Beschichtete ETFE-Folie, Verfahren zur Herstellung und Verwendung derselben
Anwendungsgebiet der Erfindung:
Die vorliegende Erfindung betrifft eine beschichtete ETFE (Ethylen-Tetrafluorethylen-Co- polymer)-Folie, wobei der statische Wasserkontaktwinkel auf der Oberfläche der Beschichtung > 60 ist und an der Oberfläche der Beschichtung, gemessen mit XPS, mindestens je 1 Atom-% Silizium, Titan, Zink und/oder Aluminium vorhanden ist, bezogen auf die Gesamtzahl der mit XPS gemessene Atome.
Die Erfindung betrifft ferner die Verwendung der erfindungsgemäß beschichteten ETFE- Folie für die Beschichtung von Bauwerken, insbesondere Häusern und ganz besonders Gewächshäusern sowie ein Verfahren zur Herstellung der erfindungsgemäßen ETFE- Folie.
ETFE (Ethylen-Tetrafluorethylen-Copolymer)-Folien werden aufgrund ihrer Langlebigkeit, ihrer guten UV-Beständigkeit, sowie ihrer guten Transparenz, insbesondere im UV- Bereich, sowie ihrer guten mechanischen und thermischen Eigenschaften häufig im Architekturbereich eingesetzt. Diese Folien weisen eine niedrige Oberflächenenergie auf. Nied- rige Oberflächenenergien sind im Außenbereich vorteilhaft, um ein Abperlen von Wasser und Schmutz zu gewährleisten. Im Innenbereich ist die niedrige Oberflächenenergie häufig unerwünscht, weil sich dadurch Kondenswasser, üblicherweise in Tropfenform, an der Folienoberfläche bilden kann. Dies kann zu einem unerwünschten Heruntertropfen von Kondenswasser führen. Zudem ist nicht ausgeschlossen, dass es zu einem Brennglaseffekt kommt, wenn Sonnenlicht durch den Tropfen fokussiert wird.
Insbesondere bei der Verwendung von Folien für Gewächshausdächer ist die Ausbildung von Kondenswassertropfen schädlich, weil sowohl die hängenden Tropfen als auch ein Herabtropfen auf die Pflanzen zu einem„Verbrennen“ der Pflanzenblätter führen und so den Wuchs und den Ertrag der Pflanzen maßgeblich reduzieren. Zudem wird die Schim- melbildung ermöglicht und befördert. Daher sollten insbesondere bei Dachneigungen größer 20° keine Wassertropfen durch Kondenswasser auf der Innenseite der Dachfläche her- untertropfen oder dauerhaft verbleiben. Dies ist nach dem Stand der Technik bei der Verwendung von ETFE-Folien dauerhaft nicht möglich, ohne die gute UV-Durchlässigkeit der Folien zu beeinträchtigen. Stand der Technik:
Im Stand der Technik wird diese Aufgabe dadurch gelöst, dass ETFE-Folien an der Oberfläche z.B. durch eine Corona-Behandlung (vergleiche z.B. EP 2 530 1 12 A1 ) oder eine Plasmabehandlung, z.B. mit Sauerstoff-, Stickstoff- oder Argon-Plasmen hydrophiliert werden. Dabei werden primär Sauerstoffatome an der Folienoberfläche eingebaut. Dies führt dazu, dass deren Polarität ansteigt und somit Wasser die Oberfläche besser benetzen kann.
Nachteilig ist, dass dieser Effekt der Hydrophilierung einer Alterung unterliegt. Ohne an die Theorie gebunden zu sein, besitzen die ETFE-Polymerketten eine Kettensegmentbeweglichkeit, welche nicht durch Quervernetzungen oder Seitenketten eingeschränkt wird. Wei- terhin strebt das System ETFE-Folie an, die Oberflächenenergie zu minimieren. Dies führt dazu, dass die aktivierten hydrophilen Kettensegmente in das Material„abtauchen“ und unbehandelte bzw. schwächer behandelte Kettensegmente an die Oberfläche treten. Im Ergebnis nimmt die Oberflächenenergie der behandelten ETFE-Folie während der Alterung wieder ab. Dieser Effekt der Minimierung der Oberflächenenergie wird gerade bei Tempe- raturerhöhung beschleunigt, denn dadurch erhöht sich die Kettensegmentbeweglichkeit.
Weiterhin können, insbesondere nach Oberflächenaktivierung, ETFE-Folien nasschemisch, z.B. durch Lacke (vergleiche z.B. EP 2 397 029 B1 ), Sol-Gel-Systeme oder auch durch Coextrusion beschichtet werden. Nachteilig ist hierbei aber, dass die UV- Beständigkeit leidet, die UV-Durchlässigkeit herabgesetzt wird und die mechanischen Ei- genschaften der Folie verändert werden (z.B. höheres Flächengewicht, Herabsetzung des Schrumpfs der Folie unter Temperatureinfluss). Diese Effekte machen diese Lösungen gerade für Arch ite kt u ra nwe nd u ng e n unattraktiv.
Stand der Technik ist z. B. die Folie F-Clean der Fa. AGC Chemicals Europe, Ltd..
Hierbei handelt es sich um eine ETFE-Folie, die für den Einsatz in Gewächshäusern mit einer antidrop-Beschichtung ausgestattet ist.
Nachteilig an dieser Beschichtung ist, dass sie die UV-Lichtdurchlässigkeit beeinträchtigt. Zudem kommt es bei Anwendungen, bei denen die Folie zur Installation mit höheren Temperaturen beaufschlagt wird (vergleiche z.B. WO 2017/153782 A2 Seite 7 Zeile 36ff) zu einer Degradation und zu einer Ablösung der Beschichtung.
Vor diesem Hintergrund des Standes der Technik war es Aufgabe der vorliegenden Erfindung, eine Lösung bereitzustellen, die möglichst viele der positiven Eigenschaften der ETFE-Folie beibehält, die Tropfenbildung von Wassertropfen, insbesondere Kondenswas- ser, reduziert und bevorzugt verhindert. Dabei sollten bevorzugt insbesondere die mechanischen Eigenschaften der ETFE-Folien unverändert bleiben und/oder der Effekt der Tropfenreduzierung möglichst dauerhaft bestehen bleiben und/oder auch erhöhten Temperaturen stand halten. Ferner wird es weiter bevorzugt, dass die gewünschten Effekte auch dann bestehen bleiben, wenn der typische Folienschrumpf einer ETFE-Folie nach Temperatureinwirkung auftritt.
Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe gelöst durch eine beschichtete ETFE-Folie, wobei der statische Wasserkontaktwinkel auf der Oberfläche der Beschichtung < 60° ist und an der Oberfläche der Beschichtung, gemessen mit XPS, mindestens 1 at% Silicium, 1 at% Titan, 1 at% Zink und/oder 1 at% Aluminium vorhanden ist, bezogen auf die Gesamtzahl der mit XPS gemessenen Atome, mit der Maßgabe, dass, falls von Silicium, Titan, Zink und Aluminium nur Aluminium an der Oberfläche umfasst ist, gilt: an der Oberfläche der Beschichtung ist zwischen 1 at% und 18 at%, bevorzugt zwischen 3 at% und 15 at% und besonders bevorzugt zwischen 6 at% und 10 at% Fluor, das nicht in Form an Tetrafluo- rethyleneinheiten gebunden ist, umfasst, bezogen auf die Gesamtzahl der mit XPS gemessenen Atome.
Überraschenderweise hat sich herausgestellt, dass die mit einer siliziumhaltigen Schicht (und/oder einer titanhaltigen Schicht und/oder einer zinkhaltigen Schicht und/oder einer aluminiumhaltigen Schicht) beschichtete ETFE-Folie mit dem entsprechenden statischen Wasserkontaktwinkel die positiven Eigenschaften der ETFE-Folie über einen langen Zeitraum und unter Verwendungsrandbedingungen beibehält und die die Tropfneigung bei Kondenswasserbildung reduziert und im besten Fall verhindert.
Der statische Wasserkontaktwinkel wird im Zweifelsfall wie in Beispiel 3 beschrieben in
Anlehnung an die DIN 55660 DIN bestimmt.
Die XPS (X-Ray photoelectrons spectroscopy, auch electron spectroscopy for Chemical analysis, ESCA genannt) erfolgt im Zweifelsfall, wie nachfolgend in diesem Text beschrie- ben, hier insbesondere wie im Beispiel 2. Dabei ist zu beachten, dass die XPS-Werte, sofern es nicht explizit angegeben ist, immer die Werte im Abnahmewinkel 0 Grad sind, also orthogonal zur Oberfläche bzw. 0 Grad zur Flächennormale.
Bevorzugt ist eine beschichtete ETFE-Folie, wobei eine Oberfläche der Beschichtung unabhängig davon, ob von Silicium, Titan, Zink und Aluminium nur Aluminium an der Ober- fläche umfasst ist, zwischen 1 at% und 18 at%, bevorzugt zwischen 3 at% und 15 at% und besonders bevorzugt zwischen 6 at% und 10 at%, Fluor, das nicht in Form an Tetrafluorethyleneinheiten gebunden ist, umfasst ist, bezogen auf die Gesamtzahl der mit XPS gemessenen Atome.
Im Zusammenhang dieser Anmeldung bedeutet dabei„Fluor, das nicht an Tetrafluor-Ein- heiten gebunden ist“, dass es sich dabei um Fluor handelt, welches zwar aus dem Tetra- fluorethylen-Einheiten des ETFE stammen kann, nicht aber muss. Bevorzugt ist es erfindungsgemäß, dass das Fluor zumindest überwiegend aus den Tetrafluorethylen-Einheiten des ETFE stammt. Dieses nicht an T etrafluorethylen-Einheiten gebundene Fluor wird im Nachfolgenden auch als„FluorExtra Oder F Extra bezeichnet. Es hat sich im Rahmen der Entwicklung der vorliegenden Erfindung herausgestellt, dass es vorteilhaft ist, eine gewisse Menge Fluor an der Oberfläche zu haben, wobei das Fluor anders als an ETFE-gebunden vorliegt.
Daher ist erfindungsgemäß bevorzugt, eine erfindungsgemäß beschichtete ETFE-Folie, wobei hier an der Oberfläche der Beschichtung im Vergleich zum Inneren der ETFE-Folie ein um >0,5, bevorzugt >1 , weiter bevorzugt >2 größeres Verhältnis zwischen dem Anteil an Fluor, das nicht in Form von Tetrafluorethyleneinheiten gebunden ist, und dem Anteil an Fluor, das in Form von Tetrafluorethyleneinheiten gebunden ist, vorhanden ist.
Unter dem„Inneren der ETFE-Folie“ ist im Zusammenhang dieses Textes der mittlere Bereich der ETFE-Folie (ohne Beschichtung) zu verstehen. Im Zweifelsfall ist der Wert der jeweiligen Atomkonzentrationen„im Inneren der ETFE-Folie“ in der Mitte der ETFE-Folie
senkrecht zu ihrer Oberfläche zu bestimmen, wobei es bevorzugt ist, dass die Beschichtung zur Bestimmung der jeweiligen Mitte nicht mitgerechnet wird. Da es aber in vielen Fällen nicht einfach ist, die konkrete Grenze bei der erfindungsgemäß beschichteten ETFE-Folie zwischen Beschichtung und ursprünglicher Folie festzustellen, wird im Zwei- felsfall bei der Bestimmung der Mitte die Dicke der Beschichtung nicht abgezogen, mit anderen Worten, es gilt als Bestimmungsort für die Werte im„Inneren der ETFE-Folie“, die Mitte zwischen den beiden Oberflächen der beschichteten erfindungsgemäßen ETFE- Folie.
Erfindungsgemäß bevorzugt ist eine erfindungsgemäß beschichtete ETFE-Folie, wobei an der Oberfläche der Beschichtung im Vergleich zum Inneren der ETFE-Folie zwischen 0,5 at% und 18 at%, bevorzugt zwischen 1 at% und 15 at% und besonders bevorzugt zwischen 2 at% und 10 at% mehr Fluor, das nicht an Tetrafluorethyleneinheiten gebunden ist, umfasst ist, bezogen auf die Gesamtzahl der mit XPS gemessenen Atome.
Insbesondere dann, wenn als Beschichtungsmaterial ein nicht-fluorhaltiges Material einge- setzt ist (was erfindungsgemäß bevorzugt ist) sind die oben beschriebenen Verhältnisse an nicht an Tetrafluorethylen-Einheiten gebundenem Fluor bzw. die absoluten Konzentrationen an nicht an Tetrafluorethylen-Einheiten gebundenem Fluor ein guter Hinweis darauf, dass eine gute bzw. hervorragende Adhäsion der Beschichtung auf der ursprünglich un beschichteten ETFE-Folie vorliegt. Sofern ein geeignetes Auftragsverfahren gewählt wird, ist es nämlich so, dass während des Auftragsverfahrens Teile der ETFE-Einheiten chemisch verändert werden, insbesondere, indem Fluor oder fluorhaltige Molekülteile abgespalten werden, sodass die Anbindung der Beschichtung an die ursprünglich ETFE-Folie gefördert wird. Ohne an eine Theorie gebunden zu sein, wechselwirken die fluorhaltigen Molekülteile während des Schichtauftrags mit dem abzuscheidenden Medium, werden so mit abge- schieden und bilden eine besonders haftfeste Mischschicht. Dies ist insbesondere der Fall, wenn es sich bei den Auftragsverfahren um Plasmaverfahren oder Verfahren mit einer Strahlungskomponente mit Wellenlängen < 250 nm, bevorzugt 200 nm handelt.
Es ist erfindungsgemäß bevorzugt, dass die erfindungsgemäße beschichtete ETFE-Folie in der Beschichtung Fluor (F), Sauerstoff (O), und Kohlenstoff (C) umfasst. Besonders be- vorzugt ist es, dass die erfindungsgemäß einzusetzende Beschichtung zu > 95% aus den Elementen Silizium, Aluminium, Zink, Titan, Sauerstoff, Kohlenstoff, Fluor und Wasserstoff besteht, weiter bevorzugt zu > 98 Atom-%, jeweils gemessen mittels XPS.
Die erfindungsgemäß beschichtete ETFE-Folienoberfläche weist gemessen mit XPS auf der Seite der Beschichtung bevorzugt folgende Elementzusammensetzung auf (Abnahmewinkel 0 °, also orthogonal zur Probenoberfläche bzw. 0° zur Flächennormale):
5 at% < [Co ] < 25 at%
35 at% < [Oo°] < 60 at%
18 at% < [Sio ] < 30 at%
2 at% < [Fo°] < 30 at%, jeweils bezogen auf die Gesamtzahl mit XPS erfassten Atome.
Die erfindungsgemäß beschichtete ETFE-Folienoberfläche weist weiter bevorzugt auf der Seite der Beschichtung gemessen mit XPS bevorzugt folgende Elementzusammensetzung auf Abnahmewinkel 0 also orthogonal zur Probenoberfläche bzw. 0° zur Flächennormale):
10 at% < [Co ] < 20 at% und/oder
45 at% < [Oo°] < 50 at% und/oder
20 at% < [Sio°] < 27 at% und/oder
5 at% < [Fo°] < 20 at%, jeweils bezogen auf die Gesamtzahl mit XPS erfassten Atome, wobei besonders bevorzugt in allen Fällen eine und-Verknüpfung der bevorzugten Bereiche vorliegt.
Die Konzentration von Fluor [Fextra], welches nicht in Form von Tetrafluorethylen-Einheiten gebunden ist berechnet sich aus der Differenz aus der gemessenen Fluor-Konzentration der beschichteten ETFE-Folienoberfläche [Fo°] und der berechneten Fluorkonzentration der Tetrafluorethylen-Einheiten des ETFE an der Oberfläche. Diese Spezies wird, ohne an eine Theorie gebunden zu sein, durch Einwirkung des Beschichtungsverfahrens, insbesondere z. B. eines Plasmas bzw. der dazugehörigen Strahlungskomponente auf die ETFE-Folie und/oder durch Redeposition des Fluors während der Schichtabscheidung er- zeugt und bewirkt einen Übergang von der ETFE-Folie hin zur Beschichtung. In diesem Übergangsbereich liegen Konzentrationsgradienten vor, die kein scharfes Interface, sondern eine Interphase bilden, die besonders gute Haftung der Beschichtung auf der ETFE- Folie ermöglicht.
Die Konzentration [Fextra] liegt bevorzugt zwischen 1 at% und 18 at%, besonders bevorzugt zwischen 3 at% und 15 at% und besonders bevorzugt zwischen 6 at% und 10 at%, jeweils bezogen auf die Gesamtzahl mit XPS erfassten Atome.
[Fextra] = [F] - [FTFE]
Die Fluorkonzentration [FTFE] wird bestimmt, indem das hochaufgelöste C1s-Spektrum aufgenommen wird und der Fachmann durch Basislinienkorrektur des separierten Peaks der Tetrafluorethylengruppen (C2F4-Gruppen) bei EB = 289,85 eV +- 0,2 eV den Anteil dieser C1s-Photolinie (CTFE-Anteil) vom Gesamt C1s-Spektrum bestimmt (bei Normierung des aliphatischen C1s-Peaks der Ethylengruppen des ETFE auf 285,0 eV). Die Fluorkonzentration FTFE berechnet sich wie folgt:
[FTFE] - 2 x [C] x CTFE-Anteil
Erfindungsgemäß bevorzugt ist eine erfindungsgemäß beschichtete ETFE-Folie, wobei die Beschichtung einen Konzentrationsgradienten für die Konzentration des Fluors, das nicht an Tetrafluorethyleneinheiten gebunden ist, aufweist, wobei bevorzugt die Konzentration zur Tiefe hin abnimmt.
Dieser Fluorkonzentrationsgradient weist auf ein besonders geeignetes Beschichtungsver- fahren hin, insbesondere auf ein plasmapolymeres Beschichtungsverfahren.
Insbesondere im Rahmen der Voraussetzung, dass während der Beschichtung der ETFE- Oberfläche zur Anbindung der Beschichtung ein geeignetes Auftragungsverfahren verwendet wird (durch chemische Veränderung des ETFE) ist eine erfindungsgemäß beschichtete ETFE-Folie bevorzugt, wobei die Beschichtung einen Konzentrationsgradienten für die Konzentration der Elemente O und/oder C und/oder Si und/oder Ti und/oder Zn und/oder AI aufweist, wobei bevorzugt
- die O-Konzentration zur Tiefe hin zunimmt und/oder
- die C-Konzentration zur Tiefe hin abnimmt und/oder
- die Si-Konzentration zur Tiefe hin abnimmt und/oder - die Ti-Konzentration zur Tiefe hin abnimmt und/oder
- die Zn-Konzentration zur Tiefe hin abnimmt und/oder
- die Al-Konzentration zur Tiefe hin abnimmt.
Ein Konzentrationsgradient liegt erfindungsgemäß dann vor, wenn die XPS-Messungen für ein einzelnes Element im Abnahmewinkel von 0 Grad (maximale Eindringtiefe) und im Abnahmewinkel von 70 Grad (geringere Eindringtiefe = oberflächennäher) unterschiedliche Ergebnisse ergeben.
Die XPS-Messungen ergeben bei einem Abnahmewinkel von 70° bevorzugt folgende Konzentrationsunterschiede im Vergleich zu den XPS-Messungen bei einem Abnahmewinkel von 0°:
-0,5 at% < DO < 10 at% und/oder
-5 at% < AC < - 0,25 at% und/oder
-5 at% < ASi < - 0,25 at%, jeweils bezogen auf die Gesamtzahl mit XPS erfassten Atome. mit:
DO = [Oo°] - [O7o°]
ASi = [Sio ] - [Si/o- ]
AC = [Co ]— [C70 ]
Daher bedeuten D- Werte < 0 eine Abnahme der Konzentration des jeweiligen Elements zur Tiefe hin und D- Werte > 0 eine Zunahme der Konzentration des jeweiligen Elements zur Tiefe hin.
Grundsätzlich bevorzugt ist eine erfindungsgemäß beschichtete ETFE-Folie, wobei die auf- gebrachte Beschichtung an der Oberfläche, gemessen mit XPS, mindestens 0,5 at% Fluor enthält; bevorzugt mindestens 1 at%, bezogen auf die Gesamtzahl der mit XPS gemessenen Atome.
Dabei ist es bevorzugt, dass wenigstens ein Teil des Fluors an der Oberfläche der Beschichtung nicht in Form von T etrafluorethylen-Einheiten vorliegt. -5 at% < AF extra < - 0,25 at%, jeweils bezogen auf die Gesamtzahl mit XPS erfassten Atome mit
DR extra— [F extra, 0°] ~ [F extra, 70°] .
Diese Stoffzusammensetzungen der Beschichtung, insbesondere die bevorzugten, weisen gute Eigenschaften im Sinne der Aufgabenstellung auf.
Mittels der beschriebenen Stoffzusammensetzungen, insbesondere mittels der bevorzug- ten, ist es auch möglich, besonders gute Eigenschaften für die erfindungsgemäße beschichtet ETFE-Folie zu erzeugen.
Dementsprechend ist eine beschichtete ETFE-Folie erfindungsgemäß bevorzugt, wobei die aufgebrachte Beschichtung gegenüber Wasser einen statischen Kontaktwinkel von < 60 ° aufweist, bevorzugt < 50 °, besonders bevorzugt < 40 °. Außerdem, oder zusätzlich bevorzugt, ist eine erfindungsgemäße beschichtete ETFE- Folie, wobei die aufgebrachte Beschichtung einen dispersen Anteil der Oberflächenenergie aufweist im Bereich von 25 - 45 mN/m, bevorzugt zwischen 28 - 40 mN/m.
Der disperse Anteil der Oberflächenenergie wird im Zweifelsfall wie in dem aufgeführten Beispiel 3 bestimmt. Bevorzugt ist eine erfindungsgemäße ETFE-Folie, wobei die beschichtete ETFE-Folie gegenüber der unbeschichteten ETFE-Folie im Wellenlängenbereich zwischen 300 nm und 400 nm eine um weniger als 3%, besonders bevorzugt weniger als 2%, weiter bevorzugt weniger als 1 % reduzierte UV-Lichtdurchlässigkeit aufweist.
Dabei ist es unmittelbar nachvollziehbar, dass die vorabbeschriebenen erfindungsgemäß erreichbaren Merkmale besonders vorteilhaft sind für den Einsatz der erfindungsgemäßen beschichteten ETFE-Folie. Es ist dem Fachmann leicht möglich, anhand der vorliegenden Angaben insbesondere mittels der bevorzugten Stoffzusammensetzungen, im durch die Erfindung aufgespannten technischen Rahmen besonders günstige Eigenschaften für die von ihm gewünschte Anwendung zu erreichen. Besonders bevorzugt ist dabei im Sinne der vorliegenden Erfindung, dass die aufgebrachte Beschichtung eine plasmapolymere Beschichtung ist. Plasmapolymere lassen sich besonders gut hinsichtlich der Schichteigenschaften steuern und sind insbesondere auf Basis der in den Beispielen weiter unten beschriebenen Angaben für den Fachmann im Rahmen der Erfindung gut variierbar. Grundsätzlich sind die erfindungsgemäßen Beschichtungen
auch auf andere Weise herstellbar, als plasmapolymere Beschichtungen. Diese sind sie aber für den Fachmann besonders gut zugänglich.
Alternativ bevorzugte Beschichtungsmethoden für die Herstellung der erfindungsgemäß beschichteten ETFE-Folie sind neben der plasma polymeren Beschichtung (was besonders bevorzugt ist) auch Auftragungsverfahren wie zum Beispiel Reaktivsputtern von Aluminium, Zink oder Titan oder deren Oxiden. Besonders bevorzugt ist, dass sich in diesen Fällen die Folie in direkter Sicht zur Sputterquelle (Line-of-Sight) befindet und weiter bevorzugt der Abstand zwischen Sputterquelle und Folie gering ist, so dass die ETFE-Folie durch das vorhandene Plasma und / oder die energiereiche Strahlung mit Wellenlängen bevorzugt < 250 nm, weiter bevorzugt < 200 nm beeinflusst wird. Die Abstände zwischen Sputterquelle und Folie sind bevorzugt < 10 cm, weiter bevorzugt < 5 cm, weiter bevorzugt < 2 cm, weiter bevorzugt < 1 cm. Dabei ist für sämtliche Auftragungsverfahren erfindungsgemäß besonders bevorzugt, dass das Beschichtungsmaterial (also das Material, das auf die ETFE-Folie aufgebracht wird) kein Fluor umfasst. Bevorzugt ist eine erfindungsmäßige ETFE-Folie, wobei die aufgebrachte Beschichtung nach einer Erwärmung von 5 Minuten auf 90 °C und anschließender Abkühlung auf Raumtemperatur einen statischen Wasser-Kontaktwinkel von < 60° und/oder eine Oberflächenenergie von > 45 mN/m, weiter bevorzugt > 50 mN/m, besonders bevorzugt > 55 mN/m aufweist. Dabei ist besonders bevorzugt, dass die im vorhergehenden Absatz genannten Werte für den Wasser-Kontaktwinkel und/oder die Oberflächenenergie auch bei einer Erwärmung für 5 Minuten auf 95 °C, bevorzugt auf 100 °C, weiter bevorzugt auf 105 °C, noch weiter bevorzugt auf 1 10 °C, besonders bevorzugt auf 1 15 °C und ganz besonders bevorzugt auf 120 °C und anschließender Abkühlung auf Raumtemperatur erfüllt werden. Diese Eigenschaften sind besonders wichtig für viele Verwendungen der erfindungsgemäßen Folie, da es häufig notwendig ist, die Folie kurzzeitig zu erhitzen, um sie auf die Zieloberfläche aufzubringen.
Die Transmission bei einer Wellenlänge von 400 nm beträgt bei der erfindungsgemäßen Folie bei einer Folienstärke von 100 pm bevorzugt mindestens 0,75, weiter bevorzugt min- destens 0,80, und noch weiter bevorzugt mindestens 0,82, sowie bevorzugt maximal 0,95, weiter bevorzugt maximal 0,90, und noch weiter bevorzugt maximal 0,87. Bevorzugt weist die aufgebrachte Beschichtung eine Schichtdicke von weniger als 50 nm auf, besonders
bevorzugt weniger als 35 nm, weiter bevorzugt weniger als 25 nm, besonders bevorzugt weniger als 15 nm.
Teil der Erfindung ist auch die Verwendung einer erfindungsgemäßen beschichteten ETFE-Folie für die Ausstattung insbesondere in Form von Beschichtung von Bauwerken, bevorzugt Häusern, besonders bevorzugt Gewächshäusern.
Auch im Sinne der erfindungsgemäßen Verwendung ist es allgemein bevorzugt, als erfindungsgemäß einzusetzende ETFE-Folie eine solche zu nehmen, die nach dem Aufheizen bis zu ihrer Erweichung und einer nachfolgenden Abkühlung auf Raumtemperatur einen Schrumpf von mindestens einer Raumrichtung von > 0,5%, bevorzugt > 1 % aufweist. Dies ist hilfreich, um die Folie als Außenhaut eines Bauwerkes (oder im Falle von Glashäusern auch als innenliegende Beschichtung) mittels einer ausreichenden Folienspannung aufzubringen. Überraschenderweise korrelieren die mechanischen Eigenschaften dieser bevorzugt einzusetzenden ETFE-Folien besonders gut mit denen der erfindungsgemäß einzusetzenden Beschichtung. Teil der Erfindung ist auch ein Verfahren zur Herstellung der erfindungsgemäßen beschichteten ETFE-Folie, umfassend die Schritte a) Bereitstellen einer ETFE-Folie, bevorzugt in einer oben beschriebenen bevorzugten Variante, b) Aufbringen einer Beschichtung wie oben definiert, bevorzugt ebenfalls einer bevorzug- ten Variante auf die ETFE-Folie.
Wie bereits oben beschrieben wird auf dieser Art eine Langzeitstabilisierung ermöglicht, und dieser Effekt ist auch bevorzugt nach kurzzeitigem Aufheizen der Folie (vgl. weiter oben) bis zur Wärmeformbeständigkeitstemperatur (HDT-A) der Folie im Wesentlichen unverändert. Bevorzugt ist ein erfindungsgemäßes Verfahren, wobei in Schritt b) eine plasmapolymere Beschichtung aufgebracht wird, bevorzugt mit Hexamethyldisiloxan (HDMSO) als Prekur- sor und/oder wobei bevorzugt in einem nachfolgende Schritt c) eine Plasmaaktivierung mittels sauerstoffhaltiger Gase, bevorzugt mittels Sauerstoff erfolgt.
Der Plasmabehandlungsprozess besteht bevorzugt aus mehreren Prozessschritten, besonders bevorzugt beinhaltet er einen Beschichtungsschritt und einen anschließenden Aktivierungsschritt, weiter bevorzugt wird vor dem Beschichtungsschritt ein Prozessschritt zur gleichzeitigen Trocknung und Aktivierung durchgeführt. Allgemein wird für das bevorzugte erfindungsgemäße Plasmaverfahren bei mindestens einem Prozessschritt (Beschichtung) eine unter Plasmaeinwirkung schichtbildende Verbindung, bevorzugt als Gas (mit) in die Plasmakammer eingeführt. Bei dieser Verbindung handelt es sich bevorzugt um eine siliziumhaltige, weiter bevorzugt siliziumorganische, noch weiter bevorzugt eine Verbindung ausgewählt aus der Gruppe Silane, Siloxane, Sila- zane und ganz besonders bevorzugt um HDMSO.
Ein alternativ bevorzugtes erfindungsgemäßes Verfahren ist ein solches, wobei in Schritt b) eine Ti-haltige und/oder Al-haltige und/oder Zn-haltige Metalloxidschicht bevorzugt durch Reaktivgassputtern aufgebracht wird, bei dem sich die ETFE-Folie in direkter Sicht zur Sputterquelle befindet und/oder der Abstand zwischen Sputterquelle und Folie bevor- zugt < 10 cm, weiter bevorzugt < 5 cm, weiter bevorzugt < 2 cm, weiter bevorzugt < 1 cm beträgt und/oder wobei bevorzugt in einem nachfolgende Schritt c) eine Plasmaaktivierung mittels sauerstoffhaltiger Gase, bevorzugt mittels Sauerstoff erfolgt.
Bevorzugt wird die Folie zur Beschichtung zumindest teilweise mit einem Abstand von mindestens 4 mm und maximal 200 mm vor einer Plattenelektrode entlanggeführt; wobei die Folie bevorzugt eine Bahnbreite von mindestens 350 mm aufweist und die Plattenelektrode mindestens 5 mm breiter als die Bahnbreite der Folie ist. Bevorzugt wird die Fluorpolymerfolie hierbei mit einer Geschwindigkeit zwischen 0,5 m/min und 150 m/min, besonders bevorzugt zwischen 1 ,5 m/min und 50 m/min vor der Elektrode entlanggeführt.
Bevorzugt wird die Folie beim Beschichten mindestens 0,3 m, besonders bevorzugt min- destens 1 m in Bahnrichtung vor einer Plattenelektrode entlanggeführt. Besonders bevorzugt wird die Folie beim Beschichten vor mindestens zwei Plattenelektroden mit einer Gesamtlänge (in Bahnrichtung) von mindestens 0,3 m, besonders bevorzugt mindestens 1 m entlanggeführt. Weiter bevorzugt wird die Folie zumindest vor und/oder nach einer Strecke mit einem Abstand von maximal 150 mm vor der Elektrode mindesten einen Meter (Bahn- länge) in einem Abstand von mehr als 250 mm von der Elektrode entfernt in der Plasmakammer geführt.
Bevorzugt handelt es sich bei der Plattenelektrode um eine Hochfrequenz-Plattenelektrode.
Bevorzugt liegt während des Beschichtungsprozesses ein Self-BIAS von weniger als 50 V, besonders bevorzugt von weniger als 30 V, weiter bevorzugt von weniger als 10 V an. Bevorzugt wird die Beschichtung in einem Rolle-zu-Rolle-Verfahren in einem Niederdruck- Plasmareaktor aufgebracht.
Besonders bevorzugt wird der Niederdruckplasmareaktor bei Drücken zwischen 0,01 und 0,5 mbar, bevorzugt zwischen 0,02 und 0,1 mbar betrieben.
Unmittelbar nach dem Plasmabehandlungsprozess weist die Oberfläche der ETFE-Folie bevorzugt eine Oberflächenenergie von > 50 mN/m, bevorzugt > 60 mN/m, besonders bevorzugt > 68 mN/m auf (gemessen nach Owens Wendt mit Werten von Ra bei Kaelble).
Die beschriebenen erfindungsgemäßen Herstellungsverfahren, insbesondere die bevorzugten machen die erfindungsgemäß beschichtete Folie in hoher Qualität wirtschaftlich und schnell zugänglich (herstellbar). Alternativ bevorzugt können Metalloxidhaltige, besonders bevorzugt Aluminiumoxid-hal- tige, Titanoxid-haltige und oder Zinkoxid-haltige Beschichtungen abgeschieden werden. Hierfür bedient sich der Fachmann beispielsweise PE-CVD-T echniken oder Reaktiv-Sput- tertechniken.
Beispiele Beispiel 1 : Messung des Schrumpfs der Folie:
Die (unbehandelte) Folie aus Beispiel 5 wird mit den Abmaßen ai=20 cm x bi=20 cm als Quadrat zugeschnitten. Dabei sind 2 Seiten in Extrusionsrichtung und 2 Seiten orthogonal dazu. Diese Folie wird auf einem Küchenpapier (ZEWA Wisch & Weg) in einen Ofen gelegt. Der Ofen ist vorher auf 115 °C zu temperieren. Dort belässt man die Folie für 5 min. Nach Abkühlen der Folie auf Raumtemperatur werden die Abmaße der Folie (a2 und b2) abermals gemessen und der Schrumpf nach (ai-a2)/ai bzw. (bi-b2)/bi berechnet.
Die ETFE-Folie weist sowohl mit Plasmabeschichtung aus Beispiel 5 als auch ohne Beschichtung einen Schrumpf von 1 % in Folienbahnrichtung mit einem relativen Fehler von 12% auf.
Beispiel 2: XPS-Messung
Die XPS-Untersuchungen erfolgten mit einem Thermo K-Alpha K1102-System mit vorgeschalter Argon-Glovebox für die Handhabung luftempfindlicher Proben. Parameter: Abnahmewinkel der Photoelektronen 0 bzw. 70°, monochromatisierte AI Ka-Anregung, Constant Analyser Energy-Mode (CAE) mit 150 eV Passenergie in Übersichtsspektren (Schrittweite 0,5 eV, 2 Scans mit einer Aufnahmedauer 9 min 4,2 Sek.) und 40 eV Passenergie in den energetisch hochaufgelösten Spektren (Schrittweite 0,05 eV, 10 Scans mit einer Aufnahmedauer 12min 21 Sek.).
Analysenfläche: 0,40 mm Durchmesser. Die Neutralisation von elektrisch nichtleitenden Proben erfolgt durch eine Kombination von niederenergetischen Elektronen und niederenergetischen Argon-Ionen. Zur Kompensation von Auflad u ngseffe kten wird die C-C/C-H- Spezies zuzuordnende C1s-Hauptphotoemmissionslinie bei der Auswertung auf 285 eV festgelegt, dadurch verschieben sich die Lagen der weiteren Photolinien entsprechend.
Die Quantifizierung erfolgt auf Basis dokumentierter relativer Sensitivitätsfaktoren der Ele- mente unter Berücksichtigung der spezifischen Analysatortransmissionsfunktion basierend auf der Annahme einer homogenen Verteilung der Elemente innerhalb der XPS- Informationstiefe (ca. 10 nm bei einem Abnahmewinkel der Photoelektronen von 0 bzw. 3,5 nm bei einem Abnahmewinkel der Photoelektronen von 70°).
Die Nachweisgrenze der Methode ist elementspezifisch und liegt bei ca. 0,1 at%.
Die XPS-Messungen an der Folie aus Beispiel 5 ergeben die in Tabelle 1 und 2 aufgeführten Messwerte.
Tabelle 1 : Ergebnisse der XPS-Messungen
Tabelle 2: aus den Ergebnissen der XPS-Messungen berechneter CiFE-Anteil:
Beispiel 3: Messung der Oberflächenenergien
Für die Messungen der Oberflächenenergien wurde ein„Mobile Surface Analyzer (MSA)“ von der Firma Krüss GmbH, Hamburg, verwendet. Hierbei handelt es sich um ein Kontaktwinkel-Messgerät, bei dem mit einem Klick zwei parallele Tropfen auf die Probenoberfläche dosiert werden. Der Prüftropfen wird bei Raumtemperatur berührungslos auf die Probenoberfläche dosiert und weist ein Volumen von ca. 1 pl auf. 5 Sekunden nach dem Dosieren des Tropfens wird eine Aufnahmevorgenommen und zunächst automatisch der statische Kontaktwinkel nach dem Verfahren„Liegender Tropfen (doppelt)“ bestimmt. Die automatische Auswertung der Aufnahmen wird später visuell überprüft und gegebenenfalls wird die Basislinie manuell korrigiert sowie nicht auswertbare Aufnahmen aussortiert.
Um die Oberflächeneigenschaften der Folie besser beschreiben zu können, werden an mindestens zehn örtlich unterschiedlichen Positionen derselben Probe Messungen mit der Prüfflüssigkeiten Wasser und Dijodmethan vorgenommen. Hieraus wird der Mittelwert gebildet. Als Prüfflüssigkeiten werden Wasser (Oberflächenspannung: 72,80 mN/m; disperser Anteil: 21 ,80 mN/m; polarer Anteil: 51 ,00 mN/m) und Dijodmethan (Oberflächenspannung: 50,80 mN/m; disperser Anteil: 50,80 mN/m; polarer Anteil: 0,00 mN/m) verwendet. Der Fachmann wird im Zweifel die Oberflächenenergie der Prüfflüssigkeiten z.B. mit der Wil- helmy-Waage überprüfen und auch immer auf frische und reine Prüfflüssigkeit achten. Als Messsoftware wird das Programm„Advance“ (Version 1.6.2.0.), der Firma Krüss GmbH verwendet.
Die Auswertung der Oberflächenenergie mit den dispersen und polaren Anteilen erfolgt nach Owens, Wendt, Ra bei & Kaelble (OWRK). Die Kontaktwinkelmessung erfolgt in Anlehnung an die DIN 55660. Tabelle 3: Ergebnisse der Kontaktwinkelmessungen
Tabelle 4: Ergebnisse der Kontaktwinkelmessungen
Wie anhand der Ergebnisse in den Tabellen 3 und 4 zu sehen ist, zeichnet sich die Beschichtung nicht nur durch eine hohe Oberflächenenergie aus, welche auch nach einer Temperung über 5 Minuten bei 90 °C, sowie über eine Minute bei 125 °C, noch klar vorhanden ist, sondern ebenso durch einen hohen dispersen Anteil. Der disperse Anteil ist bei siliciumorganischen plasmapolymeren Beschichtungen ein Indikator für die Dichte und damit einen hohen Vernetzungsgrad der Beschichtung. Diese Werte stellen zudem eine flächige Abdeckung der Folie mit der Beschichtung sicher.
Die Schichtintegrität wird durch den mit der Temperung verbundenen Folienschrumpf nicht berührt. Die Schicht löst sich nicht ab und ist wischbeständig (trocken, mäßiger händischer Druck mit einem Baumwolllappen, 5x in eine Richtung gewischt).
Beispiel 4: Wischbeständigkeit
Zur Überprüfung der Wischbeständigkeit wurde die gemäß Beispiel 5 beschichtete ETFE- Folie in einem Bereich 6x mit mäßigem Druck mit einem vierfach gefalteten profix Allzwecktuch in eine Richtung gewischt. Mit bloßem Auge war keine Veränderung in der Folien- Oberfläche zu erkennen. Anschließend wurden in diesem Bereich mit dem MSA Messungen zur Oberflächenenergie vorgenommen (siehe Tabelle 5). Zudem wurde mit einer 30mL Sprühflasche mit Pumpzerstäuber entionisiertes Wasser auf den abgewischten Bereich, sowie daneben, aufgesprüht. In beiden Fällen zeigt das entionisierte Wasser keine Neigung zur Tropfenbildung - ein klares Zeichen für eine unveränderte hydrophile Oberfläche. Zum Vergleich wurde eine Folie nach dem Stand der Technik, die Folie F-Clean der Firma AGC Chemicals Europe, Ltd. ebenso abgewischt. Hier waren in dem abgewischten Bereich mit bloßem Auge deutliche Wischspuren in der Folienoberfläche zu erkennen. Anschließend wurde auch von dieser abgewischten Folie die Oberflächenenergie mit dem MSA untersucht (siehe Tabelle 5). Auch hier wurde mit der 30mL Sprühflasche mit Pumpzer- stäuber entionisiertes Wasser auf den abgewischten Bereich, sowie daneben, aufgesprüht. Erkennbar bildet das entionisierte Wasser im abgewischten Bereich Tropfen, während daneben keine Tropfen gebildet werden - ein klares Zeichen dafür, dass bei dieser Folie die hydrophile Ausstattung leicht durch Wischen entfernt werden kann.
Tabelle 5: Ergebnisse der Kontaktwinkelmessungen
Die Ergebnisse dieser Untersuchungen zeigen, dass die erfindungsgemäße Folie über eine abwischbeständige hydrophile Ausstattung verfügt. Im Gegensatz dazu ist die hydro- phile Ausstattung der untersuchten Folie nach dem Stand der Technik abwischbar.
Beispiel 5: Beschichtungsprozess
Eine 100 pm dicke Folie Ethylen-Tetrafluorethylen-Copolymer (ETFE; Hersteller Fa. P.A.T.I, S.p.A, Produkt etfect) wurde in einem quaderförmigen Niederdruck-Plasmareaktor mit einem Volumen von 15 m3 und einer auf Masse gelegten Kammerwand aus Edelstahl in einem Rolle-zu-Rolle-Verfahren beschichtet. Die seitlichen Wände der Anlage sind mit wassergekühlten, flächigen Hochfrequenzelektroden versehen. An dieser wird die Folie während des Umwickelns in einem Abstand von 40 mm an vorbeigeführt. Die Länge dieses Bereiches beträgt je Kammerseite 1650 mm in Folienwickelrichtung. Dabei wird eine Bahnführung gewählt, welche berücksichtigt, dass auf beiden Anlagenseiten die gleiche Seite der Folie zur Elektrode hin ausgerichtet ist.
In dem oben beschriebenen 40 mm Bereich ergibt sich durch den sich mit der Folie bildenden Spalt eine besonders intensive Entladung, welche sich optisch durch ein deutlich helleres Plasma bemerkbar macht. Neben diesen intensiven Entladungsbereichen vor den Elektroden befindet sich die Folie während des Umwickelprozesses offen in einer weniger
starken räumlichen Plasmaentladung. Entsprechend findet auch hier die Plasmaeinwirkung statt, zumal die freie offene Warenlänge insgesamt 14,3 m beträgt.
Die Anlage ist so ausgeführt, dass die Hochfrequenzleistung vollständig eingekoppelt werden kann ohne dass es zu nennenswerten Rückwärtsleistungen kommt. Der Folie wurde wie in Tabelle 6 beschrieben im ersten Schritt durch das Umwickeln im Vakuum getrocknet, im 2. Schritt plasma-beschichtet und im 3. Schritt plasmaaktiviert.
Die Folie wurde als 1000 mm breite Bahn in drei vollständig nacheinander erfolgenden Schritten abwechselnd von einer Ab- zu einer Aufwickelrolle und wieder zurückgeführt.
Die in den Beispielen beschriebene Oberfläche bezieht sich immer auf die bei der Bahn- führung jeweils zur Elektrode hin ausgerichteten Seite der Folie.
Tabelle 6: Prozessparameter
Beispiel 6: UV-VIS-Messungen
Bei dem verwendeten Gerät handelt es sich um ein Specord 210plus von analytikjena. Es wurde mit einer Wellenlängenauflösung von 1 nm gearbeitet.
Von der unbeschichteten ETFE-Folie, der beschichteten ETFE-Folie gemäß Beispiel 5 und der F-Clean-Folie wurden die T ransmissionsspektren im UV-VIS Bereich mit einem Zweistrahlmessgerät Specord 210plus von Analytik Jena aufgenommen. Dabei wurde die Folien gegen Luft als Referenz im Wellenlängenbereich von 200 nm bis 800 nm gemessen. gemessen.
Die Spektren sind in Figur 1 dargestellt.
Es ist dabei zu erkennen, dass die beschichtete ETFE-Folie gemäß Beispiel 5 nahezu die identische Transmission wie die unbeschichtete Folie aufweist, während das Spektrum der F-Clean-Folie eine deutlich geringere Transmission aufweist.
Die beschichtete ETFE-Folie zeigt im Vergleich zur unbeschichteten ETFE-Folie im Bereich zwischen 280 und 800 nm eine um maximal 1 % erniedrigte Transmission.