Hochleistungssehmelzsicherung für niedere und mittlere Spannungen. Hochleistungssicherungen für niedere und mittlere Spannungen (das heisst Spannungen bis zu mag. 3000 Volt) haben die Aufgabe, besonders grosse Kurzschlussströme, beispiels weise 50 000 A und mehr, mit Sicherheit zu unterbrechen. Um angeschlossene Apparate zu schützen und besonders um Selektivität mit Sicherungen grösserer Nennstromstärke, die im Strompfad nach der Spannungsquelle hin liegen, zu erreichen, soll bei allen Kurz schlussströmen, auch bei schwersten, die Löschzeit kurz sein.
Die Löschzeit darf aber anderseits nicht so kurz werden, dass die bei der Stromabnahme entstehende Induktions spannung übermässig gross -vvird und zu einer Gefährdung der Anlage führt.
Die Erfindung bezieht sich auf Hoch leistungsschmelzsicherungen für niedere und mittlere Spannungen mit in körniges Lösch mittel eingebettetem, stellenweise geschwäch- tem Schmelzleiter. Erfindungsgemäss sind die geschwächten Stellen im Schmelzleiter in sol cher Anzahl vorhanden und derart bemessen, dass bei Verwendung der Sicherung in induk tiven Stromkreisen und bei Abschaltung von Überströmen, die den dreifachen Wert des Nennstromes überschreiten, die Summe der an den Enden dieser zuerst schmelzenden,
ge schwächten Stellen im unmittelbaren An schluss an die Lichtbogenbildung auftreten den Teilspannungen grösser ist als die Nenn spannung der Sicherung, jedoch kleiner als das Dreifache der Nennspannung. Für den Verlauf des Löschvorganges gelten folgende Zusammenhänge: Die Brennspannung des Abschaltlicht- bogens einer Schmelzsicherung wird auf gebracht durch die Summe von Netzspannung und Gegenspannung, die in den Induktivi- täten des Kurzschlusskreises bei der erzwun genen Stromabnahme erzeugt wird.
Der ohm- sche Spannungsabfall ist von dieser abzu ziehen. Der Abschaltvorgang in der Siche rung ist beendet, wenn die benötigte Brenn- spannung am Lichtbogen grösser wird als die Summe der treibenden Spannungen, Aus diesen Betrachtungen ergibt sich, dass es bei gegebenem Kurzschlussstromkreis einen bestimmten, günstigsten Verlauf des Lösch vorganges gibt. Es ist bekannt, dass der Ab lauf des Löschvorganges durch die Form gebung der Schmelzleiter beeinflusst werden kann.
Dies gilt insbesondere für Sicherun gen, bei. denen der Schmelzleiter in ein kör niges Löschmittel eingebettet ist. Auf Grund von Versuchen hat sich herausgestellt, dass sich die Eigenschaften des körnigen Lösch mittels während des Löschvorganges ändern. Durch diese Veränderung wird wiederum der Verlauf des Löschvorganges beeinflusst.
An Hand von Figuren sollen nun zunächst die Löschvorgänge bei einigen bekannten Schmelzleiterformen näher erläutert werden.
In Fig. 1 ist ein Schmelzleiter von gleich mässigem Querschnitt dargestellt, der draht- oder bandförmig ausgeführt sein kann. Das Schmelzband ist mit 11 bezeichnet, 21, 22 sind die Anschlussfahnen zur Befestigung an den Kappen der Sicherung. Beim Auftreten einer hohen Kurzschlussstromstärke schmilzt dieser Leiter praktisch auf der ganzen Länge gleichzeitig und der Lichtbogen entsteht. dem gemäss im gleichen Zeitpunkt auf der ganzen Strecke L zwischen den beiden durch die An schlussfahnen 21 u*d 22 gegebenen Elektro den.
Das körnige Löschmittel ist im Augen blick der Entstehung des Lichtbogens in des sen Umgebung noch überall kalt (im Ver gleich zur Schmelztemperatur) und frisch und besitzt an allen Stellen eine gleich gute hohe Löschfähigkeit. Es entsteht infolge dessen längs des Lichtbogens auf der Strecke L eine gleichmässige Potentialverteilung. Die Spannung verläuft dann beispielsweise nach der Geraden a in Fig. 4.
Die Elektroden spannung L';, n,;" muss praktisch<I>sofort</I> vom Stromkreis aufgebracht werden; damit ist die Entstehung einer sehr hohen Überspannung verbunden. Tritt dagegen ein Kurzschluss- strom geringerer Höhe auf, so schmilzt der Leiter zunächst an irgend einer Stelle, die etwa zufällig thermisch etwas höher be lastet ist als die Umgebung, und breitet sich von dieser Stelle aus nach beiden Seiten hin allmählich aus.
Um zu erreichen, dass der Lichtbogen an einer vorbestimmten Stelle ent steht, hat man häufig dem Schmelzleiter die in Fig. 2 und 3 beispielsweise dargestellten Formen gegeben, bei denen der Querschnitt an einer bestimmten Stelle, meist in der Mitte, schwächer ist als an den übrigen Stel len.
Bei diesen Schmelzleitern entsteht also der Lichtbogen bei Überstrom oder Kurz schluss in der Mitte und gewinnt von hier aus nach beiden Seiten hin an Ausdehnung, in dem er die seinen Fusspunkten benachbarten Schmelzleiterteile nach und nach weiter weg schmilzt. Während der ganzen Löschzeit ist das Löschmittel in der Nachbarschaft der Entstehungsstelle des Lichtbogens bereits hoch erhitzt. Mit kühlem undfrischem Lösch mittel kommen also nur die Lichtbogenfuss- punkte in Berührung.
Da nun das Lösch- mittel durch die Erhitzung seine Löschwir kung zum grossen Teil verliert, so ist das Spannungsgefälle in der Mitte des Licht bogens verhältnismässig gering und hat nur in der Nähe der Lichtbogenfusspunkte seine ursprüngliche Höhe. Daraus ergibt sich ein Verlauf der Spannung an der Unterbre chungsstrecke, der in der Kurve b in Fig. 4 für den Fall dargestellt ist, dass die Licht bogenfusspnnkte an den Elektroden 21 und 22 angelangt sind.
Die höchste Spannung LTu ",;1, an den Elektroden des Lichtbogens ist also hier kleiner als in dem nach Fig. 1, Kurve a dargestellten Fall, gleichen Leiter querschnitt an den ungeschwächten Stellen vorausgesetzt. Die Kurve b besteht aus drei Teilen verschiedener Steigung. Die beiden Teile b1 an den Lichtbogenfusspunkten haben infolge der guter.
Löschfähigkeit des um gebenden, noch nicht erwärmten Sandes ein hohes Spannungsgefälle. Zwischen ihnen liegt der Teil b2, der nur eine flache Steigung be sitzt, weil das Löschmittel hier infolge der starken Erhitzung bereits seine Löschwir- kung zum grossen Teil eingebüsst hat.
Ver suche haben ergeben, dass bei fortschreitender Wanderung der Lichtbogenfusspunkte von der Entstehungsstelle aus die Länge der Teile b, an denen das hohe Spannungsgefälle vor- handen ist, annähernd konstant bleibt, wäh rend der mittlere Teil b2 mit der gesamten Unterbrechungsstrecke zwischen den Licht bogenfusspunkten zunimmt.
Für die Errei chung der Gesamtspannung, die der Licht bogen zur Stromunterbrechung aufnehmen muss, sind also im wesentlichen die Stellen b, massgebend, während der Einfluss der Länge des mittleren Teils und damit der Einfluss der Gesamtlänge des Schmelzstreifens ver hältnismässig gering ist.
Auf dieser Erkenntnis fusst nun die Er findung. Sie bezweckt nämlich, beim An sprechen der Sicherung auf Überstrom nicht nur zwei Stellen b, mit hohem Spannungs gefälle entstehen zu lassen, sondern eine .Mehrzahl dieser Stellen hintereinander anzu ordnen. Wenn bei einem Überstrom die Summe der Lichtbogenteilspannungen, die sich an den geschwächten Stellen an den An schlussfahnen 21 und 22 ergeben, grösser wird als die Nennspannung der Sicherung bezw. die Betriebsspannung des Netzes, reisst der Lichtbogen dann rasch ab.
Praktisch wird man die Sicherung so bauen, dass die für die sen Vorgang zur Verfügung stehende Zeit, die von den Grössen des Kurzschlusskreises abhängt, zwischen den Grenzen, die einer seits durch Selektivitätsbedingungen (sehr kurze Löschzeit) und anderseits durch die höchstzulässige Überspannung (längere Lösch- zeit) gegeben sind, liegt. Entsprechend diesen Grössen ist die Anzahl der notwendigen Schwä chungsstellen im Schmelzleiter zu wählen.
Es sind zwar bis jetzt Schmelzsicherun gen bekannt, bei denen der Schmelzleiter ab wechselnd starken und schwachen Quer schnitt besitzt. Bei diesen bekannten Siche rungen entstehen die Lichtbögen ebenfalls an den geschwächten Stellen. Die Teile grösseren Querschnittes sollen durch dynamische Blas- wirkung fortgeschleudert werden können. Die Schmelzstreifen dürfen deshalb nicht in ein körniges Löschmittel eingebettet sein. In folgedessen fehlt den bekannten Sicherungen die durch das eigentümliche Verhalten des körnigen Löschmittels begründete Lösch wirkung.
Weiterhin ist es bekannt geworden, Schmelzleiter mit mehreren Verjüngungen zu versehen, jedoch lediglich zu dem Zweck, durch Schaffung grosser Kühlflächen lange Abschmelzzeiten bei geringen Überströmen zu bewirken. Da bei diesen Sicherungen ein gasförmiges oder flüssiges Füllmittel ver wendet werden soll, so fehlt ihnen ebenfalls die Wirkung, wie sie bei der Verwendung eines körnigen Löschmittels auftritt.
Die Erfindung unterscheidet sich von den bekannten Sicherungen, bei denen die Anzahl der Schwächungsstellen ganz unbestimmt bleibt, auch durch die besondere Bemessung der Zahl der geschwächten Stellen, wodurch ein sicheres Abschalten in möglichst kurzer Zeit ermöglicht, jedoch gleichzeitig durch Vermeidung unzulässiger Überspannungen die Gefährdung der Anlage verhindert wird.
Die richtige Anzahl der geschwächten Stellen ist von verschiedenen andern Grössen abhängig, z. B. von der Anordnung und von den Abmessungen der geschwächten Stellen, von der Grösse und Form des Schmelzleiter querschnittes an den ungeschwächten Stellen, vom Schmelzleitermetall, von den Anschluss- fahnen und ihrer Anordnung, von der Wärmeleitfähigkeit und Löschfähigkeit des Löschmittels, von der Oberflächengestalt des Sicherungskörpers und anderem mehr.
Der Einfluss aller dieser Grössen auf die Wärme verhältnisse der Sicherung im Normalbetrieb sowie beim Ansprechen ist an sich bekannt. Bei gegebener Sicherungsbauart kann die richtige Anzahl der geschwächten Stellen durch Versuch leicht gefunden werden. In Fig. 5 ist beispielsweise ein derartiger Schmelzleiter mit vier Schwächungsstellen abgebildet. In Fig. 6 ist ein bestimmter Au genblick während der Löschzeit nach dem Ansprechen der Sicherung herausgegriffen. Die an den geschwächten Stellen entstan denen Lichtbögen brennen zwischen den stehengebliebenen Stellen 14, 15, 16, 17, 18 des Schmelzleiters.
Von dem Löschmittel 19 sind die die Mitte der Lichtbögen umgeben den Teilmengen bereits zu Schmelzraupen 23, 24, 25 und 26 zusammengesintert. Die Span- nun-- an dem Schmelzstreifen verläuft in folgedessen beispielsweise nach der ausge zogenen Kurve in Fig. 7. Der Massstab dieser Figur ist sowohl senkrecht wie auch waag recht von dem der Fib. 1 verschieden.
Die Kurve nach Fig. 7 hat in cler gezeichneten schematischen Darstellung eine Ireppenfiir- mibe Gestalt. Die flachen Stellen entsprechen den stehengebliebenen Teilen 11 bis l8 bezw. hocherhitzten Sehmelzräumen ?3 bis ?(;. Zwi- sehen den flachen Teilen liegen die Teile hohen Spannungsgefälles. welche den Li.cht- bogenfusspunkten entsprechen.
Die Licht bögen besitzen insgesamt die Suminenspa.n- nung Z', die nach der Erfindun-, in unmittel barem Anschluss an die Lichtbogenbildiiiig höher ansteigen soll als die Netzspannung in der Anla;g-e beträgt, in der die Sicherung ein gebaut ist. Werin dagegen die Sicherung, wie es bekannt ist, nur ezj@e)z Einschnitt orle,r ;iucli nur eine infolge von @abril;;
ationsur@genauig- keiten besonders schwach ausgefallene Stelle gehabt hätte, so würde nur ein einzi-ei- Lichtbogen entstanden sein, dessen Fuss punkte von der Entstehungsstelle nach bei den Seiten weitergewandert wären.
)Vene diese Fusspunkte dann die gleiche Entfer nung erreicht hätten, wie die äussersten Licht bogenfusspunkte gemäss Fig. G, so würde der Spannungsverlauf an dem Schmelzstreifen etwa der gestrichelten Kurve in Fig. 7 ent sprechen, wobei eine bedeutend geringere Gc- samtspannung L', erreicht worden wäre.
Eine derartige Sicherung müsste also für gleiche Betriebsspannung länger gebaut sein als die Sicherung nach der Erfindung, bei welcber durch Schwächung des Schmelzleiters an mehreren Stellen die U nterbrechungsspan- riung Z' erreicht wird.
Will man bei einem bestimmten Beispiel einer Hochleistungssicherung für niedere und mittlere Spannungen, deren Schmelzleiter in ein körniges Löschmittel eingebettet und sIel- lenweise geschwächt ist, das Vorhandensein der Erfindungsmerkmale feststellen, so kann man folgendermassen vorgehen:
lIan baut die Sicherung in einen Prüfstromkreis ein, wel cher praktisch den Verhältnissen des Be- entspricht, und beschickt die Sicherung mit einem Überstrom, der min- desten3 den. dreifachen Wert des Nennstro mes ausmacht. Man nimmt dabei den Ab schaltvorgang oszillographisch auf, und zwar misst man insbesondere den Verlauf der sich an der Sicherung ausbildenden Spannung.
Den sich hierbei ergebenden Höchstwert, der der Summe der Teilspannungen entspricht, vergleicht man finit der Nennspannung. Dar aus ergibt sich unmittelbar, ob dieser Wert zwischen dein Einfachen und dem Dreifachen des Wertes der Neinispannung liegt bezw. ob die Sicherung den Merkmalen der Erfindung entspricht.
Eine besonders einfache Bauart ergibt sich, wenn die geschwächten Stellen des Schmelzleiters alle die gleiche Gestalt und die gleichen Abmessungen haben und in gleich mässigen Abständen über die Schmelzleiter länge verteilt sind. Der Schmelzleiter kann dann in Form eines endlosen Bandes herge stellt sein und für verschiedene Spannungen einfach auf passende Länge abgeschnitten werden. Derartige Schmelzleiter sind bei spielsweise in Fig. 5 und 8 bis 10 abgebildet.
Es ergibt sich bei dieser Sclimelzleiterform hei Auftreten -von Kurzschlüssen geringerer Stromstiirl@e noch der besondere Vorteil, dass wegen des Wärmegefälles von der Mitte des Schmelzleiters nach den Enden hin nicht simtliche geschwächten Stellen schlagartig gleichzeitig durchschmelzen, sondern in.
- allerdings ausserordentlich geringen Zeitabständen nacheinander. Der gleiche Vor gang gestaffelter Abschmelzzeiten tritt bei allen vorkommenden Xiirzschlussströmen immer dann auf, wenn der Schmelzleiter durch den Betriebsstrom vorbelastet ist und infolgedessen in der Mitte eine höhere Dauer temperatur als an den Enden aufweist.
Die Staffelung der Abschrnelzvorgänge in sehr kurzen Zeitintervallen ist ein ausserordentlich wirksames Mittel, um den zeitlichen Verlauf der Unterbrechung de.s Kurzschlussstromes so zu steuern, dass die entstehenden Überspan nungen am ungefährlichsten werden.
Ist es umgelkehrt erwünscht, gerade bei Berücksichtigung betriebsmässiger Vorbela stung der Sicherung möglichst schlagartiges Einsetzen des Löschvorganges an allen Lei terstellen zu erzwingen, etwa um bei schwer sten Kurzschlüssen mit kürzesten Löschzeiten auszukommen, so muss man den Querschnitt des Schmelzleiters von der Mitte nach den Enden zu allmählich schwächen, wie es bei spielsweise in der Fig. 11 dargestellt ist. Oder man muss dafür sorgen, dass die Wärme abfuhr in radialer Richtung von der Mitte des Schmelzleiters aus besser als von den En den aus wird.
Die Querschnittsschwächung kann vorteil haft durch Aussparungen in Form von Lang löchern bewirkt werden, wie es Fig. 10 an einem Beispiel zeigt. Es ergibt sich dann eine besonders. grosse Abschaltleistung aus folgen dem Grunde. Der Lichtbogen soll zum Bei spiel gemäss Fig. 12 aus einem Schmelzleiter 27 mit einer Aussparung 28 eine Strecke L herausgebrannt haben. Der Durchmesser der ausgestanzten Stelle 28 sei klein gegen L.
Die Spannungsverteilung ist über der Figur aufgetragen, und zwar werde die Spannung U3 als Elektrodenspannung erreicht. Fig. 13 gibt die Verhältnisse bei gleichem Strom, gleichem Leiterquerschnitt usw. wieder, nur soll statt der kreisförmigen Aussparung 28 ein Langloch 29 verhältnismässig grosser ach- sialer Länge vorhanden sein.
Wenn der Licht bogen die gleiche Strecke L ausgebrannt hat wie in Fig. 12, so ist die erreichte höchste Brennspannung U4 grösser als U3 in Fig. 12. Diese Erscheinung ist dadurch begründet, dass der Lichtbogen im Fall der Fig. 13 in zwei parallelen Zweigen brennt, also in in nigerer Berührung mit dem Löschmittel steht, ferner weil die Stromdichte in den Teillicht bögen ausserdem infolge der endlichen Breite und- der grossen Länge der Aussparung stark erhöht ist.
Mit der dadurch erhöhten Span nung an den Teillichtbögen ist aber eine Er höhung der Abschaltleistung der Sicherung verbunden. Es können auch mehrere Lang löcher nebeneinander so angeordnet werden, dass mehr als zwei Lichtbögen parallel bren nen. Man wird ferner die Form der Lang- löcher zweckmässigerweise so gestalten, dass mit Rücksicht auf Vermeidung von schäd lichen Spannungsüberhöhungen ein allmäh licher Übergang von der Potentialverteilung nach Fig. 13 in diejenige nach Fig. 12 statt findet.
Besonders vorteilhaft ist eine solche Aus bildung, dass der Schmelzleiter durch Aus sparungen, vorzugsweise in Form von einem <U>Langl</U>och, auf jeweils so grossen Längen im Querschnitt verjüngt ist, dass die Länge der parallel brennenden Lichtbögen während der Löschzeit .die Längen der verjüngten Schmelz leiterteile nicht überschreitet.
Eine Ausbildung der Aussparungen in Form von Langlöchern senkrecht zur Schmelzleiterachse, wie sie Fig. 9 darstellt bezw. in Form von Einschnitten nach Fig. 9a, kann vorteilhaft angewandt werden, wenn eine hohe Überlastungsträgheit der Sicherung bei Überströmen erwünscht ist.
Da bei dieser Ausführungsart ein sehr kurzer Weg für die Abfuhr der Wärme von den. geschwächten nach den Stellen normalen Querschnittes hin zur Verfügung steht, wird dieser Schmelz streifen erst bei sehr hohen Kurzschluss strömen in einer so kurzen Zeit durchschmel zen, wie sie rechnungsmässig dem kleinsten Querschnitt entspricht.
Es hat sich gezeigt, dass vorteilhafte Anordnungen getroffen werden, wenn gemäss Fig. 9b die Länge der wirksamen Querschnittsverjüngung l klein gegen die Streifenbreite b3 ist und wenn der wirksame elektrische Widerstand des ver jüngten Teils um ein Vielfaches bis um mehr als eine Grössenordnung, mindestens um ein Vierfaches grösser als der des urverjüngten Teils gleicher Länge ist. Dies wird entweder dadurch erreicht, dass die Breite des verjüng-.
ten Teils br gleich oder kleiner als die Länge der Querschnittsverjüngung l ist, oder da durch, dass ein schmaler Einschnitt bezw: eine schmale schlitzartige Aussparung gemäss Fig. 9c nur soviel Querschnitt bestehen lädt, dass allein die Zusammendrängung der Strom linien in diesem Querschnitt zu der gewünsch ten Widerstandserhöhung führt. Man kann diese Sicherung also so bemessen, dass sie bei schweren Kurzschlüssen ausserordentlich flink anspricht.
Eine weitere Ausführungsform gibt die Fig. 14 an. Nach dieser Figur besteht der Schmelzleiter aus einer Anzahl einzelner Stücke 33 bis 38, welche an ihren Enden Aussparungen besitzen und mit den stehen gebliebenen geschwächten Stellen aneinander gelötet sind. Durch diese Mittel wird der Grenzstrom des Schmelzleiters herabgesetzt zum Zwecke einer Erniedrigung der Betriebs nenntemperatur der Sicherung und zur Er zielung einer grossen Trägheit bei sonst glei chem Schmelzleiterquerschnitt. Hierbei ist eine besonders genaue Vorherbestimmung des Grenzstromes und der L: nterbreeliungskenn- linie möglich.
Das ist besonders wertvoll für den Aufbau eines Selektivschutzsystems, bei welchem eine Abstufung der Löschzeiten ver langt wird.
Es ist ferner erwünscht, die bekannten Silberschmelzstreifen für Sicherungen, insbe sondere Niederspannungs-Hochleistungssiche- rungen für sehr hohe Abschaltleistungen, etwa Stromstärken bis 50 000 Amp. und Spannungen von einigen hundert bis einigen tausend (etwa 3000) Volt durch andere zu er setzen, deren Rohstoffe für gleiche Betriebs daten billiger und leichter zu beschaffen sind.
Die bekannten Kupferschmelzleiter sind dazu nicht ohne weiteres geeignet. Blanke. Kupferleiter haben die Eigenschaft, bei hö heren Temperaturen zu oxydieren, wobei die Stärke der Oxydationsschicht mit fortschrei tender Zeit allmählich zunimmt. Infolge dessen tritt bei Kupferleitungen, die durch Belastung mit einem Dauerstrom in der Nähe des Grenzstromes, also etwa einem Betriebs strom zwischen Nennstrom und Grenzstrom, längere Zeit einer Dauertemperatur von bei spielsweise 500 und mehr ausgesetzt sind, eine allmähliche Verminderung des strom führenden Querschnittes ein.
Das bedeutet aber eine Herabsetzung des Grenzstromes. Die genannten Betriebsbedingungen von Si- cherungssehmelzleitern erschweren den Oxy dationsschutz von Kupferbändern ganz ausser ordentlich; so versagen infolge der hohen Temperaturen sonst Übliche Oxydations schutzmittel wie Verzinnen, Versilbern usw. als Schutz von Sicherungsschmelzstreifen.
Eine vorteilhafte weitere Ausbildung be steht nun in der Anwendung eines Öxy- dationssehutzmittels, welches den hohen Anforderungen bei Schmelzleitern gewachsen ist und insofern eine Ausnahme von den übrigen bekannten Schutzmitteln bildet. Ein solches Schutzmittel ist. Chrom.
Die Anwendung dieses Seutzmittels setzt bei der Herstellung eine besondere, metallur gisch bedingte Vorbehandlung voraus, damit der Chromiiberzug auf der Oberfläche des Schmelzleiters haftet. Zu diesem Zweck. kann der im wesentlichen aus Kupfer bestehende Schmelzleiter zuerst mit einem Überzug aus Nickel und darüber mit einem Überzug aus Chrom versehen werden. Die Schutzüberzüge aus Nickel und Chrom können in einfachster Weise galvanisch auf den Kupferschmelz leitern aufgebracht werden.
Die Herstellung des galvanischen Überzuges geschieht zweck mässig bei bandförmigen Schmelzleitern am laufenden Kupferband, aus dem darnach die Schmelzleiter ausgestanzt werden. Einen noch wirksameren Oxydationsschutz erhält man, wenn man die Schmelzleiter zuerst aus dem blanken Kupferblech ausstanzt und die fer tigen Schmelzleiter hinterher galvanisch ver nickelt und verchromt. In diesem Fall wer den auch die schmalen Randseiten des Schmelzleiters gegen Oxydation geschützt.
Da Chrom auch gegen den Angriff durch Koronaerscheinungen widerstandsfähig ist, so bietet die Anwendung dieses Vorschlages gerade auch bei Hoehspannungs - Schmelz sicherungen merkliche Vorteile.
Es wurde weiterhin gefunden, dass ein Chromüberzug bei den hohen Betriebstem peraturen, denen ein Sicherungsschmelzleiter unterworfen ist, auch sehr widerstandsfähig ist gegen chemische Reaktionen mit einem pulverförmigen oder körnigem Löschmittel, z. B. Quarzsand, in das die Schmelzleiter bei geschlossenen Patronensicherungen zur Er höhung der Abschaltleistung eingebettet wer den. Bei vielen anderen Metallen, z. B. Kup- fer, sogar auch bei Silber, tritt eine chemische ]Reaktion mit dem Quarzsand ein, wenn - die Berührungsfläche und ihre Umgebung auf hohe Temperaturen von beispielsweise 500 und mehr längere Zeit erhitzt sind.
Die Zer setzung des Schmelzleitermetalles würde auch in diesem Falle infolge Querschnittsschwä- chung zu einer Herabsetzung des Grenz- stromes führen. Durch Anwendung der Ver- chromung der Kupferschmelzleiter wird der Gefahr der Oberflächenzersetzung vorgebeugt.
In Fig. 15 ist ein Ausführungsbeispiel eines derartigen Schmelzleiters im Quer schnitt stark vergrössert dargestellt. Darin ist 111 der Kupferleiter, 112 der Nickelüberzug und 113 der Chromüberzug. 114 bedeutet ein körniges Löschmittel, in das der Schmelz leiter eingebettet ist.