 100/0 Benzoylsuperoxyd polymerisiert. Es entsteht ein Polymerisationsprodukt, das nicht nur in Lösung ein stärkeres Klebvermögen als ein mit nur
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solche zum Kleben, Kitten, Dichten usw. verwendet werden kann.
Beispiel 4. Herstellung von aus geschichteten Stoffen, wie Glimmer, Papier, Faserstoffen u. dgl., bestehenden elektrotechnischen Isolationsmaterialien und Gegenständen. Man verwendet hiebei in bekannter ; Weise eine Auflösung von polymerisiertem Vinylacetat in Spiritus, Benzol u. dgl. oder eine Lösung, wie man sie durch Polymerisation von Vinylacetat in einem Lösungsmittel erhält. Den Verklebungsprozess kann man durch erhöhte Temperatur oder durch erhöhten Druck oder durch die vereinte Wirkung beider befördern. Man kann bei diesem Klebverfahren in ähnlicher Weise wie es bei andern Klebstoffen üblich ist, Zusätze anwenden, die sowohl das Haftvermögen modifizieren als auch die mechanischen Eigenschaften des herzustellenden Materials, z. B. hinsichtlich Elastizität, Härte u. dgl., beeinflussen können.
Durch Gebrauch erhöhter Temperaturen bei Anwendung von Druck bzw. ohne Druck auch durch Zusatz von Füllstoffen lassen sich die Elastizitätseigenschaften abschwächen und härtere und sprödere Produkte gewinnen.
Beispiel 5. Ein weiteres Beispiel des Verfahrens, das auch sinngemäss beim vorangegangenen Beispiel Anwendung finden kann, ist die Herstellung von Klebfolien aus Papier, Stoffen u. dgl., z. B. von photographischen Klebfolien. Zu diesem Zwecke werden geeignete Stoffe mit einer Lösung von polymerisiertem Vinylacetat in an sich bekannter Weise behandelt, wobei man den Klebestoff ähnlich wie im vorangegangenen Beispiel durch Anstreichen, Aufspritzen, Tauchen oder Imprägnieren aufbringen kann. Infolge ihrer Farblosigkeit und ferner ihrer Indifferenz gegen Farbstoffe lassen sich mit Hilfe dieser Polymerisationsprodukte farblose, wasserklare oder auch gefärbte Folien herstellen.
Da man weiche, biegsame Polymerisationsprodukte des Vinylacetats gewinnen kann, deren Klebvermögen sich bereits bei relativ niedrigen Temperaturen auswirkt, lassen sich Klebfolien herstellen, die bei ihrer Anwendung relativ niedriger Temperaturen bedürfen, was bei temperaturempfindlichem Material, wie z. B. bei Photographien, von besonderem Vorteil ist.
Beispiel 6.. Zum Verkleben von Stoffbahnen aller Art, z. B. von Papier, Mikanit u. dgl., wird polymerisiertes Vinylacetat in Pulverform zwischen die einzelnen Lagen gestreut. Darauf wird unter Anwendung von mässiger oder hoher Wärme unter Druck. gepresst.
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Als weiteres Beispiel sei auf die Herstellung von Schmelz-oder Kaltsiegellacken und von Kaltleimen hingewiesen. Für die Verwendung zu Kaltleimen eignen sich diese Polymerisationsprodukte des Vinylacetats besonders auch aus dem Grunde, weil ihre Lösungen sich bequem in sparsam wirkenden Tuben aufbewahren lassen.
Schliesslich sei noch das grosse Verwendungsgebiet angedeutet, das polymerisierte Vinylacetat zum Dichten bzw. Imprägnieren poröser Stoffe zu benutzen, sei es um die Benetzbarkeit, die Feuergefährlichkeit u. dgl. herabzusetzen, sei es um sie zu appretieren oder sei es aus irgendeinem andern Grunde.
PATENT-ANSPRÜCHE :
1. Verfahren zum Kitten, Kleben und Dichten mittels Polyvinylacetat als Klebmittel, dadurch gekennzeichnet, dass man solche Polymerisations-bzw. Kondensationsprodukte des Vinylacetats, die in Alkohol oder Benzol löslich sind, mit oder ohne Zusatz von andern klebenden oder nichtklebenden Stoffen verwendet.