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Streckwerk, insbesondere für vollsynthetische Fäden Die Erzeugung
von Fäden aus vollsynthetischem :@usgangsinaterial, z. ß. Superpolyamiden u. dgl.,
weicht insofern grtitidsützlicli von der Herstellung der Kunstseide ab, als das
aus einerAnzahl einzelner Kapillarfäden bestehende nach Austritt aus der Spi,tiirdiise
fertig aufgespulte Fadenbündel nachträglich noch auf das heispiels\\eise 31/z- bis
4fache seiner Länge ausgezogen werden muß, bevor er die erforderliche Formhaltung,
Festigkeit und elastische Delitiung erhält. Innerhalb obiger, nur beispielsweise
angegebener Streckgrenze ist die Dehnung eine rein plastische, d. h. der Faden läßt
sich unter entsprechender Verjüngung seines Querschnittes zwar wie ein Gummiband
ausziehen, schnellt aber im Gegensatz zti diesem nicht wieder zurück, behält vielmehr
die ausgereckte Länge bei. Erst gegen Ende der Verzugsgrenze erhält der Faden seine
maximale F ea@gheit und maximale elastische Dehnung.
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Die für diesen Verstreckungs- bzw. Verzugsvorgang erforderliche Kraft
ist unvergleichlich ,größer als die Kraft, die bei der Verarbeitung von Stapeliasern,
wie Wolle, Baumwolle, Zellwolle u. dgl., zu Garnen bei der Verwendung der bekanntest
Streckwerke zur Einwirkung auf die Faser kommt. Bei der bekannten Verarbeitung von
Stapelfasern im Streck\verk ist lediglich die gegenseitige Oberfl:icheureibung der
lose aneinanderliegenden Fasern zu überwinden. Die bei der Verstreckting vollsynthetischer
Fäden, wie z. B. Fäden aus Superpolyamiden, erforderliche Kraft schließt die Anwendung
üblicher
Streckwerke mit nur punktartiger Faserklemmurig praktisch fast völlig aus, weil
nur im geringsten eingelaufene oder eingeschnittene Streckzylinder sofort einen
starken Fadenschlupf und eine ungenügende Verstreckung mit untragbaren Folgen für
die Weiterverarbeitung derartiger Gespinste hewirken. Es mußten also für die vollsynthetische
Fädenherstellung Streckwerke konstruiert werden, die sich den besonderen Eigenschaften
dieses Materials anpassen.
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Man hat zu diesem Zwecke bereits mit Erfolg versucht, an Stelle der
Punktklemmung Streckwalzen mit mehr oder weniger starker Umschlingung ihres Umfanges
zu verwenden, die gleichzeitig mit elastischen Überzügen (Gummi, Leder, Filz od.
dgl.) versehen wurden. Da aber bei derartig veränderter Fadenführung das Einziehen
der Fäden große Schwierigkeiten bereitet und z. B. das Anknüpfen eines gerissenen
Einzelfadens meist die Stillsetzung der ganzen Maschine erfordert, führten diese
Wege für den Produktionsbetrieb vollsynthetischer Garne nicht zum gewünschten Erfolg.
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Die Erfindung betrifft ein Streckwerk, bei dem die für einen einwandfreien
Verzug erforderliche Walzenumschlingung beibehalten wird, in dem aber darüber hinaus
an jeder beliebigen Spinnstelle gerissene oder um Walzen gewickelte Fäden unbeschadet
des Weiterlaufs der übrigen Spinnstellen jederzeit in leichter Weise neu eingezogen
und angeknüpft werden können.
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Grundsätzlich besteht das vorliegende Streckwerk aus einer beliebigen
Anzahl von beispielsweise in einer normalen Ringspinnmaschine vorgesehenen, durchgehenden
Unterzylindern, zweckmäßig vergrößerten Durchmessers i, ia, ib über denen je zwei
oder mehr Druckwalzen 2, 3 angeordnet sind. Die Druckwalzen sitzen; zweckmäßig frei
tragend gelagert, auf nebeneinander an jeder Spinnstelle vorgesehenen Hebeln 4,
wobei die inneren Druckwalzen ihrerseits gelenkartig mit den oberen verbunden sind
und sich 'beim Hochstellen der Hebel um eine vorbestimmte Strecke von den oberen
lösen und herunterklappen lassen, wie in Abb. 2b und 3b. dargestellt ist. Die Anordnung
'kann auch so getroffen werden, daß jeder einzelne mittlere Druckzylinder unabhängig
von den übrigen beim Anheben des Haupthebels nach unten klappt.
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Die Fallhöhe der mittleren Druckzylinder ist durch den Anschlag 5
in der Gabel des inneren Gelenkhebels begrenzt und wird so bemessen, daß die Spinnerin
bei Fadenbruch den unverstreckten Faden durch Anheben des Haupthebels 4, und zwar
zweckmäßig mit der rechten Hand, bequem um die ganzen Streckwalzen legen sowie alsdann
nach Herunterklappen des Hebels und Durchlauf des unverstreckten Teiles den Faden
neu anknüpfen kann. Zwecks erleichterten Einziehens der unverstreckten Fäden in
die Druckwalzen sind diese zweckmäßig iti der in Abb. ia dargestellten Weise am
freien Wellenende konisch abgeschrägt. Dabei ist in an sich bekannter Weise ferner
vorgesehen, daß durch eine mit dem Handhebel verbundene Bremse die betreffende Spindel
bei Fadenbruch stillgesetzt wird, was zeichnerisch nicht dargestellt ist. Die ?Mitnahme
der Druckzylinder erfolgt nach praktischer Erprobung zweckmäßig in der Weise, daß
die mittleren Druckzylinder 2 einen elastischen Belag mit starker Adhäsion, z. B.
aus Gummi, erhalten, Sie legen sich unter dem Eigengewicht der Druckwalzenhebel
auf die zweckmäßig in gehärtetem Stahl ausgeführten, durchgehenden und in bekannter
Weise angetriebenen Unterzylinder auf, werden durch Reibung mitgenommen und treiben
ebenso durch diese die auf ihnen ruhenden oberen Druckwalzen an. Im Bedarfsfalle
kann der Druckwalzenhebel eine zusätzliche Gewichts- oder Federbelastung erhalten.
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Zur Erzielung einer bei jeweils verwandtem Rohmaterial gesicherten
absoluten Verstreckung bis nahe an die Grenze der Kapillarreißkraft wie auch zum
Ausgleich etwaiger während des Verstreckungsvorganges auftretender Schwankungen
in der Verzugsfähigkeit, ist bei dem vorliegenden Streckwerk, und zwar vorzugsweise
zwischen Vorder- und Hinterzylinder, ein Regelgetriebe 6 vorgesehen, mit dem während
des Laufes der Maschine die Gesamtverstreckung in beliebigen Grenzen nach oben und
unten verändert werden kann. Zwischen Mittel- und Hinterzylinder kann dann gemäß
der Abbildungen ein .beliebig großer Vor- oder auch Hauptverzug angewandt und in
letzterem Falle der Nachverzug durch das Getriebe regelbar gestaltet werden. Sinngemäß
lassen sich bei Anwendung eines entsprechenden Vier- oder Mehrzylinderstreckwerkes
entsprechend der jeweils als zweckmäßig erachteten Verzugsstaffelung beliebige Kombinationen
von festen und während des Verstreckens stufenlos regelbaren Verzügen anwenden.
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Das vorliegende Streckwerk wird aber auch noch in anderer Weise vielseitig
anwendbar gestaltet, wenn man die Druckwalzen 2 und 3 auf den Klapphebeln in an
sich bekannter Weise seitlich von den frei tragenden Achsen abziehbar gestaltet.
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Wenn man z. B. gemäß Abb. 2a und 2b die beiden mittleren Druckwalzen
aus dem dargestellten Dreizylinderstreckwerk entfernt, den mittleren Unterzylinder
(Vorverzugszylinder) also blind laufen läßt und die Fadenführung in dargestellter
Weise wählt, wird der Superpolyamidfaden od. dgl. in einer einzigen Stufe fertig
verstreckt. Steckt man hingegen gemäß Abb. 3a, 3b die mittleren Druckzylinder auf
ihre Achsenstutzen und führt den Faden in dargestellter Weise auch um diese, wird
er nach Einklappen des Druckwalzenhebels zwischen Hinter- und Mittelzylinder i,
ia beispielsweise i,8fach oder je nach eingebauten Wechselrädern auch in anderer
Weise i vorverzogen, während der weitere Verzug zwischen Mittel- und Vorderzylinder
erfolgt und der Gesamtverzug mit dem Regelgetriebe in beiden angeführten Fällen
beliebig veränderbar ist.
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Im vorliegenden Streckwerk ist also ein schlupfloser Vor- und auch
Hauptverzug durch Führung der Fäden in einem großen Umschlingungswinkel um jeden
einzelnen Verzugszylinder gewährleistet, und es besteht nicht wie bei anderen Ausführungsformen
derartiger Streckwerke die Notwendigkeit, den Drehsinn der durchgehenden Unterzylinder
umzukehren,
auf umständliche Weise jeden einzelnen Faden von unten
her um die Unterzylinder zu schlingen und mühsam zwischen diesen himdurchzufädeln,
was bei einzelnen Fadenbrüchen in einer vielspin;deligen Maschine jeweils deren
Stillsetzung für die Wiederanknüpfung und einen gewaltigen Erzeugungsausfall bedeutet.
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Nach Abzug vom Vorderzylinder wird der fertig gestreckte Faden in
bekannter Weise der Spinnspindel zugeführt oder, sofern er keine Drehung erhalten
soll, in geeignet erscheinender Form aufgespult.