Verfahren und Vorrichtung zur Sichtbarmachung der Umgebung eines Fahrzeugs mit umqebunqsabhänqiqer Fusion eines Infrarot- und eines Visuell-Abbilds
Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zur Sichtbarmachung der Umgebung eines Fahrzeugs sowie eine Kalibriervorrichtung zur Kalibrierung der Vorrichtung nach dem Oberbegriff des betreffenden unabhängigen Patentanspruchs.
Aus der DE 695 06 174 T2 ist ein Nachsichtsystem für ein Fahrzeug bekannt. Das System weist eine Infrarot-Kamera auf, die ein Infrarot-Abbild erzeugt, das die von Personen und Gegenständen ausgehende Wärmestrahlung eines Ausschnitts der Umgebung des Fahrzeugs zeigt. Das Infrarot-Abbild wird über ein Head-up-Display auf den unteren Teil der Windschutzscheibe projiziert und damit dem Fahrer sichtbar gemacht.
Die Zuordnung von Personen und Objekten im Infrarot-Abbild zu der vor dem Fahrer liegenden, visuell durch die Windschutzscheibe erfassbaren Verkehrssituation ist vom Fahrer zu leisten. Dies ist insbesondere bei Dunkelheit, für die das bekannte System gedacht sein soll, schwierig und oft sogar unmöglich, weil das Infrarot- Abbild Personen und Objekte zeigt, die der Fahrer visuell nicht erkennen kann. Eine exaktere Positionsbestimmung der nur im Infrarot-Abbild erkennbaren Personen und Objekte ist daher regelmäßig nicht möglich und lenkt den Fahrer in gefährlicher Weise ab.
Die Aufgabe der Erfindung besteht insbesondere in der Angabe eines verbesserten Verfahrens und einer Vorrichtung zur Sichtbarmachung der Umgebung eines Fahrzeugs, wie insbesondere ein verbessertes Nachtsichtsystem.
Die Aufgabe der Erfindung wird durch den entsprechenden, unabhängigen Anspruch verfahrensmäßig bzw. vorrichtungsmäßig gelöst. Vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung sind in den zugeordneten, abhängigen Patentansprüchen angegeben.
Ein erster wesentlicher Aspekt der Erfindung besteht in der Anzeige bzw. Sichtbarmachung einer Kombination bzw. Überlagerung eines visuellen Abbilds, nachfolgend Visuell-Abbild genannt, und eines infraroten Abbilds, nachfolgend Infrarot- Abbild genannt, des weitgehend selben Ausschnitts der Umgebung eines Fahrzeugs. Durch diese Überlagerung oder Fusion der Abbilder unterschiedlicher Spektralbereiche derselben Szene, werden die vorstehend beschriebenen Nachteile des Stands der Technik weitgehend beseitigt.
Ein zweiter wesentlicher Aspekt besteht darin, die beiden spektralen Anteile (visueller Anteil und infraroter Anteil) bei der Fusion des jeweiligen visuellen Abbilds und des infraroten Abbilds in Abhängigkeit von der konkreten Fahrsituation im Verhältnis zueinander zu gewichten. Im ersten Extremfall der Gewichtung weist das durch Fusion entstandene Bild weitgehend lediglich die visuelle Information auf, im Regelfall eine Überlagerung aus visueller und infraroter Information und im zweiten Extremfall der Gewichtung weist das durch Fusion entstandene Bild weitgehend lediglich die infrarote Information auf.
Wird beispielsweise auf der Landstraße durch ein Abstandsmeßsystem ein voraus- fahrendes Fahrzeug erkannt, z.B. durch ein bekanntes radargestütztes ACC-System (Automatic Cruise Control), ist bei einer Ausführungsform der Erfindung vorgesehen, dieses Fahrzeug bei der Fusion der beiden spektralen Anteile ggü. der Fahrumgebung hervorzuheben, so dass es im Fusionsbild ggü. der Umgebung deutlicher hervortritt. Dies kann beispielsweise geschehen, indem die Gewichtung der beiden spektralen Anteile für den relevanten Bereich ggü. der Fahrumgebung verändert wird; in diesem Beispiel derjenige Bildausschnitt des Fusionsbilds, der das unmittelbar vorausfahrende Fahrzeug zeigt. Am Tage kann beispielsweise die visuelle Information ggü. der infraroten Information höher gewichtet und damit deutlicher im Fusionsbild zur Geltung gebracht werden, während bei Dunkelheit gerade an- dersherum gewichtet wird.
Fährt das Fahrzeug in einem gut ausgeleuchteten Gebiet, ist bei einer anderen Ausführungsform der Erfindung alternativ oder ergänzend vorgesehen, den visuellen Anteil bzw. die visuelle Information ggü. dem infraroten Anteil bzw. ggü. der infraro-
ten Information höher zu gewichten. Auf dunkler Landstraße und/oder Autobahn wird die Gewichtung alternativ oder ergänzend ggü. der vorgenannten andersherum vorgenommen, so dass die infrarote Information bzw. der infrarote Anteil im Fusionsbild ggü. dem visuellen Anteil deutlicher hervortritt.
Alternativ oder ergänzend ist bei einer weiteren Ausführungsform der Erfindung vorgesehen, auf dunkler Landstraße und/oder Autobahn die infrarote Information von weiter entfernten Objekte ggü. deren visueller Information - im Unterschied zu weniger weit vom Fahrzeug entfernten Objekten - durch deren höhere Gewichtung bei der Fusion hervorzuheben. Ggf. kann das dem Fahrer auf einem Display dargebotene Fusionsbild im Nahbereich einen höheren Anteil an visueller Information und im Fernbereich einen höheren Anteil an infraroter Information aufweisen.
Bei Regen, Nebel oder nasser Fahrbahn ist die Nutzbarkeit des Infrarotkanals bzw. der Infrarot-Information ggü. Normalbedingungen beschränkt. Um einer Verschlechterung des Fusionsbilds durch die allenfalls beschränkt brauchbare Infrarotinformation bei solchen Witterungsverhältnissen entgegen zu wirken, ist alternativ oder ergänzend vorgesehen, den visuellen Anteil ggü. dem infraroten Anteil zu erhöhen, d.h. die Gewichtung der beiden Spektralanteile im Fusionsbild entsprechend in Richtung visueller Information zu verändern.
Zur Erkennung der vorgenannten Witterungsbedingungen kann insbesondere ein Regensensor oder ein Nebelsensor am Fahrzeug vorgesehen sein. Ebenso kann ausgewertet werden, welche Fahrzeugleuchten eingeschaltet sind, wie insbesonde- re die Nebelscheinwerfer. Diese Informationen können jedoch auch durch ein im Fahrzeug vorgesehenes dynamisches Navigationssystem geliefert werden, in das die dynamischen Verkehrs- bzw. Witterungsbedingungen für den gegenwärtigen Aufenthaltsort des Fahrzeugs oder insbesondere vorausschauend für die geplante Fahrtroute übertragen werden. Diese Übertragung kann über ein Mobilfunknetz oder durch eine Fahrzeug-Fahrzeug-Kommunikation erfolgen.
Alternativ oder ergänzend ist bei einer Ausführungsform der Erfindung vorgesehen, dass der Fahrer die Gewichtung der beiden spektralen Anteile zueinander im Fusionsbild manuell einstellen und damit an seine Bedürfnisse und speziellen Umstände
optimal anpassen kann. Ein kontinuierlicher Übergang der Darstellung von visueller Information zu Infrarotinformation und umgekehrt ist bei einer Ausführungsform der Erfindung vorgesehen. Dies ermöglicht dem Fahrer, den Zusammenhang zwischen visueller und infraroter Information und den Einfluss auf das Fusionsbild der Fahr- Umgebung durch die Verschiebung zwischen den spektralen Anteilen leichter und schneller nutzbringend im Sinne einer schnelleren und zuverlässigeren Erfassung der Verkehrssituation anzuwenden.
Bei einer weiteren Ausführungsform wird dem Fahrer alternativ oder ergänzend eine Vielzahl von Fusionsbildern zur Auswahl eines ihm geeignet erscheinenden Fusionsbilds angeboten, wobei die zur Auswahl angebotenen Fusionsbilder sich in ihrem Verhältnis des Anteils von visueller Information zu Infrarot-Information unterscheiden. Insbesondere kann eine unterschiedliche Gewichtung von visuellem Anteil zu infrarotem Anteil bei der Fusion vorgenommen worden sein.
Bei einer konkreten Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Nachtsichtsystems weist die Visuell-Kamera oder der erste Sensor bzw. deren Optik eine erste optische Achse und die Infrarot-Kamera oder der zweite optische Sensor bzw. deren Optik eine zweite optische Achse auf, die räumlich zueinander versetzt sind. Daher erfas- sen die Kameras bzw. Sensoren zumindest teilweise unterschiedliche Ausschnitte der Umgebung des Fahrzeugs, d.h. einen ersten und einen zweiten Ausschnitt. Diese sind zudem entfernungsabhängig. Es versteht sich, dass erfindungsgemäß auch mehr als zwei Infrarot-Kameras bzw. Infrarot-Sensoren, deren Empfindlichkeit unterschiedliche Wellenlängen abdeckt, vorgesehen und die von ihnen gelieferten digitalen Abbilder der Fahrzeug-Umgebung überlagert bzw. fusioniert werden können.
Um ein weitgehend verzerrungsfreies Fusions-Bild zur Darstellung für den Fahrer zu erhalten, ist bei einer Ausführungsform der Erfindung vorgesehen, dass der bereit gestellte erste Ausschnitt und der bereit gestellte zweite Ausschnitt ganz oder teilweise durch eine Überlagerungs- bzw. Fusionseinrichtung pixel- und/oder bereichsweise überlagert bzw. fusioniert werden. Zur Bereitstellung des Fusions-Bilds wird der erste Ausschnitt und/oder der zweite Ausschnitt und/oder das Fusions-Bild bzw.
deren unmittelbare oder bearbeitete digitale Daten durch mindestens einen Anpassungsparameter angepasst.
Dieser oder diese entfernungsabhängigen Parameter werden bevorzugt bei der Ka- librierung des erfindungsgemäßen Kamera- oder Sensorsystems bzw. Nachtsichtsystems für mindestens zwei Entfernungsbereiche bzw. Abstandsbereiche zwischen den Kameras bzw. Sensoren und einer Kalibriervorrichtung ermittelt. Ein wesentliches Ziel ist es, den oder die Anpassungsparameter so einzustellen, dass das bei der Überlagerung bzw. Fusion der Abbilder entstehende Fusionsbild von Objekten im betreffenden Entfernungsbereich weitgehend verzerrungsfrei ist, wie insbesondere frei von Geister- bzw. Doppelbildern. Bei dem oder den Anpassungsparametern handelt es sich erfindungsgemäß insbesondere um mindestens einen Registrie- rungs- oder Transformationsparameter. Ein ähnlicher Parameter ist z.B. aus der Registrierung eines digitalen Bildverarbeitungssystems und damit vorgenommenen Überlagerungen von zwei Bildern bekannt. Der oder die fahrsituations- bzw. entfernungsabhängigen Anpassungsparameter werden bevorzugt bei der Kalibrierung in einem Datenspeicher im Fahrzeug gespeichert.
Bei einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung entspricht ein erster Entfer- nungsbereich einer für eine Stadtfahrt typischen Fahrsituation, wie insbesondere ein Entfernungsbereich von ca. 15 bis 75 m.
Alternativ oder ergänzend entspricht ein zweiter Entfernungsbereich einer für eine Landstrassenfahrt typischen Fahrsituation, wie insbesondere ein Entfernungsbe- reich von ca. 30 bis 150 m.
Alternativ oder ergänzend entspricht ein dritter Entfernungsbereich einer für eine Autobahnfahrt typischen Fahrsituation, wie insbesondere ein Entfernungsbereich von ca. 50 bis 250 m.
Es versteht sich, dass alternativ oder ergänzend zu den vorgenannten entfernungsabhängigen oder entfernungsbereichsabhängigen Anpassungsparametern auch andere fahrsituationsabhängige Anpassungsparameter insbesondere mit dem vorgenannten Ziel ermittelt werden können. Hierbei kann es sich beispielsweise um
geeignete Anpassungsparameter für Fahrten bei tief stehender Sonne, im Nebel, bei einsetzender Dunkelheit oder bei Dunkelheit handeln.
Ein weiterer wesentlicher Aspekt der Erfindung besteht darin, die aktuelle Fahrsitua- tion des Fahrzeugs automatisch zu ermitteln und den oder die der aktuellen Fahrsituation bzw. Umgebungssituation entsprechenden, insbesondere durch Kalibrierung gewonnenen und im Fahrzeug gespeicherten Anpassungsparameter zur Verwendung durch die erfindungsgemäße Ausricht-Vorrichtung oder durch die Überlage- rungs- bzw. Fusionseinrichtung bereitzustellen. Die Überlagerungs- bzw. Fusions- einrichtung führt eine pixel- und/oder bereichsweise Überlagerung bzw. Fusionierung des in Form von digitalen Daten vorliegenden Visuell-Abbilds und des Infrarot- Abbilds durch, wobei ein oder mehrere entfernungsabhängige Anpassungsparameter das Infrarot-Abbild und/oder das Visuell-Abbild und/oder das Fusions-Bild derart beeinflussen, dass bevorzugt ein weitgehend verzerrungsfreies und/oder geisterbild- freies Fusions-Abbild der Umgebung für den Fahrer bereitgestellt wird.
Alternativ oder ergänzend zur vorgenannten automatischen Ermittlung, ist bei einer Ausführungsform der Erfindung vorgesehen, dass der Fahrer ihm geeignet erscheinende, insbesondere durch Kalibrierung gewonnene und im Fahrzeug gespeicherte Anpassungsparameter zur Verwendung durch die erfindungsgemäße Ausricht- Vorrichtung oder durch die Überlagerungs- bzw. Fusionseinrichtung auswählt. So können dem Fahrer beispielsweise der oder die Anpassungsparameter für eine Stadtfahrt typische, eine Landstrassenfahrt typische, eine Autobahnfahrt typische Fahrsituation und/oder ggf. für weitere Fahrsituationen zur Auswahl angeboten wer- den, z.B. in Form einer manuellen Auswahlmöglichkeit oder durch Spracheingabe. Hierdurch wird der Fahrer auch ohne im Fahrzeug befindliches Fahrzeug- Navigationssystem in die Lage versetzt, ein weitgehend verzerrungsfreies bzw. doppelbildfreies Fusions-Bild selbst herbeizuführen. Zudem wird dem Fahrer dadurch die Möglichkeit eröffnet, sich ggf. über eine automatische Auswahl hinwegzu- setzen. Ebenso kann dem Fahrer die Möglichkeit gegeben werden, einen oder mehrere Anpassungsparameter auszuwählen, die ihm die nähere Umgebung seines Fahrzeugs verzerrungsfrei im Fusions-Bild darstellen, z.B. Entfernungen bis zu 20 m von seinem Fahrzeug. Diese Auswahl kann vom Fahrer beispielsweise dann vorgenommen werden, wenn er im Dunkeln an seine Garage heranfährt und über die
Infrarot-Information im Fusions-Bild in Erfahrung bringen will, ob ihm hinter einem Gebüsch aufgelauert wird.
Bei einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung, wird die aktuelle Position des Fahrzeugs von einem Fahrzeug-Navigationssystem, insbesondere ein Satelliten-Navigationssystem, bestimmt. Anhand der Position wird von dem im Fahrzeug befindlichen Navigationssystem durch Vergleich mit digitalen Kartendaten automatisch die entsprechende Straßenkategorie bzw. Fahrsituation, wie insbesondere Stadtstrasse, Landstrasse oder Autobahn, ermittelt. Solche Fahrzeug- Navigationssysteme sind bereits heute in zahlreichen Fahrzeugen zum Zweck der Routenführung etc. vorhanden und können ohne großen Aufwand zur vorgenanten automatischen, fahrsituations- und umgebungsabhängigen Optimierung der fusionierten Abbilder der Umgebung des Fahrzeugs genutzt werden.
Alternativ oder ergänzend ist bei einer weiteren Ausführungsform der Erfindung vorgesehen, dass die Fahrsituation anhand mindestens einer fahrdynamischen Größe, wie insbesondere die Fahrzeug-Geschwindigkeit und/oder der Betrieb des Abblendbzw. Fernlichts und/oder die Fahrzeug-Beschleunigung und/oder Helligkeit und/oder Nebel, ermittelt wird. Diese Informationen können bereits in heutigen Fahrzeugen ganz oder teilweise von deren Bordnetz zur Verfügung gestellt werden, ohne dass ein größerer Aufwand erforderlich ist.
Bei einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung wird ein farbiges visuelles Abbild mit dem Infrarot-Abbild fusioniert bzw. kombiniert oder überlagert. Im Unter- schied zu einem schwarzweißen Visuell-Abbild, entsteht ein fusioniertes Bild, das Farbinformationen des Visuell-Abbilds enthält, wie rote Bremsleuchten eines vorausfahrenden Fahrzeugs, eine rote Ampel, ein farbiges Verkehrsschild oder dgl. Die Farbinformation im fusionierten Bild erleichtert dem Fahrer eines entsprechend ausgestatteten Fahrzeugs die schnelle Orientierung und Erfassung der im fusionier- ten Bild dargestellten Verkehrssituation. Die Farbinformation verringert zudem die Gefahr, das farbige Warnhinweise (rote Ampel etc.) übersehen werden.
Zusammengefasst werden die Abbilder der Umgebung bzw. Szene für unterschiedliche Spektralbereiche jeweils von Störeinflüssen, wie Verzerrungen des Infrarot-
bzw. Visuell-Abbilds, insbesondere aufgrund von Abbildungsfehlern der jeweils verwendeten Optik usw., befreit. Dies geschieht bevorzugt softwaremäßig durch bekannte Maßnahmen zur Aufbereitung von digitalisierten Bildern. Die von Störeinflüssen weitgehend befreiten Abbilder bzw. deren digitale Bild-Daten werden bevorzugt durch digitale Bildverarbeitung zueinander ausgerichtet bzw. zur Deckung gebracht, so dass weitgehend zeit- und ortsgleiche Bild-Paare aus Infrarot- und Visuell-Abbild bzw. von deren digitalen Daten vorliegen. Dies geschieht erfindungsgemäß unter Verwendung von mindestens einem entfernungsabhängigen und/oder fahrsituati- onsabhängigen Anpassungsparameter zur Herbeiführung eines verzerrungsfreien Fusions-Bildes. Die verwendete Software und Hardware zur digitalen Bildverarbeitung erlaubt vorzugsweise eine Verschiebung, Drehung und Skalierung der Abbilder relativ zueinander. Durch diese Aufbereitung kann der nachfolgende Hardwareaufwand zur Überlagerung bzw. Fusion der Abbilder aus den unterschiedlichen Spektralbereichen in kostengünstiger Weise - trotz weitgehender Echtzeit-Verarbeitung zeit- und ortsgleicher Bild-Paare - minimiert werden.
Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung, werden die Infrarot- Abbilder und die Visuell-Abbilder mit jeweils gleicher Bildwiederholrate, bevorzugt von ein oder zwei Kameras oder Sensoren für diese Spektralbereiche, erzeugt. Hierdurch können in besonders einfacher Weise zeitgleiche Bild-Paare aus Infrarot- Abbild und Visuell-Abbild erzeugt werden, was den Software- und Hardware- Aufwand für die nachfolgende, erfindungsgemäße Überlagerung bzw. Fusion beider Abbilder - weitgehend in Echtzeit - erheblich vermindert. Die Verarbeitungsgeschwindigkeit der Bild-Paare steigt; die Kosten für Halbleiter-Speicher zur Zwi- schenspeicherung der Abbilder werden minimiert.
Bei einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung, zeigt das Infrarot-Abbild die von Personen und Objekten abgegebene Infrarot-Strahlung bzw. Wärmestrahlung, die im Wellenlängenbereich von ca. 8 bis 14 μm liegt. Bevorzugt wird eine IR- Kamera oder ein IR-Sensor verwendet, die oder der im Bereich von ca. 8 bis 10 μm empfindlich ist. Damit kann in vorteilhafter Weise auf einen Infrarot-Strahler bzw. eine solche Beleuchtung (typischer Wellenlängenbereich von ca. 800 nm bis 2,5 μm) für die Fahrzeugumgebung verzichtet werden. Eine wechselseitige Blendung entgegenkommender Fahrzeuge, die in bekannter Weise jeweils mit einer Infrarot-
Beleuchtung versehen sind, tritt nicht auf. Ebenso ist das erfindungsgemäße Infrarot-Abbild nicht auf die Reichweite einer Infrarot-Beleuchtung beschränkt.
Die Erfindung wird nachfolgend anhand eines Ausführungsbeispiels näher erläutert. Es zeigt:
Fig. 1 das Blockschaltbild einer erfindungsgemäßen Vorrichtung zur Sichtbarmachung eines Ausschnitts der Umgebung eines Fahrzeugs bzw. ein Nachtsichtsystem, anhand dem das erfindungsgemäße Verfahren zur Sichtbarmachung beschrieben wird.
Die in Fig. 1 als Blockschaltbild dargestellte, erfindungsgemäße Vorrichtung bzw. das Nachtsichtsystem 100 weist eine im visuellen Spektralbereich aufnehmende elektronische, hier sogenannte Visuell-Kamera 101 , z. B. ein CCD-Sensor, eine im infraroten Spektralbereich von ca. 8 bis 10 μm empfindliche elektronische Infrarot- Kamera 102, z. B. ein IR-Sensor, eine erste Normalisierungsvorrichtung 103, eine zweite Normalisierungsvorrichtung 104, eine Ausricht-Vorrichtung 105 und eine Ü- berlagerungs- bzw. Fusionseinrichtung 106 auf. Die Visuell-Kamera 101 liefert ein farbiges, visuelles Abbild.
Die optischen Achsen der Kameras 101 und 102 sind bevorzugt parallel zueinander ausgerichtet, wodurch der Parallaxenfehler minimiert werden kann, und liegen bevorzugt nahe beieinander, wodurch Versetzungsfehler minimiert werden. Die Bildebenen beider Kameras oder Sensoren werden bevorzugt parallel zueinander und senkrecht zur optischen Achse ausgerichtet und liegen nahe beieinander. Die fotoempfindlichen Sensorflächen beider Kameras bzw. Sensoren sind bevorzugt relativ zueinander weder verdreht noch gekippt, sondern weitgehend parallel zueinander angeordnet. Beide Kameras oder Sensoren haben bevorzugt zudem denselben Öffnungswinkel. Durch diese Maßnahmen kann erreicht werden, das die Kameras oder Sensoren Abbilder unterschiedlicher Spektralbereiche liefern, die weitgehend denselben Ausschnitt der Umgebung zeigen und relativ zueinander und zur tatsächlichen Situation nicht verdreht sind. Hierdurch kann der Aufwand für eine Bearbeitung der Abbilder zur Bereitstellung eines fusionierten Bilds aus beiden Abbildern und damit der Hardware- und Software-Aufwand deutlich verringert werden.
Die optischen Oberflächen der Kameras werden bevorzugt hydrophob beschichtet und bevorzugt ist zu ihrer Reinigung eine Hochdruckdüse oder dgl. vorgesehen, wie sie bereits zur Scheinwerfer-Reinigung üblich ist. Beide Kameras werden bevorzugt in einem gemeinsamen Gehäuse eingebaut (Montagefreundlichkeit, Gesamtausrichtung zur Fahrzeugachse, keine Verschiebung optischer Parameter der Kameras untereinander). Am Gehäuse der Kameras sind bevorzugt Befestigungen angeordnet, die einen vibrationsarmen Betrieb der Kameras am oder im Fahrzeug gewährleisten. Für den Betrieb der Kameras sind Anschlüsse für die Betriebsspannung vorgesehen. Die Betriebsspannung der Kameras sollte flexibel an die jeweilige Bordnetzspannung, wie z. B. 12 Volt und/oder 42 Volt, anpassbar sein. Um die E- lektronik und die Sensoren der Kameras vor Beschädigungen zu schützen, ist im Betriebsspannungszweig bevorzugt eine Überlastsicherung und ein Verpolungs- schutz eingebracht. Die Ausgabe der von den Kameras oder Sensoren generierten Videosignale (Spektralbereiche getrennt oder bereits fusioniert) sollte sich an einem Standard orientieren (z. B. NTSC, PAL, SECAM oder eigener Standard). Als Digital/Analogumsetzer können vorhandene Halbleiterelemente verwendet werden. Die Kameras oder Sensoren können zur Sichtbarmachung der Fahrumgebung vor, hinter und seitlich vom Fahrzeug angebracht werden.
Im Folgenden wird die Kalibrierung des Nachtsichtsystems bzw. der Vorrichtung 100 näher beschrieben. Zur Kalibrierung wird eine erfindungsgemäße Kalibriervorrichtung (nicht dargestellt) verwendet. Diese weist mehrere Glühlampen auf, die bevorzugt schachbrettartig angeordnet sind. Glühlampen zeichnen sich dadurch aus, dass sie sowohl Wärmestrahlung als auch visuell sichtbare Strahlung abgeben. Bevorzugt wird eine mit mehreren Glühlampen versehene Platte oder dgl. nacheinander in verschiedenen Abstandsbereichen vor den beiden Kameras bzw. Sensoren 101 und 102 angeordnet. Bei den Abstandsbereichen handelt es sich um typische ungebungs- oder fahrsituationsabhängige Abstandsbereiche, was nachfolgend nä- her erläutert werden wird.
Die vor den Kameras 101 und 102 befindliche Kalibriervorrichtung, die bevorzugt in dunkler Umgebung und nicht in der Nachbarschaft von Wärmequellen angeordnet ist, erzeugt in der Visuell-Kamera 101 ein (sogenanntes) Visuell-Abbild, das die
schachbrettartig angeordneten Glühlampen zeigt, wie sie auch das menschliche Auge sieht. Ferner erzeugt die Kalibriervorrichtung in der Infrarot-Kamera 102 ein Wärmebild, das ebenfalls die Anordnung der Glühlampen zeigt. Typischerweise zeigt sowohl das Visuell-Abbild als auch das sog. Infrarot-Abbild, insbesondere aufgrund von optischen Abbildungsfehlern etc., Verzeichnungen an den Rändern des jeweiligen Abbilds. In bekannter Weise werden die Verzeichnungen bzw. Abbildungsfehler im Visuell-Abbild durch eine erste Normalisierungsvorrichtung 103 weitgehend beseitigt. In bekannter Weise werden die Verzeichnungen bzw. Abbildungsfehler im Infrarot-Abbild durch eine zweite Normalisierungsvorrichtung 104 weitge- hend beseitigt. Die Normalisierung bzw. Fehlerbeseitigung erfolgt bevorzugt durch bekannte, softwaremäßige Maßnahmen an den digitalen Daten der Abbilder (digitale Bildverarbeitung) unter Verwendung von Kalibrierungsparametern 107 für das Visuell-Abbild und Kalibrierungsparametern 108 für das Infrarot-Abbild.
Die normalisierten bzw. weitgehend von Störungen etc. befreiten Abbilder bzw. deren digitale Daten werden durch einen an sich in der digitalen Bildverarbeitung bekannten Registrierungsvorgang zueinander durch eine Ausricht-Vorrichtung 105 unter Verwendung von Registrierungsparametern 109 ausgerichtet. Bei dem Ausrichtvorgang bleibt bevorzugt eines der Abbilder unverändert und dient als Referenz für das andere Abbild. Das zweite Abbild wird in Größe und Lage so verändert, dass ein weitgehend objektgleiches Abbild relativ zum ersten Abbild entsteht.
Die normalisierten Abbilder werden also so relativ zueinander ausgerichtet, dass ein und dasselbe Objekt an weitgehend gleicher Stelle und in weitgehend gleicher Grö- ße im fusionierten Bild erscheint. Wird dieser Vorverarbeitungsschritt nicht ausgeführt, entstehen aufgrund unterschiedlicher Kamerageometrien und des Kameraversatzes Schatten- oder Zwillingsbilder. Das bedeutet, dass ein Objekt an zwei Orten und in unterschiedlichen Größen im fusionierten Bild erscheint. Der Betrachter wird von solch einem Bild eher irritiert, als dass ihm Orientierung gegeben wird.
Zur umgebungs- bzw. fahrsituationsabhängigen Optimierung der pixelgenauen oder bereichsgenauen Fusion, wird zunächst ein erster Registrierungsvorgang für eine stadtfahrt-typische Fahrsituation durchgeführt. Der Abstand zwischen der Kalibriervorrichtung und den Kameras 101 und 102 wird hierzu beispielsweise im Bereich
von ca. 15 bis 75 m variiert und der oder die für diesen Abstandsbereich geeigneten Registrierungsparameter werden ermittelt und gespeichert. In entsprechender Weise wird ein zweiter Registrierungsvorgang für eine landstrassen-typische Fahrsituation, d.h. beispielsweise ein Bereich von ca. 30 bis 150 m, durchgeführt. Schließlich wird in entsprechender Weise ein dritter Registrierungsvorgang für eine autobahntypische Fahrsituation, d.h. beispielsweise im Bereich von ca. 50 bis 250 m, durchgeführt.
Unter Verwendung der von einem Fahrzeug-Navigationssystem (nicht dargestellt) bereitgestellten, aktuellen Positionsdaten wird von dem System anhand von digitalen Kartendaten die der Position des Fahrzeugs entsprechende Straßenkategorie bzw. Fahrsituation ermittelt, wie insbesondere Stadtstrasse, Landstrasse oder Autobahn. Insbesondere bei Dunkelheit, werden die der Fahrsituation entsprechenden und im Fahrzeug bei den Kalibriervorgängen gespeicherten Registrierungs- bzw. Anpassungsparameter von der Überlagerungs- bzw. Ausrichtvorrichtung 105 zur fahrsituationsgerechten Ausrichtung der Abbilder verwendet. So werden insbesondere Schatten- oder Zwillings- bzw. Geisterbilder im fusionierten Bild für die betreffende Fahrsituation weitgehend vermieden.
Alternativ oder ergänzend wird die aktuelle Fahrsituation des Fahrzeugs anhand mindestens einer fahrdynamischen Größe ermittelt. Die der oder den fahrdynamischen Größen zugeordneten und im Fahrzeug gespeicherten Registrierungs- bzw. Anpassungsparametern werden erfindungsgemäß von der Überlagerungs- bzw. Ausrichtvorrichtung 105 zur fahrsituationsgerechten Ausrichtung der Abbilder ver- wendet. Auch durch diese Maßnahme werden insbesondere Schatten- oder Zwillings- bzw. Geisterbilder im fusionierten Bild für die betreffende Fahrsituation weitgehend vermieden. Bei den fahrdynamischen Größen des Fahrzeugs handelt es sich insbesondere um dessen Geschwindigkeit, die Einschaltung des Abblend- oder Fernlichts oder um dessen positive oder negative Beschleunigung.
Die oben genannte Ausrichtung der normalisierten Abbilder kann in drei Schritte eingeteilt werden: Verschiebung, Drehung und Skalierung. In der Praxis stellte sich heraus, das die Reihenfolge Drehung, Skalierung und Verschiebung die qualitativ besten Resultate lieferte. Da die Reihenfolge dieser Schritte im Allgemeinen nicht
kommutativ bzw. vertauschbar ist, sollte darauf geachtet werden, dass die Reihenfolge dieser Schritte bei der Kalibrierung und bei dem nachfolgenden Betrieb des erfindungsgemäßen Nachtsichtsystems dieselbe ist. Ggf. ist die Kalibrier- und/oder Betriebs-Software des Nachtsichtsystems entsprechend zu gestalten.
Die zueinander ausgerichteten Abbilder werden in einer Überlagerungs- bzw. Fusionseinrichtung 106 softwaremäßig durch die Bearbeitung von deren digitalen Daten überlagert bzw. fusioniert. Aus jedem zeit- und ortsgleichen bzw. objektgleichen Bild-Paar aus Visuell-Abbild und Infrarot-Abbild wird ein fusioniert.es oder überlager- tes Bild generiert, das dem Fahrer des Fahrzeugs bevorzugt auf einem Farb-Monitor im Fahrzeug dargestellt wird.
Bevorzugt erfolgt eine Fusion der zeit- und ortsgleichen Bildpaare aus Visuell-Abbild und Infrarot-Abbild auf der Basis einzelner, einander zugeordneter Pixel-Paare aus beiden Abbildern oder unter Verwendung von mehreren Pixeln aus den beiden Abbildern. Dies kann sich insbesondere daran orientieren, welche Auflösung gewünscht und/oder welche Rechenleistung für die digitale Bildverarbeitung zur Verfügung steht. Die wie beschrieben vorverarbeiteten Abbilder werden durch digitale Verarbeitung von deren Bild-Daten überlagert und angezeigt. Vom Ergebnis her, kann dieser Vorgang annähernd mit dem Ubereinanderlegen von Folien oder Dias derselben Szene oder Fahrumgebung verglichen werden. Rechentechnisch bzw. bei der digitalen Bildverarbeitung wird dies durch Mittelwertbildung der Pixelinformationen, wie insbesondere unter Berücksichtigung von deren Helligkeit in den jeweiligen Abbildern und der im Visuell-Abbild und/oder im Infrarot-Abbild enthaltenen Farbinformation, erreicht. Dies muss nicht notwendigerweise Pixel für Pixel erfolgen, sondern kann auch durch Mittelwertbildung für orts- und zeitgleiche Pixelbereiche in beiden Abbildern geschehen.
Ferner kann es sinnvoll sein, die Pixelinformation im Infrarot-Abbild bei der Mittel- wertbildung unterschiedlich zur zeit- und ortsgleichen Pixelinformation im Visuell- Abbild zu gewichten. Diese unterschiedliche Gewichtung kann bspw. tageslicht- und/oder witterungsabhängig und/oder in Abhängigkeit vom Scheinwerferlicht des Kraftfahrzeugs und/oder in Abhängigkeit von der Farbe im Visuell-Abbild erfolgen; hierdurch kann bspw. erreicht werden, dass eine rote Ampel im Fusionsbild beson-
ders deutlich erkennbar ist. Ferner kann die Gewichtung für Teilbereiche des Fusionsbilds, z.B. Unterschied zwischen Vordergrund und Hintergrund, oder das gesamte Fusionsbild manuell durch den Fahrer des Fahrzeugs veränderbar sein.
Durch dieses Vorgehen können einzelne Bildbereiche besonders hervorgehoben werden. So kann beispielsweise der unmittelbare Fahrbereich des Fahrzeugs stärker betont werden, um eine gewisse Führung des Fahrers zu erreichen.
Bei zunehmender Dunkelheit könnte die Gewichtung der Infrarot-Information ggü. der visuellen Information bei der Mittelwertbildung zunehmen. Bei eingeschaltetem Abblendlicht könnte die Gewichtung der Infrarot-Information ggü. der visuellen Information im Vergleich zu eingeschaltetem Fernlicht erhöht sein.
Ebenso könnte der Informationsgehalt eines Bereichs in dem jeweiligen Abbild die Gewichtung mit bestimmen. Ist der Informationsgehalt in einem zeit- und ortsgleichen Bereich des Visuell-Abbilds bspw. deutlich höher als in demselben Bereich des Infrarot-Bereichs, so kann es sinnvoll sein, dies bei der Mittelwertbildung durch eine höhere Gewichtung der Visuell-Information zu berücksichtigen.
Wie bereits beschrieben, müssen die von den Kameras bzw. Sensoren generierten Abbilder vorverarbeitet werden, um entzerrt und objekttreu ausgerichtet zu sein. Um Speicher, der kostenintensiv ist, einzusparen, greift der Software-Algorithmus bevorzugt pixelweise auf die Sensorinformationen der Kameras 101 und 102 zu.
Bei den in Figur 1 dargestellten Vorrichtungen zur digitalen Bildverarbeitung handelt es sich ganz oder teilweise bevorzugt um ein oder mehrere softwaregesteuerte Digi- tal-Prozessoren, die vorzugsweise zur digitalen Bildverarbeitung in Echtzeit optimiert worden sind. Ebenso ist es aber auch denkbar, einen oder mehrere softwaregesteuerte PC-Prozessoren in kostengünstiger Weise zu verwenden, wenn deren Verarbeitungsgeschwindigkeit eine weitgehende Echtzeitverarbeitung der Abbilder zur Bereitstellung eines Fusions-Bildes mit Visuell- und Infrarot-Informationen gestattet.