Die Erfindung betrifft eine Mehrwegeventilanordnung und eine mit
dieser versehene fluidische Stelleinrichtung.
Unterschiedliche Anforderungen an die Art der Ansteuerung von
Mehrwegeventilen und an den Funktionsumfang sowie an die Ein- und
Ausgangsleistung lassen sich durch den Einsatz einer erfindungsgemäßen
Mehrwegeventilanordnung bzw. einer fluidischen Stelleinrichtung mit
einer solchen Mehrwegeventilanordnung sehr flexibel erfüllen.
Gemäß der Erfindung umfaßt die Mehrwegeventilanordnung miteinander
kombinierbare modulare Ventileinheiten, die durch Vorsteuerventile
ansteuerbar und durch Rangierplatten frei miteinander kombinierbar
sind. Dadurch wird eine hohe Flexibilität in der Wahl der Ansteuerung
zur Betätigung von einseitig und doppelseitig angetriebenen Stellmotoren
erreicht. Die Kombination mehrerer Ventileinheiten wird vereinfacht,
wenn die Rangierplatten und die Ventileinheiten über einheltliche
Anschlußschnittstellen verfügen. Noch flexiblere Ansteuerungsmöglichkeiten
ergeben sich, wenn auch die Vorsteuerventile durch
die Rangierplatten frei mit den Ventileinheiten kombinierbar sind und
die Vorsteuerventile und die Rangierplatten dazu über einheitliche
Anschlußschnittstellen verfügen. Für bestimmte Schaltungen ist es
vortelhaft, wenn durch ein Vorsteuerventil mehrere Ventileinheiten
gleichzeitig ansteuerbar sind.
Die Ventileinheiten können aus in Ruhe öffnenden und in Ruhe
schließenden Ventileinheiten kombiniert sein. Vorzugsweise sind die
Ventileinheiten durch schmierungsfrei arbeitende Ventile wie Membranventile
gebildet, beispielsweise 2/2-Wege-Membranventile. Die Vorsteuerventile
können je nach Bedarf durch bekannte Wippenventile,
Klöppelventile mit Medientrennung in Impuls- oder Monoausführung oder
durch low-power-Ventile mit Topfmagnetantrieb realisiert sein, die für
einen schmierungsfreien Betrieb geeignet sind.
Die Erfindung sieht auch die Verwendung einer erfindungsgemäßen
Mehrwegeventilanordnung in einer fluidische Stelleinrichtung mit einem
fluidischen Stellmotor zur selektiven Verbindung der Fluidanschlüsse
des Stellmotors mit einer Druckfluidquelle oder mit einer freien
Drucksenke vor. Eine besonders variable Ansteuerung ist möglich, wenn
der Stellmotor doppelt wirkend und mit zwei einander
gegenüberliegenden Paaren von Anschlüssen ausgebildet ist, von denen
jeder selektiv durch die Mehrwegeventilanordnung mit der
Druckfluidquelle oder mit der Drucksenke verbindbar ist.
Nach einem ersten Schaltungsprinzip ist ein Anschlußpaar des
Stellmotors mit einer in Ruhe schließenden Ventileinheit und einer in
Ruhe öffnenden Ventileinheit verbunden, die beide gemeinsam von einem
Vorsteuerventil angesteuert werden, und das andere Anschlußpaar des
Stellmotors ist mit einer in Ruhe schließenden Ventileinheit und einer
in Ruhe öffnenden Ventileinheit verbunden, die beide gemeinsam von
einem anderen Vorsteuerventil angesteuert werden. Nach einem zweiten
Schaltungsprinzip sind zwei über ein Vorsteuerventil gemeinsam angesteuerte,
in Ruhe schließende Ventileinheiten mit einander
gegenüberliegenden Anschlüssen der zwei Anschlußpaare des Stellmotors
verbunden, und zwei andere über ein anderes Vorsteuerventil
angesteuerte, in Ruhe schließende Ventileinheiten sind mit den anderen
einander gegenüberliegenden Anschlüssen der zwei Anschlußpaare des
Stellmotors verbunden.
Weitere Vorteile und Merkmale der Erfindung ergeben sich aus der
folgenden Beschreibung und aus der Zeichnung, auf die Bezug genommen
wird. In der Zeichnung zeigen:
Figur 1 ein Schaltbild einer fluidischen Stelleinrichtung mit
einer Mehrwegeventilanordnung und einem Stellantrieb nach einem ersten
Schaltungsprinzip; Figur 2 ein Schaltbild einer fluidischen Stelleinrichtung mit
einer Mehrwegeventilanordnung und dem Stellantrieb aus Fig. 1 nach
einem zweiten Schaltungsprinzip; und Figur 3 eine Perspektivansicht einer Mehrwegeventilanordnung.
In Fig. 1 ist eine Zusammenschaltung von mehreren Vorsteuer-Magnetventilen
10L, 10R und Ventileinheiten mit einem Stellantrieb
nach einem ersten, symmetrischen Schaltungsprinzip dargestellt. Die
Ventileinheiten sind als schmierungsfreie 2/2-Wegeventile 1L, 1R, 2L,
2R in Membranausführung mit jeweils einem Eingangsanschluß, einem
Ausgangsanschluß und einem Anschluß ausgebildet, der in eine Steuerkammer
3 des Ventils mündet. Die mit Bezugszeichen 1 bezeichneten
Ventile arbeiten in einer Bauform, bei der in Ruhestellung ein Ventilsitz
über eine Feder 5 verschlossen ist, so daß keine Verbindung
zwischen dem Eingangsanschluß P und dem Ausgangsanschluß besteht. Bei
Beaufschlagung der Steuerkammer 3 mit einem über den darin mündenden
Anschluß zugeführten Druck wird der Ventilsitz gegen die Kraft der
Feder 5 geöffnet, wodurch eine Verbindung zwischen Ein- und Ausgangsanschluß
des Ventils hergestellt wird. Die mit Bezugszeichen 2 bezeichneten
Ventile arbeiten dagegen in einer Bauform, bei der in Ruhestellung
ein Ventilsitz über eine Feder 5 geöffnet ist, so daß eine
Verbindung zwischen Eingangsanschluß und Ausgangsanschluß R besteht.
Wird über den Steuerkammeranschluß ein Druck zugeführt, so schließt
sich der Ventilsitz, wodurch die Verbindung zwischen Ein- und Ausgangsanschluß
des Ventils getrennt wird.
Die Vorsteuerventile 10L, 10R können beispielsweise durch
schmierungsfreie 3/2-Wege-Kleinventile gebildet sein. Der Stellantrieb
ist ein doppelseitig angetriebener Stellmotor 20. Der Stellmotor 20
weist eine Kammer auf, die durch ein als Kolben ausgebildetes
bewegliches Stellglied 22 gemaß der Darstellung in Fig. 1 in eine
linke und eine rechte Hälfte 24L bzw. 24R unterteilt ist. Beide Kammerhälften
24L und 24R weisen jeweils ein Fluidanschlußpaar 26a, 26b
bzw. 28a, 28b auf
Bei der in Fig. 1 gezeigten Schaltung ist ein linkes Vorsteuerventil
10L sowohl mit einem ersten als auch mit einem zweiten linken
Zweiwegeventil 1L bzw. 2L über deren Steuerkammeranschlüsse verbunden.
Auf die gleiche Weise ist ein rechtes Vorsteuerventil 10R sowohl mit
einem ersten als auch mit einem zweiten rechten Zweiwegeventil 1R bzw.
2R verbunden. Das erste linke und das erste rechte Ventil 1L bzw. 1R
sind jeweils über ihren Eingangsanschluß P an eine (nicht gezeigte)
Druckfluidquelle angeschlossen. Der Ausgangsanschluß des ersten linken
Ventils 1L ist über einen Eingangsanschluß 26a des Stellmotors 20 mit
der linken Kammer 24L des Stellmotors 20 verbunden, wogegen der Ausgangsanschluß
des ersten rechten Ventils 1R über einen Eingangsanschluß
28a des Stellmotors 20 mit der rechten Kammer 24R des Stellmotors
20 verbunden ist. Das zweite linke und das zweite rechte Ventil
2L bzw. 2R stehen jeweils über den Ausgangsanschluß R mit der Atmosphäre
in Verbindung. Der Eingangsanschluß des zweiten linken Ventils
2L ist über einen Ausgangsanschluß 26b des Stellmotors 20 mit der
linken Kammer 24L des Stellmotors 20 verbunden, wogegen der Eingangsanschluß
des zweiten rechten Ventils 2R über einen Ausgangsanschluß
28b des Stellmotors 20 mit der rechten Kammer 24R des Stellmotors 20
verbunden ist.
Die Ventile 1L, 2L, 1R, 2R werden über die entsprechenden Vorsteuerventile
10L bzw. 10R angesteuert, die wiederum über ein Steuersignal
UL bzw. UR gesteuert werden. D.h. bei Anliegen eines Steuersignals
an einem Vorsteuerventil werden die an dieses Vorsteuerventil
angeschlossenen Zweiwegeventile betätigt. Somit können die beiden
Kammerhälften 24L und 24R nach dem symmetrischen Schaltungsprinzip
gemäß Fig. 1 getrennt über die beiden Vorsteuerventile 10L bzw. 10R
angesteuert werden. Im folgenden werden die möglichen Betriebszustände
dieser Anordnung erläutert.
In Ruhestellung (kein anliegendes Steuersignal) sind die Ventilsitze
des ersten linken und des ersten rechten Ventils 1L bzw. 1R
geschlossen, die Ventilsitze des zweiten linken und des zweiten
rechten Ventils 2L bzw. 2R dagegen offen. Das bedeutet, daß in diesem
Fall beide Kammerhälften 24L und 24R des Stellmotors 20 nur dem
Atmosphärendruck ausgesetzt sind, da keine Verbindung zu einer
Druckfluidquelle besteht. Das Stellglied 22 ist damit frei beweglich
("Schwimmschaltung").
Wird nun ein Steuersignal UL an das linke Vorsteuerventil 10L
angelegt, so werden die beiden linken Ventile 1L und 2L durch Druckeinleitung
in die Steuerkammer 3 betätigt. Während sich der Ventilsitz
des ersten linken Ventils 1L, das an die Druckfluidquelle angeschlossen
ist, öffnet, schließt sich der Sitz des zweiten linken Ventils 2L.
Dadurch wird die linke Kammerhälfte 24L des Stellmotors 20 über das
erste linke Ventil 1L mit dem von der Druckfluidquelle zur Verfügung
gestellten Druck beaufschlagt, wobei dieser Druck (Ausgangsgröße A)
nicht über das zweite linke Ventil 2L, das mit der Atmosphäre verbunden
ist, abgebaut werden kann, da dessen Ventilsitz geschlossen ist
und somit keine Verbindung der linken Kammer 24L mehr mit der
Atmosphäre besteht. Die beiden rechten Ventile 2L und 2R verbleiben
unverändert in ihrer Ruhestellung. Durch die Verbindung der rechten
Kammer 24R über das offene zweite rechte Ventil 2R mit der Atmosphäre
kann ein Druckausgleich (Entlüftung) erfolgen, wodurch eine Bewegung
des Stellglieds 22 in der Kammer des Stellmotors 20 nach rechts
ermöglicht wird.
Wird statt dem Steuersignal UL an das linke Vorsteuerventil 10L
ein Steuersignal UR an das rechte Vorsteuerventil 10R angelegt, so
wird auf entsprechende Art und Weise mit einer Ausgangsgröße B eine
Bewegung des Stellglieds 22 nach rechts erreicht.
Liegt an beiden Vorsteuerventilen 10L und 10R gleichzeitig ein
Steuersignal UL bzw. UR an, so werden beide Kammerhälften 24L und 24R
über die ersten Ventile 1L und 1R mit Druck beaufschlagt, wobei die
beiden "Entlüftungsausgänge" 26b und 28b der Kammerhälften 24L bzw.
24R durch die zweiten Ventile 2L bzw. 2R geschlossen sind. Wenn der
über die beiden ersten Ventile 1L bzw. 1R eingespeiste Druck gleich
groß ist, dann ist das Stellglied 22 in diesem Fall in einer Sperrstellung
fixiert, da die Kolbenfläche des Stellglieds 22 zu beiden
Kammerseiten gleich groß ist.
In der unten aufgeführten Tabelle 1 sind die möglichen Schaltzustände
für die Anordnung nach Fig. 1 noch einmal zusammengefaßt.
| UL | UR | 1L | 2L | 1R | 2R | Wirkung |
| 0 | 0 | Pzu | Rauf | Pzu | Rauf | Antrieb frei ("Schwimmschaltung") |
| 0 | 1 | Pauf | Rzu | Pzu | Rauf | Antrieb nach rechts |
| 1 | 0 | Pzu | Rauf | Pauf | Rzu | Antrieb nach links |
| 1 | 1 | Pauf | Rzu | Pauf | Rzu | Antrieb fixiert (Sperrstellung) |
Fig. 2 zeigt eine andere Zusammenschaltung von Vorsteuer-Magnetventilen
10L, 10R und Ventileinheiten 1L, 2L, 1R, 2R mit dem Stellantrieb
nach einem zweiten Schaltungsprinzip. Die Mehrwegeventilanordnung
ist der in Fig. 1 dargestellten Anordnung ähnlich, der Anordnung
nach Fig. 2 liegt jedoch ein "Überkreuz"-Schaltungsprinzip zugrunde.
Sie unterscheidet sich von der Anordnung aus Fig. 1 dadurch, daß alle
als Zweiwegeventile ausgebildeten Ventileinheiten 1L, 2L, 1R, 2R in
einer Bauform arbeiten, bei der in Ruhestellung der Ventilsitz über
eine Feder 5 geschlossen ist, wobei wie bei der Anordnung aus Fig. 1
die beiden ersten Ventile 1L und 1R mit einer Druckfluidquelle und die
beiden zweiten Ventile 2L und 2R mit der Atmosphäre in Verbindung
stehen. Bei der in Fig. 2 dargestellten Anordnung ist jedoch das linke
Vorsteuerventil 10L mit dem ersten linken und dem zweiten rechten
Ventil 1L bzw. 2R verbunden, während das rechte Vorsteuerventil 10R
mit dem ersten rechten und dem zweiten linken Ventil 1R bzw. 2L verbunden
ist. Die Betätigung der einzelnen Ventile erfolgt wie bei der
Anordnung aus Fig. 1 über das mit dem jeweiligen Ventil verbundene
Vorsteuerventil mittels eines Steuersignals.
Mit der Schaltung nach Figur 2 kann eine Fixierung des Stellglieds
22 im Eigendruck durch ein Absperren beider Kammerhälften 24
L
und 24
R von der Druckfluidquelle und der Atmosphäre erreicht werden.
Die möglichen Schaltzustände für die Anordnung nach Fig. 2 sind in der
unten aufgeführten Tabelle 2 zusammengefaßt.
| UL | UR | 1L | 2L | 1R | 2R | Wirkung |
| 0 | 0 | Pzu | Rzu | Pzu | Rzu | Antrieb fixiert im Eigendruck |
| 0 | 1 | Pzu | Rauf | Pauf | Rzu | Antrieb nach links |
| 1 | 0 | Pauf | Rzu | Pzu | Rauf | Antrieb nach rechts |
| 1 | 1 | Pauf | Rauf | Pauf | Rauf | Kurzschluß P zu R |
In Fig. 3 ist schematisch die Verknüpfung der Vorsteuerventile
10L, 10R und der modularen Ventileinheiten 1L, 1R, 2L, 2R durch
Rangierplatten 30 gezeigt. Die modularen Ventileinheiten 1L, 2L, 1L,
1R sind mit den Vorsteuerventilen 10L, 10R zu einer quaderförmigen
Einheit zusammengefaßt. Die Verbindung der Vorsteuerventile 10L, 10R
mit den ersten Ventileinheiten 1L, 1R erfolgt über eine dazwischenliegende
Rangierplatte 30a, ebenso wie die Verbindung der ersten
Ventileinheiten 1L, 1R mit den zweiten Ventileinheiten 2L, 2R über
eine Rangierplatte 30b. Die Druckeinspeisung aus der Druckfluidquelle
und die Entlüftung erfolgt über eine seitliche Rangierplatte 30c, die
sich über die gesamte Einheit erstreckt. Die Ausgangsgrößen A und B
werden über eine untere Rangierplatte 30d zur Verfügung gestellt. Die
Rangierplatten 30 können dem jeweiligen Anwendungsfall angepaßt
werden. Alle Rangierplatten 30, alle Vorsteuerventile 10L, 10R und
alle Ventileinheiten 1L, 2L, 1R, 2R verfügen über einheitliche
Anschlußschnittstellen.
Mit der vorliegenden Erfindung ist eine fluidische Stelleinrichtung
verwirklicht, mit der die Fluidanschlüsse eines Stellmotors
selektiv mit einer Druckfluidquelle oder mit einer Drucksenke verbunden
werden können. Ein besonderer Vorteil der Anordnung liegt darin,
daß auch ein nur einseitig beaufschlagter Stellmotor angesteuert
werden kann, indem nur demensprechende Teile der Anordnung benutzt
werden.