-
Vorrichtung zzlm: Eirrfangen, Zerkleinern und Entfernen von Fremdkörpern
(Steinen, Konkrementen) aus Hohlräumen des menschlichen Körpers
Ist z.B. der Durchmesser
eines im Innern der Niere (Nierenbecken) befindlichen Steines größer als die größtmögliche
lichte Weite des Abflußweges (Harnleiter oder Mündung zur Blase), so war bisher
eine Entfernung des Steines nur auf operativem Wege, d. h. durch chirurgischen Eingriff
nen von Niere oder Nierenbecken), möglich, da er auf natürlichem Wege, z. B. mittels
Trinkkuren oder andere austreibende Mittel, das Nierenbecken nicht mehr verlassen
kann.
-
Versuche, Nierensteine in der Niere auf chemischem Wege zur Auflösung
zu bringen, scheiterten bisher daran, daß die Lösungsmittel den lempfindlichen Organismus
(Niere, Harnleiter, Blase) leichter angreifen und auflösen als den Stein. Ein Oxalatstein
z. B. hat die Härte eines Topas (Härtegrad 7).
-
Zur Feststellung und Behandlung von Nierensteinkranldieiten sind
Katheter aus biegsamem Material bekannt, die mit Hilfe eines Zystoskops auf natürlichem
Wege in den Harnleiter eingeführt und sodann bis in das Nierenbecken vorgeschoben
werden, um den Nierenbeckeninbalt direkt ableiten oder Einspritzungen oder Spülungen
vornehmen zu können.
-
Bekannt sind zwei ineinandergesteckte Katheter nach Art yon Bowdenzügen
mit geschlossenen, ausstülpbaren Einfangschlaufen, welche veränderbar
und
feststellbar geführt sind. Diese Vorrichtungen sind jedoch nur für das Einfangen
und Herausziehen, nicht aber Zerkleinern von Fremdkörpern aus Harnleiter, Blase
und Harnröhre bestimmt und können auf Grund ihrer Beschaffenheit und Ausbildung
der Einfangvorrichtung nicht bis in das Nierenbecken gebracht werden, um darin befindlicht
Steine (Konkremente) einzufangen und ber auszuziehen, sofern sie noch genügend klein
sind.
-
Ferner ist ein starres, zystoskopähnliches Instrumen.t bekannt, das
ausstülpbare, bandförmige Schlaufen zum Einfangen und einen Bohrer zum Zerkleinern
der Fremdkörper besitzt. Mit diesem Instrument ist jedoch nur die Entfernung von
Blasensteinen möglich.
-
Auch wurden bereits Katheter dazu benutzbar gemacht, um im Harnleiter
selbst sitzende Steine unzerkleinert zu entfernen, indem entweder ein am vorderen
Ende befestigter Faden als einfache Schlinge diente, womit der Stein eingefangen
und herausgezogen werden kann, was nur mühevoll oder meist überhaupt nicht gelingt,
oder es wurde dabei von den oft scharfkantigen Steinen der Harnleiter aufgeschlitzt,
oder es wurde am einzuführenden Katheterende ein kleine Gummiblase befestigt, die,
vor dem Harnleiterstein angelangt, aufgeblasen wird, um so den Harnleiter vor dem
Stein zu erweitern, damit dieser nanbgleiten und nach vielen Wiederholungen so zur
Blase geleitet werden kann.
-
Auch diese beiden letzteren Verfahren setzen voraus, daß die Haruleitersteine
noch sehr klein sind und somit noch die Möglichkeit zum Passieren des größtmöglich
erweiterten Harnleiters und besonders der viel kleineren Mündung zur Blase besteht.
Zum Entfernen von Steinen aus dem Nierenbecken sind diese Verfahren ungeeignet,
besonders da solche Steine zumeist erst ernste Beschwerden machen bzw. operativ
entfernt werden müssen, wenn sie gleich groß (Koliken) oder größer als die Abflußwege
sind (Stauung, Verschluß).
-
Somit galten alle bisher bekannten Erfindungen ausschließlich der
Entfernung von aus dem Nierenbecken bereits abgewanderten bzw. nicht darin entstandenen
kleineren Steinen aus Harnleiter, Blase oder Harnröhre, die aber dann nicht mehr
Nierensteine, sondern Harnleiter-, Blasen- oder Harnröhrensteine sind.
-
Um Steine im Innern der Niere bzw. im Nierenbecken selbst ergreifen,
gegebenenfalls zerkleinern und entfernen zu können, mußte eine Vorrichtung entwickelt
werden; die I. bis zum Nierenbecken einführbar ist, d. h. genügend lang, genügend
klein im Durchmesser und genügend biegsam und in der Längsachse genügend starr ist,
um den ergriffenen Stein genügend fest gegen das Zerkleinerungswerkzeug pressen
zu können, 2. weder Harnleiter noch Niere zu verletzen imstande ist, und 3. mit
ihren Einfangs chlaufen gestattet, einen Stein an jeder Stelle des Nierenbeckens
mit Sicherheit zu ergreifen.
-
Bedingung 1 wurde erfüllt, indem drei ineinandergesteckte, z. B.
nach Art der Bowdenzüge aus gewickeltem, nichtrostendem Stahldraht bestehende Katheter
verwendet werden, deren äußerer der Träger einer mit Schlitzen für die Schlaufen
versehene Kappe ist, die außerdem noch eine versenkte Bohrung zur geschützten Aufnahme
des Zerkleinerungswerkzeuges, z. B. eines Bohrers, besitzt, der mittlere Katheter
im ersteren bewegbar geführt ist und an seinem vorderen Ende mit mehreren ausstülpbaren,
untereinander verbundenen, in sich geschlossenen Schlaufen versehen ist, deren ideellen
1Ebenen sich etwa in der Kathetermittellinie schneiden, und der innere Bowdenzug
zur Betätigung des Zerkleinerungswerkzeuges dient, z. B. als Bohrerwelle von einem
Motor oder von Hand in Drehung versetzt wird.
-
- Bedingung 2 wurde erfülft, indem die Schlaufen bandförmig ausgebildet
wurden und ausschließlich mit ihrer Breitseite die Wände des Harnleiters und des
Nierenbeckens berühren, diese also nicht zerschneiden können. Eine schabende, verletzende
Drehung wird durch das verhältnismäßig große Spiel innerhalb ruder vielen Windungen
der Bowdenzüge vermieden. Ferner liegen im eingezogenen Zustand die Schlaufen schützend
über dem Zerkleinerungswerkzeug, so daß der Kopf der Vorrichtung eine glatte, halbkuglige
Form hat, die für die Einführung und Weiterleitung in Harnleiter und Nierenbecken
am günstigsten ist. Der durch die einzelnen Windungen des gewickelten Stahldrahtes
unebene äußere Bowdenzug kann gleitfähiger gemacht werden durch Einfetten, Abschleifen
der Oberfläche bis auf den halben Durchmesser des Stahldrahtes oder durch Aufbringen
einer Schicht aus Gummi, Lackfarbe od. dgl. Somit sind Verletzungen mit der Vorrichtung
bei sachgemäßer Anwendung unmöglich.
-
Die dritte Bedingung schließlich wurde erfüllt, indem die beispielswleise
aus Metallbändern bestehenden Schlaufen mit federnder Vorspannung entweder an der
Stirnseite oder an der Längsseite der Kappe derart hervorgestülpt werden können,
daß sie einen kugel ähnlichen Einfangkorb bilden, der den ganzen Hohlraum des Nierenbeckens
bestreicht. Ein geringes Überdrücken der in der 5 chlanfenhalterung befestigten
Schlaufenenden im Innern des Kopfes über die Schlitzhöhe der seitlichen Schlitze
hinaus bewirkt überdies ein zusätzlichtes Spreizen der federnden Schlaufen und damit
volles Öffnen des Einfangkorbes.
-
Mit vorliegender Erfindung wird erstmalig auf die theoretische und
praktische Möglichkeit zur mechanischen, nicht operativen (unblutigen) Entfernung
von Nierensteinen hingewiesen.
-
Der große Vorteil dieses Verfahrens besteht darin, daß hierdurch
ein gefahrenbergender chirurgischer Eingriff, ein damit verbundenes langes Krankenlager
und ein dadurch bedingtes längeres Herabmindern der Arbeitskraft bei dem Patienten
in den meisten Fällen vermieden werden kann, was besonders im Krieg von Bedeutung
ist, zumal in Kriegen aus bisher noch ungeklärten Ursachen die Zahl an Nierensteinerkrankten
ansteigt.
-
Erfindungsgemäß werden Fremdkörper (Steine, Konkremente) z. B. aus
dem Nierenbecken mit dieser Vorrichtung in vollkommener Weise ein-
gefangen,
gegebenenfalls -zerkleinert- und entfernt wie bisher. Die Vorrichtung ist beispielsweise
in der Zeichnung dargestellt.
-
Abb-. I stellt eine vollständige Ausführung der Vorrichtung, teilweise
im Schnitt, dar; Abb. II zeigt das vordere Stück der Vorrichtung; Abb. III veranschaulicht
die Handhabung der Vorrichtung bei der Zerkleinerung eines eingefangenen Steines;
Abb. IV gibt eine Gesamtdarstellung der Anwendung im Harnapparat des menschlichen
Körpers.
-
Die Vorrichtung besteht in der Hauptsache aus den drei Kathetern
I, 2, 3, die nach der Art der Bowdenzüge z. B. aus nichtrostendem Stahldraht gewickelt
sind. Der äußere Katheter I ist am vorderen Ende mit einer Kappe 4 versehen, die
den arn Katheter 3 als Böhrerwelle befestigten hervorschiebbaren Kugelbohrer 5 schützend
umgibt, ferner Schlitze 6 zur Führung der Einfangschlaufen 7 besitzt sowie zwecks
besseren Festhaltens eines eingefangenen Steines am oberen Rand mit kleinen Zähnen
8 versehen ist. Der innere Katheter 2 ist mittels des Endstückes 9 Träger der metallenen
bandförmigen und bei 10 miteinander verbundenen Einfangschlaufen 7. Am unteren Ende
der Vorrichtung wird die Betätigung vorgenommen. Der äußere Katheter I ist hier
mit einem Endrohr verbunden, in welchem das Endrohr 12 des inneren Katheters 2 verschiebbar
und mittels der Schraube I3 feststellbar ist. In dem Endrohr I2 verschiebbar befindet
sich das Endstück 14 des Katheters 3, mittels weichem der Kugelbohrer 5 von Hand
oder durch einen angeschlossenen Motor 15 in Drehung versetzt wird. Durch Verschieben
des Motors 15 bzw. des Endstückes 14 in der Längsrichtung kann der Kugelbohrers
aus der Kappe4 hervorgeschoben werden. Eine Meßskala I6 auf diesem Endstück 14 gestattet
bei festgeklemmter Schraube 13 das Ablesen der Länge des Kugelbohrerweges beim Hervorschieben
aus der Kappe 5. Befindet sich der stillstehende Kugelbohrer 5 in seiner Endstellung
innerhalb der Kappe 4 und wird nun das Endstück 12 des inneren Katheters 2 auf der
Meßskala I6 bei gelöster Schraube I3 verschoben, so lassen sich bei feststehendem
äußeren Katheter I und bei ebenfalls in der Längsrichtung unveränderter Stellung
des Endstückes 14 die Einfangschlaufen 7 betätigen, und die Meßskala I6 gibt ein
Maß für die Länge des Herausragens der Einfangschlaufen 7 aus den Schlitzen 6 der
Kappe 4 an bzw. läßt einen Schluß auf die jeweilige Größe des von den hervorgeschobenen
Schlaufen 7 gebildeten Einfangkorbes und damit auch eines etwa darin eingefangenen
Steines zu.
-
Während in der Abb. I die Einfangschliaufen 7 bis zur vollen Öffnung
des von ihnen gebildeten Einfangkorbes aus der Kappe 4 hervorgeschoben sind, zeigt
die Abb. II das obere Ende der Vorrichtung mit eingezogenen Einfangschlaufen 7,
die nun schützend die Kappe 4 mit dem darin versenkten Kugelbohrer 5 sowie die Verzahnung
8 umgeben. Abb. II läßt erkennen, wie glatt und damit ungefährlich gegen Verletzungen
die Vorrichtung in ihrer äußeren Beschaffenheit beim Einbringen in die Harnwege
des menschlichen Körpers ist. Der äußere Katheder I ist durch Abschleifen auf den
halben Durchmesser seines Drahtes, wie aus den Abb. I und III ersichtlich, äußerlich
vollkommen eben gemacht.
-
Abb. IV veranschaulicht im Längsschnitt den Harnapparat in seinem
Zusammenhang und die praktische Anwendung der erfundenen Vorrichtung.
-
Das nur teilweise dargestellte, an sich bekannte Zystoskop I7 wurde
durch die Harnröhre I8 in das Innere der Blase 19 gebracht. Das dann durch einen
im Zystoskop befindlichen Kanal 20 bis in die Blase 19 vorgeschobene Fernrohr 2.1
ermöglicht mit seinem seitlich angeordneten Ausblick 22 und einem darüber angeordneten
Lämpchen 23 das Auffinden der Harnleitermündung 24. Es wird dann das Zystoskop I7
mit der Mündung seines weiteren Kanals 25 auf die Harnleitermündung 24 gesetzt und
nunmehr die erfundene Vorrichtung durch den Kanal 25 des Zystoskops 17 in der Bohrer-
und Schlaufenstellung nach Abb. II in den Harnleiter 26 eingeführt und bis zum Innern
der Niere 27, dem Nierenbecken 28 vorgeschoben. Der sodann im Nierenbecken voll
geöffnete Einfangkorh füllt den ganzen Hohlraum aus, indem sich die bandförmigen
Einfangschlaufen an die Nierenbeckenwand anlegen, so daß ein im Nierenbecken befindlicher
Stein nach dem Offnen der Einfangschlaufen in den so gebildeten Korb gelangt. Durch
Schließen des aus den Einfangschlaufen 7 gebildeten Einfangkorbes wird der im Nierenbecken
28 befindliche Nierenstein 29 leicht und sicher eingefangen und mittels des inneren
Katheters 2 fest gegen die Kappe 4 gezogen (Abb. III). Kleine Steine können nun
mit der Vorrichtung ohne weiteres herausgezogen werden. Im Innern der Katheter I,
2, 3 angebrachte dünne Stahldrähte 30 geben der Vorrichtung die in der Längsrichtung
auf Zugbeanspruchung notwendige Festigkeit bzw. verhindern ein Auseinanderziehen
der Drahtwindungen der Katheter, beeinträchtigen jedoch nicht die zum Anpassen an
die Krümmungen des Zystoskops und des Harnleiters erforderliche Biegsamkeit (Abb.
1). Ist der Stein größer, wird er mit dem Kugelbohrer angebohrt, so daß er infolge
seiner Sprödigkeit z. B. in mehrere Stücke zerspringt, die dann einzeln eingefangen
und herausgezogen werden können (Abb. III). Der Kugelbohrer ermöglicht das Herausbefördern
von in die Kappe 4 nach Herausschieben des Kugelbohrers evtl. gefallenen Steintrümmern
und somit das sichere Zurückbringen des Kugelbohrers 5 in die schützende Kappe 4.