MEDIZINPRODUKT ZUR ARZNEIMITTELABGABE MIT VERSTÄRKTER WIRKUNG
Die Erfindung betrifft eine Auswahl von Produkten zur effektiveren Verhinderung einer Wiederverengung von Arterien oder anderen Gängen im Körper nach mechanischer Eröffnung oder Erweiterung der jeweiligen Lumina.
In den vergangenen 20 Jahren ist es gelungen das Problem der Wiederverengung von z.B. durch Angioplastie, Atherektomie oder Stentimplantation verletzten Arterien durch lokal applizierte Arzneistoffe sehr deutlich zu vermindern. Herausragende Beispiele sind die für die Anwendung in Herzkranzarterien vorgesehenen ,drug-eluting stents' (DES) und die mit Paclitaxel beschichteten Ballons von Angioplastie-Kathetern (drug-coated balloons, DCBs).
Die DES enthalten eine sehr geringe Dosis Arzneistoff, der über lange Zeit langsam abgegeben wird und die nach Gefäßwandverletzung durch z.B. gewaltsame Aufdehnung arteriosklerotisch verengter Arterien bedingte Zellproliferation hemmt. Eine überschießende Zellproliferation führt zu einer Verdickung der Arterienwand und zu einer Verengung des Arterienlumens und damit zu einer Verminderung des Blutflusses. Den heute verfügbaren DES haftet der Nachteil an, dass es sich um Dauerimplantate handelt, die das behandelte Arteriensegment für immer in seiner Struktur und Beweglichkeit verändern und zukünftige Eingriffe erschweren. Mit dem permanenten Implantat sind klinische Ereignisse in einer Häufigkeit von 0,4 bis 2,0 % jährlich nach Implantation assoziiert, nach derzeitigem Wissensstand lebenslang. Bevorzugte Arzneistoffe auf Stents gehören der Klasse der immunsuppressiven Makrolide an, auch als Limus-Substanzen bezeichnet, mit dem bekannten Vertreter Rapamycin (Sirolimus). Mit Limus- Substanzen beschichtete Stents werden derzeit bei Verengung von Herzkranzarterien in den meisten Fällen eingesetzt. Alternativ und in schwierigen Fällen stehen Bypass-Operationen und insbesondere bei Verengungen in bereits mit Stent versorgten Gefäßen auch DCBs zur Verfügung. Sollen Stents vermieden werden, können in ausgewählten Fällen auch DCBs anstelle von Stents zur erstmaligen Behandlung von Verengungen oder Verschlüssen von Herzkranzarterien verwendet werden. In peripheren Arterien werden bevorzugt Ballonkatheter eingesetzt, Stents nur soweit mit dem Ballon kein ausreichendes Ergebnis erzielt wird.
Die DCBs enthalten ebenfalls einen die Proliferation von Zellen hemmenden Wirkstoff, ganz bevorzugt das aus der Tumortherapie bekannte Paclitaxel. Vorteil der DCBs ist, dass sie den Arzneistoff an die Gefäßwand abgeben, die Katheter selbst aber nur für Sekunden bis wenige Minuten im Gefäß verbleiben und zum Ende der kurz dauernden Behandlung wieder vollständig entfernt werden. In der Gefäßwand bleibt nur ein Teil des ursprünglich auf dem Angioplastieballon befindlichen Arzneimittels zurück. Das Gefäß behält seine ursprüngliche
Struktur und Beweglichkeit, die Funktion kann sich erholen und zukünftige Eingriffe sind nicht erschwert. Nachteil des DCB gegenüber der Stentimplantation ist vor allem die mangelnde Stabilisierung des Gefäßquerschnitts. Nach Aufdehnung des Gefäßlumens mit einem Ballon und dem Ablassen des Drucks im Ballon und dessen Entfernung kommt es nicht selten zu einer elastischen Wiederverengung des Gefäßlumens, während der Stent die Gefäßwand weitgehend an der elastischen Rückstellung hindert.
Während die Beschichtung von Ballonkathetern und die Beschichtung von Stents mit proliferationshemmenden Medikamenten eindeutig die Häufigkeit der Wiederverengung der Lumina der behandelten Gefäßsegmente vermindert, sind die bisher klinisch erzielten Ergebnisse besonders in peripheren Arterien nicht voll befriedigend. Ein Teil der Behandlungen hat nicht den gewünschten Erfolg, d.h. die Gefäßlumina verengen sich trotz Behandlung mit den arzneimittelbeschichteten Produkten innerhalb von 6 - 12 Monaten wieder so stark, dass eine erneute Behandlung notwendig wird. Die Häufigkeit dieser Therapieversager ist mit im Mittel 5 - 10 % hoch. Hinzu kommt, dass die behandelten Gefäßsegmente oft nicht dauerhaft offen bleiben, es kommt 2, 3 oder mehr Jahre nach einer anfänglich erfolgreichen Behandlung einer Verengung oder eines Verschlusses wieder zu Beschwerden, die im günstigsten Fall eine Wiederholung des Eingriffes notwendig machen, im ungünstigeren Fall nicht mehr zu beseitigen sind.
Derzeit werden makrozyclische Immunsuppressiva (auch bezeichnet als Limus-Substanzen, z.B. Sirolimus wie Rapamycin, Everolimus etc.) vor allem auf Stents für Koronararterien und Paclitaxel auf Ballons benutzt. Naheliegend wäre die Suche nach wirksameren Wirkstoffen. Dazu wurden in der Vergangenheit Versuche mit Stents durchgeführt (Muni NI et al. 2005; Liistro u. Bolognese, 2003). Auf Ballonen von Ballonkathetern wurden ebenfalls sehr unterschiedliche, z.T. gegenüber Paclitaxel sehr viel wirksamere zytostatische Substanzen ohne Erfolg geprüft (Speck U et al., J Cardiovasc Surg 2016;57:3-11).
Mehrere mit proliferationshemmenden Medikamenten beschichtete Ballonkatheter sind klinisch geprüft worden, haben meist im Mittel über alle behandelten Patienten eine Verengung des Gefäßlumens vermindert, aber keine der Beschichtungen wirkte bei allen Patienten und allen behandelten Gefäßabschnitten (Anantha-Narayanan M et al. Catheter Cardiovasc Interv. 2019 Jul 1;94(1):139-148). Die Aussage bezieht sich auf einen Zeitpunkt 6-12 Monate nach der Behandlung. Diese erwünschte Wirkung der Beschichtung vermindert sich nach diesem Zeitpunkt.
Keiner der bisher beschriebenen DCBs erfüllt die Forderung nach einer Wirkung bei möglichst allen Patienten und über viele Jahre. Wirksamere Arzneistoffe zur Beschichtung von Ballonkathetern wurden bisher nicht gefunden.
Insofern ist eine Verbesserung der Wirkung der derzeitigen Ansätze für die minimalinvasive lokale Therapie von Gefäßverengungen oder-verschlüssen wichtig und das Ziel der vorliegenden Erfindung. Die Verbesserung zielt auf eine Verminderung des Anteils der Patienten, die nach mechanischer Erweiterung oder Wiederherstellung des Gefäßlumens frühzeitig einer erneuten Behandlung bedürfen oder bei denen der anfängliche Erfolg der Behandlung nach wenigen Jahren verloren geht.
Aufgabe der Erfindung ist es nun, bei einmaliger Behandlung eine zuverlässigere, stärkere und/ oder länger anhaltende Offenheit des verengten Gefäßes, insbesondere unter Verwendung des bevorzugten Wirkstoffs Paclitaxel zu erreichen. Als Voraussetzung und experimentell gut messbare Größe für die Erreichung dieses Ziels wird die Wirkstoff (Paclitaxel)-Konzentration oder die Wirkstoff (Paclitaxel)-Menge in der Gefäßwand unmittelbar nach Behandlung angesehen und gemessen.
Diese Aufgabe wird durch eine medizinische Vorrichtung und deren Beschichtung mit einer Beschichtungslösung mit den Merkmalen der unabhängigen Ansprüche gelöst. Somit betrifft ein erster Aspekt der Erfindung eine Medizinische Vorrichtung zur zumindest zeitweisen Kontaktierung erkrankter Gefäße, aufweisend einen längserstreckten Hohlkörper mit einer äußeren Oberfläche, wobei auf der äußeren Oberfläche ein zur Abgabe an die Gefäßwand bestimmter Wirkstoff oder Wirkstoffgemisch aufweisend einen Restenosehemmer angeordnet ist. Erfindungsgemäß ist vorgesehen, dass der Wirkstoff beziehungsweise das Wirkstoffgemisch zumindest bereichsweise in einer Beladungs-bzw. Oberflächendichte) von mehr als 4 pg/mm2 insbesondere von mehr als 5 pg/mm2 insbesondere von >6 pg/mm2 auf der Oberfläche vorliegt.
In dem folgenden Text ist unter , äußerer Oberfläche' eine vom Innendurchmesser bzw.
Innenlumen des Hohlkörpers abgewandte, beziehungsweise eine bei bestimmungsgemäßem Gebrauch einer Gefäßinnenwand zugewandte Oberfläche des Hohlkörpers zu verstehen.
Die Beladung der Medizinprodukte wird wegen der unterschiedlichen Größen der den Arzneistoff oder die Beschichtung tragenden Bereiche in pg/mm2 Oberfläche angegeben (=
, Beladungsdichte'), die gesamte Arzneistoffmenge auf einem Medizinprodukt als , Dosis/ Medizinprodukt'. Die Dosis beim experimentellen oder klinischen Einsatz kann sich durch Verwendung von mehr als einem dieser Produkte erhöhen.
Es handelt sich bei dem Erfindungsgegenstand um eine Auswahlerfindung.
Mit Arzneimitteln beschichtete Ballonkatheter zur Hemmung von Gefäßverengungen nach Lumenerweiterung mit mechanischen Methoden wurden vor ca. 20 Jahren erstmals erprobt und seit ca. 2003 klinisch geprüft. Während die erwünschte Hemmung einer Wiederverengung der behandelten Arterienabschnitte der Arterien des Herzens und einiger peripherer Gefäße zweifelsfrei bewiesen ist, muss man akzeptieren, dass eine Wirkung nicht bei allen Patienten und allen behandelten Arterien auftritt bzw. nicht über lange Zeit anhält. Trotz der Erprobung verschiedener Wirkstoffe, Zusammensetzungen der Beschichtungen und der Beschichtungsmethoden hat sich daran nichts geändert.
Naheliegende Maßnahmen zur Verbesserung der Wirksamkeit oder Wirksamkeitsdauer, wie eine Erhöhung der Dosis, wurden nicht vorgenommen, teils aus Sorge um die Verträglichkeit, teils wegen der Schwierigkeit mit der Haftung und der Schichtdicke auf den Oberflächen geeigneter Medizinprodukte.
Die möglichen Variablen sind seit langer Zeit bekannt, eine für die Erreichung des Zieles notwendige geeignete Auswahl steht bisher nicht zur Verfügung.
So enthalten die tatsächlich bis heute bekannten Produkte aus den oben genannten Gründen, Verträglichkeitsbedenken und Beschichtbarkeit (ausreichende Haftung, Schichtdicke und damit Eignung zur Anwendung) durchwegs eine niedrigere Dosis als erfindungsgemäß beansprucht. Auch finden sich keine Beispiele für Dosierungen oberhalb 3,5 pg Wirkstoff/mm2 in der Patentliteratur oder der klinischen Verwendung in der Literatur. Im Gegenteil, unter dem Eindruck tierexperimenteller Untersuchungen haben Hersteller niedrigere Dosierungen als die ursprünglich mit 3pg/mm2 gewählten und geprüften eingeführt.
Zahlreiche Publikationen warnen vor Paclitaxel und lehren insofern das Gegenteil der erfinderischen Lehre hinsichtlich der als möglich und als nützlich befundenen höheren Beschichtung und Dosis mit dem bevorzugten Wirkstoff Paclitaxel.
Überraschend hat sich gezeigt, dass die Wirkung von DCBs durch eine geeignete Auswahl des Ballonmaterials und der Beschichtung dem Ziel einer zuverlässigeren und anhaltenderen Wirkung nahekommt. In diesem Zusammenhang ist gut messbar, dass eine im Vergleich zum Standard erhöhte Wirkstoffdichte von mehr als 4pg/mm2, insbesondere von mehr als 5pg/mm2
bei gleicher Kontaktdauer mit einer Gefäßwand zu einer deutlich erhöhten Übertragungsrate und damit einer höheren Wirkstoffkonzentration in der Gefäßwand führt.
Um das Ziel zu erreichen muss die Verwendung einer höheren Dosis zu einer erhöhten Menge Arzneistoff am Wirkort führen, und die Erhöhung des Wirkstoffeintrags in das Zielgewebe zu mehr Wirkung. Eine Erhöhung der Dosis setzt u.a. voraus, dass der Arzneistoff gut vertragen wird.
Gebräuchliche Dosierungen auf Ballonen orientierten sich an der Ballonoberfläche, da lange Ballone mit großem Durchmesser zur Behandlung langer Segmente großer Gefäße naturgemäß mehr Wirkstoff erfordern als kurze Segmente kleinlumiger Gefäße. Die ursprünglich eingeführte Dosis von 3 pg Paclitaxel/mm2 der Ballonoberfläche war die damals maximal machbare Beladung der glatten Ballonmembranen. Die bisher im Handel verfügbaren Produkte enthalten eher niedrigere Dosierungen, für den Wirkstoff Paclitaxel in vielen Fällen nur 2 pg/ mm2 Ballonoberfläche, das am höchsten dosierte Produkt 3,5 pg Paclitaxel/ mm2. Publikationen weisen hin auf Bedenken bezüglich der Verträglichkeit des Wirkstoffs Paclitaxel im Vergleich zu dem bisher auf Ballons wenig verwendeten Sirolimus (Wessely et al. 2006) bzw. auf das Risiko von Embolien durch distal abgeschwemmtes, in Wasser schwer lösliches Paclitacxel (Gongora et al., 2017). Kürzlich wurde eine Arbeit publiziert, die eine erhöhte Sterblichkeit nach Anwendung paclitaxel-beschichteter Medizinprodukte suggeriert, ebenfalls ein Hinweis darauf, die Dosis an Paclitaxel niedrig zu halten.
Eine hohe Dosis bedeutet eine Dosis, die ausreichend ist, den Anteil der nach Behandlung sich rasch wieder verengenden Gefäße an der Gesamtzahl der behandelten Gefäße zu vermindern und die Dauer, für die die behandelten Gefäßsegmente offen bleiben, zu verlängern. Diese Dosis liegt im Fall von Paclitaxel und Sirolimus bei > 5 pg/mm2 Oberfläche des Medizinproduktes, bevorzugt bei > 6 pg/mm2 und besonders bevorzugt bei > 10 pg/mm2.
Einer wesentlichen Erhöhung der Beladung gebräuchlicher Ballonkatheter mit Paclitaxel stehen die allseitig vertretenen Vorbehalte gegen die Verträglichkeit gegenüber, eine wesentliche Erhöhung der Beladung gebräuchlicher Ballonkatheter mit irgendwelchen Wirkstoffen ist wegen einer Vielzahl technischer, pharmazeutischer und physiologischer Probleme schwierig sofern diese Katheter zum Nutzen der Patienten eingesetzt werden sollen.
Eine Erhöhung der Dosis auf einer Ballonoberfläche setzt voraus, dass die vergrößerte Menge Arzneistoff ausreichend gut haftet und bei der notwenigen Faltung des Ballons nicht verloren geht.
Weiterhin muss die höhere Dosis auf dem Ballon zu einer höheren Menge/ Konzentration des Wirkstoffes in der Arterienwand führen, was nicht selbstverständlich ist, da eine erhöhte Menge an Wirkstoff schlechter auf der Ballonoberfläche haftet, auf dem Weg zum Behandlungsort verloren gehen kann und die Aufnahmekapazität der Gefäßwand für den Arzneistoff während der kurzen Zeit der Balloninsufflation begrenzt sein kann.
Dennoch wurden die oben definierten Ziele mit der neuartigen Kombination an sich bekannter Komponenten und Methoden der Ballonbeschichtung erreicht.
Als Wirkstoffe, oder Arzneistoffe kommen stark lipophile, weitgehend wasserunlösliche, an beliebige Gewebebestandteile bindende stark wirksame Arzneistoffe in Frage. Als lipophil werden Arzneistoffe bezeichnet, deren Verteilungskoeffizient Butanol: wässriger Puffer pH 7 = 0.5, bevorzugt = 1 und besonders bevorzugt = 5 bzw. Octanol: wässriger Puffer pH 7 = 1, bevorzugt = 10, besonders bevorzugt> 50 ist. Alternativ oder zusätzlich sollen die Arzneistoffe zu > 10 %, bevorzugt zu > 50 %, besonders bevorzugt zu > 80 % reversibel und/oder irreversibel an Zellbestandteile binden. Bevorzugt sind Substanzen zur Flemmung der Zellproliferation oder auch entzündlicher Prozesse oder Antioxidantien, wie Paclitaxel und andere Taxane, Rapamycin und verwandte Substanzen, Tacrolimus und verwandte Substanzen, Corticoide, Sexualhormone (Östrogene, Estradiol, Antiandrogene) und verwandte Substanzen, Statine, Epothilone, Probucol, Prostacycline, Angiogeneseinduktoren etc. Die Substanzen liegen bevorzugt als trockene Festsubstanz oder als Öl auf den Oberflächen der unterschiedlichen Medizinprodukte vor. Bevorzugt sind Partikel geringster Größe (in der Mehrzahl < 5 pm, bevorzugt < 1 pm, besonders bevorzugt < 0.1 pm), besonders bevorzugt sind kristalline Strukturen.
Die Dosierung richtet sich nach der erwünschten Wirkung und der Wirksamkeit des verwendeten Arzneistoffes. Sie kann bis zu 6pg/ mm2 erreichen, wobei dies keine Obergrenze darstellt.
Zur Beschichtung sind erfindungsgemäß Drähte wie sie zur Führung von Kathetern verwendet werden, Nadeln und Katheter bzw. Teile von Kathetern, die zumindest für kurze Zeit mit Druck gegen erkrankte Gewebe gepresst werden, vorgesehen. Die Länge und der Durchmesser der für die Pharmakotherapie vorgesehenen Bereiche der Katheter bzw. Ballone ist für die Anwendung nicht von entscheidender Bedeutung, da die Dosierung in pg Wirkstoff/ mm2 Oberfläche berechnet wird. Beispielsweise sind für die Koronardilatationen Ballone im Bereich von < 2 - 4
mm Durchmesser und von 1,0 - 4,0 cm Länge gebräuchlich. Für andere Gefäße können auch Ballone bis zu > 20 mm Durchmesser und Längen bis zu > 20 cm eingesetzt werden. Die zu beschichtenden Oberflächen können glatt (d.h. ohne besondere Struktur zur Aufnahme der Wirkstoffe), aufgeraut oder in beliebiger Weise mit Strukturen versehen sein, wobei spezielle Oberflächenstrukturen nicht Voraussetzung für die Haftung der Wirkstoffe sind, die Haftung aber auch nicht behindern. Die Haftung der Wirkstoffe auf den Ballonoberflächen wird ausschließlich durch die Wahl geeigneter Lösungsmittel und ggf. die Haftung beeinflussende Zusatzstoffe bewirkt. Sie ist selbst auf äußerlich vollständig glatten Ballonoberflächen überraschend fest.
Alle Oberflächen können zusätzlich mit Substanzen beschichtet worden sein oder werden, die die Gleitfähigkeit der Produkte verbessern, die Gerinnung von Blut an der Oberfläche verhindern oder sonstige Eigenschaften der Medizinprodukte verbessern, ohne dass die zur Beschichtung benutzten Materialien an die Umgebung abgegeben werden müssen und ohne dass die Beschichtung die Abgabe der Wirkstoffe zur Behandlung der Zielgewebe und damit die Wirksamkeit wesentlich einschränkt.
In Ausgestaltung der Erfindung ist daher bevorzugt, dass die Medizinische Vorrichtung ferner Hilfsstoffe auf der äußeren Oberfläche aufweist.
Eine gute Haftung an den Oberflächen der Katheter, Nadeln oder Drähte bei Verbesserung der Aufnahme in die Gewebe wird durch Einbetten von stark lipophilen, schlecht wasserlöslichen Wirkstoffen in eine leicht wasserlösliche Matrixsubstanz erreicht. Als Matrixsubstanzen sind niedermoleklare (Molekulargewicht < 5000 D, bevorzugt < 2000 D) hydrophile Substanzen wie in vivo verwendete Kontrastmittel und Farbstoffe für unterschiedliche diagnostische Verfahren in der Medizin, Zucker und verwandte Substanzen wie Zuckeralkohole, niedermolekulare Polyethylenglycole, biokompatible organische und anorganische Salze wie z. B. Benzoate, Salze und andere Derivate der Salicylsäure etc. geeignet. Als Kontrastmittel sei auf die jodierten Röntgenkontrastmittel und die paramagnetischen Chelate verwiesen, Beispiele für Farbstoffe sind Indocyaningrün, Fluorescein und Methylenblau. Hilfsstoffe können auch zur Verbesserung der Lagerfähigkeit der Produkte dienen, spezielle ergänzende pharmakologische Wirkungen verursachen oder der Qualitätskontrolle dienen.
Somit weist die Oberfläche der erfindungsgemäßen Vorrichtung mit Vorteil Hilfsstoffe auf, die organisch gebundenes Jod enthalten, vorzugsweise lopamidol, lomeprol, lopromid und/oder lohexol, sowie Harnstoff, Magnesiumsalze, insbesondere -stearat, Dexpanthenol, lipophile
Antioxidantien, insbesondere Nordihydroguajaretsäure, Resveratrol und/oder Propylgallat oder Kombinationen aus diesen umfassen oder aus diesen bestehen.
In besonders bevorzugter Ausgestaltung der Erfindung ist vorgesehen, dass zumindest bereichsweise ein organisch gebundenes Jod in einer Beladungsdichte im Bereich von 0,1 pg/mm2 bis 0,8 pg/mm2 vorzugsweise 0,1 pg/mm2 bis 0,5 pg/mm2 auf der äußeren Oberfläche angeordnet ist. Dies entspricht einer Beladungsdichte an jodhaltiger organischer Substanz von ca. 0,2 pg/mm2 bis 1,6 pg/mm2 oder ca 2 bis 20% Jod bezogen auf den Wirkstoff im Bereich 4- 6pg Wirkstoff/ mm2 Oberfläche.
Es zeigte sich, dass die im Vergleich zum Standard reduzierte Beladungsdichte des Hilfsstoffs zu einer verbesserten Übertragung des Wirkstoffs auf die Gefäßwand führt.
In einer weiteren Ausführung können die pharmazeutischen Wirkstoffe an Partikel adsorbiert oder mit niedermolekularer Matrix auf die Oberflächen geeigneter Medizinprodukte aufgebracht werden. Als Partikel sind wiederum als biokompatibel bekannte Diagnostika wie Ferrite und diverse Kontrastmittel für die Sonographie geeignet.
Ballonkatheter werden aus sehr dünnen Kunststoffschläuchen durch Aufweitung eines Segments von 1 bis > 20 cm Länge geformt. Die aufgeweitete, sehr dünnwandige Ballonmembran wird anschließend in mehrere längs zur Katheterachse angeordnete Falten gelegt und fest um die Katheterachse gewickelt, so dass der später aufgeweitete Bereich im gefalteten Zustand einen nur minimal größeren Durchmesser aufweist als der übrige Katheter. Die enge Faltung der Ballonhülle ist Voraussetzung für die problemlose Passage des Ballonkatheters durch Einführungsschleusen, Führungskatheter und z.B. stark verengte Abschnitte von Blutgefäßen.
In bevorzugter Ausgestaltung der Erfindung ist vorgesehen, dass die äußere Oberfläche zumindest abschnittsweise eine nicht dehnbare, druckfeste Membran, wobei die Membran vorzugsweise oben beschriebener Ballon eines Ballonkatheters ist.
Bevorzugte Kathetermaterialien sind Polyamide, Polyamid-Gemische und Copolymere, Polyethylenterephthalat, Polyethylen und Copolymere.
In besonders bevorzugter Ausgestaltung ist vorgesehen, dass die Membran, also das Kathetermaterial Polyamid, Polyetherblockamide (PEBAX, Vestamid), Polyethylen,
Polyethylenterephtalat oder deren Copolymeren und/oder Mischungen umfasst oder aus einer solchen besteht.
Eine bevorzugte Ausgestaltung sieht vor, dass der Ballon auf mehr als 15 bar, insbesondere mehr als 30 bar inflatierbar ist. Dies ist insbesondere durch die vorgenannten Materialien erreichbar.
Ein weiterer Aspekt der Erfindung ist die Verwendung einer Lösung zur Beschichtung einer medizinischen Vorrichtung zur Behandlung erkrankter Gefäße, insbesondere zur Herstellung der erfindungsgemäßen Vorrichtung. Die dabei verwendete Lösung umfasst ein Lösungsmittel, einen restenosehemmenden Wirkstoff und einen eine Matrix für den Wirkstoff bildenden organisch gebundenes Jod aufweisenden Hilfsstoff. Erfindungsgemäß ist vorgesehen, dass der Hilfsstoff mit organisch gebundenem Jod im Bereich von 1, 2 bis 12,5 Gew.-%, vorzugsweise 2,5 Gew.-% bis 12,5 Gew.-% bezogen auf den Wirkstoff in der Lösung enthalten ist. Dies führt bei einer Beladungsdichte des Wirkstoffs von 4vorteilhafterweise zu einer Beladungsdichte des Jods im Bereich von 0,1 pg/mm2 bis 0,75 pg/mm2, vorzugsweise von 0,1 pg/mm2 bis 0,5 auf der äußeren Oberfläche.
Es zeigte sich, dass eine mit der erfindungsgemäßen Lösung beschichtete medizinische Vorrichtung, insbesondere ein Ballonkatheter mehr Wirkstoff in gleicher Zeit an die Gefäßwand abgibt als die im Stand der Technik bekannten beschichteten Vorrichtungen.
Mit Vorteil liegt das organisch gebundene Jod als lopromid, lopamidol und/oder lomeprol vor in der Lösung.
In bevorzugter Ausgestaltung der Erfindung ist vorgesehen, dass die Lösung den Wirkstoff, insbesondere Paclitaxel oder Sirolimus in einer Konzentration im Bereich von 100 mg bis 200 mg auf 5 ml Lösung enthält.
Geeignete Lösungsmittel sind beispielsweise Methanol, Ethanol, Isopropanol, Ethylacetat, Diethylether, Aceton, Tetrahydrofuran, Dimethylsulfoxid, Dimethylformamid, Wasser oder Mischungen derselben. Die Auswahl der Lösungsmittel folgt entsprechend der Löslichkeit der Wirkstoffe und Zusatzstoffe sowie der Benetzung der zu beschichtenden Oberflächen und der Wirkung auf die Struktur der nach Verdampfen der Lösungsmittel zurückbleibenden Beschichtung und Partikel, deren Haftung auf der Oberfläche und die Wirkstoffübertragung in das Gewebe während sehr kurzer Kontaktzeiten.
Mit besonderem Vorteil enthält die Lösung als Lösungsmittel Aceton, Wasser und/oder Ethanol, wobei das Lösungsmittelgemisch 3 bis 25 Vol-%, insbesondere 5 bis 15 Vol.-% Wasser enthält.
Ausgangspunkt der Untersuchungen sind bevorzugt Formulierungen nach W02004028582A1, Beispiel 7, Lösung B bevorzugt. Gegenüber dem genannten Beispiel wird der Anteil Ultravist-370 von 100 pl/ 5 ml Beschichtungslösung auf 5-50 mI/ 5 ml Lösungsgemisch vermindert, das verminderte Volumen Ultravist ergibt 3,8 -38,45 mg lopromid/ 150 mg Paclitaxel oder 1,85 -18,5 mg organisch gebundenes Jod/ 150 mg Paclitaxel, besonders bevorzugt sind 5- 20 mI Ultravist 370/ 5 ml Lösungsgemisch. 100 mI Ultravist -370 enthalten 76,9 mg des Röntgenkontrastmittels lopromid entsprechend 37 mg organisch gebundenen Jods.
In dem Lösungsmittel für Paclitaxel und Ultravist, wurde der Anteil an Wasser gegenüber dem Beispiel 7 der W02004028582A1 mit Lösung B erhöht von < 1.3 vol% auf 3-25 vol%, besonders bevorzugt 5-15 vol%. Statt des Röntgenkontrastmittels Ultravist 370 kann eine wässrige Lösung des im Ultravist enthaltenen Kontrastmittels lopromid verwendet werden. Ebenso können vergleichbare andere Kontrastmittel eingesetzt werden wie Isovue™ 370 mit lopamidol als Kontrastmittel oder lomeron 400 mit lomeprol als Kontrastmittel oder andere vergleichbare Produkte in verfügbaren Konzentrationen.
Die Auftragung kann beispielsweise durch Tauchen, Bestreichen, Aufträgen mittels Volumenmesseinrichtungen oder Besprühen jeweils bei unterschiedlichen Temperaturen und ggf. Dampfsättigungen der Lösungsmittel in der Atmosphäre geschehen. Der Vorgang kann mehrfach, ggf. auch unter Verwendung verschiedener Lösungsmittel und Hilfsstoffe, wiederholt werden.
In besonders bevorzugter Ausgestaltung werden die Ballone in insuffliertem Zustand, insbesondere mit einer Kanüle mit einem definierten Volumen der Wirkstofflösung beschichtet. Nach dem Trocknen und Falten können die Ballone mit trockenem Gleitmittel, z. B. Magnesiumstearat-Pulver behandelt oder für ganz kurze Zeit in eine wässrige Suspension von Magnesiumstearat oder eine Suspension oder Lösung eines anderen biokompatiblen, im Stoffwechsel des Menschen abbaubaren oder vom Menschen ausscheidbaren Gleitmittels getaucht werden oder mit einer solchen Suspension oder Lösung besprüht oder anderweitig benetzt werden. Nach diesem Schritt werden die Ballone wieder getrocknet, mit einem Schutzschlauch versehen und mittels EO-sterilisiert. Das Endprodukt ist ein steriler, ordnungsgemäß verpackter, für die Anwendung am Menschen geeigneter und zugelassener, hochdosiert mit Paclitaxel beschichteter Ballonkatheter.
Als Träger für den oder die Arzneistoffe dienen gebräuchliche Ballonkatheter mit proximalem Griff, einem Katheterschaft mit einem Draht- und einem Flüssigkeitslumen, einem proximal gelegenen Griff mit Anschluss für eine Spritze und Einführstutzen für einen Führungsdraht und einem distalen Ballon mit glatter oder strukturierter Oberfläche aus einer dünnen, nicht oder wenig dehnbaren druckfesten Membran aus z. B. Polyamid, ein Polyetherblockamid (bspw. PEBAX oder Vestamid), Polyamid Mischungen und Copolymeren, Polyethylene, Polyethylenterephthalat in Größen, die für die Behandlung von Arterien aller Art geeignet sind, z. B. im Fierzen, im Schädel, in den Extremitäten oder anderswo im Körper. Druckfest meint, dass die Ballone mit 4 - >30 bar inflatiert werden können ohne zu platzen. Die Ballone können Elemente aus anderen Materialien, z. B. Metallen oder Kunstoffen enthalten, die der Ballonmembran zusätzliche Druckfestigkeit verleihen, die Form des inflatierten Ballons verändern, oder eine Wirkung auf das bei Inflation anliegende Gewebe ausüben, z. B. das Gewebe einritzen, schneiden oder über Wärme oder elektrische Impulse beeinflussen.
Zur Beschichtung werden die Wirkstoffe und ggf. auch die FHilfsstoffe und Zusätze in organischen Lösungsmitteln ohne oder mit einem Zusatz an Wasser gelöst bzw. suspendiert. Bevorzugte Lösungsmittelgemische enthalten Aceton, Ethanol und Wasser, bevorzugte Zusatzstoffe sind Röntgenkontrastmittel wie lopamidol, lopromid oder lohexol, aber auch andere gebräuchliche Hilfsstoffe für die Beschichtung von Ballonkathetern wie Harnstoff, Magnesiumsalze, die in Anteilen von < 20 Gewichtsprozent der Wirkstoffe deren Haftung an den Oberflächen der Medizinprodukte und deren Freisetzung am Wirkort günstig beeinflussen und/ oder die Übertragung der Wirkstoffe in das Gewebe fördern. Besonders bevorzugt sind Zusätze von Wirkstoffen oder Hilfsstoffen, die entzündliche Reaktionen der Gewebe vermindern und/ oder die Heilung beschleunigen; als Beispiele seien Dexpanthenol und Kortikoide genannt.
Die Wirksamkeit von Arzneistoffen auf Medizinprodukten kann ohne Erhöhung der Dosis dadurch verstärkt werden, dass die Übertragung in das zu behandelnde Gewebe verbessert wird. Dies ist insbesondere für Medizinprodukte, die nur für kurze Zeit am Wirkungsort verbleiben, wichtig. Ein Beispiel dafür sind Ballonkatheter, die in einem Gefäß inflatiert werden, während der Inflation den Blutfluss vollständig unterbrechen und daher z.B. in Koronararterien oder auch in das Zentralnervensystem versorgenden Arterien nach sehr kurzer Zeit wieder deflatiert und entfernt werden. Die Übertragung des Arzneistoffs von einem Ballon eines Ballonkatheters in die Gefäßwand von Koronararterien betrug nach der ersten Publikation Scheller et al., 2004) im Mittel 8.7 ± 4.9 % der Gesamtdosis auf dem Ballon sofern kein Stent implantiert war oder wurde.
In einer jüngeren Arbeit (Speck et al., 2018) wurde die Übertragung mit 7.8 ± 3.4 % für Koronararterien und 7.1 ± 6.1 % der Dosis für Beinarterien des Schweins angegeben.
Eine Erhöhung des Anteils des an das zu behandelnde Gewebe abgegebenen Wirkstoffs ist eines der Ziele der Entwicklung neuer DCBs. Zu diesem Zweck wurde die Zusammensetzung der Beschichtung und die Beschichtungsweise vielfältig und von unterschiedlichen Firmen geändert, offenbar aber ohne substantielle Verbesserung der Wirksamkeit (Anantha-Narayanan M et al. Catheter Cardiovasc Interv. 2019 Jul 1;94(1):139-148; Meredith IT, TCT2019) Auf klinischer Seite wurde die Handhabung der Ballonkatheter verbessert indem die zu behandelnden Gefäßsegmente vorab sorgfältig präpariert wurden und die Inflationszeit der Ballone wo möglich verlängert wurde.
Ganz überraschend wurde gefunden, dass die Übertragung des Arzneistoffs ins Gewebe durch die Wahl einer geeigneten Ballonmembran in Kombination mit ausgewählten Beschichtungsformulierungen und Beschichtungsweisen zu einer reproduzierbar hohen Übertragung von Arzneistoffen in die Arterienwand führt. Dies gilt beispielsweise für Polyetherblockamid-Membranen, insbesondere die unter dem Markennamen PEBAX oder Vestamid verkauften in Verbindung mit Formulierungen mit lipophilen Antioxidantien wie z.B. NDGA (Nordihydroguajaretsäure) und Propylgallat während andere Formulierungen (ohne oder mit anderen Hilfsstoffen) keinen Unterschied zwischen PEBAX- und beispielsweise Nylonmembranen bei der Übertragung der Wirkstoffe in die Arterienwand zeigen (Beispiel 3, Tab. 3).
Membranen von Ballonkathetern sind bei Erhöhung des Druckes im Ballon unterschiedlich stabil. Es gibt dehnbare Membranen aus elastischen Materialien wie Latex oder Polyurethan, die bei geringem Druck inflatiert werden und sich der Form oder dem Durchmesser von Gefäßen oder Körperhöhlen anpassen. Eine weitere Gruppe sind die gebräuchlichen für die Angioplastie eingesetzten Ballone mit weitgehend formstabilen Membranen, z.B. aus Nylon oder PEBAX (non- compliant oder semi-compliant), die zur Aufweitung verengter Arterien verwendet werden und Drucke bis zu ca. 15, maximal 20 bar vertragen. Schließlich gibt es für sehr feste Gefäßverengungen z.B. in stark verkalkten Gefäßen oder in arterio-venösen shunts für die Dialyse bei Patienten mit ungenügender Nierenfunktion Ballonkatheter, deren Ballone wesentlich höhere Drucke aushalten. Man kann bei Stenosen, deren Erweiterung hohe Drucke erfordern diese mittels eines Hochdruckballons (drucktauglich bis ca. 20-40 bar) im Sinne einer ,vessel preparation' erweitern und dann einer durch die Gefäßverletzung stimulierten übermäßige Narbenbildung durch nachträgliche Behandlung mit einem DCB entgegenwirken.
Durch die Verwendung des DCB wird die Wiederverengung des Lumens reduziert. Allerdings ist die Haltbarkeit der Behandlung in vielen Fällen nicht gut (Steiner K, Endovascular Today June 2016; Karnabatidis TCT 2013).
Frühere Arbeiten weisen darauf hin, dass der Inflationsdruck bei der Übertragung des Arzneistoffs in die Gefäßwand (Bienek et al. Catheter Cardiovasc Interv. 2020 Feb;95:319-328)) und dessen Wirkung (Cremers et al., Clin Res Cardiol. 2012; 101: 385-91) keinen bedeutenden Einfluss hat. Bei niedrigem Inflationsdruck (2 bar) eines DCB wurde tierexperimentell eine ähnliche Hemmung der Lumenverengung gefunden wie bei dem höheren Inflationsdruck (12 bar). Mit einem anderen Ballon wurden sogar bei sehr niedrigen (< 2 bar) Drücken 13.9 ± 6.4% der Dosis vom Ballon in die Gefäßwand übertragen.
Versuche mit beschichteten Hochdruckballonen ergaben das Gegenteil. Es wurde eine bedeutende Steigerung des Arzneimitteltransfers in die behandelte Arterienwand gegenüber den gebräuchlichen, bei ca. 10 bar inflatierten DCBs beobachtet. Da zwischen dem Arzneimitteltransfer bei sehr niedrigem Inflationsdruck und höherem Inflationsdruck und der Wirkung des Arzneimittels bei Inflation der Ballone mit ca. 2 bar und mit ca. 12 bar kein wesentlicher Unterschied gefunden wurde, war die beobachtete Steigerung des Arzneimitteltransfers in die Gefäßwand nach Anwendung von Ballonen bei sehr hohem Inflationsdruck überraschend. Der erhöhte Arzneimitteltransfer ins Gewebe lässt gerade in schwierig zu behandelnden Gefäßverengungen und nur mit großer Kraft zu erweiternden, z.B. verkalkten Arterien eine stärkere Hemmung der Wiederverengung erwarten.
Ballonkatheter dienen in einer bevorzugten Anwendung dem Aufdehnen verengter oder verschlossener Arterien. Ballonkatheter wurden mit Arzneimitteln beschichtet, um die bald nach der Erweiterung des Arterienlumens auftretende Wiederverengung (Restenose) durch überschießende Zellproliferation vorzubeugen. Die Eigenschaften und Behandlungserfolge der ersten derartigen mit Arzneistoffen beschichteten Ballonkatheter wurden 2004 (experimentell, Scheller et al.) und 2007 (klinisch, Scheller et al.) publiziert. Es gelangten mit der damaligen Beschichtung nur 8,7 ± 4,9 % der Dosis von dem Ballon in das Arteriengewebe (Scheller et al. 2004). Dieser für die Wirkung entscheidende Eintrag in die Arterienwand konnte wesentlich erhöht werden, auch gegenüber dem aktuell von B. Braun hergestellten kommerziellen Produkt.
Beispiel 1 Erhöhung des Paclitaxel- (Ptx-)transfers vom beschichteten, EO-sterilisierten Ballon in das behandelte Arteriengewebe (Spalte 6) durch Veränderung der Beschichtung: Verminderung des Hilfsstoffs (Spalte 4), Erhöhung des Wassergehalts der Beschichtungslösung (Spalte 3) und
Beschichtung der Ballone im expandierten Zustand (Spalte 2). Alle Ballone mit ca. 3 pg Paclitaxel/mm2 Ballonoberfläche. Methoden: Untersuchungen an Koronararterien von Schweinen, Methodik siehe Scheller et al. 2004, Speck et al. 2018.
Durch die entsprechend Beispiel 7B der DE 10244847 beschichteten Ballonkatheter wurden im Mittel 8,7 % des Wirkstoffs Paclitaxel in die Arterienwand übertragen, die ausgewählten neuen Beschichtungen führten zu einem deutlich höheren Anteil der Dosis in der Gefäßwand (19,1 - 29,9 %), wobei die Version ohne Hilfsstoff (Gruppe A) unberücksichtigt bleibt, da sich bisher Ballonbeschichtungen mit Paclitaxel ohne Hilfsstoff bei Patienten im Hinblick auf die erwünschte Hemmung der Restenosen als wenig wirksam erwiesen haben.
Beispiel 2 Erhöhung der Dosis auf dem Ballon
Ballonkatheter der Fa. Acotec, Ballongrößen 4 x 40 bis 7 x 40 mm wurden mit Paclitaxel beschichtet entsprechend einer Zusammensetzung mit 10 Vol-% Wasser und 10 Gew-% lopromid bezogen auf den Wirkstoff in der Lösung und in der A. iliaca interna oder der A. femoralis von Hausschweinen für 1 min inflatiert (Methodik siehe Scheller et al. 2004, Speck et al. 2018).
Spalte (1): Paclitaxel (Ptx) in pg/mm2 Ballonoberfläche, Bezug auf die Ballonoberfläche, weil die Ballone für die Behandlung unterschiedlicher Arterien und Arterienabschnitte unterschiedlich lang sind und (für andere Anwendungen als hier beschrieben) einen unterschiedlichen Durchmesser haben oder haben können. Spalten 2 - 4: Paclitaxel in der behandelten Arterienwand (Segment der A. iliaca interna oder A. femoralis von Hausschweinen, ca. 3 Monate alt, ca. 25 kg schwer) 10-40 min nach Ballondeflation; Spalte 5: Auf dem Ballon nach Entnahme
aus dem Tier wiedergefundener Anteil der ursprünglichen Paclitaxel-Dosis auf dem Ballon (s. Spalte 1).
Zeile 4, Spalte 1: Zahl der gemessenen Ballonkatheter, Spalten 2-4: Zahl der untersuchten Arterien, Spalte 5: Zahl der gebrauchten Ballons Zeile 5, Spalten 2-5: In jede Arterie wurde ein mit Paclitaxel beschichteter Ballon mit 3 pg/mm2 Ballonoberfläche für 1 min. inflatiert, danach deflatiert und entnommen.
Zeile 6, Spalten 2-5: In jeder Arterie wurden zwei mit Paclitaxel beschichtete Ballons gleicher Art wie in Zeile 5 nacheinander im exakt gleichen Arteriensegment inflatiert um mehr Arzneistoff in die Arterienwand zu übertragen. Zeile 7: Es wurde wie in Zeile 5 nur ein beschichteter Ballon je Arteriensegment inflatiert, dieser war jedoch mit der doppelten Menge Paclitaxel beschichtet.
Ergebnis und Schlussfolgerung: Mit der Dosis von 3mg/mm2 Ballonoberfläche wurden die für diese Art von Beschichtung erwarteten Werte in Bezug auf den Arzneimitteltransfer ins Gewebe und schließlich den geringen, auf dem Ballon verbleibenden Rest gemessen. Die Verwendung von 2 gleichen Kathetern mit der Inflation in exakt dem gleichen Gefäßsegment führte zu annähernd der doppelten Menge Arzneistoff in der Arterie. Die Verdopplung der Dosis auf dem Ballon hatte mindestens den gleichen Effekt.-Es wurde mindestens die doppelte Menge
Arzneistoff in die Arterienwand übertragen. Dies ist als Flinweis auf eine erhöhte Wirksamkeit zu verstehen.
Beispiel 3 Einfluss der Ballonmembran und der Zusammensetzung der Beschichtung auf die Übertragung von Paclitaxel und Sirolimus an die Arterienwand von Schweinen
Ballone von Ballonkathetern wurden in expandiertem Zustand wie angegeben mit Paclitaxel (Ptx)- oder Sirolimus-enthaltenden Formulierungen beschichtet, gefaltet und mittels Ethylenoxid sterilisiert; der Verlust an Wirkstoff wurde bei Passage durch ein hämostatisches Ventil, einen mit Blut gefüllten Führungskatheter (Länge 1 m) und 1 min Aufenthalt in Blut gemessen (Zeile 5), Zeilen 6-8 zeigen Ergebnisse der Untersuchungen an Koronararterien von Schweinen, Methodik siehe Beispiel (1). PTCA = perkutane transluminale coronare Angioplastie, Pebax = Polyetherblockamide, NDGA = Nordihydroguajaretsäure BHT = Butylhydroxytoluol
Ergebnis und Schlussfolgerung: Die Ballone bestanden aus Nylon oder Pebax, nicht unterscheidbar transparent und glatt. Eine weitgehend homogene Beschichtung der Ballonmembranen wurde in dem Bereich von ca. 2 bis 5 pg/mm2 erreicht. Im Mittel über alle Versuche gingen ca. 10 % der Dosis auf dem Weg durch ein hämostatisches Ventil, einen mit Blut gefüllten Führungskatheter und den Aufenthalt im Blut verloren. Der Transfer von Paclitaxel aus Formulierungen mit den Antioxidantien NDGA und Propylgallat war mit ca. 30 % der Dosis für die Ballone mit Pebax-Membranen ungewöhnlich hoch, sowohl im direkten Vergleich zu Ballonen aus Nylonmembranen (6,0 ± 3,4%) als auch im Vergleich zu Literaturdaten (Scheller et al., 2004:
7,9 ± 2,6%, Speck et al.2018: 7,8 ± 3,4%). Dies führte zu hohen Paclitaxel-Konzentrationen im Gewebe (Zeile 8). Die (in der Kombination Antioxidans und Pebax-Ballon beobachtete) wesentlich verbesserte Übertragung des Wirkstoffs Paclitaxel in das Arteriengewebe ist überraschend und weist auf eine stärkere Wirksamkeit dieser Ballonkatheter hin. Der auf den Ballonen verbleibende Anteil der Dosis (Zeile 9) war zwischen Pebax- und Nylon-Ballonen nicht sehr unterschiedlich, allerdings wesentlich geringer, wenn Propylgallat als Antioxidans eingesetzt wurde.
Beispiel 4 Zusammensetzung einer Beschichtung nach W02004028582A1, Beispiel 7, optimiert:
81,1 Vol% Aceton, 8,8 Vol% Ethanol, 0,4 Vol% Ultravist-370, 9,7 Vol% Wasser, 150 mg Paclitaxel auf 5 ml Beschichtungslösung.