DE19548718C1 - Reibungsbelastetes Bauteil eines Verbrennungsmotors - Google Patents
Reibungsbelastetes Bauteil eines VerbrennungsmotorsInfo
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Description
Die Erfindung betrifft ein Bauteil eines Verbrennungsmotors,
mit einem im Motorbetrieb bewegungsreibungsbelasteten Bereich.
Reibungsbelastete Bauteile finden
sich beispielsweise in einer Kolben-Laufbüchsen-Einheit, einer
Kurbeltriebeinheit und einer Ventiltriebeinheit eines Kraftfahr
zeug-Verbrennungsmotors.
Herkömmlicherweise wird zur Schmierung von sich im Motorbetrieb
relativ zueinander bewegenden, aneinandergrenzenden Motorteilen
als Betriebsstoff Motoröl eingesetzt, das einen hydrodynamischen
Schmierfilm bereitstellt. Dem Motoröl sind verschiedene Additive
beigesetzt, um neben der Verschleißschutzfunktion weitere not
wendige oder gewünschte Funktionen erfüllen zu können. Hier sind
insbesondere die sogenannten Hochdruckadditive, auch EP (Extreme
ly Pressure)-Additive genannt, und Viskositätsverbesserer zu
nennen. Erstere beinhalten Substanzen, die sich an den reibenden
Oberflächen anlagern oder mit diesen chemisch reagieren, um dort
eine Art mikroskopischer Bürstenstruktur auszubilden und dadurch
die reibungsbedingten Scherkräfte aufnehmen zu können. Problema
tisch ist hierbei, daß sich die Hochdruckadditive im Betrieb
verbrauchen und dabei häufig für einen dem Motor nachgeschalte
ten Abgaskatalysator schädliche Substanzen freisetzen, wie Phos
phor und Zink. Die Viskositätsverbesserer sollen bewirken, daß
mit steigender Motortemperatur die Motorölviskosität nicht so
stark abnimmt, und bestehen zu diesem Zweck meist aus knäuelför
migen Molekülgebilden. Weitere Additive dienen als Korrosions
schutz, als Oxidationsschutz Reibungsverminderer (Friction mo
difyer) und als Schaumverhinderer. Daneben muß das Motoröl teil
weise eine Kühlfunktion erfüllen und in der Lage sein, Ver
schleißpartikel abzuführen.
Da dieser Betriebsstoff in Form des herkömmlichen Motoröls zum
einen sich relativ rasch verbraucht, was häufigere Motorölwech
sel nötig macht, und zum anderen aufgrund seiner Zusammensetzung
unter Umweltaspekten problematisch ist, wurden bereits verschie
dentliche Alternativen in Form sogenannter ölfreier Motoren vor
geschlagen. So wird in der Patentschrift US 4.846.051 ein unge
kühlter, ölfreier Verbrennungsmotor beschrieben, bei dem zwi
schen Kolben und Laufbüchse ein unter Druck stehender Gasfilm
als Schmiermittel dient. Als Material für Kolben und Laufbüchse
wird dort vorzugsweise gesintertes Siliciumnitrid verwendet.
Des weiteren wurde die Verwendung einer Klasse von Materialien,
die als sogenannte Festschmierstoffe bezeichnet werden, für die
reibungsbelasteten Oberflächen von im Motorbetrieb gegeneinander
bewegten Verbrennungsmotorteilen vorgeschlagen, wie dies z. B. in
den Patentschriften DE 37 25 495 02, US 5.302.450 und US
5.332.422 beschrieben ist. Diese Festschmierstoffe gliedern sich
in sogenannte intrinsische Festschmierstoffe, die bereits von
Natur aus eine Schichtebenenstruktur mit einer typischen Scher
spannung von weniger als etwa 50 MPa aufweisen, und extrinsische
Festschmierstoffe, wie z. B. Graphit, die erst durch Dotieren mit
Fremdstoffen (sog. Interkalationsatome) in ihrer Schmierstoff
funktion aktiviert werden und ansonsten in reiner Form abrasiv
sind. Wegen ihrer nichtoxidischen Art sind diese Festschmier
stoffe bei erhöhten Temperaturen in einer Luftsauerstoffumgebung
häufig nicht ausreichend stabil und daher in Verbrennungsmotoren
bei voll ständigem Verzicht auf ein Motoröl nicht ohne weiteres
allein zur Gewährleistung einer ausreichenden Schmierungsfunk
tion geeignet.
In der grundlegenden Veröffentlichung M. N. Gardos, "The Effect
of Anion Vacancies on the Tribological Properties of Rutile
(TiO2-x)", Tribology Transactions, Band 31, 4, Seite 427 wird
über die Wirkung von Anionfehlstellen auf die tribologischen Ei
genschaften von TiO2-x berichtet. Dieses Titanoxid-Material mit
knapp unterstöchiometrischem Sauerstoffgehalt gehört mit einer
Reihe weiterer Metalloxide zu einer Stoffklasse, für welche die
Bezeichnung Lubricious Oxides, nachfolgend mit LO abgekürzt, ge
bräuchlich ist.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde,
ein Verbrennungsmotorbauteil bereitzustellen,
bei dem mit geringem Aufwand für eine zuverlässige und
vergleichsweise umweltfreundliche Schmierungsfunktion gesorgt
und somit der Verschleiß der reibungsbelasteten Komponenten ge
mindert ist.
Diese Aufgabe wird bei einer gattungsgemäßen Einrichtung durch
die kennzeichnenden Merkmale des Patentanspruchs 1 gelöst.
An der reibungsbelasteten
Oberfläche eines solchen Bauteils liegt im Motorbetrieb
eine LO-Schicht vor, die aufgrund ihrer scherkraftaufnehmenden
Eigenschaft als fester Schmierfilm fungiert und eine zuverläs
sige und dauerhafte Verschleißschutzfunktion erfüllt. Die LO-Ma
terialien, wozu neben Titanoxid beispielsweise auch Wolfram- und
Vanadiumoxid gehören, liegen hinsichtlich ihrer Kristallstruktur
in der sogenannten Magnelli-Phase vor und zeigen Scherspannungen
meist deutlich weniger als 100 MPa. Diese Metalloxide mit un
terstöchiometrischem Oxidanteil bilden auf der Basis sogenannter
planarer Defekte kristallographisch orientierte Scherebenen, auf
denen schon bei geringen Scherkräften von z. B. nur 10 MPa Git
tergleitungen stattfinden können. Ein Beispiel ist das Rutil
gitter von TiO₂, das sich bei Sauerstoffentzug durch die Bildung
der Scherebenen dem Sauerstoffdefizit des entstehenden TiO2-x mit
unterstöchiometrischem Sauerstoffanteil, d. h. x<0, anpaßt. Es
zeigt sich, daß die LO-Materialien im Motorbetrieb zur Bereit
stellung des erforderlichen Verschleißschutzes für das reibungs
belastete Bauteil unerwartet tauglich sind, und zwar über den
gesamten, bei Verbrennungsmotoren relevanten Temperaturbereich
vom noch kalten Motor bis zum warmgelaufenen Motor. Wenn alle
reibungsbelasteten Bauteile eines Verbrennungsmotors mit der LO-
Oberflächenschicht versehen sind, bietet dies die Möglichkeit,
bei dem Motor ganz auf ein Motoröl zu verzichten oder das Mo
toröl unter Verzicht auf Hochdruckadditive und Viskositätsver
besserer optimal auf die Erfüllung anderer gewünscht er Funktio
nen hin auszulegen, beispielsweise zum Kühlen, zum Abführen von
Verschleißpartikeln, als Korrosionsschutz und/oder als Oxidati
onsschutz. Dies erlaubt zudem die Verwendung umweltverträgliche
rer Motoröle und/oder einer merklichen Verlängerung der Motoröl
gebrauchsdauer. Die LO-Materialien selbst sind hinsichtlich Um
weltbelastungen unkritisch.
Zur Bereitstellung der LO-Schmierschicht kann das Bauteil direkt
mit dem LO-Material beschichtet werden, oder es wird mit einer
Grundschicht beschichtet, an deren Oberfläche sich z. B. erst un
ter Motorbetriebsbedingungen die LO-Schicht bildet. Die letztge
nannte Vorgehensweise hat den Vorteil, daß sich das Bauteil vor
dem Einbau im Motor leicht handhaben läßt, ohne daß die Gefahr
besteht, daß die aufgebrachte LO-Schicht weggewischt oder sonst
wie verletzt wird. Außerdem entsteht in diesem Fall die LO-
Schicht gerade in der jeweils für den Verschleißschutz notwen
digen, geringen Dicke, und abgetragenes LO-Material kann von der
darunterliegenden Grundschicht im Motorbetrieb jederzeit nachge
liefert werden. Denn sobald die Grundschicht bei der aufgrund
der Reibung erhöhten Temperatur mit dem im Reibungsspalt vorlie
genden Sauerstoff, z. B. Luftsauerstoff oder vom Motoröl mitge
rissener Sauerstoff, in Kontakt kommt, bildet sich oberflächlich
das LO-Material.
In Anspruch 2 sind vorteilhafte Materialien zum Aufbringen einer
Grundschicht auf das Verbrennungsmotorbauteil angegeben, die un
ter Motorbetriebsbedingungen durch Oxidation die LO-Schmier
schicht an ihrer Oberfläche bilden.
Wenn die LO-Schicht direkt auf das Verbrennungsmotorbauteil auf
gebracht wird, kann dies vorzugsweise auf eine der in Anspruch 3
angegebenen Arten erfolgen.
In Anspruch 4 sind wichtige Beispiele für das mit der LO-Schicht
versehene Verbrennungsmotorbauteil genannt. Vorzugsweise sind
sämtliche reibungsbelasteten Bauteile eines Motors, zu deren
Schmierung herkömmlicherweise Motoröl, ein anderes flüssiges
Schmiermittel oder ein Festschmierstoff verwendet wird, wenig
stens in ihrem reibungsbelasteten Oberflächenabschnitt mit der
LO-Schicht versehen.
Bevorzugte Ausführungsformen der Erfindung sind in den Zeichnun
gen dargestellt und werden nachfolgend beschrieben. Hierbei zei
gt:
Fig. 1 eine teilweise Längsschnittansicht einer Kolben-Lauf
büchsen-Einheit eines Verbrennungsmotors mit Schmieroxid
(LO)-Beschichtung,
Fig. 2 eine Detaillängsschnittansicht einer Motorbauteil-Rei
bungspaarung mit direkt aufgebrachter Schmieroxid-Be
schichtung und
Fig. 3 eine Ansicht entsprechend Fig. 2, jedoch mit auf die
Reibungspartner aufgebracht er, schmieroxidbildender
Grundschicht.
Die in Fig. 1 gezeigte Kolben-Laufbüchsen-Einheit eines Verbren
nungsmotors beinhaltet in üblicher Weise eine Laufbüchse (1), in
welcher ein Kolben (2) axialbeweglich geführt ist. Der zwischen
Kolben (2) und Laufbüchse (1) gebildete Luftspalt (3) ist mit
Kolbenringen (4) abgedichtet. Die radial außenliegenden Kolben
ringoberflächen bilden folglich im laufenden Motorbetrieb die
jeweiligen Reibpartner mit der innenseitigen Oberfläche der
Laufbüchse (1). Zur Aufnahme der entstehenden Reibungskräfte,
d. h. vor allem der durch die axiale Relativbewegung zwischen
Kolben (2) und Laufbüchse (1) auftretenden Scherkräfte, und da
mit als Verschleißschutz sind eine Schicht (5) aus einem
LO(Lubricious Oxide)-Material auf der Innenseite der Laufbüchse
(1) und eine ebensolche Schicht (6) aus LO-Material auf der ra
dialen Außenseite der Kolbenringe (4) gebildet.
Die unter dem Fachbegriff Lubricious Oxides, z. B. auch als
Schmieroxide benennbaren, bekannten LO-Materialien sind Metal
loxide, die bei Entzug von Sauerstoff aus ihrer stöchiometri
schen Zusammensetzung ihre kristallographischen Eigenschaften
durch Übergang in die sogenannte Magnell-Phase so ändern, daß
sie in diesem Zustand mit knapp unterstöchiometrischem Sauer
stoffanteil vergleichsweise leicht scherbar sind, wobei sie ty
pischerweise Scherspannungen von deutlich weniger als 100 MPa
aufweisen. Ein wichtiger Vertreter ist das aus dem stöchiometri
schen TiO₂ durch Bildung von Sauerstoffehlstellen hervorgehende
TiO2-x, mit x<0. Typische Werte für x liegen beispielsweise im
Bereich zwischen 0 und 0,2. Auch andere Metalloxide, wie Wolf
ramoxid, Molybdänoxid und Vanadiumoxid, zeigen in ihrem Zustand
mit unterstöchiometrischem Sauerstoffanteil diese geringe Scher
spannung. Es zeigt sich in nicht zu erwartender Weise, daß diese
LO-Schichten, wie sie in Fig. 1 beispielhaft an der Laufbüchsen
innenseite und der Kolbenringaußenseite angebracht sind, unter
den in einem Motor im laufenden Betrieb herrschenden Temperatur
bedingungen sehr stabil sind und über diesen gesamten Tempera
turbereich hinweg ausreichend zuverlässige Schmierungseigen
schaften bereitstellen.
Vorzugsweise können sämtliche reibungsbelasteten Bauteile eines
Verbrennungsmotors mit einer solchen LO-Beschichtung versehen
sein, so daß die scherkraftaufnehmende Funktion und damit die
Verschleißschutzfunktion für den gesamten Motor bei Bedarf von
diesem LO-Material übernommen werden kann. Da die LO-Materialien
bereits Oxide sind, treten die bei den sogenannten Festschmier
stoffen, wie MoS₂, WSe₂, hexagonales BN anzutreffenden Probleme
der Verschlechterung der Schmiereigenschaften wegen Oxidation
nicht auf. Insbesondere kann eine solche LO-Beschichtung von im
Motorbetrieb relativ zueinander bewegten, aneinandergrenzenden
Reibungspartnern nicht nur, wie in Fig. 1 dargestellt, für die
Kolben-Laufbüchsen-Einheit des Motors sondern je nach Anwen
dungsfall z. B. auch in der Kurbeltriebeinheit und/oder in der
Ventiltriebeinheit des Motors vorgesehen sein, wie in den Teil
systemen Kolbenhemd/Zylinderlaufbahn, Pleuelauge/Kurbelwellen-
Hubzapfen, Hauptlager/Kurbelzapfen, Kolben/Pleuel/Kolbenbolzen,
Nockenwelle/Ventilbetätigungselement/Ventil und Ventil/Ventil
führung im Gleit- und/oder Wälzkontakt. Selbstverständlich kann
es je nach Bedarf auch genügen, nur einen von zwei Reibungspart
nern eines Motors mit der LO-Schicht zu versehen.
Die Verwendung der LO-Beschichtung für die reibungsbelasteten
Verbrennungsmotorbauteile erlaubt sowohl den Betrieb des Motors
im Trockenlauf an Luft als auch in Verbindung mit eingebrachten
Flüssigkeiten, wie Motorölen. Die LO-Beschichtung übernimmt da
bei die herkömmlicherweise meist von EP(Extremely Pressure)-Ad
ditiven, d. h. Hochdruckadditiven, die nur in Verbindung mit ei
nem flüssigen Schmiermittel einsetzbar sind, bereitgestellte
Verschleißschutzfunktion. Der dadurch mögliche Verzicht auf EP-
Additive beseitigt die mit deren Schwermetallgehalten, z. B. an
Phosphor und Zink, verbundenen Gefahren einer relativ raschen
Katalysatorschädigung und schafft bei zusätzlichem Einsatz von
Motoröl die Voraussetzung für eine längere Motorölgebrauchsdauer
und damit längeren Motorölwechselintervallen. Überdies kann
durch die Verwendung der LO-Beschichtung meist auf einen Visko
sitätsverbesserer im Motoröl verzichtet werden, so daß das Mo
toröl gegebenenfalls nur noch auf die Funktionen des Aufbaus ei
nes hydrodynamischen Schmierfilms und des Abführens von Ver
schleißpartikeln sowie der Motorkühlung hin (d. h. Aufnahme der
Prozeßwärme) ausgelegt zu sein braucht. Optional können dann im
Motoröl noch in herkömmlicher Weise Zusätze zwecks Korrosions-
und Oxidationsschutz sowie zur Schaumverhinderung vorgesehen
sein.
Für das Aufbringen der jeweiligen LO-Beschichtung auf den im Mo
torbetrieb reibungsbelasteten Oberflächenabschnitt eines Motor
bauteils, wie z. B. der beiden LO-Schichten (5, 6) von Fig. 1,
bieten sich zwei Alternativen an. Zum einen kann die LO-Schicht
direkt durch thermisches Spritzen, ein PVD- oder ein CVD-Verfah
ren herkömmlicher Art aufgebracht werden. Die daraus resultie
rende Situation ist für zwei sich als Reibungspartner gegenüber
stehende Bauteile in Fig. 2 schematisch dargestellt. Dort ist
sowohl auf einen Grundkörper (10) eines ersten Verbrennungsmo
tor-Bauteils als auch auf einen Grundkörper (11) eines in Rei
bungskontakt gegenüberstehenden zweiten Motorbauteils eine LO-
Oberflächenschicht (12, 13) aufgetragen, z. B. bestehend aus TiO2-x
mit 0<x<0,2. Wie oben erwähnt, kann der dazwischenliegende La
gerspalt (14) trocken sein oder eine Flüssigkeit, wie Motoröl,
enthalten. Typische Werkstoffe für die Grundkörper (10, 11) der
Motorbauteile sind z. B. Grauguß oder Aluminium. Es zeigt sich,
daß die LO-Schichten (12, 13) auf den herkömmlicherweise für
reibungsbelastete Motorbauteile verwendeten Grundkörpermateria
lien mit ausreichender Haftung aufgebracht werden können.
Eine zweite Möglichkeit der Bildung einer oberflächlichen LO-
Schicht an einer reibungsbelasteten Motorbauteiloberfläche ist
in Fig. 3 wiederum beispielhaft anhand eines Motorbauteil-Rei
bungspaares dargestellt. Die beiden Bauteil-Grundkörper (20, 21)
sind an ihren sich im Motorbetrieb reibend gegenüberliegenden
Oberflächenabschnitten mit einer Grundschicht (22, 23) aus einem
Material versehen, das unter Motorbetriebsbedingungen mit dem im
Lager- bzw. Reibspalt (24) vorliegenden Sauerstoff zu einem LO-
Material reagiert. Dabei kann der Sauerstoff im Fall eines trockenlaufenden
Motors direkt Luftsauerstoff oder im Fall des Ein
satzes einer Betriebsflüssigkeit, wie Motoröl, von dieser Flüs
sigkeit aufgenommener Sauerstoff und/oder chemisch gebundener
Sauerstoff sein. Bei dieser Variante bildet sich die jeweilige
LO-Oberflächenschicht (25, 26) erwünschtermaßen in einer ver
gleichsweise geringen Dicke. Ein weiterer Vorteil dieser Vari
ante ist die Tatsache, daß sich die LO-Schicht (25, 26) aus der
jeweiligen Grundschicht (22, 23) heraus erneuern kann, wenn sie
während des Betriebs an einer Stelle abgetragen worden ist. Die
Grundschicht (22, 23) bildet gewissermaßen ein Depot für die je
derzeitige Bereitstellung einer ausreichenden LO-Schicht (25,
26). Da sich die jeweilige LO-Schicht (25, 26) meist erst im
laufenden Motorbetrieb an der Oberfläche der zugehörigen Grund
schicht (22, 23) bildet und außerdem aus der Grundschicht (22,
23) heraus erneuert werden kann, braucht bei der Handhabung der
Motorbauteile nicht darauf geachtet zu werden, daß beim Zusam
menbau des Motors eine aufgebrachte LO-Schicht nicht abgewischt
oder sonstwie verletzt wird. Gegenüber dem LO-Material ist das
Grundschichtmaterial wesentlich unanfälliger gegenüber solchen
Berührungseinflüssen während der Montage.
Geeignete Grundschichtmaterialien sind insbesondere die Carbide
und Nitride der LO-bildenden Metalle, wie TiC, TiN, (Ti,Al)N,
Ti(C,N), (Ti,Mo) (C,N), VC und CrN. Dabei kann die Metallkompo
nente jeweils auch geringfügig unterstöchiometrisch vertreten
sein. Beispielsweise können die Grundschichten (22, 23) aus TiC
oder TiN bestehen, woraus sich spätestens im Motorbetrieb auf
grund der sich durch die Reibung erhöhenden Motortemperatur an
der Grundschichtoberfläche das LO-Material TiO2-x mit x<0 bildet.
Je nach Anwendungsfall kann es genügen, nur einen Teil der rei
bungsbelasteten Oberfläche des jeweiligen Verbrennungsmotorbau
teils mit einem LO-bildenden Grundschichtmaterial zu versehen.
Diese optionale Modifikation ist in Fig. 3 für die Grundschicht
(22) des einen der beiden Reibungspartner-Bauteile punktiert als
Aufteilung derselben in drei Abschnitte (22a, 22b, 22c) illu
striert, die längs der durch einen Pfeil (P) angedeuteten Rela
tivbewegungsrichtung der Reibungspartner hintereinanderliegen.
In einem mehrphasigen Werkstoff können die beiden Geflügebestand
teile (22a, 22c) anfänglich in diesem Fall z. B. aus SiC und/oder
Si₃N₄ bestehen, während der mittlere Grundschichtabschnitt
(Gefügebestandteil) (22b) als LO-bildender Abschnitt gestaltet
ist und aus TiC und/oder TiN gebildet ist. Durch statische Oxi
dation bereits vor einem erstmaligen Motorbetrieb und/oder spä
testens durch tribochemische Oxidation im Motorbetrieb bildet
sich an der Oberfläche dieses mittleren Grundschichtabschnitts
(22b) aus TiN bzw. TiC die LO-Schicht aus TiO2-x, während sich an
der Oberfläche der beiden anderen Grundschichtabschnitte (22a,
22c) eine feste Oberflächenschicht aus Siliciummischoxid mit je
nach Bedingungen Nitrid- und/oder Carbidanteilen bildet. Das an
der Oberfläche des mittleren Grundschichtabschnitts (22b) gebil
dete LO-Material verteilt sich durch die reibende Relativbewe
gung der beiden Bauteile auch über die Oberflächen der nicht LO-
bildenden Grundschichtabschnitte (22a, 22c) hinweg, wodurch wie
derum im gesamten reibungsbelasteten Bereich eine LO-Oberflä
chenschicht als Verschleißschutz bereitsteht.
Wie die obige Beschreibung bevorzugter Ausführungsbeispiele
zeigt, resultiert das erfindungsgemäße Vorsehen einer LO-Schicht
im reibungsbelasteten Oberflächenabschnitt eines Verbrennungsmo
torbauteiles in, wie sich herausstellt, unerwartet günstigen Mo
torverschleißschutzeigenschaften und in einer Reihe von damit
verbundenen Vorteilen, wie dem dadurch möglichen Verzicht auf
EP-Additive und Viskositätsverbesserer für den in einem solchen
Motor eventuell noch verwendeten flüssigen Betriebsstoff.
Claims (4)
1. Bauteil eines Verbrennungsmotors, mit
- - einem im Motorbetrieb bewegungsreibungsbelasteten Bereich, dadurch gekennzeichnet, daß
- - das Verbrennungsmotor-Bauteil in dem reibungsbelasteten Be reich mit einer auf einen Grundkörper (10) aufgebrachten LO(Lubricious Oxide)-Schicht (12) oder einer Grundschicht (23) versehen ist, die an ihrer Oberfläche unter Motorbetriebsbe dingungen eine derartige LO-Schicht (26) bildet.
2. Verbrennungsmotor-Bauteil nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, daß
die Grundschicht (23) zur Bildung der LO-Oberflächenschicht un
ter Motorbetriebsbedingungen aus einer Nitrid- und/oder Carbid-
Verbindung einer stöchiometrisch oder unterstöchiometrisch vor
handenen Metallkomponente besteht, die Ti, Al, Mo, V, Cr oder
gemischte Anteile dieser Metallelemente enthält.
3. Verbrennungsmotor-Bauteil nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, daß
die LO-Oberflächenschicht (12) durch ein PVD- oder ein CVD-Ver
fahren oder durch thermischen Spritzen auf den Bauteil-Grundkör
per (10) aufgebracht ist.
4. Verbrennungsmotor-Bauteil nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet, daß
es Teil eines der reibungsbelasteten Motorteilsysteme Kolben/
Pleuel/Kolbenbolzen, Kolben/Kolbenring/Zylinderlaufbahn, Kolben
hemd/Zylinderlaufbahn, Pleuelauge/Kurbelwellen/Hubzapfen, Haupt
lager/Kurbelzapfen, Ventil/Ventilführung und Nockenwelle/Ventil
betätigungselement/Ventil ist.
Priority Applications (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE1995148718 DE19548718C1 (de) | 1995-12-23 | 1995-12-23 | Reibungsbelastetes Bauteil eines Verbrennungsmotors |
Applications Claiming Priority (1)
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Publications (1)
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| DE1995148718 Expired - Fee Related DE19548718C1 (de) | 1995-12-23 | 1995-12-23 | Reibungsbelastetes Bauteil eines Verbrennungsmotors |
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