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Hydraulische Ruderanlage Hydraulische Ruderanlagen auf Schiffen sind
regelmäßig mit einer Notsteuereinrichtung versehen, um den Betrieb der Ruderanlage
beim Auftreten von Störungen im hydraulischen Getriebe aufrechterhalten zu können.
Bei den bisherigen Ruderanlagen dieser Art bereitet die Inbetriebnahme der Notsteuereinrichtung
bei schwerem Wetter Schwierigkeiten. Bei plötzlichen Rohrbrüchen in der Druckmittelhauptleitung
wird das Ruder im Seegang derart stark hin- und hergeschlagen, daß es nicht möglich
ist, den Notsteuerhebel zu kuppeln.
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Aufgabe der Erfindung ist es, diesen Mangel zu beheben. Zu diesem
Zwecke knüpft die Erfindung an eine bekannte hydraulische Ruderanlage mit einer
zusätzlichen Druckflüssigkeitsquelle an, die entweder ein Hochbehälter ist oder
durch eine Hilfspumpe oder die Hauptpumpe gespeist wird, wobei die von den Hauptleitungen
getrennten, an die Druckflüssigkeitsquelle angeschlossenen Hilfsleitungen ebenso
wie die Hauptleitungen mit den Zylindern der Ruderanlage über unmittelbar an den
Zylindern angebrachte Absperrventile verbunden sind. Bei der bekannten Anlage stehen
die Hilfsleitungen unter Niederdruck und werden nur bei Stillstand der Ruderanlage
zum Ausgleich von Leckverlusten an die Druckflüssigkeitsquelle angeschlossen. Demgegenüber
besteht die Lösung nach der Erfindung darin, daß an den Zylindern absperrbare, als
Rückschlagventile ausgebildete
Luftauslaßventile angebracht sind,
die nach Abschalten der Hauptleitungen und Zuschalten der Hilfsleitungen der Verbindung
der Zylinder mit der Atmosphäre dienen, und daß zwischen den Hilfsleitungen und
der Druckflüssigkeitsquelle Rückschlagventile angebracht sind, die die Drücke in
den Hilfsleitungen von der Druckflüssigkeitsquelle fernhalten.
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Dadurch wird erreicht, daß das schlagende Ruderblatt bei abgesperrten,
schadhaften Hauptleitungen und geöffneten Hilfsleitungen Flüssigkeit aus der zusätzlichen
Druckmittelquelle in die Zylinder fördert und gleichzeitig über die Leckstellen
der Hauptleitungen in die Zylinder eingedrungene Luft durch die geöffneten Luftauslaßventile
austreibt, so daß das Ruder allmählich abgebremst wird und das Personal ohne Gefährdung
an die Rudermaschine heran kann, um die Notsteuereinrichtung einzuschalten.
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Es ist zwar bekannt, an den Zylindern von hydraulischen Anlagen Luftauslaßventile
vorzusehen. Diese dienen jedoch bei den bekannten hydraulischen Anlagen nur dem
Zweck der Kreislauffüllung bei ordnungsgemäßem Zustand der Gesamtanlage.
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Schließlich ist es vielfach bekannt, hydraulische Ruderanlagen mittels
Hilfsleitungen an eine zusätzliche Druckmittelquelle über Rückschlagventile anzuschließen,
damit Druckmittelverluste vermieden werden und diese Quelle vor den Drücken in den
Hilfsleitungen bewahrt wird. Da hierbei die Hilfsleitungen von den Hauptleitungen
nicht getrennt sind und da ferner für zwei Zylinder nur eine gemeinsame Entlüftung
ohne Rückschlagventil vorgesehen ist, ist diese Einrichtung weder dazu bestimmt
noch geeignet, bei Rohrbrüchen in der Hauptleitung das schlagende Ruder zum Stillstand
zu bringen.
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Die Erfindung sei an einem Ausführungsbeispiel veranschaulicht.
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Die Zeichnung zeigt das Schaltbild einer hydraulischen Ruderanlage
für Schiffe. Diese Anlage besteht im wesentlichen aus einem hydraulischen Empfänger
mit Doppeltauchkolben 1, 2, dessen Zylinder 3, 4 über Druckmittelleitungen 5, 6
an eine Pumpe 7 angeschlossen sind.
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Bei einem Bruch der Ölleitung, z. B. an der Stelle A, fließt das Öl
aus den Leitungen 5, 6 und den Druckzylindern aus, so daß das Ruder nicht mehr festgehalten,
sondern im Seegang hin- und hergeschlagen wird. Um die Ruderbewegungen abbremsen
und sodann die Notsteuereinrichtung in Betrieb setzen zu können, ist der Doppeltauchkolbenempfänger
mit einer zusätzlichen Druckmittelleitung 8, 9 verbunden, die über Rückschlag-oder
Nachsaugeventile Io, II an einen hochgelegenen Behälter 12 angeschlossen sind. Bei
einem Bruch in der Hauptleitung 5, 6 wird diese vom hydraulischen Empfänger durch
Ventile 13, 14 abgeschaltet und statt dessen die Reserveleitung 8, 9 durch Öffnen
von Ventilen 15, 16 mit den Druckzylindern des Empfängers verbunden. Das im Seegang
hin- und hergeworfene Ruder nimmt die Kolben 1, 2 des Empfängers mit, so daß der
Empfänger als Pumpe wirkt und aus dem Reservetank 12 Drucköl über die Ventile Io,
II ansaugt. Um ein Entweichen der Luft aus den Druckzylindern zu ermöglichen, werden
Luftauslaßventile 17, 18 geöffnet. Wie ohne weiteres ersichtlich ist, kommt das
Ruder nach Verbindung des Empfängers mit dem Reservetank 12 nach kurzer Zeit zum
Stillstehen, da das aus dem Reservetank angesaugte Öl nicht wieder aus den Druckzylindern
entweichen kann. Die Luftauslaßventile 17, 18 werden als Rückschlagventile ausgebildet,
so daß beim Druckhub der Kolben wohl Luft herausdrückt, beim Saughub hingegen keine
Luft eingesaugt werden kann. Die Luftventile werden wieder geschlossen, sobald das
Ruder durch Auffüllen der Druckzylinder mit Drucköl zum Stillstand gekommen ist.
Die Füllung der Druckzylinder ist beendet, sobald Drucköl über die Luftauslaßventile
austritt. Mit Hilfe der normalen Umlaufleitung I9 mit ihren Umlaufventilen kann
das Ruder in die gewünschte Stellung gebracht werden. Es ist dann nach Absperren
der Umlaufleitung I9 blockiert. Die Notsteuereinrichtung kann, nachdem ihr Bedienungshebel
gekuppelt worden ist, in Betrieb genommen werden. Hierzu wird die Umlaufleitung
I9 wieder geöffnet.
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Die Erfindung ist nicht auf das dargestellte Beispiel beschränkt,
vielmehr sind noch mancherlei Abänderungen und auch andere Ausführungsformen möglich.
Insbesondere kann als Druckmittelquelle für das Feststellen des Ruders beim Ausfallen
des hydraulischen Getriebes an Stelle eines Hochbehälters eine Pumpe vorgesehen
sein, die im Gegensatz zur Pumpe für den hydraulischen Antrieb nur einen kleinen
Druck zu erzeugen braucht. Gegebenenfalls ließe sich auch die vorhandene Hauptpumpe
des hydraulischen Getriebes für diesen Zweck verwenden; die Pumpe muß dann nur von
ihrer normalen Saug- und Druckleitung abschaltbar und über Rückschlagventile mit
den Zylindern zu verbinden sein.