DE58752C - Verfahren und Vorrichtung zum Walzen von Röhren und röhrenförmigen Stangen beliebigen Querschnittes ohne Schweifsnaht - Google Patents
Verfahren und Vorrichtung zum Walzen von Röhren und röhrenförmigen Stangen beliebigen Querschnittes ohne SchweifsnahtInfo
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Description
KAISERLICHES
PATENTAMT
PATENTSCHRIFT
KLASSE
4θ-κ Mechanische Metallbearbeitung.
JULIUS RIEMER in DÜSSELDORF.
Patentirt im Deutschen Reiche vom l. Februar 1891 ab.
Das Verfahren zum Walzen von Röhren, röhrenförmigen Stangen, Cylindern u. dergl.
kennzeichnet sich im wesentlichen dadurch, dafs hohle Arbeitsstücke über zweitheiligen Dornstangen
in der Weise ausgewalzt werden, dafs die Arbeitsstücke beim Walzen hinwärts von der einen Dornstangenhä'lfte auf die andere
und von da rückwärts auf die erste Hälfte der zweiten Dornstange, von hier hinwärts auf die
andere Hälfte der zweiten Dornstange, dann wieder rückwärts auf die erste Hälfte der
dritten Dornstange übergehen u. s. f., bis die gewünschte Verlängerung und Profiländerung
des Arbeitsstückes eingetreten ist. Nach diesem Verfahren können auf gewöhnlichen Trio-Reversirwalzwerken
oder Vierwalzensystemen aus entsprechend vorgearbeiteten, gegossenen, geschmiedeten, geprefsten oder gebohrten Hohlkörpern
Röhren, röhrenförmige Stäbe, hohle Cylinder u. dergl. ohne. Naht von beliebigem Querschnitt und mit beliebiger Wandstärke in λ
Stahl oder anderen Metallen oder Metalllegirungen hergestellt werden.
In der Zeichnung, Fig. ι bis 3, ist beispielsweise
das Verfahren unter Anwendung eines gewöhnlichen, sonst zum Auswalzen voller Rundmetallstangen dienenden Triowalzwerkes
mit Rundkaliberwalzen zur Herstellung runder Röhren ohne Naht veranschaulicht.
Metallcylinder A von entsprechender Bohrung und Gewicht werden in einem Schweifs- oder
Wärmofen in üblicher Weise bis zum Stadium bester Streckbarkeit erhitzt und zunächst über
den Theil I der ersten Stange α geschoben.
Diese Stange besitzt an einem Ende eine Verstärkung a1, genannt Dorn oder Kaliberstopfen,
welcher zwischen die Walzen gebracht wird und das betreffende Kaliber zum Theil, d. h.
so ausfüllt, dafs ein ringförmiger freier Raum für den Durchgang des Werkstückes verbleibt.
Der Dorn wird hierbei so weit vorgeschoben, dafs er mit seiner gröfsten Dicke etwas über
die Mittellinie der Walzen hinausreicht, wie Fig. 4 in gröfserem Mafsstabe zeigt. Die
Stange α besitzt an ihrem anderen Ende einen festen Bund α3, mit welchem sie an einem
Balken d ihr Widerlager findet.
Der Theil II der Stange α ist gleichfalls mit einer Verstärkung a2 und einem festen Bund a3
ausgerüstet und wird gleichzeitig mit dem Theil I zwischen die Walzen gebracht und der
Dornkopf α2 mit dem Dornkopf a1 dicht zusammengestofsen,
wobei letztere gegen etwaiges Verschieben wie zum Centriren der Dorne mit Zapfen und Zapfenloch zusammengekuppelt
werden, wie Fig. 4 zeigt.
Bei dieser geschlossenen Stellung der Dornstange α wird das vorher aufgebrachte erwärmte
Arbeitsstück A den Theil I entlang den Walzen C C1 zugeführt und von diesen
über den Dorn α1 α1 hinweggezogen und auf
den Theil II geschoben. Während des Durchganges durch die Walzen wird ein gröfstmöglicher,
dem Material, Kaliber und Wärmegrad entsprechender Druck gegeben und die erste Streckung des Cylinders A bewirkt.
Nach diesem ersten Walzenstich wird der Theil II der Stange α mitsammt dem dar-
auf übergegangenen Walzgut behufs weiterer Streckung aus seiner Lage ausgehoben, mit
seinem Dorn a2 in das zweite Kaliber zwischen die Mittelwalze C1 und die Unterwalze C2 gebracht
und hier dem Dorn b1 des Stangentheiles
III entgegengestellt bezw. mit demselben verkuppelt. , Der Stangentheil II bildet dann
mit dem Stangentheil III die zweite zweitheilige· Dornstange b. Das Walzgut wird nun den
Walzen C1C2 entgegengeschoben, erhält von
denselben den zweiten Walzstich und geht dabei auf den ersten Theil III der Stange b
über.
Sodann wird der Theil III der Stange b mitsammt
dem Walzgut aus seiner Lage gehoben und dem Stangentheil IV entgegengestellt, so
dafs die beiden Theiie III und IV die dritte zweitheüige Dornstange c darstellen. Der Dorn
&1 c2 findet wie vorher seinen Platz zwischen
dem dritten Kaliber der Walzen C1 C, das Walzgut erhält den dritten Stich und geht auf
den Theil IV der Stange c über, um von da in gleicher Weise durch die Walzen und über
die folgenden Dorne von einer Stange zur anderen überzugehen, bis das ursprünglich kurze,
starkwandige Cylinderstück A in ein Rohr von gewünschter Länge, Durchmesser und Wandstärke
umgewandelt ist.
Wie ersichtlich, wird bei der Ausübung dieses Verfahrens dem gewöhnlichen Walzwerk
auf. beiden Seiten je ein Bockpaar D E mit Querbalken d d1 e e1 hinzugefügt. Die Querbalken
werden mit Hülfe der Verschiebbarkeit der Böcke D E so eingestellt, dafs an denselben
die Dornstangen mit ihren Bunden a% b3 c3
festen Widerhalt finden, einerlei, ob die Dornstangentheile beim Walzen auf Zug oder Druck
in Anspruch genommen werden. Aus den Fig. ι und 2, in welchen der Gang des Walzgutes
durch Pfeile angedeutet ist, ist ersichtlich, dafs die wirkenden Dornstangentheile I, II, III
auf Zug beansprucht werden, und es sind hier die Längen der Stangentheile so bemessen,
dafs die Bunde bei richtiger Lage der Dorne zwischen den Walzen sich von aufsen gegen
die Balken d e d1 e1 fest anlegen. Gleichzeitig
legen sich die Bunde der je entgegengestellten Stangentheile II, III, IV von innen gegen diese
Balken und sichern so die unverrückbare Lage der Dornstangentheile zu einander und zu den
Walzkalibern während des Walzens.
Je nach den Längen und den Durchmessern der zu erzeugenden Röhren finden verschiedene
Arten von Dornstangen, Dornen und Dornverkupplungen Anwendung. In den Fig. 4 bis 8 sind einige Beispiele solcher Dornstangen
dargestellt. ' .
■ Die Dorne al a% Fig. 4, welche mit den
Dornstangentheilen aus einem Stück bestehen —- jedoch auch mit denselben verschraubt oder
auch sonst geeignet verbunden sein können — finden vorzugsweise Anwendung beim Walzen
von hohlen Stäben, Röhren u. dergl. von kleinen Querschnitten bezw. Durchmessern.
Die Dornstangen werden hierbei so in die Querbalken eingelegt, dafs die wirkenden
Stangentheile beim Durchgang des WalzstUckes durch die Walzen stets nur auf Zugfestigkeit
beansprucht werden.
Die Dorne / 1J2, Fig. 5 und 6, welche auf
Zapfen der Dornstangen/ aufgeschoben sind, sollen vorzugsweise Anwendung finden beim
Walzen von Röhren mit mittelgrofsen Profilen, bei welchen die Dornstangen infolge der
gröfseren lichten Weiten der herzustellenden Röhre so stark gewählt werden können, dafs
sie beim Durchgang des Walzgutes Druck oder Stöfs aushalten. In diesem Falle ist es nicht
erforderlich, dafs für alle Walzenstiche eine gesonderte zweitheilige Dornstange angewendet
wird, man kann vielmehr für. die ganze Serie von Walzenstichen mit nur einer zweitheiligen
Dornstange bezw. mit zwei Stangentheilen I und II, Fig. 5 und 6, auskommen. Zu dem
Zwecke sind die Dorne/1/2 von den Stangenzapfen
abnehmbar eingerichtet, und es wird nach dem ersten Walzenstich, nach welchem der Stangentheil I frei wird, deren Dorn/1
abgenommen und statt dessen der Dorn /3 aufgeschoben. Der Stangentheil I wird nun
sammt dem Dorn /3 dem Stangentheil II entgegengestellt und bildet mit demselben wieder
die zweite Dornstange für den zweiten Walzenstich. Hiernach wird der Dorn /2 abgenommen
und durch einen Dorn /4 ersetzt, wonach die Stangentheile II mit Dorn f*
und I mit Dorn /3 die dritte Dornstange für den dritten Walzenstich bilden u. s. f.
Die Dorne g} g2 gs, Fig. 7, mit Dornstangen g sollen vorzugsweise Anwendung finden
beim Walzen von schweren oder sehr weiten Hohlkörpern. Dieselben sind hohl gehalten,
um bei möglichst geringem Eigengewicht behufs leichterer Hantirung während der Arbeit
doch genügende Festigkeit darzubieten. Das Arbeitsverfahren wird zweckmäfsig in gleicher
Weise ausgeübt, wie bei den Stangen Fig. 5 Und 6 beschrieben ist.
Die Dorne können auch aus einem Stück hergestellt sein, wie Fig. 8 und 9 in zwei Beispielen
zeigen. Die Dorne g·4 gs werden diesenfalls
nach jedem Walzenstich entfernt und für den zweiten Stich durch neue ersetzt, welche
auf den zweiten Stangentheil geschoben und dem ersten Stangentheil entgegengestellt werden
u. s.w., so dafs wieder zwei Stangen für die ganze Walzperiode genügen.
Die in den Fig. 4, 6 bis 8 dargestellten Dorne sind mit von Walzenstich zu Walzenstich
abnehmendem Querschnitt gedacht, einestheils um während der Streckung der Hohlkörper
Kraft zu ersparen, anderentheils um mit
der Verminderung des äufseren Querschnittes des Walzgutes in den stetig sich vermindernden
Walzenkalibern auch eine stetige Querschnittsverkleinerung des inneren Hohlraumes
herbeizuführen. Diese Querschnittsverminderung wird bei dem beschriebenen Walzverfahren in der Regel mit Vortheil angewendet
werden. Sie ist jedoch nicht erforderlich, wenn Röhren mit beim Auswalzen constant bleiben-.der
inneren Weite hergestellt werden sollen. In diesen Fällen wird das Walzverfahren mit
Dornen von constantem Querschnitt ausgeübt, und es erhalten die Dorne dann sofort die
Stärke und den Querschnitt oder Durchmesser, welcher der inneren Weite des herzustellenden
Rohres am Schlufs der betreffenden Walzperiode entspricht. Dieses abgeänderte Walzverfahren
kann demgemäfs mit gleichen Dornen und Stangentheilen, und zwar für beliebig viele
Kaliberstufen mit nur je einer zweitheiligen Dornstange bezw. zwei gleichen Stangentheilen
mit zwei äufserlich gleicher! Dornen ausgeübt werden.
Die Rohre, röhrenförmigen Stangen oder hohlen Cylinder können nach diesem Verfahren
mit rundem, ovalem, quadratischem u. s. f. Querschnitt ausgewalzt werden, wie z. B. die
Fig. io bis 14 zeigen. Oder es können solche Hohlkörper mit Querschnittsprofilen ausgewalzt
werden, welche aufsen und innen verschieden sind, wie z. B. die Fig. 15 bis 18 zeigen. In
diesen Fällen sind den zu erzeugenden Hohl-,profilen
entsprechende Dorne mit rundem, quadratischem u. s. f. Arbeitsquerschnitt anzuwenden,
während die Walzenkaliber für die gewünschte äufsere Profilirung einzurichten sind.
Auch kann man in einer und derselben Walzperiode Dorne von verschiedenen Arbeitsquerschnitten
benutzen und dadurch ein Querschnittsprofil in einer oder mehreren Walzenstufen in ein anderes verwandeln.
Claims (4)
1. Ein Verfahren zum Walzen von Röhren, röhrenförmigen Stangen, Cylindern u. der'gl.
ohne Schweifsnaht durch Auswalzen hohler Arbeitsstücke über zwischen die Walzkaliber
gebrachte zweitheilige Dornstangen mit zweitheiligen festen oder auswechselbaren
Dornen, wobei das Walzgut beim Hin- und Rückgang von Stangentheil zu
Stangentheil übergeführt wird.
2. Die zur Ausführung des unter Anspruch 1. gekennzeichneten Verfahrens dienenden vollen
oder hohlen Dornstangen (a b efg..., Fig. 1,
2, 4 bis 9), oder Dorne (a1 d2 . ... bl b2. . .
c>c2...7V2/3/4---^irV£rV·-·,
Fig. ι, 2, 4 bis 9), welche bei den zwischen die Walzen zu bringenden Arbeitsstellen getheilt
und aus einander nehmbar bezw. auswechselbar eingerichtet sind.
3. Die Ausführung des unter Anspruch 1. gekennzeichneten
Verfahrens unter Anwendung von Dornen mit verschiedenen Querschnittsprofilen bei einer Walzperiode, zum Zwecke,
die inneren Querschnittsformen des Walzgutes beliebig umzuwandeln.
4. Eine zur Ausführung des unter Anspruch 1. gekennzeichneten Walzverfahrens dienende
Einrichtung, bei welcher die Dornstangen in zu beiden Seiten des Walzwerkes angeordneten
einstellbaren Querbalken (d d' e e1,
Fig. i, 2 und 3) gelagert sind und sich dagegen mit ihren Bunden (α3 b3 c3. . ., Fig. 1
und 2) durch den Zug oder Druck beim Walzen selbstthätig anlegen.
Hierzu ι Blatt Zeichnungen.
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE58752C true DE58752C (de) |
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| DENDAT58752D Expired - Lifetime DE58752C (de) | Verfahren und Vorrichtung zum Walzen von Röhren und röhrenförmigen Stangen beliebigen Querschnittes ohne Schweifsnaht |
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