<Desc/Clms Page number 1>
Verfahren zum Härten und Trocknen von Kolloiden, insbesondere von photographischen
Schichten.
Kolloide, u. zw. insbesondere photographisehe Schichten auf Glas oder Filmen wurden bisher in der Weise getrocknet, dass man schwach erwärmte Luft über sie leitete. Dabei durfte die Temperatur der Luft wegen der Gefahr des Absehmelzens der Schicht die Schmelztemperatur des feuchten Kolloids nicht übersehreiten. Abgesehen von der langen Trockendauer, welche dieses Verfahren mit sieh bringt : werden auch die Schichten durch den nie ganz zu vermeidenden Staub leicht verunreinigt.
Das Wesen der vorliegenden Erfindung besteht darin, die kolloidalen Schichten, sei es in trockenem oder nassen Zustand, Temperaturen, die weit über dem Schmelzpunkt der feuchten, kolloidalen Schicht liegen, auszusetzen. Soweit es sich um das Trocknen handelt, muss dabei das in der Schicht enthaltene Quellungsmittel einer so lebhaften Verdampfung ausgesetzt werden, dass eine Temperatursteigerung der noch feuchten Schicht über ihre Schmelztemperatur hinaus, nicht stattfinden kann. In trockenem Zustande ist dann eine Erhitzung der Schicht selbst auf Temperaturen, die ein Vielfaches der Schmelztell'peratur des feuchten Kolloids betragen, ohne schädigende Einfluss.
Es wird hiebei die Tatsache benützt, dass die Temperatur von verdampfenden Flüssigkeiten durch Veränderung des Druckes variiert werden kann, und dass die dem einmal gewähltem Drucke entsprechende
Siedetemperatur sieh nicht mehr ändert, gleichgültig, wie gross auch die Wärmezufuhr sei. Man kann daher durch hinreichendes Evakuieren des Trockenraumes die Temperatur der feuchten Kolloidschicht, z. B. einer Gelatineschicht, so niedrig halten ; dass ein Abschmelzen trotz des Trockenraumes auf 100 C und darüber nicht stattfindet.
Es ist bereits vorgeschlagen worden, photographische Filme oder Platten in einem Raume zu trocknen, in welchem der atmosphärische Luftdruck herabgesetzt wird, jedoch werden hiebei nicht Temperaturen benutzt, die über dem Schmelzpunkte des Kolloids liegen. Es ist aber gerade diese Massregel von entscheidender Wichtigkeit, weil hiedurch eine ausserordentliche Beschleunigung der Trocknung erzielt wird. Auch ist es bekannt, behufs Troeknung photographiseher Platten über den Sehmelzpullkt der Gelatine erwärmte eventuell verdünnte Trorkenluft über die Platten zu leiten. Von diesem Verfahren unterscheidet sieh das vorliegende grundsätzlich dadurch, dass bei letzterem bewegte Trockenluft nicht in Anwendung kommt.
Die Vorteile, welche dieses Verfahren bei Anwendung auf Platten und Filme bietet, sind die Erzielung einer raschen Trocknung unter Vermeidung jeglicher Staubanlagerung, weiter eine Verbesserung der Oberfläche der Gelatineschicht, insofern als diese eine höhere Glätte und infolgedessen einen erhöhten Glanz aufweist. Ausserdem tritt eine gewisse Härtung ein und es erscheint auch das photographisehe Bild klarer und prägnanter, was wahrscheinlich auf ein Heruntergehen der Dicke der Gelantineschieht auf ein geringeres Mass zurückzuführen ist. Wie praktische Versuche gezeigt haben, lassen sich durch Erhöhung
EMI1.1
infolge des als Sehichtträgermaterial verwendeten Zelluloids besondere Massnahmen, auf die später noch eingegangen werden soll.
Wie dies Hochmeister und Mulder schon festgestellt haben (Zeitschrift für physiologische Chemie,
Band 2, Seite 314), kann der Grad der schon erwähnten Härtung noch weiter gesteigert werden, wenn man an der getrockneten Schicht eine länger dauernde Naeherhitzung vornimmt. Die Temperaturen und Erhitzungszeiten, welche dabei einzuhalten sind, hängen zum Teil von dem verwendeten Materiale selbst ab, zum Teil sind sie eine Funktion der stattgefundenen Vorbehandlung. Ist die Härtung vollkommen erreicht, so zeigt sieh z. B. Gelatine gegen mechanische Eingriffe bedeutend widerstandsfähiger, quillt zwar noch, doch löst sie sieh selbst im kochenden Wasser nicht mehr auf.
Während die Anwendung des Verfahrens auf pohtographische Platten keine Schwierigkeiten bietet, müssen bei Filmen einige Besonderheiten berücksichtigt werden. Der rasch getrocknete Film rollt sich nämlich stark ein. Auf einfache Weise kann man diese Deformation von vornherein vermeiden, indem man den Film vor dem Trocknen in an sich bekannter Weise in einer wässerigen Lösung von Glycerin oder in einer andern geschmeidig machenden Substanz badet.
Bei der-Konstruktion von Einrichtungen zur Durchführung des Verfahrens sind folgende Regeln nicht ausser Acht zu lassen.
Der Wärmetransport von den beheizten Wänden nach den zu trocknenden Materialien erfolgt in der sehr verdünnten Atmosphäre fast ausschliesslich durch Wärmestrahlung und Wärmeleitung. Um
<Desc/Clms Page number 2>
also eine hohe Wärmeleistung zu erzielen, ist dafür Sorge zu tragen, dass die strahlenden Flächen möglichst gross sind, und dass diese Flächen möglichst intensiv strahlen. Ferner wird man die Flächen so anordnen, dass sie sich der Oberfläche des verwendeten Trockengutes entsprechend anpassen.
Soll z. B. der Apparat zur Trocknung von Platten dienen, so versieht man, im Gegensatze zu dem schon gemachten Vorschlag, den Trockenständer auf eine als Heizkörper ausgebildete Unterlage zu stellen, am besten den Trockenständer mit Lamellen (Rippen), u. zw. derartig, dass je zwei Platten durch eine Lamelle von der Grösse der verwendeten Platten getrennt sind. Die Lamellen, welche man zweck- mässigerweise aus einem die Wärme gut leitenden Material herstellt, sind auch aus einem andern Grunde notwendig. Da nämlich die Temperatur der Platten, infolge der intensiven Verdampfung, dem herrsehenden Vakuum entsprechend niedrig gehalten wird, so bilden die Glasseite geeignete Kondensationsflächen für das schon verdampfte Wasser.
Die dadurch bedingte Ungleiehmässigkeit in der spezifischen Trockendauer begünstigt das Entstehen von Trockenfleeken. Bei Verwendung des beschriebenen Troekenständers wird das Auftreten solcher Flecke vollständig vermieden.
EMI2.1
und so getrocknet. Auch in mehreren Lagen aufgerollt lassen sie sich einwandfrei trocknen.
Die Strahlungsintensität der Wärme abgebenden Wände ist ausschliesslich abhängig von der Beschaffenheit ihrer Oberfläche. Durch matte Schwärzung aller den Trockenraum begrenzenden Innenflächen erreicht man das Maximum ihres Emissionsvermögens. Eine Erhöhung des auf die Wärmeleitung
EMI2.2
In jedem Falle ist darauf zu achten, dass die Gelatineschieht mit heissen Metallteilen nicht in direkte Berührung kommt.
Die Trockenvorrichtung selber besteht aus einem dicht verschliessbaren Gefäss, welches von aussen oder von innen oder auch von beiden Seiten beheizt werden kann. Das Gefäss ist mit einem Ansatzrohr versehen, an welches die Vakuumleitung angeschlossen wird ; ausserdem gestattet ein beigegebenes Mano-
EMI2.3
Pumpe und Trockengefäss einen Kondensator zur Verflüssigung der aus den Platten oder Filmen austretenden Dämpfe des Quellungsmittels einzuschalten. Beim Trocknen photographischer Schichten genügt es, einen mit Leitungswasser betriebenen Kühler üblicher Art anzuwenden. Die Pumpe braucht dann nur mehr die den Trockenapparat erfüllende Luftmenge einmal zu fördern und eventuell vorhandene Undichtigkeiten auszugleichen. Es sind daher für kleinere Einrichtungen schon Wasserstrahlpumpen ausreichend.
Ist das zum Betriebe erforderliche Vacuum einmal erreicht, so kann man, gut abgedichtete Apparaturen vorausgesetzt, auch der Pumpe entbehren, da ja durch die stete Kondensation der sieh entwickelnden Dämpfe der Unterdruck erhalten bleibt. Es empfiehlt sich aber ein genügend grosses Ausgleichsgefäss hinter dem Kondensator vorzusehen, welches eventuellen Drucksteigerungen, z. B. durch plötzliches Anwachsen der Verdampfungsgesehwindigkeit im Trockenraume, entgegenwirken kann.
Sollen bereits auf irgendeine Weise getrocknete Schichten nachträglich gehärtet werden, so kann man dies dadurch erreichen, dass man die in der beschriebenen Weise getrockneten Platten anschliessend dem Trocknungsvorgange im Trockenapparate belässt und diese so dem Einflusse der hohen Temperatur für längere Zeit noch aussetzt.
PATENT-ANSPRÜCHE :
1. Verfahren zum Härten von Kolloiden, insbesondere von photographischen Schichten, dadurch gekennzeichnet, dass sie bei einer höheren Temperatur als ihrer Schmelztemperatur entspricht getrocknet werden unter gleichzeitiger Bewirkung einer so hohen Verdampfung des Quellungsmittels durch Evakuieren des Dampfraumes, dass ein Abschmelzen nicht eintreten kann.