Beiersdorf Aktiengesellschaft
Beschreibung
Hydroaktives Pflaster mit dreidimensionaler Wirrfadenbeschichtung
Die Erfindung betrifft ein einseitig beschichtetes Trägermaterial, das eine einseitige PSA- Hotmelt Wirrfadenbeschichtung aufweist, das Verfahren zur Herstellung des einseitig mit Klebmasse beschichteten Trägermaterials, sowie dessen Verwendung in feuchtigkeitsre- gulierenden (hydroaktiven) Pflastern.
Konventionelle Klebepflaster für die Wundversorgung, wie Strip, Island dressing, beste¬ hen aus einem Trägermaterial, auf deren einer Seite eine Klebemasse aufgebracht ist, auf der wiederum die Wundauflage aufgelegt ist, welche die Wunde abdeckt, schützt und, je nach Ausrüstung, den Heilprozess fördert. Über die Klebemasse wird das Pflaster auf der Haut befestigt.
Man kann die auf dem Markt befindlichen Pflaster in drei Kategorien einordnen:
Geschlossene Systeme (Occlusive Pflaster) sind dadurch gekennzeichnet, dass entweder der Träger oder die Klebemasse, oder beide ein geschlossenes, undurchlässiges, nicht atmungsaktives System darstellen, welches nicht den Feuchtigkeits- und Wärmehaushalt der Haut reguliert, es sei denn, die Klebemasse kann bedingt Feuchtigkeit aufnehmen. Diese Systeme verhindern jedoch den Feuchtigkeitsdurchtritt durch das Pflaster. Im All¬ gemeinen sinkt mit steigender Hautfeuchte die Klebkraft auf der Haut. Die geschlossenen Pflaster setzen daher eine hohe Klebkraft der Klebeschicht voraus, was für den Nutzer Nachteile hat (insbesondere Hautunfreundlichkeit, Hautirritationen, schlechte Pflasterent- fembarkeit). Ein Anzeichen für ungenügenden Feuchtigkeitsaustausch ist die so genannte Mazeration, das Aufquellen und Weißwerden der Haut unter dem Pflaster.
Um dieses Problem zu mindern, wurden die „offenen Systeme" entwickelt. Offene Syste¬ me sind luftdurchlässig und dadurch gekennzeichnet, dass entweder das geschlossene System makro- und'oder mikroperforiert wird, oder ein luftdurchlässiger Träger, insbeson¬ dere ein Gewebe oder Vlies, mit einem „offenen Klebefilm" versehen wird. Ein „offener
Klebefilm" kann durch Streifenstrichverfahren (streifenförmige Klebemasseanordnung), Siebdruckverfahren (kalottenförmiger Kleberauftrag), Rasterwalzendruck oder kontaktlose Spriihverfahren, z. B. mit dem Porous'Coat Verfahren (US Patentschrift 5,230,736 und 5,294,258), erzeugt werden.
Eine partielle Beschichtung von Trägermaterialien mit druckempfindlichen Heißschmelz¬ klebern (PSA-Hotmelts - PSA = Pressure Sensitive Adhesives) ist eine bekannte Technik, sei es, dass die Hotmeltmasse rasterförmig beispielsweise durch Thermosiebdruck (DE- PS 4237252) oder durch Raster- oder Tiefdruck von in Längs- oder Querrichtung zu zu¬ sammenhängenden Stegen aufgebracht wird (DE-PS 4308649). Hierbei wird das Träger¬ material nur teilweise vom Klebefilm bedeckt. Offene Systeme lassen an den offenen Stel¬ len des Klebefilms bzw. des Trägermaterials, also den Bereichen des Trägermaterials die nicht mit Klebmasse bedeckt sind, einen guten Feuchtigkeitsaustausch zu, jedoch ist die Haut teilweise noch zu großflächig mit Klebmasse abgedeckt, sodass es in diesen Berei¬ chen zur Ansammlung von Feuchtigkeit kommt. Die verbleibende klebende Fläche ist dabei zu gering, so dass die Klebkraft geringer ausfällt.
Alle oben genannten offenen Systeme ermöglichen die Herstellung von ausreichend hyd- roaktiven, einseitig beschichteten Trägermaterialien, die jedoch nur eine sehr geringe Klebkraft aufweisen, denn zur Erreichung hoher Klebkräfte mit den oben genannten Ver¬ fahren, ist ein hoher Masseauftrag notwendig, der mit einer Verringerung der Hydroaktivi- tät einhergeht.
Ein weiterer Nachteil ist, das die oben genannten offenen Systeme durch die Perforation einen Luft- und Wasserzutritt zur Haut und der Wunde zulassen. Die Gegenwart von Wasser kann jedoch das Wachstum von Bakterien fördern und zu Infektionen führen.
Daher ist es notwendig zu einem Pflastersystem zu kommen, welches die zuvor erwähn¬ ten Nachteile nicht aufweist, wobei es neben ausreichender Hydroaktivität auch eine aus¬ reichende Klebkraft aufweist.
Wasserdampfdurchlässige Systeme sind dadurch gekennzeichnet, dass eine wasser¬ dampfdurchlässige Klebeschicht und ein wasserdampfdurchlässiger Träger verwendet wird. Als Trägermaterial wird hier in der Hauptsache ein wasserdampfdurchlässiger PU- Träger eingesetzt, welcher verhindert, dass Feuchtigkeit und Bakterien von außen auf die Haut und/oder Wunde gelangen. Die Wasserdampfdurchlässigkeit wird durch die MVTR (moisture vapor transmission rate) mit der Einheit: g / m2 x 24 h bestimmt, (z. B. ASTM
F1290) Zur besseren Vergleichbarkeit mit anderen Prüfbedingungen kann zusätzlich die WVP (Water vapor permeance - mit der Einheit: g / m2 x 24h x kPa) ermittelt werden.
Wasserdampfdurchlässige Systeme sind nicht luftdurchlässig, wogegen ein luftdurchläs¬ siges System auch wasserdampfdurchlässig und damit hydroaktiv ist. Das heißt, ein Wasserdampfdruckgefälle wird nicht durch Luftaustausch abgebaut, sondern ausschlie߬ lich durch Migration (Ad- und Desorption) innerhalb des luftdichten Verbundes. Dieser Prozess funktioniert allerdings nur, wenn ein Wasserdampfdruckqefälle zwischen Innen- und Außenseite einer Membran existiert.
Die Wasserdampfdurchlässigkeit dieser Systeme reicht jedoch in der Regel nicht aus, um einen vollständigen Flüssigkeitsabtransport zu gewährleisten. Um auf eine einigermaßen akzeptable Durchsatzrate zu kommen, müssen Trägermaterial und Klebemasseschicht sehr dünn ausgebildet werden. Dadurch wird das Pflaster sehr flexibel und bei der An¬ wendung schwierig zu handhaben. Entsprechende Anwendungshilfen, wie eine nach der Applizierung abziehbare, zur Verstärkung aufgebrachte Hilfsfolie, führen teilweise zur fal¬ schen Anwendung, wenn nach der Applikation des Pflasters die Hilfsfolie, die im allg. nicht wasserdampfdurchlässig ist, nicht entfernt wird.
Als Trägermaterial für medizinische Pflaster sind bereits diverse Materialien auf Folien-, Gewebe-, Vlies-, Gel- oder Schaumstoffbasis bekannt und werden auch in der Praxis ein¬ gesetzt.
Neben der bereits erwähnten Hydroaktivität (Feuchtigkeitsregulierung), müssen Träger¬ materialien für Pflaster insbesondere hautverträglich, gut anmodellierbar und extrem anschmiegbar sein. Aufgrund dieser Anforderungen werden immer dünnere, weichere und dehnbarere Träger eingesetzt.
Dünne Pflaster sind jedoch für den Verbraucher schwer zu handhaben. Insbesondere ist eine faltenfreie Applikation nicht so einfach wie mit dicken und zugstabilen Pflastern mög¬ lich. Bei Verwendung von Stabilisierungs- oder Schutzfolien besteht die Gefahr, das der Verbraucher diese nach der Applikation des Pflasters nicht abzieht und damit die Hydro¬ aktivität unterbindet.
Zusammengefasst ist festzustellen, dass die Notwendigkeit für ein hydroaktives Pflaster darin besteht, das es die zuvor beschriebenen Nachteile nicht hat und entsprechend feuchtigkeitsregulierend wirkt. Gleichzeitig müssen hohe Klebkräfte auf der Haut gewähr-
leisten sein, um eine lang anhaltende Verklebung und damit den Schutz der Wunde si¬ cherzustellen.
Aufgabe war es daher, ein zumindest einseitig selbstklebend ausgerüstetes Trägermate¬ rial zur Verfügung zu stellen, dass aufgrund seiner Ausrüstung, also der Auftragsform und Eigenschaft der Klebemasse sowie der Materialeigenschaft des Trägermaterials zur funk¬ tionsgerechten Verwendung für diverse Fixierungen, insbesondere als medizinisches Pflaster dienen kann und dabei sowohl funktionale als auch medizinische Vorteile bietet, wie zum Beispiel Wasserdampfdurchlässigkeit, Luftdurchlässigkeit, Atmungsaktivität und hohe Klebkraft und rückstandsfreies Ablösen.
Die Herstellung des einseitig beschichteten Trägermaterials soll in einem Arbeitsschritt erfolgen (1-step air permeability coating process). Eine Perforation nach dem Auftrag der Klebemasse soll nicht erfolgen.
Für den Fachmann nicht vorhersehbar war, dass die Beschichtung von porösen Träger¬ materialien mit Klebmassen unter Aufbau von dreidimensionalen vliesfadenähnlichen Struktur zu besonders gut klebenden hydroaktiven Pflastern führt, die eine hohe Luft¬ durchlässigkeit auf feinporiger Basis aufweisen. Eine Mazeration der mit einem erfin¬ dungsgemäßen Pflaster bedeckten Haut tritt nahezu nicht auf, wobei gleichzeitig ein Ein¬ dringen von Keimen verhindert wird.
Demgemäß weist ein erfindungsgemäßes Pflaster
a) ein Hydroaktives Trägermaterial,
b) eine Klebmassenbeschichtung aus PSA-Hotmelt in feinporiger Wirrfadenstruktur und
c) gegebenenfalls eine Wundauflage
auf.
Demgemäß betrifft die Erfindung auch die Herstellung eines zumindest einseitig selbst¬ klebend beschichteten Trägermaterials, wobei der Auftrag der druckempfindlichen Hot- melt-Selbstklebemasse in Form einer dreidimensionalen Wirrfadenstruktur erfolgt.
Bei der Wirrfadenstruktur bilden die PSA-Hotmelt-Fäden ein unregelmäßiges Netzwerk, welches unregelmäßige Poren aufweist. Die dreidimensionale Wirrfasergeometrie ist mit einem Großteil der Fäden auf dem Trägermaterial verankert. Durch die entsprechende Prozesstechnologie werden die aufgeschmolzenen Polymere unter kontrollierten Tempe¬ ratureinwirkungen als Filamente areodynamisch verwirbelt und zu einer dreidimensiona¬ len Wirrfadenstruktur (Wirrvlies) auf einen Hilfsträger oder direkt auf das Trägermaterial aufgetragen (Abbildung 1 ).
Technisch lässt sich eine Wirfadenbeschichtung dadurch erreichen, dass die PSA- Hotmelt-Klebemasse, ähnlich dem Curtain Coating (= Vorhangbeschichten) unter hohem Druck durch eine spaltförmige Düse gepresst wird (aerodynamische Düsenfilamentbe- , Schichtung). Bei der Wirrfadenbeschichtung jedoch wird beiderseits der spaltförmigen Austrittsöffnung durch im spitzen Winkel austretende Sprühluft eine Verwirbelung des Klebemassestrahls hervorgerufen, wodurch sich Klebstofffäden unterschiedlicher Länge und Dicke ausbilden, die sich anschließend auf dem Trägermaterial auftragen lassen. Die spaltförmigen Düsen für Klebmasse und Sprühluft sind dabei parallel in einem Düsen¬ stock angeordnet, dessen Kanalgeometrien einen gleichmäßigen Luft- bzw. Klebmassen¬ strom über die gesamte Breite der Düse ermöglichen. Bei sehr breiten Düsen ist dabei eine abschnittsweise Unterteilung und/oder mehrere Einspeisungen für Luft und Kleb¬ masse möglich.
Im Gegensatz zu den bekannten Sprühverfahren , wie z. B. dem Control Waeve® der Fa. Nordson (US 5,230,736), wird hier eine schlitzförmige Düse verwendet, die einen brei¬ ten Bereich des Trägermaterials gleichmäßig mit Hotmelt-Klebmasse beschichten kann. Bei der Control Waeve® Beschichtung, wird aus einer Vielzahl von kleinen kreisförmigen Düsen die Klebeschicht aufgesprüht, die jedoch durch die nötige Überlappung der Sprüh¬ kegel nicht gleichmäßig ist. Auch ist durch den geringen Durchmesser der Düsen eine hohe Störanfälligkeit gegeben. Bei einer spaltförmigen Düse gibt es keine Überlappung und die Verstopfungsgefahr ist um ein vielfaches verringert.
Ebenso ungeeignet ist das im US- Patent 5,294,258 beschriebene Auftragsverfahren, da das hier zufällig erzeugte Klebstofffaserbild (random fibrous adhesive pattern) eine paral¬ lele Anordnung von Klebmassefäden liefert. Die erzielte Haftung des Pflasters auf der Haut liegt bei beiden Auftragsverfahren unterhalb der des erfindungsgemäßen Trägerma¬ terials.
Der Vorteil des dreidimensionalen vliesfadenähnlichen Masseauftrags, der Wirrfadenbe- schichtung, besteht darin, dass die Klebemasseschicht bei entsprechend porösem Trä¬ germaterial geregelt luft- und wasserdämpfdurchlässig wird. Die für Pflaster nötigen, ho¬ hen Hautverklebungswerte im Frischzustand und bei langer Anwendung, bei gleichzeitiger Repositionierbarkeit und zusätzlicher guter Ablösbarkeit werden verbessert.
Im Rahmen dieser Erfindung wird mit Klebkraft die Kraft gemeint, die zum Abziehen des Pflasters unter definierten Bedingungen nötig ist.
Erfindungsgemäß weist die Sprühluft dabei eine Temperatur auf, die gleich oder oberhalb der Temperatur der Klebmasse am Düsenaustritt liegt. Durch Variation der Temperatur und des Druckes der Sprühluft lässt sich insbesondere die Größe der gebildeten Kleb¬ massefäden einstellen. Bei hohen Sprühlufttemperaturen und -drücken wird eine sehr feine Wirrfadenstrukturen erzeugt, die auf dem Träger ein dichtes Netzwerk ausbildet. Bei geringen Temperaturen und Drücken entsteht ein grobporiger Masseauftrag. Über die Temperatur und den Druck kann damit die Hydroaktivität des Pflasters gezielt eingestellt werden.
Die schlitzartige Düse weist erfindungsgemäß einen Spaltabstand von 10 bis 300 μm auf, insbesondere 50 bis 200 μm führen zu hervorragenden Produktqualitäten. Der Druck der Klebmasse ist von dessen Viskosität und Auftragsmenge abhängig. Erfindungsgemäß werden die Klebmassen mit einem Druck von 5 bis 30 bar versprüht. Insbesondere im Druckbereich von 10 bis 25 bar sind sehr gleichmäßige Klebmassenbeschichtungen er- zielbar.
Die Temperatur der Klebmasse und des Düsenstocks sind stark abhängig von der Art der verwendeten Klebmasse und liegt erfindungsgemäß im Bereich von 100 bis 250 0C1 ganz bevorzugt im Bereich von 120 bis 200 0C.
Erfindungsgemäße einseitig beschichtete Trägermaterialien weisen eine Kleb¬ massenanteil von 30 bis 120 g/m2 , bei einer Beschichtungsgeschwindigkeit von bis zu 70 Meter pro Minute, auf.
Erfindungsgemäß werden PSA-Hotmelts verwendet, deren dynamischen Viskositäten im Bereich von 10 - 500 Pas bei 12O0C liegen, besonders bevorzugt von 50 - 300 Pas bei 12O0C.
Um die bereits auf dem Trägermaterial aufgetragene Klebmassenschicht durch die Sprüh¬ luft nicht zu beeinflussen, wird der Klebmassenauftrag vorteilhafter Weise senkrecht auf das über eine Walze laufende Trägermaterial vorgenommen. Bei geringem Walzen¬ durchmesser kann die Sprühluft ohne Widerstand aus dem Sprühbereich abfließen.
Erfindungsgemäß wird der Abstand zwischen Düse und (Hilfs-)Trägermaterial im Bereich von 10 bis 100 mm, insbesondere im Bereich von 20 bis 70 mm gewählt.
Erfindungsgemäß kann die Beschichtung auch mit einem horizontal angeordneten Dü¬ senstock erfolgen.
Erfindungsgemäß ist es auch die Sprühluftdurchflussraten der beiden Sprühluftdüsen un¬ terschiedlich stark zu wählen.
Der versponnene dreidimensionale Wirrfadenauftrag wirkt im Primärverklebungsfall wie ein Haut-Klettverklebungseffekt, der nach dem Ablösen repositionierbar ist und nach Wie- derverklebung eine softe Wiederablösung von der Haut ermöglicht. Durch gezielte Faden¬ strukturen in der Klebstoffbelegung werden geregelte Kanäle erzeugt, die die Abführung des transepidermalen Wassers begünstigen. Die Fadenstruktur verbessert damit das Ausdampfen der Haut beim Schwitzen oder anderen Sekretionen. Hierdurch werden Hautirritationen, die durch Stauung von Körperflüssigkeiten hervorgerufen werden (Maze¬ ration), durch den speziellen Produktaufbau vermieden. Die erzielbaren Luftdurchlässig¬ keiten im selbstklebenden Trägerverbund ermöglichen außerdem ein Ableiten von Flüs¬ sigkeit auch unter Verwendung eines mehrlagigen Verbandes.
Die für die erfindungsgemäßen Pflaster eingesetzten druckempfindlichen PSA- Hotmeltklebmassen sind bekannt und basieren auf synthetischen Kautschuk- oder ande¬ ren Polymersystemen, insbesondere Acrylaten. Sie sind thermoplastisch und werden im geschmolzenen Zustand verarbeitet.
Vorteilhaft ist der wirrfaserartige Fadenauftrag der PSA-Hotmeltmasse auf den Trägern, insbesondere bei Verwendung von elastischen, weichen und dehnbaren Trägermateria¬ lien für medizinische Pflasterprodukte, da die Klebeschicht ebenfalls in allen Flächenrich¬ tungen dehnbar ist.
Durch Variation der Düsengeometrie, das heißt unterschiedlicher Spaltbreite innerhalb eines Düsenstockes, sind Sprühaufträge möglich, die ein mehr oder weniger unregelmä-
ßiges Auftragsbild ergeben. Die Klebemassen können so ungleichmäßig über das Trä¬ germaterial verteilt sein oder funktionsgerecht unterschiedlich stark oder dicht aufgetragen sein. Dazu ist es möglich die Spaltbreite der Klebmassendüse und/oder einer oder beider Sprühluftdüsen über die Länge der jeweiligen Düse zu variieren.
Durch die erfindungsgemäße Geometrie der wirrfaserartigen dreidimensionalen Faser¬ struktur werden im Vergleich zu einem herkömmlichen partiell beschichteten Trägermate¬ rial bei gleich bleibender Kontaktfläche zur Haut völlig neue Hautverklebungseigenschaf- ten erreicht und bei zum Stand der Technik gleichem Klebmasseauftrag eine höhere Hauthaftung erreicht. Gleichzeitig sorgt eine sehr gute Luftdurchlässigkeit in der Kleb¬ stoffmatrix für ein geregeltes Entweichen von Hautflüssigkeit beim Schwitzen. Weiterhin sorgt die besondere Klebmassenstruktur für ein klettartiges Anfassen der oberen Haut¬ schicht, was einer Tackigkeitserhöhung durch die große Masseoberfläche, vergleichbar der eines Schaums, ähnelt.
Gleichzeitig zeigt sich, das die erfindungsgemäßen Pflaster mit wirrfadenstrukturierter Klebmasse eine verbesserte Repositionierbarkeit, ein softeres Entfernen des Pflasters von der Haut und eine rückstandslose Entfernung ermöglichen.
Die erfindungsgemäße Form des Klebmassenauftrages führt dazu, dass die Klebmasse¬ schicht eine weiche, elastische Struktur aufweist, das einen hohen Komfort bei der An¬ wendung zulässt. Mit dieser Struktur ist ein hoher Anfangs „Tack" durch die Modellierung der Kleberschicht auf die Oberfläche der Haut gegeben, sowie eine Repositionierbarkeit nach kurzfristigem Ablösen.
Durch die erfindungsgemäße dreidimensionale Wirrfaden PSA-Kleberstruktur mit geziel¬ ten Fadenstrukturen, wird ein mikroporöses Kanalsystem erzeugt, das den Feuchtigkeits¬ ausgleich reguliert. Dies gilt auch unter sehr feuchten klimatischen Bedingungen. Bei stei¬ gender Luftdurchlässigkeit der Beschichtung sinkt die Hautfeuchte, die nach dem Entfer¬ nen des Pflasters gemessen wird (Abbildung 2). Hautirritationen oder eine chemische Reizung, die durch Stauung von Feuchtigkeit hervorgerufen werden, werden so vermie¬ den. Erfindungsgemäße Pflaster sind daher auch als hydroaktive Pflaster zu bezeichnen.
Eine Abhängigkeit des Haftvermögens von Pflastern auf der Haut von der Hautfeuchte ist nachweisbar und in Abbildung 3 wiedergegeben. Dabei ist ein signifikanter Anstieg der Klebkraft bei niedriger Hautfeuchte unter dem Pflaster feststellbar.
In Vergleichsversuchen weist das hydroaktive Pflaster mit Wirrfadenbeschichtung (in der Abbildung mit Invention bezeichnet) eine niedrigere Hautfeuchtigkeit unter dem Pflaster auf, als konventionelle Pflaster. (Abbildung 4) Die Klebkraft auf der Haut konnte durch die reduzierte Feuchte unter dem Pflaster deutlich erhöht werden, wobei ein geringer Masse¬ auftrag gegenüber den konventionellen Pflastern notwendig ist. Zum anderen werden alle klebtechnischen Eigenschaften, wie Haftvermögen und Entfembarkeit, gegenüber dem Standard verbessert
Bevorzugt wird die die aus Heißschmelzklebermasse gebildete Wirrfaserfadenstruktur (Klebmassenschicht) direkt auf das Trägermaterial aufgebracht. Es ist jedoch auch mög¬ lich die Klebmasseschicht zuerst auf einen Hilfsträger zu applizieren, von dem sie auf das Trägermaterial übertragen wird. Dies ist insbesondere dann nötig, wenn sehr zugempfind¬ liche, elastische Trägermaterialien eingesetzt werden.
Unter dem Begriff Hilfsträger sollen endlose Bahnen aus unterschiedlichen Materialien oder Vorrichtungen wie Transfertücher oder Walzen verstanden werden, auf die die Klebmasse zuerst aufgesprüht wird und anschließend rückstandslos auf das Trägermate¬ rial des eigentlichen Pflasters transferiert wird.
Im Sinne der Erfindung ist auch ein nachträgliches Behandeln des beschichteten Produk¬ tes in einer Druckstation und/oder eine Vorbehandlung mit Corona zur besseren Veranke¬ rung.
Weiterhin kann eine Behandlung der Heißschmelzklebermasse mit einer Elektronenstrahl- Nachvernetzung oder einer UV-Bestrahlung zu einer Verbesserung der gewünschten Ei¬ genschaften führen. In einer weiteren vorteilhaften Ausführungsform werden die PSA- Hotmelts physikalisch oder chemisch geschäumt bevor sie auf das Trägermaterial aufge¬ tragen werden.
Als Trägermaterialien kommen alle Materialien in Frage, die über eine entsprechende Hydroaktivität verfügen und für ein Medizinprodukt zulässig sind. Unter hydroaktiven Trä¬ germaterialien werden Materialien gesehen, die nach der Densometermethode eine Luft¬ durchlässigkeit > 300 cm3/cm2s besitzen, gemessen mit einem GENUINE GURLEY™ Densometer Model 4140N. Insbesondere Materialien wie Gewebe, Vlies, poröse Folien, offenporige Schäume, Gazen aus natürlichen oder synthetischen Materialien sind als Trä¬ germaterialien verwendbar.
Bei Verwendung von wasserdampfdurchlässigen Wundauflage, z. B.: PU-Folien, die auf¬ grund reinigender, heilungsbeschleunigender Ingredienzien eine Sperrschicht haben müs¬ sen, ist die hydroaktive Wirkung im Bereich der Wundauflage nur bedingt gegeben, je¬ doch für den Teil des Pflasters, der nicht die Wundauflage abgedeckt, weist in jedem Falle die feuchtigkeitsregulierende Wirkung auf.
Durch die gute Hydroaktivität der erfindungsgemäßen Pflaster ist es möglich, Pflaster sehr lange auf der Haut zu belassen, ohne Hautschädigungen zu verursachen. Lange Applika¬ tionszeiträume sind insbesondere bei Wirkstoffpflastern unumgänglich.
Weitere Merkmale und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus der folgenden Beschrei¬ bung eines Ausführungsbeispiels anhand der Zeichnung.
Die Luftdurchlässigkeit wurde in allen angegebenen Fällen mit einem GENUINE GUR- LEY™ Densometer Model 4140N gemessen, wobei Lochplatten mit einer Durchlassfläche von 6,39cm2 oder 1,13 cm2 bei einer Luftmenge von 200 cm3 und 0,5 cm2 bei 50 cm3 ver¬ wendet wurden. Die Luftdurchlässigkeit errechnet sich aus dem durch die Lochplatte ge¬ strömten Luftvolumen pro Durchlassfläche pro Zeiteinheit.
Die Klebkräfte wurden durch den Klebkraft Rücken Test ermittelt (KKR). Im Gegensatz zur Standard Klebkraft Bestimmung, wo das Testmaterial auf eine Stahlschiene definiert aufgebracht, wieder abgezogen und die dabei auftretenden Kräfte gemessen werden, wird bei dem Klebkraft Haut Test das Testmaterial direkt auf der Haut von Probanden quantitativ vermessen.
Es zeigen:
Abbildung 1 zeigt die photomikroskopische Aufnahme, bei 5-facher Vergrößerung, der feinporigen PSA-Hotmelt Wirrfadenbeschichtung. Deutlich erkennbar ist die unregelmäßi- . ge Ausbildung der Klebmassefäden, die sich unregelmäßig kreuzen.
Abbildung 2 zeigt die Hautfeuchte in Abhängigkeit von der Luftdurchlässigkeit nach 4h Applikationsdauer an einem Standardpflastern mit PSA-SIS Hotmelt (C.32.11-HM).
Abbildung 3 zeigt die Hautfeuchte sofort nach dem Abziehen des Pflasters bei 4h Applika¬ tionsdauer in Abhängigkeit zur Klebkraft (unterschiedlicher Beschichtungsverfahren). 100% = Kontrollwert, entspricht Hautfeuchte bei Anwendung ohne Abdeckung durch
Pflaster. Die Klebkraft ist die Kraft, die zum Abziehen des Pflasters benötigt wird. Alle Messwerte wurden mit der gleichen Klebemasse ermittelt, beispielhaft wurde eine Synthe- tik Rubber Hotmelt Masse verwendet.
Abbildung 4 zeigt die Abhängigkeit verschiedener verfahrenstechnischer Beschichtungen mit unterschiedlichem Masseauftrag und unterschiedlicher Luftdurchlässigkeit in Relation der Hautfeuchte zur Klebkraft auf Haut. (Wert 1 : Luftdurchlässigkeit [cm3/cm2*sj / Wert 2: Beschichtungsverfahren / Wert 3: Masseauftrag [g/m2])