Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zur Herstel lung von drehungsfreiem Garn oder nahezu drehungsfreiem Garn, und durch Anwendung dieses Verfahrens erhaltenes Garn.
Bei einem solchen Verfahren wird ausgegangen von einer Lunte, zusammengestellt aus mindestens zwei Stapelfaserkom- ponenten, von denen wenigstens eine Komponente für die Bindung des Stapelfasermaterials sorgt. Die Lunte wird in nas sem Zustand in einem Dreizylinderstreckwerk zu einer dünne ren Lunte verstreckt und anschliessend falschgedreht und ge bunden.
Ein Nassverstrecken als Verfahrensschritt bei der Herstel lung von drehungsfreiem Garq ist bekannt aus der DT-OS 2 353 558. Gebraucht wird ein Zweiriemchenstreckwerk mit einem Verstreckfaktor von 9,4. Weiter wird in dieser Offenle- gungsschrift von einem Streckwerk mit drei Passagen gespro chen, das aber nur dazu dient, eine gleichförmige Verteilung mehrerer Faserarten in einem Faserband, welches das Ein gangsmaterial des Zweiriemchenstreckwerkes formt, zu erhal ten.
Ein Nassverstrecken mit einem nur eine Streckzone auf weisenden Streckwerk ist z. B. aus der US-PS 2 310 951 be kannt. Ein Nassverstrecken in einem Dreizylinderstreckwerk ist bekannt aus der GB-PS 579 040. Die zuletzt genannte Pa tentschrift bezieht sich speziell auf ein Verstrecken von Leinen oder derartigen Fasern, also auf das Verstrecken von Fasern, die durch ihre Faserlänge nicht soviele Verstreckprobleme mit sich bringen, wie eine Lunte mit Fasern von relativ kurzer Länge.
Mit den bisher bekannten Streckwerken, mit denen ein Verstrecken in nassem Zustand realisiert wird, kann jedoch nur ein maximaler Streckfaktor von etwa 100 erreicht werden. Ziel der Erfindung ist die Schaffung eines Verfahrens wie eingangs beschrieben. Dabei kann, ausgehend von einer Lunte bei Anwendung eines grossen Verstreckfaktors bei höherer Geschwindigkeit, direkt ein drehungsfreies Garn erhalten wer- Gemäss dem erfindungsgemässen Verfahren muss hierzu das Nassverstrecken dadurch erfolgen, dass a) bevor die angefeuchtete Lunte die Walzen des ersten Zylinderpaares des Streckwerkes passiert,
der grösste Teil des Flüssigkeitsüberschusses beim Hindurchführen der Lunte durch einen Fadenführer von der Lunte abgestreift wird, wäh rend ebenfalls noch eine Bündelung der Lunte mit diesem Fa denführer erfolgt; b) das übrige des Flüssigkeitsüberschusses zwischen den Walzen des ersten Zylinderpaares abgepresst wird; c) die Lunte am Ende der ersten Streckzone neu gebündelt wird; d) die Lunte nach dem Durchlaufen der Walzen des zwei ten Zylinderpaares Massnahmen zur Kompensation der durch die Walzen des zweiten Zylinderpaares verursachten Neigung der Fasern zum Heraustreten aus dem Stapelfaserbündel un terworfen werden.
Das erfindungsemässe Verfahren, wird nachfolgend anhand der Zeichnung erläutert. In dieser Zeichnung ist eine Ausfüh rungsform eines Dreizylinderstreckwerkes dargestellt, welches sich für die Durchführung des erfindungsgemässen Verfahrens eignet. Die Zylinderpaare des Dreizylinderstreckwerkes sind mit 1, 2 und 3 bezeichnet. Jedes der Zylinderpaare besteht aus einer Gummiwalze 4, bzw. 5 und 6 und einer geriffelten Walze 7 bzw. 8 und 9. An der Eingagsseite der Zylinderpaare 1 und 2 ist ein Fadenführer 10 bzw. 11 angebracht.
Um die Walze 5 und das Rad 12 ist ein Riemen 13 angebracht, der unter ei nem vorbestimmten Winkel zum durchzuführenden und zu verstreckenden Faserstrang mitläuft. Ausserdem ist zwischen den Zylinderpaaren 2 und 3 eine Führung 14 angebracht, und zwar seitlich der Verbindungsfläche zwischen den Klemmlinien dieser Zylinderpaare. Schliesslich enthält das Streckwerk ein Element 15, mit dem Luft entlang der geriffelten Walze 8 ge blasen werden kann.
Bei dem Verfahren wird von einer Lunte 16 ausgegangen, welche angefeuchtet wird, indem dieselbe durch ein Flüssig keitsbad 17 geleitet wird. Die durch dieses Bad zu leitende Lunte muss, zur Aufnahme einer ausreichenden Feuchtigkeits menge, eine dementsprechende Durchlaufgeschwindigkeit be sitzen und einen entsprechend langen Weg zurücklegen. Die hierfür erforderliche Zeit kann eingestellt werden, indem die Durchlauflänge in dem Bad 17 variabel gemacht wird, wie es mit der unterbrochenen Linie in der Figur angedeutet ist. Aus- ser, dass die Fasern in sich selbst Feuchtigkeit aufnehmen, wird von der Lunte ebenfalls noch eine übermässige Feuchtigkeits menge zwischen den Fasern aufgenommen.
Die gewählte Zeit ist abhängig von der Wahl des Stapelfasermaterials und der Faserdicke.
Die aus dem Flüssigkeitsbad 17 gezogene Lunte 18 wird dem Zylinderpaar 1 des Dreizylinderstreckwerkes über den Fadenführer 10 zugeführt. Die Funktion des Fadenführers 10 ist, den grössten Teil des Flüssigkeitsüberschusses beim Hin durchführen der Lunte von dieser abzustreifen, während eben falls darin noch eine Bündelung dieser Lunte erfolgt. Das Ab pressen des dann noch vorhandenen Flüssigkeitsüberschusses erfolgt nun beim Hindurchführen der Lunte durch den Klemmspalt der Walzen 4 und 7. Zu diesem Zwecke ist z. B. eine genaue Einstellung des gegenseitigen Walzendruckes not wendig. Dabei spielt auch die Form der Riffelung der Walze 7 und die Härte der Gummiwalze 4 des verwendeten Streck werkes eine Rolle.
Durch den Fadenführer 10 wird zudem be wirkt, dass für den erforderlichen Feuchtigkeitsgehalt eine ge ringere Druckänderung, wobei der minimale für das Verstrek- ken erforderliche Walzendruck berücksichtigt werden muss, zwischen den Walzen 4 und 7 ausreichend ist. Dadurch kleben die Fasern in viel geringerem Masse an den Walzen 4 und 7 fest, als es der Fall ist, wenn der Fadenführer 10 nicht vorhan den wäre und der Druck zwischen den Walzen 4 und 7 grösser sein müsste um der durch den Klemmspalt derselben hindurch zuführenden Lunte doch die erforderliche Feuchtigkeitsmenge mitgeben zu können. Die Lunte durchläuft die von den Zylin derpaaren 1 und 2 gebildete erste Streckzone.
Durch den Druck zwischen den Walzen 5 und 8 des Zylinderpaares 2 würden auch hier die Fasern der durchlaufenden Lunte an den Rollen festkleben, wenn dagegen keine Massnahmen getroffen würden. Aus demselben Grunde aus dem der Fadenführer 10 an der Eingangsseite des Zylinderpaares 1 angebracht ist, ist der Fadenführer 11 an der Eingangsseite des Zylinderpaares 2 angebracht worden. Ebenfalls ist es wichtig, dass am Ende der ersten Streckzone die Lunte nochmals gebündelt wird. Nach ausgedehnten Prüfungen ergab sich jedoch, dass trotz des Vorhandenseins des Fadenführers 11 einige Fasern die Neigung zeigten, aus der Lunte herauszutreten, was durch das Zylinderpaar 2 verursacht wurde. Dieses Heraustreten von lo sen Fasern erfolgte durch das Festkleben dieser Fasern an den Walzen 5 und B.
Daher mussten für die Lunte Massnahmen zur Vermeidung dieser Erscheinung getroffen werden. In dem in der Figur gezeigten Streckwerk sind folgende drei Kompen sationsmittel angebracht worden; - der Riemen 13; wodurch ein Festkleben der Fasern an der Walze 5 verhindert wird. Anstelle dieses Riemens könnte die Walze 5 auch erheblich vergrössert werden, wie es in der Figur durch eine unterbrochene Linie angegeben ist. Der Ab stand über den der Riemen angebracht ist, sollte ungefähr mit einem Teil der Krümmungsoberfläche der erheblich vergrös serten Walze 5 übereinstimmen. Die Benutzung einer stark im Umfang vergrösserten Walze 5 beschränkt jedoch die Streck werkeinstellung.
Der Effekt, den der Riemen ausübt, ist ein viel gleichmässiger verlaufender Abstand zwischen der Ober fläche, an der die Fasern eventuell kleben bleiben können (Riemen) und der durchlaufenden Lunte, wodurch die Wahr scheinlichkeit, dass eine klebende Faser durch die schnelleren Fasern mitgezogen wird, viel grösser ist.
- die Führung 14; hierdurch wird durch eine stellenwe!se Verstärkung des Faserverbandes untereinander eine erhöhte Zugkraft auf die festklebenden Fasern ausgeübt oder auf Fa sern, die eine Klebeneigung zeigen; - das Element 15; um entlang der Walze 8 Luft zu blasen. Der Luftstrom hat die Aufgabe den Feuchtigkeitsfilm auf der Walze 8 zu brechen, wodurch die eventuell an dieser Walze klebenden Fasern leicht durch die Lunte mitgezogen werden können. Dieses kann jedoch nur effektiv mit einer geriffelten Walze 8 erfolgen (wie anhand der Zeichnung illustriert), da die Berührungsfläche der Fasern reit einer geriffelten Walze viel geringer ist als bei einer glatten Walze.
Nachdem die Lunte die durch die Zylinderpaare 2 und 3 gebildete zweite Streckzone durchlaufen hat, kann die ver- streckte Lunte weiter verarbeitet werden. So kann, wenn von einer aus zumindest zwei Stapelfaserkomponenten zusammen gestellten Lunte ausgegangen wird, worunter sich wenigstens eine Komponente befindet, die für die Bindung des Stapelfa- sermaterials sorgt, die Lunte nach dem Durchlaufen der hier beschriebenen Einrichtung falschgedreht, und die Fasern die ser Lunte nach allen bekannten Verfahren, wie z. B. beschrie ben in der NL-PS 144 679, gebunden werden.
Weiter sei bemerkt, dass bei der Herstellung von sehr dün nen Garnen (24 tex und feiner ) ebenfalls ein Fadenführer an der Eingangsseite des Zylinderpaares 3 erforderlich ist.
Das hier beschriebene Verfahren kann sowohl für einfache Stapelfasermaterialien als auch für Stapelfasermaterial, wel ches aus mehereren Komponenten zusammengestellt ist oder Fasermaterial das aus Schmelzfasern oder aus schwellbaren, gelierbaren oder auflösbaren Fasern zusammengestellt ist, an gewendet werden.
Beispiel Eine Lunte von 3 ktex (Ne 0,20), bestehend aus 94,5,7t, modifizierten Zellulosefasern (Polynose) mit einer Faserfein- heit von 1,7 dtex und einer Faserlänge von etwa 40 mm und 5,5 % unstabilisierten Polyvinylalkoholfasern mit einer Faser feinheit von 2,0 dtex und einer Faserlänge von 38 mm wird auf die vorstehend beschriebene erfindungsgemässe Art zu einer dünneren Lunte von 15 tex (Ne 40)
verstreckt. Der Verstrek- kungsfaktor beträgt demzufolge 200. Ansonsten wird wie bei dem aus der NL-PS 144 679 bekannten Verfahren zur Her stellung eines drehungsfreien Garnes mit einer Produktionsge schwindigkeit von 250 m/min gearbeitet.