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Verdickungsmittel als Zusatz zu Chemikalienlösungen zur Behandlung von Textilgeweben
Die Erfindung betrifft die Verwendung von Verdickungsmitteln als Zusatz zu Chemikalienlösungen zur Behandlung von Textilgeweben. Bei der Veredlung von Textilgeweben kommen mehr und mehr die Imprägnierverfahren zur Anwendung. Dies erklärt sich besonders dadurch, dass es möglich ist, durch Imprägnieren der Gewebe höhere Konzentrationen von Chemikalien auf die Textilien aufzubringen, als dies bei den auf Jigger oder gar Haspelkufe durchgeführten Verfahren der Fall ist. Ausserdem sind die Imprägnierverfahren die Basis für Kontinue-Verfahren, die sich in der Textilindustrie in steigendem Masse einführen.
Bekanntlich kann das Imprägnieren von Textilgeweben auf verschiedene Weisen erfolgen. Es kann von einem trockenen Gewebe ausgegangen werden, wobei dann von einer Trocken-Imprägnierung gesprochen wird, oder aber es kann von einem feuchten Gewebe ausgegangen werden ; es ist dann von einer Nass-in-Nassimprägnierung die Rede. Letztere Arbeitsweise ist die bei weitem interessantere, da eine Zwischentrocknung zwischen den einzelnen Phasen der Behandlung besonders bei Kontinueprozessen aus preislichen Gründen möglichst vermieden werden muss.
Die Trockenimprägnierung bietet im allgemeinen keinerlei Schwierigkeiten, wenn davon abgesehen wird, dass ein Einsatz von Netzmitteln in fast allen Fällen erforderlich ist, um ein gutes Eindringen der Chemikalienlösungen in das Innere der Gewebe zu gewährleisten.
Die Nass-in-Nassimprägnierung bietet demgegenüber erheblich kompliziertere Probleme, da es sich hier darum handelt, das in dem Gewebe enthaltene Wasser möglichst vollständig durch die Lösung der Chemikalien zu ersetzen. Ein weitgehender Austausch der Warenfeuchtigkeit vor der Imprägnierung ge- gen die Lösung der Chemikalien ist notwendig, um eine gleichmässige Verteilung der Chemikalienlösung durch das Gewebe hindurch sicherzustellen. Diese Bedingung ist nicht immer ganz leicht zu erfüllen, da der Austausch der im Gewebe anfangs enthaltenen Feuchtigkeit gegen die Chemikalienlösung nicht nur von der Konstruktion der Imprägniervorrichtung abhängig ist, sondern auch von der Gewebeart, der Imprägniergeschwindigkeit, der Temperatur der Chemikalienlösung usw.
Um also eine bestimmte Chemikalienkonzentration auf das Gewebe zu bringen, muss eine ganze Reihe von Faktoren berücksich- tigt werden, die häufig schwierig zu kontrollieren und einzuhalten sind, insbesondere dann, wenn es sich um Kontinueprozesse handelt.
Neben den beiden genannten Imprägnierverfahren, die in der Praxis laufend angewendet werden, ist eine dritte Form der Imprägnierung möglich, die gegenüber jenen Verfahren erhebliche Vorteile aufweist und ausserdem unter Bedingungen durchzuführen ist, die erheblich leichter zu überwachen und einzuhalten sind. Diese Arbeitsweise wird allgemein als Imprägnierung durch Addition bezeichnet.
Dieses Imprägnierverfahren besteht darin, dass das zu behandelnde Gewebe zunächst mit Wasser vorzugsweise in Anwesenheit eines Netzmittels vorgequollen wird. Die Trockenimprägnierung erfolgt bei Temperaturen zwischen 20 und 1000 C und soll dazu dienen, dass ein gutes Durchdringen der Fasern
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mit der Flüssigkeit gesichert sein soll, d. h. dass sowohl das Innere der Gewebe wie auch die Einzelfasern mit Wasser ausgefüllt werden, wobei die Fasern und auch die darauf befindlichen natürlichen oder künstlichen Verunreinigungen vorquellen können.
Hierauf erfolgt eine teilweise Trocknung der Gewebe vorzugsweise durch Abquetschen, wobei der Feuchtigkeitsgehalt des Gewebes auf einen Betrag von weniger als 800/0 herabgesetzt werden soll, d. h. dass 100 g des trockenen Gewebes weniger als 80g Wasser enthalten. Für die nachfolgende Operation der Imprägnierung durch Addition ist es von entscheidender Bedeutung, dass das Gewebe mit einem mög-
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sättigten Fasern.
Die Imprägnierung durch Addition erfolgt durch Passieren des durch starken Druck abgequetschten
Gewebes in einem Bade mit kleinem Volumen und einer möglichst grossen Geschwindigkeit von etwa
30 bis 100 m/min, so dass auch hiedurch die Möglichkeit eines Austausches der in dem Gewebe be- findlichen Flüssigkeit gegen das Imprägnierbad weitgehend ausgeschaltet wird. Anschliessend erfolgt dann ein leichtes Abquetschen auf einen Feuchtigkeitsgehalt, der 10 - 300/0 über dem vor der Imprägnierung durch Addition liegt. Die leichte Abquetschung ermöglicht die Erreichung der notwendigen Abquetschdifferenz zwischen Eingang und Ausgang der Operation, und sie soll weiterhin vermeiden, dass während der Abquetschung selbst ein Austausch erfolgt.
Anschliessend an die Imprägnierung durch Addition erfolgt dann ein Verweilen der imprägnierten Gewebe in einem geschlossenen Raum bei einer erhöhten Temperatur während einer gewünschten Zeit, wobei die auf dem Gewebe befindlichen Chemikalien entweder mit der Faser selbst oder mit deren natürlichen oder künstlichen Verunreinigungen reagieren können.
Die Erfahrung hat nun gezeigt, dass es Fälle gibt, bei denen noch besondere Massnahmen erforderlich sind, um zu einem vollen Erfolg der Additionsimprägnierung zu kommen. Hier setzt die Erfindung ein, die an Hand des nachfolgend beschriebenen Verfahrensablaufes näher beschrieben werden soll.
Für die Bleiche schalenhaltiger Baumwollqualitäten mittels Natriumchlorit, besonders dann, wenn sich die Schalen zum Teil ausserhalb des Gewebeverbandes befinden und somit nur unvollständig von der Bleichflüssigkeit eingeschlossen werden, kann folgendermassen vorgegangen werden.
Es wird von nichtentschlichteter"Rohware ausgegangen, die einer Trockenimprägnierung in einem Bade unterzogen wird, das neben einem geeigneten Netzmittel durch Zusatz einer Säure, z. B. Phosphorsäure, auf einen pH-Wert von 2 bis 2,5 eingestellt wurde. Zur guten Durchnetzung und Erzielung eines niedrigen Abquetscheffektes erfolgt diese Operation bei möglichst hoher Temperatur.
Die Ware geht mit einem Feuchtigkeitsgehalt von 65 bis 751o aus der Imprägnierung heraus, und es erfolgt nunmehr in üblicher Weise die Addition der Chloritlösung, die aber durch Zusätze von Kartoffelstärke oder andern Verdickungsmitteln verdickt wurde. Der Zusatz der Verdickungsmittel bietet hiebei eine Reihe von erheblichen Vorteilen : Einmal wird eine deutliche Mehraufnahme bei der Addition erreicht, wobei gleichzeitig die Gefahr eines möglichen Austausches der Säure im Inneren der Fasern gegen die Chloritlösung herabgesetzt wird, so dass der Feuchtigkeitsgehalt am Eingang der Addition heraufgesetzt werden kann, dann aber werden die Schalen von der Bleichflüssigkeit vollständig eingeschlossen und während der Bleichoperation, z.
B. bei einer Temperatur von 1000 C, in etwa 10 min völlig aufgeschlossen.
Anschliessend an die Bleiche erfolgt eine Nachwäsche mit einer Lösung von 2,5 bis 5 g Natriumhydroxyd im Liter auf einer Breitwaschmaschine.
Hiebei wird nicht nur die den Chloritlösungen zugesetzte Stärke, sondern auch die Stärkeschlichte vollständig entfernt und eine gut netzende Ware mit gutem Weissgrad erhalten.
Dieses Verfahren gestattet es also, unter Ausnutzung der Imprägnierung nach dem Additionsverfahren zu einer Chloritkurzzeitbleiche zu kommen, wobei die Entschlichtung gleichzeitig mit der Bleiche erfolgt.
Beispiel : Um eine schalenreiche Baumwolle als stuhlrohe Ware, also ohne vorherige Entfernung der Stärkeschlichte mit Natriumchlorid in einem einstufigen Verfahren kontinuierlich zu bleichen, wird in folgender Weise verfahren.
Die Ware wird in einer Rollenkufe mit Vorrichtungen für Zwischenabquetschungen während der Passage bei einer Temperatur von 90 bis 950 C in einem Bad imprägniert, das pro Liter 1 g eines brauchba- ren Netzmittels und 4 g/l Phosphorsäure enthält. Der pH-Wert des Imprägnierbades liegt bei etwa 2,5.
Nach erfolgter Durchnetzung und einer Passiergeschwindigkeit von 90 m/min wird die Ware durch
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ein starkes Quetschwerk auf einen Feuchtigkeitsgehalt von etwa 8Clo abgequetscht und zur Erreichung einer zusätzlichen Verdampfung und Abkühlung über einen Luftgang geführt.
Hierauf passiert sie ein Bad mit kleinem Volumen (etwa 30 1), das eine Lösung von 25 g Natriumchlorid 80% ig und 25 g/l Kartoffelstärke enthielt. Die durch die Kartoffelstärke verdickte Chloritlösung wurde durch Auflösen von Stärke bei Siedetemperatur in der Chloritlösung erhalten und durch Dekantieren von ungelösten Bestandteilen befreit. Die Imprägnierung durch Addition erfolgt bei einer Temperatur von etwa 20 bis 30 C.
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gesättigtem Dampf erreicht wird, 10 min lang.
Nach Austritt aus der J-Box wird sie in eine Breitwaschmaschine geführt, deren erstes Waschabteil 5 g Natriumhydroxyd/1 enthält. Gewaschen wird bei möglichst hohen Temperaturen im ersten bis dritten Waschkasten und dann kalt in zwei weiteren Abteilen gespült.
Der Zusatz von Stärke als Verdickungsmittel in der Chloritlösung sichert eine einwandfreie Entfernung der Schalen, die ohne Verdickung in der kurzen Reaktionszeit nicht zu entfernen sind.
Man erhält eine schalenfreie, einwandfrei entschlichtete, gut netzfähige Ware mit gutem Weissgrad, die für Färbungen und Hochveredlungen hervorragend geeignet ist.