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Verfahren und Anlage zur Herstellung von Baukörpern
Die Erfindung bezieht sich zunächst auf ein Verfahren zur Herstellung von Baukörpern aus zu filzartiger Verklammerung neigenden Stoffen, wie Fasern aller Art, und mineralischen, sulfatischen Bindemitteln, bei dem aus den zur Verklammerung neigenden Stoffen und den mineralischen, sulfatischen Bindemitteln eine Aufschlämmung kontinuierlich hergestellt, fortlaufend zu einem Vlies vorgeformt und der Hauptteil des Wassers vor Eintritt des Abbindevorganges entfernt wird, so dass fortlaufend ein Körper entsteht, von dem schliesslich die einzelnen Baukörper abgetrennt werden.
Es sind Verfahren zur Herstellung von Baukörpern, z. B. Platten, aus Faserstoffen und hydraulischen Bindemitteln, wie Zement, bekannt, bei denen fortlaufend eine wässerige Aufschlämmung von Faserstof-
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Dabei ist es auch bekannt, das sich bildende Faserzementvlies mittels einer sich drehenden Walze zusammenzupressen, die gegebenenfalls in der Ebene des Vlieses hin-und herbewegt wird.
Es ist dabei ferner bekannt, die endlose Unterlage als wasserdurchlässiges Band, z. B. als Baumwollband, aber auch als metallenes Siebband auszubilden und unter diesem Band Vakuumsaugköpfe anzuordnen. Weiter ist es bekannt, das Band mit Klopfern und durch Abbrausen mit Wasser zu reinigen und das abgepresste und sonstige Überschusswasser in einen Mischer für die Herstellung weiteren Speisebreies zurücklaufen zu lassen.
Es ist schon versucht worden, diese für die Herstellung von Asbestzementplatten bekannten Verfahren auch mit Gips durchzuführen. Diese Bemühungen scheiterten aber an den besonderen, von denen des Zements und anderer hydraulischer Bindemittel verschiedenen Eigenschaften des Gipses und es ist bisher nicht gelungen, mit nichthydraulischen Bindemitteln, z. B. Gips, in dieser Weise zu arbeiten.
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ihre Abmessungen unterscheiden. Weiter sind aus hochwertigem Gips hergestellte Schallschluckplatten, Füllplatten, Heizplatten und ähnliche Baukörper bekannt. Schliesslich gibt es auch Gips-Kartonplatten, die in Deutschland unter dem Namen"Rigips-Platten"bekannt sind.
Bei der bekannten Herstellung von Gipsbaukörpern wie auch bei der Herstellung von Faserstoffplatten in Formen wird das Ausgangsmaterial in mehr oder weniger flüssigem Zustand in die Holz- oder Metallformen eingegossen. Nach dem Erhärten der Masse wird die Form entfernt und der entstandene Baukörper natürlich oder künstlich getrocknet. Es ist auch bereits bekannt, sich bei der Herstellung von Gipsbaukörpern in Formen maschineller Hilfsmittel zu bedienen.
Bei der bekannten Herstellung von Gipsbaukörpern in Formen verwendete man Stuckgips. Man musste dabei den Wasserzusatz möglichst niedrig halten, um ausreichende Festigkeiten zu erzielen, weil bei grö- sserem Wasserüberschuss weniger widerstandsfähige Kristalle und grössere Poren entstehen. Die Festigkeit genügt dann nicht den Beanspruchungen, die besonders beim Transport der Gispbaukörper auftreten. Das Verhältnis Wassergewicht zu Gipsgewicht bewegte sich bei brauchbaren Mischungen um 0, 75. Auch bei einem solchen Verhältnis enthält der Brei schon das 3- bis 4fache der zum Abbinden des Gipses theoretisch
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notwendigen, als Kristallwasser zu bindenden Wassermenge.
Solchen Gipsbrei hat man auch bereits auf Walzenstrassen zu Gips-Kartonplatten verarbeitet. Dabei lässt man den Gipsbrei in den zu einer flachen Mulde geformten hochwertigen Karton einfliessen. Der als
Form dienende Karton bleibt mit dem Gipskern fest verbunden und verleiht ihm seine Elastizität. Eine an- idere Möglichkeit zur Massenherstellung dünner elastischer Baukörper unter Verwendung von Gips gab es bisher nicht.
Eine der Schwierigkeiten, an denen die fortlaufende Herstellung von Gipsfaserplatten in kontinuierli- chen Verfahren bisher scheiterte, liegt darin, dass das Überschusswasser als Kristallisationskeime wirkende, abgebunden Gipsteile enthält, die es nicht gestatten, dieses Wasser wieder zu verwenden, weil diese
Keime die Abbindung von Gipsbrei, dem sie mit diesem Wasser zugesetzt werden, stark beschleunigen.
Führt man das Überschusswasser ungenutzt weg, so wird das Verfahren zu teuer, weil fortwährend neues, sauberes Wasser herbeigeschafft werden muss und in dem weggeführten Wasser grosse Mengen ungenutzten
Gipses verlorengehen. Führt man das Überschusswasser aber wieder zu, so bindet der Gips immer schnel- ler ab, weil sich dieses Überschusswasser mit Gipskeimen anreichert. Bei immer beschleunigterem Abbin- den des Gipses lässt sich aber kein kontinuierliches Verfahren unter über lange Zeiträume gleichbleiben- den Bedingungen durchführen.
Die Erfindung besteht zunächst darin, dass die Aufschlämmung mit grossem Wasserüberschuss, dessen
Gewicht ein mehrfaches des Gewichtes des Bindemittels ist, unter Zusatz von Verzögerungsmitteln herge- stellt wird.
Bei einer Ausführungsform des erfindungsgemässen. Verfahrens werden als mineralische, sulfatische
Bindemittel mindestens 107im Kalziumsulfat enthaltende gemahlene Stoffe verwendet.
Eine Ausführungsmöglichkeit besteht darin, als mineralische sulfatische Bindemittel Luftbindemittel, z. B. Gips zu verwenden, eine andere darin, neben Luftbindemitteln ein hydraulisches sulfatisches Binde- mittel, nämlich Gipsschlackenzement zu verwenden.
Halbhydrat ist in Wasser stärker löslich als Dihydrat. Hierauf beruht das Abbinden des Gipses. Das
Halbhydrat geht in gelöstem Zustande in das Dihydrat über, von dem nur ein kleinerer Teil gelöst blei- ben kann, als vorher als Halbhydrat gelöst war, so dass der Überschuss in festem Zustande ausfallen muss.
Da damit wieder Wasser zur Verfügung steht, um Halbhydrat auflösen zu können, kann sich der Vorgang fortsetzen.
Eine der weiteren Ausbildung der Erfindung zugrundeliegende Teilaufgabe bestand darin, die Beschleu- nigung des Abbindens des Gipses durch keimhaltiges Wasser zu beherrschen.
Nach dem vorstehend Erläuterten bestand ein hiefür möglicher Weg darin, die Löslichkeit des Halb- hydrats und ein zweiter darin, die Lösungsgeschwindigkeit des Halbhydrats herabzusetzen. Verschiedene Stoffe, die mit Gips Niederschläge bilden können, setzen Löslichkeit und Lösungsgeschwindigkeit des Halb- hydrats herab, so dass durchzusatz solcher Stoffe der Abbindevorgang verzögert werden kann. Solche Stoffe sind z. B. Ammonium-Karbonat, Natriumphosphat, Tannin, Keratin u. a. Die Wirkung dieser Stoffe mag dadurch zustandekommen, dass sie die einzelnen Gipskörnchen mit einer Niederschlagshaut überziehen ; je
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so stark herabgesetzt, dass der Abbindevorgang von 32 Minuten auf 48 Tage verlängert wird.
Die weitere Ausbildung der Erfindung beruht ferner auf der Erkenntnis, dass die das Abbinden beschleunigende Wirkung der Gipskeime im Wasser bei Verwendung von Verzögerern nur bis zum Erreichen eines Höchstwertes zunimmt, dass also ein Gleichgewichtszustand eintritt, nach dessen Erreichen eine Vermehrung abgebundener Gipsteile im Wasser das Abbinden der Gipsmasse nicht mehr beschleunigt.
Die in Lösung gehenden Gipsmengen sind normalerweise sehr gross. Sie betragen etwa 15% des Gipsbedarfs, die, wenn das abgeschiedene Wasser ungenutzt bleibt, einen erheblichen Materialverlust bedeuten und ferner durch Auskristallisieren an ungeeigneten Stellen Betriebsstörungen verursachen. Wird dagegen das abgetrennte Wasser wiederverwendet, dann beschleunigen die daraus ausfallenden Kristalle abgebundenen Gipses in immer zunehmendem Masse das Abbinden der Rohmasse so, dass sie nach einiger Zeit nicht mehr verarbeitbar ist und ihre Bindekraft einbüsst.
Es wurde nun gefunden, dass durch Zusatz keratinhaltiger Stoffe in unten genannten Mengen in flüssiger oder löslicher Form zum Anmachwasser die Löslichkeit des Gipses so stark verringert wird, dass die Menge des in Lösung gehenden und bei Wiederverwendung des Wassers auskristallisierenden Gipses sehr klein ist.
Dadurch kommt es zwischen der beschleunigenden Wirkung des auskristallisierenden Gipsesund derverzögernden Wirkung der Keratinanteile zu einem Gleichgewicht, welches das Einstellen einer geeigneten Versteifungszeit ermöglicht, die im Dauerbetrieb gleichbleibt.
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chanische Festigkeit auf ; bei einer beispielsweisen Ausführungsform ergab sich eine Biegezugfestigkeit von 104 kg/cm2parallel zur Herstellungsrichtung und von 117 kg/crrr quer zur Herstellungsrichtung, ferner eine Kugeldruckhärte von 130 kg/crri !. Wegen ihrer grösseren Festigkeit können die nach dem erfindung- gemässen Verfahren hergestellten Baukörper auch als belastbare Baukörper verwendet werden.
In Platteni form sind sie so hart, dass sie grossflächig freitragend aufgehängt werden können.
Die Vorteile, die den auch bisher bekannten Gipsbaukörpern eigen sind, bleiben erhalten, so die ge- ringe Wärmeleitfähigkeit und damit grosse Wärmedämmung, die Unbrennbarkeit, ihre bessere Widerstands- fähigkeit gegen Feuereinwirkung infolge Abgabe von Wasserdampf sowie die Unabhängigkeit der Her- stellung von der Einfuhr ausländischer Rohstoffe. Gegenüber Zementplatten ist bei Gipsfaserplatten wegen ) ihrer geringeren spezifischen Wärme die Gefahr des Schwitzwasserniederschlages in Innenräumen kleiner.
Die Haftfähigkeit für Gips-, Wand-'oder Deckenputz ist bei Gipsfaserplatten besser als bei zementgebun- denen oder Gips-Kartonplatten. Die Fasergipsplatte ist elastischer als eine zementgebundene Platte. Die erfindungsgemäss hergestellten Erzeugnisse weisen keine spröden Gipsschichten zwischen den Fasern oder den faserähnlichen Bestandteilen auf, sondern die filzartig miteinander verklammerten Bestandteile sind i durch feinste Gipskristalle elastisch miteinander verbunden, u. zw. über die ganze Plattendicke.
Die gemäss der Erfindung hergestellten Gipsplatten schrumpfen im Gegensatz zu Zementplatten nicht ; sie wachsen so wenig, dass sich hieraus keine Schwierigkeiten ergeben. Nach allem sind sie im Innenbau weit vielseitiger verwendbar, als Zementfaserplatten.
Diejenige Ausführungsform des erfindungsgemässen Verfahrens, welche die Verwendung eines hydra- lischen sulfatischen Bindemittels, nämlich von Gipsschlackenzement (Sulfathüttenzement) neben Luftbin- demitteln, wie Gips, vorsieht, hat den besonderen Vorteil, die Vorzüge des Luftbindemittels und des hy- draulischen Bindemittels miteinander zu verbinden und die Möglichkeit zu bieten, die Eigenschaften des
Erzeugnisses durch Änderung der Bindemittelmischung zu variieren.
Die Bindemittel, das Wasser und die zur filzartigen Verklammerung neigenden Stoffe sowie etwaige
Füllstoffe können in beliebiger Reihenfolge vermischt werden. So können die Bindemittel zunächst unter sich und die Bindemittelmischung dann mit den Faser- oder faserstoffähnlichen Stoffen vermischt werden und diese Mischung kann in Wasser, welches die als geeignet ermittelte Verzögerer-Menge enthält, ein- gerührt werden.
Es kann aber auch Faserstoff und Füllstoff zunächst mit dem verzögererhaltigen Wasser verrührt und dem Gemisch dann das Bindemittel oder das Bindemittelgemisch zugesetzt werden oder es kann dem mit verzögererhaltigem Wasser angerührten Bindemittelgemisch der Faserstoff zugeführt werden und schliesslich können alle zu mischenden Stoffe einem Mischbehälter gleichzeitig zugeführt und ge- mischt werden, nur muss dem Wasser die nötige Verzögerer-Menge vorher zugegeben werden.
Eine Anlage zur Durchführung des erfindungsgemässen Verfahrens umfasst einen Mischer, eine Dosie- rungsvorrichtung, ein poröses Förderband, eine oder mehrere am Band angreifende Absaugevorrichtungen, eine Aufwickeltrommel für das auf dem Band gebildete Vlies, mindestens eine Pressvorrichtung, z. B. ein
Walzenpaar in der Art, wie es bei Kartonmaschinen verwendet wird oder bestehend aus einem Tisch und einer gegen diesen drückenden Walze, gegebenenfalls eine zweite Pressvorrichtung, die vorzugsweise als
Nachwalzvorrichtung ausgebildet ist sowie gegebenenfalls eine Stapel-und Trockenvorrichtung. Die An- lage ist so ausgebildet, dass alles ablaufende und abgepresste Wasser in die Mischvorrichtung zurückgeführt wird, bis eine Betriebsperiode beendet ist.
Ein weiteres Merkmal der Erfindung besteht darin, dass das erzeugte Vlies vor dem Beginn des Abbin- dens einer besonderen Oberflächenbehandlung unterworfen, z. B. mit besonderen Oberflächenschichten ver- sehen wird. Die Oberflächenbehandlung kann im Tränken mit Farbe oder im sonstigen Aufbringen von Farb- schichten bestehen. Besondere Oberflächenschichten können aber auch in Gestalt blattförmiger Stoffe auf das Vlies aufgebracht'werden. Die blattförmigen Stoffe können bedruckt und nicht nur Kunststoffolien, sondern auch Metallfolien oder Furniere sein. Die Vliesoberfläche kann auch nur teilweise oder in ver- schiedenen Musterungen mit derartigen Stoffen bedeckt werden, die dann Einlagen in der Oberfläche bil- den.
Schliesslich können auch andere flüssige oder halbflüssige Stoffe als Farben auf ein Vlies aufgebracht werden.
Wenn die Anlage zwei Pressstellen, z. B. zwei in einem Abstand voneinander angeordnete Walzenstühle aufweist, lässt sich eine Oberflächenbehandlung des erzeugten Vlieses vorteilhaft in dem Bereich zwischen den beiden Pressstellen durchführen.
Schon in einer ersten mit Walzen arbeitenden Pressstelle lässt sich das durchlaufende Vlies in beliebiger gewünschter Art profilieren. Die Profilierung kann auch an der zweiten Walzstelle erfolgen oder fortgesetzt werden. Eine zweite Walzstelle hat auch den Vorteil, dass durch noch besseres Auspressen des Wassers und durch. zusätzliche Verdichtung des durchlaufenden Vlieses die Festigkeit des Erzeugnisses erhöht
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und das Fertigtrocknen erleichtert wird.
Die Oberflächenbehandlung kann auch eine feine Profilierung sein : Die Oberflächen können glatt oder gemustert gewalzt werden.
Es kann zweckmässig sein, mehr als ein Mischgefäss in ein und derselben Anlage zu verwenden, so dass jeweils eines gereinigt werden kann, während der Betrieb mit einem andern weiterläuft.
Die Verwendung einer Aufwickeltrommel, wie sie von der Herstellung von Asbestzementplatten und von Kartonmaschinen her bekannt ist, macht den Spielraum, der für die Wandstärke der Erzeugnisse zur
Verfügung steht, besonders gross. Schon das Vlies auf dem die Abführung des Überschusswassers gestatten- den Transportband kann in sehr verschiedener Stärke erzeugt werden, ohne dass die Gleichmässigkeit seiner
Beschaffenheit über den Querschnitt Schaden litte. Durch das bekannte Aufwickeln des Vlieses auf der Auf- wickeltrommel lässt sich diese Stärke dann beliebig vervielfachen.
Zweckmässig ist die Trommel mit einer ihrem Umfang bearbeitenden Bürste ausgerüstet, die dazu dient den vom Vlies freibleibenden Teil des Trommelumfang oder den nach dem Abnehmen des Vlieses freige- wordenen Trommelumfang laufend zu reinigen.
Hiedurch wird erreicht, dass die Oberfläche der nachfolgend erzeugten Platte glatt bleibt, während sonsteinsichauf dem Trommelmantel immer stärker ansetzender Bindemittelfilm unsaubere Plattenober- flächen ergeben würde. Dieses Ansetzen lässt sich auch dadurch verhindern, dass der Mantel der Aufwickel- trommel mit aufzupudernden oder mit in flüssiger Form aufzubringenden Mitteln behandelt wird, z. B. mit
Siliconölen. Dabei kann die erwähnte Bürste zugleich als Auftragevorrichtung benutzt werden, gegebe- nenfalls unter zusätzlicher Verwendung von Spritzdüsen.
Ein weiteres Merkmal der Erfindung liegt darin, dass auf der Trommel ein Dauerüberzug aus Kunst- harz, z. B. Polyvinylchlorid fest aufgebracht, vorzugsweise aufgeschrumpft ist, der auch eine sich quer über den Trommelmantel erstreckende Nut auskleidet. Hiedurch wird erreicht, dass die Oberfläche der von der Trommel abgenommenen Gipsfaserplatte stets so glatt ist, wie die Oberfläche des Kunstharz-Über- zuges, die sich ihrerseits leicht sauber und unbeschädigt halten lässt. Sollte die Oberfläche des Kunstharz- überzuges aber doch einmal beschädigt werden, so lässt sich der Überzug leicht und ohne grosse Kosten auswechseln.
Statt durch einen Dauerüberzug auf der Aufwickeltrommel lässt sich die Erzeugung glatter Plattenoberflächen auch dadurch sichern, dass der Mantel der Aufwickeltrommel vor jedem Aufbringen eines
Vlieses mit einem leicht entfernbaren, gegebenenfalls verlorenen Überzug aus blattförmigem Stoff, wie
Seidenpapier oder Kunstharzfolie versehen wird.
Die Zeichnung zeigt in Fig. l in schematischer Darstellung ein Ausführungsbeispiel einer zur Durch- führung des beschriebenen Verfahrens geeigneten Anlage. Fig. 2 ist ein Längsschnitt durch die Aufwickeltrommel, Fig. 3 eine zugehörige Stirnansicht und Fig. 4 zeigt eine Einzelheitder Aufwickeltrommelin grösserem Massstabe.
Einem Mischbottich 1 wird durch einen Trichter 2 in Richtung des Pfeiles 3 Faserstoff und durch einen Trichter 4 in Richtung des Pfeiles 5 Bindemittel zugeführt. An den Mischbottich ist eine Pumpe 6 angeschlossen, die über den Stutzen 6* einen kräftigen Wasserstrahl in den Mischbottich liefert. Die dem Was- serstrahl innewohnende Energie sorgt dafür, dass sich das Wasser mit den Faserstoffen und den Bindemitteln innig vermischt, so dass eine viel Überschusswasser enthaltende Aufschlämmung oder Aufschwemmung gebildet wird, in der die festen Teilchen im Überschusswasser gleichmässig verteilt sind, so dass die Mischungsbestandteile zusammen eine dünnflüssige, leicht zu handhabende Aufschlämmung bilden. Die Pumpe 6 saugt das Wasser aus einem Vorratsbehälter 7 über eine Leitung 8 an.
In dem Mischbottich 1 befindet sich ein Rührwerk 29 und eine Abstreifwalze 9.
Durch den Bottich 1 ist das endlose Band 11 hindurchgeführt, mit dem die Abstreifwalze 9 zusammenwirkt. Der Eintrittsspalt für das Band ist mit Dichtungslippen versehen.
Die im Mischbottich 1 erzeugte wässerige Aufschlämmung 10 wird durch einen Saugkopf 17, über den das endlose Band 11 läuft, auf dessen Oberfläche gesaugt. Der Saugkopf 17 schliesst an die Unterseite des Bandes 11 mit Dichtungslippen an. Das Band 11 läuft über die Rollen 12, 13, 14, 16 und 16'und ist in Richtung des Pfeiles 11'angetrieben. Es besteht aus wasserdurchlässigem Gewebe. Unter demjenigen Abschnitt des Bandes 11, der mit der aufgegossenen Faserstoff-Bindemittelaufschlämmung 10 beladen ist, ist ein Saugkopf 17'angeordnet, der mit Dichtungslippen 18, 19 an das Band anschliesst. In den Saugköpfen 17 und 17'wird mittels einer Luftpumpe 20, die durch eine Leitung 21 an den Saugkopf angeschlossen ist, ein Unterdruck erzeugt.
Das aus dem auf dem Band befindlichen Brei herausgesaugte Wasser wird von den Saugköpfen 17 und 17'über Leitungen 22 und 22'sowie die Sammelleitung 23 dem Vorratsbehälter 7 oder der Saugleitung der Pumpe 6 unmittelbar zugeführt. Aus dem entwässerten Brei bildet sich auf dem Band 11
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ein Vlies 10', dasüber die Umlenkrolle 13 an eine Aufwickeltrommel, die Formatwalze 30, mittels einer
Gegendruckwalze 31 angedrückt und auf der Trommel oder Formatwalze 30 mehrfach übereinander auf- gewickelt wird.
Die Trommel 30 besteht aus einem zylindrischen Mantel 48 (Fig. 2), der an den. Stirnseiten durch in i ihm befestigte, z. B. eingeschweisste Kreisscheiben 49,50 geschlossen ist. In diesen Scheiben sind Lager- naben 51,52 zentrisch befestigt, z. B. ebenfalls eingeschweisst. An einer Stelle des Umfangs weist der
Mantel 48 eine parallel zur Zylinderachse verlaufende Nut 53 auf. An dieser Stelle ist der Mantel auf sei- ner Innenseite durch eine Leiste 54 verstärkt. Auf dem Mantel 48 sitzt ein Überzug 55 aus Kunstharz, der zweckmässig durch Aufschrumpfen auf dem Mantel befestigt ist und auch die Nut 53 auskleidet.
Das Band 11 wird von anhaftenden Mischungsresten mittels eines in Richtung des Pfeiles 24 umlaufenden
Klopfers 25 gereinigt und anschliessend aus Spritzdüsen 26, 27mit durch die Leitung 28 zugeführtem Druck- wasser abgespritzt, so dass es gereinigt in den Mischbottich 1 weiterläuft, wo es erneut mit einer Faserstoff-
Bindemittelaufschwemmung beladen wird.
Das auf die Trommel 30 aufgewickelte Vlies wird, wenn die Wicklung die gewünschte Stärke erreicht ! hat, in an sich bekannter Weise mittels eines dabei in die Nut 53 (Fig. 4) eingreifenden Trennmessers auf- geschlitzt und von der Trommel abgenommen. Es gelangt dann als biegsame Platte 10"auf ein Förder- band 49. Die biegsame Platte oder das weitergeförderte Vlies gelangen schliesslich zwischen die Walzen
33, 34, die in Richtung der Pfeile 35, 36 gegeneinandergedrückt werden und in dem Vlies oder der biegsa- men Platte noch enthaltenes Überschusswasser abpressen. Im Anschluss an die durch die Walzen 33,34 ge- bildete Pressstelle ist bei dem gezeichneten Beispiel noch eine zweite Pressstelle vorgesehen, die aus dem
Tisch 37 und der in Richtung des Pfeiles 39 gegen den Tisch gedrückten Walze 38 besteht.
Stattdessen könnte auch die zweite Pressstelle als zwei Walzen enthaltender Walzenstuhl ausgebildet sein oder es könnte um- gekehrt die erste Pressstelle ebenfalls aus einem Tisch und einer Gegendruckwalze bestehen. Schliesslich könnte auch nur eine Pressstelle angeordnet sein. Sowohl die Walzen 33,34 als auch die Walze 38 können
Profilwalze sein, die dem durchlaufenden Vlies oder Plattenrohling ein Längsprofil verleihen, das später die Trocknung eines Stapels erleichtert. Wie oben erwähnt, können die Platten mittels der Walzen auch gemusterte Oberflächen erhalten und zwischen den Pressstellen kann die Plattenoberfläche in anderer Weise, z. B. durch Auftragen besonderer Oberflächenschichten, zusätzlich behandelt werden.
An die zweite Pressstelle schliesst sich eine Schneideinrichtung an, die durch die Pfeile 40,41 ange- deutet ist. Sie wird dann verwendet, wenn das Vlies fortlaufend zugeschnitten wird oder wenn die zu er- zeugenden Platten kleiner sein sollen, als dem Umfang der Trommel 30 entspricht. Die Platten werden anschliessend an die Schneidstelle zu einem Stapel 42 aufeinandergelegt, zweckmässig auf einem absenk- baren Tisch 43. An den Stapel schliessen sich nachgiebige Balgen 44,45, z. B. aus Gummi oder Gummi- ersatzstoffen an, die den Stapelquerschnitt mit einem Trockenraum 46 verbinden.
Wenn die Platten pro- filiert sind, so dass sie im Stapel Zwischenräume bilden oder wenn sie unter Zwischenlage von Leisten ge- stapelt werden, lässt sich ein gegebenenfalls erhitzter Luftstrom zur Beschleunigung des Trocknens durch den Stapel hindurchsaugen oder-blasen. In dem Trockentunnel 46 ist ein Wagen 47 angeordnet, der der- art unter den Stapel 42 gefahren werden kann, dass dieser von dem dann abzusenkenden Tisch 43 weggefah- ren werden kann.
Durch die Linie 48 ist in der Zeichnung angedeutet, dass das gesamte aus der Anlage abfliessende Was- ser, sei es über den Sammelbehälter 7, sei es unmittelbar in die Ansaugleitung 8 der Pumpe 6 zurück- gelangt.
Beispiel 1 : 10 - 250/0 Faserstoffe, z. B. aufgeweichte, zerteilte gebrauchte Papiersäcke werden mit 90-75% Stuckgips und der 10fachen Gipsgewichtsmenge an Wasser aufgeschwemmt, wobei dem Wasser als Verzögerer soviel Keratin zugesetzt wurde, dass die vom Überschusswasser befreite Aufschwemmung nach etwa 2 Stunden abbindet.
Beispiel 2 : Wie Beispiel 1, jedoch mit Ersatz eines Drittels der Stuckgipsgewichtsmenge durch
Ton.
Beispiel 3 : Eine Platte vom Raumgewicht 1 enthält 15% F. asergewichtund 85% Kalziumsulfat-Dihydrat-Gewicht.
Mit der erfindungsgemässen Gipsfaseraufschwemmung lassen sich nach sonst bekannten Verfahren auch
Rohre herstellen, die dieselben vorteilhaften Eigenschaften haben, wie sie für die erfindungsgemäss hergestellten Platten beschrieben wurden.
Das erfindungsgemässe Verfahren schliesst die Möglichkeit der Anwendung bekannter sonstiger Zusätze zu nichthydraulischen und hydraulischen Bindemitteln nicht aus. So können dem Werkstoffbrei an sich bekannte Härtemittel oder umgekehrt porös machende Zusätze hinzugefügt werden, das letztere z. B. dann,
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wenn Schallschluckplatten erzeugt werden sollen. Ein für diesen Fall geeigneter Zusatzstoff ist Kieselgur.
Weitere Zusätze können der Verbesserung der Oberflächenbeschaffenheit, z. B. zur Erhöhung der Oberflä- chenglätte, dienen. Schliesslich lässt sich auch die chemische Widerstandsfähigkeit der erzeugten Körper durch bekannte Zusätze verbessern, so z. B. durch Zusatz von Bariumhydroxyd die Widerstandsfähigkeit i gegen Wasser und damit die Wetterfestigkeit.
PATENTANSPRÜCHE :
1. Verfahren zur Herstellung von Baukörpern aus zu filzartiger Verklammerung neigenden Stoffen, wie
Fasern aller Art, und mineralischen, sulfatischen Bindemitteln, bei dem aus den zur Verklammerung nei- genden Stoffen und den mineralischen, sulfatischen Bindemitteln eine Aufschlämmung kontinuierlich her- gestellt, fortlaufend zu einem Vlies vorgeformt und der Hauptteil des Wassers vor Eintritt des Abbindevorganges entfernt wird, so dass fortlaufend ein Körper entsteht, von dem schliesslich die einzelnen Baukörper abgetrennt werden, dadurch gekennzeichnet, dass die Aufschlämmung mit grossem Wasserüberschuss, dessen
Gewicht ein mehrfaches des Gewichtes des Bindemittels ist, unter Zusatz von Verzögerungsmitteln herge- stellt wird.