Semi-interpenetrierende Polymernetzwerke als Separatoren für den Einsatz in Alkali-Metall-Batterien
Die vorliegende Erfindung betrifft einen lösemittelfreien Festelektrolyten für eine Alkalime tall-Feststoffbatterie umfassend ein Alkalimetall-Leitsalz und ein semi-interpenetrierendes Netz-werk (sIPN) aus einem vernetzten und einem nicht-vernetzten Polymer, wobei das semi interpenetrierende Netzwerk aus einem nicht-vernetzten Polymer ausgesucht aus der Gruppe bestehend aus Polyethylenoxid (PEO), Polycarbonat (PC), Polycaprolacton (PCL), kettenen denmodifizierten Derivaten dieser Polymere oder Mischungen mindestens zweier Komponen ten daraus ausgesucht ist und das vernetzte Polymer Polyethylenglykol-dimethacrylat (PEG- dMA) umfasst. Des Weiteren betrifft die Erfindung ein Verfahren zur Herstellung eines Fest elektrolyten sowie eine Alkali-Metall-Batterie mit dem erfindungsgemäßen Festelektrolyten.
Die gestiegenen Anforderungen der Nutzer an Nachhaltigkeit und Mobilität haben in den letz ten Jahrzehnten die Landschaft der dezentralen Energiespeicher deutlich verändert. Waren in der Vergangenheit die Möglichkeiten der technischen Nutzung von Batterien aufgrund der Größe, des Gewichts und der nur sehr begrenzten elektrischen Kapazität deutlich einge schränkt, so haben seit dem Einsatz von Alkalimetall basierten Energiespeichern, beispiels weise in Form wiederaufladbarer Lithiumbatterien, die Einsatzmöglichkeiten deutlich zuge nommen. Seit Beginn ihrer Markteinführung Anfang der 90er Jahre haben Lithium-Ionen- Batterien die Massentauglichkeit mobiler Anwendungen wie Smartphones und Laptops erst ermöglicht. Kontinuierliche Weiterentwicklungen haben zudem zu einer Steigerung der Ener giedichten und der Anwendungssicherheit geführt. Gerade diese Optimierungsschritte haben
dazu beigetragen, dass beispielsweise Lithium-Ionen-Batterien heutzutage als stationäre Energiespeicher für dezentral erzeugte Elektrizität im Privat- und Industriebereich in Frage kommen. Des Weiteren bilden diese innovativen elektrischen Speicher die Grundlage neuer, klimafreundlicher Verkehrskonzepte im Bereich der Elektromobilität.
Im Bereich der Alkalimetall-Batterien werden zur Verbesserung der Anwendungsfreundlich keit und Speicherkapazität unterschiedliche technische Konzepte verfolgt. Eine Möglichkeit zur Optimierung der Sicherheit und Energiedichte beispielsweise von Li-Metall-Batterien besteht im Einsatz von Festelektrolyten. Da Polymer-Elektrolyte im Vergleich zu Oxid- und Sulfid-basierten Festelektrolyten eine geringere gravimetrische Dichte aufweisen, bietet diese Batterieform prinzipiell die Möglichkeit, relativ einfach eine Erhöhung der gewichtsbezoge nen Energie- und Leistungsdichte zu erreichen. Zudem können Polymer-basierte Bauformen eine einfachere Verarbeitbarkeit und eine bessere Benetzung Sulfid- oder Oxid-basierter Komposit-Elektroden zeigen. Grundvoraussetzung ist dabei, dass die Polymer-Elektrolyte sowohl gegenüber dem Alkali-Metall als auch gegenüber dem positiven Elektrodenmaterial kompatibel sind, eine homogene Benetzung beider Elektroden zeigen und die Abscheidung von Alkalimetall auf der negativen Elektrode ermöglichen.
Auch in der Patentliteratur finden sich einige Beispiele zur Ausgestaltung von Alkali- Metallbatterien mit polymerbasierten Festelektrolyten.
So offenbart beispielsweise die WO 2014 147 648 Al eine Elektrolytzusammensetzungen mit hoher Ionenleitfähigkeit. Das Dokument offenbart insbesondere hochionische Leitfähigkeit selektrolytzusammensetzungen von semi-interpenetrierenden Polymemetzwerken und deren Nanokompositen als Quasi-Fest-/Festelektrolytmatrix für Energieerzeugungs-, Speicher- und Abgabevorrichtungen, insbesondere für Hybridsolarzellen, Akkumulatoren, Kondensatoren, Elektrochemikalien Systeme und flexible Geräte. Die binäre oder ternäre Komponente einer semi-interpenetrierenden Polymemetzwerkelektrolytzusammensetzung umfasst: a) ein Poly-
mernetzwerk mit Polyethergrundgerüst (Komponente I); b) ein lineares, verzweigtes, hyper verzweigtes Polymer mit niedrigem Molekulargewicht oder eine beliebige binäre Kombinati on solcher Polymere mit vorzugsweise nicht reaktiven Endgruppen (Komponente II und / oder Komponente III zur Bildung eines ternären semi-IPN- Systems); c) ein Elektrolytsalz und/oder ein Redoxpaar und gegebenenfalls d) ein reines oder oberflächenmodifiziertes nano- strukturiertes Material zur Bildung eines Nanokomposits.
Die WO 2015 043 564 Al offenbart ein Verfahren zur Herstellung wenigstens einer elektro chemischen Zelle einer Festkörperbatterie, umfassend eine mischleitende Anode, eine misch leitende Kathode, sowie eine zwischen Anode und Kathode angeordneten Elektrolytschicht, mit den Schritten,
- eine mischleitende Anode wird hergestellt oder bereitgestellt,
- eine mischleitende Kathode wird hergestellt oder bereitgestellt,
- die Oberfläche wenigstens einer der beiden Elektroden wird durch einen zusätzlichen Ver fahrensschritt derart modifiziert, dass in einer oberflächennahen Schicht der Elektrode die elektronische Leitfähigkeit senkrecht zur Zelle auf weniger als 108 S/cm abgesenkt wird, und
- im Anschluss werden die Anode und die Kathode derart zu einer Festkörperbatterie zusam mengebaut, dass die oberflächenmodifizierte Schicht wenigstens einer Elektrode an der Gren ze zwischen Anode und Kathode als Elektrolytschicht angeordnet wird, und so die mischlei tenden Elektroden dadurch elektronisch getrennt werden.
Derartige aus dem Stand der Technik bekannte Lösungen können noch weiteres Verbesse rungspotential bieten, insbesondere hinsichtlich einer verbesserten Reproduzierbarkeit von Ladungs- und Entladungsvorgängen sowie insbesondere in dem Tieftemperaturverhalten se kundärer Batterien.
Es ist die Aufgabe der vorliegenden Erfindung, die aus dem Stand der Technik bekannten Nachteile zumindest teilweise zu überwinden. Es ist insbesondere die Aufgabe der vorliegen-
den Erfindung eine Lösung bereitzustellen, durch welche auch nach wiederholten Zyklen eine verbesserte Lade- und Entladestabilität sowie eine verbesserte Leitfähigkeit bei tiefen Tempe raturen bereitgestellt wird.
Die Lösung der Aufgabe erfolgt erfindungsgemäß durch einen Festelektrolyt mit den Merk malen des Anspruchs 1. Die Lösung der Aufgabe erfolgt ferner erfindungsgemäß durch ein Verfahren mit den Merkmalen des Anspruchs 6 und eine Batterie nach dem Anspruch 9. Be vorzugte Ausgestaltungen der Erfindung sind in den Unteransprüchen, in der Beschreibung oder den Figuren angegeben, wobei weitere in den Unteransprüchen oder in der Beschreibung oder den Figuren beschriebene oder gezeigte Merkmale einzeln oder in einer beliebigen Kombination einen Gegenstand der Erfindung darstellen können, solange sich aus dem Kon text nicht eindeutig das Gegenteil ergibt.
Erfindungsgemäß wird ein Festelektrolyt für eine Alkalimetall-Feststoffbatterie vorgeschla gen, wobei der Festelektrolyt mindestens ein Alkalimetall-Leitsalz und ein semi interpenetrierendes Netzwerk (sIPN) aus einem vernetzten und einem nicht-vernetzten Poly mer umfasst, wobei das semi-interpenetrierende Netzwerk größer oder gleich 50 Gew.-% und kleiner oder gleich 80 Gew.-% eines nicht-vernetzten Polymers ausgesucht aus der Gruppe bestehend aus Polyethylenoxid (PEO), Polycarbonat (PC), Polycaprolacton (PCL), kettenen denmodifizierten Derivaten dieser Polymere oder Mischungen mindestens zweier Komponen ten daraus; und größer oder gleich 20 Gew.-% und kleiner oder gleich 50 Gew.-% Polyethyl- englykoldimethacrylat (PEGdMA) als vernetztes Polymer umfasst, wobei der Festelektrolyt zu größer oder gleich 90 Gew.-% und kleiner oder gleich 100 Gew.-% aus dem Alkali- Leitsalz und dem sIPN besteht; und der Festelektrolyt lösemittelfrei ist. Überraschenderweise wurde gefunden, dass lösemittelfreie Festelektrolyten mit sIPN-Struktur und oben angegebe ner Zusammensetzung unerwartet gute elektrische und mechanische Eigenschaften aufweisen. Batterien mit diesen Festelektrolyten zeigen besonders stabile Lade- und Entladecharakteris tiken, welches dafürspricht, dass die Ein- und Auslagerung von Alkali-Metall während der
Zyklen ohne starke Schädigung des Polymemetzwerkes erreicht wird. Des Weiteren scheint insbesondere das Dendritenwachstum reduziert werden zu können, so dass auch über wieder holte Zyklen sich gleichbleibende elektrische Eigenschaften einstellen. Dies kann zu einem besonders stabilen Verhalten von Alkalimetall-Batterien und insgesamt zu einer Erhöhung der Batterielebensdauer mit gleichzeitig erhöhter elektrischer Leistung beitragen. Als weiterer Vorteil ergibt sich, dass die elektrische Leistung von Alkalimetall-Batterien auch bei sehr geringen Temperaturen reproduzierbar bereitgestellt werden kann. Das thermische Arbeits fenster von Alkalimetall-Batterien wird dadurch erweitert und insbesondere zu tieferen Tem peraturen hin verschoben, welches die Anwendungsfreundlichkeit erhöhen kann. Ein weiterer Vorteil dieser Festelektrolyten besteht darin, dass auch höhere Spannungen und Stromstärken über den Festelektrolyten sicher gehandhabt werden können, sodass auch unter diesen er schwerten elektrischen Bedingungen eine sichere Arbeitsweise von Alkalimetall-Batterien gewährleistet werden kann. Ohne durch die Theorie gebunden zu sein wird angenommen, dass der erfindungsgemäße Polymerelektrolyt sowohl eine hochgradig amorphe Alkali-Ionen- leitende Phase als auch eine erhöhte mechanische Stabilität aufweist. Beide Faktoren führen zu einer höheren Betriebssicherheit, einem reproduzierbareren Lade-/Entladeverhalten und zu einem größeren Temperatur- Anwendungsfenster.
Der erfindungsgemäße Festelektrolyt ist ein lösemittelfreier Festelektrolyt für eine Alkalime tall-Feststoffbatterie. Ein Festelektrolyt wird auch Festkörperelektrolyt, Feststoff elektrolyt oder fester Ionenleiter genannt. Der Festelektrolyt weist eine zusammenhängende polymere Trägerstruktur und darin eingebettete Alkalimetall-Ionen auf, welche innerhalb der polymeren Matrix des Festelektrolyten beweglich sind. Über die Beweglichkeit der Ionen im Festelektro lyt kann ein elektrischer Strom fließen. Festelektrolyte sind elektrisch leitend, zeigen aber verglichen mit Metallen eine eher geringe elektronische Leitfähigkeit. Eine Alkalimetall- Feststoffbatterie weist mindestens zwei Elektroden und einen zwischen den Elektroden ange ordneten festen, insbesondere nicht fließfähigen Elektrolyten auf. Neben diesen Bestandteilen kann eine Feststoffbatterie noch weitere Schichten oder Lagen aufweisen. Beispielsweise
kann eine Feststoffbatterie noch weitere Lagen zwischen dem Festelektrolyt und den Elektro den aufweisen. Die elektrischen Eigenschaften von Alkalimetall-Feststoffbatterien basieren auf der Redoxreaktion von Alkalimetallen, also den Metallen aus der 1. Hauptgruppe des Pe riodensystems. Insbesondere als Alkalimetalle lassen sich Lithium, Natrium und Kalium ein setzten.
Der Festelektrolyt umfasst mindestens ein Alkalimetall-Leitsalz und ein semi interpenetrierendes Netzwerk (sIPN) aus einem vernetzten und einem nicht-vernetzten Poly mer. Das mechanische Grundgerüst des Festelektrolyten wird durch ein Netzwerk zweier un terschiedlicher Polymere gebildet und erhält auch durch diese seine Festigkeit. Ein semi interpenetrierendes Netzwerk ist dabei ein Netzwerk, welches zwei unterschiedliche Polymer spezies aufweist. Das eine Polymer lässt sich unter Ausbildung kovalenter Bindungen zwi schen den Monomeren zu einem drei-dimensionalen Netzwerk vernetzten, wohingegen das andere Polymer, mangels funktioneller Gruppen, rein über ionische oder van-der-Waals- Wechsel Wirkungen verknüpft ist. Beide Polymerbestandteile lassen sich, zumindest prinzipi ell, über einen Auswaschvorgang voneinander trennen. Aufgrund der Tatsache, dass die Ver netzung des durch funktionelle Gruppen vernetzbaren Polymers erst nach einem physikali schen Mischvorgang mit dem nicht vernetzbaren Polymer erfolgt, durchdringen sich beide Komponenten physikalisch und bilden gemeinsam das semi-interpenetrierende Netzwerk. Der weitere Bestandteil des Festelektrolyten bildet das Alkalimetall-Leitsalz, welches innerhalb des Netzwerkes „gelöst“ oder an diesem gebunden vorliegt, aber erfindungsgemäß nicht als Bestandteil des polymeren Netzwerkes aber als Bestandteil des Festelektrolyten angesehen wird.
Das semi-interpenetrierende Netzwerk weist zu größer oder gleich 50 Gew.-% und kleiner oder gleich 80 Gew.-% ein nicht-vernetztes Polymer ausgesucht aus der Gruppe bestehend aus Polyethylenoxid (PEO), Polycarbonat (PC), Polycaprolacton (PCL), kettenendenmodifi zierten Derivaten dieser Polymere oder Mischungen mindestens zweier Komponenten daraus
auf. Das aus zwei polymeren Komponenten aufgebaute semi-interpenetrierende Netzwerk weist somit als Hauptgewichtskomponente PEO, PC, PCL oder Mischungen dieser Kompo nenten auf. Die nicht vernetzbaren Polymere können an den Kettenenden jeweils substituiert sein.
Unter PEO werden Monomere mit folgender Strukturformel verstanden
wobei der Index n zweckmäßigerweise von 10 bis 120000 gewählt werden kann. Die Reste R können jeweils unabhängig voneinander für Wasserstoff, einen substituierten oder nicht- substituierten Alkyl- oder Arylrest stehen. Die substituierten oder nicht-substituierten Alkyl oder Arylreste können eine C-Anzahl von CI bis C20 aufweisen und weitere, nicht vemetzba- re funktionale Substituenten, wie beispielsweise Halogen, ME, NO2 aufweisen. Unter Polycarbonaten werden Verbindungen folgender Strukturformel verstanden
wobei der Index n zweckmäßigerweise von 3 bis 120000 gewählt werden kann. Die Reste R an den Kettenenden entsprechen der oben genannten Definition. Die Gruppe R1 steht für eine aromatische oder aliphatische CI -CI 5 -Gruppe.
Unter Polycaprolacton werden Verbindungen folgender Strukturformel verstanden
wobei der Index n zweckmäßigerweise von 3 bis 120000 gewählt werden kann. Die Reste R an den Kettenenden entsprechen der oben genannten Definition.
Neben dem nicht vernetzbaren Polymer weist das semi-interpenetrierende Netzwerk zu größer oder gleich 20 Gew.-% und kleiner oder gleich 50 Gew.-% Polyethylenglykoldimethacrylat (PEGdMA) als vernetztes Polymer auf. Die Gewichtsangaben beziehen sich dabei auf die beiden polymeren Komponenten und insofern ist der Gewichtsanteil des PEGdMA am poly meren Netzwerk maximal gleich groß wie der Anteil der nicht vernetzbaren Komponente. Bei der Berechnung der Gewichtsanteile bleiben die Gewichtsanteile des Alkalimetall-Leitsalzes unberücksichtigt, da die Ausbildung des semi-interpenetrierenden Netzwerkes im Wesentli chen durch die polymeren Komponenten bestimmt wird. Unter PEGdMA wird ein Monomer mit folgender Struktur verstanden
wobei der Index n zweckmäßigerweise Werte von 5 bis zu 1000 annehmen kann. Das Mono mer weist zwei funktionale Methacrylgruppen auf, welche für die Vernetzung unterschiedli cher Monomere verantwortlich sind.
Die Gewichtsanteile des vernetzten und des unvernetzten Polymers im sIPN können sich zu 100 Gew.-% ergänzen. Es ist erfindungsgemäß möglich, dass das semi-interpenetrierende Netzwerk neben den erwähnten Polymerbestandteilen keine weiteren Monomer-/Polymer- Bestandteile in größeren Mengen aufweist. Größere Mengen sind beispielsweise Mengen oberhalb von 5 Gew.-% bezogen auf die oben angegebenen vernetzten und nicht vernetzten Polymere. In einer bevorzugten Ausführungsform können neben dem Alkalimetall-Leitsalz und den angegebenen vernetzten und nicht vernetzten Polymeren keine weiteren Monomere oder Polymere im Aufbau des Festelektrolyten vorliegen.
Erfindungsgemäß besteht der Festelektrolyt zu größer oder gleich 90 Gew.-% und kleiner oder gleich 100 Gew.-% aus dem Alkali-Leitsalz und dem sIPN. Zum Erhalt einer möglichst gleichmäßigen und reproduzierbaren Lade-/Entladecharakteristik einer Batterie aufweisend den erfindungsgemäßen Festelektrolyten hat es sich als besonders günstig herausgestellt, dass der Festelektrolyt neben den Bestandteilen vernetztes Polymer, unvernetztes Polymer und Leitsalz keine weiteren Bestandteile aufweist. Insbesondere kann der Festelektrolyt lösemit telfrei sein. Des Weiteren kann der Festelektrolyt von weiteren Bestandteilen frei sein, welche die Löslichkeit des Alkalimetall-Leitsalzes erhöhen oder dem semi-interpenetrierenden Netz werk eine weitere mechanische Stabilität verleihen sollen. Diese Ausgestaltung kann insbe sondere dazu beitragen, dass die amorphe Struktur des semi-interpenetrierenden Netzwerken erhalten bleibt, welches auch zu einer möglichst gleichbleibenden Leitfähigkeit auch bei nied rigen Temperaturen beitragen kann.
In einer weiteren, bevorzugten Ausführungsform des Festelektrolyten kann das nicht vernetz te Polymer Polyethylenoxid sein und der Festelektrolyt ein molares Verhältnis von Ethylen oxid-Einheiten zu Alkali-Ionen, ausgedrückt durch den Quotienten EO/Li, von größer oder gleich 5 und kleiner oder gleich 15 aufweisen. Zum Erhalt einer möglichst hohen Leitfähig keit, auch bei relativ niedrigen Temperaturen, hat sich oben angegebenes Verhältnis von Ethylenoxid-Einheiten zu Alkali-Ionen im Festelektrolyten als besonders geeignet herausge stellt. Diese Relation ermöglicht eine relativ hohe Beweglichkeit der Ionen und stört das me chanische Gefüge des semi-interpenetrierenden Netzwerkes nur gering, sodass neben der er höhten Leitfähigkeit auch ein sehr reproduzierbarer Lade-/Entladevorgang erhalten wird. Für die Berechnung des Verhältnisses werden die EO-Einheiten des vernetzen und die EO- Einheiten des unvernetzten Polymers betrachtet. Die jeweiligen Größen können dabei über dem Fachmann bekannte Methoden bestimmt werden. Die Ionen-Konzentration beispielswei se über Auflösen des Netzwerkes und ICP. Die Anzahl an EO-Einheiten kann, ggf. nach Auf brechen der kovalenten Bindungen des vernetzten Polymers, beispielsweise über HPLC oder GC -Methoden erfolgen. Bevorzugt kann das Verhältnis auch von größer oder gleich 8 und
kleiner oder gleich 13, des Weiteren bevorzugt von größer oder gleich 9 und kleiner oder gleich 12 betragen.
Weiterhin kann innerhalb eines bevorzugten Aspektes des Festelektrolyten der Festelektrolyt eine Dicke von größer oder gleich 20 gm und kleiner oder gleich 60 gm aufweisen. Überra schend hat sich gezeigt, dass der erfindungsgemäße Festelektrolyt auch bei sehr geringen Schichtdicken eine ausgezeichnete mechanische Stabilität zeigt. Diese Schichtdicken sind ausreichend um über viele Lade-/Entladezyklen ein sehr reproduzierbares elektrisches Verhal ten bereitzustellen. Somit können sehr kompakte und langlebige Bauformen realisiert werden. Insgesamt können Schichtdicken bis zu 250 pm, bevorzugt bis zu 200 pm und weiter bevor zugt bis zu 150 pm gefertigt werden.
Innerhalb eines bevorzugten Aspektes des Festelektrolyten kann das Gewichtsverhältnis von nicht-vernetzten Polymer PN und vernetzten Polymer Pv im sIPN, ausgedrückt durch den Quotienten PN/PV, größer oder gleich 2 und kleiner oder gleich 2,5 sein. Diese Relation der Gewichtsanteile an nicht-vernetzten und vernetzten Polymer haben sich als besonders mecha nisch stabil erwiesen und führen zu bevorzugten amorphen Strukturen, welche auch bei tiefen Temperaturen eine ausreichende Leitfähigkeit des Festelektrolyten ermöglichen.
In einer bevorzugten Ausführungsform des Festelektrolyten kann das PEGdMA ein mittleres Molekulargewicht von größer oder gleich 300 g/mol und kleiner oder gleich 1000 g/mol auf weisen. Dieser Bereich an Kettenlängen für das vernetzbare Polymer haben zu einer bevor zugten Stabilität der erhältlichen semi-interpenetrierenden Netzwerke geführt. Größere PEG- dMA-Ketten können zu einer Reduzierung der mechanischen Festigkeit führen. Kürzere Ket ten können ebenfalls die mechanische Festigkeit, wahrscheinlich aufgrund einer nur ungenü genden Vernetzung der relativ kurzen Ketten, reduzieren. In einer weiter bevorzugten Ausfüh rungsform kann das PEGdMA ein mittleres Molekulargewicht von größer oder gleich 4500
g/mol und kleiner oder gleich 900 g/mol, des Weiteren von größer oder gleich 600 g/mol und kleiner oder gleich 850 g/mol aufweisen.
In einer weiteren bevorzugten Ausgestaltung des Festelektrolyten kann der Festelektrolyt ein Festelektrolyt für eine Li -Feststoffbatterie und das Alkalimetall-Leitsalz eine Mischung min destens zweier unterschiedlicher Lithium-Salze sein. Der Einsatz einer Mischung unterschied licher Leitsalze kann in den erfindungsgemäßen Festelektrolyten zu verbesserten elektrischen Eigenschaften führen. Geeignete Kombination für einen Li-Aufbau können beispielsweise ausgesucht sein aus LiTFSI + LiFTFSI, LiTFSI + LiFSI, LiTFSI + LiBF4, LiTFSI + LiBOB, LiTFSI + LiDFOB, LiDFOB + L1BF4 oder geeigneten Kombinationen untereinander. Des Weiteren kann der Festelektrolyt noch weitere Additive, wie beispielsweise fluorierte Additi ve aufweisen, welche gegebenenfalls eine Aluminiumauflösung von weiteren Bestandteilen eine Batterie unterdrücken oder SEI Additive, welche zur Stabilisierung der Anodengrenz schicht eingesetzt werden können.
Des Weiteren erfindungsgemäß ist ein Verfahren zur lösemittelfreien Herstellung eines Alka- li-Metall-Batterie-Festelektrolyten aufweisend ein semi-interpenetrierendes Polymernetzwerk, wobei das Verfahren die Verfahrensschritte umfasst: a) Herstellen einer homogenen Lösung aus einem Alkali-Leitsalz, einem Polymerisationsiniti ator und einem vemetzbaren Polymer mit mindestens zwei vernetzbaren Gruppen; b) Vermischen der aus Schritt a) erhaltenen Lösung mit einem nicht vernetzbaren Polymer unter Erhalt einer homogenen Mischung; und c) Verpressen der aus dem Verfahrensschritt b) erhaltenen homogenen Mischung unter Aus bildung einer unvernetzten, flächigen Membran; d) Vernetzung der im Verfahrensschritt c) erhaltenen Membran unter Erhalt eines Festelektro lyten. Überraschenderweise wurde gefunden, dass sich über eine lösemittelfreie und rein me chanische Herstellung homogene Festei ektrolyte ergeben, welche ebenfalls sehr gute mecha nische und elektrische Eigenschaften aufweisen. Ohne durch die Theorie gebunden zu sein,
scheint die mechanische und lösemittelfreie Herstellung im hohen Maße geeignet zu sein, amorphe semi-interpenetrierende Netzwerke mit geringen kristallinen Anteilen bereitzustel len, welches sich positiv auf die Leitfähigkeit und die Temperaturabhängigkeit derselben auswirkt.
Der Verfahrensschritt a) umfasst das Herstellen einer homogenen Lösung aus Alkali -Leitsalz, Polymerisationsinitiator und vernetzbaren Polymer. Die homogene Lösung kann dabei durch rein mechanisches Mischen oder Rühren der drei Komponenten ausgebildet werden. Die De finitionen für die möglichen Leitsalze und die vernetzbaren Polymere wurden schon weiter oben angegeben. Als Polymerisationsinitiatoren eignen sich die dem Fachmann bekannten chemischen Substanzen, welche in der Lage sind, mittels des Wechsels einer Umgebungsva riablen, beispielsweise in Radikale zu zerfallen und somit das vemetzbare Polymer zu vernet zen. Mögliche Umgebungsvariablen sind beispielsweise die Temperatur oder ein Energieein trag über Bestrahlung mit Licht unterschiedlicher Wellenlänge. Mögliche Initiatoren sind also Verbindungen, welche entweder durch Wärme oder Bestrahlung in Radikale zerfallen. Dieser Verfahrensschritt a) wird so ausgeführt, dass der Initiator noch nicht reagiert.
Der Verfahrensschritt b) umfasst das Vermischen der aus Schritt a) erhaltenen Lösung mit einem nicht vernetzbaren Polymer. Auch dieser Verfahrensschritt kann beispielsweise über ein rein mechanisches Mischen oder Kneten der Mischung ausgeführt werden. Übliche Zeit spannen bis zum Erhalt einer homogenen Mischung können beispielsweise im Bereich von 1 h - 2 h liegen.
Der Verfahrensschritt c) umfasst das Verpressen der aus dem Verfahrensschritt b) erhaltenen Mischung. Das Verpressen kann mittels einer Presse erfolgen, wobei das Verpressen bei spielsweise in einem Druckbereich von 0,1- 200 MPa über einen Zeitraum von 30 min - 3 h erfolgen kann. Üblicherweise kann über den Pressvorgang die Mischung um einen Faktor von 10% - 100%, bevorzugt 20% - 80% in der Dicke reduziert werden. Über diese Dickenreduk-
tion lassen sich nach Polymerisation mechanisch sehr stabile aber dennoch ausreichend porö se Netzwerke bereitstellen, welche sehr gute mechanische und elektrische Eigenschaften auf weisen. Ohne durch die Theorie gebunden zu sein, scheint dies auch darauf zurückführbar zu sein, dass die so erhältlichen Netzwerke keine Lösemittelspuren aufweisen. Dies kann zu ei ner Erhöhung der Reproduzierbarkeit der elektrischen Lade-/Entladevorgänge beitragen.
Der Verfahrensschritt d) umfasst die Vernetzung der im Verfahrensschritt c) erhaltenen Membran unter Erhalt eines Festelektrolyten. Die Vernetzung der Membran kann durch Än derung der Umgebungsbedingungen erfolgen, welche den Initiator zur Ausbildung von Radi kalen anregen. Beispielsweise kann die Membran in einen Wärmeschrank höheren Tempera turen ausgesetzt werden. Optional kann die vernetzte Membran durch eine weitere Tempera turbehandlung unter Normaldruck oder im Vakuum getrocknet werden, um eventuelle Spuren von Wasser zu entfernen.
In einer bevorzugten Ausgestaltung des Verfahrens kann im Verfahrensschritt a) als lösemit telfreies Alkalimetall-Leitsalz Li-TFSI, als Polymerisationsinitiator Azoisobutyronitril (AIBN) und als vernetzbares Polymer mit mindestens zwei vernetzbaren Gruppen PEGdMA und im Verfahrensschritt b) PEO eingesetzt werden. Mit diesen Komponenten kann das erfin dungsgemäße Verfahren zur Herstellung von Festelektrolyten für besonders langlebige Batte rien mit reproduzierbarer Lade-/Entladekinetik beitragen. Zudem zeigen die Batterien ein größeres Temperaturfenster, in welchen besonders vorteilhafte elektrische Eigenschaften er zielt werden können. Insbesondere ist dieses Temperaturfenster zu niedrigeren Temperaturen hin verschoben.
Innerhalb einer weiteren Ausgestaltung des Verfahrens kann der Polymerisationsinitiator an statt im Verfahrensschritt a) im Verfahrensschritt b) eingearbeitet werden. Neben einer Einar beitung im Verfahrensschritt a), kann der Polymerisationsinitiator auch im Verfahrensschritt b) in die Mischung eingearbeitet werden. Dies kann einer unerwünschten Reaktion des Initia-
tors im Verfahrensschritt a) entgegenwirken und das Temperaturfenster der Verarbeitung zu höheren Temperaturen hin verschieben.
Des Weiteren erfindungsgemäß ist ein polymerer Festelektrolyt, welcher nach dem erfin- dungsgemäßen Verfahren hergestellt wurde. Für die Vorteile des erfindungsgemäßen Fest elektrolyten wird explizit auf die Vorteile des erfindungsgemäßen Verfahrens Bezug genom men. Ohne durch die Theorie gebunden zu sein scheint es, dass über eine lösemittelfreie Her stellung, ein veränderter Anteil an amorphen Bereichen erhältlich ist, welches eine verbesserte Leitfähigkeit oder eine längere Lebensdauer der mit dem erfindungsgemäßen polymeren Fest- elektrolyt ausgerüsteten Batterien nach sich ziehen kann.
Des Weiteren erfindungsgemäß ist eine Alkali-Metall-Batterie aufweisend eine Anode, eine Kathode und einen zwischen Anode und Kathode angeordneten Festelektrolyten, wobei der Festelektrolyt ein erfindungsgemäßer Festelektrolyt ist. Für die Vorteile der erfindungsgemä- ßen Alkali-Metall-Batterien wird explizit auf die Vorteile des erfindungsgemäßen Verfahrens und des erfindungsgemäßen polymeren Festelektrolyten Bezug genommen. Die Batterien können neben den erwähnten Bestandteilen generell noch weitere Schichten aufweisen.
Für die positive Elektrode der Alkali-Metall-Batterie in einer Ausgestaltung als Li-Metall- Batterie können Materialien für All-Solid-State Lithium-Ionen-Batterien oder Lithium- Metall-Batterien eingesetzt werden. Die Elektrodenschicht umfasst dabei beispielsweise Ak tivmaterialien wie LiNixMnyCoz02 (NMC), LiCoCh (LCO), LiFeP04 (LFP) oder LNixMny04 (LNMO). Zudem kann die positive Elektrode darüber hinaus auch noch Binder, elektronisch leitendes Material zur Erhöhung der elektronischen Leitfähigkeit, z. B. Azetylen Schwarz, Ruß, Graphit, Kohlefaser und Kohlenstoffnanoröhrchen, sowie Elektrolytmaterial, insbeson dere ein Polymer oder Festelektrolyt, zur Erhöhung der Ionenleitfähigkeit, sowie weitere Ad ditive umfassen.
Als negative Elektrode der Alkali-Metall-Batterie in einer Ausgestaltung als Li-Metall- Batterie können Materialien für eine All-Solid-State Lithium-Batterie eingesetzt werden. Die Elektrodenschicht kann ein für eine negative Elektrode geeignetes Aktivmaterial umfassen, beispielsweise ein Übergangsmetall-Verbundoxid, amorphen Kohlenstoff oder Graphit. Zu- dem kann die negative Elektrode darüber hinaus auch noch Binder, z. B. Polyvinylidenfluorid (PVDF), Polyethylenglycol (PEG) oder Alginate in Verbindung mit feinverteiltem Silizium, sowie elektronisch leitendes Material zur Erhöhung der elektronischen Leitfähigkeit, sowie Elektrolytmaterial, insbesondere ein Polymer oder Festelektrolyt, zur Erhöhung der Ionenleit fähigkeit, sowie weitere Additive umfassen. Vorteilhafterweise kann aber auch reines Lithi- um, beispielsweise in Form einer Li-Folie, oder auch Legierungen von Lithium mit Indium oder Gold, Zink, Magnesium oder Aluminium als negative Elektrode verwendet werden. Wei tere geeignete negative Elektroden für All-Solid-State Lithium-Ionen-Batterien sind bei spielsweise auch Graphit-Elektroden, Silizium basierte Elektroden, Silizium-Kohlenstoff Komposite, Titanoxide, bzw. Lithium Metall Elektroden.
In einer bevorzugten Ausgestaltung der Batterie kann die Batterie eine Li-Metall-Batterie sein und die Batterie mindestens eine Hochstrom- oder Hochspannungs-Elektrode aufweisen. Durch die verbesserten mechanischen und elektrischen Eigenschaften des Festelektrolyten eigenen sich die erfindungsgemäßen Festei ektrolyte besonders für die oben genannten elektrisch hoch anspruchsvollen Anwendungen. Hochstromelektroden sind dabei Elektroden welche eine spezifische Kapazität von über lOO mAh g 1 bei einer Ladedauer von kleiner gleich 15 Stunden bereitstellen können. Hochvoltelektroden können eine Ladeschlussspan nung von > 4V bereitstellen. In einer weiter bevorzugten Ausführungsform kann der erfindungsgemäße Festelektrolyt in elektrochemischen Geräten eingesetzt werden. Zu den elektrochemischen Geräten können neben den primären und sekundären Batterien auch Brennstoffzellen oder Kondensatoren fallen. Des Weiteren kann der erfindungsgemäße Festelektrolyt in elektrochemischen Geräten
als Schicht zu Verbesserung der elektrischen Kontaktierung („Benetzung“) von Elektroden eingesetzt werden.
Beispiele:
I. Herstellung der Festelektrolyte
I.a. Lösemittelverfahren am Beispiel eines Li -Festelektrolyten (Stand der Technik)
Lithium bis(trifluoromethanesulfonyl)imide (LiTFSI, 0,878 g) wird zusammen mit PEGdMA (0,450 g) und dem Radikal Starter Azoisobutyronitril (AIBN, 0,047 g, 2 Gew.-%) in Aceto nitril (6 g) aufgelöst. Die Lösung wird einem Gefäß mit Polyethylenoxid (PEO, l g, 300 kg/mol) hinzugefügt und vier Stunden bei Raumtemperatur gerührt. Die Mischung wird auf eine Mylar-Kunststofffolie mittels eines Rakelverfahrens aufgetragen. Die Membran wird in einem Laborabzug mindestens eine halbe Stunde getrocknet. Die Folie wird bei 80 °C unter Stickstoff-Strom für 1 Stunde polymerisiert und anschließend für mindestens 12 Stunden im Vakuum getrocknet. Zum Erzeugen einer etwa 150 pm dicken Polymerschicht ist eine Nass schichtdicke von etwa 1,5 mm notwendig.
I.b. Lösemittel freies Verfahren am Beispiel eines Li -Festelektrolyten- Variante A
Das Leitsalz LiTFSI (0,878 g) wird zusammen mit PEGdMA (0,450 g) und dem Radikalstar ter AIBN (0,047 g, 2 Gew.-%) für 1 Stunde gerührt, bis eine klare Lösung entsteht. Die Lö sung wird auf das PEO-Pulver (1 g, 300 kg/mol) verteilt und mittels eines Magnetrührers bei 1000 rpm für 10 min durchmischt. Die Komponenten verklumpen miteinander. Das Gemisch wird zwischen zwei Mylar Folien mit einem 100 pm Abstandshalter gegeben und mittels ei ner Laborpresse mit einer Kraft von 25 kN für eine halbe Stunde wiederholt gepresst und zu sammengefaltet. Das Gemisch wird abschließend auf die gewünschte Foliendicke gepresst
und zwischen Mylar-Folien bei 80 °C unter Stickstoff-Strom für 1 Stunde polymerisiert. Op tional kann die Membran anschließend für 12 Stunden im Vakuum getrocknet werden.
I.c. Lösemittel freies Verfahren am Beispiel eines Li -Festelektrolyten - Variante B
Das Leitsalz LiTFSI (0,878 g) wird zusammen mit PEO-Pulver (1 g, 300 kg/mol) in einen Mörser gegeben und für 10 min homogenisiert. Das so entstandene Kaugummi-artige Materi al wird in eine Pouchbag-Folie eingeschweißt und zwei Tage bei 60 °C gelagert. Eine Lösung aus PEGdMA (0,450 g) und dem Radikal Starter AIBN (0.047 g, 2 Gew.-%) wird unter Rüh ren für 1 Stunde hergestellt. Die Lösung wird zusammen mit dem zuvor hergestellten PEO- LiTFSI Material in einem Pouchbag vakuumverschweißt und 24 Stunden gelagert. Das Ge misch wird zwischen zwei Mylar-Folien mit einem 100 pm Abstandshalter gegeben und mit tels einer Laborpresse für eine halbe Stunde wiederholt gepresst und zusammengefaltet. Das Gemisch wird abschließend auf die gewünschte Foliendicke gepresst und zwischen Mylar- Folien bei 80 °C unter Stickstoff-Strom für 1 Stunde polymerisiert. Optional kann die Memb ran anschließend für 12 Stunden im Vakuum getrocknet werden.
Fd. Lösemittel freies Verfahren am Beispiel eines Li -Festelektrolyten - Variante C
Das Leitsalz LiTFSI (0,878 g) wird zusammen mit PEO-Pulver (1 g, 300 kg/mol) in einen Mörser vorgegeben und für 10 min homogenisiert. Eine Lösung aus PEGdMA (0,450 g) und dem Radikal Starter AIBN (0,047 g, 2 Gew.-%) wird unter Rühren für 1 Stunde hergestellt. Die Lösung wird ebenfalls in den Mörser gegeben und für mindestens 10 min homogenisiert. Das Gemisch wird zwischen zwei Mylar Folien mit einem 100 pm Abstandshalter gegeben und mittels einer Laborpresse für eine halbe Stunde wiederholt gepresst und zusammengefal tet. Das Gemisch wird abschließend auf die gewünschte Foliendicke gepresst und zwischen Mylar Folien bei 80 °C unter Stickstoff-Strom für 1 Stunde polymerisiert.
II. Aufbau einer Batteriezelle
Die Messungen an erfindungsgemäßen Batterietypen wurden, soweit nicht explizit anders angegeben, an Festelektrolyten durchgeführt, welche mittels eines Lösemittel-Verfahrens her gestellt wurden. Die elektrischen Eigenschaften erfindungsgemäßer Festei ektrolyte, welche über ein lösemittelfreies Verfahren hergestellt wurden, können höhere amorphe Anteile auf weisen. Für den Einsatz in Lithium-Metall-Batteriezellen wird ein rundes Stück Polymerfolie mit 100 pm Schichtdicke ausgestanzt und analog zu einem Separator zwischen einer Lithium- Metall-Elektrode und einer positiven Elektrode eingesetzt. Die elektrischen Eigenschaften auf dieser Weise hergestellter Lithium-Metall-Batteriezellen wurden bei unterschiedlichen Tem peraturen (60°C, 40°C) getestet.
III. Elektrische Eigenschaften lila. Spezifische Kapazität als Funktion der Lade-/Entladezyklen
Die Figuren 1 und 2 zeigen die normierte spezifische Kapazität erfindungsgemäßer und nicht erfindungsgemäßer Lithium-Metall-Batteriezellen als Funktion der Lade-/Entladezyklen. Die Normierung erfolgt auf eine theoretische Kapazität von 176 mAh/g. Der Batterieaufbau ergibt sich wie folgt: positive Elektrode: NMC622; Negative Elektrode: Li; Ladestrom (jeweils 3x): 7,5 mA g 1, 15 mA g 1, 30 mA g 1, 75 mA g 1, 150 mA g 1, 300 mA g 1, 750 mA g 1, 7,5 mA g Spannungsbereich 3,0 - 4,3 V, Festelektrolyt wie angegeben mit einem EO:Li-Verhältnis von 15:1; Temperatur 60 °C.
Die Figur 1 gibt die mittlere Kapazität und die Standardabweichungen von Batterien mit ei nem reinen PEO-Festelektrolyten und die Figur 2 die mittlere Kapazität und die Standardab weichungen von Batterien mit einem PEO/PEGdMA-Festelektrolyten (PEGdMA 45 Gew.-% bezogen auf PEO) wieder. Es sind jeweils die Mittelwerte und die Standardabweichung von
Messungen an 5 unterschiedlichen Batteriezellen gezeigt. Es wird durch einen Vergleich der Figuren 1 und 2 deutlich, dass die Standardabweichungen für die spezifische Kapazität der erfindungsgemäßen Batterien im Vergleich zu den Batterien mit reinem PEO-Festelektrolyten deutlich kleiner sind. Dies lässt auf einen reproduzierbareren Lade-/Entladevorgang der erfin- dungsgemäßen Batterien schließen. Wahrscheinlich werden durch die Einlagerungs- /Auslagerungsvorgange der Metallionen die mechanische Struktur der erfindungsgemäßen Festelektrolyten weniger gestört als die Struktur reiner PEO-Festelektrolyte. Ohne durch die Theorie gebunden zu sein lässt sich die erhöhte elektrische Stabilität der erfindungsgemäßen Festelektrolyte auf ein verringertes Dendritenwachstum während der Lade-/Entladevorgänge in den mechanische stabilisierten erfindungsgemäßen Festelektrolyten zurückführen.
Lllb. Galvanostatisches Laden -/Entladen
Die Figur 3 zeigt die normierte spezifische Kapazität eines erfindungsgemäßen (PEO/PEGdMA) und eines nicht erfindungsgemäßen Festelektrolyten (PEO). Die Spezifika tionen des Versuchsaufbaus sind wie folgt: Zelltyp: 2032 Knopfzelle, Elektrode: NMC 622 (Targray) Li (Albemarle); Elektrolyte wie angegeben; EO:Li Verhältnis: 15:1; Testdurchfüh rung: lx C/20, lOOx C/10; Spannungsbereich: 3,0 - 4,3 V; Temperatur: 60 °C; Aktivmasse ~ 4 mg.
Aus dem Vergleich der Daten von erfindungsgemäßen und nicht-erfindungsgemäßen Fest elektrolyten ergibt sich, dass die erfindungsgemäßen Festelektrolyten eine deutlich gesteigerte Lebensdauer gegenüber den reinen PEO-Festelektrolyten aufweisen. Insbesondere die Lade- /Entladecharakteristik wie auch die Reproduzierbarkeit wird durch den Einsatz der erfin- dungsgemäßen Festelektrolyten verbessert.
LLLc. Temperaturabhängigkeit der Normierten Spezifischen Kapazität als Funktion der Lade- /Entladezyklen
Die Figur 4 zeigt die normierte spezifische Kapazität einer Batterie mit einem erfindungsge mäßen Festelektrolyten bei 40°C (Dreiecke) und 60°C (Kreise) als Funktion der Lade- /Entladezyklen. Dem Verlauf der spezifischen Kapazität kann entnommen werden, dass ins- besondere auch bei tiefen Temperaturen eine sehr gute Stabilität des erfindungsgemäßen Fest elektrolyten vorliegt und die Kapazität in einem nur sehr geringen Umfang sinkt.
Llld. Amorphe Phase Die Figur 5 zeigt ein DSC-Thermogramm (Temperaturbereich -100°C - 100 °C, 10 K/min) an erfindungsgemäßen Festelektrolyten (45 Gew.-% PEGdMA) mit unterschiedlichen EO:Li- Verhältnissen. Durch eine Erhöhung der Li-Salzkonzentration auf 10:1 im Festelektrolyten lässt sich der kristalline Anteil am Festelektrolyten unterdrücken. Dementsprechend erhält man einen hochamorphen Festelektrolyten mit verbesserten elektrischen Eigenschaften.
Llle. Leitfähigkeit
Die Figur 6 zeigt die Leitfähigkeit erfindungsgemäßer Festelektrolyten (45 Gew.-% PEGd MA) als Funktion des EO:Li -Verhältnisses und als Funktion der Temperatur. Der apparative Aufbau ist wie folgt: EIS; Frequenzbereich: 1 MHz - 1 Hz; Temperaturbereich 0 °C - 70 °C; Zelle: Knopfzelle 2032; Probenhöhe: 100 pm; Probendurchmesser: 15 mm (Kreis); Blocking Elektroden: Rostfreier Stahl.
Der Figur 6 kann entnommen werden, dass die erfindungsgemäßen Batterien mit den erfin- dungsgemäßen Festelektrolyten bei 40°C und einem EO: Li -Verhältnis von 1:10 eine zur 60°C vergleichbare ionische Leitfähigkeit aufweisen. Somit ist das Tieftemperaturverhalten der erfindungsgemäßen Festelektrolyte deutlich besser als das elektrische Verhalten reiner PEO- Festelektrolyte.
Ulf. Einsatz zweier unterschiedlicher Li-Leitsalze
Die Figur 7 zeigt das Spannungsverhalten einer Batterie mit erfindungsgemäßen Festelektro lyten (45 Gew.-% PEGdMA) über die Zeit als Funktion der Anzahl unterschiedlicher Li- Leitsalze in einer Anordnung aus NMC622//PEO+PEGdMA//Li bei 60 °C mit einem spezifi schen Ladestrom von 15 mA g 1. Der Figur kann entnommen werden, dass durch den Einsatz zweier Li-Salze (LiTFSI mit LiFTFSI) sich ein verbesserter Spannungsanstieg über die Zeit im Vergleich zu Festelektrolyten mit nur einem Leitsalz (LiTFSI) ergibt.
Lllg. Elektroden
Die Figuren 8 und 9 zeigen die Batteriespannung unter Verwendung unterschiedlicher Ano den als Funktion der Zeit. In der Figur 8 wurde eine Anordnung aus NMC622//PEO+PEGdMA//Graphit und in der Figur 9 eine Anordnung aus NMC622//PEO+PEGdMA//LTO verwendet. Man kann den Auftragungen entnehmen, dass ein fehlerfreier Betrieb von Zellen unter Nutzung von NMC622 und einer von metallischem Lithium abweichenden negativen Elektrode möglich ist.
Lllh. sIPN mit Polycaprolacton
Die Figuren 10 und 11 zeigen die elektrischen Eigenschaften von Batterien mit einem sIPN aus Polycaprolacton und PEGdMA (45 Gew.-% bezogen auf PCL) in einer Anordnung aus NMC622//Polycaprolacton+PEGdMA//Li bei 60 °C. Die Figur 10 zeigt dabei die Spannung als Funktion der spezifischen Kapazität und die Figur 11 zeigt den Spannungsverlauf als Funktion der Zeit bei einem spezifischen Ladestrom von 15 mA g 1.
Den Figuren kann man entnehmen, dass sich auch mit PCL als Komponente des sIPNs stabile und elektrisch geeignete Festelektrolyten ergeben, welche sich zum Einsatz in Batterien eig nen.