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Verfahren und Zeitmesseinrichtung zur Durchführung von Volltagsstudien Die Durchführung von Volltagsstudien oder Ver- lustzeitstudien, wie sie in der Arbeitsstudientermino- logie genannt werden, gehört zu den kostbarsten, sehr zeitraubenden und meist enervierenden Untersuchungen, die ein- Arbeitsstudieningenieur durchzuführen hat.
Indessen geben solche gründliche, auf dem Arbeitsplatz durchgeführte Volltagsstudien die wichtigsten Aufschlüsse für die weitere Analysierungs- und Verbesserungsarbeit, die der Arbeitsstudieningenieur durchführen soll. Die Tatsache, dass diese Studien langwierig und ausserdem enervierend sind, u. a. weil sie sehr zeitraubend sind und der Arbeitsstudieningenieur sich zur Durchführung einer solchen Arbeit oft überqualifiziert fühlt, bewirkt oft, dass Volltagsstudien zuwenig benutzt werden und dass diejenigen, die durchgeführt werden, leicht unvollständig werden. Die Arbeitsanalysen und damit die Rationalisierung tritt daher oft in Kraft, bevor hinlänglich viele und sichere Aufschlüsse hinsichtlich der in Gang befindlichen, zu rationalisierenden Produktion gesammelt worden sind.
Das Sammeln von Daten, welche die Produktion betreffen, ist für den Verlauf der Produktion und somit für die ganze Rationalisierungstätigkeit von grundlegender Bedeutung.
Um herauszufinden, was die Durchführung von Volltagsstudien kostet, kann folgendes Beispiel genannt werden: Man hat eine Abteilung von 30 Arbeitern, und es handelt sich um die Durchführung von Volltags- studien für sämtliche 30 Arbeiter über einen Zeitraum von 5 Arbeitstagen zu 8V2 Stunden.
Falls die Untersuchungen sich im Laufe der genannten 5 Tage für die 30 Arbeiter der Abteilung sollten durchführen lassen, müssten 30 Arbeitsstudienleute während 5 Tagen in Tätigkeit sein, d. h. man würde insgesamt 150 Arbeitsstudientagwerke bekommen. Falls ein Arbeitsstudienmann die Aufgabe allein durchführen sollte und er täglich einen Mann überwachen sollte, würde er 30 x 5 = 150 Arbeitstage benötigen, und das Ganze würde vom Anfang mit Nr. 1 bis zum Abschluss bei Nr. 30 5 Monate beanspruchen. In der Praxis kann ein erfahrener Arbeits- studienmann oft Volltagsstudien über zwei Personen gleichzeitig durchführen. Die oben genannten Zahlen wären in diesem Falle zu halbieren.
Man rechnet in der Praxis, dass die Bearbeitung einer Volltagsstudie für den Arbeitsstudienmann oft genausoviel Zeit beansprucht wie die Durchführung der eigentlichen Untersuchung. Die Durchführung von Volltagsstudien für das genannte Beispiel und ferner die Zusammenstellung und Bearbeitung dieser Untersuchungen würde also 150 x 2 = 300 Arbeits- studientagewerke bzw. 150, falls zwei Arbeiter gleichzeitig überwacht werden, beanspruchen.
In der Regel werden Arbeitsstudien von beim Betrieb angestellten Konsulenten oder Arbeitsstudien- leuten durchgeführt.
Die Volltagsstudien, die nur die erste, aber sehr wichtige Phase der Arbeitsstudientätigkeit sind, sind mit den gebräuchlichen Untersuchungsmethoden und -ausrüstungen (Stoppuhr und Brett) rein studienmässig gesehen sehr kostbar und zeitraubend.
Konsulenten, Rationalisierungsingenieure und Arbeitsstudienleute verwenden bezüglich der Sammlung von Aufschlüssen, Daten und Zahlen für die laufende Produktion verhältnismässig unwirksame Methoden und eine unrationelle Ausrüstung. Diese Aufschlüsse bilden die Grundlage der produktionstechnischen Analyse und damit der weiteren Verbesserungsarbeit und der produktionstechnischen Rationalisierung insgesamt.
Eine gelungene und damit später stets weiterschreitende Rationalisierung eines Betriebes lässt sich nicht durch einen Rationalisierungskonsulenten und/
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oder durch den Arbeitsstudienmann oder die Arbeits- studienabteilung des Betriebes vornehmen. Sie kann nur durch den Betrieb selbst vorgenommen werden, d. h. durch die Leitung und die Arbeiter des Betriebes in vereinigter, intimer Zusammenarbeit.
Es hat dem Produktionsarbeiter nie gefallen und wird ihm nie gefallen -, über ganze Tage hinaus von White-collar -Leuten mit Stoppuhr, Bleistift, Papier und Brett zeitstudiert zu werden.
Das Tempo der Arbeiter ist im allgemeinen sehr gut, wenn gearbeitet wird. Dass die Arbeitszeit oft schlecht ausgenutzt wird, liegt in der Regel in viel grösserem Ausmasse an der Leitung als an den Arbeitern. Das Problem, um das sich das Ganze dreht, ist eine Frage rein menschlicher Art, eine Frage der Planlegung und eine Frage der Methode und Ausrüstung. Es handelt sich nicht um ein Problem, das sich um die Frage der Steigerung des Tempos dreht.
Das vorliegende Patent betrifft ein Verfahren und eine Zeitmesseinrichtung zur Durchführung von Volltagsstudien, um die Untersuchungen in einer Weise vornehmen zu können, die, verglichen mit früheren Methoden, rationeller, wirkungsvoller, zeit- und arbeitsparender und auch bedeutend wirtschaftlicher ist, während gleichzeitig die Arbeit mit der Durchführung der Zeitstudien in einer für den Arbeiter angenehmen Weise vor sich geht, d. h. in einer Weise, die dem Arbeiter gefällt und die auf seinen Willen zur Zusammenarbeit befruchtend wirkt.
Der der Erfindung zugrunde liegende Gedanke besteht darin, dass die Arbeitsstudien durch den Produktionsarbeiter selbst vorgenommen werden.
Das erfindungsgemässe Verfahren zur Durchführung von Volltagsstudien besteht nun darin, dass das Erfassen der verschiedenen zu dem Volltagsstudium gehörenden Zeiten, wie z. B. produktive Zeit, betriebstechnische Verlustzeiten, Wartezeit, Zeit für den persönlichen Bedarf, Ruhezeit usw., von dem betreffenden Arbeiter selbst vorgenommen wird, und zwar mittels einer der Anzahl der zu beobachtenden Zeiten entsprechenden Anzahl von Stoppuhren, die derart angebracht werden, dass sie für den Arbeiter während der Arbeit mit der Hand leicht zugänglich sind.
Zur Ausübung des erfindungsgemässen Verfahrens wird zweckmässig eine Zeitmesseinrichtung benutzt, die von dem betreffenden Arbeiter getragen wird und zu einer baulichen Einheit miteinander vereinigte, zweistufige Stoppuhren aufweist, die mittels eines separaten Schlüssels in Nullstellung gebracht werden können.
Eine Zeitmesseinrichtung wie die oben angegebene kann ferner zweckmässig mindestens ein Zählwerk zur Registrierung von z. B. produzierten Einheiten, Frequenzen usw. umfassen.
Die Stoppuhren können in einer Reihe nebeneinander an einem Träger angebracht sein, der z. B. mit Riemen am Arm des Arbeiters festgespannt werden kann. Sie können natürlich auch in einem Kreis oder in anderer Weise an einem Träger angeordnet sein. Ein Ausführungsbeispiel einer Zeitmesseinrichtung zur Durchführung des erfindungsgemässen Verfahrens ist auf der Zeichnung dargestellt.
Die auf der Zeichnung dargestellte Zeitmessein- richtung besteht aus fünf zusammengebauten, voneinander unabhängigen Stoppuhren 1-5 und vier voneinander ebenfalls unabhängigen Zählwerken 6 und 7. Sowohl die Stoppuhren als auch die Zählwerke sind in ein gemeinsames, als Träger dienendes Gehäuse 8 eingebaut, welches zweckmässig aus nicht rostendem Stahl hergestellt ist. Die Uhren sind zweistufige Stoppuhren mit separatem Schlüssel für die Nullstellung.
Die Zahlen 1-5 bezeichnen beziehungsweise: Stoppuhr zum Messen der produktiven Zeit, Stoppuhr zum Messen von betriebstechnischen Verlustzeiten, Stoppuhr zum Messen von Wartezeiten, Stoppuhr zum Messen von Zeiten für den persönlichen Bedarf und Stoppuhr zum Messen der Ruhezeit. Sämtliche Zeitstoppuhren werden zum Starten und Stoppen jeweils durch Drücken eines Knopfes bedient.
Die Zählwerke 6 und 7 dienen zur Registrierung der Anzahl produzierter Einheiten, Frequenzen usw. Jedes Zählwerk ist vierziffrig und hat einen separaten Schlüssel zum Nullstellen.
Am Gehäuse 8 sind Riemen 9 aus Leder befestigt, die zum lösbaren Befestigen der Einrichtung am Arm eines Arbeiters bestimmt sind.
Beim Gebrauch der oben beschriebenen Zeitmess- einrichtung geht der Arbeiter in folgender Weise vor: Wenn er morgens mit der Arbeit anfängt, setzt er die Uhr 1 in Gang, z. B. wenn er direkt mit produktiver Arbeit anfängt. Wenn er darauf z. B., nachdem er einige Zeit gearbeitet hat, warten muss, so hält er die Uhr 1 an und startet die Uhr 3, die so lange läuft, wie das Warten diesmal dauert. Wenn der Arbeiter dann wieder produktive Zeit bekommt, hält er die Uhr 3 an und setzt die Uhr 1 sofort wieder in Gang.
Dadurch, dass in dieser Weise nur jeweils eine Uhr läuft und die einzelnen an den verschiedenen Uhren beobachteten Zeiten sich im Laufe des ganzen Arbeitstages summieren lassen, erhält man beim Ablesen der fünf Uhren zum Schluss der Arbeitszeit direkt den Auszug der ganzen Tagesuntersuchung oder die Summe in Stunden und Minuten.
Bei der Auslieferung der Zeitmesseinrichtung kann der Arbeiter eine kleine Karte oder ein Schema zugeteilt bekommen, worauf er bei Tagesschluss nach seinem Gedächtnis notieren kann, worauf die längsten Verlustzeiten beruhen, z. B. Wartezeiten, betriebstechnische Verlustzeiten usw.
Zur Registrierung der Produktion sind, wie erwähnt, vier voneinander unabhängige Zählwerke vorhanden. Der Nullstellschlüssel sowohl für die Stoppuhren als für die Zählwerke befindet sich bei dem Betreffenden, der die Untersuchungsarbeit leitet und zu Arbeitsschluss die Uhren abliest. Die erwähnten Zählwerke können auch zum Registrieren von Frequenzen, deren Notierung von Interesse ist, benutzt werden.
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Die Bewegungen oder Operationen, die der Arbeiter pro Registrierung durchführen muss, d. h. das Stoppen der einen Uhr und Starten einer anderen Uhr, sind folgende: 1. Heben des die Messeinrichtung tragenden Armes in Stellung, 2. Aussuchen der zu stoppenden Uhr, 3. Bewegen der Hand zum Druckknopf der Uhr, 4. Herunterdrücken des Knopfes zwecks Stoppens der Uhr, 5.
Aussuchen der zu startenden Uhr, 6. Bewegen der Hand zum Druckknopf der letzteren, 7. Herunterdrücken des Knopfes zwecks Startens der Uhr, B. Zurückführen der Hand in Ausgangsstellung. Die Summe der für die Ausführung dieser Bewegungen benötigten Zeiten ist durchschnittlich auf etwa 0,06 Minuten festgelegt worden.
Die Durchführung von z. B. 200 Registrierungen dürfte also etwa 12 Minuten beanspruchen.
Ein Arbeiter, der mit Hilfe der neuen Zeitmess- einrichtung eine Volltagsuntersuchung seiner eigenen Arbeit durchführt, bekommt gewöhnlicherweise eine Untersuchungsverlustzeit von nicht mehr als etwa 3-5'.
Die Durchführung von Volltagsstudien entsprechend dem einleitungsweise genannten Beispiel während 5 Tagen für sämtliche 30 Arbeiter würde, wenn sie von einem Konsulenten oder dem Arbeitsstudienmann des Betriebes vorgenommen würde, 150 Tage beanspruchen, d. h. 5 Monate, während sie, von dem Arbeiter selbst mittels der neuen Untersuchungsuhr vorgenommen, 5 Tage beanspruchen würde.
Bei der Durchführung des erfindungsgemässen Verfahrens mit Hilfe der erläuterten Zeitmesseinrich- tung lässt sich folgendes erreichen: 1. schnelles, billiges und sehr umfassendes Sammeln von Daten als Grundlage für eine Übersicht, 2. eine von Zeit zu Zeit vorzunehmende Überprüfung der Kapazitätsausnutzung, 3. eine Kartierung der Flaschenhälse , 4. Kartierung der Wartezeiten, 5. Mes- sung der Wirkungsgrade und Verlustzeiten von Maschinen, 6. Effektivitätskontrolle, 7. Messung von Schwankungen und Frequenzen im Produktionsgang, B. Bestimmung von betriebstechnischen Zulagen und anderen Zulagen bei gröberen Bonus-Akkordvor- schlägen, 9. ein Mittel zur Verwirklichung des Rationalisierungsgeistes zwischen den Arbeitern und im ganzen Betrieb, 10.
Beobachtungen bezüglich Büroarbeit, 11. Beobachtungen bezüglich Transportarbeit.