DE2548940C2 - Verfahren zum Verhindern des Eindringens einer metallischen Schmelze in eine Spaltfuge - Google Patents
Verfahren zum Verhindern des Eindringens einer metallischen Schmelze in eine SpaltfugeInfo
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Description
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Verhindern des Eindringens einer metallischen Schmelze in eine
Spaltfuge zwischen die Schmelze führenden Teilen, z. B. Teilen einer Gießrinne.
Praktisch alle Zweige des Gießereiwesens, insbes. spezielle Stranggießverfahren, z.B. mit Gießwalzen,
von Bändern, das horizontale Stranggießen insbes. in stationären oder bewegten Stranggießkokillen oder dgl.
stoßen ständig auf Probleme im Zusammenhang mit dem Eindringen der Metallschmelze in Spaltfugen, die
beispielsweise zwischen den einzelnen Abschnitten der Gießrinne, eines geschlossenen Kanals, dem Boden und
den Seitenwänden von Stranggießkokillen oder dgl. vorhanden sind. Gleiches gilt für bestimmte mehrteilige
Blockgußkokillen, in denen die Schmelze erstarren soll. Abgesehen von Grat oder Kratzern an den Gußstücken
kann eine nur teilweise erstarrte dünne Gußhaut durch Eindringen und Erstarrung von flüssigem Metall in eine
Spaltfuge bei einer Relativbewegung zu ihr oder zwischen den die Spaltfuge begrenzenden Teilen aufreißen.
Meist ist auch der mechanische Verschleiß von Lagern von die Spaltfugen begrenzenden bewegten Teilen
praktisch untragbar.
Diese Auswirkungen können teilweise vermindert werden, indem z. B. die Oberflächenspannung der
Schmelze durch Entfernung von die Oberflächenspannung herabsetzenden Begleitstoffen, z. B. Schwefel und
Sauerstoff bei Eisen, heraufgesetzt wird, oder indem Materialien für die die Schmelze führenden Bauteile
verwendet werden, die eine der Schmelze gegenüber niedrige Adhäsion haben. Die Heraufsetzung der Oberflächenspannung
und die Senkung der Adhäsion würde Kapillarwirkungen und damit dem Eindringen in Spaltfugen
etwas abhelfen können. Die Löslichkeit eines Stoffes in einem Material ist aber eine Funktion der
Oberflächenspannung. Es ist noch kein Stoff bekannt, den z. B. flüssiges Eisen nicht wenigstens zu einem kleinen
Teil auf längere Dauer angreift
Derartige Maßnahmen reichen allerdings dann nicht aus, wenn z. B. die Stoßflächen der Spaltfugen sich gegeneinander
bewegen. Solche Relativbewegungen treten in Stranggießkokillen auf.
An sich ist das Ausfüllen von Spaltfugen mit Dichtungen zum Verhindern des Eindringens geförderter Stoffe
altbekannt Diese Maßnahme läßt sich jedoch bei Schmelzen führenden Bauteilen im allgemeinen nicht
befriedigend anwenden, u. a. wegen der Reaktionsfreudigkeit der Schmelzen.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zum Verhindern des Eindringens von Schmelze
in Spaltfugen anzugeben, das sich an besonders kritischen Stellen einsetzen läßt und auch auf lange Dauer
befriedigende Ergebnisse erzielt.
Zur Lösung dieser Aufgabe ist erfindungsgemäß vorgesehen, daß die Schmelze durch elektromagnetische
Kräfte über die Spaltfuge hinweggeführt wird.
Induziert ein mit Wechselstrom gespeister Leiter in einem nichtmagnetischen Leiter einen Strom, so ergibt
sich eine abstoßende Kraft zwischen diesen beiden Leitern.
Eine in der Nähe einer Spaltfuge gelegene, mit Wechselstrom gespeiste Induktionsspule induziert also
in der Schmelze Ströme, die eine Abstoßung zwischen Spule % und damit der Wand der Gießrinne % und der
Schmelze bewirken. Diese Abstoßung verhindert ein Einsickern der Schmelze in die Spaltfuge bzw. erschwert
dieses Einsickern.
Dieser Abstoßeffekt wird im Schmelz- und Gießereiwesen schon genutzt Im Induktionstiegelofen ist die sogenannte
Badüberhöhung des Metallspiegels eine Folge dieser Abstoßwirkung. Im Induktionsrinnenofen
wird der sogenannte Pincheffekt ausgenützt, wonach das eine Rinne für die Schmelze umgebende und vom
Rinnenstrom induzierte Magnetfeld den Rinnenquerschnitt teilweise (scheinbar) abschnürt Elektromagnetische
Felder und Kräfte werden auch beim sogenannten Levitationsschmelzen verwendet
Es ist ferner bekannt, das mittels elektromagnetischer
Kräfte eine metallische Schmelze beim Zonenschmelzverfahren oder beim Stranggießen mittels elektromagnetischer
Stranggießkokille als Strang vergossen werden kann (DE-OS 21 21 978). Zum Regeln der Ausflußmenge
an Schmelze aus einer Gießpfanne ist es bekannt, in einen Auslauftrichter zu gießen, der von einer wassergekühlten
Induktionsspule umgeben ist und vor dem Auslab einen Kern aufweist, so daß der im ausfließenden
Metall induzierte Strom den Metallfluß im Ringraum um den Kern verlangsamen und regeln kann (Herrmann,
»Handbuch des Stranggießens«, S. 352, Bild 1215).
Auch ist ein Verfahren zum Regeln des Zuflusses der Schmelze bei Stranggießanlagen bekannt, bei welchem
der Auslauftrichter eine vorstehende Auslauftülle hat, um die ein hufeisenförmig ausgebildeter Magnetkern
mit einer Induktionsspule gelegt ist Entlang des Fließweges der Schmelze von dem Auslauftrichter zu der
Stranggießkokille wird ein elektrischer Strom geführt, zu dem in senkrechter Ebene das Magnetfeld des Magneten
angeordnet ist, wodurch in einer senkrecht zu der Ebene der Stromrichtung liegenden Ebene auf jedes
Teilchen der Schmelze eine Kraft ausgeübt wird, die ein Einschnüren bzw. ein Bündeln des Gießstrahls bewirkt
Durch Regelung der Stärke des Magnetfeldes ergibt sich eine Ausflußmengenregelung (DE-AS 11 26 568).
Schließlich ist es bekannt, zur Erzeugung eines Drukkes in geschmolzenem Metall zur Förderung von Metallschmelzen
in dem in einem geeigneten, mit Zu- und Abflußeinrichtungen versehenen Gefäß befindlichen geschmolzenen
Metall ebenso wie zur Durchflußregelung einen elektrischen Stromfluß zu erzeugen, wobei gleichzeitig
das geschmolzene Metall von einem Wandermagnetfeld senkrecht zur Stromflußrichtung geschnitten
wird, so daß ein Fördern der Schmelze, insbes. ein Pumpen bewirkt wird.
Bei allen bekannten, zur Einwirkung auf die fließende Schmelze eine elektromagnetische Kraft verwendenden Verfahren wird der Schmelzstrom nicht von einer ihn führenden oder haltenden Fläche abgehoben. Die Erkenntnis, daß die Möglichkeit des Abhebens oder starken Zurückdrängens der Schmelze von einer sie haltenden oder führenden Wand ohne weiteres möglich ist, war nicht vorhanden. Eine solche Möglichkeit hat man auch nicht angenommen. Dies ergibt sich schon daraus, daß das erfindungsgemäße Problem alt ist und die An-
Bei allen bekannten, zur Einwirkung auf die fließende Schmelze eine elektromagnetische Kraft verwendenden Verfahren wird der Schmelzstrom nicht von einer ihn führenden oder haltenden Fläche abgehoben. Die Erkenntnis, daß die Möglichkeit des Abhebens oder starken Zurückdrängens der Schmelze von einer sie haltenden oder führenden Wand ohne weiteres möglich ist, war nicht vorhanden. Eine solche Möglichkeit hat man auch nicht angenommen. Dies ergibt sich schon daraus, daß das erfindungsgemäße Problem alt ist und die An-
Wendung der elektromagnetischen Kraft im Gießereiwesen
ebenfalls schon lange erfolgt
Die Erfindung kann in einer Reihe von Anwendungsbereichen eingesetzt werden, z. B. bei Stranggießkokillen
für das Abdichten verschiebbarer Kokiüenwände, beim Stranggießen mittels Gießwalzen, z. B. nach der
Methode von Bessemer, für die Fugen zwischen Gießwalze und Seitenwänden (sogenannten Herzstücken),
beim Stranggießen von Bändern, z. B. nach der Methode
von Hazelett, und bei Füll- und Fördervomchtungen
für das Hcizontalstranggießea
Zwei Ausführungsbeispiele der Erfindung werden anhand einer Zeichnung näher erläutert, in der zeigen
F i g. 1 eine Stranggießanlage im Vertikalschnitt mit einer Gießrinne,
F i g. 2 einen Längsschnitt durch einen Teil der Gießrinne und
F i g. 3 einen Querschnitt durch die Gießrinne.
Bei im Querschnitt verstellbaren Stranggießkokillen, deren Wände mittels Verschraubungen und dgl. zusammengehalten
werden, können zur Verhinderung des Eindringens von Schmelze in die Spaltfugen an den Ekken,
die sich infolge der Verfoimung der Seitenwände mit der Zeit häufig mehr und mehr öffnen, diese elektromagnetisch
abgedichtet werden.
F i g. 1 zeigt eine Spaltabdichtung beim Stranggießen. Mit einem Heber 1 wird flüssiges Metall 2 aus einem
Schmelzengefäß 3 entnommen. Statt eines Vakuumheber kann auch ein Druckheber oder eine elektromagnetische
Förderung vorgesehen werden. Mittels einer Induktionsspule 4 bzw. 4', welche oberhalb einer Kokille
7 längs deren Umfang angeordnet ist, kann die Schmelze daran gehindert werden, in die Spaltfugen 5
bzw. 5' zwischen dem Heber 1 und der Wand der Kokille einzudringen und dort zu erstarren. Der Heber 1
kann entweder stationär % wie links der Mittellinie dargestellt % angeordnet sein oder kann sich mit der
Stranggießkokille 7, wie dies in der rechten Hälfte der Figur dargestellt ist, mitbewegen. Die gezeigte Abdichtung
ist allerdings auch bei nicht-oszillierenden Stranggießkokillen
sinnvoll, da eine Spaltfuge 5' auch erwünscht sein kann, um den Austritt von aus der
Schmelze freiwerdenden Gasen zu ermöglichen.
Fig.2 zeigt ein weiteres Ausführungsbeispiel der
Anwendung der Erfindung an einer Gießrinne, bei der zwei stumpf aneinanderstoßende Rohrschüsse 6 und 6'
mit ihren Stirnflächen eine Spaltfuge 5 begrenzen. Die Rohrschüsse sind aus nichtleitendem feuerfestem
Werkstoff gefertigt, um Abschirmeffekte zu vermeiden.
Die Spaltfuge 5 ist von einer als Bandspule ausgebildeten Induktionsspule 4 umgeben. Mit Hilfe des von ihr
erzeugten elektromagnetischen Feldes wird das schmelzflüssige Metall 2 über die Spaltfuge 5 hinübergehoben.
Dadurch kann ein Eindringen von Schmelze in die Spaltfuge 5 unterbunden werden.
Der Leistungsbedarf des erfindungsgemäßen Verfahrens läßt sich aufgrund folgender Gesetzmäßigkeiten
ermitteln.
Trifft eine elektromagnetische Welle auf einen metallischen Körper, so beträgt der hierdurch verursachte
magnetische Druck nach Esmarch
Ps = 31,6 (pf/μ)-« χ Pif x 10-* kp/cm2
wobei für Pif die im Metall induzierte Leistung in
kW/m2, für ρ der spezifische Widerstand des Stoffes in /zOhm m und für f die Frequenz in Hz einzusetzen sind.
Bei einer absorbierten Leistung von 1 kW/m2 erhält man bei einem spezifischen Widerstand von flüssigem
Stahl von etwa 1,4/iOhm m und einer Frequenz von
50 Kz (μ = 1, da flüssiger Stahl unmagnetisch ist)
F5 = 0,37 g/cm2 pro 1 kW/m2 absorbierte Leistung.
Da eine Schicht von 1 cm Dicke von flüssigem Stahl etwa 7 g/m2 wiegt, wäre eine absorbierte Leistung von
ca. 24 kW nötig, um auf diese Schicht eine seine Gewichtskräfte aufhebende Abstoßkraft auszuüben. Die zu
induzierende Leistung kann mit Hilfe der Formel
Pif = 1,987 χ 10-9 H2m (ρμίγ>^ kW/m2
berechnet werden. Dabei sind H die magnetische Feldstärke auf der Oberfläche in A/m, ρ der spezifische
Widerstand in pOhm m und die Frequenz f in Hz einzusetzen,
m ist ein geometrischer Korrekturfaktor.
Hierzu 2 Blatt Zeichnungen
Claims (1)
- Patentanspruch:Verfahren zum Verhindern des Eindringens einer metallischen Schmelze in eine Spaltfuge zwischen diese fahrenden Teilen, dadurch gekennzeichnet, daß die Schmelze durch elektromagnetische Kräfte über die Spaltfuge hinweggeführt wird.
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