07.12.2023/NL Feuerfestes Material, Verfahren zur dessen Herstel- lung und Verwendung desselben Die vorliegende Erfindung betrifft ein feuerfestes Material, einen Versatz zum Herstellen eines feuerfesten Materials, ei- nen Grünkörper hergestellt aus einem Versatz, ein Verfahren zum Herstellen eines feuerfesten Materials sowie die Verwen- dung von solchen. Feuerfeste Materialien finden zum Beispiel in industriellen Hochtemperaturverfahren Anwendung und müssen daher auch unter widrigen Umständen und bei sehr hohen Temperaturen stabil bleiben. Sie werden zum Beispiel in der Stahlindustrie verwendet, wo sie unter anderem zur Herstellung von Erzeugnissen wie Funkti- onalprodukten (z.B. Lochsteine oder Pralltöpfe) und/oder von Erzeugnissen für die Zustellung und/oder Instandhaltung von Stahlpfannen, Verteilern und anderen metallurgischen Aggrega- ten dienen. Solche mit Erzeugnissen aus feuerfesten Materia- lien zugestellte metallurgische Aggregate werden wiederum zur Aufnahme und Verarbeitung von geschmolzenem Stahl und anderen flüssigen Metallprodukten verwendet. Feuerfeste Materialien halten somit andere Stoffe und Gemenge während ihrer Verbren- nung, Umwandlung, Schmelze, Sprengung, Verfeuerung, Einschmel- zung und Formung sicher und müssen daher thermischer, mechani- scher und chemischer Belastung standhalten. Es ist daher erstrebenswert, ein feuerfestes Material mit gu- ten physikalischen Eigenschaften, wie zum Beispiel hoher Fes- tigkeit und hoher Temperaturwechselbeständigkeit, bereitzu- stellen, mit dem eine Vielzahl unterschiedlicher feuerfester Erzeugnisse hergestellt werden kann.
Der vorliegenden Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein feuerfestes Material bereitzustellen, das sehr gute physi- kalische Eigenschaften, wie insbesondere eine sehr gute Heiß- festigkeit bzw. Heißabrasionsbeständigkeit, eine gute Tempera- turwechselbeständigkeit und eine niedrige thermische Leitfä- higkeit, aufweist. Des Weiteren soll es auch möglich sein, das feuerfeste Material für eine Vielzahl von unterschiedlichen feuerfesten Erzeugnissen, insbesondere auch komplexeren, ver- gossenen Erzeugnissen, nutzen zu können. Daher ist es auch die Aufgabe der vorliegenden Erfindung, dass das feuerfeste Mate- rial mit seinen vorteilhaften Eigenschaften ausgehend von ei- nem Versatz erhalten werden kann, der vorteilhafte Verarbei- tungseigenschaften, wie insbesondere gute Fließeigenschaften, aufweist. Die Erfindung löst diese Aufgabe durch ein feuerfestes Mate- rial, das bei einer Temperatur von mindestens 1300°C, vorzugs- weise von 1300° bis 1750°C, thermisch behandelt ist, dass es eine nadelige Struktur aufweist und eine Kombination aus aus einer ersten Phase, einer zweiten Phase und einer dritten Phase umfasst, wobeidie erste Phase, die 2-10 Gew.-% C, <5 Gew.-% N, 30-40 Gew.-% O, 50-70 Gew.-% Al und <5 Gew.-% Si, bezogen auf den Gesamtanteil der ersten Phase, umfasst, die zweite Phase, die >1 Gew.-% C, 3-8 Gew.-% N, 25-35 Gew.-% O, 55-65 Gew.-% Al und <5 Gew.-% Si, bezogen auf den Gesamtan- teil der zweiten Phase, umfasst, die dritte Phase, die <7 Gew.-% C, 14-28 Gew.-% N, 10-15 Gew.-% O, 52-63 Gew.-% Al und <20 Gew.-% Si, bezogen auf den Gesamt- anteil der dritten Phase, umfasst. Zunächst seien einige im Rahmen der Erfindung verwendete Be- griffe erläutert.
Der Begriff „feuerfestes Material“ wird in der vorliegenden Anmeldung so verwendet, wie er dem Fachmann aus dem Stand der Technik geläufig ist. Es handelt sich also um ein Material, das feuer- und hochtemperaturbeständig ist. Das feuerfeste Ma- terial wird vorzugsweise aus anorganischen Rohstoffmaterialien hergestellt. Insbesondre kann das Material hohen Temperaturen von mindestens 1500°C oder höher, standhalten, ohne zu erwei- chen. Das Material weist vorzugsweise einen Kegelfallpunkt größer SK 17 (= ISO 150) auf, welches in etwa einer Temperatur von 1500°C entspricht (vgl. DIN 51060). Der Kegelfallpunkt kann nach ISO 528 und DIN EN 993-12 bestimmt werden. Das Mate- rial ist somit geeignet, eine gewisse Zeitdauer mit flüssigen Metall- und Stahlprodukten in Kontakt stehen zu können, ohne dabei selbst seine äußere Form zu verlieren. Im Rahmen der vorliegenden Erfindung handelt es sich bei einem „Versatz“ um eine formlose bzw. ungeformte Masse, die zur Her- stellung des feuerfesten Materials verwendet wird. Der Begriff „Grünkörper“ wird in der vorliegenden Anmeldung so verwendet, wie es dem Fachmann aus dem Stand der Technik ge- läufig ist. Es handelt sich somit um eine geformte oder in Form vergossene, aber ungebrannte Masse, die sich noch einfach bearbeiten lässt. Im Rahmen der vorliegenden Erfindung handelt es sich bei einer „Phase“ um einen räumlichen Bereich in einem Festkörper, wel- cher sich sowohl chemisch als auch morphologisch (d.h. durch Form, Gestalt und Struktur) von seiner Umgebung unterscheidet. Vorzugsweise umfasst die erste Phase 2-10 Gew.-% C, 0,001-5 Gew.-% N, 30-40 Gew.-% O, 50-70 Gew.-% Al und 0,001-5 Gew.-% Si, bezogen auf den Gesamtanteil der ersten Phase.
Vorzugsweise umfasst die zweite Phase, die 1-7 Gew.-% C, 3-8 Gew.-% N, 25-35 Gew. % O, 55-65 Gew.-% Al und 0,001-5 Gew.-% Si, bezogen auf den Gesamtanteil der zweiten Phase. Vorzugsweise umfasst die dritte Phase 0,001-7 Gew.-% C, 14-28 Gew.-% N, 10-15 Gew.-% O, 52-63 Gew.-% Al und 0,001-20 Gew.-% Si, bezogen auf den Gesamtanteil der dritten Phase. Erfindungsgemäß ist, dass das feuerfeste Material eine Kombi- nation der ersten Phase, der zweiten Phase und der dritten Phase umfasst. Erfindungsgemäß ist es bevorzugt, dass die erste Phase Al4O4C umfasst oder aus Al4O4C besteht. Erfindungsgemäß ist es ferner bevorzugt, dass die zweite Phase Al28C6N6O21 umfasst oder aus Al28C6N6O21 besteht. Erfindungsgemäß ist es ferner bevorzugt, dass die dritte Phase SiAl6O2N6 umfasst. Erfindungsgemäß ist es bevorzugt, dass die dritte Phase eine Verbindung ausgewählt aus SiAl6O2N6, SiAl5O2N5, SiAl4O2N4, Si3Al7O3N9 und Gemischen hiervon umfasst. Bevorzugt umfasst die dritte Phase SiAl6O2N6. Erfindungsgemäß ist es ferner bevorzugt, dass die dritte Phase aus einer Verbindung ausgewählt aus SiAl6O2N6, SiAl5O2N5, SiAl4O2N4, Si3Al7O3N9 und Gemischen hiervon besteht. Das feuerfeste Material kann eine vierte Phase umfassen, wobei die vierte Phase <5 Gew.-% C, 26-36 Gew.-% N, <8 Gew.-% O, 56- 66 Gew.-% Al und <5 Gew.-% Si, bezogen auf den Gesamtanteil der vierten Phase, umfasst und die vierte Phase vorzugsweise AlN umfasst oder aus AlN besteht.
Ferner kann die vierte Phase 0,001-5 Gew.-% C, 26-36 Gew.-% N, 0,001-8 Gew.-% O, 56-66 Gew.-% Al und 0,001-5 Gew.-% Si, bezo- gen auf den Gesamtanteil der vierten Phase, umfassen. Das Vorhandensein der nadeligen Struktur bzw. Phasen mit nade- liger Struktur ist vorzugsweise mittels Rasterelektronenmikro- skopie bestimmbar. Bevorzugt ist die Zusammensetzung der Phasen mittels Raster- elektronenmikroskopie (REM), bei einer Anregungsspannung von 10 kV und einen Probenstrom von 1 nA mit einem energiedisper- siven Detektor, bestimmt. Die nadelige Struktur weist bevorzugt Nadeln einer Länge in einem Bereich von 0,1-50 µm, vorzugsweise 0,1-30 µm, weiter vorzugsweise 2-30 µm und/oder einer Dicke in einem Bereich von 0,01-8 µm, vorzugsweise 0,2-5 µm, gemessen mittels Raster- elektronenmikroskopie, bei einer Anregungsspannung von 10 kV und einen Probenstrom von 1 nA, auf. Bevorzugt ist ein minimales Verhältnis von Längen zu Dicken (zumindest für einen Teil) der Nadeln mindestens 4:1. Bevor- zugt weisen mindestens 20%, bevorzugter mindestens 40% der Na- deln der nadeligen Struktur ein minimales Verhältnis der Län- gen zu Dicken von mindestens 4:1 auf. Bevorzugt weisen mindes- tens 20%, bevorzugter mindestens 40% der Nadeln der nadeligen Struktur in einem Bereich von wenigstens 1000 μm x 1000 μm ein minimales Verhältnis der Längen zu Dicken der Nadeln von min- destens 4:1 auf. Dieses kann mittels Rasterelektronenmikrosko- pie, bei einer Anregungsspannung von 10 kV und einen Proben- strom von 1 nA bestimmt werden. Ferner weist das feuerfeste Material vorzugsweise lochartige (bzw. an Anschliffen kreisförmig erscheinende) Strukturen auf.
Bevorzugt weisen die lochartigen oder kreisförmig erscheinen- den Strukturen einen (überwiegenden) Teil der nadeligen Struk- turen auf. In einer bevorzugten Ausführungsform ist ein (über- wiegender) Teil der Nadeln an den Oberflächen der lochartigen bzw. kreisförmig erscheinenden Strukturen ausgebildet. Erfindungsgemäß ist es bevorzugt, dass ein Anteil der Phasen mit nadeliger Struktur mindestens 0,01 Gew.-% vorzugsweise 0,1 Gew.-%, bezogen auf den Gesamtanteil des feuerfesten Mate- rials, beträgt. Das feuerfeste Material weist bevorzugt eine offene Porosität in einem Bereich von 10,0-25,0 Vol.%, gemessen nach DIN EN ISO 1927-6, und/oder eine Rohdichte in einem Bereich von 2,95- 3,70 g/cm3, gemessen nach DIN EN ISO 1927-6, auf. Bevorzugt handelt es sich bei dem feuerfesten Material um feu- erfeste Funktionalprodukte, bevorzugter feuerfeste Guss- und/oder Presserzeugnisse, noch bevorzugter feuerfeste Erzeug- nisse im Flow-Control-Bereich, noch weiter bevorzugter Schie- berplatten, Wechselausgüsse, Schattenrohre, Stopfen, Tauch- rohre, Innenhülsen, Wehre, Dämme, Pralltöpfe und Düsen. Dabei soll der Begriff „Funktionalprodukt“ im Rahmen der vorliegen- den Erfindung derart verstanden werden, dass es sich dabei um ein Erzeugnis handelt, welches in Teilen oder vollständig aus dem feuerfesten Material hergestellt wird und einer Formge- bung, durch Vergießen und/oder Formen, unterworfen wurde. Die Erfindung hat den Vorteil, dass das erfindungsgemäße feu- erfeste Material sehr gute physikalische Eigenschaften auf- weist. Insbesondere zeigt das feuerfeste Material zum Beispiel eine sehr gute Heißfestigkeit / Heißabrasionsbeständigkeit und zugleich auch eine sehr gute Temperaturwechselbeständigkeit. Das erfindungsgemäße feuerfeste Material ist hochtemperaturbe-
ständig und kann Temperaturen von mindesten 1700°C standhal- ten, ohne zu erweichen. Es weist eine nadelige Struktur mit sehr stabilen Phasen auf, die sich in-situ bilden. Die feinen Nadeln, die sich in vielen Bereichen des Materials bilden, sind höchstwahrscheinlich für die gute Temperaturwechselbe- ständigkeit verantwortlich. Des Weiteren zeigt das erfindungsgemäße feuerfeste Material eine geringe thermische Wärmeleitfähigkeit. Dieses hat nicht nur den Vorteil, dass das feuerfeste Material gute Isolations- eigenschaften aufweist, sondern führt auch dazu, dass die Gießleistung der aus dem feuerfesten Material erhaltenen Er- zeugnisse verbessert wird. Denn eine geringe thermische Wärme- leitfähigkeit des Materials führt dazu, dass eine Anlagerung fester Bestandteile oder Teilchen an das feuerfeste Material, d.h. unerwünschtes „Clogging“, vermieden wird. Gegenstand der Erfindung ist ferner ein Versatz zum Herstellen eines erfindungsgemäßen feuerfesten Materials, vorzugsweise nach einem der Ansprüche 1 bis 8, wobei der Versatz die fol- genden Bestandteile umfasst: a) Körnige Komponente im Grobanteil mit einer Partikelgröße in einem Bereich von 0,5-10 mm, ausgewählt aus MA-Spinell, Sintertonerde, Edelkorund, Braunkorund, Graukorund, Mullit, Bauxit, Andalusit, SiC, Schamotte, zirkoniumhaltige Kompo- nenten und Gemischen hiervon; b) Körnige Komponente im Feinanteil mit einer Partikelgröße in einem Bereich von <0,5 mm, ausgewählt aus Sintertonerde, Edelkorund, zirkoniumhaltige Komponenten und Gemischen hiervon;
c) Feinteiliges Al2O3, vorzugsweise kalzinierter Tonerde im Feinanteil mit einer Partikelgröße in einem Bereich von <0,5 mm; d) Kohlenstoff, vorzugsweise Graphit und/oder Ruß, weiter vor- zugsweise ein Gemisch aus Graphit und Ruß, noch weiter vor- zugsweise ein Gemisch aus Graphit und Ruß mit einem Misch- verhältnis in einem Bereich von 1:2 bis 2:1, noch weiter vorzugsweise ein Gemisch aus Graphit und Ruß mit einem Mischverhältnis von 1:1; e) metallisches Aluminiumpulver (Al-Pulver); und f) Kieselsol (Kieselsäure in wässriger kolloidaler Suspen- sion), vorzugsweise Kieselsäure enthaltend SiO2-Nanoparti- kel in wässriger kolloidaler Suspension. Der erfindungsgemäße Versatz wird vorzugsweise aus einer Tro- ckenmasse (vorzugsweise umfassend Bestandteile a) bis e)) durch das Mischen mit Kieselsol (Kieselsäure in wässriger kol- loidaler Suspension; umfassend Bestandteil f)) hergestellt. In der Trockenmasse liegen die Bestandteile chemisch unverändert vor. Erst durch Zugabe des Kieselsols (der Kieselsäure in wässriger kolloidaler Suspension) kommt es zu einer Bindung der Masse, die auf einer sog. Sol-Gel-Reaktion basiert. Im Rahmen der vorliegenden Erfindung beinhaltet der Versatz somit bereits sämtliche Bestandteile, die für die Herstellung des feuerfesten Materials vorhanden sein müssen. Der Versatz umfasst die körnige Komponente im Grobanteil mit einer Partikelgröße in einem Bereich von 0,5-10 mm, ausgewählt aus MA-Spinell, Sintertonerde, Edelkorund, Braunkorund, Grau- korund, Mullit, Bauxit, Andalusit, SiC, Schamotte, zirkonium- haltige Komponenten und Gemischen hiervon. Bevorzugt wird die
körnige Komponente im Grobanteil aus einer Gruppe von nicht- basischen Komponenten ausgewählt. Mit der Verwendung von nicht-basischen Komponenten gehen eine bessere Verarbeitbar- keit sowie eine vorteilhaftere Härtungszeit nach Mischen mit dem Kieselsol (Kieselsäure in wässriger kolloidaler Suspen- sion) einher. Denn in der Regel wird der Bindungsprozess (sog. Sol-Gel-Prozess) durch basische Komponenten beschleunigt. Der Versatz umfasst zudem die körnige Komponente im Feinanteil mit einer Partikelgröße in einem Bereich von <0,5 mm. Diese dient insbesondere zur Matrixfüllung. Des Weiteren konnte festgestellt werden, dass die körnige Komponente im Feinanteil die Fließeigenschaften des Versatzes, insbesondere beim Gie- ßen, positiv beeinflusst. Ferner umfasst der Versatz Kohlenstoff. Kohlenstoff ist als Quelle für die Ausbildung der in-situ gebildeten Phasen unver- zichtbar. In einer bevorzugten Ausführungsform liegt ein Ge- misch aus Graphit und Ruß mit einem Mischverhältnis in einem Bereich von 1:2 bis 2:1, bevorzugter ein Gemisch aus Graphit und Ruß mit einem Mischverhältnis von 1:1 vor. Auf diese Weise ergibt sich ein sehr guter Kompromiss zwischen den erzielten physikalischen Eigenschaften des feuerfesten Materials und den Verarbeitungseigenschaften des Versatzes. Dabei konnte festge- stellt werden, dass Graphit eher einen positiven Einfluss auf die Benetzungseigenschaften (und somit die Infiltrations- und Verschlackungsbeständigkeit) hat, während der reaktivere Ruß die Bildung der in-situ gebildeten Phasen positiv beeinflusst. Des Weiteren umfasst der Versatz Metallpulver enthaltend Alu- minium. Als Metalllegierung kann beispielsweise eine Al-Si-Le- gierung (mit ca. 12% Si) in Pulverform eingesetzt werden. Der Versatz kann jedoch anstelle der Legierung eine Mischung aus pulverförmigen Al-met und Si-met umfassen. Der Versatz umfasst metallisches Aluminium-Pulver. Das Aluminium hat insbesondere
die vorteilhafte Funktion, den Abbau (bzw. die Oxidation) von Kohlenstoff zu verhindern. Vorzugsweise weist das Pulver eine Partikelgröße <0,1 mm, weiter vorzugsweise <0,075 mm, noch weiter vorzugsweise <0,065 mm auf. Des Weiteren umfasst der Versatz Kieselsol (Kieselsäure in wässriger kolloidaler Suspension), vorzugsweise Kieselsäure enthaltend SiO2-Nanopartikel in wässriger kolloidaler Suspen- sion. Hierbei handelt es sich um eine Suspension von feinen amorphen, nicht porösen und typischerweise kugelförmigen Kie- selsäurepartikeln in einer wässrigen Phase. Kolloidale Kiesel- säure ist nicht dasselbe wie übliche (getrocknete) Kieselsäure (z.B. (dried) fumed silica). Das Kieselsol (die Kieselsäure in wässriger kolloidaler Suspension) dient insbesondere als An- mischflüssigkeit und Bindemittel für das feuerfeste Material. Bevorzugt ist ein Feststoffanteil (Anteil an SiO2-Partikel) im Kieselsol (in der wässrigen kolloidalen Kieselsäuresuspension) in einem Bereich von 20 bis 50 Gew.-%, bevorzugter 30 bis 50 Gew.-%, bezogen auf das Gesamtgewicht der Kieselsols. Der Ersatz einer üblichen Kieselsäure mit Wasser gegen ein Kieselsol, also eine Kieselsäure in wässriger kolloidaler Sus- pension, ist von erheblichem Vorteil. Denn bei der Verwendung von üblicher Kieselsäure würde das Metall (Aluminium) nach dem Mischen der Bestandteile in bestimmten pH-Bereichen mit Wasser reagieren. Diese Reaktion ist stark exotherm, und es würde da- bei zudem Wasserstoffgas (H2) entstehen. Des Weiteren würde sich beim Einsatz von Aluminium im Randbereich eine Alumini- umoxidschicht (Al2O3) bilden. Diese Reaktionen gilt es zu ver- meiden. Denn zum einen ist die Bildung von H2 aus Sicherheits- gründen nachteilhaft, zum anderen würde weniger Aluminium für die in-situ gebildeten Phasen zur Verfügung stehen. Des Weite- ren würde es aber auch aufgrund der exothermen Reaktion und
Gasbildung zur Bildung von Rissen und Lagen im Grünkörper kom- men. Dieses wird durch den Einsatz eines Kieselsols, also ei- ner kolloidalen Kieselsäure bzw. einer kolloidalen Kieselsäu- resuspension verhindert. Der Versatz kann ein oder mehrere der folgenden Bestandteile in den folgenden Mengen, bezogen auf den Gesamtanteil der Zu- sammensetzung des Versatzes, umfassen: a) 50-80 Gew.-%, vorzugsweise 53-70 Gew.-%, weiter vorzugs- weise 55-67 Gew.-%, noch weiter vorzugsweise etwa 59 Gew.-%, körnige Komponente im Grobanteil mit einer Partikelgröße in einem Bereich von 0,5-10 mm; b) 5-35 Gew.-%, vorzugsweise 7-30 Gew.-%, weiter vorzugs- weise 10-30 Gew.-%, noch weiter vorzugsweise etwa 23 Gew.-%, körnige Komponente im Feinanteil mit einer Partikelgröße in einem Bereich von <0,5 mm; c) 0,05-4 Gew.-%, vorzugsweise 0,1-3 Gew.-%, weiter vorzugs- weise 1-2,5 Gew.-%, noch weiter vorzugsweise etwa 2 Gew.-%, feinteiliges Al2O3; d) 2-10 Gew.-%, vorzugsweise 3-8 Gew.-%, weiter vorzugsweise 3,5-6 Gew.-%, noch weiter vorzugsweise etwa 4,5 Gew.-%, Kohlenstoff; e) 2-8 Gew.-%, vorzugsweise 3-7 Gew.-%, weiter vorzugsweise 4-6 Gew.-%, noch weiter vorzugsweise etwa 5 Gew.-%, ein metallisches Aluminiumpulver (Al-Pulver); f) 4-15 Gew.-%, vorzugsweise 5-12 Gew.-%, weiter vorzugs- weise 6-8 Gew.-%, noch weiter vorzugsweise etwa 7 Gew.-%, Kieselsol (Kieselsäure in wässriger kolloidaler Suspen- sion), bevorzugt Kieselsäure enthaltend SiO2-Nanopartikel
in wässriger kolloidaler Suspension, wobei der Feststoff- anteil (Anteil der SiO2-Partikel) vorzugsweise in einem Bereich von 20 bis 50 Gew.-%, weiter vorzugsweise 30 bis 50 Gew.-%, bezogen auf das Gesamtgewicht des Kieselsols (der wässrigen kolloidalen Kieselsäuresuspension), liegt. Gegenstand der Erfindung ist zudem auch ein Grünkörper, herge- stellt aus einem erfindungsgemäßen Versatz, vorzugsweise einem Versatz nach Anspruch 9 oder 10, wobei der Grünkörper vorzugs- weise eine offene Porosität von etwa 10-25 Vol.%, gemessen nach DIN EN ISO 1927-6, und/oder eine Rohdichte in einem Be- reich von 2,90-3,70 g/cm3, vorzugsweise etwa 2,96 g/cm3, gemes- sen nach DIN EN ISO 1927-6, aufweist. Gegenstand der Erfindung ist ferner auch ein Verfahren zum Herstellen eines erfindungsgemäßen feuerfesten Materials, vor- zugsweise eine feuerfesten Materials nach einem der Ansprüche 1 bis 8, wobei das Verfahren die folgenden Schritte umfasst: i. Bereitstellen eines erfindungsgemäßen Versatzes, vorzugs- weise nach einem der Ansprüche 9 oder 10; ii. Herstellen eines Grünkörpers aus dem Versatz, und iii. Erhitzen des Grünkörpers auf eine Temperatur von mindes- tens 1300°C, vorzugsweise auf eine Temperatur in einem Bereich von 1300°C bis 1750°C. Dabei erfolgt das Bereitstellen des erfindungsgemäßen Versat- zes in Schritt i. vorzugsweise ausgehend von einer Trocken- masse (vorzugsweise umfassend Bestandteile a) bis e)), welche durch das Mischen mit Kieselsol (Kieselsäure in wässriger kol- loidaler Suspension; umfassend Bestandteil f)) hergestellt wird.
Vorzugsweise handelt es sich bei dem Herstellen des Grünkör- pers aus dem Versatz in Schritt ii. um ein Vergießen und/oder Formen. Gegenstand der Erfindung ist des Weiteren auch ein feuerfestes Material, das eine nadelige Struktur aufweist und eine Kombi- nation aus einer ersten Phase, einer zweiten Phase und einer dritten Phase umfasst, wobei die erste Phase, die 2-10 Gew.-% C, <5 Gew.-% N, 30-40 Gew.-% O, 50-70 Gew.-% Al und <5 Gew.-% Si, bezogen auf den Gesamtan- teil der ersten Phase, umfasst, die zweite Phase, die >1 Gew.-% C, 3-8 Gew.-% N, 25-35 Gew.-% O, 55-65 Gew.-% Al und <5 Gew.-% Si, bezogen auf den Gesamtan- teil der zweiten Phase, umfasst, die dritte Phase, die <7 Gew.-% C, 14-28 Gew.-% N, 10-15 Gew.-% O, 52-63 Gew.-% Al und <20 Gew.-% Si, bezogen auf den Gesamt- anteil der dritten Phase, umfasst, hergestellt durch ein erfindungsgemäßes Verfahren, vorzugs- weise ein Verfahren gemäß Anspruch 12. Gegenstand der Erfindung ist ebenfalls die Verwendung eines erfindungsgemäßen feuerfesten Materials, vorzugsweise nach ei- nem der Ansprüche 1 bis 8, eines Grünkörpers hergestellt aus einem Versatz nach einem der Ansprüche 9 bis 10 zur Herstel- lung von feuerfesten Erzeugnissen für Stahlanwendungen, insbe- sondere Stahlpfanne, Verteiler, Lochsteine, CAS-OB-Glocken, feuerfeste Erzeugnisse für den Roheisenbereich, insbesondere Gusserzeugnissen, und/oder feuerfeste Erzeugnissen für den Flow-Control-Bereich, insbesondere Schieberplatten, Wech- selausgüssen, Schattenrohre, Stopfen, Ausgüsse Tauchrohre, In- nenhülsen, Wehre, Dämme, Pralltöpfe und Düsen.
Im Rahmen der Erfindung werden unter Produkten im Flow-Con- trol-Bereich, feuerfeste Erzeugnisse verstanden, die es ermög- lichen zum Beispiel flüssige Metall- oder Stahlprodukte zu enthalten oder den Fluss dieser zu lenken oder zu verhindern. Produkte im Flow Control-Bereich benötigen neben guten physi- kalischen Eigenschaften, wie einer hohen Festigkeit, auch gute Verarbeitungseigenschaften der zu verarbeitenden Masse, um die zum Teil komplex geformten Bauteile herstellen zu können. Ein wesentlicher Vorteil der Flow-Control-Produkte, vorzugsweise basierend auf gegossenen Produkten, im Vergleich zu ISO-ge- pressten Produkten, wird in einer erheblichen Kostenreduzie- rung gesehen. Ein weiterer Vorteil der Erfindung besteht somit darin, dass mit dem erfindungsgemäßen Versatz und/oder dem erfindungsgemä- ßen Verfahren nicht nur feuerfeste Materialien mit sehr guten physikalischen Eigenschaften, wie einer hohen Heißfestigkeit usw., erhalten werden können, sondern auch gute Verarbeitungs- eigenschaften der zu verarbeitenden Masse für die Herstellung komplexerer Bauteile, insbesondere auch durch Vergießen, er- zielt werden können. Die Erfindung wird nun anhand einiger vorteilhafter Ausfüh- rungsformen unter Bezugnahmen auf die beigefügten Zeichnungen beispielhaft beschrieben. Es zeigt: Fig. 1: eine Aufnahme des erfindungsgemäßen feuerfesten Mate- rials mittels Lichtmikroskopie. Fig. 2: zeigt eine mittels Rasterelektronenmikroskopie erzeugte Aufnahme eines in Fig. 1 gezeigten Teilbereichs.
Fig. 3: eine mittels Rasterelektronenmikroskopie erzeugte Auf- nahme eines weiteren Teilbereichs des in Fig. 1 gezeig- ten feuerfesten Materials. Fig. 4: eine weitere Aufnahme des erfindungsgemäßen feuerfesten Materials mittels Lichtmikroskopie. Fig. 5: eine mittels Rasterelektronenmikroskopie erzeugte Auf- nahme eines Bereiches des erfindungsgemäßen feuerfesten Materials. Fig. 6: eine mittels Rasterelektronenmikroskopie erzeugte Auf- nahme des anderen in Fig. 4 markierten Bereiches. Fig. 7: eine weitere Aufnahme des erfindungsgemäßen feuerfesten Materials mittels Lichtmikroskopie. Fig. 8: eine mittels Rasterelektronenmikroskopie erzeugte Auf- nahme des feuerfesten Materials aus Fig. 7. Fig. 9: die Temperaturwechselbeständigkeit des feuerfesten Ma- terials mittels Stopfen-Kaltstart-Versuch. Fig. 10: die Temperaturwechselbeständigkeit des feuerfesten Ma- terials mittels eines weiteren Versuches zur Wiederver- wendbarkeit. Fig. 11: die Schlackebeständigkeit des erfindungsgemäßen feuer- festes Materials (links) im Vergleich zu der eines be- kannten feuerfesten Materials (rechts). Fig. 12: die Ergebnisse eines Versuches mit dem erfindungsge- mäßen feuerfesten Material zum Erweichungsverhalten unter Druck (Druckerweichen). Herstellung eines feuerfesten Materials:
Vorliegend wird erläutert, wie ein erfindungsgemäßes feuerfes- tes Material ausgehend von einem erfindungsgemäßen Versatz hergestellt werden kann. Zunächst wurde ein Versatz, umfassend die folgenden Bestand- teile hergestellt: 58,6 Gew.-% Körnige Komponente bestehend aus Sintertonerde im Grobanteil mit einer Partikelgröße in einem Bereich von 0,5-10 mm 9,2 Gew.-% Sintertonerde (<0,5 mm) 14,0 Gew.-% Edelkorund (<0,2 mm) 1,9 Gew.-% kalzinierte Tonerde 1A 2,3 Gew.-% Graphit Hunan 80/200 GBK 2,3 Gew.-% Russ Thermal geperlt 4,7 Gew.-% metallisches Aluminiumpulver (Al met) (<0,063 mm) 7,0 Gew.-% Kieselsol (Kieselsäure in wässriger kolloidaler Suspension), mit 40 Gew.-% Feststoffanteil (Anteil der SiO2-Partikel), bezogen auf das Gesamtgewicht des Kieselsols (der wässrigen kolloidalen Kiesel- säuresuspension). Der Versatz wurde erhalten, indem ein Kieselsol (Kieselsäure in wässriger kolloidaler Suspension), enthaltend SiO2-Nanopar- tikel, mit einer Trockenmasse, welche die übrigen Bestandteile des Versatzes umfasste, gemischt wurde. Aus diesem Versatz wurde dann durch Vergießen ein Grünkörper hergestellt. Im An- schluss wurde der Grünkörper auf eine Temperatur von 1500°C erhitzt, um das fertige feuerfeste Material zu erhalten. Physikalische Eigenschaften:
Im Folgenden werden die physikalischen Eigenschaften eines er- findungsgemäßen Grünkörpers und eines erfindungsgemäßen feuer- festen Materials wiedergegeben. Als Vergleich werden zusätz- lich die physikalischen Daten eines bekannten, nicht erfin- dungsgemäßen Materials (DELTEK A115 von RHI Magnesita) angege- ben. Tabelle 1: physikalische Eigenschaften eines erfindungsgemäßen Grünkörpers, eines erfindungsgemäßen feuerfesten Materials und eines Vergleichsmaterials. Erfindungs- Vergleichs- gemäßes Ma- Material terial (DELTEK A115) Grünkörper nach Trocknen bei 110°C, gemäß Norm DIN EN ISO 1927-5 Rohdichte (DIN EN ISO 1927-6) 2,96 2,53 [g/cm3] offene Porosität (DIN EN ISO 14,0 17,3 1927-6) [Vol.%] Kaltdruckfestigkeit (DIN EN ISO 35,0 - 1927-6) [MPa] Kaltbiegefestigkeit (DIN EN ISO 5,0 8,4 1927-6) [MPa] Heißbiegefestigkeit bei 1500°C in 17,0 8,0 reduzierender Atmosphäre (mit gem. DIN EN ISO 1927-5 gegossenen Proben, im Format 130x20x20mm, Messprinzip gemäß ISO 5013) [MPa] nach Erhitzen auf 1000°C in reduzierender Atmosphäre, gemäß DIN EN ISO 1927-5 Rohdichte (DIN EN ISO 1927-6) 3,0 - [g/cm3] offene Porosität (DIN EN ISO 13,0 - 1927-6) [Vol.%]
Kaltdruckfestigkeit (DIN EN ISO 170,0 - 1927-6) [MPa] Kaltbiegefestigkeit (DIN EN ISO 24,0 - 1927-6) [MPa] nach Erhitzen auf 1500°C in reduzierender Atmosphäre, gemäß DIN EN ISO 1927-5 Rohdichte (DIN EN ISO 1927-6) 3,0 - [g/cm3] offene Porosität (DIN EN ISO 13,0 - 1927-6) [Vol.%] Kaltdruckfestigkeit (DIN EN ISO 140 - 1927-6) [MPa] Kaltbiegefestigkeit (DIN EN ISO 24,0 - 1927-6) [MPa] Thermische Leitfähigkeit (nach Dr. Klasse*) [W/mK]: 200°C 5,2 14,7 400°C 5,2 13,7 600°C 4,9 12,4 800°C 4,6 12,0 1000°C 4,7 11,7 *Klasse, F.; Heinz, A.; Hein, J.: Vergleichsverfahren zur Er- mittlung der Wärmeleitfähigkeit keramischer Werkstoffe. Ber. DKG 34 (1957), S. 183 – 189. Tabelle 1 zeigt, dass das erfindungsgemäße feuerfeste Material eine hohe Festigkeit aufweist. Zudem zeigt das feuerfeste Ma- terial nur eine geringe thermische Wärmeleitfähigkeit im Ver- gleich zum bekannten Material. Die erheblich geringere thermi- sche Wärmeleitfähigkeit des erfindungsgemäßen feuerfesten Ma- terials sorgt für bessere Isolationseigenschaften und hat so- mit einen positiven Einfluss auf die Fließeigenschaften des Materials, da unerwünschtes Clogging verhindert werden kann. Unter Clogging wird das Anlagern fester Bestandteile bzw.
Teilchen in einem Bauteil oder Ausgussystem verstanden, wel- ches zu einer Störung im Gießverlauf und somit zu einer ver- minderten Gießleistung des feuerfesten Materials führen kann. Messmethoden: Bei den Messungen gemäß DIN EN ISO 1927-6 wurde die in dieser Norm spezifizierte Geometrie D verwendet. Das feuerfeste Material wurde mittels Licht- und Rasterelekt- ronenmikroskopie untersucht. Lichtmikroskopische Untersuchun- gen wurden mit einem NIKON Eclipse LV150 durchgeführt. Analy- sen mit dem Rasterelektronenmikroskop wurden mit einem JEOL JSM-6460 bzw. mit einem JEOL JSM-7900F Rasterelektronenmikro- skop durchgeführt. Die Zusammensetzung der einzelnen Phasen konnte mittels Ras- terelektronenmikroskopie bei einer Anregungsspannung von 10 kV und einen Probenstrom von 1 nA mit einem energiedispersiven Detektor bestimmt werden. Die rasterelektronenmikroskopischen Abbildungen wurden mit einem BSE-Detektor erzeugt. Fig. 1 zeigt eine Aufnahme eines erfindungsgemäßen feuerfesten Materials mittels Lichtmikroskopie, aus der die nadelige Struk- tur des Materials ersichtlich ist. Insbesondere sind auch Be- reiche mit lochartig bzw. kreisförmig erscheinenden Strukturen zu erkennen, in denen die nadeligen Strukturen des Materials vorzugsweise ausgebildet sind. Die Nadeln weisen bevorzugt eine geringe Dicke in einem Bereich von 0,01-8 µm, bevorzugter 0,2-5 µm auf. Es wird angenommen, dass die feinen Nadeln, die sich in vielen Bereichen bilden, höchstwahrscheinlich für die sehr gute Temperaturwechselbeständigkeit des feuerfesten Materials ver- antwortlich sind. Zusätzlich wird angenommen, dass die kreis- förmigen Strukturen in dem feuerfesten Material eine Rissfort- pflanzung verhindern können.
Fig. 2 zeigt eine mittels Rasterelektronenmikroskopie erzeugte Aufnahme des feuerfesten Materials aus Fig. 1, wobei in Fig. 2 der rechte der in der Fig. 1 markierten Bereiche abgebildet ist. Aus Fig. 2 ist die nadelige Struktur des Materials noch deutlicher ersichtlich. In Fig. 2 sind die Bereiche 1 und 2 gezeigt, die der ersten Phase, insbesondere der Al4O4C-Phase, entsprechen. In Fig. 3 ist ebenfalls eine mittels Rasterelektronenmikroskopie erzeugte Aufnahme des feuerfesten Materials aus Fig. 1 gezeigt. Der in Fig. 3 gezeigte Ausschnitt entspricht dem linken der in Fig. 1 markierten Bereiche. Der Ausschnitt zeigt eine kreisför- mig erscheinende Struktur, an deren Oberfläche bzw. in deren Mitte sich eine nadelige Struktur in-situ ausgebildet hat. In den in der Fig. 3 gezeigten Bereichen 1 und 2 sind Phasen vor- handen, die der zweiten Phase, insbesondere der Al28C6N6O21-Phase, entsprechen. Fig. 4 zeigt eine weitere Aufnahme des erfindungsgemäßen feuer- festen Materials mittels Lichtmikroskopie, aus der weitere Be- reiche mit lochartiger Struktur ersichtlich sind, in denen sich die nadeligen Strukturen des Materials in-situ ausgebildet ha- ben. Fig. 5 zeigt dabei eine mittels Rasterelektronenmikroskopie er- zeugte Aufnahme des oberen der in Fig. 4 markierten Bereiche. Auch in diesem Bereich weist das feuerfeste Material eine nade- lige Struktur auf. In dem in der Fig. 5 gezeigten Bereich 1 ist eine Phase vorhanden, die der zweiten Phase, insbesondere der Al28C6N6O21-Phase, entspricht. Des Weiteren ist in Fig. 5 auch der Bereich 2 gezeigt, in dem eine Phase vorhanden ist, die der dritten Phase, insbesondere der SiAl6O2N6-Phase, entspricht. In Fig. 6 ist ebenfalls eine mittels Rasterelektronenmikroskopie erzeugte Aufnahme des feuerfesten Materials aus Fig. 4 gezeigt.
Der in Fig. 6 gezeigte Ausschnitt entspricht dem unteren der in Fig. 4 markierten Bereiche. In diesem Bereich weist das feuer- feste Material ebenfalls eine nadelige Struktur auf. Der Aus- schnitt zeigt eine kreisförmig erscheinende Struktur, an deren Oberfläche bzw. in deren Mitte sich eine Vielzahl von feinen Nadeln ausgebildet hat. In dem in der Fig. 6 gezeigten Bereich 1 ist eine Phase vorhanden, die der zweiten Phase, insbesondere der Al28C6N6O21-Phase, entspricht. Des Weiteren ist in Fig. 6 der Bereich 2 gezeigt, in dem eine Phase vorhanden ist, die der dritten Phase, insbesondere der SiAl6O2N6-Phase, entspricht. Fer- ner ist in Fig. 6 auch der Bereich 3 gezeigt, in dem eine Phase vorhanden ist, die der vierten Phase, insbesondere der AlN- Phase, entspricht. Fig. 7 zeigt eine weitere Aufnahme des erfindungsgemäßen feuer- festen Materials mittels Lichtmikroskopie, aus der ein kreis- förmiger Bereich ersichtlich ist, in dem die nadelige Struktur des feuerfesten Materials erneut präsent ist. Fig. 8 zeigt wiederum eine mittels BSE-Rasterelektronenmikro- skopie erzeugte Aufnahme des in Fig. 7 dargestellten feuerfesten Materials mit nadeliger Struktur. In Fig. 8 sind die Bereiche 1 und 3 gezeigt, die der ersten Phase, insbesondere der Al4O4C- Phase, entsprechen. Ferner sind in Fig. 8 ebenfalls die Bereiche 2 und 4 gezeigt, die der dritten Phase, insbesondere der SiAl6O2N6-Phase, entsprechen. Versuche zur Temperaturwechselbeständigkeit: In den folgenden Versuchen wurde die Temperaturwechselbestän- digkeit (thermal shock resistance) des erfindungsgemäßen feuer- festen Materials getestet. a. Stopfen-Kaltstart-Versuch:
In einem ersten Versuch wurde das feuerfeste Material, in Form eines Stopfens, direkt ohne Vorerwärmung in flüssigen Stahl bei einer Temperatur von 1650°C eingetaucht. Im Anschluss wurde das feuerfeste Material aus dem flüssigen Stahl entfernt und auf Raumtemperatur abgekühlt. Dieser Vorgang wurde in drei Zyklen wiederholt. Das erfindungsgemäße feuerfeste Material zeigt eine sehr gute Temperaturwechselbeständigkeit (vgl. Fig. 9). b. Versuch zur Wiederverwendbarkeit: In einem weiteren Versuch wurde das feuerfeste Material, in Form einer Stahlpfanne, dieses Mal mit Vorerwärmen, in flüssigen Stahl bei einer Temperatur von 1650°C eingetaucht. Im Anschluss wurde das feuerfeste Material aus dem flüssigen Stahl entfernt und auf Raumtemperatur abgekühlt. Dieser Vorgang wurde in drei Zyklen wiederholt. Das erfindungsgemäße feuerfeste Material zeigte auch bei diesem Versuch eine sehr gute Temperaturwechselbeständigkeit (vgl. Fig. 10). Versuch zur Schlackebeständigkeit: Die Schlackebeständigkeit ist die Fähigkeit des feuerfesten Materials, der schädigenden Wirkung geschmolzener Schlacken zu widerstehen. Die Schlackebeständigkeit wird durch den Volumen- oder Gewichtsverlust eines feuerfesten Materials bei Einwir- kung von Schlacke. In dem vorliegenden Versuch wurde das erfindungsgemäße feuer- feste Material sowohl gegen eine saure (C/S = 0,8) als auch
gegen eine basische Schlackenzusammensetzungen (C/S = 3,2) ge- testet. Neben dem erfindungsgemäßen feuerfesten Material (Fig. 11, links) wurde auch ein bekanntes feuerfestes Material für Stahlpfannen (COMPRIT 185HMV von RHI Magnesita) (Fig. 11, rechts) als Vergleichsmaterial getestet. Das erfindungsgemäße feuerfeste Material zeigte, insbesondere auch im Vergleich zu dem bekannten feuerfesten Material für Stahlpfannen (Vergleichsmaterial COMPRIT 185HMV von RHI Magne- sita), eine sehr gute Schlackenbeständigkeit (vgl. Fig. 11) Versuch zum Druckerweichen (Erweichungsverhalten unter Druck): Des Weiteren wurde mit dem feuerfesten Material ein Versuch zum Erweichungsverhalten unter Druck (Druckerweichen) durchgeführt. Hierfür wurde zum einen das erfindungsgemäße feuerfeste Material und zum anderen ein bekanntes feuerfestes Material (ANKO 85MR5A von RHI Magnesita) als Vergleichsmaterial verwendet. Der Versuch wurde mit einer gemäß DIN EN ISO 1927-5 gegossenen Proben durchgeführt. Die Probe wurde gemäß DIN EN ISO 1927-5 bei einer Temperatur von 110°C getrocknet. Prüfkörper: Zylinder (Höhe (h): 50 mm, Durchmesser (d): 40 mm, Innenbohrung: 16 mm, Messmethode gemäß ISO 5013) Die Messungen zum Erweichungsverhalten unter Druck (Druckerwei- chen)wurden gemäß DIN EN ISO 1893 durchgeführt. Dabei wurde eine Auflast von 0,2 Mpa und eine Heizrate von 5°C/min in reduzie- render Atmosphäre gewählt. Als Ergebnis wurde ein T0,5 Wert von >1700°C erhalten. D.h. das ist jene Temperatur, bei welcher die maximale thermische Ausdehnung des Probekörpers um 0,5% abge- nommen hat. Die maximale Temperatur der Messung ist mit 1700°C limitiert.
Beim erfindungsgemäßen Material konnte, im Gegensatz zum bekann- ten feuerfesten Material, keine Erweichung bis zu einer Tempe- ratur von 1700°C festgestellt werden (Fig. 12). Versuch zur Messung der Wärmeleitfähigkeit nach Dr. Klasse: Die in Tabelle 1 angegebenen Wärmeleitfähigkeiten des erfin- dungsgemäßen Materials sowie des Vergleichsmaterials (DELTEK A115 von RHI Magnesita) wurden nach dem Verfahren von Dr. Klasse bestimmt (Klasse, F.; Heinz, A.; Hein, J.: Vergleichs- verfahren zur Ermittlung der Wärmeleitfähigkeit keramischer Werkstoffe. Ber. DKG 34 (1957), S. 183 – 189). Die angegebenen Werte für 1000°C wurden dabei extrapoliert.