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Stichunterlage zur Gewinnung von Bienengift
Bei allen Methoden zur Bienengiftgewinnung ist die Art der Stichunterlage, die zur Aufnahme der Gifttröpfchen, welche die durch eine Reizung zum Stechen veranlassten Bienen abgeben, dient, von grösster Bedeutung. Eine schlecht gewählte, den Eigenarten der Giftabsonderung nicht genügend angepasste Unterlage beeinträchtigt die Beschaffenheit des erhaltenen Rohgiftes und die Höhe der Ausbeute an Gift. Die Anwendung von Stichunterlagen, aus welchen der Stachel der
Biene nach dem Stechen überhaupt nicht oder nur unter gleichzeitigen Verletzungen des be- treffenden Körpertraktes in die normale Lage ge- brachtwerdenkann, verbietetsich von selbst, weil in diesem Falle die Bienen mit der Giftabsonderung zu Grunde gehen.
Aber auch die bereits vor- geschlagenen Stichunterlagen, aus welchen die
Biene ihren Stachel leichter herausziehen können soll, wie Filz, Loden, grobe Wollstoffe, Leder oder dünne Gummiplatten, die auf der Stichseite leicht aufgerauht sein können, entsprechen nicht allen Anforderungen. Zum Teil lassen sich auch durch die Anwendung solcher Stichunterlagen Verletzungen der Bienen nicht ausschliessen, da der Stachel in den geschlossene Flächen bildenden Unterlagen öfter hängen bleibt. Ferner erlaubt die Beschaffenheit der Unterlage häufig nur ein verhältnismässig kleines Auffangvolumen.
Schliesslich ermöglichen die meisten Unterlagen vermöge der nur flächenmässig einwirkenden Giftabsonderung nicht eine vollkommene Erfassung des abgesonderten Giftes, da die Bienen knapp nach der Giftabgabe einen Teil des Giftes durch ihre behaarten Körperteile von der Unterlage wieder abstreifen, wenn sich das Gift an der Stichseite der Unterlage ansammelt. Dieser Übelstand tritt selbst dann in vielen Fällen ein, wenn eine Unterlage benutzt wird, die von den Bienen durchstochen werden soll, 'damit sich das Gift an der Rückseite der Unterlage ansammelt, da ein Durchstechen der Unterlage nicht regelmässig durch alle Bienen erzielt wird.
Die Erfindung bezweckt, eine Stichunterlage zu schaffen, die diese Nachteile beseitigt. Sie beruht auf dem neuen Gedanken, für das Eindringen des Stachels der zum Stechen gereizten Bienen und die Aufnahme des ausgeschiedenen Giftes Hohl- räume vorzusehen, so dass weder eine Abgabe des
Giftstoffes an der Oberfläche der Stichunterlage, von der die Bienen das Gift wieder abstreifen können, eintritt, noch ein Durchstechen der
Stichunterlage erforderlich ist. Den Gegenstand der Erfindung bildet demnach eine Stichunterlage, die für die Aufnahme des Bienenstachels beim
Stich und die Giftabsonderung geeignete Hohl- räume aufweist.
Nach einer Ausführungsform gemäss der Erfindung besteht die Stichunter- lage aus lamellenartig lose zusammengebauten
Schichten, nach einer anderen Ausführungs- form aus bürstenartig dicht zusammengefassten
Fasern, wobei die Ebene der Stichfläche die
Schichten oder Fasern schneidet. Zweckmässig werden die Schichten oder Fasern derart zu- sammengehalten, dass ihre Kanten an der Stich- fläche mit geringem Spiel auseinanderklaffen. Die
Zwischenräume zwischen den Lamellen oder die
Dichte der Faserbündel und deren Aneinander- reihung werden so gewählt, dass der Bienenstachel gerade gut eindringen und leicht ohne Verletzung zurückgezogen werden kann, anhaftendes Gift aber noch in den Zwischenräumen abgestreift wird.
Zwischen den lamellenartigen Schichten und zwischen den bürstenartigen Fasern befinden sich mithin die Hohlräume, in welche die Bienen beim Stich das Gift absondern, während ein Einstechen in den Werkstoff der Stichunterlage nicht stattfindet, da der Stachel der Biene, selbst wenn er ausnahmsweise die Kante der Schicht oder die Faser treffen sollte, an dieser in den benachbarten Hohlraum abgeleitet.
Die Bienen stechen also von der Ebene der Stichfläche aus in die kleinen Hohlräume zwischen den Lamellen oder Fasern, wodurch erreicht wird, dass der Stachel keinerlei Beschädigungen ausgesetzt ist, und ferner, dass das Gift in gesonderte, von der Biene selbst nicht erreichbare Räume kleinster Ordnung gebracht wird ; hiedurch ist eine von Verunreinigungen freie Absonderung und Auffangung des Giftes und eine quantitative Ausbeute gewährleistet.
Ferner kann eine Stichunterlage mit Hohlräumen gemäss der Erfindung auch aus schwammartigen porösen Stoffen, wie Schwammgummi oder Zelluloseschwamm, bestehen.
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Als Werkstoff für die Stichunterlage gemäss der Erfindung kommen vornehmlich solche Stoffe in Betracht, die wasserunlöslich sind und vorzugsweise auch gegen die spezifischen Lösungsmittel, die für die weitere Gewinnung des Giftes durch Extraktion benützt werden, indifferent sind.
Ferner sollen die Werkstoffe eine möglichst glatte Oberfläche besitzen, wodurch einerseits ein Hängenbleiben des Bienenstachels vermieden, anderseits die Gewinnung des Giftes durch Extraktion erleichtert wird. Stoffe, aus welchen die Schichten von Fasern der Stichunterlagen gemäss der Erfindung bestehen können, sind beispielsweise : Kunstoffe, wie Polymerisate, Polyamide u. dgl., regenerierte Zellulose, pergamentierte Zellulosefasern, sehr dünne geglättete Lederschichten oder Gummischichten, glatte dünne Papiere, z. B. auch Pergamin-oder Pergamentpapiere, natürliches oder künstliches Rosshaar usw., sei es in Form dünner Schichten oder Feinfolien, die lamellenartig auf einer geeigneten Unterlage befestigt oder in Rahmen gespannt sein können, sei es in Form von Fasern, welche bürstenmässig, z.
B. nach Art des Samtes, auf einer Unterlage befestigt sind, sei es in Form von schwammartigen, porösen Schichten.