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Bei Stopfbüchsen für ungewöhnlich hohe Drucke, wie sie z. B. bei Rücklaufbremsen der Geschütze vorkommen, versagen beim Trommelfeuer, wo Hunderte von Schüssen kurz hintereinander folgen und die Temperatur in dem Bremszylinder ungeheuer steigt, die bisher verwendeten Lederstulpen und Weichpackungen den Dienst.
Versuche mit allen erdenklichen Packungsmaterialien, darunter auch Metallpackungen der verschiedensten Bauart und Form, haben auch nicht im entferntesten den in solchen Fällen gestellten Anforderungen entsprochen.
Ledermanschetten verbrennen bei der hohen Temperatur von über 1500, die sich durch die Reibung der Bremsflüssigkeit bildet, und Asbest-oder Faserpackungen können in Anbetracht der nur sehr geringen zur Verfügung stehenden Stopfbuchsentiefen und der kurzen Packungsräume nicht angewendet werden, weil sie viel zu hart angezogen bleiben müssen und infolge ihrer Reibung an der Stange den Rückzug an seiner Bewegung behindern.
Versuche mit hohlen, mit Graphit oder einer anderen bildsamen Schmiermasse gefüllten Metallringen, bei denen keinerlei Teilfugen vorhanden sind, kamen dem beabsichtigten Zweck am nächsten. Sie widerstanden der hohen Temperatur und waren auch hinreichend reibungsfrei, jedoch wurden sie infolge der auf sie wirkenden hammerschlagartigen, ungeheuren Drucke bald in sich zusammengeschlagen, auch wenn gemäss den Verhältnissen härteres Metall und stärkere Wandungen gewählt wurden. Der gegen die Grundbüchsenfläche vom Zylinder aus oder zwischen der Grundbüchse und dem ersten Ring eintretende Flüssigkeits-
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Zerschlagen wurde insbesondere aber auch dadurch noch vergrössert, dass gegenüber anderen Stopfbüchsen die vorgenannte Stopfbüchse an Rücklaufgeschützen mitsamt dem Zylinder hin und her fliegt, dagegen die Stange ruht.
Wenngleich auch die in die Metallring eingebrachte Füllmasse einen gewissen elastischen Widerstand ergibt, so waren doch alle Versuche, einen höheren elastischen Gegendruck von innen her zu schaffen, unzureichend. Immer bildete sich bald ein Spielraum, der die Bewegung der Packung in der Richtung der Kolben-
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kürzester Zeit zum völligen Zerschlagen der ganzen Packung.
Erst der Gedanke, zwischen je zwei Ringe eine dünne Scheibe zu legen, welche aus hochgepresstem, ursprünglich weichem Material hergestellt ist und gegenüber den Ringen eine höhere Elastizität besitzt, führte nach langwierigen Versuchen zum Erfolg, und zwar aus folgendem Grunde :
Tritt z. B. ein Druck von 500 Atm. im Zylinder auf (der Anfangsdruck ist durchwegs höher), so muss der hohle Metallring auf das Quadratzentimeter mindestens einen Dn ck von 500 kg aushalten, ohne dass sich auch nur im geringsten der Querschnitt ändert.
Die Gestaltung des einzelnen Ringes oder seine Haltbarkeit gegenüber einem derartigen Druck ist schon ausserordentlich schwierig, eine weit höhere Deformationskraft wird aber auf die Gesamtpackung ausgeübt, weil diese sich nicht in ruhendem Zustand befindet, also nicht in der Trägheit verbleibt, sondern aus ihr mit einer Geschwindigkeit von 8 m/sek. und mehr mit einem furchtbaren Ruck mitgerissen wird, wobei die Anfangsgeschwindigkeit obendrein am allergrössten ist. Diesen fürchterlichen Kräften können die Ringe aber nur standhalten,
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nicht mehr sprechen kann ; immerhin muss es aber noch elastisch genug sein, um jene grosse Anfangsgeschwindigkeit, mit welcher die hohle Metallpackung mitgerissen wird, um ein geringes zu verzögern. Es kommen hierbei nur Wege von hundertstel Millimetern in Frage.
Eine Rücklaufbremse mit so hergestellter Packung, die zweckmässig in den Stopfbüchsenraum eingebracht ist, kann bis zu tausend und mehr Schuss leisten.
Ein geeigneter Stoff für die Zwischenscheiben ist Leder, das vorher einem hohen Druck unterworfen ist, so dass es fast die Härte von Buchenholz erhält. Auch Papier kann gewählt werden.
Die Zwischenlagen unterscheiden sich von den bekannten Packungen, bei denen weiche
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dienen.
In der Zeichnung sind a, a die hohlen Metallringe, b, b die Zwischenschichten.