Beschreibung
Lagerschild für eine elektrische rotierende Maschine, Verwen dung dazu und elektrische rotierende Maschine
Die Erfindung betrifft ein Lagerschild für Motoren, insbeson dere elektrische rotierende Maschinen wie Elektromotoren und/oder Generatoren mit verbesserter Steifigkeit.
Ein Lagerschild verbindet das Gehäuse eines Elektromotors mit der Lagerung für den sich drehenden Rotor. Es gibt in der Re gel zwei Lagerschilde an einem Elektromotor, da die Welle an zwei Punkten gelagert wird. Ein erstes Lagerschild eines Elektromotors oder Generators trägt ein Loslager, welches in der Regel keine axialen Kräfte aushält und ein zweites Lager schild trägt das Festlager. Das Festlager nimmt in axialer Richtung wirkende Kräfte auf und das dazugehörige Lagerschild ist entsprechend massiv dimensioniert und konstruiert.
Dieses zweite Lagerschild des Festlagers ist das Bauteil, über welches die große Masse des Motors an das Gehäuse ange bunden ist. Der gesamte Rotorbereich kann in axialer Richtung schwingen, wobei das Lagerschild quasi als Feder fungiert.
Das Lagerschild ist daher so steif wie möglich konstruiert und dimensioniert, um die erste Eigenfrequenz des Motors so hoch wie möglich zu halten. Es wird damit ausgeschlossen, dass die erste Eigenfrequenz des Motors in den Drehzahlbe reich des Motors fällt. Bei gängigen 3000U/min Maschinen bei spielsweise beträgt die Eigenfrequenz-Untergrenze 50 Hz ohne die Einbeziehung etwaiger Sicherheiten.
Ein Lagerschild ist in der Regel flach und steif ausgebildet, mit entsprechenden Bohrungen zur Fixierung. Figur 1 zeigt ein Lagerschild nach dem Stand der Technik. Ein Problem bei einem gängigen Lagerschild, wie in Figur 1 gezeigt, ist, dass die Steifigkeit über die Masse erreicht wird, wobei besonders schwere und dicke Lagerschilde einfach die höhere Biegestei figkeit haben. Ein dickeres Lagerschild hingegen erfordert wieder längere Schrauben. Ab einem bestimmten Punkt ver-
schiebt sich die weichste Stelle des Lagerschildes auf die Einschraubungen. Es gibt daher eine sinnvolle Obergrenze für die Dicke eines Lagerschildes.
Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es daher, eine Gestal tung für ein derartiges Lagerschild anzugeben, die eine höhe re Steifigkeit des Lagerschildes bei gleicher Masse bringt.
Diese Aufgabe wird durch den Gegenstand der vorliegenden Er findung, wie er aus der Beschreibung, den Figuren und den An sprüchen hervorgeht, gelöst.
Dementsprechend ist Gegenstand der vorliegenden Erfindung ein rundes Lagerschild (1) für ein Gehäuse einer rotierenden elektrischen Maschine, eine Vorrichtung zur Aufnahme für ein Lager innen mit einem inneren Befestigungskreis (6) und Mit tel zur Befestigung des Lagerschilds am Gehäuse der elektri schen Maschine außen mit einem äußeren Befestigungskreis (7) aufweisend,
wobei das Lagerschild eine Geometrie aufweist, die geeignet ist, der Deformation der ersten Eigenfrequenz entgegenzuwir ken, weil sie durch Verbiegung des Lagerschilds, insbesondere auch bei gleichbleibender oder sogar reduzierter Masse und/oder Wandstärke des Lagerschilds, die bekannte platte und/oder ebene Form, respektive Seite, des Lagerschilds über windet .
Nach einer vorteilhaften Ausführungsform der Erfindung ist die Geometrie so, dass die Ebenen der Vorrichtung zur Aufnah me des Lagers einerseits und die Ebene der Mittel zur Befes tigung des Lagerschilds am Gehäuse andererseits gegeneinander in Richtung axialer Länge der elektrischen Maschine verscho ben vorliegen.
Allgemeine Erkenntnis der Erfindung ist es, dass eine Geomet rie, die geeignet ist, der Deformation der ersten Eigenfre quenz entgegenzuwirken, eine kegelförmige Lagerschildgeomet rie - wie in Figur 2 gezeigt - ist.
Diese kann bei richtiger und/oder optimierter Ausführung ge genüber den herkömmlichen plattenförmigen Lagerschilden, wie in Figur 1 gezeigt, eine deutlich höhere Biegesteifigkeit bei gleicher oder sogar noch geringerer Masse erzielen. Untersu chungen haben gezeigt, dass bei einer kegelförmigen Lager schildgeometrie die erste Eigenfrequenz in ihrer Verformung gezielt behindert wird, weil diese in einen höheren Frequenz bereich verschoben wird. Dieser Effekt wurde hier erstmals gefunden und ersetzt die in der Konstruktionspraxis übliche Erhöhung der Plattendicke und/oder das Einbringen von last pfadorientierten Verrippungsstrukturen als konstruktive An sätze zur Erhöhung der Steifigkeit.
Nach einer vorteilhaften Ausführungsform ist die Geometrie, die geeignet ist, der Deformation der ersten Eigenfrequenz entgegenzuwirken, eine kegelförmige Geometrie. Beispielsweise wird diese dadurch realisiert, dass die Mittel zur Befesti gung des Lagerschilds am Gehäuse der elektrischen Maschine achsseitig verschoben sind gegenüber der Vorrichtung zur Auf nahme des Lagers. Das Ausmaß der Verschiebung entspricht der Abweichung des Lagerschilds von der platten Geometrie weg hin zur kegelförmigen Geometrie.
Dabei kann die Stabilität des neuartigen Lagerschilds zwar einerseits durch Anbringung einer geeigneten Rippenstruktur an der Unterseite und/oder der den Kegel bildenden Seite des Lagerschilds verstärkt werden, andererseits reicht aber die kegelförmige Verformung bei gleichbleibender und/oder sogar reduzierter Wandstärke des Lagerschilds auch aus, um den sta bilisierenden Effekt zu erzielen. So ergibt sich auch die in Tests nachgewiesene Verbesserung gegenüber herkömmlichen La gerschilden, dass die kegelförmige Lagerschildgeometrie bei richtiger und/oder optimierter Ausführung gegenüber den her kömmlichen Geometrievarianten eine deutlich höhere Biegestei figkeit bei geringerer Masse erzielt.
Nach einer vorteilhaften Ausführungsform der Erfindung ist die Vorrichtung zur Aufnahme des Lagers einfach eine kreis förmige, respektive runde Aussparung im Lagerschild.
Nach einer beispielhaften Ausführungsform der Erfindung sind die Mittel zur Befestigung des Lagerschildes am Gehäuse der elektrischen Maschine Schrauben mit entsprechenden Bohrungen an dem äußeren Rand des Lagerschildes. Beispielsweise wurde eine Assembly für die Simulation hergestellt, wobei die Mit telscheibe mit der beispielhaften schwingenden Masse von 137kg Gewicht angenommen wurde. Es wurde bei der Simulation ebenfalls die spannungsversteifende Wirkung der Schrauben respektive der Mittel zur Befestigung, berücksichtigt.
Diese Mittel des Lagerschilds befinden sich nach dem Stand der Technik, wie in Figur 1 gezeigt, nach dem Einbau in die elektrische Maschine achsseitig auf der gleichen Höhe wie die Vorrichtung zur Aufnahme des Lagers, weil das Lagerschild ge mäß dem Stand der Technik platt ist.
Gemäß der Erfindung wird jedoch eine kegelförmige und nicht eine platte Geometrie des Lagerschilds realisiert und ent sprechend befinden sich nach dem Einbau in die elektrische Maschine die Mittel zur Befestigung des Lagerschilds am Ge häuse der elektrischen Maschine nicht auf der gleichen Höhe achsseitig wie die Vorrichtung zur Aufnahme des Lagers.
Nach einer bevorzugten Ausführungsform bleiben die Mittel zur Befestigung außen am Lagerschild wegen der Beibehaltung oder sogar einer Reduktion der Masse des Lagerschildes unverändert oder werden sogar kleiner respektive leichter.
Durch ein Lagerschild mit einer Geometrie, die geeignet ist, der Deformation der ersten Eigenfrequenz entgegenzuwirken, ist ein überraschend hohes Steifigkeits-Massenverhältnis rea lisierbar, so dass bei vergleichsweise geringer Masse eine hohe Steifigkeit des Lagerschilds resultiert.
Bei der Durchführung einiger Beispielssimulationen verschie dener Lagerschilddesigns konnte in erster grober Annäherung das Verhältnis von Lagerschildmasse zu Lagerschildsteifigkeit bestimmt werden, und es wurde eine über 50% gesteigerte Stei-
figkeit bei reduzierter Masse im Vergleich zu den bekannten Vollmasse- und/oder Rippen-Geometrien für Lagerschilde.
Die hier erstmals offenbarte Geometrie des Lagerschilds lässt sich mit allen denkbaren Materialien für Lagerschilde reali sieren, beispielsweise kann das Lagerschild aus Metall, be liebige Metalllegierungen wie Stahl, Aluminium, Guß sein, an dererseits ist diese Geometrie auch gut geeignet für eine Re alisierung in Leichtbauweise, also mit verstärkten Kunststof fen realisieren.
Nach einer vorteilhaften Ausführungsform der Erfindung liegt das Lagerschild in einer Geometrie, die geeignet ist, der De formation der ersten Eigenfrequenz entgegenzuwirken, vor und hat zusätzlich noch Rippenstrukturen zur Erhöhung der Stei figkeit .
Nach einer vorteilhaften Ausführungsform davon werden die Rippenwinkel und/oder die Dicke des Lagerschilds mittels ei ner rechnergestützten Geometrieoptimierung angepasst.
Nach einer bevorzugten Ausführungsform wird die Lagerschild Geometrie, die geeignet ist, der Deformation der ersten Ei genfrequenz entgegenzuwirken, kombiniert mit faserverstärkten Konstruktionswerkstoffen. Diese Geometrie kann in gängigen Fertigungsverfahren und Materialklassen der faserverstärkten Konstruktionswerkstoffe realisiert werden. Die genannte Geo metrie führt dann zu einem besonders stark verbesserten Stei- figkeits-Masse-Verhältnis des resultierenden Lagerschilds.
Nach einer vorteilhaften Ausführungsform der Erfindung wird die Geometrie eines Lagerschildes, die geeignet ist, der De formation der ersten Eigenfrequenz entgegenzuwirken, dahinge hend optimiert, dass sie geeignet ist, beim Lagerschild die Belastungen im Material von Schubbelastungen zu Zug-Druck- Belastungen zu verschieben. Diese Optimierung erfolgt bevor zugt rechnergestützt.
Die hier besonders geeigneten, dem Fachmann bekannten Kon struktionswerkstoffe erfüllen beispielsweise auch gestellte Anforderungen bezüglich der Schwingungsdämpfungseigenschaf ten .
Als Konstruktionswerkstoffe bieten sich dabei neben kerami schen und metallischen auch insbesondere die polymerbasierten Faserverbundwerkstoffe, auch als Polymercomposites bezeich net, insbesondere an. Diese vereinigen hohe konstruktive Steifigkeit, geringes spezifisches Gewicht und hohe Schwin gungsdämpfung. Die hier einsetzbaren Faserverbundwerkstoffe können eine thermoplastische oder eine duroplastische Poly mermatrix aufweisen. Sie können beliebige Faserverstärkung zeigen, wie sie beispielsweise als so genannte Bulk- und/oder Sheet-Moulding-Compounds , auch - „BMC" respektive „SMC"- ge nannt, auf dem Markt erhältlich sind.
Bevorzugt werden die oben genannten polymeren Materialien mit Faserverstärkung, beispielsweise Glasfaser und/oder Kohlefa serverstärkung, eingesetzt. Insbesondere bevorzugt wird Koh lenstofffaserverstärktes Material eingesetzt.
Zur Herstellung des Lagerschilds können die verschiedensten Materialien, Werkstoffe und/oder Verstärkungsfasern kombi niert vorliegen.
Besonders bevorzugt sind die Werkstoffe aus denen das Lager schild aufgebaut ist, aus untereinander kompatiblen - also ohne materialtechnischen Nachteil kombinierbaren - Materia lien aufgebaut.
Nach einer weiteren vorteilhaften Ausführungsform werden auch Keramiken und/oder Metalle mit Faserverstärkung eingesetzt.
Nach einer weiteren vorteilhaften Ausführungsform wird insbe sondere auch Sheet-Moulding-Compound-Material eingesetzt. Da bei ist besonders bevorzugt, wenn dieses Material in Kombina tion mit der Kohlenstofffaserverstärkung eingesetzt wird.
Im Folgenden wird die Erfindung noch anhand von Figuren, die einfache Ausführungsformen der Erfindung zeigen, näher erläu tert :
Figur 1 zeigt den Stand der Technik
Figur 2 zeigt demgegenüber ein Lagerschild gemäß einem Aus führungsbeispiel der Erfindung mit kegelförmiger Geometrie.
Figur 1 zeigt den Stand der Technik, zu erkennen ist ein La gerschild 1, das eine platte Geometrie, zwei platte Seiten respektive Wandseiten, hat. Gezeigt ist eine schräge An sicht, in der die innen befindliche Vorrichtung 2 zur Aufnah me des Lagers - letzteres nicht dargestellt - die Mittel 3 zur Befestigung des Lagerschilds am Gehäuse der elektrischen Maschine außen und schließlich noch Mittel 4 zur Befestigung des Lagers an der Vorrichtung 2 zur Aufnahme des Lagers.
In Figur 2 sind die gleichen Elemente zu sehen, die Vorrich tung 5 zur Aufnahme des Lagers mit entlang eines inneren Be festigungskreises 6 Mittel zur Befestigung des Lagers vorge sehen sind, die gegenüber dem Stand der Technik verändert vorliegen .
Insbesondere ist die Vorrichtung 5 zur Aufnahme des Lagers nicht auf einer Ebene mit dem äußeren Kreis 7 zur Befestigung am Gehäuse. Hier ist es anders als beim Lagerschild nach dem Stand der Technik, wie in Figur 1 gezeigt, der innere An schraub- und/oder Verbindungs-Kreis 6 liegt nicht auf einer Ebene mit dem äußeren Befestigungskreis 7, an dem die Mittel zur Befestigung des Lagers am Gehäuse angeordnet sind, son dern achsenbezogen versetzt davon. Als „Achse" in „achsenbe zogen" wird dabei die Achse der rotierenden elektrischen Ma schine bezeichnet.
Bevorzugt zeigt ein Lagerschild nach einer Ausführungsform der Erfindung, wie in Figur 2 gezeigt, keine andere Wandstär ke oder Materialdicke als die platte und/oder ebene Form des Lagerschilds nach dem Stand der Technik, wie in Figur 1 ge zeigt. So wird das Lagerschild durch die Kegelform weder
schwerer noch hat es eine höhere Wandstärke als die platten und/oder ebenen Formen der herkömmlichen Lagerschilde, wie in Figur 1 gezeigt.
Es wurden verschiedene Lagerschild-Geometrien aus dem Materi al kohlefaserverstärkten Sheet-Moulding-Composite herge stellt. Die Lagerschilde unterscheiden sich dabei im Hinblick auf die genaue Ausgestaltung der Verrippungen und/oder auf die Dicke des Kegels. Die verschiedenen Geometrien wurden im Hinblick auf die Masse des Lagerschilds, die Masse des Motors und die Eigenfrequenz des Motors optimiert.
Die Verrippungen wurden einseitig am Lagerschild und beidsei tig getestet. In Simulationen wurden vielfältige Arten der Verrippungen getestet. Die Anordnungen der Verrippungen sind vielfältig gestaltet, beispielsweise als sternförmig zum in neren Befestigungskreis laufende Stege. Diese verlaufen be vorzugt geradlinig, können aber beispielsweise noch unterei nander durch Querstege verbunden vorliegen. Dabei können die Querstege wiederum in allen möglichen Winkeln zueinander die längs verlaufenden, vom äußeren zum inneren Befestigungskreis führenden, Rippen verbinden.
Nach einer vorteilhaften Ausführungsform haben die Stege, die die Verrippung bilden, unterschiedliche Form und/oder Masse.
Eine alternative Geometrievariante ist, dass der innere An schraub- und/oder Verbindungs-Kreis 6 aus Figur 2 länger ist als der äußere Verbindungskreis 7 in axialer Richtung, also heraussteht. Aber auch hier wird eine kegelförmige Geometrie realisiert, die die benötigte Steifigkeitserhöhung konstruk tiv bietet.
Hier wird erstmals ein Lagerschild für eine elektrische ro tierende Maschine vorgestellt, dessen Geometrie geeignet ist, der Deformation der ersten Eigenfrequenz entgegenzuwirken. Insbesondere wird eine Lagerschild Geometrie vorgestellt, de ren innerer und äußerer Befestigungskreis axial gegeneinander verschoben sind.