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Verfahren zum Entladen von mit Sprengstoff festen Aggregatzustandes gefüllten Geschossen und dergleichen Umhüllungen.
Das bisher meist zur Anwendung gelangte Verfahren zum Entladen von Geschossen usw. besteht darin, dass die Geschosse aufrecht stehend in einem Heizbad so lange angewärmt werden, bis der Sprengstoff an den Wandungen angeschmolzen ist, so dass der Kern dann herausgehoben werden kann. Wenn die Geschosse ein sehr enges Mundloch besitzen, so bleibt das Geschoss bis zum vollständigen Schmelzen des Sprengstoffes in dem Heizbad stehen und wird dann nach Herausnehmen aus dem Heizbad durch Ausschütten des geschmolzenen Inhaltes entleert. Ein andres Verfahren besteht darin, dass die Geschosse mit dem Fülloch nach unten in ein Heizbad gesetzt werden, wobei der langsam schmelzende
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der Ladungen auf einer Drehbank.
Alle diese Verfahren haben folgenden Nachteil : i. Durch das Stehen des Geschosse in einem Heizbad ist eine Überhitzung des enthaltenen Sprengstoffes nicht ausgeschlossen, die zu einer Entzündung oder Explosion führen kann. Besonders, wenn die Geschosse einen Rauchentwickler aus Phosphor o. dgl. enthalten, ist dieser Fall möglich und es sind tatsächlich beim Entladen von Geschossen dieser Art bereits zahlreiche Brände und Unfälle aufgetreten.
2. Für das Entladen ist. ein grosser Wärmeaufwand erforderlich, da immer erst die Geschosswandungen auf die Schmelztemperatur des enthaltenen Sprengstoffes erwärmt werden müssen. Namentlich bei dickwandigen Geschossen erfordert daher das Ausschmelzen sehr viel Zeit und Wärme.
3. Bei grossen Geschossen, Minen usw. sind sehr grosse Heizkästen erforderlich.
4. Das Ausbohren bietet infolge der möglichen Berührung des Fräsers mit der Geschosswandung und vor allem bei seinem Auftreffen auf einen Rauchentwickler eine sehr grosse Gefahr der Entzündung.
5. Nach dem Ausschmelzen oder Ausbohren hat stets noch ein Ausdampfen des Geschosses zu erfolgen, um die letzten Reste des Sprengstoffes zu entfernen.
Alle diese Nachteile werden durch das nachstehend geschilderte Verfahren vermieden ;
Das Entladen der Geschosse usw. erfolgt in der Weise, dass heisses Wasser von zirka go bis 950 C mit 2 bis 4 Atm. Druck mittels einer Düse in das mit dem Fülloch nach unten stehende Geschoss eingespritzt wird. Durch die hohe Temperatur des Wassers und die mechanische (erodierende) Wirkung des Wasserstrahles wird das Geschoss in kurzer Zeit entleert und so vollkommen sauber ausgespült, dass ein nochmaliges Ausdampfen überflüssig ist. Das ablaufende heisse Wasser mit den geschmolzenen oder schwebenden Nitrokörpern (z. B.
Trinitrotoluol) wird durch einen mit Scheidewänden versehenen Absetzkasten geführt, worin sich die schweren Nitrokörper abscheiden, während das heisse Wasser in ein Sammelbecken läuft, aus welchem es durch eine Pumpe angesaugt und von neuem wieder
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in die Düse zur Entleerung des nächsten Geschosses eingespritzt-wird. Da das Wasser nach dem Ausschmelzen noch zirka 800 heirs ist, so braucht es in dem Sammelbecken nur wieder auf 90 bis 950 erwärmt zu werden, so dass der Wärmeverbrauch ein äusserst geringer ist.
Der Nitrokörper wird aus dem Absetzkasten ständig abgezogen und entfernt, so dass keine gefährliche Anhäufung stattfindet. Eine Entzündung des Sprengstoffes ist ausgeschlossen, da er immer unter Wasser steht. Vor allem wird ein in den Geschossen eventuell enthaltener Rauchentwickler völlig gefahrlos entfernt, da er feucht bleibt und auf einem vorgeschalteten Sieb aufgefangen und weggenommen werden kann.
Ist das Geschoss nicht mit einem reinen Nitrokörper, sondern mit einem Gemisch desselben mit Ammonsalpeter oder anderen wasserlöslichen Körpern, oder auch mit Ammonal gefüllt, so erfolgt das Ausschmelzen durch heisses Wasser auf die gleiche Weise und es wird die entstehende Lauge durch die Kreiselpumpe den Düsen so lange zugeführt, bis sie die Sättigung erhält, die zur Gewinnung des gelösten Stoffes, z. B. des Ammonsalpeters durch Eindampfen geeignet ist. Es findet also bei dem Entladen zugleich in einem Arbeitsgange eine Trennung der Bestandteile der Ladung statt. Hat die Lauge die gewünschte Sättigung erreicht, so wird sie abgestossen und der Vorgang beginnt mit frischem heissen Wasser von neuem. Infolge der leichten Löslichkeit von Ammonsalpeter in heissem Wasser erfolgt das Entladen in ausserordentlich kurzer Zeit.
Ein weiterer Vorteil des Verfahrens ist der, dass auf derselben Vorrichtung jedes beliebige Geschoss von verschiedener Grösse und mit jedem Fülloch ohne weiteres entleert werden kann.
Eine Ausführungsform der zur Anwendung des Verfahrens dienenden Vorrichtung ist in der Zeichnung dargestellt :
Fig. i bis 3 sind : Seitenansicht, Schnitt und Draufsicht einer Düsenanordnung ; Fig. 4 zeigt die Düse in vergrössertem Massstabe mit einer Granate ; Fig. 5 dieselbe Düse in Verwendung bei einer Abwurf bombe ; Fig. 6 und 7 zeigen im Aufriss und Grundriss eine Darstellung der Gesamtanlage.
Ein Rost 1, z, B. aus Schmiedeeisen, ist in ein Gestell 2 eingebaut. Unter dem Rost ist eine Rohrleitung 3 geführt, welche in einzelne Rostöffnungen mit leicht auswechselbaren Düsen 4 ausläuft. Die Düsen sind, je nach Form und Grösse der zu entladenden Geschosse, in ihrer Anordnung, Grösse und Form der Öffnungen diesen Verschiedenheiten angepasst.
Jede Düse ist durch einen Absperrhahn 5 nach Belieben in und ausser Betrieb zu setzen. Ein Schutztrichter 6, welcher je nach Grösse und Form der Geschosse gestaltet ist, verhütet Verluste am Umwälzwasser, ermöglicht ein gutes Aufsetzen der Geschosse und ein sicheres Ableiten der gemischten Umwälzwasser in eine Rücklaufrinne ?, Über dem Rost ist das Gestell verlängert ; mittels Rundstäben 8, - welche in den entsprechenden Löchern des obersten Rahmens beliebig verstellt werden können, werden die Geschosse in der Kopfstellung auf dem Rost gehalten. a ist die Düsenanordnung mit beiderseitigen Bedienungsbühnen, b ein Absetzkasten zum Ausscheiden der Nitrokörper, c der Sammelkasten, d die Umwälzpumpe.
Der Arbeitsvorgang ist folgender :
Der Sammelkasten c wird mit Frischwasser voll gefüllt. Mit der Dampfschlange C2 wird das Wasser auf go bis 95"C erwärmt ; dann wird die Umwälzpumpe d in Betrieb gesetzt, der Hahn c3 geöffnet und so das heisse Wasser aus c durch die Leitung e nach den Düsen und in die auf denselben aufgesetzten Geschosse gedrückt, Das mit Sprengstoffen aus den Geschossen rückkehrende Wasser fällt in die Rücklaufrinne f und wird durch sie in den Absetzkasten b geleitet. Dieser Absetzkasten ist doppelwandig, also heizbar.
Er ist während des Betriebes nur wenig geheizt und dient dazu die Nitrokörper, welche schwerer sind als das Wasser, hier zurückzuhalten, während das Wasser durch das Überlaufrohr bl nach dem Sammelbecken c wieder zurückkehrt und von da den Kreislauf von neuem beginnt.
Die Wärmemenge, welche das Umwälzwasser auf seinem Wege vom Sammelkasten bis zum Absetzkasten verliert, wird ihm wieder im Absetzkasten b und durch die
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Kasten absetzenden Nitrokörper von Zeit zu Zeit abzapfen und in Gefässe bol beliebig ableiten kann.
Der Sammelkasten hat einen Ablaufhahn e*, durch den man beim Entleeren von Geschossen mit Ammonsalpetermischungen, oder anderen leicht schmelzbaren Mischungen, die Lauge von Zeit zu Zeit abzapfen kann.
Ausser der grössten Sicherheit gegen Brand und Explosionsgefahr bietet demnach noch die Erfindung grosse technische Fortschritte durch den geringen Wärmeverbrauch, die allgemeine Anwendung auf alle Arten von Geschossen und durch die gleichzeitige Trennung der Bestandteile bei vorhandenen Sprengstoffmischungen.