DE1108C - Tauerei von Schiffen mittelst zweier endloser, mit Beifseisen versehener Drahtseile - Google Patents
Tauerei von Schiffen mittelst zweier endloser, mit Beifseisen versehener DrahtseileInfo
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- B63—SHIPS OR OTHER WATERBORNE VESSELS; RELATED EQUIPMENT
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Description
PATENTSCHRIF
1877.
C. G. NORRENBERG in KÖLN. Tauerei von Schiffen mittelst zweier endloser, mit Beiiseisen versehener Drahtseile.
Patentirt im Deutschen Reiche vom 7. October 1877 ab.
Der Frei-Tauer genannte Dampfer taut unabhängig von einer in der Länge der Fahrstrecke
versenkten Kette oder einem Drahtseil an einem endlosen Zugmittel, welches er sich während der
Fahrt selbst legt, indem er dasselbe gemäfs Blatt I, Fig. ι und 2, am Hintertheile anzieht
und nach dem Uebergange über das Schiff vorn wieder" auf den Grund ablaufen läfst, um so
den festen Punkt zum Anzüge in der Reibung zu finden, die der unter dem Schiffe auf
dem Grunde ruhende Theil des Zugmittels bietet.
Das Zugmittel besteht aus zwei endlosen, parallel nebeneinander laufenden, runden oder
flachen Drahtseilen, worauf an der äufseren Seite ähnlich wie bei den Triebrädern der Strafsenlocomotive
in gleichen Abständen von einander sogenannte Beifseisen in der Weise befestigt sind, dafs sie an der inneren Seite nirgends über
die Ebene der Drahtseile hervorragen.
Die Art dieser Befestigung an flache oder runde Drahtseile, sowie die Form der Beifseisen,
ist aus Blatt II, Fig. 1 bis 6, ersichtlich. Hiernach werden die Drahtseile zwischen den Beifseisen
und einem Deckel auf denselben in einer Aussparung oder einer Rinne eingeprefst gehalten,
und geschieht die Anpressung des Deckels durch Andrehung von Schraubenmuttern, die
an der unteren Seite der Beifseisen-Schraubenbolzen fassen, welche durch Deckel und Beifseisen hindurchgehen, und deren Köpfe den
Deckel festhalten. Zur Sicherung gegen das Gleiten tritt beim runden Drahtseil noch ein
Stift aus der Rinne in das Seil ein, während die Biegung, mit der das flache Drahtseil eingeprefst
wird, allein schon das Gleiten verhindert.
Durch die unter den Beifseisen vorstehenden Spitzen der Schraubenbolzen, die Muttern, sowie
durch die scharfen Kanten der Beifseisen, soll eine möglichst grofse Nutz-Reibung auf dem
Wassergrunde erzielt werden, während andererseits die innere Seite dieses endlosen Zugbandes
möglichst eben gehalten ist, damit die schädliche Reibung, welche dasselbe hier bei seinem
Uebergange über die Leitrollen auf dem Schiffe erleidet, auf ihr geringstes Mafs zurückgeführt
wird. Zugleich soll durch die Art der Befestigung der Beifseisen an die Drahtseile mittelst
einfachen Anschraubens ein leichtes Ablösen der letzteren ermöglicht werden, damit die Instandhaltung
des Zugbandes, dessen massive, von Gufsstahl oder Hartgufs herzustellende Beifseisen
einem weit langsameren Verschleifs unter worfen sein werden, als die verbindenden Drahtseile,
durch neue Einlegung letzterer rasch und billig bewirkt werden kann.
Das Zugband'läuft gemäfs Blatt I, Fig. 1 und 2, in der Mittellinie des Schiffes, vom Grunde zunächst
über die hintere Rolle A, von dieser geht es durch das Schiff und über mehrere
kleine Leitrollen auf Deck nach dem Trieb rade T und von diesem wieder über mehrere Leitrollen
auf dem Vorderdeck und an dem langen Bugspriet auf die vorn an letzterem hängende Rolle B,
von der es wieder auf den Grund abfällt.
Die Leitung des Zugbandes über die Mitte des Schiffes ist für eine möglichst unbehinderte
Steuerung desselben nothwendig, da eine seitliche Anbringung des Zugbandes excentrisch auf
den Gang des Schiffes wirken würde. Damit Hinter- und Vordertheil dem Drucke des Steuers
um so leichter nachgeben können, sind zudem die Leitrollen A und B um Schwingungsaxen
drehbar, die in Lagern ruhen, welche hinten gemäfs Blatt I, Fig. 1 und 3, am Hintertheile
und Hintersteven des Schiffes, vorn am Bugspriet befestigt sind, so dafs die Rollen nach
beiden Seiten schwingen können.
Die beiden Leitrollen A und B erhalten einen Durchmesser von nicht unter 2 m und haben,
wie auch sämmtliche kleine Leitrollen auf Deck, glatte, nach dem Querschnitt des Zugbandes
ausgedrehte Kehlen.
Das Triebrad T dagegen hat gemäfs Blatt II, Fig. 7 und 8, stählerne Zähne an der Peripherie
in einer solchen Entfernung von einander, dafs sie beim Uebergange des Zugbandes in die
Zwischenräume zwischen dem Beifseisen hineingreifen, letztere an einer inneren Kante fassen
und bei der Umdrehung mitnehmen. Bei einem Durchmesser des Triebrades von ca. 2 m sind
immer wenigstens vier Beifseisen zugleich von den Zähnen festgehalten, indem das Zugband
sich durch sein Gewicht in die Zähne eindrückt und nach Umfassung von etwa einem Viertel
der Peripherie des Triebrades beim Uebergange von diesem auf die nächste Leitrolle durch seine
Steifheit sich wieder aus den Zähnen heraushebt. Anstatt in der gezeichneten Weise können
die Zähne des Triebrades auch wie bei einem gewöhnlichen Zahnrade dicht nebeneinander
stehen. Die Zahnlücken, in die sie eingreifen, müssen dann in dem Deckel der Beifseisen angebracht
sein, der zu dem Zwecke nach der Mitte zu entsprechend stark construirt und frei
von dem mittleren Schraubenbolzen sein mufs.
Das Triebrad T ist auf einer Stahlaxe aufgekeilt und erhält seine Drehung mittelst zweier
Paare von Stirnrädern und einer kurzen Zwischenwelle von der Dampfmaschinenwelle aus. Geschwindigkeit
und Drehrichtung der Dampfmaschine können durch eine Steuerung beliebig verändert werden. Ebenso kann die Dampfmaschine
durch Räder-Uebersetzung von der Bewegung des Triebrades zu derjenigen zweier Schaufelräder oder Schrauben umgesetzt werden,
so dafs diese zum Rückwärtsfahren, Manöveriren im Hafen oder bei einem Bruche des Zugbandes
benutzt werden könnten. Ferner sollen stets die Thalfahrten mittelst dieser Hülfsschaufelräder
auf Flüssen mit geringer Wassertiefe mittelst zweier Schrauben am Hintertheil vor der Rolle A auf Flüssen mit genügendem
Fahrwasser ausgeführt werden. Das Zugband wird alsdann an einer Seite des Schiffes aufgezogen
und befestigt oder auch an einer Stelle getrennt und, soweit nöthig, auf das Triebrad
aufgerollt.
Um das Zugband bei gewöhnlichen eisernen Flufsschiffen in der gezeichneten Weise anzubringen,
ist hauptsächlich nur der Hintertheil weiter überzubauen und vorn das Schiff mit
einem langen, doppelten Bugspriet nach Art eines Krans zu versehen. Der hintere Ueberbau
nach Blatt I, Fig. 2 und 3, dient zur Befestigung der Leitrolle A, indem die Lager,
worin diese Rolle seitwärts schwingt, sich entweder gemäfs Fig. 2 einerseits am Hintertheile
des Schiffes und andererseits an dem Hintersteven befinden, der in den Ueberbau eingebaut
und woran auch das Steuer befestigt ist, oder gemäfs Fig. 3 beide an dem kürzeren Ueberbau
angebracht sind, während der Hintersteven ganz wegfällt und das Steuer die gezeichnete Form
und Befestigung erhält. Das lange kranartige Bugspriet vorn, zwischen dessen Balken durch
das Zugband auf die Leitrolle B übergeht, hält die Lager für die Axen, um die jene Rolle
seitwärts schwingen kann und soll möglichst lang construirt werden, um durch möglichste
Hinausschiebung der Ablaufsrolle die Bodenberührung des Zogbandes auszudehnen, sowie
auch Vorrichtungen zum Heben und Senken erhalten, um bei niedrigen Wasserständen durch
entsprechende Hebung der vorderen Leitrolle den Ueberschufs der für höhere Wasserstände
bemessenen Länge des Zugbandes auszugleichen. Für die gewöhnlichen Unebenheiten der Wassersohle
regulirt sich das Zugband von selbst durch den gröfseren oder kleineren Bogen, in dem es
vermöge seiner Steifheit von der Leitrolle B abläuft.
Entsprechend dem Laufe des Zugbandes müfsten die Kessel zu beiden Seiten desselben
liegen, oder an einer Seite Kessel und an der anderen die Maschine, sowie die Mastbacken
so weit auseinander gesetzt werden, dafs das Zugband zwischen ihnen durchlaufen kann.
Zur gröfseren Sicherheit der Steuerung kann auch, wie gezeichnet, am Vordersteven noch
ein Steuer angebracht, oder gemäfs Fig. 4 auf dem Vorderbug eine Ruderstange benutzt werden.
Das beschriebene Tauerei-Verfahren eignet sich am besten für lange Schiffe, weil hierbei
die Bodenberührung des Zugbandes entsprechend ausgedehnt und im selben Verhältnifs das Gewicht
desselben geringer sein kann, wodurch auch die Kraftverluste, die letzteres durch die
schädliche Adhäsion am Boden, die Durchsenkung des hinten erhobenen Theiles des Zugbandes
und somit Vergröfserung des Neigungswinkels, unter dem der Anzug geschieht, sowie
durch die Reibung an den Leitrollen auf dem Schiffe verursacht, entsprechend kleiner werden.
Am vortheilhaftesten würden sich auf Flüssen mit genügender Wassertiefe frei tauende Güterdampfboote
verwenden lassen. Den Reibungscoefficienten des Zugbandes auf dem Wassergrunde
nur zu 0,5 des Gewichtes angenommen, berechnet sich bei einer Schiffslänge von ca. 60 m
und ι ο m vorspringendem Bugspriet für eine Ladung von ca. 400 Tonnen bei 2 m Fahrgeschwindigket
gegen 1,5 m Strömung per Secunde der Nutzeffect auf ca. 85 pCt, wenn das Gewicht
des Zugbandes 40 kg per laufenden Meter und die Höhe des Anzugspunktes, also der
Schiffsboden, 2 m über der Wassersohle 'ist. Die Länge der Erhebung des Zugbandes hinten
betrüge in diesem Falle ca. 12 m, bei 7 m Wasser unter dem Schiffsboden, also bei ca. 9 m
Fahrfasser etwa 23 m, und würde bei höheren Wasserständen unter den oben angenommenen
Verhältnissen die Länge der Bodenberührung des Zugbandes nicht mehr zur Herstellung des
festen Punktes zum Anzüge genügen. Der Nutzeffect sinkt in letzterem Falle auf ca. 73 pCt.
Auf kleinen, wenig Wasser haltenden Flüssen würde eine Last von 400 Tonnen in mehreren
Schiffen vertheilt von einem Frei Tauer geschleppt werden müssen. Da hierdurch der
hydrodymanische Widerstand zunimmt, auch die Schiffslänge des Frei-Tauers 40 m nicht wohl
übersteigen darf, so mufs durch Ermäfsigung der Fahrgeschwindigkeit und gröfseres Gewicht
des Zugbandes das Gleichgewicht hergestellt werden. Bis zu einer Höhe des Anzugspunktes
von 0,5 m ist aber doch ein Nutzeffect von ca. 85 pCt. zu erzielen, bei 1,4 m Fahrgeschwindigkeit
gegen 1 m Strömung per Secunde und bei 60 kg Gewicht des Zugbandes per
laufenden Meter
Claims (1)
- Gröfsere Lasten als ca. 400 Tonnen erfordern zur Erreichung des obigen Nutzeffectes gröfsere Schiffslängen, und da diese ihre Grenzen haben, so eignet sich das System nicht für die Bewegung grofser Massen in einem Zuge, sondern für häufigeren Transport in kleineren Partien. Dies soll im Interesse eines rascheren Umsatzes im Güterverkehr zu Wasser der Zweck dieser Einrichtung sein.Patent- Anspruch : Das durch Zeichnung und Beschreibung erläuterte Tauerei-Verfahren mittelst zweier endloser, mit Beifseisen versehener Drahtseile, sowie die Vorrichtungen zu deren Anbringung in der Mittellinie des Schiffes, bestehend in dem Ueberbau mit der Anzugsrolle hinten, dem langen Bugspriet mit Ablaufsrolle vorn und dem Triebrade zwischen beiden auf Deck.Hierzu 2 Blatt Zeichnungen.
Applications Claiming Priority (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE1108T | 1877-10-06 |
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE1108C true DE1108C (de) |
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ID=70976673
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| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
|---|---|---|---|
| DE1108DA Expired - Lifetime DE1108C (de) | 1877-10-06 | 1877-10-06 | Tauerei von Schiffen mittelst zweier endloser, mit Beifseisen versehener Drahtseile |
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| Country | Link |
|---|---|
| DE (1) | DE1108C (de) |
-
1877
- 1877-10-06 DE DE1108DA patent/DE1108C/de not_active Expired - Lifetime
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