Infusionssystem, Rotormodul zur Verwendung in einem solchen Infusionssystem und Verfahren zur Ermittlung einer Durchflussrate einer Infusionsflüssigkeit in einem solchen Infusionssystem
Die Erfindung betrifft ein Infusionssystem, ein Rotormodul zur Verwendung in einem solchen Infusionssystem, ein Verfahren zur Ermittlung einer Durchflussrate einer Infusionsflüssigkeit in einem solchen Infusionssystem sowie ein entsprechend computerimplementiertes Verfahren und dazugehöriges Computerprogrammprodukt.
Zur präzisen Steuerung einer Durchflussrate einer Infusionsflüssigkeit werden vielfach elektrische Pumpensysteme mit einer Eingabeschnittstelle eingesetzt. Gerade für mobile Einsatzzwecke sind elektrische Pumpensysteme jedoch nicht einsetzbar und werden auch aufgrund der vergleichsweise hohen Anschaffungskosten zumeist nur für komplexe Infusionsregime herangezogen.
Bei Infusionen, die nicht über elektrische Pumpensysteme gesteuert werden, bei denen eine Durchflussrate direkt an einem Display eingestellt werden kann, bleibt es dem Anwender überlassen, die Durchflussrate, beispielsweise anhand der Tropfenrate in einer Tropfkammer, indirekt abzuschätzen. Hierbei kann es aufgrund subjektiver Wahrnehmungseffekte zu Fehleinschätzungen kommen. Dies begründet sich im Falle der Betrachtung der Tropfenrate in einer Tropfkammer zur vermeintlichen Durchflussratenbestimmung u.a. auch darin, dass die Größe der Tropfen von der Tropfrate, der Temperatur der Infusionslösung, der Gestaltung der Abtropfkante in der Tropfkammer, der Oberflächenspannung der Infusionslösung, der Dichte der Infusionslösung und vom Umgebungsdruck abhängt. Zudem kann insbesondere bei Druckinfusionen keine Tropfenrate mehr in der Tropf kämm er angezeigt werden, da die Durchflussrate so hoch ist, dass sich gar keine Tropfen mehr ausbilden oder zumindest nicht mehr als solche erkennbar sind und nur noch ein
kontinuierlicher Flüssigkeitsstrom beobachtet werden kann, der keine Durchflussratenabschätzung zulässt.
Eine weitere bekannte Alternative zu elektrischen Pumpensystemen stellen u.a. Elastomerpumpen dar, bei denen der Pumpendruck über die Dehnung eines Elastomerkörpers aufgebaut wird, wobei die Infusionsgeschwindigkeit über einen Flussbegrenzer, wie eine feine Kapillare, vorgegeben wird. Solche Elastomerpumpen sind in der Regel so ausgelegt, dass eine durch das Design und die Auslegung des Systems theoretisch fest vorbestimmte Infusionsdurchflussrate appliziert wird. Dennoch weisen gebräuchliche Elastomerpumpen in der Praxis Durchflussratenschwankungen mit einem relativ hohen Toleranzfenster auf, da sich durch die Spannungsänderungen am elastischen Flüssigkeitsreservoir die Durchflussrate ändern kann. Weitere Einflussfaktoren auf die Durchflussrate bei Elastomerpumpen sind beispielsweise die Temperatur, die Füllmenge, die Viskosität der Infusionsflüssigkeit und der Umgebungsdruck. Der Anwender hat keine Möglichkeit, eine dadurch bedingte Abweichung von der theoretisch fest vorbestimmten Durchflussrate zu detektieren oder zu beeinflussen. Mangels entsprechender Regulierungsmöglichkeiten kann eine tolerierbare Durchflussrate nur unter strikt vorgegebenen Rahmenbedingungen gewährleistet werden.
In Anbetracht der mit dem Stand der Technik verbundenen Nachteile ist es Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein Infusionssystem und Verfahren zur Anwendung einer Infusionsflüssigkeit in einem solchen Infusionssystem bereitzustellen, das eine einfache Ermittlung einer Durchflussrate ermöglicht.
Die erfindungsgemäße Aufgabe wird durch ein Infusionssystem nach Anspruch 1 , ein Rotormodul zur Verwendung in einem solchen Infusionssystem nach Anspruch 9 und ein Verfahren zur Ermittlung einer Durchflussrate einer Infusionsflüssigkeit in einem solchen Infusionssystem nach Anspruch 10 gelöst. Weitere vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung ergeben sich aus den Unteransprüchen. Die Erfindung stellt ferner ein computerimplementiertes Verfahren zur Ermittlung einer Durchflussrate einer Infusionsflüssigkeit in einem Infusionssystem nach Anspruch 15
sowie ein Computerprogramm produkt zur Ausführung des computerimplementierte Verfahrens nach Anspruch 16 zur Verfügung
Erfindungsgemäß umfasst das Infusionssystem eine Kammer zur Aufnahme einer Infusionsflüssigkeit sowie eine Infusionsleitung zur Weiterleitung der Infusionsflüssigkeit aus der Kammer, wobei die Infusionsleitung zumindest ein Rotormodul umfasst oder zumindest an ihrem stromabwärtigen Ende an ein Rotormodul angebunden ist, dessen Rotor durch die Infusionsflüssigkeit antreibbar ist.
Durch die Anordnung des Rotors im Strömungsweg der Infusionsflüssigkeit korrespondiert die Drehzahl des Rotors mit der Durchflussrate der Infusionsflüssigkeit. Der Rotor ist gerade für kleinere Durchflussraten feinläufig ausgebildet, um mit einer zur Durchflussrate korrespondierenden Drehzahl angetrieben werden zu können. Aus der Drehzahl des Rotors kann in Verbindung mit dem Zuflussquerschnitt objektiv die Durchflussrate der Infusionsflüssigkeit ermittelt werden.
Sofern das Rotormodul nicht von der Infusionsleitung umfasst, sondern an einem stromabwärtigen Ende der Infusionsleitung angebunden ist, kann eine solche Anbindung mittel- oder unmittelbar erfolgen. Eine mittelbare oder auch indirekte Anbindung kann insbesondere dann von Vorteil sein, wenn über die Anbindungsstrecke, beispielsweise durch Zwischenschaltung weiterer Elemente, eine Änderung der Durchflussrate der Infusionsflüssigkeit möglich ist, so dass die tatsächliche Durchflussrate an einem für die Dosierung der Infusion relevanten Ort ermittelbar ist. An der stromaufwärtsseitigen und/oder der stromabwärtsseitigen Seite des Rotormoduls, egal ob das Rotormodul in eine Infusionsleitung integriert ist oder ob das Rotormodul am Ende einer (ggf. "ersten") Infusionsleitung angebunden ist, können weitere Elemente des Infusionssystems angefügt oder integriert sein, ggf. eine weitere (ggf. dann "zweite") Infusionsleitung und/oder weitere Einrichtungen, die teilweise nachfolgend besonders beschrieben werden.
Insbesondere ist der Rotor zumindest bereichsweise durch einen transparenten Gehäuseabschnitt des Rotormoduls von außen sichtbar.
Hierdurch lässt sich die Drehbewegung des Rotors durch eine später noch beschriebene optische Detektionseinheit erfassen und auswerten. Alternativ oder ergänzend kann eine folgend beschriebene Markierung des Rotors, die im transparenten Gehäuseabschnitt beobachtbar ist, zur Durchflussratenermittlung herangezogen werden. Weiterhin alternativ oder ergänzend kann die Drehzahl des Rotors und damit die dazu korrespondierende Durchflussrate durch eine von dem transparenten Gehäuseabschnitt unabhängige Anzeige, wie eine Skala, die beispielsweise über eine Übersetzung an den Rotor angebunden ist, angezeigt werden. Das Rotormodul kann alternativ oder ergänzend auch ein zur Rotordrehzahl korrespondierendes Signal erzeugen, das ein die vom transparenten Gehäuseabschnitt unabhängige Anzeige oder ein externes System weitergeleitet werden kann. Über die Weiterleitung an ein externes System können Durchflussraten protokolliert und/oder bei Überschreitung vorgegebener Grenzwerte Warnmeldungen ausgegeben werden. Letzteres ist insbesondere dann von Vorteil, wenn nicht gewährleistet werden kann, dass der Infusionsempfänger selbst angemessen reagieren kann, so dass entsprechendes Betreuungspersonal informiert wird.
In einer Weiterbildung weist der Rotor zumindest eine Markierung auf, die durch den transparenten Gehäuseabschnitt zumindest während ihres Durchlaufens des transparenten Gehäuseabschnitts beobachtbar ist.
Eine solche Markierung ist optisch gut wahrnehmbar und/oder detektierbar und/oder kann in Abhängigkeit der Drehzahl und Ausgestaltung ein Muster erzeugen, das einer vorgegebenen Drehzahl oder einem vorgegebenen Drehzahlbereich entspricht. Bezüglich Letzterem kann direkt bei einem Ausbleiben der Ausbildung des Musters auf eine unzureichende oder zu hohe Durchflussrate geschlossen werden.
In einer Ausgestaltung ist die Kammer eine Tropfkammer eines Gravitationssystems oder eine Tropfkammer eines Druckinfusionssystems.
Somit ist es auch bei Gravitions- oder auch bei Druckinfusionspumpen möglich, die Durchflussrate der Infusionsflüssigkeit über das Rotormodul objektiv zu ermitteln. Insbesondere kann aber auch die subjektive Wahrnehmung in Bezug auf die durch die
Tropfkammer beobachtete Tropfrate und daraus abgeleitete Durchflussmenge zur Kontroll- oder Schulungszwecken mit der objektiv ermittelten Durchflussrate abgeglichen werden.
In einer alternativen Ausgestaltung ist die Kammer ein Infusionsreservoir einer Elastomerpumpe.
Hierdurch ist es möglich, das Anwendungsgebiet der Elastomerpumpen auch auf Umgebungen zu erweitern, in denen eine außerhalb vorgegebener Toleranzen liegende Änderung der Durchflussrate möglich ist, da hierauf aufgrund des Bekanntwerdens einer unzulässigen Abweichung reagiert werden kann.
In einer Weiterbildung der vorliegenden Erfindung weist die Infusionsleitung einen Durchflussratenminderer, insbesondere eine Rollenklemme zwischen dem Infusionsreservoir und dem Rotormodul auf.
Demnach kann ein Anwender nicht nur durch gezielte Einflussnahme auf die Umgebung oder anderweitigen Randbedingungen bei unzulässigen Abweichungen der Tropfrate reagieren, sondern direkt die Durchflussrate anpassen. Ein entsprechender Durchflussratenminderer kann dazu so eingestellt sein, dass er in einem Normalbetrieb bereits die Durchflussrate gegenüber einer maximalen Durchflussrate auf den vorbestimmten Wert mindert, so dass bei einer unzulässigen Abweichung nicht nur eine Verringerung, sondern auch eine Vergrößerung der Durchflussrate in Abhängigkeit der erforderlichen Korrekturrichtung über den Durchflussratenminderer vorgenommen werden kann. Die ist in einfacherWeise über eine Rollenklemme umsetzbar, mit der entsprechende Anwender zudem gut vertraut sind. Dies ist gerade bei Elastomerpumpen von Vorteil, die andernfalls über keine Möglichkeit der Durchflussratenanpassung verfügen.
Insbesondere umfasst die Infusionsleitung und/oder das Rotormodul einen Filter und ist der Rotor dem Filter in stromabwärtiger Richtung nachgelagert.
Durch den Filter können Partikel aus der Infusionsflüssigkeit gefiltert werden. Da sich das Strömungsverhalten der Infusionsflüssigkeit nach Filterung der Partikel verändern kann, erfolgt die Ermittlung der Durchflussrate über die Drehzahl des Rotors erst im Strömungsweg der gefilterten Infusionsflüssigkeit.
In einer Weiterbildung umfasst das Infusionssystem eine optische Detektionseinheit, über die die Drehfrequenz des Rotors detektierbar ist, insbesondere in eine Durchflussrate der Infusionsflüssigkeit konvertierbar und anzeigbar und/oder speicherbar ist.
Die optische Detektionseinheit kann als Scanner oder Kamera ausgebildet sein. Insbesondere ist die optische Detektionseinheit ein mobiles Gerät, wie ein Smartphone oder ein Tablet (Tablet-Computer), wobei das Smartphone oder das Tablet einen entsprechend integrierten Scanner oder eine entsprechend integrierte Kamera umfasst. Die Konvertierung der detektierten Drehzahl kann über einen Berechnungsalgorithmus, beispielsweise unter Flinzunahme des Zuflussdurchmessers der Infusionsleitung, oder durch einen Abgleich mit gespeicherten Tabellenwerten erfolgen. Neben der Anzeige und/oder Speicherung über die optische Detektionseinheit kann diese auch dazu ausgebildet sein, Signale zur Konvertierung der Drehzahl in eine Durchflussrate, zur Anzeige und/oder zur Speicherung der Durchflussrate an ein übergeordnetes System zu übertragen.
Zudem ist die Erfindung auf ein Rotormodul zur Verwendung in einem vorstehend beschriebenen Infusionssystem gerichtet, wobei das Rotormodul einen Anschluss zur Verbindung mit einer Infusionsleitung umfasst und das Rotormodul einen Rotor aufweist, der derart angeordnet ist, dass die Infusionsflüssigkeit über den Rotor zu einem stromabwärtigen Ausgang des Rotormoduls leitbar ist.
Demnach kann das Rotormodul an konventionelle Infusionssystem zur Ermittlung der Durchflussrate der Infusionsflüssigkeit angebunden werden. Das heißt, das Rotormodul ist nachrüstbar. Zudem kann das Rotormodul bedarfsgerecht eingesetzt werden.
Die Erfindung ist auch auf ein Verfahren zur Ermittlung einer Durchflussrate einer Infusionsflüssigkeit in einem vorstehend beschriebenen Infusionssystem gerichtet, umfassend die Schritte:
- Erfassung einer Drehfrequenz des Rotors des Rotormoduls und
- Konvertierung der erfassten Drehfrequenz des Rotors in eine Durchflussrate der Infusionsflüssigkeit.
Die Konvertierung basiert auf der Korrelation zwischen der Drehfrequenz des Rotors und der Durchflussrate der Infusionsflüssigkeit. Die Vorteile dieses Vorgehens ergeben sich analog zu den Ausführungen zum erfindungsgemäßen Infusionssystem.
In einer Ausgestaltung des Verfahrens erfolgt die Erfassung der Drehfrequenz des Rotors über eine optische Detektionseinheit, insbesondere einen Scanner oder eine Kamera.
Die optische Detektionseinheit wird dazu auf den Rotor ausgerichtet. Sofern die optische Detektionseinheit nicht Teil des Rotormoduls ist, ist zumindest ein für die optische Detektionseinheit transparenter Gehäuseabschnitt vorzusehen, über die die Drehfrequenz des Rotors optisch detektiert werden kann. Die Erfassung der Drehfrequenz über die optische Detektionseinheit erfolgt insbesondere über einen vorgegebenen Zeitraum, um eventuell auftretende kurzfristige Drehzahlschwankungen nicht einer Momentaufnahme zu unterziehen und/oder falls die Drehzahlermittlung auf der Änderung eines Erfassungszustands beruht.
Insbesondere erfasst die optische Detektionseinheit die Drehfrequenz des Rotors über eine an dem Rotor vorgesehene Markierung.
Hierbei kann beispielsweise die Positionsänderung der Markierung über einen vorgegebenen Zeitraum oder ein sich über die Markierung in Verbindung mit der Drehfrequenz des Rotors ausbildendes Muster von der optischen Detektionseinheit detektiert werden.
In einer Weiterbildung zeigt die optische Detektionseinheit die aus der Drehfrequenz des Rotors konvertierte Durchflussrate der Infusionsflüssigkeit an.
Die Anzeige kann zudem farblich unterschiedlich hinterlegt sein, um beispielsweise kritische Durchflussraten in Rot entsprechend zu visualisieren. Sofern kritische Durchflussraten detektiert werden, kann die optische Detektionseinheit, wie ein Smartphone oder Tablet, auch dazu ausgebildet sein, alternativ oder ergänzend, ein akustisches, optisches und/oder haptisches Signal auszusenden. Ebenso alternativ oder ergänzend kann die optische Detektionseinheit entsprechende Warnmeldungen und/oder Nachrichten an externe Systeme übermitteln.
In einer Ausgestaltung ist die optische Detektionseinheit mobil und zeigt insbesondere zum Erfassungsvorgang Betriebsanweisungen an.
Eine mobile optischen Detektionseinheit, wie die vorstehend bereits erwähnten Geräte Smartphone oder Tablet mit der jeweils integrierten Kamera oder Scanner, ermöglicht den flexiblen Einsatz der optischen Detektionseinheit. Insbesondere Smartphones oderTablets werden ohnehin bereits standardmäßig von Anwendern mitgeführt, so dass diese über Aufspielen eines später noch beschriebenen Computerprogrammprodukts in einfacherWeise aufrüstbar sind.
Um den Vorgang der Erfassung der Drehfrequenz des Rotors und anderer Verfahrensschritte zu erleichtern, kann die optische Erfassungseinheit zudem direkt Betriebsanweisungen anzeigen, so dass insbesondere auch nicht medizinisch vorgebildetes Fachpersonal das erfindungsgemäße Verfahren direkt umsetzen kann. Beispielsweise kann die optische Detektionseinheit anzeigen, dass ihre Ausrichtung auf den Rotor nicht korrekt ausgeführt wurde, dass sie ruhig gehalten werden muss, dass der Erfassungsvorgang beendet ist oder dass der Erfassungsvorgang wiederholt werden muss.
Die Erfindung ist auch auf ein computerimplementiertes Verfahren zur Ermittlung einer Durchflussrate einer Infusionsflüssigkeit in einem vorstehend beschriebenen Infusionssystem gerichtet, umfassend die Schritte:
- Auslösen einer Erfassung einer Drehfrequenz des Rotors des Rotormoduls,
- Konvertierung der erfassten Drehfrequenz des Rotors in eine Durchflussrate der Infusionsflüssigkeit sowie
- Anzeige und/oder Speicherung der aus der Drehfrequenz des Rotors konvertierten Durchflussrate der Infusionsflüssigkeit und/oder Weiterleitung an eine externe Anzeigevorrichtung und/oder Speichervorrichtung.
Die Vorteile ergeben sich hier analog zu den vorstehenden Ausführungen zum Verfahren. Das Auslösen der Erfassung kann dabei manuell über eine Eingabeschnittstelle erfolgen oder in einem automatisierten System kontinuierlich, zu vorbestimmten Zeitpunkten oder ereignisabhängig vorgesehen werden. Ein auslösendes Ereignis kann beispielsweise die Änderung einer Umgebungstemperatur sein, die wie eingangs angeführt, die Durchflussrate der Infusionsflüssigkeit beeinträchtigen kann.
Ein weiterer Gegenstand der vorliegenden Erfindung bezieht sich auf ein Computerprogrammprodukt, das Befehle umfasst, die bei der Ausführung des Programms dieses veranlassen, das vorstehend beschriebene computerimplementierte Verfahren auszuführen.
Ein solches Com puterprogramm produkt kann beispielsweise in Form einer App, also eines Anwenderprogramms, auf einem Smartphone oder einem Tablet zur Verfügung gestellt werden.
Zudem kann das Com puterprogramm produkt weitere Programmsequenzen umfassen, um beispielsweise anhand einer Prüfsequenz die technischen Voraussetzungen einer optischen Detektionseinheit für eine ausreichende Verlässlichkeit der Erfassung der Drehfrequenz des Rotors abzufragen und eine Erfassung zu unterbinden, wenn dies nicht gewährleistet ist. Ebenso können über das Computerprogrammprodukt Zugriffbeschränkungen auf das Verfahren oder auf Teile davon implementiert werden.
Merkmale, Zweckmässigkeiten und Vorteile der Erfindung werden nachfolgend auch anhand von Ausführungsbeispielen unter Bezugnahme auf die Zeichnungen beschrieben.
Es zeigt
Fig. 1 eine schematische Ansicht eines Infusionssystems gemäß einer exemplarischen ersten Ausführungsform; sowie
Fig. 2 eine schematische Ansicht eines Infusionssystems gemäß einer exemplarischen zweiten Ausführungsform.
Die in Figur 1 dargestellte schematische Ansicht eines Infusionssystems 1 gemäß einer exemplarischen ersten Ausführungsform zeigt eine Kammer 10, die hier eine Tropfkammer 10 eines Gravitations- oder Druckinfusionssystems ist. In der durch die Pfeile angezeigten Flussrichtung der Infusionsflüssigkeit schließt sich an die Infusionsleitung 30 ein Rotormodul 20 mit einem Rotor 21 an. Das Rotormodul 21 ist hier von der Infusionsleitung 30 umfasst, kann aber auch in Flussrichtung der Infusionsflüssigkeit der Infusionsleitung 30 nachgeschaltet und mit dieser verbunden sein und wiederum auf einer Fluidaustrittsseite, also auf der Seite auf der ein Auslass für die das Rotormodul durchflossene Infusionsflüssigkeit vorgesehen ist, eine weitere Leitung oder einen Anschluss an weitere Komponenten aufweisen. Das Rotormodul 20 muss auch nicht direkt mit der sich an die Tropfkammer anschließende Infusionsleitung verbunden sein, sondern kann eine solche Verbindung auch indirekt über dazwischen angeordnete Komponenten ausbilden.
Das Rotormodul 20 weist auf einer Seite, die eine Ansicht auf die Drehachse des Rotors 21 und/oder auf einen sich zur Drehachse des Rotors 21 radial erstreckenden Abschnitt des Rotors 21 , also einen Abschnitt in einer Ebene senkrecht zur Drehachse des Rotors 21, zulässt, einen transparenten Gehäuseabschnitt 22 auf. In der gezeigten Ausführungsform ist sowohl der Rotor 21 senkrecht zur Drehachse als auch die Markierung 23 über den transparenten Gehäuseabschnitt 22 optisch detektierbar. Die Markierung 23 besteht aus zwei senkrechten Markierungslinien, die sich in der
Drehachse kreuzen. Über die optische Detektionseinheit 40, hier als Scanner ausgebildet, wird die Markierung detektiert und darüber die Drehzahl des Rotors ermittelt. Beispielsweise bilden die Markierungslinien in Abhängigkeit der Drehzahl ein virtuelles Linienmuster, also ein von den eigentlichen Markierungslinien in einem Ruhezustand abweichendes Linienmuster aus, wobei die Drehzahl über den Abstand der virtuellen Linien abgeleitet werden kann. Alternativ kann die Änderung einer Position der Markierung 23 oder einer Markierungslinie der Markierung 23 zur Drehzahlermittlung herangezogen werden. Da der Zuflussquerschnitt A bekannt ist, kann die optische Detektionseinheit 41 aus der Drehzahl des Rotors 21 die aktuelle Durchflussrate der Infusionsflüssigkeit berechnen. Hierzu kann die optische Detektionseinheit auch eine Eingabeeinheit aufweisen, über die vorbestimmte Zuflussquerschnitte A ausgewählt und/oder eingegeben werden können, sofern Varianten auftreten können. Die aus der Drehzahl konvertierte Durchflussrate wird dann in der Anzeige 41 der optischen Detektionseinheit 40 angezeigt. Die optische Detektionseinheit 40 kann die ermittelte Drehzahl und/oder die konvertierte Durchflussrate auch an externe Anzeigevorrichtungen und/oder Speichervorrichtungen übermitteln.
Fig. 2 zeigt eine schematische Ansicht eines Infusionssystems 1 ' gemäß einer exemplarischen zweiten Ausführungsform der Erfindung, bei der gleiche Bezugszeichen gleiche oder sich entsprechende Element bezeichnent. In dieser zweiten Ausführungsform ist die Kammer 10' ein Infusionsreservoir einer Elastomerpumpe. In Flussrichtung der Infusionsflüssigkeit aus der Kammer 10'schließt sich wiederum eine Infusionsleitung 30 an, die einen Durchflussratenminderer 50, einen Filter 60 und ein Rotormodul 20 umfasst. Die Ermittlung der Drehzahl des Rotors 21 erfolgt analog zu der zur ersten Ausführungsform beschriebenen Vorgehensweise.
Der Durchflussratenminderer 50, der hier als Rollenklemme ausgebildet ist, kann die Durchflussrate der Infusionsflüssigkeit verändern. Wenn beispielsweise eine unzulässige Abweichung der Durchflussrate über die Drehzahl des Rotors 21 detektiert wird, kann die Durchflussrate auf einen vorbestimmten Sollwert oder einen zulässigen Bereich der Durchflussrate angepasst werden. Entsprechend befindet sich
der Durchflussmengenminderer insbesondere stromaufwärts des Rotormoduls 20, um das Ergebnis der Anpassung überprüfen zu können.
Der Filter 60 ist in der Detektionsleitung vorgesehen, um eventuelle Partikel aus der Infusionsflüssigkeit zu filtern. Demnach befindet sich das Rotormodul stromabwärts des Filters 60, um das Ergebnis die Drehzahl und somit Durchflussraten ohne den Einfluss durch eventuelle Partikel ermitteln zu können.
Alternativ zur ersten optischen Detektionseinheit 40 in Figur 1 zur ersten Ausführungsform zeigt Figur 2 eine optische Detektionseinheit 40', die hier durch ein Smartphone ausgebildet wird. Wie durch die gestrichelten Linien angedeutet ist, kann die Drehzahl des Rotors 21 über die Kameralinse des Smartphones detektiert werden. Hierzu wird eine Scannerfunktion der Kamera oder ein bildverarbeitendes Programm, das beispielsweise eine Videosequenz auswertet, herangezogen. Zugleich zeigt die Anzeige des Smartphones bzw. der optischen Detektionseinheit 40' eine Betriebsanweisung an, über die der Anwender während des Detektionsvorgangs dazu angeleitet wird, das Smartphone ruhig zu halten. Hierzu kann vorgesehen werden, dass die Anzeige durch optische, akustische oder haptische Zeichen angibt, ob die optische Detektionseinheit 40' ausreichend ruhig gehalten wird. Beispielsweise kann die Anzeige bei ruhiger Haltung grün hinterlegt sein, während bei zunehmender Bewegung eine Verfärbung von Grün zu Rot erfolgt, bis beispielsweise bei eines Bewegungsgrenzwerts die Messung beendet oder verworfen wird. Neben optischen Hinweise, können aber auch alternativ oder ergänzend ein akustisches Signal bzw. eine akustische Signalfolge und/oder haptische Signale, wie eine Vibration, die zu einer Bewegung der optischen Detektionseinheit 40' korrespondiert, genutzt werden.
Die Erfindung ist nicht auf die beschriebenen Ausführungsformen beschränkt. Auch sind zu verschiedenen Ausführungsformen angeführte Einzelheiten grundsätzlich auf andere Ausführungsformen übertragbar, sofern sie sich nicht ausschließen. Auch wenn zur ersten und zweiten Ausführungsform ein Scanner beschrieben wurde, muss dieser nicht als reine Scannereinheit ausgebildet sein, sondern kann auch über ein Smartphone, wie in Figur 2, oder ein Tablet bereitgestellt werden. Entsprechend kann der Scanner auch durch eine Kamera adaptiert oder eine Kamera mit einem
Bildverarbeitungsprogramm, das nicht zwingend auf scanneradaptierende Erfassungsverfahren beschränkt ist, verwendet werden. Smartphones und Tablets mit darauf installierten Applikationsprogrammen sind für Anwender ein vertrautes Medium. So kann bei der in Fig. 2 gezeigten Ausführungsform statt eines Smartphones ein Table(-Computer) verwendet werden Zudem kann eine über das Applikationsprogramm geführte Verfahrensabfolge Fehler für ungeübte Anwender reduzieren und generell den Verfahrensablauf vereinfachen.
Liste der Bezugszeichen
1, V Infusionssystem 10, 10' Kammer 20 Rotormodul
21 Rotor 22 transparenter Gehäuseabschnitt 23 Markierung 30 Infusionsleitung 40, 40' optische Detektionseinheit
41 Anzeige 50 Durchf lussratenm inderer 60 Filter A Zuflussquerschnitt