Formstabile, abreibbare Klebemasse auf Basis modifizierter Polyetherpolyurethane'
Vorliegende Erfindung betrifft eine formstabile Klebemasse, die weitgehend wasser- und lösemittelfrei formuliert und durch Abreiben in Kontakt mit dem zu verklebenden Substrat als dünner klebender Film aufgebracht werden kann, der insbesondere für die Verklebung von aus pflanzlichen Fasern gewonnenen Materialien geeignet ist. Die erfindungsgemäße Klebemasse besteht im organischen Bestandteil im Wesentlichen aus einer Mischung von Polyetherpolyurethanen, die mit mindestens zwei einwertigen aliphatischen Alkoholen unterschiedlicher Kettenlänge endgruppenverschlossen sind. Die Erfindung betrifft auch ein Verfahren zum Aufbringen eines klebrigen Films auf ein flächenförmiges Substrat, vorzugsweise auf Papier, durch Abreiben der Klebemasse an der Kontaktstelle mit dem Substrat.
Formstabile Klebemassen, deren Anwendung derart erfolgt, dass ein dünner Film der Klebemasse durch Abreiben an der Kontaktstelle zum Substrat übertragen wird, sind im Stand der Technik bekannt und beispielsweise in Klebestiften zum Verkleben von Papier seit langem realisiert. Die WO 99/51699 A1 beschreibt weich abreibbare, aber formstabile Klebestifte, bestehend aus einer wässrigen Zubereitung von Stärkeethern und Saccharose als klebende Komponente und einem Seifengel als formgebender Gerüstsubstanz sowie gewünschten falls weiteren Hilfsstoffen. Derartige Klebemassen binden nach dem Abrieb eines dünnen Films allein durch den Wasserverlust und damit rein physikalisch ab. Um die Anwendbarkeit einer solchen Klebemasse über einen längeren Zeitraum zu gewährleisten, gilt es ein Austrocknen der Klebemasse zu verhindern, was durch die Wahl eines geeigneten weitgehend wasserdampfundurchlässigen Verpackungsmittels ermöglicht wird. Das Verpackungsmittel ist häufig auch gleichzeitig Applikator, der als starres Gebilde, in das die Klebemasse eingefüllt ist, zusätzlich formstabilisierend ist, so dass zudem ein größerer Spielraum in der Formulierung der formstabilen Klebemasse besteht. Die DE 10047069 A1 beschreibt einen solchen Applikator für einen Wasser basierten formstabilen Klebestift.
Demgegenüber sind auch wasserfreie formstabile Klebemassen bekannt, die ebenfalls abreibbar formuliert sind. Die WO 96/37566 A1 beschreibt teilkristalline, formstabile Klebemassen auf Basis von Polyetherpolyurethanen, deren teilkristallines Gefüge durch die bei der Reibung auf einer Substratoberfläche freigesetzte Wärme aufgebrochen wird, so dass sich ein dünner Klebefilm aufbringen lässt, der nach kurzer Zeit wieder teilkristalline Bereiche ausbildet und auf diese Weise abbindet und in der Lage ist, das Substrat zu verkleben. Derartigen Klebemassen werden dort zur Verbesserung des Eigenschaftsprofils verschiedene Additive hinzugesetzt, die die Kristallinität modifizieren oder die Klebrigkeit erhöhen oder Pigmente, Füllstoffe, Weichmacher, Farbstoffe, Antioxidantien und Konservierungsmittel darstellen. Grundsätzlich sind die in der WO offenbarten Klebemassen bereits geeignet, um weitgehend verpackungsfrei in den Handel zu gelangen und händisch ohne besonderen Applikator auf Substraten, insbesondere Papier, aufgebracht zu werden.
Eine solche weitgehend wasser- und lösemittelfreier formstabile Klebemasse muss jedoch ein komplexes Anforderungsprofil erfüllen, das sowohl anwendungsspezifische, verbraucherspezifische als auch umwelthygienische Aspekte umfasst. Hierfür muss das Eigenschaftsprofil formstabiler Klebemassen, die durch Reibung aktivierbar sind, weiter verbessert werden, um verpackungsfreie Verkaufseinheiten im Verbrauchermarkt etablieren zu können. In diesem Zusammenhang gilt es Rezepturen aufzufinden, die als klebriger Film auf flächigen Substraten hervorragend abreibbar sind, ausreichend Anfangsklebrigkeit besitzen, dass flächige Substrate in ihrer relativen Position zueinander über den Klebefilm fixiert werden können, und in kurzer Zeit positionsgetreu abbinden und dabei eine möglichst dauerhafte kohäsive Bindung ausbilden. Idealerweise eignet sich die Klebemasse zum Verkleben von aus pflanzlichen Fasern gewonnenen Materialien.
Dieses Eigenschaftsprofil soll zudem auch nach handelsüblicher und verbrauchstypischer Lagerung bzw. Bevorratung der Klebemasse erhalten bleiben.
Von Seiten des Verbrauchers wird zudem erwartet, dass sich eine formstabile Klebemasse, die ohne Applikator direkt händisch auf dem Substrat abreiben lässt, keine Klebrigkeit aufweist, die Haut nicht mit Klebemasse verschmutzt wird und Hautverträglichkeit gewährleistet ist. Auch wird vom Verbraucher erwartet, dass sich eine derartige Klebemasse in Form eines Stiftes in der Anwendung wie ein Wachsmalstift über
das Substrat führen und sich dabei ein durchgängiger Klebefilm aufbringen lässt. Der Abrieb der Klebemasse auf einem flächigen Substrat muss mit wenig Kraftaufwand möglich sein, so dass flexible dünne Substrate wie Papier beim Klebstoffauftrag nicht aufgewellt oder eingerissen werden.
Insgesamt stellt sich die vorliegende Erfindung also die Aufgabe eine formstabile, abreibbare Klebemasse bereitzustellen, die wasser- und lösemittelfrei sowie hautverträglich formuliert werden kann und dennoch leicht ohne gesonderten Applikator aufgebracht werden kann und hierfür insbesondere einen niedrigen Abriebwiederstand aufweist, wobei die Klebemasse bei 30 °C nicht permanentklebrig und im Idealfall auch transluzent sein soll. Ebenso ist für Lagerung und Transport eine Temperaturstabilität bis zu 70 °C erforderlich. Der Klebstoff sollte vor allem eine hohe Klebkraft für aus pflanzlichen Fasern gewonnenen Materialien, insbesondere Papier und Pappe, besitzen. Zudem soll ein von der Klebemasse abgeriebener Klebefilm ausreichend Anfangshaftung generieren, so dass der Anwender die zu verklebenden Substrate nicht bis zum Abbinden verpressen muss, um eine ausreichende Verklebung herbeizuführen.
Dieses Aufgabenspektrum wird überraschenderweise dadurch gelöst, dass eine Klebemasse formuliert wird, deren organischer Bestandteil im Wesentlichen aus einer Mischung von Polyetherpolyurethanen besteht, die mit zwei verschiedenen einwertigen aliphatischen Alkoholen unterschiedlicher Kettenlänge endgruppenverschlossen sind.
Die vorliegende Erfindung betrifft demnach eine formstabile Klebemasse, deren organischer Bestandteil im Wesentlichen aus einer Mischung von Polyetherpolyurethanen besteht, die mit zwei verschiedenen einwertigen aliphatischen Alkoholen endgruppenverschlossen sind, wobei die mindestens zwei verschiedenen einwertigen aliphatischen Alkohole einerseits ausgewählt sind aus solchen mit mindestens 4, aber nicht mehr als 8 Kohlenstoffatomen und anderseits ausgewählt sind aus solchen mit mindestens 16, aber weniger als 22 Kohlenstoffatomen.
Insbesondere bevorzugt besteht der organische Bestandteil der erfindungsgemäßen Klebemasse im Wesentlichen aus einer Mischung von Polyetherpolyurethanen, die jeweils mit den zuvor genannten zwei verschiedenen einwertigen aliphatischen Alkoholen endgruppenverschlossen sind.
In Zusammenhang mit der erfindungsgemäßen Klebemasse gilt eine organische Verbindung oder ein Bestandteil einer organischen Verbindung dann als aliphatisch, wenn sie bzw. der Bestandteil neben Sauerstoffatomen ausschließlich aus Kohlenstoff und Wasserstoffatomen zusammengesetzt ist.
Erfindungsgemäß bevorzugt ist die Mischung der Polyetherpolyurethane, die den wesentlichen Bestandteil der Klebemasse darstellt, mit primären einwertigen aliphatischen Alkoholen endgruppenverschlossen, die wiederum bevorzugt linear sind, also weder tertiäre noch quartäre Kohlenstoffatome aufweisen. Ein Kohlenstoffatom ist quartär, wenn es kovalent an vier weitere Kohlenstoffatome gebunden ist, während ein tertiäres Kohlenstoffatom kovalent mit drei weiteren Kohlenstoffatomen verbunden ist.
Polyetherpolyurethane sind erfindungsgemäß Additionsprodukte von polyfunktionellen Isocyanaten an Polyetherpolyole, wobei das molare Verhältnis von Isocyanat- zu Hydroxyl-Gruppen der Polyetherpolyole größer als 1,0, vorzugsweise größer als 2,0, besonders bevorzugt größer als 2,5, jedoch vorzugsweise kleiner als 4,0, besonders bevorzugt kleiner als 3,5 ist und das Additionsprodukt endgruppenverschlossen vorliegt und damit keine freien Isocyanat-Gruppen aufweist. Ein Polyetherpolyurethan enthält im Sinne der vorliegenden Erfindung dann keine freien Isocyanat-Gruppen, wenn weniger als 0,1% NCO bezogen auf die Gesamtmenge an Polyetherpolyurethanen enthalten sind. Für die Bestimmung der Menge an freien Isocyanat-Gruppen wird 1 Gramm des Polyetherpolyurethans mit 4 Millilitern einer 0,5 M Dibutylamin-Lösung in Xylol versetzt und anschließend mit 50 Millilitern Xylol vermischt und bis zur vollständigen Homogenisierung bei einer Temperatur von 20°C gerührt. Nach Zugabe von 3 Tropfen Bromphenolblau und 50 Millilitern Isopropanol wurde mit 0,5 M Salzsäure bis zum Farbumschlag von blau nach gelb titriert. Die Differenz des Verbrauchs an Salzsäure zur Titration einer Blindwertlösung, also ohne Zugabe des Polyetherpolyurethans, multipliziert
mit dem Wert 2,1 und dividiert durch die exakte Einwaage des Polyetherpolyurethans ergibt den prozentualen Gewichtsanteil an Isocyanat-Gruppen.
In einer für die Erhöhung der teilkristallinen organischen Bestandteile der Klebemasse bevorzugten Ausführungsform sind die Polyetherpolyole, die die Basis der Polyetherpolyurethane darstellen, ausgewählt aus solchen deren Etherfunktionen über aliphatische divalente Reste, die wiederum vorzugsweise linear und unverzweigt vorliegen, also weder tertiäre noch quartäre Kohlenstoffatome aufweisen, miteinander verbrückt sind, wobei die divalenten Reste wiederum vorzugsweise mindestens 4 Kohlenstoffatome, vorzugsweise jedoch nicht mehr als 8 Kohlenstoffatome, besonders bevorzugt nicht mehr als 6 Kohlenstoffatome in der Hauptkette, und ganz besonders bevorzugt 4 Kohlenstoffatome in der Hauptkette aufweisen. Derartige Klebemassen zeichnen sich durch eine sehr gute Temperaturstabilität bei gleichzeitig guten Abriebseigenschaften aus.
Weiterhin bevorzugt ist, dass die Polyetherpolyole, die die Basis der Mischung von Polyetherpolyurethanen der erfindungsgemäßen Klebemasse bilden, eine Hydroxylzahl von weniger als 200 mg KOH/g, besonders bevorzugt von weniger als 120 mg KOH/g, jedoch vorzugsweise von mindestens 30 mg KOH/g, besonders bevorzugt von mindestens 40 mg KOH/g jeweils bezogen auf die Gesamtheit der Polyetherpolyole, die die Basis für die Mischung der Polyetherpolyurethane darstellen.
Die Hydroxylzahl ist ein Maß für die Anzahl an freien Hydroxylgruppen in der jeweils definierten Bezugsmenge, beispielsweise pro Gramm der Polyetherpolyole, die die Mischung der Polyetherpolyurethane bilden, experimentell durch potentiometrische Titration bestimmt werden kann. Hierfür wird eine eingewogene Probe der Bezugsmenge in einer Reaktionslösung von 0,1 mol/l Phtalsäureanhydrid in Pyridin bei 130 °C für 45 Minuten erwärmt und zunächst mit dem 1,5-fachen Volumen der Reaktionslösung an Pyridin und anschließend mit dem 1,5-fachen Volumen der Reaktionslösung an entionisiertem Wasser (K < 1 pScnr1) versetzt. Die freigesetzte Menge an Phtalsäure wird in diesem Gemisch mittels 1 M Natronlauge titriert. Die potentiometrische Messung erfolgt mit einer Einstabmesskette (LL-Solvotrode® der Fa. Metrohm; Bezugselektrolyt: 0,4 mol/l
Tetraethylammoniumbromid in Ethylenglykol). Die Hydroxylzahl entspricht dabei der hinzugesetzten Menge an NaOH pro Gramm der Bezugsmenge im Wendepunkt der potentiometrischen Titrationskurve.
Für die Einstellung einer optimalen Temperaturstabilität bei gleichzeitig guten Abriebseigenschaften bei der Aufbringung eines klebenden Films auf Papier ist es bevorzugt, wenn das molare Verhältnis der zwei verschiedenen einwertigen aliphatischen Alkoholen zueinander, definiert als molare Menge von aliphatischen Alkoholen mit mindestens 4, aber nicht mehr als 8 Kohlenstoffatomen, zur molaren Menge an aliphatischen Alkoholen mit mindestens 16, aber weniger als 22 Kohlenstoffatomen, im Bereich von 1 : 2 zu 3 : 1, besonders bevorzugt im Bereich von 1 : 1 zu 5 : 2 liegt.
Erfindungsgemäß werden die Mischung der Polyetherpolyurethane vorzugsweise durch Addition von mindestens trifunktionalen, besonders bevorzugt aliphatischen Isocyanaten, die ganz besonders bevorzugt ausgewählt sind aus Trimeren des Hexamethylendiisocyanats und/oder Pentamethylendiisocyanats, an Polyetherpolyole erhalten. Wie bereits dargelegt werden die in der Additionsreaktion entstandenen freien Isocyanat-Gruppen mit den zwei einwertigen aliphatischen Alkoholen abreagiert (im Folgenden „Endgruppenverschluss“), wobei die zwei einwertigen aliphatischen Alkohole einerseits ausgewählt sind aus solchen mit mindestens 4, aber nicht mehr als 8 Kohlenstoffatomen und anderseits ausgewählt sind aus solchen mit mindestens 16, aber weniger als 22 Kohlenstoffatomen.
Weiterhin werden bevorzugt Polyetherpolyurethane mit einer dynamischen Viskosität nach Brookfield (Spindel 27) bei 80 °C von mindestens 2.000 mPas, besonders bevorzugt von mindestens 3.000 mPas, insbesondere bevorzugt von mindestens 5.000 mPas, jedoch vorzugsweise von weniger als 140.000 mPas, besonders bevorzugt von weniger als 60.000 mPas eingesetzt. Polyetherpolyurethane mit einer dynamischen Viskosität im unteren bevorzugten Bereich werden üblicherweise erzielt, indem der Endgruppenverschluss überwiegend mit einem langkettigen einwertigen aliphatischen Alkohol höherer Anzahl an Kohlenstoffatomen oder zumindest teilweise eine Addition divalenter Isocyanate an die teilkristallinen Polyetherpolyole erfolgt.
Die Mischung der Polyetherpolyurethane der erfindungsgemäßen Klebemasse weist vorzugsweise eine zahlenmittlere Molmasse von weniger als 6.000 g/mol, besonders bevorzugt von weniger als 5.000 g/mol, jedoch vorzugsweise von mindestens 1000 g/mol, besonders bevorzugt von mindestens 2000 g/mol auf, wobei die Polydispersität vorzugsweise größer als 4,0, jedoch vorzugsweise kleiner als 20,0, besonders bevorzugt kleiner als 15,0 ist. In diesem Molmassenbereich und bei der bevorzugten Polydispersität sind Polyetherpolyurethane erhältlich, die erfindungsgemäßen Klebemassen, die zu mehr als 40 Gew.-% aus derartigen Polyetherpolyurethanen bestehen, eine leichte Abreibbarkeit und gute Klebrigkeit bei gleichzeitig hinreichender Temperaturstabilität verleihen. Die zahlenmittlere Molmasse kann anhand einer Probe der Reaktionsmischung mittels Gelpermeationschromatographie nach Kalibration gegen Polystyrol-Standards bestimmt werden. Hierzu ist bei einer Säulenofentemperatur von 40 °C durch Eluation mit Tetrahydrofuran zu chromatographieren, wobei die Verteilungskurve mittels eines konzentrationsabhängigen Rl-Detektors aufgenommen wird, der kontinuierlich den Brechungsindex im Eluat bei einer Temperatur von ebenfalls 40°C bestimmt.
Bevorzugt im Sinne der vorliegenden Erfindung ist es, wenn der Polyetherpolyurethan- Bestandteil der Klebemasse im Wesentlichen aus der zuvor beschriebenen Mischung von Polyetherpolyurethanen besteht. Entsprechend sind erfindungsgemäße Klebemassen bevorzugt, bei denen der Anteil der Mischung von Polyetherpolyurethanen, die mit den zwei verschiedenen einwertigen aliphatischen Alkoholen endgruppenverschlossen sind, bezogen auf die Gesamtheit an Polyetherpolyurethanen mindestens 80 Gew.-%, vorzugsweise mindestens 90 Gew.-%, besonders bevorzugt mindestens 95 Gew.-% beträgt.
Der organische Bestandteil der erfindungsgemäßen Klebemasse besteht wiederum dann im Wesentlichen aus der Mischung an Polyetherpolyurethanen, wenn deren Anteil größer als 40 Gew.-% bezogen auf den organischen Bestandteil der Klebemasse beträgt. Üblicherweise zeigen die Klebemassen eine besonders gute Temperaturstabilität bei gleichzeitig gutem Abriebsverhalten, wenn der Anteil an Polyetherpolyurethanen, wie zuvor beschrieben, bezogen auf den organischen Bestandteil der Klebemasse größer als 50 Gew.-%, besser größer als 70 Gew.-% oder noch besser größer als 80 Gew.-%
beträgt, so dass derartige Klebemassen erfindungsgemäß bevorzugt sind. Höhere Anteile der Mischung an Polyetherpolyurethanen sind insbesondere auch für die Transluzenz der erfindungsgemäßen Klebemasse von Vorteil, die vom Verbraucher als besonders attraktiv empfunden wird.
Aufgrund des hervorragenden Abriebverhaltens bei gleichzeitiger Temperaturstabilität und gutem Abbindeverhalten, das über die Mischung der Polyetherpolyurethane der erfindungsgemäßen Klebemasse verliehen wird, kann auf eine umfangreiche Additivierung weitgehend verzichtet werden. Dennoch kann die Temperaturstabilität weiter erhöht und das Abriebsverhalten weiter verbessert werden, ohne dass signifikante Einbußen hinsichtlich der Anfangsklebrigkeit des abgeriebenen Films hingenommen werden müssten. Hierfür können Polyesterpolyurethane additiviert werden, die vorzugsweise zumindest teilweise auf teilkristallinen Polyesterpolyolen basieren, die ihrerseits erhältlich sind durch Polykondensation einer Reaktionsmischung umfassend ein oder mehrere Dicarbonsäuren, die ausgewählt sind aus terminalen Dicarbonsäuren, die sowohl gesättigt, linear als auch aliphatisch sind, mit einer geraden Anzahl von mindestens 8 Methylen-Gruppen, (im Folgenden „Komponente A“) sowie ein oder mehrere Diole, die ausgewählt sind aus terminalen Diolen, die sowohl gesättigt, linear als auch aliphatisch sind und mindestens eine Etherfunktion enthalten, (im Folgenden „Komponente B“).
In Zusammenhang mit den teilkristallinen Polyesterpolyolen gilt eine Dicarbonsäure bzw. ein Diol dann als aliphatisch, wenn sie neben Sauerstoffatomen ausschließlich aus Kohlenstoff und Wasserstoffatomen zusammengesetzt ist, wobei der Terminus „Dicarbonsäure“ auch die entsprechenden jeweiligen einfachen oder zweifachen Methyl- und/oder Ethylester sowie die entsprechenden einfachen oder zweifachen Säurechloride umfasst. Weiterhin gilt in diesem Zusammenhang, dass bei einer terminalen Dicarbonsäure bzw. einem terminalen Diol beide Carboxyl- bzw. Hydroxylgruppen endständig sind.
Die erfindungsgemäß optional enthaltenen Polyesterpolyurethane auf Basis teilkristalliner Polyesterpolypole besitzen unterhalb ihrer Erweichungspunkt Ring-Kugel gemessen
gemäß DIN EN 1238:2011 kristalline Phasen, die mittels Differential Scanning Calorimetry (DSC) bei einer Aufheizrate von nicht mehr als 10 Kelvin pro Minute als endothermer Schmelzpeak vor dem Erreichen des Erweichungspunktes nachgewiesen werden können.
In einer besonderen Ausführungsform sind Polyesterpolyurethane auf Basis von beim Schmelzen rekristallisierender, teilkristalliner Polyesterpolyole einformuliert, die erhältlich sind durch Polykondensation einer Reaktionsmischung umfassend ein oder mehrere Dicarbonsäuren sowie ein oder mehrere Diole, wobei a) mindestens 50 Mol.-%, vorzugsweise mindestens 60 Mol.-%, besonders bevorzugt mindestens 70 Mol.-% der Dicarbonsäuren ausgewählt sind aus terminalen Dicarbonsäuren mit einer geraden Anzahl von mindestens 8 Methylen-Gruppen, die sowohl gesättigt, linear als auch aliphatisch sind (im Folgenden „Komponente A“); und b) mindestens 40 Mol.-%, vorzugsweise mindestens 60 Mol.-%, besonders bevorzugt mindestens 70 Mol.-% der Diole ausgewählt sind aus terminalen Diolen, die sowohl gesättigt, linear als auch aliphatisch sind und mindestens eine Etherfunktion aufweisen (im Folgenden „Komponente B“).
Derartige beim Schmelzen rekristallisierende, teilkristalline Polyesterpolyole zeichnen sich dadurch aus, dass während des endothermen Schmelzvorganges vor Erreichen des Erweichungspunktes, d.h. dem Übergang in die flüssige Phase, eine exotherme Rekristallisation auftritt, so dass mittels Differential Scanning Calorimetry (DSC) bei einer Aufheizrate von nicht mehr als 10 Kelvin pro Minute zusätzlich ein exothermer Kristallisationspeak in Überlagerung mit dem endothermen Schmelzpeak vor dem Erreichen des Erweichungspunktes nachgewiesen werden kann. Entsprechende teilkristalline, beim Schmelzen rekristallisierende Polyesterpolyole sind in der WO 2019/011529 A1 im Detail beschrieben. Im Kontext der vorliegenden Erfindung vermitteln die auf Basis dieser teilkristallinen, beim Schmelzen rekristallisierenden Polyesterpolyole hergestellten Polyesterpolyurethane als Bestandteil der erfindungsgemäßen Klebemasse ein verbessertes Abriebsverhalten bei gleichzeitig hoher Temperaturstabilität und Anfangshaftung.
Bevorzugte Vertreter der Dicarbonsäuren gemäß Komponente A sind also 1,10- Decamethylendicarbonsäure, 1,12-Dodecamethylendicarbonsäure, 1,14- T etradecamethylendicarbonsäure und 1 , 16-Hexadecamethylendicarbonsäure.
Zur Verbesserung der Klebrigkeit der Klebemasse kann es von Vorteil sein, wenn auch solche Polyesterpolyurethane zusätzlich enthalten sind, die auf Polyesterpolyolen basieren, die aus der Polykondensation von aromatischen Dicarbonsäuren oder ungesättigten Dicarbonsäuren mit weniger als 9 Kohlenstoffatomen mit aliphatischen Diolen, die vorzugsweise mindestens eine Etherfunktion, jedoch weder ein tertiäres noch ein quartäres Kohlenstoffatom aufweisen, hervorgehen. Hier sind als aromatische Dicarbonsäuren insbesondere die Isophtalsäure, Terephtalsäure, Orthophtalsäure, Furandicarbonsäure, insbesondere 2,5-Furandicarbonsäure, und als ungesättigte Dicarbonsäuren mit weniger als 9 Kohlenstoffatomen die Itakonsäure, Fumarsäure und/oder Maleinsäure zu nennen, die als Polyesterpolyol-Bestandteil der Polyesterpolyurethane zusätzlich in der Klebemasse enthalten sein können.
Als ideal hinsichtlich Rekristallisationsverhalten der optional in der erfindungsgemäßen Klebemasse enthaltenen Polyesterpolyurethane haben sich solche teilkristalline Polyesterpolyole als Ausgangsstoff für die zuvor beschriebenen Polyesterpolyurethanen herausgestellt, die eine Säurezahl vorzugsweise von weniger als 50 mg KOH/g, besonders bevorzugt von weniger als 10 mg KOH/g, insbesondere bevorzugt von weniger als 5 mg KOH/g und ganz besonders bevorzugt von weniger als 2 mg KOH/g jeweils pro Gramm der Reaktionsmischung umfassend die Komponenten A und B aufweisen und erhältlich sind aus einer Reaktionsmischung der Komponenten A und B, wobei die Diole in molarem Überschuss bezogen auf die Dicarbonsäuren enthalten sind, jedoch nicht oberhalb eines molaren Überschusses von 1,2 : 1.
Die Säurezahl ist erfindungsgemäß eine experimentell zu bestimmende Messgröße, die ein Maß für die Anzahl der freien Säuregruppen in der jeweils definierten Bezugsmenge ist, beispielsweise pro Gramm der Reaktionsmischung. Die Säurezahl wird bestimmt, indem eine eingewogene Probe der Bezugsmenge in einem Lösemittelgemisch aus Methanol und destilliertem Wasser im Volumenverhältnis 3 : 1 gelöst und anschließend
mit 0,05 mol/l KOH in Methanol potentiometrisch titriert wird. Die potentiometrische Messung erfolgt mit einer Einstabmesskette (LL-Solvotrode® der Fa. Metrohm; Bezugselektrolyt: 0,4 mol/l Tetraethylammoniumbromid in Ethylenglykol). Die Säurezahl entspricht dabei der hinzugesetzten Menge an KOH pro Gramm der Bezugsmenge im Wendepunkt der potentiometrischen Titrationskurve.
Für die Bereitstellung der optional in der erfindungsgemäßen Klebemasse enthaltenen Polyesterpolyurethane über die Addition von mono- oder polyfunktionellen Isocyanaten an derartige teilkristalline Polyesterpolyole ist es bevorzugt, wenn die Hydroxylzahl der Polyesterpolyole mindestens 30 mg/g KOH, besonders bevorzugt mindestens 60 mg/g KOH, insbesondere bevorzugt mindestens 80 mg/g KOH beträgt, jedoch vorzugsweise eine Hydroxylzahl unterhalb von 200 mg/g KOH, besonders bevorzugt unterhalb von 140 mg/g KOH, insbesondere bevorzugt unterhalb von 120 mg/g KOH jeweils pro Gramm der Reaktionsmischung umfassend die Komponenten A und B aufweist.
Die optional in einer erfindungsgemäßen Klebemasse enthaltenen Polyesterpolyurethane der erfindungsgemäßen Klebemasse sind Additionsprodukte von mono- oder polyfunktionellen Isocyanaten an Polyesterpolyole, wobei das Additionsprodukt endgruppenverschlossen vorliegt und damit keine freien Isocyanat-Gruppen aufweist. Erfindungsgemäß bevorzugt ist es, wenn die Addition derart geführt wird, dass das molare Verhältnis von Isocyanat-Gruppen zu Hydroxyl-Gruppen des Polyesterpolyols größer als 2, vorzugsweise größer als 2,5, jedoch vorzugsweise kleiner als 4, besonders bevorzugt kleiner als 3,5 ist. Der Endgruppenverschluss erfolgt bevorzugt mit einwertigen Alkoholen. Ein Polyesterpolyurethan enthält im Sinne der vorliegenden Erfindung dann keine freien Isocyanat-Gruppen, wenn weniger als 0,1 Gew.-% NCO bezogen auf die Gesamtmenge an Polyesterpolyurethanen enthalten sind. Für die Bestimmung des Anteils freier Isocyanat-Gruppen werden ca. 1 Gramm des Polyesterpolyurethans mit 4 Millilitern einer 0,5 M Dibutylamin-Lösung in Xylol versetzt und anschließend mit 50 Millilitern Xylol vermischt und bis zur vollständigen Homogenisierung bei einer Temperatur von 20°C gerührt. Nach Zugabe von 3 Tropfen Bromphenolblau und 50 Millilitern Isopropanol wird mit 0,5 M Salzsäure bis zum Farbumschlag von blau nach gelb titriert. Die Differenz des Verbrauchs an Salzsäure zur Titration einer Blindwertlösung, also ohne Zugabe des Polyesterpolyurethans, multipliziert mit dem Wert 2,1 und dividiert durch die exakte
Einwaage des Polyesterpolyurethans ergibt den prozentualen Gewichtsanteil an Isocyanat-Gruppen.
Erfindungsgemäß werden die Polyesterpolyurethane vorzugsweise durch Addition von mindestens trifunktionalen, besonders bevorzugt aliphatischen Isocyanaten, die ganz besonders bevorzugt ausgewählt sind aus Trimeren des Hexamethylendiisocyanats und/oder Pentamethylendiisocyanats, an Polyesterpolyole, vorzugsweise an die teilkristallinen Polyesterpolyole, erhalten, wobei in der Additionsreaktion entstandene freie Isocyanat-Gruppen vorzugsweise mit mindestens einem einwertigen Alkohol, besonders bevorzugt mit mindestens einem aliphatischen, insbesondere bevorzugt mit mindestens einem linearen aliphatischen Alkohol abreagiert werden, der jeweils vorzugsweise nicht mehr als 24 Kohlenstoffatome in der Hauptkette, jedoch vorzugsweise mindestens 4 Kohlenstoffatome in der Hauptkette, aufweist.
Der Anteil an Polyesterpolyurethanen bezogen auf den organischen Bestandteil der Klebemasse beträgt in einer bevorzugten erfindungsgemäßen Klebemasse nicht mehr als 50 Gew.-%, besonders bevorzugt nicht mehr als 30 Gew.-%, insbesondere bevorzugt nicht mehr als 20 Gew.-%, ganz besonders bevorzugt nicht mehr als 15 Gew.-%, jedoch vorzugsweise mindestens 2 Gew.-%, besonders bevorzugt mindestens 5 Gew.-%, um das Abriebsverhalten auf Papier und die Temperaturstabilität zu optimieren.
Im Folgenden sind weitere Additive und ihre jeweilige Funktionalität aufgeführt, die der erfindungsgemäßen Klebemasse vorteilhaft hinzugesetzt werden können, um Klebemassen bereitzustellen, die spezifischen Anforderungsprofilen, wie unten weiter ausgeführt, gerecht werden. Ein Vorteil der erfindungsgemäßen Klebemassen besteht demnach auch darin, dass ein Additivieren der im Wesentlichen auf der Mischung von Polyetherpolyurethanen bestehenden Klebemasse gut darstellbar ist.
Zur Erhöhung der Anfangsklebrigkeit eines abgeriebenen Films der Klebemasse kann es beispielsweise vorteilhaft sein, dass bezogen auf die erfindungsgemäße Klebemasse zusätzlich bis zu 5 Gew.-% an Klebrigmachern, die keine Polyetherpolyurethane oder
Polyesterpolyurethane darstellen, enthalten sind. Für eine signifikante Erhöhung der Anfangshaftung ist ein Anteil von zumindest 1 Gew.-% an Klebrigmachern bezogen auf die Klebemasse bevorzugt. Derartige Klebrigmacher sind organische Verbindungen, die vorzugsweise eine Summe aus Hydroxyl- und Säurezahl oberhalb von 100 mg KOH pro Gramm der jeweiligen organischen Verbindung aufweisen. Bevorzugt handelt es sich bei den Klebrigmachern um Harze, wegen ihrer nachhaltigen Verfügbarkeit und weitgehenden umwelthygienische Unbedenklichkeit vorzugsweise natürliche Harze, die chemisch modifiziert sein können. Ein natürliches Harz gemäß DIN 55958 umfasst erfindungsgemäß von Tieren und Pflanzen abgesonderte Ausscheidungen. Dem Fachmann sind derartige Harze bekannt, beispielsweise als Terpentin, Balsam, Gummilack, Kolophonium, Sandarak oder Mastix. Erfindungsgemäß umfasst werden von den natürlichen Harzen auch die modifizierten natürlichen Harze, die beispielsweise durch Hydrierung, intrinsische Additionsreaktionen oder Veresterung aus den natürlichen Harzen erhalten werden. Die natürlichen Harze als Komponente a) der erfindungsgemäßen Klebemasse sind wiederum vorzugsweise ausgewählt aus Harzsäuren und/oder Harzestern, besonders bevorzugt aus Harzsäuren und/oder Harzester auf Basis der Di-, und/oder Triterpene, die vorzugsweise hydriert und/oder als intrinsische Additionsprodukte vorliegen. Der Begriff Harzester beschreibt erfindungsgemäß die über die Carboxyl-Gruppen der Harzsäuren in Kondensationsreaktionen unter Ausbildung von Ester-Gruppen einfach oder mehrfach modifizierten Harzsäuren. Bevorzugte Vertreter der Diterpen-basierten Harzsäuren und/oder Harzester sind demnach die Abietinsäure, Neoabietinsäure, Lävopimarsäure, Pimarsäure, Palustrinsäure, Agathensäure, lllurinsäure und Podocarpinsäure und der Triterpenbasierten Harzsäuren sind die Elemisäure, Sumarresinolsäure und Siaresinolsäure sowie deren ein- oder mehrfachen Ester mit vorzugsweise jeweils nicht mehr als 6 Kohlenstoffatomen im Alkylrest der Estergruppe. Der Einsatz der Klebrigmacher verleiht der Klebemasse nach deren Abrieb als dünner Film auf einer Papieroberfläche eine erhöhte Anfangshaftung, die beispielsweise beim Verkleben gegenüberliegender Seiten einer Papierfaltung dafür Sorge trägt, dass die über den Klebefilm verbundenen Papierflächen auch ohne Ausüben eines Anpressdruckes bis zum Abbinden der Verklebung verbunden bleiben.
Ebenfalls positiv auf die Anfangshaftung der Klebemasse können sich aufgrund ihres weitgehend apolaren Charakters geringe Mengen an Polyolefinwachsen auswirken. Zusätzlich bewirken die Polyolefinwachse eine bessere Langzeitstabilität der Verklebung,
so dass vorzugsweise bis zu 20 Gew.-%, besonders bevorzugt bis zu 10 Gew.-%, jeweils bezogen auf die Klebemasse an Polyolefinwachsen erfindungsgemäß enthalten sein können, wobei für einen signifikanten Effekt ein Anteil von mindestens 1 Gew.-%, insbesondere von mindestens 2 Gew.-%, jeweils bezogen auf die Klebemasse bevorzugt ist. In einer bevorzugten Ausführungsform einer erfindungsgemäßen Klebemasse enthaltend zusätzlich Polyolefinwachse sind selbige ausgewählt aus Copolymerwachsen aus Propylen und Ethylen und/oder mindestens eines verzweigten oder unverzweigten 1- Alkens mit 4 bis 20 Kohlenstoffatomen, und können zur verbesserten Kompatibilität mit der Klebemasse zusätzlich mit Carboxyl-Gruppen modifiziert sein, wobei die Säurezahl vorzugsweise unterhalb von 20 mg KOH pro Gramm des Polyolefinwachses liegt. Ebenso ist vorteilhaft, wenn das additivierte Polyolefinwachs amorph ist und somit keine Kristal I i n itäte n im Bereich von 20 °C bis zum Erweichungspunkt aufweist. Neben der Anfangshaftung erhöhen die Polyolefinwachse zudem die Elastizität der Klebemasse, so dass beispielsweise Klebestifte auf Basis einer entsprechend additivierten erfindungsgemäßen Klebemasse bereitgestellt werden können, die weniger bruchempflindlich sind, was insbesondere bei verpackungsfreien Darreichungs- und Anwendungsformen der erfindungsgemäßen Klebemasse von Vorteil ist.
Für erfindungsgemäße Klebemassen, deren Klebrigkeit bei verpackungsfreier Anwendung der Klebemasse und Abrieb eines Klebefilmes von Hand als zu unangenehm empfunden wird, kann der Zusatz von pyrogenen Kieselsäuren bis zu einer Menge von 15 Gew.-% bezogen auf die Klebemasse geeignet sein unter Bewahrung der übrigen Parameter wie Anfangshaftung, Abreibbarkeit und Abbindeverhalten die Klebrigkeit der formstabilen Darreichungsform zu reduzieren, wobei für eine spürbare Abmilderung der Klebrigkeit vorzugsweise mindestens 1 Gew.-% der pyrogenen Kieselsäure additiviert werden sollten.
Weiterhin kann es zur Verbesserung des Abriebs der Klebemasse auf einem flächigen Substrat vorteilhaft sein, dass die Klebemasse zusätzlich bis zu 5 Gew.-% an Niotensiden enthält, die vorzugsweise einen HLB-Wert im Bereich von 12-18 aufweisen und besonders bevorzugt ausgewählt sind aus mehrfach alkoxylierten C12-C22 Fettalkoholen, ganz besonders bevorzugt aus mehrfach ethoxylierten C12-C22 Fettalkoholen mit vorzugsweise mehr als 20 EO Einheiten. Für einen signifikante Verbesserung des Abriebs
ist ein Anteil von mindestens 0,5 Gew.-% an Niotensiden bezogen auf die Klebemasse bevorzugt.
Die erfindungsgemäße Klebemasse zeichnet sich dadurch aus, dass sie lösemittel- und wasserfrei formuliert werden kann und die stoffschlüssige Verbindung durch das Abbinden der Klebemasse auch keinen physikalischen Lösemittel- oder Wasserverlust erfordert. In einer bevorzugten Ausführungsform enthält die erfindungsgemäße Klebemasse daher weniger als 5 Gew.-%, vorzugsweise weniger als 1 Gew.-% an Wasser bezogen auf die Klebemasse. Der Wasseranteil in der Klebemasse kann nach der Methode von Karl-Fischer im Lösemittel Xylol bestimmt werden. Solche nahezu wasserfreien erfindungsgemäßen Klebemasserezepturen haben den Vorteil, dass nach dem Abrieb eines klebenden Films auf einem dünnen flächigen Substrat eines wasseraufnahmefähigen Materials, bspw. Papier, selbiges nicht aufwellt und seine ebene Form auch nach dem Abbinden beibehält. In einerweiteren bevorzugten Ausführungsform enthält die erfindungsgemäße Klebemasse weniger als 5 Gew.-%, besonders bevorzugt weniger als 1 Gew.-%, jeweils bezogen auf die Klebemasse an organischen Verbindungen mit einem Siedepunkt unterhalb von 100 °C bei 1013 mbar.
Allgemein bevorzugt ist es für die Abriebseigenschaften und die Bruchstabilität der erfindungsgemäßen Klebemasse, wenn der Anteil der organischen Bestandteile mindestens 70 Gew.-%, vorzugsweise mindestens 80 Gew.-% bezogen auf die Klebemasse beträgt.
In einer besonders bevorzugten Ausführungsform enthält die erfindungsgemäße Klebemasse: a) mindestens zu 40 Gew.-%, vorzugsweise mindestens zu 60 Gew.-%, besonders bevorzugt mindestens zu 80 Gew.-% eine Mischung von Polyetherpolyurethanen, die mit zwei verschiedenen einwertigen aliphatischen Alkoholen endgruppenverschlossen sind, wobei die zwei verschiedenen einwertigen aliphatischen Alkohole einerseits ausgewählt sind aus solchen mit mindestens 4, aber nicht mehr als 8 Kohlenstoffatomen und anderseits ausgewählt sind aus solchen mit mindestens 16, aber weniger als 22 Kohlenstoffatomenan;
b) bis zu 50 Gew.-%, vorzugsweise 5 bis 30 Gew.-%, an Polyesterpolyurethanen; c) bis zu 20 Gew.-%, vorzugsweise 1 bis 10 Gew.-%, an Polyolefinwachsen; d) bis zu 5 Gew.-% an Klebrigmachern; und e) bis zu 5 Gew.-% an mehrfach alkoxylierten C12-C22 Fettalkoholen; jeweils bezogen auf den organischen Bestandteil, wobei der Anteil der organischen Bestandteile mindestens 80 Gew.-% bezogen auf die Klebemasse und der Anteil anorganischer Bestandteile ausgewählt aus Pigmenten, Füllstoffen und Salzen 20 Gew.- %, vorzugsweise 15 Gew.-% bezogen auf die Klebemasse nicht überschreitet, und wobei weniger als 5 Gew.-%, vorzugsweise weniger als 1 Gew.-% bezogen auf die Klebemasse an Wasser enthalten ist.
In Zusammenhang mit dieser besonders bevorzugten Ausführungsform gelten die zuvor aufgeführten spezifischen Ausgestaltungen der Komponenten a)-e) und weiterer Additive analog.
Der anorganische Bestandteil entspricht erfindungsgemäß dem Feststoffanteil der Klebemasse der nach Pyrolyse in einem Reaktionsofen unter Zuführung eines C02-freien Sauerstoffstromes bei 900 °C ohne Beimischung von Katalysatoren oder anderen Zuschlagsstoffen verbleibt, wobei solange pyrolysiert wird bis ein Infrarot-Sensor im Auslass des Reaktionsofens ein mit dem C02-freien Trägergas (Blindwert) identisches Signal liefert. Entsprechend ist der organische Bestandteil der Klebemasse die Klebemasse abzüglich der Menge an Wasser bestimmt nach der Methode von Karl- Fischer im Lösemittel Xylol und abzüglich des anorganischen Bestandteils wie zuvor definiert.
Grundsätzlich gilt im Rahmen der vorliegenden Erfindung eine Klebemasse als formstabil, wenn eine zum Zylinder ausgeformte Masse der Zubereitung (10 Gramm) mit einer Grundfläche von 2 cm2 bei Einwirkung einer stetig anwachsenden Kraft senkrecht zur Grundfläche des Zylinders bei 30 °C und 50% relativer Luftfeuchte erst oberhalb eines Druckes von 20 N/cm2 irreversibel deformiert wird. Die Einwirkung der Kraft und die
Bestimmung des Eintritts der Deformation kann mittels eines Kraftmessgerätes verfolgt werden, bspw. mittels dem Texture Analyser TA-XT HiR (Stable Micro Systems Ltd.). Der Begriff der Formstabilität ist dabei eng mit der geforderten Temperaturstabilität erfindungsgemäßer Klebemassen verknüpft; und zwar derart, dass Klebemassen mit einem Erweichungspunkt Ring-Kugel gemessen gemäß DIN EN ISO 4625-1:2006-04 von vorzugsweise mindestens 40 °C, besonders bevorzugt von mindestens 60 °C, jedoch vorzugsweise von weniger als 150 °C, besonders bevorzugt von weniger als 100 °C als soweit temperaturstabil gelten, dass bei 30°C formstabile Klebemassen bereitgestellt werden können. Idealerweise besitzen mindestens 80 Gew.-% der organischen Bestandteile der erfindungsgemäßen Klebemasse einen Erweichungspunkt Ring-Kugel gemessen gemäß DIN EN ISO 4625-1:2006-04 von vorzugsweise mindestens 40 °C, besonders bevorzugt von mindestens 60 °C, um eine möglichst form- und temperaturstabile Klebemasse bereitzustellen.
Die gemäß vorliegender Erfindung bereitgestellte formstabile Klebemasse weist bei 30 °C eine niedrige Klebrigkeit auf und kann leicht auf Substraten abgerieben werden. Der durch Abreiben herbeigeführte Materialübertrag erfolgt derart, dass auf flächigen Substraten ein dünner klebriger Film der Klebemasse resultiert, der nach kurzer Zeit abbindet, so dass Substrate bei ausreichender Adhäsion zur Klebemasse stoffschlüssig miteinander verbunden werden können.
In einem weiteren Aspekt betrifft die vorliegende Erfindung daher ein Verfahren zum Aufbringen eines klebrigen Films auf ein flächenförmiges Substrat, vorzugsweise auf Papier, durch Anpressen einer erfindungsgemäßen formstabilen Klebemasse auf das flächenförmige Substrat und nachfolgender relativer Lageänderung unter Beibehaltung eines Anpressdruckes senkrecht zur Flächennormalen des Substrats. Geeignete Substrate sind vorzugsweise aus pflanzlichen Fasern gewonnen, flächenförmig und flexibel, insbesondere Papier.
Ausführungsbeispiele:
Im Folgenden wird zunächst die Herstellung von Mischungen von Polyetherpolyurethanen dargelegt, die als solche zu erfindungsgemäßen zylindrischen, formstabilen Klebemassen gegossen und hinsichtlich Abriebsverhalten und der Verklebung von Papier charakterisiert wurden.
Es wurden zunächst 150 g Polytetrahydrofuran (PolyTHF 1000, BASF SE) in einen Dreihalskolben eingewogen und ca. 90 Minuten bei 80°C und 30 mbar Vakuum gerührt. Anschließend wurden 173,4 g Isocyanat Trimer Desmodur® N3300 (Covestro AG) hinzugegeben, so dass ein NCO/OH Verhältnis von 3,0 gewährleistet war. Die Reaktionsmischung wurde auf 80-100°C geheizt und für ca. 30-45 Minuten gerührt. Anschließend wurden 53,4 g n-Octanol und 49,7 g n-Hexadecanol (Mischung A) bzw. 30,4 g n-Butanol (Mischung B) und 49,7 g n-Hexadecanol für den Endgruppenverschluss hinzugegeben und für 2h-3h bei 80-120°C gerührt bevor der Ansatz abgefüllt wurde.
Zur chromatographischen Charakterisierung mittels Gelpermeationschromatographie (GPC) wurde eine Probe der Reaktionsmischung mit Tetrahydrofuran gelöst und auf die Säule gegeben und im Folgenden auch mit Tetrahydrofuran eluiert. Die Gelpermeations chromatographie (GPC) mit Rl-Detektor nach Kalibrierung mittels Polystyrol-Standards erfolgte bei einer Säulenofentemperatur von 40 °C und einer Temperatur im Detektor von ebenfalls 40 °C. Aus der Molmassenverteilungskurve wurden die relativen zahlen- und gewichtsmittleren Molmassenmittelwerte ermittelt und daraus die Polydispersität bestimmt. Die Mischung A der Polyetherpolyurethane wies bei einer Polydispersität von 5,2 eine zahlenmittlere Molmasse von ca. 3800 g / mol auf, wohingegen für Mischung B eine Polydispersität von 7,0 und eine zahlenmittlere Molmasse von ca. 4250 g / mol ermittelt wurde.
Die Mischungen A und B der Polyesterpolyurethane wurden bei 110 °C aufgeschmolzen und in zylindrischer Stiftform (Durchmesser 2 cm, Länge 6-8 cm) gegossen und für 24 Stunden bei 20 °C gelagert ehe die Handhabbarkeit der stiftförmigen Klebemassen und die Eigenschaft des abgeriebenen Klebefilms bestimmt wurden.
Der Abrieb bestimmt nach 10° Anschnitt des zylindrischen Stiftes und Abrieb über die Schnittfläche auf Papier mit einem Flächengewicht von 80 g/m2 und einem Anpressdruck von 5 N/cm2 wurde bei Mischung A mit der Wertzahl „4“ und bei Mischung B mit der Wertzahl „3“ bewertet (Skala von 1: schwergängig, Abrieb vergleichbar mit Radiergummi bis 5: wie Pritt® Original-Stift der Henkel AG & Co. KGaA)
Der Papierriss bestimmt nach Verklebung eines Blattes Papier mit 80 g/m2 Flächengewicht, das gemäß Abriebversuch mit einem Klebefilm versehen wurde und anschließend zur Verklebung gefaltet und nach 1 Stunde bei 20°C wieder auseinandergezogen wird, wurde für beide Mischungen mit der Wertzahl „5“ bewertet (1: kein Papierriss, 2: weniger als 30%, 3: weniger als 60%, 4: weniger als 90%, 5: mehr als 90% der Klebefläche zeigt Papierausriss).
Der Erweichungspunkt der Klebemasse bzw. der Mischungen A und B von Polyetherpolyurethanen gemessen mit Ring-Kugel gemäß DIN EN ISO 4625-1:2006-04 betrug 64 °C (Mischung A) und 63 °C (Mischung B). Die Klebemassen waren damit hinreichend temperaturstabil, um verpackungsfrei angeboten werden zu können.