Verfahren und Vorrichtung zur Überwachung eines Schweissprozesses zum Verschweissen von Werkstücken aus Glas
Technisches Gebiet
Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren sowie eine Vorrichtung zur Überwachung eines Schweißprozesses zum Verschweißen mindestens eines Werkstücks aus Glas mit einem weiteren Werkstück, bevorzugt auch aus Glas, wobei die Überwachung beispielsweise zur Erkennung und Identifizierung von Rissen und/oder Störstellen und/oder Defekten in Werkstücken aus Glas beim Laserschweißen dienen kann.
Stand der Technik Beim Laserschweißen von Werkstücken aus Glas wurde der Laserschweißprozess bislang manuell eingerichtet. Auch eine Qualitätskontrolle der durch den Laserschweißprozess miteinander verschweißten Werkstücke sowie der Schweißnaht selbst wurde bislang manuell durchgeführt.
Dabei wurde die Qualitätskontrolle mittels eines Mikroskops durch mikroskopische Untersuchungen an den Schweißnähten und an den übrigen Bereichen der miteinander verbundenen Werkstücke nach dem Abschluss des eigentlichen Schweißprozesses sowohl in Draufsicht als auch durch die Betrachtung von Querschliffen durchgeführt.
Auf dieser Grundlage wurde der Laserschweißprozess dann iterativ optimiert. Dieses Vorgehen zum Optimieren des Schweißprozesses bedingt einen entsprechend hohen Aufwand an manueller Arbeit und ist material- und zeitaufwändig, da die Qualitätskontrolle für den jeweiligen
Parametersatz des Laserschweißprozesses erst nach Abschluss des jeweiligen Schweißprozesses und außerhalb der Schweißvorrichtung auf dem Mikroskop durchgeführt werden kann.
Beim Laserschweißen von Metallen ist es bekannt, die aus der jeweiligen Prozesszone, in welche der Fokus des Lasers gelegt ist, emittierte Strahlung mit einem Bildsensor zu überwachen und daraus Erkenntnisse über den Schweißprozess abzuleiten.
Ein solches Verfahren zum Laserschweißen opaker Materialien ist beispielsweise aus der WO 2008/052591A1 bekannt. Bei diesem Verfahren wird die von einem Bearbeitungsbereich emittierte Strahlung über ein Detektorsystem erfasst, wobei die aus dem Bearbeitungsbereich emittierte Strahlung gleichzeitig bei zumindest zwei Wellenlängen erfasst wird, um genauere Informationen der beim Schweißprozess ablaufenden Prozesse zu erhalten.
Darstellung der Erfindung
Ausgehend von dem bekannten Stand der Technik ist es eine Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein Verfahren und eine Vorrichtung zur Überwachung eines Schweißprozesses zum Verschweißen mindestens eines Werkstücks aus Glas mit einem weiteren Werkstück, bevorzugt auch aus Glas, anzugeben, welche eine verbesserte Überwachung des Schweißprozesses ermöglichen.
Diese Aufgabe wird durch ein Verfahren zur Überwachung eines Schweißprozesses zum
Verschweißen mindestens eines Werkstücks aus Glas mit einem weiteren Werkstück, bevorzugt auch aus Glas, mit den Merkmalen des Anspruchs 1 gelöst. Vorteilhafte Weiterbildungen und Ausgestaltungen ergeben sich aus den beigefügten Figuren, der vorliegenden Beschreibung sowie aus den Unteransprüchen.
Entsprechend wird ein Verfahren zur Überwachung eines Schweißprozesses zum Verschweißen mindestens eines Werkstücks aus Glas mit einem weiteren Werkstück, bevorzugt auch aus Glas, vorgeschlagen, wobei die Werkstücke in einer mit einem Bearbeitungsstrahl, bevorzugt mit einem Laserstrahl, besonders bevorzugt mit einem Ultrakurzpulslaserstrahl, beaufschlagten Prozesszone miteinander verschweißt werden. Erfindungsgemäß wird von der Prozesszone emittierte, von mindestens einem der Werkstücke ausgehende Strahlung ortsaufgelöst detektiert.
Bevorzugt sind beide, mehrere oder alle miteinander zu verschweißenden Werkstücke aus Glas. Die Prozesszone, in der die Schweißnaht ausgebildet wird, liegt bevorzugt zwischen den
Werkstücken, so dass der Bearbeitungsstrahl zumindest durch ein für den Bearbeitungsstrahl transparentes Werkstück hindurch zu der Prozesszone geleitet wird. Entsprechend ist zumindest das Werkstück, durch welches hindurch der Bearbeitungsstrahl zur Prozesszone geleitet wird, transparent für den Bearbeitungsstrahl. Die weiteren Werkstücke können ebenfalls transparent sein, aber auch für den Bearbeitungsstrahl opak sein.
Dadurch, dass die von mindestens einem der Werkstücke ausgehende Strahlung ortsaufgelöst detektiert wird, wird es ermöglicht, bereits während des Schweißprozesses beim Verschweißen von Werkstücken aus Glas eine Überwachung des Schweißprozesses dahingehend durchzuführen,
dass das Vorliegen und/oder die Ausbildung und/oder die Veränderung von Rissen und/oder Störstellen und/oder Defekten in zumindest einem der Werkstücke, insbesondere einem Werkstück aus Glas, ermittelt werden kann.
Auf Grundlage dieser Erkenntnisse kann unter anderem der Schweißprozess bereits während der Durchführung des aktuellen Schweißvorgangs optimiert werden.
Dabei wird die von der Prozesszone emittierte und von mindestens einem der Werkstücke ausgehende Strahlung ortsaufgelöst detektiert. Die Prozesszone dient dabei quasi als im
Glasvolumen eines, zweier, mehrerer oder aller Werkstücke aus Glas angeordnete
Strahlungsquelle, die zur Bestrahlung bzw. Beleuchtung des aus den Werkstücken aus Glas ausgebildeten Glasvolumens dient. Damit ergibt sich ausgehend von dieser durch die Prozesszone ausgebildeten Strahlungsquelle, dass Strahlung innerhalb des Werkstückes bzw. innerhalb der Werkstücke emittiert wird, welche dann an möglicherweise in dem durch das mindestens eine Werkstück ausgebildete Glasvolumen bereits vorliegenden und/oder in diesem auftretenden und/oder sich in diesem verändernden Rissen und/oder Störstellen und/oder Defekten reflektiert und/oder gestreut wird und dann entsprechend als die von dem Werkstück ausgehende Strahlung ortsaufgelöst detektiert werden kann.
Mit anderen Worten wird an Rissen und/oder Störstellen und/oder Defekten reflektierte und/oder gestreute Strahlung detektiert.
Damit wird eine Strahlungsquelle innerhalb des Werkstücks zur Durchleuchtung des Werkstücks zur Ermittlung von Fehlern im Werkstück verwendet.
Durch die ortsaufgelöste Detektion der von dem Werkstück ausgehenden Strahlung kann dann entsprechend auf das Vorliegen und/oder Auftreten und/oder die Veränderung von Rissen und/oder Defekten und/oder Störstellen innerhalb des Glasvolumens rückgeschlossen werden.
Die Prozesszone wirkt damit als Strahlungsquelle innerhalb des Glasvolumens, sodass bereits während des Schweißprozesses das Vorliegen und/oder das Entstehen und/oder die Veränderung von Rissen und/oder Störstellen und/oder Defekten innerhalb des Glasvolumens durch die daran gestreute und/oder reflektierte Strahlung detektiert werden kann.
Die von der Prozesszone emittierte elektromagnetische Strahlung kann dabei an oder in der Prozesszone reflektierte und/oder gestreute Strahlung des Bearbeitungsstrahls sein. Die von der Prozesszone emittierte elektromagnetische Strahlung kann auch Wärmestrahlung des durch den
Behandlungsstrahl erwärmten, insbesondere aufgeschmolzenen, Glasmaterials sein.
Durch die ortsaufgelöste Detektion der von dem Werkstück ausgehenden Strahlung kann gleichzeitig auch eine Lokalisierung der Risse und/oder Defekte und/oder Störstellen innerhalb des Glasvolumens erreicht werden.
Damit ermöglicht das Verfahren zur Überwachung des Schweißprozesses zum Verschweißen von Werkstücken aus Glas eine Qualitätskontrolle bereits während der Durchführung des eigentlichen Schweißvorgangs und damit auch die Optimierung des Schweißprozesses durch eine nachträgliche und/oder gleichzeitige Auswertung der ortsaufgelöst detektierten von dem Werkstück ausgehenden Strahlung.
Die Detektion der von dem Werkstück ausgehenden Strahlung kann bevorzugt in Bereichen des mindestens einen Werkstücks durchgeführt werden, welche außerhalb der Prozesszone liegen. In diesem Fall wird die Prozesszone entsprechend ausschließlich als Strahlungsquelle betrachtet, welche außerhalb der Prozesszone liegende Bereiche innerhalb des durch die Werkstücke ausgebildeten Glasvolumens mit Strahlung beaufschlagt.
Bevorzugt wird die von dem Werkstück ausgehende Strahlung auch zusätzlich zeitaufgelöst detektiert. Auf diese Weise kann während der Durchführung des Schweißprozesses die neue Ausbildung oder die Veränderung von Rissen und/oder Störstellen und/oder Defekten beobachtet werden. Damit können die im Glasvolumen durch den Schweißprozess ausgelösten
Veränderungen beobachtet werden. Diese Informationen können in einem gleichzeitigen oder nachgelagerten Optimierungsschritt des Schweißprozesses berücksichtigt werden, um die Prozessparameter zu optimieren.
Bevorzugt wird die von dem Werkstück ausgehende Strahlung mittels eines Bildsensors aufgenommen und von dem Bildsensor in ein Signal umgewandelt, welches dann für eine nachfolgende Auswertung aufbereitet wird. Damit kann eine automatisierte Auswertung und auch eine nachgelagerte automatisierte Optimierung des Schweißprozesses erreicht werden.
Dabei kann das Signal beispielsweise auf das Vorliegen und/oder die Ausbildung und/oder die Veränderung von Rissen und/oder Störstellen und/oder Defekten hin ausgewertet wird, wobei besonders bevorzugt beim Überschreiten vordefinierter Toleranzgrenzen eine Fehlerausgabe erfolgt. Damit kann eine automatisierte Auswertung auf vorgegebene Fehler in dem mindestens einen Werkstück erreicht werden, um auf diese Weise eine zuverlässigere Kontrolle des
Arbeitsprodukts und eine schnellere Optimierung des Schweißprozesses zu erreichen.
Das Signal kann dabei bevorzugt durch eine Filterung und/oder eine Rauschreduktion und/oder eine Glättung und/oder eine Herausstellung besonderer Merkmale und/oder eine Kontrasterhöhung und/oder einen Kantenfilter aufbereitet werden.
Das Signal kann mittels einer Bildverarbeitung verarbeitet werden, wobei beispielsweise ein Abgleich der ermittelten Signale beziehungsweise der durch die Signale repräsentierten Aufnahmen mit einer Sollverteilung von Intensitätswerten außerhalb der Prozesszone verglichen wird und durch eine Auswertung der von der Sollverteilung abweichenden Bereiche außerhalb der Prozesszone hinsichtlich der Helligkeit und/oder des Kontrasts und/oder der Form und/oder der Größe der abweichenden Bereiche eine Ermittlung von Rissen und/oder Störstellen und/oder Defekten erreicht werden kann.
Eine weitere oder alternative Auswertung des aufbereiteten Signals kann auch durch eine räumliche Integration beispielsweise über die Intensitätswerte der einzelnen Bildpixel hinweg und einen nachfolgenden Vergleich mit einem zuvor festgelegten Toleranzbereich erreicht werden. Auf diese Weise kann eine Ortsinformation im Koordinatensystem der Werkstücke bezüglich des Vorliegens und/oder der Ausbildung und/oder der Veränderung von Rissen und/oder Störstellen und/oder Defekten ermittelt werden.
Eine Unsicherheit bezüglich der Bestimmung des Orts kann sich hier aus Abweichungen des Beobachtungsfelds des verwendeten Sensors mit dem jeweiligen Abschnitt der Werkstücke ergeben, wobei diese Unsicherheit durch eine anfängliche Kalibrierung des Sensors auf die jeweils betrachtete Fokusebene und/oder durch das Aufbringen von mittels des Sensors detektierbaren Positions- und/oder Distanzmarkierungen auf mindestens einem der Werkstücke, oder durch eine Bezugnahme auf die Positionierung der Prozesszone reduzierbar ist.
In einer weiteren bevorzugten Ausbildung kann auf Grundlage der ortsaufgelöst detektierten, von mindestens einem der Werkstücke ausgehenden Strahlung eine Identifizierung von Rissen und/oder Störstellen und/oder Defekten durchgeführt werden und eine Information zu den identifizierten Rissen und/oder Störstellen und/oder Defekten ausgegeben werden.
Bevorzugt wird weiterhin eine Lokalisierung von Rissen und/oder Störstellen und/oder Defekten relativ zu der Prozesszone durchgeführt, wobei eine Information zu der Lokalisierung der Risse und/oder Störstellen und/oder Defekte ausgegeben wird. Damit kann ein Benutzer eine
Qualitätskontrolle durchführen und dann auf Grundlage der ausgegebenen Informationen entscheiden, ob das Arbeitsprodukt den Erfordernissen entspricht.
Weiterhin kann auch in einem automatisierten Prozess eine Bewertung der aufgefundenen Fehler durchgeführt werden und ein Arbeitsprodukt automatisch verworfen werden, wenn es
vorgegebenen Qualitätsanforderungen nicht entspricht.
Das Verfahren dient bevorzugt zum Verschweißen von mehreren Werkstücken aus Glas.
Besonders bevorzugt sind alle miteinander zu verschweißenden Werkstücke aus Glas. Es können aber auch Werkstücke aus Glas mit für den Bearbeitungsstrahl opaken Werkstücken,
beispielsweise metallischen Werkstücken, verschweißt werden.
Die Verschweißung findet dabei bevorzugt an einer zwischen den Werkstücken liegenden
Grenzfläche statt und der Bearbeitungsstrahl tritt besonders bevorzugt durch mindestens eines der aus Glas ausgebildeten Werkstücke hindurch, bevor er auf die Prozesszone an der Grenzfläche trifft.
Die oben angegebene Aufgabe wird auch durch eine Vorrichtung mit den Merkmalen des
Anspruchs 1 1 gelöst. Vorteilhafte Weiterbildungen ergeben sich aus den Unteransprüchen, den Figuren sowie der vorliegenden Beschreibung.
Entsprechend wird eine Vorrichtung zur Überwachung eines Schweißprozesses zum Verschweißen mindestens eines Werkstücks aus Glas mit einem weiteren Werkstück, bevorzugt auch aus Glas, vorgeschlagen, welche ein Bearbeitungsobjektiv zur Beaufschlagung einer Prozesszone mindestens eines der Werkstücke mit einem Bearbeitungsstrahl umfasst, bevorzugt zur
Beaufschlagung der Prozesszone mit einem Laserstrahl, besonders bevorzugt mit einem
Ultrakurzpulslaserstrahl. Erfindungsgemäß ist ein Bildsensor zur ortsaufgelösten Detektion von von der Prozesszone emittierter, von mindestens einem der Werkstücke ausgehender Strahlung vorgesehen.
Auf diese Weise können die oben bereits zu dem Verfahren beschriebenen Vorteile erreicht werden. Insbesondere kann mittels der Vorrichtung das Vorliegen und/oder die Ausbildung und/oder die Veränderung von Rissen und/oder Störstellen und/oder Defekten in dem durch das mindestens eine Werkstück ausgebildeten Glasvolumen ermittelt werden.
Bevorzugt kann eine Optik zur Aufnahme der von dem Werkstück ausgehenden Strahlung und zur Abbildung der Strahlung auf den Bildsensor vorgesehen sein, wobei die Optik bevorzugt durch das Bearbeitungsobjektiv oder durch ein von dem Bearbeitungsobjektiv separaten Objektiv ausgebildet ist.
Vorteilhaft kann ein mit dem Bearbeitungsobjektiv belichteter Bildsensor vorgesehen sein, bevorzugt unter Zwischenschaltung eines Strahlteilers und/oder eines optischen Filters und/oder einer Fokussierlinse, und es kann ein mit einem von dem Bearbeitungsobjektiv separaten Objektiv belichteter Bildsensor vorgesehen sein. Damit kann der durch das Bearbeitungsobjektiv abgebildete Bereich des mindestens einen Werkstücks und der durch das separate Objektiv abgebildete Bereich des Werkstücks betrachtet werden.
Bevorzugt kann das Bearbeitungsobjektiv dazu ausgebildet und eingerichtet sein, den
Bearbeitungsstrahl in eine in dem durch das mindestens eine Werkstück gebildeten Glasvolumen liegende Prozesszone zu fokussieren.
Eine Betrachtung der außerhalb der Prozesszone liegenden Bereiche der Werkstücke kann durch ein Bearbeitungsobjektiv hindurch, mittels welchem Laserstrahlung zur Beaufschlagung der Prozesszone mit Laserenergie zum Verschweißen der Werkstücke aus Glas fokussiert wird, vorgenommen werden, wobei dann die von dem Werkstück ausgehende Strahlung über eine entsprechende optische Anordnung, beispielsweise unter Verwendung eines Strahlteilers, ausgekoppelt werden kann.
Die Detektion der von dem Werkstück ausgehenden Strahlung kann auch mittels eines von dem Bearbeitungsobjektiv separaten Objektivs erreicht werden, welches damit nicht auf einer durch den Bearbeitungsstrahl ausgebildeten Achse liegenden Position vorliegt. Auf diese Weise kann eine großflächigere Aufnahme der von dem Werkstück ausgehenden Strahlung sowie der Umgebung der Prozesszone erreicht werden, welche durch das Aufnehmen der emittierten Strahlung durch das Bearbeitungsobjektiv hindurch nicht unbedingt möglich ist.
Damit ist eine Abbildung beziehungsweise Fokussierung auf Bereiche und Ebenen mindestens eines der Werkstücke möglich, die nicht durch die Prozesszone vorgegeben sind. Insbesondere kann auf Ebenen innerhalb mindestens eines Werkstücks fokussiert werden, die nicht durch die Ebene der Prozesszone vorgegeben sind. Weiterhin können auch Bereiche mindestens eines Werkstücks betrachtet werden, die beabstandet zu der Prozesszone vorgesehen sind.
Die Betrachtung von Bereichen und Ebenen, welche von der Prozesszone beabstandet sind, ist in herkömmlichen Verfahren zur Überwachung der Prozesszone beim Verschweißen von opaken Materialien nicht möglich, da die von der Prozesszone emittierte Strahlung die für diese opaken Materialien nicht durchdringen kann.
Entsprechend kann auch eine großflächigere Betrachtung des Werkstücks bzw. der Werkstücke
sowie der Werkstoffvolumina erreicht werden, wobei die Prozesszone als Strahlungsquelle innerhalb des Werkstoffvolumens vorgesehen ist und entsprechend das Auftreten und/oder Vorliegen und/oder Verändern von Rissen und/oder Störstellen und/oder Defekten innerhalb des Werkstückes während des Schweißprozesses ermittelt werden kann.
Bevorzugt werden die Werkstücke aus Glas zum Verschweißen mittels eines Laserstrahls, besonders bevorzugt mittels eines Ultrakurzpulslasers, mit Laserenergie beaufschlagt, wobei durch die Verwendung kurzer Laserpulse durch die erreichbaren hohen Intensitäten im jeweiligen Strahlfokus nichtlineare Absorptionseffekte im Glas erreicht werden können. Werden entsprechend hohe Repetitionsraten für den Ultrakurzpulslaser verwendet, akkumuliert sich die mittels der jeweiligen Pulse des Ultrakurzpulslasers in die Prozesszone eingetragene Energie, sodass es durch entsprechende Wärmeakkumulationseffekte zu einem lokalen Aufschmelzen des
Glasmaterials kommt. Entsprechend entsteht in der Nähe des geometrischen Fokus des
Laserstrahls ein hochabsorbierendes Plasma in der Größe des Fokusvolumens, welches dann die Prozesszone ausbildet.
An der Plasmaoberfläche, welche die Prozesszone begrenzt und insbesondere in dem Bereich der Plasmaoberfläche, welche in Richtung des auf das Plasma auftreffenden Bearbeitungsstrahls orientiert ist und auf welche der Bearbeitungsstrahl auftrifft, tritt eine verstärkte Absorption auf. Damit kann das Plasmavolumen aufgrund der erhöhten Absorption der Laserenergie und dem sich dadurch ergebenden Energieeintrag in das Plasmavolumen an der Plasmaoberfläche weiter Energie absorbieren, so dass das Plasmavolumen weiter anwachsen kann, wobei sich dieses Anwachsen des Plasmavolumens hauptsächlich entlang des Bearbeitungsstrahls gerichtet und in Richtung auf die Strahlquelle zu erstreckt. Mit anderen Worten kann sich das Plasma in einer länglichen Form entlang des Bearbeitungsstrahls ausbreiten. Daraus kann eine langgezogene Blase, die durch das Plasma geformt ist, ausgebildet werden.
Durch den zusätzlichen Energieeintrag aus der Richtung des auf das Plasma auftreffenden Bearbeitungsstrahls kann sich weiterhin auch der Ort und/oder die Lage des Plasmavolumens verändern und sich beispielsweise entlang des Bearbeitungsstrahls in einer Richtung auf die Strahlquelle zu verschieben.
Auf diese Weise kann sich ein Absorptionsvolumen ausbilden, welches das ursprüngliche Fokusvolumen um ein Vielfaches übersteigen kann, so dass entsprechend die Prozesszone ein Vielfaches des Fokusvolumens ausmachen kann.
Reicht die auf der Plasmaoberfläche auftreffende Strahlintensität aufgrund des durch das
Wachstum bedingten Herauswanderns der Plasmaoberfläche aus dem Fokus des Laserstrahls nicht mehr dazu aus, das Plasma aufrechtzuerhalten, so kann zur Aufrechterhaltung des Plasmas nicht mehr genügend Energie absorbiert werden, der Ausdehnungsprozess des Plasmas bricht zusammen und die Absorption beginnt erneut im Fokus des Laserstrahls. Entsprechend findet der Schweißprozess quasi periodisch statt und es bilden sich jeweils Plasmabereiche aus, welche ihrerseits zu einem blasenförmigen Schmelzvolumen führen können. Durch die mögliche Änderung des Ortes und/oder der Lage des Plasmavolumens in den Werkstücken kann ein resultierendes Schmelzvolumen größer sein, als das erzeugte Plasmavolumen. Das Plasmavolumen kann in begrenztem Maße durch das Werkstückvolumen hindurchwandern und dabei jeweils einen aufgeschmolzenen Bereich hinterlassen, der damit zu einem Schmelzvolumen führt, welches eine größere Ausdehnung aufweist, als die Ausdehnung des Plasmavolumens.
Die nichtlineare Absorption des Bearbeitungsstrahls an dem Plasma kann von der hohen
Elektronentemperatur in dem Plasma herrühren. Die Elektronen können Energie an die
Atomrümpfe abgeben, was zu Gitterschwingungen und einer zusätzlichen Erwärmung des Materials durch Wärmeakkumulation führen kann.
Durch das Aufbringen einer relativen Bewegung des Bearbeitungsstrahls bezüglich des Werkstücks während des Schweißprozesses ergibt sich nach dem Erstarren des vorher aufgeschmolzenen Materials entsprechend eine sich in der Bewegungsrichtung erstreckende Schweißnaht, welche in Form einer Folge von ineinander übergehenden blasenförmigen Schmelzvolumina vorliegt. Die einzelnen Schmelzvolumina können der Ausbildung des jeweiligen Plasmavolumens entsprechen, sind aber üblicher Weise durch das oben beschriebene Wandern des Plasmavolumens durch das Werkstück entlang des Bearbeitungsstrahls ausgebildet. Mit anderen Worten ist das
Schmelzvolumen üblicher weise größer, als die größte Ausdehnung des Plasmavolumens.
Mit dem periodischen Ausdehnen und Kollabieren des Plasmas ergibt sich auch eine periodische Veränderung der Intensität und des Spektrums der als Strahlungsquelle dienenden Prozesszone. Die Strahlungsquelle kann damit einer durch die periodische Blasenbildung des Plasmas entsprechenden Intensitätsschwankung der emittierten Strahlung, einer damit einhergehenden Veränderung des Spektrums, einer Veränderung der Ausdehnung der Strahlungsquelle sowie einer Veränderung der Lage der Strahlungsquelle unterworfen sein. Diese periodischen Schwankungen der Intensität, der Wellenlänge, der Ausdehnung und/oder der Lage der Strahlungsquelle, welche zur Bestrahlung des Glasvolumens des einen, der beiden, der mehreren oder aller Werkstücke aus Glas dient, können bei der Auswertung der von den Werkstücken ausgehenden und ortsaufgelöst
detektierten Strahlung berücksichtigt werden.
Bevorzugt kann eine Lokalisierung der Risse und/oder Störstellen und/oder Defekte in dem Werkstück bzw. in den Werkstücken relativ zu der jeweils vorgegebenen Bearbeitungsposition, welche aufgrund der Relativposition zwischen Laserstrahl und Werkstück bekannt ist, erreicht werden.
Weitere Vorteile und Merkmale der vorliegenden Erfindung sind aus der folgenden Beschreibung bevorzugter Ausführungsbeispiele ersichtlich. Die dort beschriebenen Merkmale können alleinstehend oder in Kombination mit einem oder mehreren der oben dargelegten Merkmale umgesetzt werden, insofern sich die Merkmale nicht widersprechen. Die folgende Beschreibung bevorzugter Ausführungsbeispiele erfolgt dabei mit Bezug auf die begleitende Zeichnung.
Kurze Beschreibung der Figuren
Bevorzugte weitere Ausführungsformen der Erfindung werden durch die nachfolgende
Beschreibung der Figuren näher erläutert. Dabei zeigen:
Figur 1 eine schematische Darstellung einer Vorrichtung zur Überwachung eines
Laserschweißprozesses zum Verschweißen von Werkstücken aus Glas;
Figur 2 ein von einer Kamera aufgenommenes Kamerabild der Prozesszone und ihrer
Umgebung beim Durchführen eines Laserschweißprozesses beim Verschweißen von Werkstücken aus Glas; und
Figur 3 ein weiteres von einer Kamera aufgenommenes Kamerabild der Prozesszone und ihrer Umgebung beim Durchführen eines Laserschweißprozesses beim
Verschweißen von Werkstücken aus Glas.
Detaillierte Beschreibung bevorzugter Ausführunqsbeispiele
Im Folgenden werden bevorzugte Ausführungsbeispiele anhand der Figuren beschrieben. Dabei werden gleiche, ähnliche oder gleichwirkende Elemente in den unterschiedlichen Figuren mit identischen Bezugszeichen versehen, und auf eine wiederholte Beschreibung dieser Elemente wird teilweise verzichtet, um Redundanzen zu vermeiden.
Figur 1 zeigt schematisch eine Vorrichtung 1 zum Überwachen eines Schweißprozesses zum Verschweißen von zwei Werkstücken 110, 120 miteinander.
In der gezeigten Ausführungsform sind die Werkstücke 110, 120 aus Glas ausgebildet - beispielsweise in Form von zwei Glasscheiben - die an einer gemeinsamen und zwischen den beiden Werkstücken 110, 120 angeordneten Grenzfläche 100 aneinander angeordnet sind und an einem Abschnitt der Grenzfläche 100 miteinander verschweißt werden. Mit anderen Worten liegt zumindest ein Teil der Unterseite 114 des in der Figur 1 gezeigten oberen Werkstücks 110 an der Oberseite 122 des unteren Werkstücks 120 an. Die Oberseite 122 des unteren Werkstücks 120 und die Unterseite 114 des oberen Werkstücks 110 bilden entsprechend gemeinsam die Grenzfläche 100 aus, in der die Verschweißung vorgenommen werden soll bzw. vorgenommen wurde.
Die beiden Werkstücke 1 10 und 120 können im Bereich der Ausbildung der Grenzfläche 100 aneinander angesprengt sein, um bereits vor der Verschweißung eine vorläufige Positionierung und Fixierung der beiden Werkstücke 1 10 und 120 gegeneinander zu erreichen.
Aufgrund der Beschaffenheit ihres Werkstoffs, nämlich Glas, sind die beiden Werkstücke 110, 120 im Wesentlichen transparent für die Laserstrahlung, mit der die Verschweißung der beiden Werkstücke 110, 120 durchgeführt werden soll. Damit kann die Laserstrahlung, die zur
Durchführung der Verschweißung vorgesehen ist, durch die Werkstücke 110 und 120
hindurchtreten und insbesondere auch durch das obere Werkstück 110 hindurch zu der
Grenzfläche 100 hin gelangen. Damit ist eine Verschweißung der Werkstücke 110 und 120 innerhalb des durch die beiden Werkstücke 1 10, 120 gemeinsam ausgebildeten
Werkstückvolumens möglich.
Eine solche Verschweißung innerhalb eines durch mindestens zwei Werkstücke ausgebildeten Werkstückvolumens ist bei für die Laserstrahlung opaken Werkstoffen nicht möglich.
Die Werkstücke 110, 120 können aber auch so ausgebildet sein, dass nur das obere Werkstück 110 für den Bearbeitungsstrahl transparent ist, das untere Werkstück 120 hingegen opak.
Entsprechend könnte beispielsweise auch eine Verschweißung eines Glasmaterials mit einem in Richtung des Bearbeitungsstrahls darunter liegenden Metallmaterial betrachtet werden.
Die Vorrichtung 1 umfasst ein Bearbeitungsobjektiv 2, durch welches hindurch ein
Bearbeitungsstrahl 20 auf die Werkstücke 110,120 auftrifft und in einer Prozesszone 200 fokussiert wird, wodurch die Intensität des Bearbeitungsstrahls 20 in dem in der Prozesszone 200 liegenden Fokus am höchsten ist, in den umgebenden Bereichen hingegen niedriger. Die Materialbearbeitung in der Prozesszone 200 findet dadurch statt, dass es aufgrund der hohen Intensität des
Bearbeitungsstrahls 20 in seinem Fokus zu einem Aufschmelzen des in der Prozesszone 200
vorliegenden Materials kommt. Dadurch kann beim nachfolgenden Abkühlen beispielsweise ein Verschweißen zweier vorher in der Prozesszone 200 getrennt vorliegender und nun durch das Aufschmelzen stoffschlüssig miteinander verbundener Materialbereiche erreicht werden.
Der Bearbeitungsstrahl 20 wird bevorzugt in Form eines Laserstrahls, besonders bevorzugt in Form eines Ultrakurzpulslaserstrahls, bereitgestellt. Besonders bei der Verwendung eines
Ultrakurzpulslasers werden durch die sehr hohen Intensitäten im durch das Bearbeitungsobjektiv 2 bereitgestellten Fokus im Glasmaterial des mindestens einen Werkstücks 110, 120 nichtlineare Absorptionseffekte erreicht. Beim Verwenden einer geeigneten Repetitionsrate der Laserpulse kommt es zu Wärmeakkumulationseffekten im Glasmaterial, wodurch es zu einem lokalen Aufschmelzen des Glasmaterials in der Prozesszone 200 kommt.
Um ein Verbinden der Werkstücke 110 und 120 zu erreichen, wird die Prozesszone 200 entsprechend so gelegt, dass sie nahe der Grenzfläche 100 angeordnet ist oder die Grenzfläche 100 umfasst. Dazu wird mittels des entsprechend ausgebildeten und eingerichteten
Bearbeitungsobjektivs 2 der Bearbeitungsstrahl 20 entsprechend aufbereitet und in die
Prozesszone 200 hinein fokussiert.
Die Ausbildung eines Bearbeitungsobjektivs 2 für einen Bearbeitungsstrahl 20 zur Bearbeitung und insbesondere Verschweißung von Werkstücken 110 und 120 in einer Prozesszone 200 ist prinzipiell bekannt. Dies gilt auch für die Verwendung von Ultrakurzpulslasern.
In der Prozesszone 200, in welcher der Fokus des Bearbeitungsstrahls 20 liegt, findet dann das Aufschmelzen des Materials eines, mehrerer oder aller Werkstücke 110, 120 statt, um dann nach dem erneuten Erstarren des vormals aufgeschmolzenen Materials eine Verschweißung der Werkstücke 110, 120 durch das aufgeschmolzene und dann erstarrte Material zu erreichen. Die Prozesszone 200 kann die Ausdehnung des Fokus des Bearbeitungsstrahls 20 haben oder aber weiter ausgedehnt sein.
Der Bearbeitungsstrahl 20 gemeinsam mit dem Bearbeitungsobjektiv 2 ist in einer
Verschiebungsrichtung X relativ bezüglich der Werkstücke 110,120 verschiebbar, um in den Werkstücken 110,120 eine Schweißnaht 210 einzuziehen. Dabei können entweder die Werkstücke 1 10, 120 oder der Bearbeitungsstrahl 20 mit dem Bearbeitungsobjektiv 2 oder auch beide entlang der Verschiebungsrichtung X verschoben werden. Es können auch Bewegungen parallel zu der durch die Grenzfläche 100 ausgebildeten Ebene durchgeführt werden, um entsprechend komplexere Formen von Schweißnähten 210 einzuziehen.
Die Prozesszone 200 liegt dabei quasi zwischen den beiden Werkstücken 1 10,120 und umschließt die Grenzfläche 100. Der Bearbeitungsstrahl 20 kann aufgrund der Transparenz der Werkstücke 1 10, 120 durch diese hindurchtreten und ermöglicht dann eine Bearbeitung der innerhalb des durch die Werkstücke 1 10, 120 definierten Glasvolumens liegenden Prozesszone 200.
Diese Anordnung der Prozesszone 200 innerhalb des durch die Werkstücke 1 10, 120
ausgebildeten Glasvolumens unterscheidet sich entsprechend diametral von den Prozesszonen, in welchen ein Verschweißen von für die Laserstrahlung opaken Materialien durchgeführt wird. Bei einem opaken Material, beispielsweise bei einem Verschweißen von zwei metallischen
Werkstücken miteinander, ist das Durchtreten eines Bearbeitungsstrahls durch eine Oberseite eines ersten Werkstückes derart, dass auf der Unterseite dieses Werkstückes eine Verschweißung mit einem der Unterseite gegenüberliegenden zweiten Werkstück ermöglicht wird, nicht möglich. Vielmehr kann der Bearbeitungsstrahl dann nicht durch das opake Werkstück hindurch dringen.
Damit ist auch eine besondere Ausbildung und Einrichtung des Bearbeitungsobjektivs 2 von Vorteil, um entsprechend ein Fokussieren des Bearbeitungsstrahls 20 in das Innere des Glasvolumens, das aus den mindestens zwei Werkstücken 1 10, 120 gebildet ist, zu ermöglichen.
Der Prozess der Ausbildung der Schweißnaht 210, welche durch das Aufschmelzen des Materials des ersten Werkstückes 1 10 und/oder des zweiten Werkstückes 120 und ein nachfolgendes Erstarren des aufgeschmolzenen Materials erreicht wird, kann durch die Ausbildung von
Plasmabereichen beschrieben werden, wobei zunächst im Fokus des Bearbeitungsstrahls 20 eine Erwärmung des Materials stattfindet und sich dann durch nichtlineare Absorption, da die Elektronen auch Energie an die Atomrümpfe abgeben und entsprechend Gitterschwingungen mit den sich dadurch ergebenden Wärmeakkumulationseffekten erzeugen, ein hochabsorbierendes Plasma ausbildet.
An der jeweiligen Plasmaoberfläche findet eine hohe Absorption der Laserintensität so statt, dass sich das Plasma aufgrund der starken Absorption an der Plasmaoberfläche entsprechend blasenförmig in Richtung des Bearbeitungsstrahls 20 weiter ausdehnen kann und/oder sich in Richtung auf die Strahlquelle zu entlang des Bearbeitungsstrahls 20 bewegen kann. Dieser Prozess der Ausdehnung und/oder Ortsänderung und/oder Lageänderung wird beendet, sobald die durch die Ausdehnung aus dem Fokus des Bearbeitungsstrahls 20 herauslaufende Oberfläche des Plasmas von dem dann in diesem Bereich nicht mehr fokussiert vorliegenden Bearbeitungsstrahl 20 nicht mehr mit genug Intensität versorgt wird, um das Plasma aufrechtzuerhalten, wodurch dieses dann zusammenbricht und der Prozess der Blasenbildung ausgehend von der in dem Fokus des
Bearbeitungsstrahls 20 eingetragenen Energie erneut beginnt. Die Blasenbildung findet also periodisch und jeweils ausgehend vom Fokus des Bearbeitungsstrahls 20 statt. Die Form der Blasen ist entsprechend länglich in Richtung des Bearbeitungsstrahls 20.
Wie bereits ausgeführt, findet in der Prozesszone 200 entsprechend ein Aufschmelzen des dort vorliegenden Materials, beispielsweise des Glasmaterials, statt. Die Prozesszone 200 emittiert zu diesem Zeitpunkt elektromagnetische Strahlung. Diese Emission elektromagnetischer Strahlung findet zumindest während des Beaufschlagung der Prozesszone 200 mit dem Bearbeitungsstrahl 20 statt - es kann aber auch quasi ein Nachleuchten stattfinden, solange das aufgeschmolzene und erstarrende Material eine erhöhte Temperatur aufweist.
Die von der Prozesszone 200 emittierte elektromagnetische Strahlung kann dabei an oder in der Prozesszone 200 reflektierte oder gestreute Strahlung des Bearbeitungsstrahls 20 sein. Die von der Prozesszone 200 emittierte elektromagnetische Strahlung kann auch Wärmestrahlung des aufgeschmolzenen Glasmaterials sein.
Von der Prozesszone 200 aus wird entsprechend elektromagnetische Strahlung emittiert, so dass die Prozesszone 200 quasi auch als Strahlungsquelle für die interne Beleuchtung der Werkstücke 110, 120 angesehen werden kann.
Da die Prozesszone 200 bevorzugt innerhalb des von den Werkstücken 110, 120 ausgebildeten Volumens angeordnet ist, kann die Prozesszone 200 daher auch als innerhalb der Werkstücke 110, 120 angeordnete Strahlungsquelle angesehen werden, welche die Werkstücke 110, 120 quasi von innen heraus beleuchtet.
Die von der Prozesszone 200 emittierte und von dem mindestens einen Werkstück ausgehende Strahlung kann beispielsweise mittels des Bearbeitungsobjektivs 2 aufgenommen werden und dann beispielsweise über einen Strahlteiler 30, ein optisches Filterelement 32 und eine Fokussierlinse 34 auf einen Bildsensor 36 abgebildet werden, so dass der Bildsensor 36 entsprechend mit einem ortsaufgelösten Abbild des Werkstücks beziehungsweise der Werkstücke beaufschlagt wird und ein entsprechendes Signal ausgibt.
Der Strahlteiler 30 kann beispielsweise als dichroitischer Spiegel ausgebildet sein.
Das optische Filterelement 32 kann beispielsweise zur Abschwächung der von dem Strahlteilers 30 ausgekoppelten Strahlung und/oder zur Auswahl eines bestimmten Wellenlängenbereichs und/oder zur Unterdrückung reflektierten Bearbeitungslichts ausgewählt werden.
Der Bildsensor 36 kann beispielsweise in Form einer Matrix-Kamera vorgesehen sein.
Vorzugsweise weist eine solche Matrix-Kamera eine für die zu messende Temperaturstrahlung geeignete, d.h. ausreichend hohe, spektrale Empfindlichkeit auf. Alternativ können als
Detektorsystem mehrere einzelne Kameras, insbesondere Matrix-Kameras, vorgesehen sein, wobei auf jede Einzelkamera ein einzelner, selektiver Spektralbereich abgebildet wird. Die bzw. zumindest eine Matrix-Kamera kann aus unterschiedlichen Halbleitermaterialien gefertigt sein.
Als Bildsensor 36 kann auch eine Kamera für den Strahlungsbereich vom visuellen Spektralbereich über das nahe bis zum fernen Infrarot verwendet werden. Als Kamera für den Bildsensor sind beispielsweise CCD, CMOS- und/oder InGaAs-Kameras geeignet, wobei diese Aufzählung keineswegs abschließend ist und weitere geeignete Kameraarten eingesetzt werden können.
Wenn zur Ausbildung des Bildsensors 36 Einzelkameras eingesetzt werden, können auch mehrere unterschiedliche Kameras kombiniert werden. Beispielsweise können für unterschiedliche zu messende Spektralbereiche unterschiedliche Kameras mit verschiedenen spektralen
Empfindlichkeiten verwendet werden.
Mittels des Bildsensors 36 kann entsprechend eine ortsaufgelöste Abbildung der von der
Prozesszone 200 emittierten und von dem oder einem Werkstück 110, 120 ausgehenden Strahlung erreicht werden.
Entsprechend kann die aus der Prozesszone 200 emittierte und von den umgebenden Bereichen ausgehende Strahlung mittels des Bildsensors 36 ortsaufgelöst aufgenommen werden.
Da die Prozesszone 200 während des Bearbeitungsprozesses quasi als Strahlungsquelle dient, welche innerhalb des durch die Werkstücke 110,120 ausgebildeten Glasvolumens angeordnet ist, kann mittels des Bildsensors 36 entsprechend auch ein Abbild der durch die als Strahlungsquelle dienenden Prozesszone 200 bestrahlten Umgebung und insbesondere des durch die Prozesszone 200 bestrahlten Glasvolumens aufgenommen werden. Auf diese Weise ist es möglich, in dem durch die Werkstücke 110, 120 ausgebildeten Glasvolumen ausbildende Risse, Störstellen oder Defekte über die an diesen stattfindende Streuung und/oder Reflexion der Strahlung aus der Prozesszone 200 zu detektieren.
Damit kann das Vorliegen und/oder Entstehen und/oder Verändern von Rissen und/oder Störstellen und/oder Defekten, welche optisch zu einer Streuung und/oder Reflexion der von der Prozesszone 200 emittierten Strahlung dienen, mittels des Bildsensors 36 detektiert werden.
Zusätzlich oder alternativ zu dem Bildsensor 36, der die über das Bearbeitungsobjektiv 2 aufgenommene und über den Strahlteiler 30 ausgekoppelte Strahlung aufnimmt, kann ein
Bildsensor 46 vorgesehen sein, welche mittels eines Objektivs 44 eine Abbildung der aus dem Volumen der Werkstücke 110,120 emittierten Strahlung ermöglicht. Mittels des zusätzlichen oder alternativen Bildsensors 46, welcher wie der bereits in der oben beschriebene Bildsensor 36 ausgebildet sein kann, kann eine Detektion von Rissen, Störstellen oder anderen Defekten in dem durch die Werkstücke 110,120 ausgebildeten Volumen an einer von dem Bearbeitungsobjektiv 2 unabhängigen Position detektiert werden.
Damit können mit einem von dem Bearbeitungsobjektiv 2 unabhängigen Bildsensor 46 nicht nur die unmittelbaren Umgebung der Prozesszone 200, sondern auch beliebige andere Positionen der Werkstücke 110, 120 für eine Abbildung der an Rissen, Defekten und Störstellen emittierten Strahlung betrachtet werden. Damit kann eine Qualitätskontrolle der Werkstücke 1 10, 120 über einen weiteren Bereich oder über die gesamte Ausdehnung hinweg durchgeführt werden. Mit anderen Worten begrenzt sich die Qualitätskontrolle dann nicht nur auf die unmittelbare Umgebung der Schweißnaht 210, sondern kann auch davon beabstandete Bereiche umfassen.
In Figur 2 ist ein Kamerabild des die Schweißnaht 210 umgebenden Bereichs zu erkennen. Dabei ist zunächst innerhalb der Prozesszone 200 ein entsprechendes Leuchten zu erkennen, das auf eine Emission von Strahlung aus der Prozesszone 200 hindeutet. Die Prozesszone 200 bewegt sich relativ zu dem gezeigten Werkstück 1 10 in Richtung x. Entsprechend ist in dem Kamerabild auch die schon entstandene Schweißnaht 210 zu erkennen.
Die aus der als Strahlungsquelle dienenden Prozesszone 200 emittierte Strahlung wird an bereits vorliegenden oder während der Behandlung entstehenden Rissen 220 und/oder Defekte und/oder Störstellen so gestreut oder reflektiert, dass diese auf dem Kamerabild sichtbar sind.
In der Figur 2 ist entsprechend sowohl die Prozesszone 200 mit der durch den Schweißprozess entstandenen Schweißnaht 210 zu erkennen, als auch das Vorliegen oder die Ausbildung von Rissen 220 oder anderen Defekten oder Störstellen in dem Werkstück 110. Dabei müssen die Risse 220, Defekte oder Störstellen nicht zwangsläufig durch den Bearbeitungsvorgang und insbesondere die Wärme in der Prozesszone 200 entstehen oder entstanden sein, sondern diese Risse 220, Defekte oder Störstellen können auch schon vor Beginn des Bearbeitungsvorgangs Vorgelegen haben. Durch die beschriebene Aufnahme des Kamerabildes kann auch beobachtet werden, ob sich die Risse, Defekte oder Störstellen durch die Bearbeitung verändern - beispielsweise vergrößern oder verkleinern.
Aufgrund der genauen Kenntnis der relativen Position der Prozesszone 200 in dem Werkstück 1 10 durch die Relativpositionierung zwischen Werkstück und Bearbeitungsobjektiv 2 kann aufgrund des ortsaufgelösten Kamerabildes eine genaue Lokalisierung dieser Risse und/oder Störstellen und/oder Defekte bezüglich des Werkstücks 110 vorgenommen werden.
Weiterhin kann bei einer zusätzlich zeitaufgelösten Aufnahme des Kamerabildes auch eine Veränderung der Risse 220, Defekte oder Störstellen über die Zeit hinweg betrachtet werden.
Diese Beobachtung der Ausbildung und/oder Veränderung von Rissen 220, Störstellen und/oder Defekten in dem Werkstück 110 kann auch in Echtzeit erfolgen. Dadurch wird eine Optimierung der Parameter des eigentlichen Bearbeitungsvorgangs auf effiziente Weise möglich, da die Reaktion des Materials des Werkstücks 1 10 auf eine Änderung eines Prozess Parameters unmittelbar zu erkennen ist.
Aufgrund der Möglichkeit der Lokalisierung von Rissen und/oder Störstellen und/oder Defekten kann auch eine Nachführung oder Regelung von Prozessparametern durchgeführt werden.
Beispielsweise kann die Leistung des Bearbeitungsstrahls 20 oder die Vorschubgeschwindigkeit angepasst werden. Wird beispielsweise ein übermäßiges Auftreten von Rissen in einem, mehreren oder allen Werkstücken 110, 120 detektiert, so kann entsprechend die Leistung des
Bearbeitungsstrahls 20 reduziert werden oder die Vorschubgeschwindigkeit erhöht werden, um die Rissbildung aufgrund von durch den eingetragenen Temperaturgradienten erzeugten Spannungen zu reduzieren.
In Figur 3 ist ein weiteres exemplarisches Kamerabild gezeigt, bei dem sowohl die Prozesszone 200 mit der entsprechenden Emission der Strahlung zu erkennen ist, als auch das Ausgehen von Strahlung ausgehend von einem Riss 220, welcher sich hier unmittelbar an die Prozesszone 200 anschließt.
Eine Auswertung der mittels der Bildsensoren 36 und/oder 46 aufgenommenen Bilder kann beispielsweise darüber vorgenommen werden, dass die aufgenommenen Signale zunächst aufbereitet werden. Beispielsweise kann eine Filterung der Signale vorgenommen werden und/oder eine Rauschreduktion vorgenommen werden und/oder eine Glättung der Signale vorgenommen werden und/oder besondere Merkmale der Signals herausgestellt werden und/oder eine
Kontrasterhöhung und/oder einen Kantenfilter durchgeführt werden etc.
Das mittels der Bildsensoren 36 und/oder 46 aufgenommene Signal kann mittels einer
Bildverarbeitung verarbeitet werden, wobei beispielsweise ein Abgleich der ermittelten Signale
beziehungsweise der durch die Signale repräsentierten Aufnahmen mit einer Sollverteilung von Intensitätswerten außerhalb der Prozesszone verglichen wird und durch eine Auswertung der von der Sollverteilung abweichenden Bereiche außerhalb der Prozesszone hinsichtlich der Helligkeit und/oder des Kontrasts und/oder der Form und/oder der Größe der abweichenden Bereiche eine Ermittlung von Rissen und/oder Störstellen und/oder Defekten erreicht werden kann.
Eine weitere oder alternative Auswertung des aufbereiteten Signals kann auch durch eine räumliche Integration beispielsweise über die Intensitätswerte der einzelnen Bildpixel hinweg und einen nachfolgenden Vergleich mit einem zuvor festgelegten Toleranzbereich. Auf diese Weise kann eine Ortsinformation im Koordinatensystem der Werkstücke bezüglich des Vorliegens und/oder der Ausbildung und/oder der Veränderung von Rissen und/oder Störstellen und/oder Defekten ermittelt werden.
Eine Unsicherheit bezüglich der Bestimmung des Orts kann sich hier aus Abweichungen der Übereinstimmung des Beobachtungsfelds des verwendeten Sensors 36, 46 mit dem jeweiligen Abschnitt der Werkstücke 110, 120 ergeben, wobei diese Unsicherheit durch eine anfängliche Kalibrierung des Sensorsystems auf die jeweils betrachtete Fokusebene und/oder durch das Aufbringen von mittels des jeweiligen Sensors 36, 46 detektierbaren Positions- und/oder
Distanzmarkierungen reduzierbar ist.
Besonders bevorzugt erfolgt eine automatisierte Fehlerausgabe beim Überschreiten von vordefinierten Toleranzgrenzen, um entsprechend einen Schweißprozess abzubrechen, wenn eine hohe Wahrscheinlichkeit dafür besteht, dass durch den Bearbeitungsprozess Ausschuss produziert wird.
Weiterhin können auch Gegenmaßnahmen zur Stabilisierung des Bearbeitungsprozesses vorgesehen werden, um entsprechend automatisiert eine Anpassung der Prozessparameter derart vorzunehmen, dass das Auftreten oder Verändern von Rissen, Defekten oder Störstellen reduziert wird.
Soweit anwendbar, können alle einzelnen Merkmale, die in den Ausführungsbeispielen dargestellt sind, miteinander kombiniert und/oder ausgetauscht werden, ohne den Bereich der Erfindung zu verlassen.
Bezugszeichenliste
1 Vorrichtung zur Überwachung eines Schweißprozesses
100 Grenzfläche
1 10 (oberes) Werkstück
1 12 obere Oberfläche des oberen Werkstücks
1 14 untere Oberfläche des oberen Werkstücks
120 (unteres) Werkstück
122 obere Oberfläche des unteren Werkstücks
124 untere Oberfläche des unteren Werkstücks
2 Bearbeitungsobjektiv
20 Bearbeitungsstrahl
200 Prozesszone
210 Schweißnaht
220 Riss bzw. Reflektion/Streuung an Riss
30 Strahlteiler
32 optischer Filter
34 Fokussierlinse
36 Bildsensor
44 Optik
46 Bildsensor
X Verschiebungsrichtung