Motorrad
Die vorliegende Erfindung betrifft ein Motorrad gemäß dem Oberbegriff des Patentanspruches 1.
Moderne Fahrzeuge sind häufig mit einem sogenannten Fahrstabilitäts- system ausgerüstet, das auf der Basis verschiedener Fahrzustandssignale, wie z. B. Raddrehzahlen, Querbeschleunigung, Gierrate etc. permanent den Ist-Fahrzustand überwacht und bei Erkennen eines kritischen Fahrzustandes das Fahrzeug durch einen aktiven Brems- und/oder Gaseingriff stabilisiert. Die aus dem Bereich vierrädriger Fahrzeuge bekannten Fahrstabilitäts- systeme sind auf Motorräder nicht übertragbar. Befindet sich das Motorrad in einem instabilen Querkraftzustand, kann das Fahrzeug üblicherweise nicht durch einen Bremseingriff stabilisiert werden.
Aufgabe der Erfindung ist es, ein Motorrad zu schaffen, dessen Fahrwerk so konzipiert ist, dass in kritischen Fahrsituationen eine Stabilisierung des Fahrzustands durch einen elektronischen Regeleingriff möglich ist.
Diese Aufgabe wird durch die Merkmale des Patentanspruches 1 gelöst. Vorteilhafte Ausgestaltungen und Weiterbildungen der Erfindung sind den Unteransprüchen zu entnehmen.
Ausgangspunkt der Erfindung ist ein Motorrad, mit einem gabelartigen Radträger, an dessen unterem Ende ein Vorderrad gelagert ist. Der Begriff
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„Radträger" ist sehr breit auszulegen und umfasst insbesondere Teleskopgabeln wie z. B. die des von BMW entwickelten „Telelever-Konzepts", sowie auch gabelartige Radträger, die einstückig, z. B. in der Form eines Gussteils hergestellt sind, wie sie z.B. bei den von BMW Motorrädern bekannten „Duo- lever-Vorderradaufhängungen" bekannt sind. Ähnlich wie bei herkömmlichen Motorrädern ist ein Lenker vorgesehen, mittels dem der Radträger während der Fahrt in eine Lenkrichtung, d. h. nach links bzw. nach rechts gelenkt werden kann. Der Lenker ist mittels einer „Übertragungseinrichtung" mit dem Radträger gekoppelt. Die Übertragungseinrichtung ist dazu vorgesehen ist, die vom Fahrer in den Lenker eingeleiteten Lenkkräfte auf den Radträger zu übertragen und diesen in eine entsprechende Lenkstellung zu bringen.
Der Kern der Erfindung besteht darin, dass der Radträger so angeordnet ist, dass er schwenkbar in Bezug auf den Lenker ist. Schwenkbar bedeutet in diesem Zusammenhang, dass der Radträger bei einer vorgegebenen Lenkerstellung zumindest in gewissem Umfang in Lenkrichtung, d. h. nach links bzw. nach rechts relativ zu dem Lenker verschwenkt werden kann. Dieser zusätzliche Freiheitsgrad ermöglicht während der Fahrt einen durch ein Fahrstabilitätssystem, d. h. durch eine Fahrstabilitätselektronik gesteuerten Lenkeingriff, also eine „Korrektur" der Lenkstellung des Radträgers und zwar ohne dass die vom Fahrer vorgegebene Stellung des Lenkers verändert wird. Der Lenker braucht also bei einem Lenkeingriff nicht mitbewegt zu werden.
Nach einer Weiterbildung der Erfindung weist die Übertragungseinrichtung ein Stellglied auf, mittels dem der Radträger während der Fahrt in Bezug auf den Lenker verschwenkt werden kann. Bei dem Stellglied kann es sich beispielsweise um einen Hydraulikzylinder, einem Pneumatikzylinder, einen Elektromotor oder einen anderen schnell- und präzise ansprechenden Aktu- ator handeln.
Gesteuert werden kann ein solcher Lenkeingriff durch eine Überwachungselektronik, die während der Fahrt des Motorrads mindestens eine, vorzugs-
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weise aber mehrere Fahrzustandsgrößen, wie z. B. Raddrehzahlen, Gierrate, Seitenneigungswinkel, Nickwinkel etc. überwacht und bei Erkennen eines kritischen Fahrzustands durch Ansteuern des Stellglieds einen den Fahrzustand stabilisierenden Lenkeingriff vornimmt.
Nach einer Weiterbildung der Erfindung weist der Radträger einen linken und einen rechten Gabelarm auf, die im Bereich ihrer oberen Enden durch einen „Verbindungsabschnitt" bzw. durch ein separates „Verbindungsstück", das auch als obere Gabelbrücke bezeichnet werden kann, miteinander verbunden sind. Die Gabelarme sind fest mit diesem Verbindungsstück bzw. mit dieser „Gabelbrücke" verbunden. Der Lenker hingegen ist schwenkbar in Bezug auf die Gabelbrücke angeordnet. Das Stellglied ist, kinematisch betrachtet, zwischen dem Lenker und dem Radträger angeordnet, was ein Verschwenken des Radträgers in Bezug auf den Lenker ermöglicht. Der Lenker kann unmittelbar an der Gabelbrücke gelagert sein.
Wie bereits erwähnt kann es sich bei dem Radträger um eine Teleskopgabel mit zwei Gabelholmen handeln, die jeweils zwei ineinander verschiebliche Gabelrohre aufweisen bzw. um einen einstückigen, z. B. in der Form eines Gussteils hergestellten Radträger.
Der Radträger kann, ähnlich wie dies von den auf dem Markt befindlichen BMW Motorrädern mit „Telelever-Vorderradaufhängung" und „Duolever-Vor- derraudaufhängung" bekannt ist, über einen oder zwei sogenannte „Längslenker" am übrigen Motorrad aufgehängt sein. Bei einer Telelever-Vorderradaufhängung sind die beiden unteren Gabelrohre der Teleskopgabel über eine untere Gabelbrücke miteinander verbunden und die untere Gabelbrücke ist über ein mittig im Bereich zwischen den beiden Gabelholmen angeordnetes Kugelgelenk mit einem unteren Längslenker verbunden, dessen hintere Enden schwenkbar am Rahmen oder am Motorgehäuse gelagert sind. Die Enden der oberen Gabelrohre der beiden Gabelholme sind über Kugelgelenke
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in einer oberen Gabelbrücke gelagert, die wiederum schwenkbar mit dem Rahmen des Motorrads verbunden ist.
Bei einer Duolever-Vorderradaufhängung ist ein einteiliger in der Form eines Gussteils hergestellter Radträger vorgesehen, der über einen unteren und einen oberen Längslenker gelenkig am Rahmen bzw. am Motorgehäuse aufgehängt ist.
Im Folgenden wird die Erfindung im Zusammenhang mit der Zeichnung näher erläutert. Es zeigen:
Figur 1 ein perspektivische Darstellung eines Radträgers gemäß der
Erfindung; und
Figur 2 eine vergrößerte Darstellung des Radträgers der Figur 1 im Bereich der oberen Gabelbrücke.
Figur 1 zeigt eine Vorderradaufhängung 1 eines hier nicht näher dargestellten Motorrads mit einer Teleskopgabel 2, die einen linken und einen rechten Gabelholm aufweist. Die beiden Gabelholme weisen jeweils ein unteres Gabelrohr 3, 4 und ein relativ dazu verschiebliches oberes Gabelrohr 5, 6 auf. An den unteren Enden der beiden unteren Gabelrohre 3, 4 ist ein Vorderrad 7 gelagert. Die beiden oberen Gabelrohre 5, 6 sind durch eine untere Gabelbrücke 8 und eine obere Gabelbrücke 9 miteinander verbunden. Die beiden Gabelbrücken 8, 9 sind hier über ein sogenanntes „Steuerrohr" 10 miteinander verbunden. Insgesamt ist die Teleskopgabel 2 über die obere Gabelbrücke 9 und/oder über die untere Gabelbrücke 8 und/oder über das Steuerrohr schwenkbar an einem hier nicht näher dargestellten Rahmen des Motorrads gelagert.
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Prinzipiell kann die Teleskopgabel 2 auch über Längslenker am Rahmen bzw. am Motorgehäuse des Motorrads gelagert sein. Die Art und Weise, wie die Gabel am übrigen Motorrad aufgehängt ist, ist für die Erfindung von nachgeordneter Bedeutung.
Wie aus Figur 1 ersichtlich ist, ist an der oberen Gabelbrücke 9 ein Lenker 11 angeordnet. Der Lenker 11 ist mit der oberen Gabelbrücke 9 über ein Schwenkgelenk 12 verbunden. Der Lenker 11 kann also relativ zu der oberen Gabelbrücke 9 bzw. zur Teleskopgabel 2 verschwenkt werden.
Bei dem hier gezeigten Ausführungsbeispiel weist der Lenker 11 einen sich nach vorne erstreckenden Arm 13 auf, der mit einer Kolbenstange 14 verbunden ist. Am linken und am rechten Ende der Kolbenstange 14 ist jeweils ein hier nicht näher dargestellter Kolben angeordnet. Die beiden Kolben sind in zugeordneten Zylindern 15, 16 verschieblich. Die durch die Kolbenstange 14, die Kolben und die Zylinder 15, 16 gebildete Anordnung fungiert als Stellglied, mit dem die Teleskopgabel 2 relativ zu dem Lenker 11 verschwenkt werden kann. Das Stellglied wird durch eine hier nicht näher dargestellte Elektronik angesteuert. Die Elektronik überwacht verschiedene Fahrzustandssignale, wie z. B. Raddrehzahlsignale, Gierrate, Schräglagenwinkel etc. Wenn die überwachten Fahrzustandssignale auf das Vorliegen einer kritischen Fahrsituation hindeuten, kann mittels des Stellglieds ein Lenkeingriff vorgenommen werden, d. h. die Teleskopgabel 2 kann relativ zu der vom Fahrer vorgegebenen Lenkerstellung verschwenkt werden, um den Fahrzustand des Motorrads zu stabilisieren.
Figur 2 zeigt eine vergrößerte Darstellung der Vorderradaufhängung im Bereich des Stellglieds bzw. des Lenkers 11.
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