Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Herstellen eines Fahrzeuglenkrads.
Fahrzeuglenkräder sind häufig so aufgebaut, daß ein metallisches Skelett, das
einen Grundkörper für Lenkradkranz, Speichen und Nabe bildet, von einer oder
mehreren geschäumten oder gespritzten Kunststoffschichten umgeben ist. Das
Skelett sorgt dabei für die notwendige Stabilität des Lenkrads, während die
Kunststoffschichten Optik und Haptik des fertigen Lenkrads bestimmen. Sowohl
zur Reduzierung des Gewichts als auch zur Vereinfachung des Herstellungsprozesses
und damit zur Kostenverringerung wird versucht, das Skelett soweit wie
möglich ebenfalls durch Kunststoffkomponenten zu ersetzen. In der
DE 299 01 404 U1 ist z.B. ein Lenkrad beschrieben, dessen Lenkradkranz
vollständig aus einem faserverstärkten Kunststoff gebildet ist. Während bei
diesem Lenkrad eine deutliche Gewichtsreduzierung bei gleichzeitig hervorragender
Stabilität erreicht wird, besteht dennoch ein Problem darin, daß der
Lenkradkranz nachträglich bearbeitet werden muß, um sicherzustellen, daß keine
Verstärkungsfasern über dessen Oberfläche hervorstehen, was den Griffkomfort
nachteilig beeinflussen würde.
Die vorliegende Erfindung schlägt ein Verfahren zur Herstellung eines
Fahrzeuglenkrads vor, bei dem unter Beibehalt des Vorteils des Verwendens einer
stabilen Trägerkomponente die Herstellungskosten gegenüber dem bekannten
Verfahren gesenkt werden können.
Dies wird dadurch erreicht, daß zur Herstellung eines Fahrzeuglenkrads eine
Schäumform mit einem Ober- und einem Unterteil verwendet wird, wobei in das
nicht durch das Oberteil verschlossene Unterteil zwei verschiedene Schaumstoffkomponenten
eingespritzt werden, nämlich eine zentrale Trägerkomponente
sowie eine diese umgebende, weiche Komponente, die Schäumform durch
Verschließen des Unterteils mittels des Oberteils verschlossen und die Schäumform
beheizt wird. Auf diese Weise können in einem Herstellungsschritt sowohl
die tragende Komponente des Lenkrades als auch eine diese umgebende, einen
hohen Griffkomfort bietende Komponente hergestellt werden. Das Einbringen der
verschiedenen Komponenten ist durch die offene Schäumform erleichtert. Das
Aufschäumen, bei dem die Kunststoffschichten des Lenkrads ihre endgültige
Form annehmen, erfolgt erst nach Verschließen der Form durch die zugefügte
Wärme. Indem die zentrale Trägerkomponente von der weichen Komponente
umgeben ist, entfällt die Nachbearbeitung der Oberfläche der Trägerkomponente.
Zudem wird die üblicherweise harte Trägerkomponente durch eine haptisch
angenehmere weiche Komponente abgedeckt.
Vorzugsweise ist die zentrale Trägerkomponente allseitig von der weichen
Komponente umgeben, um einen hohen Griffkomfort an jeder Stelle des
Lenkrades zu gewährleisten.
Die zentrale Trägerkomponente kann ein Hartschaum oder ein faserverstärkter
Schaum sein, wobei bekannte Materialien wie z.B. glasfaser- oder kevlarverstärkte
Schaumstoffe zum Einsatz kommen können, wie sie in der
DE 299 01 404 U1 beschrieben sind.
Vorteilhaft wird zumindest der Lenkradkranz ausschließlich aus der Trägerkomponente
und der weichen Komponente zu bilden. Es ist möglich, auch die
Speichen auf diese Weise herzustellen. Das Lenkradskelett kann so auf ein
Minimum reduziert werden.
In einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung wird eine Düse zum
Einbringen der Komponenten in das Unterteil verwendet, die einen zentralen
Auslaß für die Trägerkomponente und einen den zentralen Auslaß umgebenden
Ringauslaß für die weiche Komponente hat. Bei Verwendung einer derartigen
Düse werden beide Komponenten in ihrer gewünschten Anordnung gleichzeitig in
die Schäumform eingebracht, so daß die Herstellungszeit minimal gehalten
werden kann.
Alternativ kann in das Unterteil zuerst eine Bodenschicht aus weichem
Komponentenmaterial eingebracht werden, anschließend in einem mittleren
Abschnitt der Bodenkomponente die Trägerkomponente aufgebracht werden und
schließlich auf diese erneut das weiche Komponentenmaterial aufgebracht
werden, so daß die Trägerkomponente von der weichen Komponente umgeben ist.
Auch in diesem Fall ist nach Abschluß des Herstellungsverfahrens die
Trägerkomponente vollständig von der weichen Komponente umgeben. Die Düse
zum Einbringen der Komponenten benötigt in diesem Fall keine aufwendige
Gestaltung.
Bei dieser Form des Verfahrens kann die gleiche Düse zum Einbringen der
Trägerkomponente wie zum Einbringen der weichen Komponente vorgesehen
sein, oder es können zwei verschiedene Düsen verwendet werden.
Die Führung der Düse erfolgt vorzugsweise durch einen Roboter. Unter
anderem wird hierdurch erleichtert, das Verfahren an verschiedene Lenkradgeometrien
anzupassen.
Weitere Merkmale und Vorteile der Erfindung gehen aus der nachfolgenden
Beschreibung zweier Ausführungsbeispiele hervor, die anhand der beigefügten
Zeichnungen näher erläutert sind. In den Zeichnungen zeigen:
- Figur 1 eine schematische Draufsicht auf ein Unterteil einer Schäumform
zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens;
- Figur 2a einen Schnitt entlang der Linie A-A aus Figur 1 durch die
Schäumform mit einem Rohling gemäß einer ersten Ausführung des erfindungsgemäßen
Verfahrens;
- Figur 2b eine Düse zur Durchführung des in Figur 2a illustrierten
Verfahrens;
- Figur 3 a einen Schnitt entlang des Linie A-A aus Figur 1 durch die
Schäumform mit einem Rohling gemäß einer zweiten Ausführung des
erfindungsgemäßen Verfahrens;
- Figur 3b eine Düse zur Durchführung des in Figur 3a illustrierten
Verfahrens; und
- Figur 4 schematisch ein Lenkrad.
Das erfindungsgemäße Verfahren zur Herstellung eines Fahrzeuglenkrads 1,
mit einem Lenkradkranz 1a, einer Nabe 1b und Speichen 1c, verwendet eine
zweiteilige Schäumform 10, deren Unterteil 12 in Figur 1 näher gezeigt ist. Das
dazugehörige Oberteil 14 ist schematisch in Figur 2a dargestellt. Die Schäumform
10 bildet eine Negativform eines Lenkrades mit Abschnitten für den
Lenkradkranz, die Nabe und Nabe und Lenkradkranz verbindende Speichen.
In das Unterteil 12 wird eine aus zwei Schaumstoffkomponenten A, B
bestehende Raupe 18 mittels einer von einem nicht dargestellten Roboter
geführten Düse 16 eingebracht. Wenn nur der Lenkradkranz aus dem
geschäumten Werkstoff bestehen soll, wird die Raupe 18 als geschlossener Ring
in den Lenkradkranzabschnitt der Schäumform gelegt. Ein Metallskelett würde
dann in die Ausnehmung für die Speichen und die Nabe eingelegt und durch eine
weiche Schaumstoffkomponente B umschäumt werden. Soll jedoch auch die
Speiche und zumindest ein Teil der Nabe aus dem geschäumten Material
bestehen, wird die Raupe 18 auch in die Ausnehmung in der Schäumform 10
gelegt, die den Speichenabschnitt und gegebenenfalls auch den Nabenabschnitt
bildet. Das Unterteil 12 ist beim Einbringen der Raupe 18 noch nicht durch das
Oberteil 14 verschlossen. Nach dem Befüllen wird die Raupe 18 in der
Schäumform 10 eingeschlossen, indem die Schäumform 10 mit dem Oberteil 14
verschlossen wird (Figur 2a). Anschließend wird die Raupe 18 durch Beheizen
der Schäumform 10 erhitzt. In diesem Schritt dehnen sich die Komponenten A, B
aus und füllen das Innere der Schäumform 10 aus, so daß das Lenkrad seine
endgültige Gestalt erhält. Nach dem Aushärten der Schaumstoffkomponenten A,
B wird die Schäumform 10 geöffnet und das Lenkrad entnommen.
Bevorzugt ist die Komponente A ein Hartschaum oder ein faserverstärkter
Schaum, der z.B. gleichmäßig im Schaum verteilte Glasfasern oder Kevlarfasern
enthält. Nach dem Aushärten bildet die Komponente A, die sogenannte
Trägerkomponente, den Kern des Lenkrads und ersetzt ein herkömmliches
Metallskelett teilweise oder vollständig. Die Komponente B hingegen besteht
bevorzugt aus einem weichen Schaumstoff. Diese im weiteren auch als weiche
Komponente B bezeichnete Schicht bestimmt die Haptik des Lenkrads. Hier
kommen bevorzugt Materialien zum Einsatz, die gewöhnlich zum Umschäumen
von Lenkrädern eingesetzt werden und die keine weitere Nachbearbeitung
erfordern. Selbstverständlich kann das Lenkrad nach dem Schäumprozeß aber
auch einer weiteren herkömmlichen Veredelung der Oberfläche unterzogen
werden. Ebenso ist das Verfahren nicht auf die Verwendung von nur zwei
Schaumstoffkomponenten beschränkt. Wird ein Skelett verwendet, z.B. zur
Gestaltung der Nabe 1b, wird dieses bevorzugt vor oder während des Einfüllens
der Schaumstoffkomponenten A, B in das Unterteil 12 eingebracht, so daß das
Skelett beim Aufschäumen in die entstehenden Schaumstoffschichten eingebettet
wird.
In einer ersten Ausführung des erfindungsgemäßen Verfahrens werden beide
Komponenten A, B gleichzeitig in das Unterteil 12 eingebracht. Dazu wird eine
Düse 16' verwendet (Fign. 2a, 2b), die einen zentralen Auslaß 20 für die
Komponente A und einen den zentralen Auslaß 20 umgebenden Ringauslaß 22 für
die Komponente B aufweist. Im Schaumstoffrohling 18 ist die Komponente A
vollständig von der Komponente B umgeben.
In den Figuren 3a und 3b ist eine zweite Variante des erfindungsgemäßen
Verfahrens dargestellt. In diesem Fall werden die beiden Komponenten A, B
schichtweise nacheinander in das Unterteil 12 eingebracht. Zu diesem Zweck
kann, wie in Figur 3b dargestellt, eine Düse 16" verwendet werden, bei der die
beiden Komponenten A, B nebeneinander herangeführt werden, es kann aber auch
eine einfache Düse 16, wie in Figur 1 gezeigt, eingesetzt werden, bei der alle
Komponenten durch die gleiche Düse fließen.
Zunächst wird eine Schicht aus der weichen Komponente B auf den Boden des
Unterteils 12 aufgetragen. In einem nächsten Schritt wird eine aus der
Komponente A bestehende Schicht so auf die bereits in der Schäumform
befindliche Schicht aus Komponente B aufgebracht, daß diese Schicht an den
Rändern nicht vollständig bedeckt ist. Zuletzt wird wieder eine Schicht der
Komponente B aufgebracht, die so in das Unterteil 12 eingefüllt wird, daß die
Komponente A allseits von der weichen Komponente B umschlossen ist.
Anschließend wird, wie oben beschrieben, ein Oberteil 14 auf das Unterteil 12
aufgesetzt und die Schäumform 10 beheizt.
In jedem Fall werden sämtliche Schaumstoffkomponenten des Lenkrads in die
Schäumform 10 eingebracht, bevor diese verschlossen wird und der eigentliche
Schäumprozeß stattfindet.