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Verfahren zur Herstellung schwer nachahmbarer Urkunden, Wertzeichen, Fahr- karten u. dgl.
Vorliegende Patentanmeldung hat eine Verbesserung auf dem Gebiete der Herstellung von gegen Nachahmung, bzw. Fälschung geschützter Schecks, Urkunden, Wertzeichen u. dgl. zum Gegenstande.
Es handelt sich aber in diesem Falle nicht um die Herstellung eines sogenannten Sicherheitspapieres, wie es nicht nur in dem französischen Patent Nr. 439426 und dem amerikanischen Patent Nr. 511271 beschrieben wird, sondern auch schon durch die deutschen Patente Nr. 17014 und Nr. 32403 bekannt wurde. Während diese Sicherheitspapiere den Zweck haben, die Verwendung chemisch wirkender Radiermittel, die zur Veränderung oder Entfernung von Tintenschriftzügen benützt zu werden pflegen, dadurch anzuzeigen, dass durch Stoffe, die dem Papier einverleibt werden, Farbreaktionen entstehen, wenn das Papier mit den allgemein gebräuchlichen Radierfüssigkeiten behandelt wird-wobei es sich also ge- wöhnlich um Gruppenreaktionen handeln muss-sollen durch vorliegende Verbesserung Fälschungen anderer Art kenntlich gemacht werden, u. zw.
Fälschungen ganzer gedruckter Formulare, Wertzeichen etc., bzw. Fälschungen durch unbefugtes Ausfüllen widerrechtlich angeeigneter, aber echter Formulare und Fälschungen durch Nachahmung von Unterschriften aller Art. Der zugrundeliegende Gedanke ist nicht neu und besteht darin, auf dem Papier eine für das blosse Auge nicht sichtbare Substanz aufzutragen, welche geeignet ist, bei Berührung mit einem bestimmten Mittel eine Farbreaktion zu geben ; diese Farbreaktion eben das Erkennungszeichen für die Echtheit des betreffenden Papieres sein.
Soll dieser
Zweck wirklieh erreicht werden, dann muss aber auch das Erkennungszeichen eine Gewähr dafür bieten, dass es selbst nicht wieder nachgemacht werden kann ; ein solches unzulängliches Mittel wäre zweischneidig und könnte, wenn man sich darauf verlassen würde, leicht dazu führen, dass Fälschungen überhaupt nicht mehr entdeckt würden.
Das erste Gefahrenmoment für die Nachahmung solcher Mittel liegt darin, dass die Mittel zur Erzeugung der Farbreaktion für jedermann zugängliche Substanzen sind, so dass der Fälscher durch eine Reihe von Untersuchungen echter Exemplare mit allgemein gebräuchlichen oder leicht zugänglichen Substanzen die Farbreaktion selbst erzeugen kann. Ist ihm dies einmal gelungen, ist es ihm ein leichtes, durch einfache Schlüsse und Versuche auch das Imprägnationsmittel zu entdecken. In dem französischen Patent Nr. 396918 wird zum Beispiel die Reaktion durch Reiben mit einem beliebigen Silberstüek, etwa einer Silbermünze erzeugt. Solche Mittel sind natürlich jedem zugänglich und werden auch leicht bekannt und damit ist auch die Sicherheit gegen Fälschung keine ausreichende.
Dazu kommen noch andere Nachteile, welche durch die vorliegende Verbesserung vermieden werden können.
Vorliegende Verbesserung beruht auf der Tatsache, dass Papierfasern gegenüber verschiedenen Lösungen verschiedener Konzentration verschiedene Saugfähigkeit besitzen. Mischt man zum Beispiel eine einprozentige alkoholische Lösung von Dimethylglyoxim mit einer 4'5prozentigen Lösung von salizylsaurem Natrium in 80prozentigem Alkohol, in einem bestimmten Verhältnis zum Beispiel 1 : 4 und bestreicht mit diesem Flüssigkeitsgemisch z. B. das bekannte Ministerpapier, so entsteht auf dem so präparierten Papier beim Betupfen mit einem Lösungsgemisch, bestehend aus einer gesättigten Nickelnitratlösung und einer lOigen Eisenammonalaunlosung von ganz bestimmtem Mischungverhältnis, z. B. 6 : 2-5 ein Farbfleck, der innen violett und aussen von einem konzentrischen rotenRing umgeben ist.
Durch die verschiedene Saugfähigkeit der Papierfasern gegenüber den Lösungen verschiedener Konzentration wird gewissermassen eine Trennung des Flüssigkeitsgemisches erzielt, so dass die Reaktion zweifärbig, u. zw. durch eine deutliche scharfe Trennungslinie gekennzeichnet,
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auftreten kann. Dies kann aber nur dann erreicht werden, wenn das Gemisch der Irnprägnationsflüssigkeit und das Gemisch der Erkennungsflüssigkeit aufeinander und für ein und dieselbe Papiersorte genau abgestimmt sind.
Eine geringe Änderung an diesem System von zueinander gehörenden Reagenzsubstanzen durch Veränderungen der Konzentration oder des Mischungsverhältnisses würde aber bereits ein Misslingen der scharf getrennten zweifärbigen : Reaktion zur Folge haben. Würden z. B. zur Imprägnierung wohl die gleichen Substanzen, aber in anderen Konzentrationen oder anderem-Mischungsverhältnis verwendet werden, so würden unter Beibehaltung desselben Entwicklers alle möglichen Mischfarben von blauviolett bis rot, grau, auch graugelbe Farben entstehen können, nur nicht die reinen und scharf getrennten Farben. Es könnte höchstens bei einer ganz bestimmten Mischung wieder eine zweifärbige Reaktion entstehen, welche aber innen rot und aussen violett wäre.
Dies gelingt aber noch schwerer und nicht bei allen Papiersorten. Anderseits würden wieder bei Anwendung des gleichen Imprägnationsmittels, aber eines nicht dazu abgestimmten Entwicklers, obwohl er aus Nickelnitrat und Eisenammon-
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Reaktion : innen violett, aussen rot.
Das eben Gesagte bedeutet mit kurzen Worten nichts anderes, als dass man mit einem bestimmten Erkennungsmittel a auf einer bestimmten Papiersorte nur dann eine ganz bestimmte Reaktion bekommen kann, wenn das ganz bestimmte zu l a gehörende Imprägnationsmittel b vorliegt.
Dieses Imprägnationsmittel unterscheidet sich durch seine Fähigkeit, eine zweifärbige Reaktion z-i geben, erstens ganz wesentlich von den bisher üblichen sympathetischen Tinten, welche nur einfärbige Reaktionen geben, und bedeuten zweitens eine wesentliche Verbesserung der bisher üblichen Mittel zur Erkennung von Dokumenten 11. dgl. durch chemische Reaktionen, u. zw. aus folgenden Gründen :
a) Es besteht die Möglichkeit, die Mischungsverhältnisse beliebig zu variieren, ähnlich wie man in Buchstabenvexierschloss beliebig und verschieden einstellen kann. b) Und ebenso wie es dem geübten Schlosser unmöglich ist, ein Buchstabenvexiersehloss vermittels seiner Werkzeuge und Kenntnisse zu öffnen, bieten sich auch hier selbst dem Fachmann fast unüberwindliche Schwierigkeiten, wenn er durch Analysen oder irgendein empirisches Verfahren die lichtige Imprägnierung kennen zu lernen sich bemüht.
Dadurch wird aber der grösstmögliche Schutz gegen Fälschungen geboten. e) Die Reaktion erscheint augenblicklich, nicht wie im französischen Patent Nr. 396918 erst nach längerer Lichteinwirkung, so dass eine rasche, für Grossbetriebe nicht störend wirkende Identifizierung möglich ist. d) Nur jene Stellen, die zur Revision der Dokumente, Wertpapiere etc. berechtigt sind, können in der Lage sein, dieselbe vorzunehmen. e) Dazu gesellt sich noch die Möglichkeit, solche aufeinander abgestimmte Lösungen für bestimmte Zwecke in einer modifizierten Weise zur Anwendung zu bringen, wie noch erläutert werden soll.
Mithin wird durch die Anwendung solcher Mischungen ein überraschender, neuer Erfolg erzielt, wie dies besonders die unter a) und b) angeführten Vorzüge erkennen lassen.
Es lassen sich natürlich auch andere Stoffe kombinieren, z. B. Ferrozyankalium und Dimethylglyoxim. Man kann, um ein konkretes Beispiel anzuführen, einen Reisepass auch auf andere Weise präparieren. Um die Ausführung für eine bestimmte Papicrsotte beispielsweise zu beschreiben, sei als Beispiel ein österreichiseher Pass herangezogen.
Man imprägniert das leere Passformular mit einer ganz verdünnten, fast wasserbellen wässerigen Lösung von Ferrozyankalium. Wird das Passformular später einmal ausgefüllt oder soll ein Visum erteilt werden, so trägt der zur Unterschrift berechtigte Funktional mittels eines Pinsels eine 2% ige alkoholische Dimethylglyoximlösung auf eine beliebige vereinbarte Stelle erst dann auf, wenn er seine Unterschrift auf den Pass gesetzt hat. Der Alkohol verdunstet sofort, es besteht keinerlei zeitraubende Behinderung für einen Betrieb im grossen.
Dadurch aber, dass der unterschriftsberechtigte Funktionär den zweiten Teil des Imprägnationsmittels besitzt, ist eine Gewähr dafür geboten, dass die zweifellos echten Formulare nicht von Unbefugten ausgestellt, Unterschriften, Stampiglien etc. gefälscht werden können An den Grenziibertriitsstellen können dann die Kontrollorgane z. B. durch Aufdruck mittels einer St-mpiglie eine Mischung sorgfältig zusammengestellter Lösungen von Eisenammonalaun und Nickelnitrat wie auf Seite 3 beschrieben auf das imprägnierte Papier bringen, wodurch momentan grüne Buchstaben, Zeichen etc. sichtbar werden, die aussen rot gerändert sind.
Solche Mischungen, wie sie zum Imprägnieren verwendet werden, eignen sich aber auch für jene Fälle, wo Nachahmungen von Unterschriften zu befürchten sind. Man braucht nur zur Kontrolle zur gewöhnlichen Unterschrift noch eine zweite Unterschrift mit dem Flüssigkeitsgemisch hinzuzufügen.
Eine solche Unterschrift lässt sich kaum mehr fälschen, da die alkoholische Flüssigkeit, kaum dass sie aus der Feder geflossen ist, schon verdunstet, wodurch dem Fälscher die Möglichkeit benommen wird, eine gute Fälschung herzustellen, da er sie nicht einmal überprüfen kann. Diese Sehriftzüge erscheinen dann nach dem Entwickeln aussen ebenfalls rot gerändert.
Als solche Substanzen, die miteinander in verschiedener Weise kombiniert verwendet werden können, eignen sich z. B. als Imprägnationsmittel : Dimethylglyoxim, Natriumsalyzilat, Ferroxyan-
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alaun, Kupfersulfat etc.
Ein besonderes, nicht auf die verschiedene Saugfähigkeit der Faser gegen verschiedene Lösungen beruhendes und von diesem abweichendes Verfahren lässt sich für die Imprägnierung von Briefmarken anwenden. Man kann Briefmarken mit Substanzen imprägnieren, die nicht in der Lage sind, Farbreaktionen mit anderen Reagenzien zu geben, sondern lediglich imstande sind, eine solche Farbreaktion zwischen anderen Körpern za befördern oder einzuleiten. Die Farbreaktion selbst vollzieht sich zwischen dem Farbstoff und der Stempeltinte, mit welcher das Postwertzeichen entwertet wird und einem Zusatzmittel zur Stempeltinte.
Man setzt zur Stempeltinte Substanzen zu, die imstande. sind, mit den Anlinfarben der Stempeltinte Kondensationen einzugehen ; für sich allein pflegen solche Kondensationen mitunter nicht einzutreten, wohl aber bei Gegenwart gewisser Mittel, seien es Katalisatoren oder wasserentziehende Mittel, z. B. Magnesiumchlorid. Mit letzteren werden die Postwertzeichen imprägniert. Wird die Marke entwertet, tritt auf der Marke die Kondensation der Stempelfarbe mit dem Zusatzmittel ein, was sich sofort durch ganz anderes Aussehen, z. B. durch grünen Metallglanz des Entwertungsstempels auf der Marke wie auf dem Papier, auf welchem sie aufgeklebt ist, zeigt. Als Stempelfarbe kann i'gend eine der überall käufliehen Stempeltinten verwendet werden, die einen Teerfalbstoff, z. B. Methylvioktt enthalten.
Hier wird die Identifizierung automatisch durch die Stempelmaschine besorgt, die der Marke einverleibte Substanz ist keine sympathetische Tinte, das ganze Verfahren also ganz verschieden von den zuerst beschriebenen. Als Zusatzmittel z-u'Stempeltinte eignet sich z. B. Furl, aber auch andere
Aldehyde, welche leicht Kondensationsreaktionen eingehen.
PATENT-ANSPRÜCHE :
1. Verfahren zur Herstellung schwer nachahmbarer Urkunden, Wertzeichen, Fahrkarten u. dgl., dadurch gekennzeichnet, dass die betreffenden Urkunden od. dgl. mit einem Gemisch zweier verschiedenartiger, der Saugfähigkeit der Papiersorte angepasster Lösungen (z. B. mit einer alkoholischen Lösung von Dimethylgiyoxim und von salizylsaurem Natrium) getränkt werden, die mit einem den genannten Lösungen und der Papiersorte angepassten Gemisch anderer Lösungen (z. B. Nickelnitraflösung und Eisenammonalaunlösung) auf dem Papier zwei durch eine deutliche Grenzlinie getrennte Farbenflecke entstehen lassen.
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