DE60653C - Verfahren, aus Holz spinnbare Fasern und Nebenerzeugnisse herzustellen - Google Patents
Verfahren, aus Holz spinnbare Fasern und Nebenerzeugnisse herzustellenInfo
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- D—TEXTILES; PAPER
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- D01C—CHEMICAL OR BIOLOGICAL TREATMENT OF NATURAL FILAMENTARY OR FIBROUS MATERIAL TO OBTAIN FILAMENTS OR FIBRES FOR SPINNING; CARBONISING RAGS TO RECOVER ANIMAL FIBRES
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Description
KAISERLICHES
PATENTAMT.
ή 0
Das Holz bezw. der holzige Theil der Pflanzen besteht aus Cellulosefaser!!, welche
durch Stoffe, die man unter dem Namen »inkrustirende Substanzen« zusämmenfafst, in Längsund
Querrichtung zusammengehalten werden; bis jetzt ist es nur gelungen, durch Kochung
mit Chemikalien die inkrustirende Substanz zu entfernen und dadurch das Holz in seine
Fasern zu zerlegen. Es war aber nicht bekannt, dafs auf mechanischem Wege das Holz
so in seinem Zusammenhang gelockert werden kann, dafs es sich in spinnbare Fasern auflösen
läfst. Das zu diesem Zweck einzuschlagende Verfahren bildet den Hauptgegenstand
des Patentes. "
Auf dem Wege der in Rede stehenden mechanischen Zerfaserung des Holzes gelangt
dasselbe auf eine Vorstufe der Umwandlung, welche die Erweichung genannt werden möge.
Diese Vorstufe giebt ein werthvolles Nebenerzeugnifs.
Das zu zerfasernde Holz wird zunächst in entsprechender Weise vorbereitet.
Holzstämme werden in gröfsere Stücke zersägt und diese parallel der Faser in Schichten
von geringer Dicke (Brettchen) getheilt, wobei es zweckmäfsig ist, möglichst astfreies Holz
anzuwenden, welches von den eingewachsenen Aesten auf dem bekannten Wege des Herausbohrens
befreit ist. Holztheile, welche an sich einen geringen Querschnitt haben, wie z. B. Zweige, werden dem nachbeschriebenen
Verfahren entweder im ungespaltenen oder je nach der Dicke in einem mehr oder weniger
gespaltenen Zustande unterworfen. Zur Ausführung des Verfahrens ist es zweckmäfsig,
jedoch nicht nothwendig, die dünnen Holzschichten mit einer Flüssigkeit zu durchtränken
und während der ersten Zeit der Operation zu benetzen.
Die dünnen Holzschichten werden, wie aus Fig. ι und 2 ersichtlich ist, einem Werkzeug
zugeführt, welches vielmals einen schnell sich wiederholenden Druck, insbesondere mittelst
Walzens, auf das zu bearbeitende Holz auszuüben hat und dasselbe zwischen zwei Auflagestellen
biegt, wie punktirt angegeben ist. Durch die häufige Wiederholung eines solchen,
Druckes auf dieselbe Stelle und entlang der ganzen Oberfläche des Holzes wird schliefslich
ein Lockern und eine Trennung des seitlichen Zusammenhanges der Fasern herbeigeführt. ■
Das Werkzeug wählt man ■ am besten so, dafs der das Holz berührende Theil desselben ■
mit breiter, nicht zu dicker und seitlich abgerundeter Fläche ausgestattet ist, welche senkrecht
gegen die Faser quer über das Holz wirkt (vgl. Fig. 1 und 2).
Die Stärke des auf das Holz auszuübenden Druckes, welche von der Beschaffenheit und
dem Querschnitt des Holzes abhängig ist, wird zweckmäfsig so bemessen, dafs das Werkstück
über die Elasticitätsgrenze nahe seiner Bruchgrenze, jedoch immerhin noch innerhalb der
letzteren, gebogen bezw. geknickt wird.
Die Wirkung dieses in genügender Anzahl wiederholten Druckes besteht darin, dafs durch
die vielen Biegungen bezw. Knickungen eine derartige Lockerung und Aufhebung des
zwischen den einzelnen Längsfasern bestehenden seitlichen Zusammenhanges eintritt, dafs das
Holz zuerst in eine weiche, geschmeidige, in der Querrichtung leicht theilbare und in der
Längsrichtung schwer zerreifsbare Masse und dann in eine theilweise weiche und faserige
oder schliefslich in eine ganz faserige Masse verwandelt wird.
Hat das Holz durch die Behandlung in nassem Zustande eine gewisse Geschmeidigkeit
erlangt, so haben die folgenden Biegungen im nassen Zustande auf die weitere Umwandlung
desselben wenig Wirkung mehr; man lä'fst es dann entweder vor oder während der weiteren
Wirkung des Werkzeuges trocknen.
Durch diesen Trockenprocefs wird die Masse wieder spröder und das Sieben derselben erleichtert.
Das Biegen wird weiter so lange wiederholt, bis man aus dem Holz eine vollständig in feine Fasern zerlegte Masse hergestellt
hat. Diese Fasern, welche zum Theil noch zusammengehalten werden, werden in
gleicher Weise wie die rohe Baumwolle weiterverarbeitet und dann versponnen.
Sind bei diesen Operationen Fehler gemacht worden, d. h. hat man das Holz an einzelnen
Stellen zu stark gebogen, so dafs es gebrochen ist, oder hat das Holz nicht die, wie später
angegeben, vorschriftsmäfsige Dicke dem Werkzeug gegenüber gehabt u. s. w., so ist in
diesen Theilen die Trennung der Faser nicht erfolgt und das Holz meist in Form von
parallelen Schichten zurückgeblieben. Diese Holzstückchen lassen sich leicht, wie die Unreinigkeiten
bei der Baumwolle, bei der weiteren Verarbeitung zu Gespinnstfasern entfernen.
Der Zwischenraum der Auflagen, zwischen welchen das Werkstück beansprucht wird, ist
von den Eigenschaften und der Dicke des zu bearbeitenden Holzes abhängig. Ist dieselbe
für die vorhandene Entfernung der Auflagen zu grofs, so ist es nicht möglich, eine feine
Zerfaserung des zu bearbeitenden Holzes herbeizuführen, und es bildet sich die angegebene
schichtenförmige Trennung, welche eine gute Wirkung bei der ferneren Zerlegung des Holzes
schwierig macht.
Die Ausführung des Verfahrens möge an einem bestimmten Beispiel näher erläutert
werden.
Das zu zerfasernde Holz, beispielsweise Fichtenholz, welches von seinen eingewachsenen
Aesten auf dem bekannten Wege des Herausbohrens befreit ist, wird in Brettchen von
ι bis 2 mm Dicke radial gespalten, darauf mit Wasser durchtränkt und dann mit längs geriffelten
Walzen bearbeitet.
Die Walzen, welche paarweise zusammenarbeiten , haben regelmäßige Längsriefen und
sind so eingelegt, dafs die Rippen jeder Walze in die Riefen der gegenüberstehenden Walze
gerichtet sind. Die Rippen sind bei diesem Beispiel von 2 mm Breite und 3 mm Höhe,
oben und unten gut abgerundet und liegen parallel mit der Achse der Walzen. Demzufolge
werden die zwischen die entsprechend gestellten Walzen eingeführten Holzbrettchen
an zahlreichen, auf einander folgenden Stellen wiederholt gebogen bezw. geknickt, oder, genauer
ausgedrückt, ein wenig über die Elasticitätsgrenze hinaus, immer aber innerhalb der
Bruchgrenze gebogen bezw/ geknickt und bei wiederholtem Durch walzen mit Biegungen bezw.
Knickungen, welche der Hauptrichtung nach quer zum Faserlauf gerichtet sind, überarbeitet.
Anfangs, so lange das Holz noch spröde ist, wird stets eine ganz schwache Biegung veranlafst,
um einen Bruch der Längsfaser und ein Zerlegen des Holzes in Parallelschichten nach
Möglichkeit zu verhüten; es wird zu diesem Zwecke der Druck zu Anfang geringer gehalten
als später, da das Zerreifsen der Längsfaser und die Bildung paralleler Schichten für die
nachfolgende Zerfaserung von Nachtheil ist.
Bei den Knickungen oder übermäfsigen Biegungen dürfen nicht etwa einzelne oder
mehrere Fasern, wie bei wirklichem Brechen der Brettchen geschehen würde, . zerreifsen,
sondern es wird nur an der Knickstelle jedesmal der seitliche, durch die inkrustirende Substanz
vermittelte Zusammenhang der Fasern aufgehoben, was durch die vorhergegangene Netzung der Werkstückchen erleichtert wird.
Die zahlreichen Wiederholungen des Knickens erstrecken diese Art der Ablösung von Fasern
von einander nach und nach über das ganze Werkstück. Ungefähr 30 Walzenpaare folgen
in kurzen Abständen auf einander; die Tränkung der Werkstücke mit Wasser wird von
Zeit zu Zeit wiederholt.
Der Betrieb der Walzen geschieht durch Vermittelung von Zahnrädern. Die Walzen
jedes Paares lassen sich radial gegen einander verstellen; solche Verstellungen werden nach
mehrmaligem Durchwalzen des Holzes bewirkt. Die Anpressung findet unter Einschaltung von
Federn statt, so dafs die" Walzen den zu dicken oder zu harten Stellen des Holzes nachgeben
können; sie richtet sich nach der Beschaffenheit des Holzes und beträgt auf.i mm
Breite etwa 1 bis 2 kg.
In der Regel wird die Walzenachsstellung durch die Anpressung so geregelt, dafs bei
jedem neuen Durchgang . die Einknickungen die vorhergehenden übertreffen, so dafs beim
letzten Durchgang das schon weich und schmiegsam gewordene Werkstück stark in die
Tiefe der Riefen eingedrückt wird.
Haben die Werkstücke das Knickwalzwerk genügend oft durchlaufen, so haben sie gar
nicht in der Länge, wenig in der Breite, jedoch meist erheblich in der Dicke zugenommen und
sind bei den Nadelhölzern in eine theils leicht
zerfaserbare, theils weiche, schwammige Masse, bei den Laubhölzern ganz in die letztere
Form übergegangen.
Ist die gewünschte Ueberführung noch, nicht vollständig, so müssen die Brettchen wiederholt
durch ein ähnliches Walzwerk laufen. ■
Die Höhe und die Entfernung der Rippen darf nicht beliebig gewählt werden. Je weiter
die Rippen von einander entfernt sind, desto dicker werden die Faserbündel bleiben, desto
dickere Holztheile aber können angewendet werden. Je näher dieselben an einander
liegen, desto mehr wird die feine Zerfaserung begünstigt, bis die Rippen der Walzen zuletzt
überhaupt nicht mehr im Stande sind, die Biegungen und demnach .auch die Umwandlung
durch die ganze Holzmasse zu bewirken. Das Holz wird dann nur an der Oberfläche
weich werden.
Die weich gemachten nassen Brettchen werden nun entweder zwischen einer Maschine
mit eben solchen, aber geheizten Walzen unter fortgesetztem Walzen getrocknet oder durch
besondere Trockeneinrichtungen erst vom Wasser befreit.
Bei dem Walzen dieser besonders getrockneten Massen müssen ganz dieselben Vorsichtsmafsregeln,
wie beim Beginn des Walzens überhaupt, angewendet werden, weil dieses Material anfangs etwas, spröde und leicht zerbrechlich
ist.
Bei diesen sogenannten trockenen Walzen ist die Belastung der oberen Walzen bei
weitem geringer und so abgestimmt, dafs ein Zerreifsen der Faser beim Hineindrücken derselben
in die Zwischenräume der Rippen nicht eintritt.
Nach dieser Bearbeitung hängen die Fasern zum Theil noch in dickeren, lockeren Bündeln
zusammen. Ein etwaiges weiteres Zerfasern erfolgt zwischen Walzen mit engeren Riefen
unter geringer Belastung. Das in dieser Weise ausgeführte Walzen wird so lange wiederholt,
bis die gewünschte oder eine möglichst grofse Feinheit der Faser erreicht ist.
Jede Holzart oder jeder holzartige Pflanzentheil giebt, auf gleiche Weise behandelt, bei
Berücksichtigung der oben angegebenen Momente brauchbare Fasern. Selbstverständlich
können alle Holzabfälle von genügender Dicke und lä'ngerer Faser, wie Aeste, Zweige, Schwarten
u. dergl. m., verarbeitet werden. Die schliefsliche
Feinheit und Festigkeit der Faser ist sowohl von dem Rohstoff als auch der Bearbeitung
abhängig.
Für Deutschland ist besonders das Kiefern-, Tannen- und Fichtenholz für diese Fabrikation
geeignet.
Das beschriebene Verfahren läfst sich, wie nachfolgende Beispiele zeigen, in verschiedener
Weise abändern.
.Zunächst können statt des Wassers andere Flüssigkeiten, z. B. OeIe, mit gutem Erfolg
benutzt werden. Ferner können statt der ge-' rippten Walzen glatte von kleinem Durchmesser
in sehr grofser Zahl angewendet/werden, da sich dieselben in der Zusammenstellung wie
grofse Walzen mit gröfseren Rippen verhalten. Statt die'Pflanzentheile durch die Walzen ohne
starken Druck oder Zug hindurchgehen zu lassen, kann ein solcher mit gutem Erfolg benutzt
und hierdurch die Lockerung des Zusammenhanges der Fasern beschleunigt werden.
Die häufigen Biegungen kann man statt durch die angegebenen Walzen ebenso auch
durch Pressungen der dünnen Holzschichten zwischen gerippten Platten hervorbringen,
welche gleichsam Ausschnitte aus unendlich grofsen Walzen darstellen.
Ist die Dicke des zu bearbeitenden Holzes so gering, dafs eine erhebliche Schicht über
einander gelagerter Fasern nicht vorhanden ist, so ist das Holz so elastisch, dafs es die Biegungen
ohne gröfseren Widerstand mitmacht. Eine Verschiebung der einzelnen Fasern findet
dann nicht statt, das Holz bleibt unzerfasert.
Wird statt zwei geriffelter Walzen eine geriffelte und eine glatte verwendet, so bewirken
bei sehr dünnen Brettchen (Hobelspänen) die Rippen eine stellenweise Pressung ohne eine
nennenswerthe Biegung und demzufolge Zerfaserung des Holzes. Werden jedoch nicht
ganz dünne Brettchen oder dickere HolzstUcke verwendet, so dafs vermöge des Druckes der
Rippen und der Elasticität des tiefer befindlichen Holzes Biegungen eintreten, so findet
auch Weichwerden und schliefslich Zerfaserung an der Oberfläche statt.
Jede einzelne Rippe dringt an der Berührungsstelle in das Holz, die neben dieser Rippe
liegenden Theilchen jedoch, welche keinen Druck durch dieselbe erleiden, bleiben in der
Hauptsache in ihrer ursprünglichen Lage. Es bekommt deshalb die Oberfläche durch den
Druck der Rippen Biegungen, welche vermöge der Elasticität des tiefer liegenden Holzes nach
Aufhebung des Druckes fast vollständig wieder verschwinden. Die elastische Wirkung, welche
hier durch die dickere Schicht des Holzes hervorgebracht wird, kann selbstverständlich auch
durch eine besondere elastische Unterlage bewirkt werden.
Die entsprechenden Wirkungen werden an der Oberfläche wie bei Verwendung einer geriffelten
Walze, so auch bei Benutzung zweier geriffelter Walzen bei so dicken Brettchen bezw. Holzstücken eintreten, bei welchen die
Biegungen nicht durch die ganze Dicke derselben vor sich gehen:
Nur so weit, als die Rippen der Walzen eine stärkere Biegung bewirken, findet Zerfaserung
statt, und es wird hierbei gleichgültig sein, ob
Claims (3)
1. Behandlung von Holz oder holzigen Pflanzentheilen
zur Gewinnung von weichem Holz oder verspinnbaren Fasern, darin bestehend, dafs man dünne Holzbrettchen oder Holzstückchen
in trockenem oder in mit Flüssigkeit getränktem Zustande mit lärigsgeriffelten
Walzen bearbeitet, welche paarweise in der Weise zusammen arbeiten, dafs die Rippen
der einen Walze den Zwischenräumen der Rippen der anderen Walze im Wesentlichen
gegenüberstehen, so dafs die Längsfasern des Holzes wellenförmig gebogen oder geknickt werden.
2. Ersatz der längsgeriffelten Walzen gemäfs Anspruch i. durch mit parallelen Rippen
versehene Plattenpaare, bei welchen wiederum die Rippen und Vertiefungen einander gegenüberstehen.
3. Ersatz der einen längsgeriffelten Walze oder der einen mit parallelen Rippen versehenen
Platte gemäfs Anspruch 1. und 2. durch den elastischen Gegendruck tieferer Holzschichten
oder einer anderen unter dem zu bearbeitenden Holz befindlichen elastischen Unterlage.
Hierzu 1 Blatt Zeichnungen.
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Also Published As
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| DE69217C (de) |
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