Aufgabe
der Erfindung ist es, eine strukturiert funktionalisierte Kunststoffoberfläche für die automatisierte
parallele in situ Synthese oder Immobilisierung einer Vielzahl von
Sondenmolekülen
vorzusehen, welche deren anschließende Anwendung für die automatisierte
simultane Affinitätsanreicherung
und Isolierung biologischer Analyt-Moleküle aus komplexen Gemischen
ermöglicht.
So
wird die der Erfindung zugrundeliegende Aufgabe gelöst durch
einen Gegenstand aus Kunststoff und mit planer Oberfläche, die
mit einer Vielzahl von hydrophilen Bereichen versehen ist, die voneinander durch
hydrophobe Barrieren abgegrenzt sind.
Bei
dem erfindungsgemäßen Gegenstand
kann die Vielzahl hydrophiler Bereiche und die hydrophoben Barrieren
ein Raster bilden.
Der
erfindungsgemäße Gegenstand
kann aus einem hydrophoben Kunststoff bestehen, der die hydrophilen
Bereiche trägt
oder auf den die hydrophilen Bereiche aufgebracht sind.
Bei
dem erfindungsgemäßen Gegenstand
kann es sich bei dem Kunststoff um Polyethylen (PE), Polypropylen
(PP), Polymethylpenten (PMP), Polytetrafluorethylen (PTFE; Teflon)
oder Polyamid handeln.
Der
erfindungsgemäße Gegenstand
kann gefärbt
sein.
Bei
dem erfindungsgemäßen Gegenstand
kann der Kunststoff einen Gehalt an anorganischem Material, insbesondere
Graphit, und/oder organischem Material, insbesondere an inertem
anorganischem und/oder organischem Material aufweisen.
Der
erfindungsgemäße Gegenstand
kann als Flachmaterial vorgesehen sein, das gegebenenfalls auf einem
Träger
aufgebracht ist.
Der
erfindungsgemäße Gegenstand
kann als Folie vorgesehen sein.
Bei
dem erfindungsgemäßen Gegenstand
kann die Größe jedes
hydrophilen Bereichs einem von einer Pipette abgebbaren und den
Bereich benetzenden Flüssigkeitsvolumen
oder der Größe einer
lebenden Zelle entsprechen.
Bei
dem erfindungsgemäßen Gegenstand
können
die hydrophilen Bereiche Sondenmoleküle tragen, die zu einer simultanen
Affinitätsanreicherung
und Isolierung von Analyt-Molekülen
geeignet sind.
Bei
dem erfindungsgemäßen Gegenstand
können
die Sondenmoleküle
auf den hydrophilen Bereichen immobilisiert oder an die hydrophilen
Bereiche gebunden sein.
Bei
dem erfindungsgemäßen Gegenstand
kann die Kunststoffoberfläche
für die
Immobilisierung oder Bindung von Sondenmolekülen funktionalisiert, insbesondere
mit funktionellen Gruppen versehen sein bzw. versehen worden sein.
Zur
Funktionalisierung kann eine Maske vorgesehen worden sein, welche
den vorzusehenden hydrophilen Barrieren entspricht bzw. diese hydrophilen
Barrieren vorgibt, und der maskierte Gegenstand, soweit er nicht
maskiert worden ist, kann einer Funktionalisierung unter Ausbildung
der hydrophilen Bereiche unterworfen worden sein.
Bei
dem erfindungsgemäßen Gegenstand
kann die Kunststoffoberfläche
mit Hydroxy-, Amino- (insbesondere NH2-Gruppen),
Carboxyl-, Aldehyd- oder Keto-Gruppen als funktionellen Gruppen
versehen sein bzw. versehen worden sein in.
So
kann die Kunststoffoberfläche
zur Funktionalisierung mit Hydroxy-Gruppen einer Plasma-Behandlung
oder einer Ozonolyse unterworfen worden sein.
Bei
dem erfindungsgemäßen Gegenstand
kann die Oberfläche
mit 0,5 bis 15 und insbesondere 0,1 bis 13,5 nanomol Hydroxy-Gruppen/cm2 versehen sein bzw. versehen worden sein.
Bei
dem erfindungsgemäßen Gegenstand
kann die Kunststoffoberfläche
weiterhin mit funktionellen Gruppen versehen sein bzw. versehen
worden sein, indem eine mit funktionellen Gruppen versehene Polymerschicht
auf die funktionalisierte Kunststoffoberfläche aufgepfropft worden ist.
Dabei
kann das Aufpfropfen in Abwesenheit von Vernetzern, insbesondere
von bifunktionellen Monomeren durchgeführt worden sein.
Bei
dem erfindungsgemäßen Gegenstand
können
die Sondenmoleküle
auf die funktionalisierte Kunststoffoberfläche durch Synthese, durch Immobilisierung
oder durch Adhäsion
aufgebracht sein bzw. aufgebracht worden sein.
Bei
dem erfindungsgemäßen Gegenstand
können
die Sondenmoleküle
durch eine Stufensynthese aufgebracht sein bzw. aufgebracht worden
sein.
Bei
dem erfindungsgemäßen Gegenstand
können
die Sondenmoleküle
durch chemische Bindung immobilisiert sein bzw. immobilisiert worden
sein, insbesondere über
einen Linker.
Bei
dem erfindungsgemäßen Gegenstand
können
die Sondenmoleküle
nicht abwaschbar adhäsiv
aufgebracht sein bzw. aufgebracht worden sein.
Bei
dem erfindungsgemäßen Gegenstand
können
als Sondenmoleküle
Peptide, Peptid-Analoge, insbesondere Peptoide und/oder Peptomere,
PNA, Oligonucleotide, DNA, organische Moleküle, Naturstoffe und/oder Oligosaccharide
aufgebracht sein bzw. aufgebracht worden sein.
Bei
dem erfindungsgemäßen Gegenstand
können
die Sondenmoleküle
von hydrophilem Bereich zu hydrophilem Bereich verschieden sein
oder es können
von hydrophilem Bereich zu hydrophilem Bereich verschiedene Sondenmolekül-Gemische
vorgesehen sein.
Bei
dem erfindungsgemäßen Gegenstand
kann eine plane Oberfläche
einer Größe im Bereich
von 1 mm2 bis 1 m2,
insbesondere von einigen mm2 bis einigen
cm2 aufweisen.
Ferner
wird die der Erfindung zugrundeliegende Aufgabe gelöst durch
ein Verfahren zur Herstellung eines Gegenstandes aus Kunststoff
und mit planer Oberfläche,
die mit einer Vielzahl von hydrophilen Bereichen versehen ist, die
voneinander durch hydrophobe Barrieren abgegrenzt sind, und der
zur Beschickung mit Sondenmolekülen
funktionalisiert worden ist, wobei man von einem hydrophoben Kunststoff
ausgeht, insbesondere von einem vorstehend angegebenen Kunststoff,
und den Kunststoff funktionalisiert, indem man vorstehend angegebene
Merkmale vorsieht.
Ferner
wird die der Erfindung zugrundeliegende Aufgabe gelöst durch
ein Verfahren zur Herstellung eines Gegenstandes aus Kunststoff
und mit planer Oberfläche,
die mit einer Vielzahl von hydrophilen Bereichen versehen ist, die
voneinander durch hydrophobe Barrieren abgegrenzt sind, und der
zur Beschickung mit Sondenmolekülen
funktionalisiert worden ist, wobei man von einem hydrophoben Kunststoff
ausgeht, den Gegenstand mit einer Maske versieht, welche den vorzusehenden
hydrophoben Barrieren entspricht bzw. diese hydrophoben Barrieren
vorgibt, und den Gegenstand, soweit er nicht maskiert worden ist,
funktionalisiert, indem man hydrophilisiert.
Bei
dem erfindungsgemäßen Verfahren
kann man hydrophilisieren, indem man Hydroxy-, Amino-, Carboxyl-,
Aldehyd- oder Keto-Gruppen
vorsieht.
Bei
dem erfindungsgemäßen Verfahren
kann man den bereichsweise hydrophilisierten Gegenstand einer Pfropfpolymerisation
unterwerfen, mit der man ihrerseits Hydroxy-, Amino-, Carb-oxyl-,
Aldehyd- oder Keto-Gruppen vorsieht.
Ferner
wird die der Erfindung zugrundeliegende Aufgabe gelöst durch
ein Verfahren zur Herstellung eines Gegenstandes, bei dem man von
einem hydrophoben Kunststoff ausgeht, insbesondere einem vorstehend
angegebenen Kunststoff, und den Kunststoff mit Sondenmolekülen versieht,
indem man vorstehend angegebene Merkmale vorsieht.
Ferner
wird die der Erfindung zugrundeliegende Aufgabe gelöst durch
ein Verfahren zur Herstellung eines Gegenstandes aus Kunststoff
und mit planer Oberfläche,
die mit einer Vielzahl von hydrophilen Bereichen versehen ist, die
voneinander durch hydrophobe Barrieren abgegrenzt sind, und der
zur Beschickung mit Sondenmolekülen
funktionalisiert worden ist, wobei man von einem hydrophoben Kunststoff
ausgeht, den Gegenstand mit einer Maske versieht, welche den vorzusehenden
hydrophoben Barrieren entspricht bzw. diese hydrophoben Barrieren
vorgibt, den Gegenstand, soweit er nicht maskiert worden ist, funktionalisiert,
indem man hydrophilisiert, und den Gegenstand mit Sondenmolekülen versieht.
Bei
dem erfindungsgemäßen Verfahren
kann man hydrophilisieren, indem man Hydroxy-, Amino-, Carboxyl-,
Aldehyd- oder Keto-Gruppen
vorsieht.
Bei
dem erfindungsgemäßen Verfahren
kann man den bereichsweise hydrophilisierten Gegenstand einer Pfropfpolymerisation
unterwerfen, mit der man ihrerseits Hydroxy-, Amino-, Carboxyl-,
Aldehyd- oder Keto-Gruppen vorsieht.
Schließlich wird
die der Erfindung zugrundeliegende Aufgabe gelöst durch eine Verwendung eines
erfindungsgemäßen Gegenstandes
für eine
simultane Affinitätsanreicherung
oder Affinitätsreinigung
und Isolierung von Analyt-Teilchen, insbesondere von biologischen
Analyt-Teilchen, vorzugsweise Molekülen, Proteinen, Antikörpern, Nucleinsäuren, Phagen,
Oligosacchariden oder Zellen.
Bei
der erfindungsgemäßen Verwendung
kann man nach der Affnitätsanreicherung
oder Affinitätsreinigung
individuell pro hydrophilem Bereich eine Elutionslösung aufbringen
und das jeweilige Analyt-Teilchen isolieren.
Bei
der erfindungsgemäßen Verwendung
kann man die Affinitätsanreicherung
oder Affinitätsreinigung und/oder
die Isolierung der Analyt-Teilchen automatisiert durchführen.
Bei
der erfindungsgemäßen Verwendung
kann man den von Analyt-Teilchen
befreiten Gegenstand erneut zur Affinitätsanreicherung oder Affinitätsreinigung
verwenden.
Erfindungsgemäß werden
also auf einer homogen hydrophoben Kunststoffoberfläche homogen
hydrophile Bereiche/Patches aufgebracht, die dann durch die hydrophoben
Barrieren/Stege der nicht modifizierten Kunststoffoberfläche ausreichend
untereinander abgetrennt sind. Die Größenverhältnisse der hydrophilen und hydrophoben
Bereiche wird so gewählt,
dass zu jeder Zeit ein definiertes Volumen Flüssigkeit auf einen hydrophile
Bereich aufpipettiert werden kann und dieses Volumen diesen hydrophilen
Bereich mit der durch das hier beschriebene Verfahren frei wählbaren
Form durch Benetzung selbstständig
und vollständig
ausfüllt
und nicht über
die hydrophoben Bereiche hinweg fließt. Die Flüssigkeitsvolumina, die dafür je hydrophilem
Bereich eingesetzt werden können,
sind durch die komplexen Verhältnisse
der jeweiligen Oberflächenspannungen
gegeben. Diese Volumina lassen sich aber leicht experimentell bestimmen,
indem zunächst
die ganze strukturierte Kunststoffoberfläche mit einem Überschuss
Flüssigkeit überschichtet
wird und dann durch leichte Schrägstellung
der Überschuss
abfließen
kann; auf den hydrophilen Bereichen bleiben die Volumina durch Benetzung haften
und können
nach vorsichtigem Abnehmen vermessen werden. Dieses sehr einfache „Auto-Füllverfahren" der hydrophilen
Bereiche lässt
sich auch bei vielen Schritten der Affinitätsanreicherungsprozeduren vorteilhaft
anwenden. Auf diesen hydrophilen Patches werden später die
Sondenmoleküle
in situ synthetisiert oder immobilisiert. Eine Übersicht zur Mikro- und Nanostrukturierung
von Oberflächen
zur Herstellung von hydrophoben und hydrophilen Strukturen gibt
der Artikel „Softlithographie" von Xia, Y., Whitesides,
G. M., Angewandte Chemie, 110, 568 (1998). Durch die hydrophob/hydrophil
strukturierten Bereiche/Patches auf der Kunststoffoberfläche ist
nach einer Affinitätsanreicherung
der Ziel-Biomoleküle
eine Isolierung dieser Ziel-Biomoleküle von jedem einzelnen Patch
individuell möglich,
ohne das Array zu zerstören,
weil die aufgegebenen Volumina an Elutionslösung nicht von einem Bereich/Patch
zum benachbarten fließen
können.
Das Array ist somit wiederverwendbar. Da die einzelnen Sondenmoleküle voneinander
durch die hydrophoben Barrieren/Stege abgegrenzt sind, läßt sich
die Elution der Ziel-Biomoleküle
leicht automatisieren. Die Elutionslösung kann mit einer Pipette/Pipettierroboter
aufgetragen und nach einer entsprechenden Einwirkzeit mit selbiger
Pipette/Pipettierroboter wieder aufgenommen werden. Dies ortsaufgelöst für jedes
einzelne Sondenmolekül.
Bekannte
Verfahren machen sich solche hydrophob/hydrophilen Strukturen nutzbar,
um z.B. eine Vielzahl an verschiedenen Molekülen gezielt auf vorbestimmte
Punkte einer Fläche
ablegen zu können
und diese Moleküle
später
mittels Massenspektrometrie in Form von MALDI analysieren zu können (
GB 2 332 273 ). Dabei werden
als Grundlage Metalle, wie z.B. Siliziumwafer oder goldbeschichtete
Targets verwendet. Die hydrophilen Bereiche (Punkte) werden durch
aufbringen kleiner Tropfen hydrophiler Lacke erzeugt. Die Sondenmoleküle werden
auf diesen Strukturen abgelegt, indem sie an Nanopartikel gebunden
werden, die sich dann an den hydrophilen Bereichen der Oberfläche sammeln.
Solche Flächen
sind nicht für
die feste kovalente Synthese oder Immobilisierung gedacht und geeignet.
Hydrophile
Oberflächen,
auf denen mit hydrophoben Lacken (Coating) hydrophobe Barrieren
aufgebracht sind, sind in WO 98/03257 beschrieben für die parallele
Durchführung
von miniaturisierten Testreaktionen in kleinen, parallel angeordneten
Flüssigkeitstropfen.
Photolithographische Methoden, um mit positiven oder negativen Photolacken
strukturierte Bereiche auf Glassträgern aufzubringen sind auch
in WO 94/27719 beschrieben.
Auch
sind bekannte Arrays, die auf dreidimensionalen Polyacrylamidgelpatches
beruhen, bisher immer auf einer Glasoberfläche erzeugt worden. Siehe hierzu: „Manual
Manufacturing of Oligonucleotide, DNA, and Protein Microchips" – Guschin, D. et. al. (1997),
Analytical Biochemistry, 250, 203–211. Solche 3D-Gelpatcharrays
werden durch Lösungspolymerisation
geeigneter Acrylamidmonomere zwischen zwei Glasplatten erzeugt und
chemisch auf einer Seite angebondet.
Diese
Glasoberflächen
zeigen jedoch die oben erwähnte
Hydrolyseempfindlichkeit und sind deshalb nur einmal für die Testung
verwendbar. Außerdem
sind diese Polyacrylamidgel-Arrays
nicht für
die chemische in situ Synthese der Sondenmoleküle eingesetzt worden. Die von
uns entwickelten Kunststoffoberflächen/-folien sind gegen viele
aggressive chemische Reagenzien und bei einem wässrigen pH von 0 bis 14 stabil.
Immobilisierte oder an aufpolymerisierten Patches gebundene Sondenmoleküle können nicht
mit wäßrigen Wasch-/Regenerationslösungen von
der Kunststoffoberfläche/-folie
abgelöst
werden. Daher sind unsere auf Kunststoffoberfläche/-folie basierenden Arrays
mehrmals verwendbar.
Nachstehend
wird die Erfindung durch Beispiele und eine Abbildung näher erläutert. 1 zeigt: Eine Polypropylenfolie
mit einem Raster aus rechteckigen pfropfpolymerisierten Patches
(2 × 2
mm). Die Patches der rechten Hälfte
und der hervorgehobenen Fläche
sind mit Wasser/Glycerin (1:1/V:V) benetzt.
Modifikation von Kunststoffoberfläche/-folie
Für die Synthese
oder die kovalente Immobilisierung von Sondenmolekülen müssen auf
der Kunststoffoberfläche
funktionelle Gruppen erzeugt werden.
Eine
Möglichkeit
der Funktionalisierung von Kunststoffoberflächen ist die direkte Funktionalisierung von
Polymeroberflächen
mit dem Ziel der Generierung von Hydroxy- oder Amino-Gruppen und wurde
bereits ausführlich
im Patent „Vorrichtung
zur effektiven Erzeugung von frei definierbaren Repertoires/Bibliotheken
mit großen
Anzahlen von Ligand- und Akzeptorstrukturen zur kombinatorischen
Synthese und zur ultraschnellen Testdurchführung in der biologischen,
biochemischen, pharmazeutischen, medizinischen und chemischen Wirkstofforschung" – Frank, R., Zander, N., Melberg,
Y., Gausepohl, H., Schneider-Mergener, J. Adler, F., Türk, G. (Anmelder:
ABIMED Analysen-Technik GmbH, GBF, Jerini Biotools GmbH, MediUm
Tech GmbH) P (1) 98 18 999.0, PCT/EP 99/02 811 und in der dort zitierten
Literatur beschrieben.
Darin
wurden folgende Verfahren aufgeführt,
die auch für
o.g. Kunststoffoberflächen
anwendbar sind:
- 1. Oxidation von PP, PE, PMP
mit Chromtrioxid, Ozon, Wasserstoffperoxid/Trifluoressigsäure
- 2. Eliminierung von Fluorid aus PVDF
- 3. Reduktion von PTFE, PCTFE mit Naphtalin/Natrium oder Benzoin
- 4. Verseifung von EVA
- 5. Zusätzliche
Hydroborierung von unter 1.–3.
beschriebenen Materialien
- 6. Direkte Hydroxylierung oder Aminierung von PP, PE, PMP mit
Radiofrequenzplasma
Einige
dieser Verfahren sind auch für
eine strukturierende Modifikation von Kunstoffoberflächen eingesetzt
worden (WO 99/58245). Besonders geeignet für die chemische Synthese und
Immobilisierung von Sondenmolekülen
sind Oberflächenmodifikationen
mit primären
Aminen, weil es hierfür
eine Vielzahl an Reagenzien gibt, mit denen Sondenmoleküle oder
Synthesebausteine mit solchen Aminofunktionen kovalent verknüpft werden
können.
Reaktionen zur Einführung
von Aminogruppen mit Hilfe von Carboxyl- oder Hydroxyl-Funktionen
sind bekannt und werden hier genutzt („Method for producing polymeric
solid phase supporting materials" – Ulbricht,
M., Volkmer-Engert, R., Germeroth, L., Wenschuh, H., (Anmelder:
Jerini Biotools GmbH) PCT Anmeldung WO 00/12575; „Derivatisierte
Polymermaterialien – Frank,
R., Matysiak, S. (Anmelder: GBF) P(1)96 38 085.5, PCT/EP 97/05123;
US 269 002 ;
EP 97 943 867.8 ; Korea 10-1999-7002279;
Norwegen 99 1296; Australien 97.45 553).
Eine
weitere Möglichkeit
der Funktionalisierung von Kunststoffoberflächen ist die Pfropfpolymerisation.
Dabei wird auf die Kunststoffoberfläche/-folie (Grundpolymer) eine
weitere funktionalisierte Polymerschicht aufgebracht. Die folgenden
beschriebenen Verfahren wurden dafür erfolgreich angewendet: Für eine Übersicht der
bei der durch UV-Strahlung induzierten Pfropfpolymerisation angewendeten
Photoinitiatoren siehe Fouassier, J.-P., Photoinitiation, Photopolymerisation
and Photocuring, Hansers Publishers, Munich, Vienna, New York, 1995.
Für eine Übersicht über die
zur Funktionalisierung von Polymeren durch Photopolymerisation verwendeten
Monomere siehe WO 00/12575. Diese Monomere sind für alle im
weiteren aufgeführten
Pfropfpolymerisationsverfahren geeignet.
Ein
Verfahren zur Pfropfpolymerisation von z.B Acrylsäuremonomeren
auf Polyethylenformkörpern durch
Initiation mit Gammastrahlen wurde in WO 84/03564 beschrieben und
für die
Herstellung von Kunstoffträgern
zur Synthese und Testung von Peptiden eingesetzt. Ein entsprechendes
Verfahren für
Polypropylenformkörper
wurde in P (1) 98 18 999.0 offengelegt. Alle diese Verfahren wurden
aber bisher nur für
eine in unserem Sinne nicht strukturierende Modifizierung eingesetzt.
Ein Spezialfall beschreibt WO 02/066984 A2. Durch kleinste Unebenheiten
(Rauheit; Pixel; kleiner als 1/10 mm) auf einer Polypropylenoberfläche werden
in einem sehr kurzen Pfropf polymerisationsverfahren mit wässriger
Acrylsäure
kleine Büschel
von Polyacrylat auf die erhobenen Stellen gesetzt, die von den hydrophoben
Vertiefungen umgeben bleiben. Eine solche Fläche kann mit Tropfen von Flüssigkeiten
benetzt werden. Ein Tropfen kann ein oder mehrere oder viele benachbarte Büschel benetzen;
seine Ausbreitung ist aber durch die vielen schmalen hydrophoben
Barrieren zwischen den Büscheln
gegenüber
einer homogen gepfropften Fläche
eingeschränkt.
Solche Pixel-Arrays wurden für
die Immobilisierung von Peptiden und Proteinen mit Dichten von bis
zu 0.25 mm eingesetzt. Die Unebenheiten auf der Polypropylenoberfläche sind
nicht konstruiert sondern zufällig
statistisch verteilt. Es handelt sich hier also hier um ein zufälliges Muster
an hydrophilen Ankerpunkten, an denen die aufgegebenen Tropfen haften.
Die chemischen Funktionen (Carbonsäurefunktionen) der Polyacrylatbüschel der
benetzten Anker werden dann für
die Immobilisierung der gelösten
Sondenmoleküle
(hier Peptide) benutzt. Die Anwendung solcher Pixelarrays ist analog
der konventioneller Arrays.
Für die Herstellung
von strukturiert funktionalisierten Kunststoffoberflächen mit
vorgegebener Formatierung für
die automatisierte parallele in situ Synthese oder Immobilisierung
einer Vielzahl von Sondenmolekülen
und deren anschließende
Anwendung für
die simultane Affinitätsanreicherung
und Isolierung biologischer Analyt- Moleküle aus komplexen Gemischen
wird das folgende sehr einfache und sehr effiziente Verfahren vorgeschlagen.
Hydrophob/hydrophile Strukturierung
von Kunststoffoberflächen
Eine
geeignete Kunststoffoberfläche
für solch
ein Array kann aus verschiedenen Polymeren sein, z.B. aus Polypropylen
(PP), Polyethylen (PE), Polymethylpenten (PMP), Polytetrafluorethylen
(PTFE, Teflon®),
Polyamid (PA) in verschiedenen Schichtdicken und auch Farben, auch
versetzt mit Zusätzen,
welche Eigenschaften des Basismaterials verändern und damit die Einsatzmöglichkeiten
solcher Materialien erweitern (z.B. mit einem Graphitzusatz versehenes
Polypropylen, das aufgrund seiner Leitfähigkeit als Trägermaterial
für MALDI-Massenspektrometrie
eingesetzt werden kann, siehe P103 05 957.1); bevorzugt wird PP
als Folie verwendet.
Schichtdicke: 0,1–1,0 mm, bevorzugt 0,15–0,3 mm
Die
Kunststoffoberfläche/-folie
wird vor dem aufbringen der Maske gewaschen:
für 60 min–7h mit
insgesamt 3 × Dimethylformamid
(DMF), bevorzugt 3 × 30
min
für
9 min–1h
mit 3 × Ethanol,
bevorzugt 3 × 5
min und dann getrocknet.
Auf
die Kunststoffoberfläche
wird eine Maske aus einer Tinte oder einem Lack aufgetragen, die
nur die zu modifizierenden Stellen (später die hydrophilen Bereiche/Patches)
frei lässt.
Bei der Tinte kann es sich z.B. um eine Tinte für Permanent Marker handeln,
die sich mit einem Plotter, Drucker oder auch Stempel auf die Kunststoffoberfläche auftragen
lässt.
Das Muster entspricht dabei dem später gewünschten Aussehen des Arrays.
Es kann zur Herstellung der Maske aber auch ein Photolack verwendet
werden, sowohl ein Positiv-, als auch ein Negativ-Photolack. Dieser
wird flächig
auf die Kunststoffoberfläche
aufgebracht und wird nach Trocknung entsprechend den Herstellerangaben
noch mit UV-Licht belichtet und anschließend entwickelt. Ergebnis ist
bei beiden Methoden eine Kunststoffoberfläche/-folie, die an den Stellen,
an denen sich später
die hydrophoben Barrieren befinden sollen, maskiert ist und an den
Stellen, an denen sich später
die hydrophilen Bereiche/Patches befinden sollen, frei von einer
Maskierung ist. Die Größe der Bereiche/Patches
lässt sich
beliebig variieren. Desgleichen die Form der Fläche (z.B. Kreis, Quadrat, Rechteck
oder Streifen). Für
eine spätere
manuelle Elution von Ziel-Biomolekülen empfiehlt sich eine Patch-Größe zwischen
0,3 × 0,3
mm und 2 × 2
mm. Jedoch lassen sich auch wesentlich kleinere, aber auch größere Patches
herstellen. Entsprechend des Einsatzes der Photolithographie zur
Herstellung der Maske ist die kleinste noch mögliche Patchgröße durch die
für die
Belichtung des Photolacks verwendete Wellenlänge gegeben. Für den Transfer
entsprechen kleiner Flüssigkeitsvolumina
auf und von solchen kleinen Patches müssten noch die geeigneten Werkzeuge
entwickelt werden. Im Hinblick auf die Anwendung solcher Patch-Arrays
ist wichtig, dass die Flüssigkeitstropfen
auf den benetzten hydrophilen Patches nicht miteinander in Kontakt
kommen. Dafür
ist ein ausreichender Abstand (hydrophobe Stege) nötig. Diese
sollten 1/10 bis 10/10 der kleinsten Ausdehnung des hydrophilen
Patches betragen, bevorzugt ist 3 bis 5/10. Auch die Größe der Gesamtoberfläche, die
strukturiert werden kann, ist in weiten Bereichen variierbar, von
wenigen mm2 bis zu m2.
Die Herstellung entsprechend großer geeigneter Gefäße für die Behandlung
der Flächen
ist unproblematisch.
Die
so präparierten
Kunststoffoberflächen/-folien
werden mit Ozon begast.
Ozongehalt: 1–10 g/h, bevorzugt 3–5 g/h
Begasungszeit:
30 min–bis
10h, bevorzugt 2–4
h
Ozonquelle: Labor-Ozonisator 300.5 (Sander)
Die
Kunststoffoberfläche/-folie
wurde für
die angegebene Begasungszeit bei ca. 20°C mit einem von der angegebenen
Quelle stammendem Gasgemisch aus Ozon in Sauerstoff umströmt. Das
Gasgemisch hatte den angegebenen Ozongehalt. Es folgt das Entfernen
der Maske von der Kunststoffoberfläche durch ein geeignetes Lösungsmittel,
z.B. mit Ethanol (für
Tinte) oder Aceton (für
Photolacke und Tinte) und Trocknen der Kunststoffoberfläche/-folie
im Luftstrom.
Mit
Ozon als gasförmigem
Reagenz können
in sehr reproduzierbarer Weise und sehr gleichmäßig beliebig komplizierte Strukturen
auf Oberflächen
behandelt und hydrophilisiert werden. Es gibt keine Benetzungsprobleme
wie sie mit flüssigen
Reagenzien erfahren werden. Die so mit Ozon behandelten Kunststoffoberflächen/-folien
zeigen jetzt schon an den nicht während der Ozonolyse abgedeckten
Stellen eine höhere
Hydrophilizität,
als an den abgedeckten Stellen. Dies lässt sich durch Benetzung mit
z.B. Wasser sichtbar machen. Im Vergleich zu den bisher verwendeten
Verfahren zur Erzeugung von hydrophob/hydrophilen Strukturen auf Oberflächen, wie
sie z.B. in „Manual
Manufacturing of Oligonucleotide, DNA, and Protein Microchips" – Guschin, D. et. al. (1997),
Analytical Biochemistry, 250, 203–211, beschrieben sind, braucht
bei dem hier beschriebenen Verfahren lediglich ein schnell und einfach
auszuführender
Schritt, das Aufdrucken/Stempeln/Plotten der Maske auf die Kunststoffoberfläche, durchgeführt werden.
Bei den o.a. Verfahren muss erst immer noch eine hydrophobe Schicht
auf der Glasoberfläche
eingeführt
werden, um dann die hydrophilen Strukturen dadurch abgrenzen zu
können.
Das hier beschrieben Verfahren nutzt die bereits hydrophobe Kunststoffoberfläche aus,
um die Barrieren zu bilden.
Die
Aktivierung von Kunststoffoberflächen
mittels reaktiven Ionen- oder Elektronenstrahlen oder Plasma durch
eine physikalische Maske ist in WO 94/05896 und auch in WO 99/58245
beschrieben. Diese Verfahren benötigen
jedoch aufwendige Apparaturen, insbesondere wenn größere Flächen bearbeitet
werden sollen. Eine chemische Oxidation von Polypropylen mittels
Chromtrioxid-Lösung
(hochtoxisch und krebserregend) wurde hier auch erwähnt, jedoch
keine praktikable Lösung
für eine
strukturierte Modifikation vorgeschlagen.
Zudem
können
bei der Behandlung mittels Ozon wesentlich höhere Beladungen auf der Kunststoffoberfläche erzeugt
werden. Beispielsweise kann man nach einer Ozonbehandlung für 8 Stunden
und anschließender
Reduktion zu Hydroxylgruppen eine Beladung von 10 bis 13 nmol/cm2 erreichen. Bei einer 8-stündigen Bestrahlung
des gleichen Materials in einer Gammaquelle und nachfolgender Reduktion
zu Hydroxylgruppen erhält
man dagegen nur eine Beladung von 0,1 bis 0,2 nmol/cm2.
Da die Gammastrahlung jedoch das Maskenmaterial durchdringt, ist
keine Strukturierung möglich.
Gerade für
den Einsatz der Affinitätsanreicherung
ist aber die Beladung mit Funktionen und darüber mit Sondenmolekülen extrem
wichtig. Die hohe flächenspezifische
Ausbeute an Hydroxyfunktionen bei der Ozonbehandlung ist das Ergebnis
der Eindiffusion der reaktiven Ozonmoleküle in das Plastikmaterial.
In Abhängigkeit
von der Behandlungsdauer und der Dichtigkeit des Plastikmaterials
dringen die Ozonmoleküle
in das Material ein und es wird daher eine entsprechend dicke Schicht der
Oberfläche
angegriffen und oxidativ umgesetzt. Hierin unterscheiden sich die
hier beschriebenen Oberflächen
von denen mit O2-Plasmaverfahren hydrophilisierten
Oberflächen,
bei denen die reaktiven Plasmaionen nahezu nicht in das Material
eindringen können
und somit der Oxidationsvorgang nur auf die Oberfläche beschränkt ist,
was mit einer entsprechend niedrigeren Ausbeute an Hydroxylfunktionen
einhergeht.
Für die Verwendung
im Sinne der Erfindung werden die so durch Ozonolyse oxidativ hydrophilisierten Oberflächenbereiche/Patche
weitermodifiziert.
A) Direkte Funktionalisierung
der Kunststoffoberfläche:
Reduktion
der bei der Ozonbehandlung gebildeten Peroxide/Hydroperoxide/Ozonide:
Reduktionsmittel:
0,5–3
mol/l Boran-Dimethylsulfid-Komplex, bevorzugt 1 mol/l
Lösungsmittel:
Dichlormethan (DCM), Ethanol, Dimethylformamid (DMF), Methyl-tertiär-Buthylether
(MTBE), bevorzugt Methyl-tertiär-Buthylether
(MTBE)
Reaktionszeit: 2–28h,
bevorzugt 14–16h
Reaktionstemperatur:
15–30°C, bevorzugt
20°C
Die
zu reduzierenden Kunststoffoberflächen werden mit einer Lösung des
angegebenen Reduktionsmittels mit dem angegebenen Lösungsmittel überschichtet
und für
die angegebene Zeit geschüttelt.
Nach Abdekantieren der Reaktionslösung von der Kunststoffoberfläche wird
mit Methyl-tertiär-Buthylether
(MTBE) gewaschen und mit einer Lösung
aus 3mol/l NaOH/H2O/30% H2O2 (1:1:1, v/v/v) für 1–2 h behandelt. Danach wird mit
1N NaOH, 1N HCl, Wasser, Dimethylformamid (DMF) und Dichlormethan
(DCM) gewaschen. Unter diesen Bedingungen können Beladungen an Hydroxylgruppen:
von 0,1–13,5
nmol/cm2 erreicht werden.
Eine
hohe Oberflächenkonzentration
an funktionellen Gruppen führt
zu einer erhöhten
Hydrophilie der Oberfläche.
Eine hohe Hydrophilie führt
zu einer stärkeren
Benetzung mit einem hydrophilen Lösungsmittel wie z.B. Wasser
oder DMF und damit zu einer großen
Ausbreitung selbst von kleinen Volumina. Für die eingesetzte Kunststoffoberfläche/-folie
bedeutet das, daß z.B.
Tropfen einer Reaktionslösung
mit einem Synthesebaustein sehr weit verlaufen, und sich mit anderen
Tropfen z.B. anderer Synthesebausteine vermischen können, wenn
die Beladung an funktionellen Gruppen zu hoch ist. Durch das Vorsehen
von hydrophoben Barrieren zwischen den einzelnen hydrophilen Patches
wird dies jedoch verhindert. Die Reaktionslösung breitet sich nur auf dem
Gebiet des hydrophilen Patches aus und wird an der Grenze zur hydrophoben
Barriere von dieser aufgehalten. Die Tropfen können so nicht mehr ineinander
laufen.
Diese
Hydroxylfunktionen können
benutzt werden, um durch Derivatisierung andere funktionelle Gruppen
einzuführen.
Die Vorgehensweise ist dabei analog zu den bei der Pfropfpolymerisation
beschriebenen Verfahren zur Erzeugung von z.B. primären Aminofunktionen
oder auch Aldehydgruppen (siehe unten).
B) Strukturierte Pfropfpolymerisation
der Kunststoffoberfläche/-folie
durch ein gängiges
Polymerisationsverfahren
Durch
die Synthese/Immobilisierung auf dreidimensionalen Patches kann
eine höhere
Beladung erreicht werden, als es bei der herkömmlichen Immobilisierung von
Sondenmolekülen
auf z.B. planaren Glasslides möglich
ist. Eine bis zu 100-fach höhere
Kapazität
für eine
Immobilisierung ist mit einem solch dreidimensionalen Polyacrylamidgelpatch
zu erreichen, siehe hierzu: „Manual
Manufacturing of Oligonucleotide, DNA, and Protein Microchips" – Guschin, D. et. al. (1997),
Analytical Biochemistry 250, 203–211. Dadurch lassen sich größere Mengen
an Sondenmolekülen
auf der Oberfläche
in situ synthetisieren oder immobilisieren, an denen später auch
mehr Ziel-Biomoleküle angereichert
werden können.
Eine höhere
Empfindlichkeit, als bei herkömmlichen
planaren Arrays auf Glasflächen
ist die Folge.
Das
strukturierte Aufbringen einer Polymerschicht für solche 3D-Patcharrays konnte
auf den durch A vorstrukturierten Kunststoffoberflächen durch
Pfropfpolymerisation nach drei Verfahren erfolgreich durchgeführt werden.
- 1. durch Gamma-Strahlen initiierte Pfropfpolymerisation:
Monomer:
siehe „Method
for producing polymeric solid phase supporting materials" – Ulbricht, M., Volkmer-Engert,
R., Germeroth, L., Wenschuh, H., (Anmelder: Jerini Biotools GmbH)
PCT Anmeldung WO 00/12575
Monomerkonzentration: 1–30 Vol%,
bevorzugt 5–10
Vol%
Reaktionsgefäß: Glas
Reaktionszeit:
8–96h,
bevorzugt 48–72h
Reaktionstemperatur:
10–50°C, bevorzugt
25–30°C
Lösungsmittel:
Lösung
aus 5mM Kupfer(II)-acetat in Wasser, Methanol, Ethanol, Eisessig,
Dimethylsulfoxid (DMSO) oder Dimethylformamid (DMF), bevorzugt Dimethylsulfoxid
(DMSO)
Strahlenquelle: Irradiator OB29 (STS, Braunschweig,
D) mit einem Cs137-Isotop und einer Dosisleistung von 204,6 Gy/h.
Ein
aufgeführtes
Monomer bzw. ein Gemisch von angegebenen Monomeren wurde in einem
angegebenen Lösungsmittel
bzw. einem Gemisch von angegebenen Lösungsmitteln in der angegebenen
Monomerkonzentration gelöst.
Die Kunststoffoberflächen/-folien
wurden in einem luftdicht verschlossenen Gefäß mit einer dieser Lösungen oder
mit einem flüssigen
Monomer oder einem flüssigen
Gemisch aus Monomeren, welche alle gelöste Kupfer(II)-salze enthielten, überschichtet
und mit einem Strom aus Argon oder Stickstoff weitgehend von Sauerstoff
befreit. Dann wurde das Gefäß für die angegebene
Zeit bei der angegebenen Temperatur mit von der angegebenen Quelle
stammenden Gamma- Strahlung bestrahlt. Anschließend wurde die Kunststoffoberfläche/-folie
mit 1N Natronlauge, 1N Salzsäure,
Wasser und Ethanol gewaschen und dann getrocknet.
- 2.
durch W-Strahlung initiierte Pfropfpolymerisation:
Monomer:
siehe „Method
for producing polymeric solid phase supporting materials" – Ulbricht, M., Volkmer-Engert,
R., Germeroth, L., Wenschuh, H., (Anmelder: Jerini Biotools GmbH)
PCT Anmeldung WO 00/12575
Monomerkonzentration: 1–30 Vol%,
bevorzugt 5–10
Vol%
Reaktionsgefäß: eingeschweißt in einen
entsprechend großen
Polypropylenbeutel
Bestrahlungszeit: 10 min–24h, bevorzugt 30 min–4h
Reaktionstemperatur:
10–50°C, bevorzugt
Raumtemperatur (ca. 20°C)
Lösungsmittel:
Lösung
aus 5mM Kupfer(II)-acetat in Wasser, Methanol, Ethanol, Eisessig,
Dimethylsulfoxid (DMSO) oder Dimethylformamid (DMF), bevorzugt Wasser
oder DMSO
Photoinitiator: siehe Fouassier, J.-P., Photoinitiation,
Photopolymerisation and Photocuring, Hansers Publishers, Munich,
Vienne, New York, 1995, bevorzugt Benzophenon
Photoinitiatorkonzentration:
0,01–1M,
bevorzugt 0,05–0,3M
Abstand der Kunststoffoberfläche/-folie
zur Strahlenquelle: 10–90cm,
bevorzugt, 25cm
UV-Strahlenquelle: Quecksilberhoch- bzw. -mitteldruck-Lampen,
bevorzugt wassergekühlt,
z.B. Heraeus TQ 150 und Heraeus Noblelight Vorschaltgerät.
Ein
aufgeführtes
Monomer bzw. ein Gemisch von angegebenen Monomeren wurde in einem
angegebenen Lösungsmittel
bzw. einem Gemisch von angegebenen Lösungsmitteln in der angegebenen
Monomerkonzentration gelöst.
Die Kunststoffoberflächen/-folien
wurden in einem luftdicht verschlossenen Gefäß mit einer dieser Lösungen oder
mit einem flüssigen
Monomer oder einem flüssigen
Gemisch aus Monomeren, die alle einen angegebenen Photoinitiator
bzw. ein Gemisch aus angegebenen Photoinitiatoren in der angegebenen
Photoinitiatorenkonzentration enthielten, überschichtet und mit einem
Strom aus Argon oder Stickstoff weitgehend vom Sauerstoff befreit.
Dann wurde das Gefäß für die angegebene
Zeit bei der angegebenen Temperatur mit der von der angegebenen
Quelle stammenden W-Strahlung bestrahlt. Anschließend wurde
die Kunststoffoberfläche/-folie
mit 1N Natronlauge, 1N Salzsäure,
Wasser und Ethanol gewaschen und dann getrocknet.
- 3.
durch thermische Zersetzung von durch Behandlung mit Ozon gebildeten
Peroxiden/Hydroperoxiden/Ozoniden initiierte Pfropfpolymerisation:
Monomer:
siehe „Method
for producing polymeric solid phase supporting materials" – Ulbricht, M., Volkmer-Engert,
R., Germeroth, L., Wenschuh, H., (Anmelder: Jerini Biotools GmbH)
PCT Anmeldung WO 00/12575
Monomerkonzentration: 1–30 Vol%,
bevorzugt 5–10
Vol%
Reaktionsgefäß: Glas
Reaktionszeit:
30 min–72h,
bevorzugt 16–24h
Reaktionstemperatur:
60–110°C, bevorzugt
75–100°C
Lösungsmittel:
Lösung
aus 5mM Kupfer(II)-acetat in Wasser, Methanol, Ethanol, Eisessig,
Dimethylsulfoxid (DMSO) oder Dimethylformamid (DMF), bevorzugt DMSO
Ein
aufgeführtes
Monomer bzw. ein Gemisch von angegebenen Monomeren wurde in einem
angegebenen Lösungsmittel
bzw. einem Gemisch von angegebenen Lösungsmitteln in der angegebenen
Monomerkonzentration gelöst.
Die Kunststoffoberflächen/-folien
wurden in einem luftdicht verschlossenen Gefäß mit einer dieser Lösungen oder
mit einem flüssigen
Monomer oder einem flüssigen
Gemisch aus Monomeren, die alle gelöste Kupfer(II)-salze enthielten, überschichtet
und mit einem Strom aus Argon oder Stickstoff weitgehend von Sauerstoff
befreit. Dann wurde das Gefäß für die angegebene
Zeit bei der angegebenen Temperatur erhitzt. Anschließend wurde
die Kunststoffoberfläche/-folie
mit 1N Natronlauge, 1N Salzsäure,
Wasser und Ethanol gewaschen und dann getrocknet.
Im
Falle von Methode 1. – Pfropfpolymerisation
durch Gamma-Strahlung
initiiert, und von Methode 2. – Pfropfpolymerisation
durch UV-Bestrahlung initiiert, wird auf den während der Ozonolyse nicht abgedeckten Bereichen
stärker
polymerisiert, als auf den abgedeckten Bereichen. Auf den während der Ozonolyse
mit der Maske abgedeckten Bereichen wird zwar auch bis zu einem
gewissen Grad polymerisiert, aber das Ausmaß beträgt dort nur 10 bis 20% der
Beladung der nicht bei der Ozonolyse abgedeckten Bereiche/Patches.
Dieser Hydrophobizitätsunterschied
reicht aus, damit die bei der Ozonolyse mit einer Maske abgedeckten
Bereiche als hydrophobe Barriere für z.B. Reaktionslösungen fungieren
können.
Dieses
Ergebnis war recht überraschend,
da normalerweise diese beiden Pfropfpolymerisationsmethoden erfolgreich
mit unbehandelten Kunststoffoberflächen durchgeführt werden.
Auch ohne Vorbehandlung/Aktivierung mit Ozon wird die Kunststoffoberfläche durchgängig pfropfpolymerisiert.
Daß die
ozonisierten Bereiche in einem viel stärkeren Maße zur Initiation der Pfropfpolymerisation
neigen, als die nicht vorbehandelten und daß der daraus resultierende
Hydrophobizitätsunterschied
ausreicht, um hydrophobe Barrieren zu bilden, war so nicht zu erwarten.
Im
Falle der Methode 3. – Pfropfpolymerisation
initiiert durch thermische Zersetzung von durch Behandlung mit Ozon
gebildeten Peroxiden/Hydroperoxiden/Ozoniden- wird nur auf den bei
der vorherigen Ozonolyse nicht durch eine Maske verdeckten Bereichen
polymerisiert. Die während
der Ozonolyse mit einer Maske abgedeckten Bereiche/Barrieren/Stege
werden überhaupt
nicht polymerisiert. Der Hydrophobizitätsunterschied zwischen den
hydrophilen, polymerisierten Bereichen/Patches der Kunststoffoberfläche und
den nicht polymerisierten Bereichen/Barrieren ist somit weitaus
größer, als
bei den Methoden 1 und 3., bei gleich hoher Beladung der hydrophilen
Bereiche/Patches.
Es
sollte hier noch auf den Unterschied der 3D-Patches nach dem nach
der Variante 3 beschriebenen Pfropfpolymerisationsverfahren und
den zwischen Glasplatten erzeugten quervernetzten Polyacrylamid-Patcharrays
nach Guschin et al. hingewiesen werden. Die Pfropfpolymerisation
wurde hier ohne Zugabe von sogenannten Vernetzermonomeren (bifunktionelle
Monomere) durchgeführt.
Die auf der Kunststoffoberfläche
aufgesetzten Polymerketten sind daher fast ausschließlich lineare
Ketten und stehen wie Bürstenhaare nebeneinander.
Alle chemischen Funktionen und daran immobilisierte Sondenmoleküle sind
gut für
die Ziel-Biomoleküle
zugänglich.
Die Erreichbarkeit ist sehr viel weniger durch Diffusion begrenzt,
als dies bei den porigen quervernetzten Polyacrylamid-Patches nach
Guschin et al. der Fall ist. Die nach Variante 1 und 2 erstellten Patches
wurden zwar auch ohne Vernetzermonomere pfropfpolymerisiert, wegen
der kontinuierlichen Erzeugung von Radikalen in der Lösung muß aber mit
einer deutlich stärkeren
Quervernetzung gerechnet werden (H. Waniczek in Houben-Weyl, Band
E20, S. 646, 1987). Dies wird aber erheblich geringer ausfallen,
als bei den gezielt quervernetzten Gel-Patches nach Guschin et al.
Die
durch Pfropfpolymerisation erreichten Funktionalitäten der
Patches wurden indirekt nach weiterer Derivatisierung (siehe unten)
bestimmt und liegen zwischen 5 bis 250 nmol/cm2.
Durch weitere Verringerung oder Erhöhung der Ozonvorbehandlung
kann der Bereich von 0,1 bis 1000 nmol/cm2 erweitert
werden.
Weitere Derivatisierung
der modifizierten Kunststoffoberflächen
Je
nach eingesetztem Monomer erhält
man nach der Pfropfpolymerisation eine Kunststoffoberfläche/-folie
mit einer dem eingesetzten Monomer entsprechenden Funktionalität, z.B.
mit Hydroxyl-, Carboxyl- oder auch Aminofunktionen. Die nach A durch
direkte Funktionalisierung erzeugten Patches bieten Hydroxylfunktionen.
Braucht
man für
die in situ Synthese oder Immobilisierung auf der Oberfläche jedoch
andere funktionelle Gruppen, als die durch die Modifizierung zugänglichen,
so werden die vorhandenen funktionellen Gruppen so derivatisiert,
daß die
angestrebte Funktionalisierung erreicht wird. Z.B. können die
auf der Oberfläche durch
Pfropfpolymersiation aufgebrachten Hydroxylgruppen benutzt werden,
um primäre
Aminogruppen einzuführen,
wie in „Derivatisierte
Polymermaterialien – Frank,
R., Matysiak, S. (Anmelder: GBF) P(1)96 38 085.5, PCT/EP 97/05123;
US 269 002 ;
EP 97 943 867.8 ; Korea 10-1999-7002279; Norwegen
99 1296; Australien 97.45 553 beschrieben. Die Funktionalisierung
zu primären
Aminen über
den Umweg von aufpolymerisierten Hydroxylgruppen hat gegenüber der
Pfropfpolymerisation mit einem schon eine primäre Aminogruppe enthaltenem
Monomer den Vorteil, dass höhere
Beladungen erreicht werden können.
Diese höhere
Beladung wiederum ist günstiger
für die
folgende in situ Synthese oder Immobilisierung von Sondenmolekülen und
schließlich
erlaubt sie auch einen empfindlicheren Nachweis von Ziel-Biomolekülen aus
komplexen Gemischen.
Derivatisierung von Hydroxylfunktionen:
Die
Kunststoffoberfläche/-folie,
die freie Hydroxylgruppen trägt
wird mit N,N'-Carbonyldiimidazol
(CDI) umgesetzt und so aktiviert.
Reaktionslösung: 0,2
bis 0,7 mol/l N,N'-Carbonyldiimidazol,
bevorzugt 0,4 bis 0,5 mol/l in einem geeignetem Lösungsmittel,
wie N-Methylpyrrolidinon (NMP), Dimethylsulfoxid (DMSO), Aceton
oder Dimethylformamid (DMF), bevorzugt Dimethylformamid (DMF)
Reaktionszeit:
60 min–16h,
bevorzugt 4–6h
Reaktionstemperatur:
20–35°C, bevorzugt
25°C
Die
Kunststoffoberfläche/-folie
mit den direkt erzeugten oder aufpolymerisierten Hydroxylfunktionen wird
mit der oben angegebenen Lösung
versetzt und für
die angegebene Zeit geschüttelt.
Anschließend
wird die Kunststoffoberfläche/-folie
mit dem ausgewählten
Lösungsmittel
und abschließend
mit Ethanol gewaschen und getrocknet.
Die
so modifizierte und aktivierte Kunststoffoberfläche/-folie kann nun mit der
gewünschten
funktionellen Gruppe versehen werden, indem ein Molekül eingeführt wird,
welches mindestens zwei funktionelle Gruppen enthält, von
der eine die gewünschte
spätere
Funktion aufweist und die andere, bevorzugt eine Aminogruppe, dazu
dient, dieses Molekül
kovalent an die aktivierte Kunststoffoberfläche zu binden. So sind die
unterschiedlichsten funktionellen Gruppen zugänglich, wie z.B. primäre Aminofunktionen,
Aldehydfunktionen, Carboxylfunktionen.
Einführung primärer Aminogruppen:
- Verwendete Diamine: 1,4-Diaminocyclohexan, 1,3-Diaminopropan,
1,4-Phenylendiamin, 1,12-Diaminododecan
- Reaktionslösung:
eines der aufgeführten
Diamine mit einer Konzentration von 0,25–1,5 mol/l, bevorzugt 0,5–1,0 mol/l
- Lösungsmittel:
Ethanol, Dimethylformamid (DMF), Dimethylsulfoxid (DMSO), Wasser,
bevorzugt Dimethylformamid (DMF)
- Reaktionszeit: 4–72h,
bevorzugt 16h
- Reaktionstemperatur: 20–35°C, bevorzugt
25°C
Die
mit CDI aktivierte Kunststoffoberfläche wird mit der angegebenen
Lösung
der angegebenen Diamine versetzt und man lässt für die angegebene Zeit unter
Schütteln
reagieren. Anschließend
wird mit dem gewählten
Lösungsmittel
und mit Ethanol gewaschen.
Erreichte
Beladung der Kunststoffoberfläche/-folie
mit freien Aminofunktionen durch oben beschriebene Methoden: 5–250 nmol/cm2.
Durch
den Einsatz unterschiedlicher langer Diamine läßt sich der Abstand der aufzubringenden
Sondenmoleküle
von der Kunststoffoberfläche
bestimmen. Dies ist zum Beispiel wichtig, wenn relativ große Sondenmoleküle auf der
Oberfläche
synthetisiert oder immobilisert werden sollen. Bei einem zu kleinen
Abstand zwischen Sondenmolekül
und Oberfläche
können
unter Umständen
größere Sondenmoleküle nur mit
Problemen oder gar nicht an die Oberfläche angelagert werden, z.B.
weil aufgrund ihrer räumliche
Struktur die Bindungsstellen im Molekül bis zu einem gewissen Grad
abgeschirmt sind. In diesem Fall erreicht man mit Einbau eines längeren Abstandmoleküls trotzdem
eine Anbindung des Sondenmoleküls.
Darüber
hinaus ist ein größerer Abstand
zur Oberfläche
auch vorteilhaft bei der Bindung (Affinitätsanreicherung) großer Ziel-Biomoleküle wie Proteine
oder gar Bakteriophagen.
Die
Einführung
von Aldehydgruppen ist ebenfalls über den Umweg einer Derivatisierung
von direkt erzeugten oder aufpolymerisierten Hydroxylgruppen möglich. Die
mit CDI aktivierte Kunststoffoberfläche/-folie wird dazu mit einem
Molekül
umgesetzt, das eine funktionelle Gruppe, bevorzugt eine Aminogruppe,
enthält, über die es an die Kunststoffoberfläche/-folie
kovalent gebunden werden kann und anschließend durch eine weitere chemische
Reaktion ein Teil des Moleküls
so verändert/modifiziert
wird, dass eine Aldehydgruppe gebildet wird (maskierte Aldehydgruppe).
Z.B. können
Aminozucker, wie D(+)-Glucosamin-hydrochlorid oder auch D-Mannosamin-hydrochlorid über die
im Molekül
vorhandene Aminofunktion kovalent an die mit CDI modifizierte Kunststoffoberfläche/-folie
gebunden werden und anschließend über eine
Spaltung mit Natriumperjodat der Zuckerring so aufgebrochen werden,
dass freie Aldehydgruppen entstehen.
Kovalente Bindung des
Aminozuckers an die Kunststoffoberfläche:
- Aminozucker: D(+)-Glucosamin-hydrochlorid, D-Mannosamin-hydrochlorid, bevorzugt
D(+)-Glucosamin-hydrochlorid
- Reaktionslösung:
0,1–1,0
mol/l Lösung
eines Aminozuckers, bevorzugt 0,2–0,4 mol/l
- Lösungsmittel:
Dimethylsulfoxid (DMSO), Dimethylformamid (DMF), Wasser, bevorzugt
Wasser
- Reaktionszeit: 60 min–24h,
bevorzugt 16–18h
Einer
der oben angegebenen Aminozucker wird in einem der angegebenen Lösungsmittel
in der entsprechenden Konzentration gelöst. Nach Einstellen des pH-Wertes
mit 1N Natronlauge auf pH 8 wird die vorher mit CDI modifizierte
Kunststoffoberfläche/-folie
in diese Lösung
gegeben und man lässt
für die
angegebene Zeit reagieren. Anschließend wird die Kunststoffoberfläche/-folie
mit dem gewählten
Lösungsmittel
und mit Ethanol gewaschen und getrocknet.
Perjodspaltung des nun
kovalent gebundenen Zuckers auf der Kunststoffoberfläche:
- Reaktionslösung:
15–20
Vol% Essigsäure
in Wasser, bevorzugt 17 Vol%
- Konzentration an Natriummetaperjodat in der Reaktionslösung:
0,1–0,5 mol/l,
bevorzugt 0,3 mol/l
- Reaktionszeit: 60 sec–15
min, bevorzugt 8–10
min
Die
mit einem Aminozucker derivatisierte Kunststoffoberfläche/-folie
wird mit der oben angegebenen Reaktionslösung versetzt und die angegebene
Zeit geschüttelt.
Anschließend
wird die Kunststoffoberfläche/-folie
mit Wasser und mit Ethanol gewaschen.
Es
ist aber auch beispielsweise möglich,
die auf der Oberfläche
direkt erzeugten oder aufpolymerisierten Hydroxylfunktionen mit
Pyridiniumchlorochromat (PCC) zu oxidieren und so Aldehydgruppen
zu erhalten, allerdings mit einer deutlich geringeren Ausbeute.
Aufbringen der Sondenmoleküle
Auf
den funktionalisierten Kunststoffoberflächen, bzw. auf den hergestellten
Patches, werden durch geeignete Synthesemethoden Substanzen entweder
direkt synthetisiert (z.B. durch schrittweise Peptidsynthese) oder
auf der Oberfläche
immobilisiert (z.B. durch chemische Bindung, über einen Linker) oder adhesiv
abgelagert.
Für die Synthese
kommen Sondenmoleküle
der unterschiedlichsten Art in Frage, z.B. Peptide, Peptid-Analoge,
wie Peptoide und Peptomere, PNA, Oligonucleotide, DNA, organische
Moleküle,
synthetische Verbindungen, Naturstoffe, Oligosaccharide.
Auf
einer mit primären
Aminogruppen funktionalisierten Oberfläche können z.B. Peptide mit Hilfe
der ortsgerichteten kombinatorischen chemischen Festphasensynthese,
wie dem SPOT-Syntheseverfahren
synthetisiert werden. Siehe hierzu: „Verfahren zur schnellen Synthese
von trägergebundenen
oder freien Peptide oder Oligonucleotiden, damit hergestelltes Flachmaterial,
dessen Verwendung sowie Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens" – Frank, R. und Güler, S.
(Anmelder: verkauft an Jerini Biotools GmbH, 1999) P 40 27 657.9,
EP 91 914 577.1 ,
US 5,830,637 , Australia
96.42063, Japan 03.513 489, Norway 93.0613, Canada 2 090 485, Korea
93.700 613. Spot-Synthesis: An easy technique for the positionally
addressable, parallel chemical synthesis on a membran-support – Frank,
R. (1992) Tetrahedron, 48, 9217-9232. Für die Immobilisierung kommen
die gleichen Sondenmoleküle
in Frage, wie für
die Synthese. Als Oberfläche
kann man z.B, eine Kunststoffoberfläche/-folie mit freien Aldehydgruppen
verwenden, an die das Sondenmolekül, das mit einer entsprechenden Hydrazino-
oder Hydroxylaminogruppe vorliegt, kovalent zu Hydrazonen oder Oximen
gebunden wird. Es ist aber auch möglich, eine Immobilisierung
eines Sondenmoleküls
zu erreichen, indem man mit einem sogenannten Crosslinker arbeitet.
Dabei kann es sich z.B. um Succinimidyl 4-(N-maleimidomethyl) cyclohexan-l-carboxylate
(SMCC) handeln. Dieses wird erst an die Aminooberfläche der
Kunststoffoberfläche/-folie
gebunden und erlaubt dann aufgrund einer zweiten reaktiven Gruppierung
in seinem Molekül
die Anbindung eines Sondenmoleküls
mit einer geeigneten funktionellen Gruppe. Im Falle von SMCC ist
dies eine freie SH-Funktion, wie sie z.B. in Cysteinresten vorkommt.
Einen Überblick über die
vielfältigen
Methoden und Reagenzien gibt G.T. Hermanson in „Bioconjugate Techniques;
1995 Acadamic Press Inc." oder
S.S. Wong in „Chemistry
of Protein Conjugation and Cross-Linking; 1991 CRC Press Inc.