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Vakuum-Hochfrequenzelektrode mit radioaktiver Beschickung.
Es ist bekannt, dass man bei der medizinischen Hochfrequenzbehandlung eine überraschende Potenzierung der Wirksamkeit erhalten kann, wenn man den Körper des Patienten gleichzeitig der Einwirkung radioaktiver Bestrahlung unterwirft. Man hat zu diesem Zwecke bereits Vakuum-Hochfrequenzelektroden geschaffen, die in ihrem Inneren ein gesondert verschlossenes Röhrchen enthielten, welches mit radioaktiver Substanz gefüllt war. Hiebei kommt wegen der Absorption der gläsernen Zwischenwände natürlich nur die Gammastrahlung zur Wirkung auf den Patienten.
Es hat sich gezeigt, dass man gegenüber diesen bisher bekannten Elektroden eine weitere erhebliche Wirkungssteigerung erzielen bzw. zur Erzeugung der gleichen Wirkung mit schwächeren Präparaten auskommen kann, wenn man gemäss der vorliegenden Erfindung das radioaktive Präparat derart an der Vakuumelektrode anbringt, dass die Hochfrequenzentladung bei der Behandlung unmittelbar durch das Präparat hindurch von der Elektrode zum Körper des Patienten fliesst. Da sich das Präparat hiebei ohne Einschaltung absorbierender Zwischenwände in unmittelbarem Kontakt mit dem Körper des Patienten befindet, kommen auch die Alpha-und Betastrahlen voll zur Wirkung. Vor allem aber zeigt sieh ein ganz neuartiger und überraschender Effekt.
Die meisten radioaktiven Präparate okkludieren nämlich die dauernd in ihrem Inneren entstehende gasförmige "Emanation" zu nahezu 98%. Fliesst jedoch eine Hochfrequenzentladung durch das Präparat, so wird nicht nur die während der Behandlung entstehende, sondern auch die in der vorangehenden Zeit im Inneren des Präparates angesammelte Emanation plötzlich freigemacht. Dabei kommt die Emanation in erheblichen Konzentrationen mit der Haut in Berührung und wird von dieser - besonders unter der Reizwirkung der Hochfrequenzentladung - in starkem Masse aufgenommen.
Bei der Behandlung mit einer erfindungsgemässen Elektrode kommen also neben Hochfrequenz-und Gammastrahlung noch Alpha-und Betastrahlen sowie als dritter Heilfaktor die von der Haut aufgenommene und unmittelbar in die Blutbahnen gelangende Emanation hinzu.
Die erfindungsgemässe Anordnung des radioaktiven Belages an der Vakuum-Hochfrequenzelektrode kann zunächst in Form eines, die mit dem Patienten in Berührung kommenden Wandungsteile umfassenden Überzuges erfolgen. Dabei kann dieser Überzug die Gestalt eines aufbindbaren Kissens oder-unter Benutzung eines geeigneten Bindemittels, wie z. B. Gummi, Schwammgummi od. dgl. - einer fest aufgebrachten Deckschicht besitzen. Als besonders zweckmässig hat es sich jedoch ergeben, auf den dem Körper des Patienten zugewandten Teilen der Vakuumelektrode eine oder mehrere kleine Vertiefungen vorzusehen, innerhalb deren die radioaktive Schicht untergebracht ist.
Diese Vertiefungen können dabei die Gestalt von parallelen oder sich kreuzenden Rillen, besser jedoch diejenige einer Anzahl kleiner grübchenförmiger Vertiefungen von etwa 5 bis 10 mm Durchmesser erhalten. Mit der Unterbringung des radioaktiven Materiales in solchen Vertiefungen gewinnt man den Vorteil, dass man die Schicht vor mechanischen Beschädigungen mit Sicherheit schützt. Benutzt man dabei grübchenförmige Vertiefungen an Stelle von Rillen, so können solche mechanische Beschädigungen auch bei einem zwecks Säuberung erfolgenden Abwischen der Elek-
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lichen Hilfsmitteln an beliebig geformten Elektroden anbringen.
Um das Haften des radioaktiven Belages an den zu überziehenden Wandungsteilen zu erleichtern, hat es sich als zweckmässig erwiesen, die Glasoberfläche durch Mattierung od. dgl. aufzurauhen. Dies
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kann mit Hilfe eines Sandstrahlgebläses erfolgen, wobei es unter Verwendung von Schablonen ohne weiteres möglich ist, die Aufrauhung ausschliesslich auf die gewollten Stellen zu beschränken.
Ihre vorteilhafteste Form gewinnt die erfindungsgemässe Elektrode, wenn man ihr die Gestalt der an sich bekannten Walzenelektroden gibt, da an diesen eine besonders grosse Oberfläche zur Aufnahme des radioaktiven Materials zur Verfügung steht, deren einzelne Teile nacheinander mit dem Patienten in Berührung kommen und dabei aber nur die in ihnen aufgespeicherte Emanation abgeben. Ist der radioaktive Belag in kleinen Vertiefungen der Elektrodenoberfläche angeordnet, so erhält die Elektrode gleichzeitig den Charakter eines mit Saugnäpfen versehenen Massagegerätes, und die mit ihrer Benutzung verbundene Saugnapfmassage ruft eine weitere Potenzierung der Hochfrequenz-und Radiumwirkung durch die mechanisch erzeugte Hyperämie hervor.
Fig. 1 stellt eine erfindungsgemässe Hochfrequenzele1rtrode dar, welche die beschriebene Form eines sogenannten"Rollers"besitzt. Die Oberfläche des in der Gabel 1 befestigten Vakuumkörpers 2 ist mit dem durch starkes Ausziehen angedeuteten, durch ein geeignetes Bindemittel, wie z. B. Gummi, festgehaltenen radioaktiven Belag 3 überzogen. Schliesst man die Elektrode in üblicher Weise an einen Hochfrequenzapparat an und legt sie auf die Haut des Patienten auf, so befreit die nach dem Körper hinausströmende Hochfrequenz gerade an den mit dem Körper des Patienten in Berührung stehenden Stellen des Überzuges 3 aus dem Radiumpräparat die aufgespeicherte Emanation und setzt gleichzeitig die Aufnahmefähigkeit der Haut stark herauf, so dass diese Emanation zu der denkbar intensivsten Wirkung kommt.
Es tritt also eine ganz neuartige, in Wesen und Wirkung von allen bisher üblichen Behandlungsformen unterschiedliche Lokalemanationstherapie in Wirkung.
Fig. 2 zeigt eine der bekannten sogenannten Hautfläehenelektroden"mit dem Vakuumkörper 4, bei welcher auf der für die Berührung mit dem Körper des Patienten bestimmten Fläche 5 die symmetrisch angeordneten grubenförmigen Vertiefungen 6 angebracht sind, in deren Mitte jeweils der als schwarzer Punkt angedeutete radioaktive Belag sitzt. Durch diese Anbringungsart ist der radioaktive Belag in bestmöglichster Weise vor mechanischen Beschädigungen geschützt und kann auch bei der Reinigung der Elektrode nicht versehentlich abgekratzt werden.
Fig. 3 zeigt schliesslich wiederum eine Rollerelektrode, bei welcher der radioaktive Belag jedoch im Gegensatz zu Fig. 1 gemäss Fig. 2 in grübehenförmigen Vertiefungen 6 des Vakuumkörpers 2 untergebracht ist. Bei Benutzung dieser Elektrode tritt zu den beschriebenen Wirkungen noch die mechanische Hyperämieerzeugung durch Saugnapfmassage hinzu.
PATENT-ANSPRÜCHE :
1. Vakuum-Hochfrequenzelektrode mit radioaktiver Beschickung, dadurch gekennzeichnet, dass das radioaktive Material auf den mit dem Patienten in Berührung kommenden Teilen der Elektrode als aussenliegender Oberflächenbelag angeordnet ist, so dass die Entladung unmittelbar durch das Präparat hindurch zum Patienten strömt.