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Rektoskop.
Die bisher zur Rektoskopie verwendeten Instrumente haben mehrfache Nachteile. Rohrrektoskope bieten im allgemeinen ein zu kleines und zu stark gefaltetes Gesichtsfeld ; das Arbeiten mit Instrumenten mit Luftaufblähung des Rektums ist kompliziert und die Lokalisation der Aufblähung selbst ist unsicher ; bei gefensterten Rohrrektoskopen ist nur eine tangentiale Blickrichtung möglich, überdies besteht bei diesen Instrumenten die Gefahr einer schmerzhaften Einklemmung der Darmschleimhaut bei Wegnahme des Gerätes ; bei Rohrrektoskopen aus Glas oder glasklarem Kunstharz erhält man kein naturgetreues Bild infolge des Anpressens der Schleimhaut durch den intraabdominalen Druck, überdies treten störende Reflexlichter auf.
Bei den Dilatatoren erfolgt eine gänzlich unelastische und daher gefährliche Erweiterung des Darmschlauches, überdies besteht die grosse Gefahr einer schmerz- haften Darmeinklemmung zwischen den vor dem Herausziehen des Instrumentes in die Einführungsstellung zurückzubringenden Springhebelarmen.
Mit Ausnahme der mit Aufblähung arbeitenden Rektoskope bieten alle andern Geräte keine Möglichkeit einer elastischen Anpassung an die Anatomie und Peristaltik des Darmstückes als eines lebenden Organs. Es besteht keine Möglichkeit, ein naturwahres Bild der Darmschleimhaut oder auch brauchbare photographische Aufnahmen zu erlangen.
Die mit Aufblähung arbeitenden Geräte verhindern durch den Fensterabschluss jeden sofortigen therapeutischen Eingriff an der gesehenen Stelle ; analog auch die Glasrektoskope.
Alle die genannten Nachteile werden durch das Gerät gemäss der Erfindung behoben.
Das in den Fig. 1-8 dargestellte Instrument weist ein Grundrohr a auf, in dessen Mantel vier Längsnuten n (Fig. 5) eingefräst sind. Das Rohr ist an seinen Enden auf ungleiche Längen zylindrisch glatt abgedreht und dient an einem Ende zur Aufnahme eines dicht sitzenden abziehbaren Gewindeformstückes e, das mit einem Rand auf dem Rohr a aufsitzt und durch das mit einem Aussengewinde versehene Rohrstück d im korrespondierenden Muttergewinde des Grundrohres a fixiert wird. Dieses Rohrstück d trägt einen Handgriff e, der sich in ein nicht dargestelltes Rohr zur Aufnahme zweier Stabbatterien für die Beleuchtungseinrichtung fortsetzt.
Das andere zylindrisch abgedrehte Ende des Grundrohres a trägt ein leicht abziehbares Aufsatzrohr b, das innen glatt zylindrisch, an seiner Aussenmantelfläche aber nur zum Teil glatt zylindrisch, zum grösseren Teil leicht konisch geformt ist und vier über die ganze Länge eingefräste Nuten n1 aufweist, welche die genauen Fortsetzungen der vier Nuten n des Grundrohres a bilden. In die Innenwand
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als ,,Beugersehne" und wölbt somit kl, Je2 nach innen, wodurch die in den Fig. 2,7 und 8 gezeichneten Stellungen des Instrumentes erreicht werden.
Hiebei findet zwar zwangsläufig, aber doch elastisch nach vier Seiten ein Druck nach aussen statt, der die Ausdehnung des Mastdarmes bewirkt und dessen Schleimhaut in vier meridionalen krummen Flächen entfaltet.
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erzielen will-je ein einzelner am Ende blinder Schlauch über jeden einzelnen ,,Finger", wie dies für den Finger k1, j1 in Fig. 2 strichliert angedeutet ist. Ihre Fortsetzung als Führungstasehen finden die Kautschukschläuche in dem fliegend aufgesteckten Mantelrohr m (Fig. 1, 2), das zwecks Bildung einer Sicherung gegen schmerzhafte Einklemmungen von einem dünnwandigen Kautschukschlaueh m1 überkleidet wird ; dieser bildet gewissermassen eine Brücke vom Mantelrohr m zu den Enden der Schläuche l.
Der Längszug der als Sehnen wirkenden Blattfedern il, j1, j2, j2 zur Beugung der Finger und damit zur elastischen Dehnung des Mastdarmes wird wie folgt bewerkstelligt : Die Federn j1, j2 sind an ihren äusseren Enden mit einem Fassungsring i z. B. durch Verlöten fest verbunden, der mit geringem Spiel auf dem Aussenmantel des Grundrohres a gleitet, wobei die Federn Ù, 12 in den Nuten n des Grundrohres a bzw. den Nuten n2 des Aufsatzrohres b geführt werden. Fig. 3 zeigt das Grundrohr a und das Aufsatzrohr b auseinandergezogen.
In zusammengestecktem Zustande sind die Rohre a, b vermöge des Eingreifens der Feder in die Nuten n und Mi bei Aufstecken des Fassungsringes i gegeneinander nicht mehr verdrehbar, und bei Eintreten des Längszuges wird das Rohr b auf das Grundrohr a aufgepresst.
Für die Bewegung des Fassungsringes i dient eine dreiteilige Überwurfmutter. Sie besteht aus dem Mantel f, der an dem einen Ende innen das Muttergewinde für das auf dem Grundrohr a fixierte Gewindeformstüek c und aussen vier Betätigungsflügel g trägt. Am andern Ende wird das Rohr t durch einen Gewindering h (Linksgewinde) abgeschlossen.
Das Rektoskop wird in folgender Weise angewendet : Das sterilisierte Gerät wird im Anfangs- zustande (Fig. 1) in den After des Patienten eingeführt und mit der linken Hand an dem Handgriff e gehalten. Der Untersucher dreht dann, da das Gewinde auf dem Formstück c normal (rechtsgängig) ist, mit der rechten Hand entgegen der Uhrzeigerbewegung die Flügel g, so dass die Überwurfmutter f, g, h auf dem durch d fixierten Gewinde des Gewindeformstückes c nach aussen wandert und durch Vermittlung des Gewinderinges h und des Fassungsringes i einen Längszug auf die Federn j1, j2 ausübt.
Die Federn 11, Ù beugen sohin zwar zwangsläufig, aber immer elastisch die breiteren Federn k1, k2 entsprechend dem Vorrücken des Fassungsringes i allmählich in die Endstellung gemäss Fig. 2, aus der die Rückkehr zur Anfangsstellung (Fig. 1) durch die entgegengesetzte Betätigung der Überwurfmutter t erfolgt.
Die Untersuchung mit dem in eine beliebige Endstellung gebrachten Geräte (Fig. 2) geschieht in der Weise, dass durch das Rohrlumen, dessen engste Stelle sich im Rohrstücke d (Fig. 1, 2) befindet, bei bescheideneren Anforderungen des Untersuchers ein kleiner Kehlkopfspiegel eingeführt wird.
Für höhere Anforderungen bedarf man des optischen Ergänzungsinstrumentes gemäss Fig. 7 (Trieder) ; es handelt sich um eine Kombination von Weitwinkelobjektiv und Spiegelprisma mit Linsensystemen, wie sie bei den bekannten Zystoskopen besteht.
Zur schmerzlosen Entfernung des Gerätes aus dem Rektum gehört eine besonders geformte Kautschukblase kb (Fig. 8), die an dem zur Aufblasung bestimmten Ende als Blindsack geschlossen ist-dieses wird mit Hilfe einer langen anatomischen Pinzette in den von den vier Fingern gebildeten Hohlraum eingebracht-, wogegen das andere Ende, das der Spannung entsprechend eine grössere Wandstärke erhalten muss, durch einen Verbindungsschlauch vs mit einem Hahn an einen Handballon angeschlossen wird. In Fig. 8 ist nur die Kautschukblase kb und der Ursprung des Verbindungsschlauches vs gezeichnet, der genannte Hahn und der Handballon als selbstverständlich weggelassen.
Der Hahn ist als Dreiweghahn bzw. bei einem Handballon mit Saug-und Druckventil in bekannter Ausführung auch als einfache Entlüftungsschraube zu denken. Diese Vorrichtung wird in folgender Weise bedient : Nach dem vorhin erwähnten Einführen der Kautschukblase kb bzw. ihres dünnwandigen
Blindsackes pumpt man mit Hilfe des Handballons die Blase kb so stark auf, dass ihre Wand sich zwischen den vier Fingern langsam vorwulstet, die zwischen den Fingern zufolge des intraabdominalen Druckes gegen die Achse des Rektoskops vorgedrängte Darmwand somit zurückdrängt und diese aus den von den Fingern insbesondere in der Nähe des Aufsatzrohres b (Ursprungsstellen der Finger) gebildeten spitzen Winkeln befreit. Die Schnitte A-B und C-D der Fig. 8 zeigen die durch dieses Aufblasen zustande kommenden Wulstbildungen 10 der Blase kb.
Man dreht nun in der vorhin beschriebenen
Weise an den vier Drehflügeln g im Sinne der Uhrzeigerbewegung, wodurch die Beugung der Finger
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und somit die Dehnung des Mastdarmes geringer wird, aber gleichzeitig die Darmwand zufolge des (wegen des unveränderten Druckluftvolumens) stärkeren Vorwulstens der Blasenwände zwischen den zentripetal einander sich nähernden Fingern von der weiteren Berührung mit diesen frei und freier : Die Dehnung des Mastdarmes wird in dieser Stellung nun nicht mehr von den Fingern, sondern von der Kautschukblase kb, u. zw. eben nur für eine kleine Weile, übernommen.
Denn nunmehr lässt man durch Betätigung des erwähnten Hahnes bzw. einer Entlüftungssehraube etwas Luft langsam ausströmen und sperrt dann wieder ab, wobei zwecks Vermeidung von Legfaltenbildung in den Wülsten der Blase besonders auf das langsame Entlüften geachtet werden muss, damit sich die Blase eben in ihrer eigenen Wand kontrahiert, zu welchem Zwecke sie aussen gut eingefettet werden soll (Fortfall einer Reibung zwischen Blasenaussenwand und Darmschleimhaut). Dieses abwechselnde Betätigen der vier Drehflügel im Uhrzeigersinn-denn jetzt kommen wieder diese an die Reihe-und der Entlüftung wird einige Male wiederholt, bis das Rektoskop in seine Anfangsstellung (Fig. 1) gelangt ist bzw. die Kautschukblase kb noch einen Rest von Druckluft enthält, der ausreicht, die für die Einklemmung der Darmschleimhaut sonst gefährlichen Winkel genügend zu überwulsten.
Man darf daher die Blase kb in keinem Falle vollständig ausser Druck stellen ; sie soll sich vielmehr auch zwischen den schon ganz zusammengelegten Fingern des Rektoskops noch etwas vorwulsten, damit bei der endlichen Herausnahme des Gerätes die Wülstehen als Luftpolsterung wirken, welche eine schmerzhafte Reibung an der Afterschleimhaut verhindert.
Wenn auch der weiter vorne erwähnte dünnwandige Kautschukschlauch ml, der auf dem Mantelrohr m sitzt (Fig. 1, 7,8), eine Brücke zwischen dem Mantelrohr m und den Enden der Schläuche 1 bildet und in der Anfangsstellung des Gerätes wie bei dessen Wegnahme aus dem Mastdarm (Fig. 1) eine kleine Zahl querer Ringfältchen aufweist, die sich bei der Dehnungsstellung zufolge einer möglichen Verschiebung des Gerätes im fliegend aufgesteckten Mantelrohr m strecken können, so wird die Reibung dieser Brückenstelle bzw. dieser Ringfältehen durch entsprechend reichliche Einfettung gut verhindert.
Alternativ lässt sich das Mantelrohr m zwecks genauerer Überbrückung dieser Stelle in vier federnde Lappenstücke von gewisser, nicht zu grosser Länge fortsetzen, welche auf die Federn Ù, Ù i2, i2 eine Strecke weit übergreifen und auf diesen zwar längsverschieblich gleiten, jedoch seitlich (z. B. durch Klammern) nicht verdrehbar gehalten werden.
Das Instrument lässt sich ohne jedes Werkzeug mit blosser Hand unschwer in seine Teile zerlegen und wieder zusammensetzen, was für die Reinhaltung und Sterilisation wichtig ist. Es bietet aber ausserdem noch die nachstehenden Vorteile :
In jeder Stellung ein sehr grosses Gesichtsfeld, das sich aus mehreren (z.
B. vier) bei der Drehung entfaltenden meridionalen Darmwandfeldern zusammensetzt ; eine elastische Dehnung genau an der gewünschten Stelle, u. zw. unabhängig von der Peristaltik des Darmes bzw. nachgiebig für diese auch bei einsetzendem Krampf (Spasmus) ; bei Verwendung eines Spiegels bzw. eines Spiegelprismainstrumentes direkte, d. h. senkrechte Draufsicht auf die bis zum maximalen Naturmass entfaltbare Darmschleimhaut ; ein naturwahres Bild der nackten Schleimhaut ohne störende Reflexe ; eine elastische Dehnung durch besondere federnde Organe, deren Mechanik der in den tierischen und menschlichen Greiforganen (Finger, Zehe) konstruktiv ähnlich ausgebildet ist (Beuger-und Streekersehnen) ;
Ausdehnung genau auf ein gewünschtes Mass, jedoch ohne Starrheit, da jeder dieser künstlichen Finger in seiner Biegungsebene, u. zw. bei jeder Beugungsstellung, eine ziemlich weitgehende Elastizität aufweist (gegen ein schmerzhaftes Einklemmen der Darmschleimhaut zwischen diesen Fingern bei Wegnahme des Instrumentes ist eine besondere Vorkehrung getroffen) ; eine weitgehende Anpassung des Instrumentes an die anatomischen und peristaltischen Verhältnisse und dadurch sichere Veranschaulichung des naturwahren Bildes der Darmschleimhaut ; die sofortige volle Zugänglichkeit der gesehenen Stellen für therapeutische Eingriffe und die Möglichkeit der photographischen Wiedergabe der lebenden Mastdarmschleimhaut in senkrechter Draufsicht.
Selbstverständlicherweise können nach dem gleichen Prinzip auch Beobachtungsinstrumente für andere Körperhöhle, z. B. Kehlkopf, Vagina, gebaut werden.
PATENT-ANSPRÜCHE :
1. Rektoskop mit einem Betrachtungsrohr, das zusammen mit zu ihm konzentrisch angeordneten Ausdehnungselementen eingeführt wird, dadurch gekennzeichnet, dass die Ausdehnungselemente aus mindestens je einer besonders ausgebildeten Blattfeder (oder einem funktionell ähnlichen Element) als Skelett (k"k,) und einem zweiten als Beuger-und zugleich als Streckersehne arbeitenden Elemente (schmale Blattfeder 11, 12, Gliederkette od. dgl. ) bestehen, welche nach Art der Gelenksmechanik des Fingerskelettes und der Sehnen eines menschlichen Fingers derart zusammenwirken, dass es zu einer Beugung der Ausdehnungselemente im Sinne einer Fingerkrümmung (mathematisch :
einer elastischen Knicklinie) kommt, wobei in jeder Stellung eine den Umständen entsprechende Elastizität sowohl der gestreckten sowie der gebeugten Ausdehnungselemente besteht.