Die Erfindung betrifft ein Verfahren, das sich eignet,
auf Metalloberflächen, insbesondere Chromoberflächen,
insbesondere von Sanitär- und Küchenarmaturen,
eine dauerhaft haftende, stabile, Schmutz und
Wasser abweisende Beschichtung aufzubringen, sowie
die solchermaßen beschichteten Bauteile.
Wasserarmaturen im Sanitärbereich sind allgemein täglich
im häufigen Gebrauch und befinden sich stets im
unmittelbaren Blickfeld des Benutzers. Aus diesen
beiden Gründen müssen sie regelmäßig gereinigt werden,
da Verschmutzungen der Oberfläche wie Kalkränder,
Reste von Schmutz, Creme, Seifen, Zahnpasta,
etc., sowie Fingerabdrücke den optischen Eindruck
stören. Neben dem erheblichen Arbeitsaufwand geht die
regelmäßige Reinigung einher mit der Verwendung umweltbelastender
Reinigungsmittel und mechanischer Belastung
der Armaturoberflächen beim Einsatz abrasiver
Reiniger. Der optisch einwandfreie Eindruck einer
frisch gereinigten Armatur geht meist bei der ersten
anschließenden Benutzung wieder verloren.
Moderne dekorative Oberflächen (wie z.B. auch im Sanitärbereich)
zeichnen sich dadurch aus, daß sie neben
den dekorativen Ansprüchen multifunktionelle
Schichteigenschaften aufweisen. Zu diesen funktionellen
Schichteigenschaften zählt beispielsweise das
antiadhäsive Verhalten von Oberflächen. Solche Oberflächen
besitzen einen großen Widerstand gegenüber
weiterer Bedeckung beispielsweise mit Schmutzpartikeln
oder Lacken. Aufgrund des antiadhäsiven Verhaltens
dieser Oberflächen besitzen diese Schichten außerdem
eine geringe Empfindlichkeit gegenüber Fingerabdrücken,
die während der Produktion, der Montage
oder im täglichen Gebrauch von Sanitärarmaturen auftreten
können. Da antiadhäsive Oberflächen hydrophobes
Verhalten aufweisen, besitzen diese Schichten in
der Regel einen höheren Korrosionswiderstand.
Antiadhäsive, schmutzabweisende Eigenschaften lassen
sich beispielsweise durch die Beschichtung einer galvanisch
verchromten Oberfläche (z.B. einer Badarmatur)
mit einer antiadhäsiven Beschichtung (z. B. einer
Sol-Gel-Beschichtung) erzielen. Die Güte dieser
Schichtsysteme ist neben den Schichteigenschaften im
wesentlichen von der Haftung der Schicht auf der
Chromoberfläche abhängig. Da die Chromoberfläche produktionsbedingt
in sehr unterschiedlichem bzw. nicht
definiertem Zustand vorliegt, ist derzeit kein Verfahren
bekannt, das geeignet ist, ein Sol-Gel-System
haftfest auf eine Chromoberfläche auftragen zu können.
Der Schichtaufbau einer galvanisch abgeschiedenen
Chromschicht besteht aus einer Kupfergrundschicht,
einer Nickelzwischenschicht und einer Chromdeckschicht.
Diese Schichten werden nacheinander galvanisch
aufgetragen. Ergänzt wird diese Produktionskette
durch zahlreiche Aktivierungs- und Spülbehandlungen
zwischen den einzelnen Beschichtungsschritten.
Der durch die Beschichtung erhaltene Oberflächenzustand
ist demnach eine Funktion, die sich sowohl aus
den physikalischen und chemischen Eigenschaften des
Schichtmaterials, als auch aus der Art der verwendeten
Beschichtungschemikalien ergibt.
Wird eine frisch abgeschiedene Chromoberfläche üblichen
Atmosphären ausgesetzt, so bildet sich auf der
Oberfläche der Chromschicht eine geschlossene, passivierende
Chromoxidschicht von mehreren Atomlagen aus.
Diese Oxidschicht verhindert die weitere Oxidation
des darunter liegenden Chroms und ist eine der Ursachen
für ein schlechteres Benetzungsverhalten gegenüber
stark polaren Flüssigkeiten, so daß sich bei
weiterer Beschichtung einer Chromoberfläche üblicherweise
Probleme bezüglich Benetzung und Haftfestigkeit
ergeben. So zeigt Wasser auf einer glatten, galvanisch
abgeschiedene Chromschicht einen Benetzungsrandwinkel
von 90°, ein typischer Wert für hydrophobe
Oberflächen, die keine Benetzung durch Medien mit polaren
Gruppen erlauben.
Bei der Herstellung von Oberflächen mit schmutzabweisender
Wirkung werden derzeit vor allem zwei Konzepte
verfolgt:
Erstens die Aufbringung einer OberflächenBeschichtung,
deren äußerste Oberfläche eine möglichst
geringe Oberflächenspannung und damit eine minimale
Neigung zum Anhaften von Verschmutzungen aufweist.
Zweitens die Strukturierung der Oberfläche mit Erhebungen
und Vertiefungen im Nanometer- und Mikrometerbereich,
die zu leichtem Abperlen von Wasser führt,
wodurch sich eventuelle Verunreinigungen mittels Wasser
entfernen lassen ("Lotuseffekt").
Das letztgenannte Konzept erlaubt aber aufgrund der
Struktur keine glatten, glänzenden Oberflächen, wie
sie bei Metallarmaturen seit Jahrzehnten verbreitet
sind und vom Kunden erwartet werden. Die beschriebenen
Mikrostrukturen sind außerdem mechanisch nicht
sehr stabil, wodurch mit einem allmählichen Nachlassen
des schmutzabweisenden Effektes zu rechnen ist.
Aus diesen Gründen wurde bei der vorliegenden Erfindung
das erstgenannte Konzept verfolgt.
Als Beschichtungsstoffe kommen hierbei einerseits
konventionelle organische Lacke mit Oberflächenspannungs-vermindernden
Additiven wie Silikonen in Frage,
andererseits fluororganisch funktionalisierte Sol-Gel-Beschichtungen
und ferner perfluorierte Polymere
wie Poly(tetrafluorethylen).
Die erstgenannten Beschichtungsstoffe müssen im allgemeinen
mit relativ hoher Schichtdicke (30 bis mehrere
100 µm) aufgetragen werden, sind chemisch und
mechanisch meist von begrenzter Stabilität und weisen
im allgemeinen keine extrem niedrige Oberflächenspannung
auf, so daß gegenüber Chrom keine entscheidende
Verminderung der Schmutzempfindlichkeit erzielt wird.
Die erwähnten Perfluorpolymere müssen ebenso mit hoher
Schichtdicke (meist über 100 µm) aufgetragen werden.
Den Vorteilen der hohen chemischen Beständigkeit
und der ausgeprägten antiadhäsiven Wirkung stehen
ferner die Nachteile gegenüber, daß die Bildung einer
geschlossenen Schicht nach dem Auftrag der Polymerdispersion
erst bei sehr hohen Temperaturen (ca.
300 °C und höher) erfolgt, daß die mechanische Härte
der Schichten gering ist und daß meist keine transparenten,
sondern trübe Schichten erhalten werden.
Ein Verfahren zur Herstellung mechanisch beständiger
und stark antiadhäsiver Oberflächen, das in der Patentliteratur
mehrfach beschrieben ist (z. B. in WO
9842886, US 5753313, CN 1077144), liegt in Zweischichtsystemen,
bestehend aus einer thermisch gespritzten
(oder Elektrobogen-gespritzten) Keramikoder
Metallschicht und einer anschließend aufgebrachten
Schicht aus Silikonharz oder besser Fluorpolymer,
die sowohl die Oberfläche der gespritzten Schicht bedeckt
als auch deren Vertiefungen und Poren ausfüllt.
Dieses Verfahren ist aber insgesamt aufwendig, da es
zwei aufwendige Beschichtungsschritte mit völlig unterschiedlicher
Technologie beinhaltet und durch die
Wärme des Spritzmaterials und die hohe Verarbeitungstemperatur
der Polymerharze temperaturstabilen Substraten
vorbehalten ist. Ferner entstehen auch hier
strukturierte, nichttransparente Oberflächen.
Als Unterschicht zwischen Substrat und Fluorpolymer
kommen ferner im Sol-Gel-Verfahren hergestellte Polysiloxane
zum Einsatz (JP 06145946). Dadurch wird zwar
die Temperaturbelastung beim Aufbringen der Unterschicht
geringer, die mechanische Empfindlichkeit des
darüberliegenden Polymerharzes wird dadurch aber
nicht verbessert und die Haftung der Sol-Gel-Schicht
(und damit des gesamten Schichtverbundes) auf Substraten
wie Chrom ist ungenügend.
Alternativ dazu kann eine Perfluorpolymer-Phase auch
in Form eines IPN (interpenetrating network, also gegenseitig
durchdringendes Netzwerk) oder eines Nanocomposites
mit einem anderen Polymer, z.B. (wie in
WO 9701599 offengelegt) einem Polysiloxan, aufgebracht
werden. Solche Materialien lassen zwar aufgrund
geringer Oberflächenspannung eine gute Bedekkung
des Untergrundes erwarten, das Problem der Haftung
auf einer glatten Oberfläche, z.B. von Chrom,
ist damit aber ebenfalls noch nicht gelöst.
Sol-Gel-Beschichtungen besitzen den Vorteil, schon
bei deutlich geringeren Schichtdicken (1-10 µm) stabile,
transparente Schichten zu bilden. Dadurch wird
wenig Beschichtungsmaterial verbraucht und die äußere
Erscheinung des beschichteten Werkstückes so wenig
wie möglich beeinträchtigt. Die Vernetzung von solchen
Schichten erfolgt bereits bei Temperaturen zwischen
100 °C und 150 °C, wodurch der Energieaufwand
geringer ist und thermisch empfindliche Substrate
(z.B. galvanisch verchromte Kunststoffe) ebenfalls
unbeschadet beschichtet werden können. Aufgrund ihres
hohen Vernetzungsgrades besitzen diese Schichten eine
mechanische Stabilität, die derjenigen von organischen
Materialien überlegen ist. Der hohe anorganische
Anteil solcher Verbindungen führt außerdem zu
einer hohen Stabilität gegen chemischen Angriff und
hohe Temperaturen. Der stabile Einbau perfluororganischer
Gruppen in die Oberfläche einer solchen Beschichtung
führt zu Oberflächenspannungen, die noch
geringer sind als diejenigen gängiger perfluorierter
Polymere (ca. 18 mN/m), obwohl der Massenanteil der
Perfluorchemikalien an der Gesamtmischung sehr viel
geringer ist.
Solche Systeme von fluororganisch funktionalisierten
Nanopartikel-Sol-Beschichtungen sind aus zahlreichen
Patenten, wie DE 2446279, JP 06145600, WO 92/21729,
DE 19917367, DE 10004132, bekannt.
Infolge des beschriebenen Eigenschaftsprofils erscheinen
solche Sol-Gel-Beschichtungen prädestiniert
zur Erzeugung von Schmutz und Wasser abweisenden
Schichten auf Sanitärarmaturen, insbesondere verchromten
Sanitärarmaturen, da durch sie eine starke
Antihaftwirkung erzielt werden kann, ohne daß dabei
die vorteilhaften Eigenschaften der Metalloberflächen
verloren gehen. Das bisher ungelöste Problem bei diese
Aufgabe lag aber in der zu geringen Oberflächenspannung
galvanisch erzeugter Chromoberflächen, die
zu schlechter Benetzung und zu schwacher Haftung
führt.
Hiervon ausgehend war es Aufgabe der vorliegenden Erfindung,
ein Verfahren zur Beschichtung von passivierten
metallischen Oberflächen von Bauteilen bereitzustellen,
wobei die Haftfestigkeit der Beschichtung
im Vordergrund steht. Eine weitere Aufgabe der
vorliegenden Erfindung war die Bereitstellung derart
beschichteter Bauteile.
Diese Aufgabe wird durch das erfindungsgemäße Verfahren
mit den Merkmalen des Anspruches 1 sowie durch
das erfindungsgemäße Bauteil mit den Merkmalen des
Anspruches 9 gelöst. Die weiteren Unteransprüche zeigen
vorteilhafte Weiterbildungen der Erfindung auf.
In den Ansprüchen 15 und 16 wird die Verwendung des
erfindungsgemäßen Verfahrens beschrieben.
Erfindungsgemäß wird ein Verfahren zur Beschichtung
passivierter metallischer Oberflächen von Bauteilen
bereitgestellt, das auf den folgenden Schritten beruht:
I) Chemische Aktivierung der passivierten Oberfläche
mittels einer tensidhaltigen Lösung und/oder Ib) chemische Aktivierung der passivierten Oberfläche
durch Reduktion mit einem Reduktionsmittel
oder Gleichspannung und/oder Ic) physikalische Aktivierung der passivierten Oberfläche
mittels Sputter-Verfahren sowie II) Beschichtung der aktivierten Oberfläche mit mindestens
einem Sol und Bildung eines Gels.
Die alternativen Aktivierungsschritte Ia), Ib) und
Ic), mit denen die metallische Oberfläche modifiziert
wird, sind nötig, um das Benetzungsverhalten der
Oberfläche zu verbessern und eine haftfeste Beschichtung
mit Sol-Gel-Systemen zu ermöglichen. Die Modifikation
der metallischen Oberfläche führt zu einem definierten
Oberflächenzustand, der sich dadurch auszeichnet,
daß die Oberfläche eine höhere Oberflächenenergie
besitzt und dadurch eine bessere Adhäsion
der Sol-Gel-Systeme auf der Oberfläche ermöglicht.
Eine Möglichkeit der Aktivierung stellt die chemische
Behandlung der metallischen Oberfläche dar. Hierzu
wird eine Behandlung mit einer wäßrigen Tensidlösung
durchgeführt, wodurch es zu einer Änderung des Energiezustandes
der metallischen Oberfläche kommt.
Da bei der Passivierung der Metalloberflächen die
Bildung von chemisch stabilen Oxiden eine wesentliche
Rolle spielt, sind alternativ auch Redox-Prozesse,
insbesondere Reduktions-Reaktionen, dazu geeignet,
die Passivierung der Oberfläche zumindest temporär
aufzuheben oder zu vermindern. Eine solche Reduktion
kann direkt durch Anlegen von negativem Potential an
das metallische Werkstück erfolgen, oder alternativ
dadurch, daß man das metallische Werkstück in wäßriger
Lösung mit einem unedleren Metall (wie z.B. Zink,
Magnesium, ggf. Aluminium) in Kontakt bringt, wodurch
sich ein Lokalelement mit negativem Potential auf dem
zu beschichtenden Werkstück bildet, das zu schneller
Reduktion von dessen Oberfläche führt.
Eine andere Variante beruht auf einer physikalischen
Aktivierung der Oberfläche. Hierzu wird die metallische
Oberfläche in einer Vakuumkammer evakuiert und
einer Plasma-Behandlung unterzogen. Die Bauteile werden
dabei in einer Vakuumkammer evakuiert und auf eine
substratabhängige Temperatur erwärmt, wobei die
Erwärmung der Bauteile üblicherweise in einer inerten
Atmosphäre erfolgt. Beim Erreichen einer bestimmten
Temperatur wird eine Glimmentladung gezündet, die
durch das Anlegen einer Gleichspannung zwischen Bauteil
und Rezipientenwand hervorgerufen wird, so daß
ionisierte Gasspezies in Richtung Bauteil beschleunigt
werden und auf die Oberfläche der Bauteile stoßen.
Die Aktivierung der Oberfläche ergibt sich dann
aus den Stoßkaskaden, die die auftreffenden Gaspartikel
auslösen und dabei auf der Oberfläche haftende
Oxide und Verunreinigungen abtragen (Sputtern).
Unter passivierter Oberfläche kann in diesem Zusammenhang
auch eine Oberfläche verstanden werden, die
nur teilweise passiviert ist, und auch eine zumindest
teilweise aktivierte Oberfläche.
Im folgenden Schritt wird dann auf die derart aktivierte
und modifizierte metallische Oberfläche ein
schmutz- und wasserabweisendes Sol-Gel-Schichtsystem
aufgetragen, das eine gute Haftfestigkeit aufweist.
Im Gegensatz zu den aus dem Stand der Technik beschriebenen
metallischen Oberflächen verhindert oder
minimiert die geringe Oberflächenspannung der mit
Sol-Gel-System beschichteten metallischen Oberflächen
gemäß der vorliegenden Erfindung das Anhaften der unterschiedlichsten
Verschmutzungen. Wenn sich dennoch
Rückstände auf der Oberfläche halten, so können diese
im allgemeinen einfach durch Abspülen mit Wasser entfernt
werden. Hieraus resultiert eine entscheidende
Verminderung des Arbeitsaufwandes bei der Reinigung,
sowie Einsparung bzw. der völlige Verzicht auf umweltbelastende
Reinigungsmittel. Durch den stark verminderten
mechanischen Reinigungsaufwand wird die Armaturoberfläche
geschont und der optisch einwandfreie
Zustand bleibt länger erhalten.
Ein weiterer entscheidender Vorteil liegt in der verbesserten
Hygiene, da das Anhaften von Mikroorganismen
erschwert wird und sich diese unter Abwesenheit
von Wasser auf der betreffenden Oberfläche nicht entwickeln
können. Von zentraler Bedeutung ist der
letztgenannte Vorteil bei Armaturen, die im medizinischen
Bereich, z.B. in Kliniken, zum Einsatz kommen.
Ein weiterer Vorteil der Erfindung liegt in der Korrosionsschutz-Wirkung
der Beschichtung bzw. des
Schichtsystems infolge ihrer hohen chemischen Beständigkeit
und ihres hohen elektrischen Widerstandes. Im
folgenden werden die Begriffe Beschichtung und
Schichtsystem als Synonyme verwendet. Die Bildung von
Lokalelementen mit anderen Metallen wird dadurch
ebenso wirkungsvoll vermieden wie der chemische Angriff
durch korrodierende Gase wie Sauerstoff und
SO2, die gar nicht zur eigentlichen Metalloberfläche
vordringen können. Im Falle einer mechanischen Verletzung
der Schicht bis auf die Unterlage kommt es
höchstens zur Korrosion an der Schadstelle, nicht
aber zur Unterwanderung der umliegenden Schicht, da
die Beschichtung mit der Metalloberfläche stabil verbunden
ist.
Im Falle der Beschichtung feinstrukturierter Metalloberflächen
(z.B. mikrostrukturiertes Chrom oder geschliffener
Stahl), wie sie im Sanitärbereich seit
Jahren verbreitet sind, zeigt die Erfindung einen
weiteren positiven Effekt. Verunreinigungen wie Handschweiß
setzen sich bevorzugt in die Vertiefung solcher
Oberflächen und bleiben durch das an dieser
Stelle veränderte Reflektionsverhalten deutlich
sichtbar ("Fingerprint"-Effekt). Solche Fingerabdrükke
lassen sich fast nicht mechanisch, sondern nur
durch den Einsatz von Reinigungsmittel entfernen.
Durch die vorliegende Erfindung wird das Anhaften von
Handschweiß in den Vertiefungen der Oberfläche deutlich
erschwert und dadurch der störende Fingerprint-Effekt
entscheidend vermindert oder ganz unterdrückt.
Ein besonderer Vorteil der vorliegenden Erfindung besteht
darin, daß sich geschlossene antiadhäsive
Schichten mit sehr geringer Schichtdicke (1 µm und
darunter) aufbringen lassen, so daß die Struktur solcher
fein strukturierter Oberflächen - und damit deren
Optik und Haptik - nicht wesentlich verändert
wird.
Liegt die Größenordnung einer Strukturierung, die zu
dekorativen Zwecken auf die Metalloberfläche aufgebracht
wird (wie z. B. bei mikrostrukturiertem Chrom
oder geschliffenem Stahl), im Größenordnungsbereich
von Mikrostrukturen, so erfolgt dies ausschließlich
aus dekorativen Zwecken und nicht zur Erzielung eines
Selbstreinigungseffektes. In der vorliegenden Erfindung
wird die schmutzabweisende Wirkung durch chemische
Funktionalisierung erzeugt, die Nutzung des Lotus-Effektes
zur Erzielung eines Selbstreinigungseffektes
ist ausdrücklich nicht Gegenstand dieser Erfindung.
Bevorzugt wird das erfindungsgemäße Verfahren derart
durchgeführt, daß durch die Aktivierung der Schritte
Ia) und/oder Ib) und/oder Ic, die Oberflächenenergie
der metallischen Oberfläche auf Werte > 40 mN/m und
besonders bevorzugt > 50 mN/m gesteigert wird. Auf
diese Weise wird die fehlstellenfreie und dauerhaft
haftende Beschichtung der metallischen Oberfläche ermöglicht.
In einer bevorzugten Variante der chemischen Aktivierung
wird an das galvanisch beschichtete Bauteil eine
Gleichspannung angelegt, wodurch beim Einsatz geeigneter
Tensid-Lösungen der Energiezustand der Chromoberfläche
so verändert wird, daß die Haftfestigkeit
von Sol-Gel-Schichten auf dieser Oberfläche stark
verbessert wird. Gleichzeitig wird durch das angelegte
Potential ermöglicht den Oxidationszustand von
oxidierten metallischen Oberflächen so zu verändern,
daß die Hydrophilie der Oberfläche gesteigert werden
kann.
Die physikalische Aktivierung, d.h. das Sputter-Verfahren
wird bevorzugt in einer Wasserstoff-Stickstoff-Argon-Atmosphäre
durchgeführt.
Die sich an die Aktivierung anschließende Beschichtung
der Oberfläche erfolgt bevorzugt ausgehend von
hydrolysierbaren Silanen, die in einem Lösungsmittel
vorgelegt und mit Wasser und einem Katalysator hydrolysiert
werden. Die entstehenden Silanol-Gruppen kondensieren
anschließend untereinander unter Ausbildung
von Siloxan-Bindungen, wodurch sich dispers gelöste
Polysiloxan-Partikel bilden. Durch Einsatz verschiedener
funktioneller Silane lassen sich die entstehenden
Polysiloxan-Partikel praktisch beliebig funktionalisieren.
Alkyl- und arylgruppenfunktionalisierte
Silane eignen sich zur Herstellung hydrophober Partikel
und damit hydrophober Schichten, während mit reaktiven
Gruppen funktionaliserte Silane einerseits
eine optimale Haftung der Schicht auf dem Substrat
und andererseits eine Verneztung der Partikel untereinander
mittels der reaktiven Gruppen ermöglichen.
Der Einsatz von kondensierbaren Verbindungen anderer
Elemente als Silizium, die ebenfalls Oxidnetzwerke
ausbilden (wie z.B. B, Al, Ti, Zr, P, Ge, Sn, usw.),
ermöglicht weitere Möglichkeiten zur Modifikation der
Sol-Partikel und der daraus resultierenden Schichten.
Der Einbau nanoskaliger Oxidpartikel (z.B. SiO2,
Al2O3, usw.) in Sol-Gel-Systeme führt zu sogenannten
Nanokompositen, die eine noch höhere mechanische Beständigkeit
als reine Polysiloxan-Schichten besitzen.
In einer bevorzugten Variante wird das Schichtsystem
aus mindestens einem vernetzbare fluororganisch funktionalisierte
Verbindungen enthaltenden Sol gebildet.
Diese führen zu einem stark antiadhäsiven Oberflächeneffekt
der resultierenden Schichten, der aus der
minimalen Oberflächenenergie von Perfluororganyl-Gruppen
und aus deren Anreicherung an der Schichtoberfläche
während des Beschichtungsvorgangs resultiert.
In einer bevorzugten Ausführungsform des Verfahrens
wird das mindestens eine Sol bei Temperaturen zwischen
50 und 250°C und besonders bevorzugt zwischen
100 und 200°C vernetzt.
Als für die Beschichtung in Frage kommende metallische
Oberflächen werden bevorzugt glattes oder strukturiertes
Chrom, VA (Edelstahl), Nickel und/oder Aluminium-Oberflächen
verwendet.
Erfindungsgemäß wird auch ein Bauteil mit einer
Schmutz und/oder Wasser abweisenden Sol-Gel-Beschichtung
auf der metallischen Oberfläche bereit
gestellt, die nach dem erfindungsgemäßen Verfahren
hergestellt wurde. Dabei weist die Beschichtung auf
der betreffenden Oberfläche eine Gitterschnitthaftung
von Gt0 auf.
Es ist bevorzugt, daß die Beschichtung des Bauteiles
transparent und rißfrei ist. Nur anhand der erfindungsgemäßen
Vorbehandlung der Oberfläche ist es möglich,
daß die Haftfestigkeit der Beschichtung gesichert
werden kann.
In einer bevorzugten Ausführungsform weist die Oberfläche
des Bauteils einen Benetzungsrandwinkel von
Wasser von > 100° und besonders bevorzugt >105° auf.
Verwendung findet das Verfahren zur Beschichtung vor
allem im Bereich der Sanitär- und Küchenarmaturen.
Armaturen in diesen Bereichen weisen meist Metalloberflächen
auf, die in hohem Maße Verunreinigungen
durch schwer entfernbaren Medien, wie z.B. Öldampf,
Fettspritzer, Salzwasser, Eigelb, ausgesetzt sind.
Ebenso findet das Verfahren Verwendung für weitere
Haushaltsgeräte mit metallischen Oberflächen. Hier
ist vor allem an gewerbliche Bereiche zu denken, wie
z.B. Gaststätten, Hotels, Kliniken, öffentliche Toiletten.
Hier ist es bislang nötig, daß eine tägliche
oder noch häufigere Reinigung der Armaturen durchgeführt
wird. Mit der erfindungsgemäßen Lösung kann nun
der Zeitaufwand bei der Reinigung deutlich verringert
werden, wodurch im Laufe mehrjähriger Nutzung eine
erhebliche Kostensenkung resultiert, die mit den Kosten
für die Beschichtung nicht aufzuwiegen ist.
Anhand der folgenden Beispiele soll das erfindungsgemäße
Verfahren näher beschrieben werden, ohne dieses
auf die einzelnen Beispiele einzuschränken.
Beispiel 1:
In einem Erlenmeyer-Kolben werden 150 ml 2-Propanol,
50 ml 1-Methoxy-2-propanol, 25 ml Tetraethoxysilan
(TEOS), 25 ml Phenyltriethoxysilan und 25 ml Trifluoressigsäure
0,1 N unter Rühren gemischt. Nach 2 Tagen
werden 5,5 ml einer 1 Gew.-%igen Lösung von
bis(Triethoxysilyl)-funktioalisiertem Perfluorpolyether
(Handelsbezeichnung "Fluorolink S10") in 2-Propanol
eingerührt. Nach einem weiteren Tag ist das
fluorfunktionalisierte Polysiloxan-Sol gebrauchsfertig.
Beispiel 2:
Sol aus Beispiel 1 wird per Flutung auf eine galvanisch
verchromte Armaturblende aufgetragen. Nach Abdampfen
des Lösungsmittels wird das Schichtsystem
thermisch (150 °C, 1 h) ausgehärtet. Bereits beim Beschichtungsvorgang
treten Benetzungsstörungen auf,
d.h. der zunächst geschlossene Film auf der Metalloberfläche
reißt an mehreren Stellen auf. Nach dem
Aushärten erhält man eine transparente Beschichtung
mit zahlreichen Fehlstellen, die zwar ausgeprägte antiadhäsive
Wirkung zeigt, sich von einem aufgeklebten
Klebestreifen aber restlos abreißen läßt.
Beispiel 3:
Sol aus Beispiel 1 wird analog zu Beispiel 2 auf ein
galvanisch verchromtes Probeblech (Format 60 x
100 mm) beschichtet. Auf die Beschichtungsoberfläche
wird ein Gitterschnitt angebracht und das Blech anschließend
bei 40°C einem Feuchtklima (100% Luftfeuchtigkeit,
DIN 50017) ausgesetzt. Nach vier Tagen
beobachtet man großflächiges Abblättern der Schicht.
Beispiel 4:
Ein galvanisch verchromtes Probeblech (Format 60 x
100 mm) zeigt einen Wasser-Benetzungs-Randwinkel von
90°. Dieses Blech wird 5 Minuten lang bei 70 °C in
eine alkalische Silikatlösung getaucht, anschließend
mit destilliertem Wasser abgespült und mit Preßluft
getrocknet. Eine erneute Bestimmung des Benetzungs-Randwinkels
von Wasser nach der Behandlung ergibt einen
Wert von 30°.
Beispiel 5:
Analog zu Beispiel 4 wird ein galvanisch verchromtes
Probeblech (Format 60 x 100 mm) 30 Minuten lang bei
80 °C in eine alkalische Silikatlösung getaucht, anschließend
mit destilliertem Wasser abgespült und mit
Preßluft getrocknet. Eine Bestimmung des Benetzungs-Randwinkels
von Wasser nach der Behandlung ergibt einen
Wert von 22°.
Beispiel 6:
Ein galvanisch verchromtes Probeblech wird 5 Minuten
lang bei 70 °C in eine alkalische Silikatlösung getaucht
und durch Anlegen von Gleichspannung elektrolytisch
gereinigt, anschließend mit destilliertem
Wasser gereinigt und mit Preßluft getrocknet. Eine
Bestimmung des Benetzungs-Randwinkels von Wasser nach
der Behandlung ergibt einen Wert von 29°.
Beispiel 7:
Analog zu Beispiel 4 wird ein galvanisch verchromtes
Probeblech (Format 60 x 100 mm) 5 Minuten lang derart
in eine 70 °C warme alkalische Silikatlösung getaucht,
daß es mit darin befindlichen Zinkgranalien
in Kontakt kommt, anschließend wird es mit destilliertem
Wasser abgespült und mit Preßluft getrocknet.
Eine Bestimmung des Benetzungs-Randwinkels von Wasser
unmittelbar nach der Behandlung ergibt einen Wert von
13°, eine Stunde später noch einen Wert von 21°.
Beispiel 8:
Ein galvanisch verchromtes Probeblech wird in einer
Wasserstoff-Stickstoff-Argon Atmosphäre gereinigt,
indem zwischen Blech und Reaktorwand eine Glimmentladung,
durch das Anlegen einer Gleichspannung, gezündet
wird. Eine Bestimmung des Benetzungs-Randwinkels
von Wasser nach der Behandlung ergibt einen Wert von
43°.
Beispiel 9:
In einem Erlenmeyer-Kolben werden 100 ml Ethanol,
25 ml Glycidoxypropyltrimethoxysilan ("GLYMO") und
25 ml 0,1 N Salzsäure unter Rühren gemischt. In einem
weiteren Erlenmeyerkolben werden 100 ml Ethanol,
25 ml Aminopropyltriethoxysilan und 25 ml Wasser unter
Rühren gemischt. Nach drei Tagen werden 50 ml des
ersten Soles in 100 ml des zweiten Soles eingerührt.
Die Mischung ist nach 30 min Rühren gebrauchsfertig
und ca. 2 Tage verarbeitbar.
Beispiel 10:
Nach Beispiel 4 behandeltes Probeblech wird mit der
Solmischung aus Beispiel 9 per Flutung beschichtet
und anschließend thermisch 1 h bei 150 °C ausgehärtet.
Es entsteht eine geschlossene Haftschicht ohne
Benetzungsstörungen, die eine Gitterschnitt-Haftung
von GtO besitzt. Auf diese Haftschicht wird Sol aus
Beispiel 1 per Flutung beschichtet und anschließend
thermisch 1 h bei 150 °C ausgehärtet. Auch das entstandene
Zweischicht-System besitzt eine Gitterschnitt-Haftung
von GtO. Auf dieser Oberfläche zeigt
Wasser einen Benetzungs-Randwinkel von 109° und Hexadecan
einen Randwinkel von 62°. Auch nach 28 Tagen im
Feuchtklima (40 °C, 100 % Luftfeuchtigkeit) beobachtet
man kein Abblättern der Schichten, der Haftungswert
beträgt weiterhin GtO.
Beispiel 11:
Eine galvanisch verchromte Badarmatur-Blende wird
analog zu Beispiel 4 vorbehandelt, analog zu Beispiel
10 beschichtet und anschließend zerteilt. Ein Teil
der solchermaßen beschichtete Blende wird drei Tage
lang im SO2-Klima gelagert (DIN 500 18). Es erfolgt
keine äußerliche Veränderung der beschichteten Fläche.
Darauf wird auf der beschichteten Fläche ein
Kreuzschnitt bis auf den Untergrund angebracht und
der SO2-Test zwei weitere Tage fortgesetzt. Man beobachtet
lediglich braunes Anlaufen am Ort des Schnittes,
eine Unterwanderung der Beschichtung tritt nicht
ein. Die beschichtete Fläche bleibt optisch unverändert,
während die unbeschichtete Rückseite vollständig
korrodiert ist.
Beispiel 12:
Ein anderer Teil der beschichteten Blende aus Beispiel
11 wird einem Scheuertest mit Spülmittel
(Crocktest) unterzogen. Nach 100 000 Scheuerzyklen
ist noch kein Durchscheuern auf den Untergrund erkennbar.
Beispiel 13:
Eine Waschtisch-Armatur wird analog zu Beispiel 4
vorbehandelt und analog zu Beispiel 11 mit Haftschicht
und antiadhäsiver Deckschicht beschichtet,
allerdings nicht per Flutung, sondern durch Sprühbeschichtung
mittels HVLP-Sprühpistole. Anschließend
wird sie in einem häufig benutzten Waschraum einer
Fabrik installiert. Nach 6 Monaten im Gebrauch ist
die abweisende Eigenschaft der Oberfläche noch intakt,
es ist keinerlei Abplatzung oder Unterwanderung
der Beschichtung erkennbar.
Beispiel 14:
Nach Beispiel 6 behandeltes Probeblech wird analog zu
Beispiel 10 mit Haftschicht und antiadhäsiver Deckschicht
beschichtet. Die Benetzungs-Randwinkel von
Wasser und Hexadecan betragen 108° bzw. 61°, das
Zweischicht-System besitzt die Gitterschnitt-Haftung
GtO, nach 28 Tagen im Feuchtklima (40 °C, 100% Luftfeuchtigkeit)
beobachtet man kein Abblättern der
Schichten, der Haftungswert beträgt weiterhin GtO.
Beispiel 15:
Nach Beispiel 8 behandeltes Probeblech wird analog zu
Beispiel 10 mit Haftschicht und antiadhäsiver Deckschicht
beschichtet. Die Benetzungs-Randwinkel von
Wasser und Hexadecan betragen 108° bzw. 60°, das
Zweischicht-System besitzt die Gitterschnitt-Haftung
GtO, nach 28 Tagen im Feuchtklima (40 °C, 100% Luftfeuchtigkeit)
beobachtet man kein Abblättern der
Schichten, der Haftungswert beträgt weiterhin GtO.